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Zuldaer
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Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak» ttendruckrrei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
35. Jahrqanq.
Fulda, Freitag den 21. Februar 1908.
M 43
Sweves 'Kratt
einmal um eine Angelegenheit, deren endliche Entscheidung für die Stadt Marburg von der allergrößten Bedeutung ist.
Jeder, wer es auch sei, der diese für Mar- bürg so wichtige Angelegenheit in die Wege leitet, würde sich ein unvergängliches Verdienst um die Stadt erwerben.
Und mögen die Verhandlungen einen Ausgang nehmen, wie sie wollen, die Zukunft konnte ivenrgstens gegebenen Falls nicht den Vorwurf erheben, daß jetzt etwas versäumt worden sei.
Bei der Darstellung ist stets nur von einem Vergleich der beiden Kirchengemeinden gesprochen worden, während in Wirklichkeit nach Lage der bekannten Rechtsverhältnisse auch der Preu- siische Staat als Eigentümer der alten Elisabeth- kirche in den Vergleich mit eintrete« müßte. Man geht aber wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Staat gegebenen Falles einer Einigung der beiden Kirchengemeinden nