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wochcnbtiiage:„Illustrierte Soimtagrzeitung"

35. Iahraana.

Fulda, Mittwoch den *26. Februar 1908.

M 47

vrvei^es -dlatt.

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der Freikcnservativen sei noch zweflelhaft. Was die nalionalliberale Partei angebe, so werde aus ihre entgiltige Steliunqnahme der Parieilag von Magdeburg von enlscheidendem Einfluß sein. Proseflor Pteiger hält dafür, daß im Adgeord- netenhause sich wohl eine Mehrheit für die ge- Heime Abstimmung finden werde, umsomehr als auch die Ueberzeugung von der Nolwendigkeit der geheimen Wahl in der Bevölkerung mehr und mehr um sich greise. Diese Ausführungen sollen wohl einen Appell an die Mitglieder bei nationaliberalen Fraktion darstellen, die bisher für die geheime Abstimmung nicht au haben roa> ren. Die meisten Schwierigkeiten sieht Professor Metger der Neueinlesiung der Wahlkreise ent­gegenstehen, da man mit dem Wider stände all r derjenigen rechnen müsse, in deren Interesse dir Beibehaltung des jetzigen Zustandes ist. Die Einteilung lediglich nach der Einwohnerzahl lehnt Professor' Metger ab, er tritt für fernen Teil — und man darf dies wohl auch als die allgemeine Ansicht seiner Fraktion ansehen — dafür ein, die Wohlkreiseinteilung wieder dem Standpunkte von 1860 anzupaffen, lieber die Stellung des Zentrums zu diesen einzelnen Fragen hätte Herr Metger sich nicht den Kopf zu zerbrechen brauchen. Das' Zentrum hält nach wie vor an der lieber» iragung des Reichswahlrechies auf Preußen fest und wir halten es für verfrüht, sich in Ver­mutungen darüber zu ergehen, wie sich daS Zentrum einer anderweiten Reform gegenüber eventuell stellen würde. ____________________

--- Der internlitisnsle Wettlauf jur See.

In der englischen Presse ist neuerdings viel­fach von internationalen Verhandlungen über die Einschränkung der Seeriistungen die Rede. Solche Verhandlungen einzuleiten, soll auch der englische Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey, bereit sein.

Wunderlicherweise wird bei diesen Erörte­rungen fast ausschließlich von Deutschland gesprochen, als sei das der einzige Staat, dessen Maßregeln das Jnselreich zu einer Verstärkung feiner Kriegsflotte veranlassen könnten. In Wahrheit ist die deutsche Flotte weit entfernt, der englischen gefährlich zu werden. Kein Mensch im Deutschen Reich denkt daran, England feind-

Bermischtes.

• Auf Tod und Lebe«. In Duisburg am Niederrhein bemerkte ein Juwelier nachts zivei Einbrecher in seinem Laden. Es kam zu einem verzweifelten Kampfe, in dem der Geschäftsin­haber durch zahlreiche Messerstiche schwer verletzt wurde. Die Einbrecher entkamen mit einer wert­vollen Beute.

* Eine große internationale Schwindlerge- srllschast verhaftete die Polizei in Straßburg

lelia zu begegnen. Kein Mensch trägt sich mit der Hoffnung, die deutsche Flotte derart auszu- bauen, daß sie englischen ebenbürtig, geschweige überlegen würde. England hätte weit mehr Anlaß, sich mit Frankreich, den Vereinigten Staa­ten von Amerika, Japan über die Seeriistungen zu unterhalten als mit Deutschland. Auch Ruß­land schickt sich an, Milliarden für die Erneue­rung feiner Kriegsflotte auszugeben. Weshalb also wird just Deutschland bei der Besprechung der Rüstungsfrage in den Vordergrund gescho­ben?

Nach einer Mitteilung, die der „Vofl. Zig." aus London zugeht, scheint die englische Regie- rung entschlossen zu sein, durch direkte diplo­matische Verhandlungen mit Ber - l i n hüben und drüben eine Herabsetzung des Marineetats anzuregen, England braucht die sonst für die Marine aufgeweudeten Millionen zu Al­terspensionen. Wie dazu die „Daily News" an­beutet, dürfte England in den diplomatischen Un­terhandlungen ersucht werden, als Gegenleistung auf das Recht der Zerstörung des Privat­eigentums auf feindlichen Handelsschiffen zu verzichten. Falls die Unterhandlungen erfolglos verlaufen, müßte das englische Marinebudget in den nächsten Jahren durch den Bau von fünf „Dreadnoughts" einen riesigen Umfang annehmen.

Es bleibt abzuwarten, ob in der Tat das eng­lische Kabinett Verhandlungen mit Deutschland einleitet. Man wird kaum annehmeir können, daß England in Berlin den Wunsch aussprechen oder andeuten werde, das neue deutsche Flotten- gesetz möge unausgeführt bleiben. Auch jenseits des Kanals wird genugsam bekannt sein, daß der Ausbau der deutschen Kriegsflotte sich in keiner Weise gegen das Jnselreich richtet. Inwieweit die Behauptung, Deutschland werde auf die An­regung zur Einschränkung der Seerustungen mit dem Verlangen antworten, daß das Privat­eigentum zur See geschützt werde, eine tat­sächliche Unterlage hat oder nicht, ist nicht zu er­kennen. Dieses Verlangen ist alt und begründet. Wenn ihm die englische Regierung, im Gegen­satz zu ihrer bisherigen Haltung, stattgeben will, so wird sie damit lebhaften Beifall ernten.

Inzwischen ist dem englischen Parlament das Marinebudget zugegangen. Das Flotten- bauprogramm ist, wie folgt, festgestellt wor­den: ein Schlachtschiff von der verbesserten Dread­nought-Klasse, ein großer armierter Kreuzer, sechs schnelle geschützte Kreuzer, 16 Torpedoboots­zerstörer. Auch ist, wie schon gemeldet, eine An­zahl von Unterseebooten vorgesehen, deren Ge- saintkosten auf eine halbe Million Pf. Steel, ge­schätzt werden. Die beigegebene Denkschrift führt auS: Dieses Programm genügt für 1908<Kj. Ob eine Erweiterung im nächsten Jahre ober in den folgenden Jahren nötig ist, muß von den Vergrößerungen der fremden Kriegsflotten ab­hängig gemacht werden. Die Regierung hat durch­aus das Ziel im Ange, die Flotte in dem Be­stände zu erhalten, wie er bisher für die Siche­rung der nationalen Interessen des Reiches für notwendig angesehen wurde.

Wenn es England so sehr um die Verringe­rung dec Flottenlasten zu tun ist, warum macht es denn nicht den Anfang damit? Eng­land hat den Ehrgeiz, zur See stärker zu sein, als je zwei andere Mächte zusammeugenoinmen. Wenn es einmal ein Ende mit der ungemessenen Flottenvermehrung machen wollte, würden die andern Mächte schon gern von selbst folgen. Jüngst hat der englische Minister des Auswärti­gen im Unterhause gesagt: „Gegenwärtig ist die ganze Welt England wohlgesinnt, und ich glaube nicht, daß es eine einzige Macht gibt, die gegen England feindselige Absichten hegt." Nun also!

£ Die deutschfeindliche Stimmung, ic noch allenthalben herrscht, hat sich j,n &cn ."etzten Wochen bei dem Lärm wegen der Balkan- bahnen wieder einmal in voller Blute gezeigt. Gegen die kleine Verbindungsbahn, bte Oester­reich durch den Sandschak Novwergen bauen will, erhob sich nicht nur in Rußland, was man verstehen kann, lebhafter Widerspruch, sondern auch in Frankreich, Italien und vor allem in England. , _ ,. ,

Au« Oesterreich schlägt man, aber Deutsch­land meint man. Einige sagten geradezu, hin­ter diesem schrecklichen Bahnprojekt stecke die Hand Deutschlands, und fabelten sogar von einem Zu­sammenhang der bosnischen Bahnen mit der Bagbadbahn. Andere wiesen hin auf die allge- meine Solidarität der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche, deren politische und wirtschaftliche Jnteresien auch bei diesem Verkehrsmittel zu- fammenträfen.

Tie deutsche Regierung hat den verbündeten Nachbarn zu diesem Unternehmen nicht angeftif- tet: sie hat es ruhig den Wiener Staatsmän- nern überlassen, ob und wann sie von der Voll­macht, die ihnen schon auf dem Kongreß von 1879 gegeben war, Gebrauch machen wollten. Als nun Oesterreich nach einem Menschenalter endlich die Zeit für diesen Bahnbau gekommen erachtete und dieserhalb von mehreren Seiten angegriffen wurde, da hat allerdings die deutsche, Regierung offiziös erklären lasten, daß Oesterreich vollstän­dig im Rechte sei. Deutschland würde, wenn es sich auch nicht in die österreichische Balkanpolitik einmischt doch zweifellos den Bündnisfall für gegeben erachten, falls Oesterreich wegen der Ausübung seines verbrieften und natürlichen Rechte? angegriffen werden sollte.

Daneben hat Deutschland selbstverständlich ein großes Interesse daran, eine Verstimmung oder Spannung zwischen Rußland und Oester­reich möglichst zu v e r h ü t e n. In dieser Hin­sicht wird gewiß unsere Diplomatie das ihrige getan haben und noch tun. Die „Nordd. AUg. Ztg." begrüßt in ihrer letzten Wochenrundschau „die eingetretene Klärung der Lage mit Befrie­digung", doch deutet sie recht verständlich an, daß die Spannung sehr ernst gewesen und daß die Gefahr einer Sprengung des europäischen Kon­zerts zwar vorläufig, aber noch nicht end- gütig beschworen sei.

Der Vorgang lehrt recht eindringlich, daß dem deutschen Reiche und seinem Verbündeten nichts vergönnt wird, nicht einmal das einfachste und selbstverständlichste wirtschaftliche Unterneh­men in dem Hinterland«, und daß die beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche gegenüber dem Ring von Neider und Hasser mehr als je zu­vor auf einander angewiesen sind.

Deutsches Reich.

& Tie Polenvorlage kommt am Mittwoch im Her ren hause wieder zur Verhandlung. Die Herrenhauskommission hat die Vorlage bekm sich in einer Weise ungestaltet, daß ihr eigent­licher Zweck vereitelt wird. Tas hat der Finanz- Minister in der Kommission festgestellt, indem er folgende Zahlen mitteilte: Der polmiche Grund­besitz in der Provinz Posen umfasse 546,000 Hel- tar, davon gehören 211,000 Hektar zum befestig­ten Grundbesitz. In zehnjährigem Besitze sei so viel polnisches Land, daß man / 0,000 Heolar überhaupt nicht enteignen könne. Der Zweck der Vorlage, möglichst wenig deutschen Bentz 8« bar- zellieren, würde illusorisch gemacht. Das Gesetz würde also ein Enteignungsgesetz jur die deut­schen Besitzer werden. Am 1. Mai 1900 habe der polnische Besitz 546,175 Hektar betragen, nach den Anträgen könnten davon höchstens 97,342 Hektar, die weit zerstreut lägen, enteignet werden, darun­ter befänden sich viele Güter, bte für die An­siedelung nicht geeignet waren; dies feien 41,242 Hektar, so daß nur noch 56,100 Hektar für bte Enteignung in Frage kämen; int Regierungs­bezirk Bromberg nur 17,995 Hektar, bavon fielen nackt bett Kommissionsbeschlüssen unter bas Ent- eignungsrecht nur 10,699 Hektar, ungeeignet ba- pon seien 3,967 Hektar, so daß nur 67ö2 Hektar Übrig blieben. Es wird sich bald zeigen, ob bas Herrenhaus seiner Kommission treu bleibt, ober sich auch auf den Standpunkt stellt: Macht geht vor Recht! , , , _

k Wie man den „Frieden" erhalten will. In der liberalen „Freien Bayer. Schulztg.", die von dem radikal-liberalen Abg. Lehrer Beyhl heraus- gegeben wird, stand jüngst ein einseitig protestan- tisch-freigeistiger Artikel. Auf Veranlassttng eines Bezirksvereins des Bayerischen Lehrervereins sandte ein katholischer Lehrer an das Vereins- organ, die „Bayer. Lehrerztg." einen die katho­lische Anschauung verteidigenden Gegenantikel. Allein er bekam von dem Redakteur in Nr. 7 der „Bayer. Lehrerztg." die Antwort: „H er r Bevhl und ich wollen in Fricden mit­einander marschieren." Aha, also die , Gegner dürfen ihre freigeiftigen, katholikenfeindlichen Anschauungen in die Welt schleudern, ober wenn man sich wehren und die k a t h o l i s ch e Welt­anschauung vertreten will, dann heißt es: Das geht nicht, wir tsollen „in Frieden" leben. Ja, dann ist der Frieden so schön, wenn die Katho­liken nur immer stillhalten, und man auf ihnen herumtrampeln kann. Oder sollte gar die „B. Lehrerztg." ihre innere Freude haben an den freigeistigen, radikalen Lehren der „Freien B. Schulztg."? Das müßte den katholischen Mit­gliedern des bayerischen LcchrervereinS, dessen Organ die , Bayer. Lehrerztg." ist, doch zu denken geben.

L Hebet die Aussichten der preußischen Wahlreitstsreform veröffentlicht die ,Nationalztg.' an leitender Stelle eine Zuschrift bei national- liberalen Abgeordneten Professor Metger. Die Einführung des ReichStagkwahlrechtr in Preußen hält Proseflor Metger für ausgefchlossen. Da­gegen sei eine anderweitige zweckmäßige Reform keineswegs aussichtslos. Al- erste Forderung bezeichnet er die Einführung deS Mehrstimmen- rrchtS. 9tationaUiberale und Freikonservative würden dafür sein. Vielleicht, meint Professor Metger, würden auch Zentrum und Freisinnige ihm zustimmen. Die Forderung der geheimen Abstimmung hat nach Professor Metger bei der Regierung Aussicht auf Annahme, sofern daS Abgeordnetenhaus sich dafür erklären würde. Zentrum und Freisinn würden sicher dafür fein, die Konservativen wohl dagegen, die Stellung

Ausland.

• Nasi wirb in dem gegen ihn ergangenen Ur­teil ber Veruntreuung öffentlicher Gelber unter Zubilligung milbernber Um­stande schuldig erkannt. Das Urteil verhängt über Nasi noch eine Geldstrafe von 290 Lire unb legt ihm die Kosten des Prozesses auf! die Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter wird für die Dauer von vier Jahren und zwei Monaten ausgesprochen.

* In den Vereinigte» Staaten gehen dis Wogen für die Präsidentenwahl schon sehr hoch. Die zwei Parteien, Demokraten und Republikaner, arbeiten eifrig., Die ersteren prä­sentieren ziemlich unbestritten ihren Bryan, ein Gegenkandidat aus seinen eigenen Reihen hat keine Bedeutung. Im republikanischen Lager ist die Zersplitterung über die Person des Kandi­daten viel größer. Einige sog. Kirchturmkandi­daten, die nur die Stimmen vereinzelter Staa­ten erhalten, kommen nicht ernstlich in Betracht. Bedeutsamer ist schon Senator Foraker, für den der Block ber Südstaaten stimmt. Zwei Haupt- fanbibaten sind Kriegssekretär Taft und der Gouverneur von Newyork, Hughes. Taft, der von Roosevelt unterstützt wird, hat bis j,etzt 253 Stimmen hinter sich, Hughes etwa 110, nämlich Newyork, Massachusetts, Connecticut, New-Hamp­shire und Vermont. 491 Stimmen sind notwen­dig, um gewählt zu werden.

Zuldaer W Zeitung

_ ,, , _, .. ttendruckerei in Fulda

monakbeilage: „Zuldaer Seschichtrblatter Zerusprechcr Ur. 9.

Kleines Feuilleton.

— Vom Schlafe ber Verbrecher. Hundert­fältig werden in Romanen die seelischen Dualen ausgemalt, die ber Verbrecher nach vollbrachter Tat erleibet, die ihn heimsuchen, ehe ihn die irdische Gerechtigkeit erreicht, und vielleicht zu einem reuigen Geständnis treiben. Die moderne Kriminalpolizei hat erwiesen, daß das Unsinn ist. Chauleaubriand hat gesagt: „Während der Tiger sein Opfer zerreißt und schläft, ist ber Mörber zum Wachen verurteilt." Der Psychologe Despone hat bie gegensätzliche Formel gezeigt: „Nichts gleicht mehr dem Schlaf bes Gerechten als der des Mörders", und, so schrecklich es klingt, er hat recht. Em wirklicher abgebrühter Ver­brecher hat, wenn er nur gesund ist, nach ber Tat einen natürlichen Schlaf wie ber ehrliche Arbeiter nach seiner Tagesleistung. Der italienische Psy­chiater De Santis, ber sich eingehned mit dieser Frage beschäftigt hat und die Missetäter selbst befragte, kommt zu dem Ergebnis, daß der Ver­brecher nach ber Tat und während der Jahre ber Strafverbüßung sich eines ruhigen und tiefen Schlafes erfreut, um den ihn mancher ehrliche Mann beneiden könnte. Nach seinen Feststellun- gen träumen bie Verbrecher verhältnismäßig fei­ten. die eigentliche Blume der Kriminalität aber, bie Raubmörder, Straßenräuber und ähnliche „schwere Jungen", träumen niemals. In dem Bestreben, die Schilderung ber Dichter wenigstens einigermaßen zu rechtfertigen, gibt man sich der Hoffnung hin, die leichteren Verbrecher, die noch träumen können, würden in ihren Träumen an den Schauplatz ihrer Untaten geführt und erleb­ten hier schreckliche Dualen. Aber auch das ist nur teilweise durch die Erfahrung bestätigt. Die Szene des Verbrechens erscheint ihnen zwar ziem­lich oft, aber nur selten in Begleitung von Auf­regungen, das heißt ber Verbrecher zeigt im Traume dieselbe Kaltblütigkeit, die er bei ber Tat leLst bewiesen bat Der vielzitierte Cynis-

mus des Verbrechers, den fast jede Gerichtsver­handlung aufs neue beweist, erhält durch diese Feststellungen eine unerwartete Bestätigung.

— Tas Schnlkopfwch. Daß die Schule mit ihren stetig sich steigernden Stnforberungen an bte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit in sehr vielen Fällen ungünstig wirkt, wird schwer­lich bezweifelt werden können. Es gibt bei Schul- lindern eine ganze Reihe von Erkrankungen, die immer wieder auf die besondere Einwirkung des Unterrichts zurückgeführt werden. Man hat sich in gewissen Kreisen daran gewöhnt, bie Schule für allerlei Störungen des jugendlichen Körpers verantwortlich zu machen, ohne die Schädlichkei- ten zu berücksichtigen, welche außerhalb der Schule und unabhängig von ihr zur Einwirkung gelangen. So hat man beispielsweise angenom­men, baß das bei Schulkindern vielfach beobach­tete Kopfweh auf einer durch die Anforderungen der Schule verschuldeten Blutleere ober Blutüber­füllung des Gehirns beruhe. Daß biete Auf­fassung in manchen Fällen nicht zutrifft, geht ans den Untersuchungen eines norwegischen Forschers, Axel Holst, hervor. Er unterzog bie Zöglinge einer Schule in Christiania einer sorgfältigen Prüfung und kam zu ber Annahme, daß bem Schulunterricht Weber unmittelbar, noch mittel­bar ein beftimmenber Einfluß nach btefer Rich­tung hin zuzumessen sei. Es zeigte sich, daß viele von den über Kopfweh klagenden Schülern an Störungen ihrer Gesunbheit litten, die mit dem Schulbesuch keinen Zusammenhang hatten; an­dere stammten aus nervös belasteten Familien, oder es lag, wie Holst sich ausdrückt, eine „Wachs­tumskrankheit" vor. In anderen Fällen wird nach Holsts Ansicht das Kopfweh, welches sich in der Schuk im Verlaufe der Unterrichtsstunden entwickelt, geradezu durch Hunger verursacht.

— DaS Wesen der Fleischvergiftung beschäf­tigt die wissenschaftliche Forschung unausgesetzt auf das angelegentlichste. Von verschiedenen Seiten sind gewisse Batterien als Erreger dieser gefährlichen Erkrankung, die leider vielfach mit

dem Tode endet, angesprochen worden; andere wieder glauben ausschließlich an, bte Wirkung stark wirkenber, von ben Bakterien gelieferter Stoffwechselprodukte, sogen. Piomaine. Nun sind neuerdings einige Epidemien von Fleischvergif­tungen bekannt geworden, welche klinisch unter dem Bilde des TyphnS verliefen und von manchen Forschern auch für einfache Typhnsepide- mieii erklärt worben sind. Gegen biefe Deutung sprach aber bisher die Tatsache, baß unsere Haus­tiere nicht an Typhus erkranken, daß bemnach auch durch ihr Fleisch diese Krankheit nicht über­tragen werden kann. Zwei deutsche Forscher, Dr. Levy und Dr. Jacobsthal, haben aus ber Milz und ans ber Leber einer geschlachteten Kuh mit Sicherheit echte Typhusbazillen züchten können und auf biefe Weise ben Nachmeis erbracht, baß unsere Haustiere, ohne bie charakteristischen Ver­änderungen des Typhus aufzuweisen, doch dessen Erreger beherbergen und somit auch auf den Menschen übertragen können.

— grauenengerie. Aus Sachsen wird folgendes luftige Geschichtcken mitgeteilt: Ein Gutsbesitzer fuhr mit einigen Wagen Roggen in die etwa eine Meile entfernte Stadt Bautzen zu Marke. Nach­dem er das Getreide verkauft, und die leeren Wagen nach Hause geschickt hatte, kehrte er mit dem er­lösten Gelbe in einen Gasthof ein, wo er einige Be­kannte traf. AIS die Herren mehrere Kannen des edlen GerftensafteS genoffen hatten, begannen sie Billard zu spielen. Bei den immer höher wer­denden Einsätzen wurde daS Spiel immer fesselnder und währte bis zum nächsten Morgen. Der Guts- bescher hatte nicht nur fein Geld, sondern auch feine Pferde nebst Equipage verspielt. Du erschien aber der Retter in der Not. Die Frau deS Unglück­lichen, die nebenbei bemerkt, die Tochter eines HotelsbesttzerS auS Dresden ist und die edle Kunst deS BillardsspielS früh erlernt hat, trat ganz er­zürnt in da» Billardzimmer, und nachdem sie sich über den Verlust ihres Gatten orientiert hatte, griff sie daS Quene und forderte die Gewinner auf, mit Hl weiter in fpkleu. Um sich nicht in vlamierv»

mußten diese daS Anerbieten annehmen, und zwar bei »och bedeutend höheren Einsätzen. Nach zwei Stunden hatte die Spielerin alles Verlorene wieder­gewonnen und ohne ein Wort zu sagen, nahm sie ihren verblüfften Mann an der Hand, führt« ihn zu der wieder zurückgewonnenen Equipage und fuhr mit ihm nach Hause. Wie aber die darauf­folgende Gardinenpredigt ausgefallen sein mag, bleibt ein FamiliengedeimniS.

— Pflanzt Eschen! Dem Wintersport beginnt eine Gefahr zu drohen, von ber sich wohl die wenigsten „Brettlihupser" etwas träumen lassen: ber Mangel an geeigneten Hölzern zu ben Skischienen. In den Mitteilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins spricht ein Fachmann K. Goethe bie Befürchtung aus, daß nach einer gar nicht mehr so entfernten Zeit die Bestände an geeigneten Eichenhölzern der­art gelichtet sein werben, daß eine empsinbliche Verteuerung der Skier unausbleiblich wird. DaS in dichtem Schlüsse und auf schattenseitigen Leh­nen gewachsene Holz eignet sich zu den Skiern besser als sonnseitig und freistehend gewachsene Hölzer. Es wird also im allgemeinen dem unter ungünstigerern Verhältnissen und langsamer ge­wachsenen Eschenholz des Gebirgs und der Nord­länder der Vorzug zu geben sein. Die Raschwüch- sigkeit der Esche und bie Möglichkeit» dieses Holz schon in jüngeren Jahren zu nützen, sollten die Forstverwaltungen veranlassen, möglichst bald größere geschlossene Bestände im Gebirge an ge­eigneten Deutlichkeiten anzupflanzen.

— Zu höflich. Als der König Oskar von Schweden einst durch eine kleine Stadt kam, die zu seinem Empfang festlich geschmückt war, be­merkte er an einem großen Gebäude ein auf­fallendes Transparent mit der Inschrift: „Will­kommen. Majestät." Er erkundigte sich, was für ein Gebäude das fei. „Das städtische Gefängnis , war die Antwort. Da lachte der König herzlich und meinte: „Das ist doch_ aber wirklich höflich!" L. ________.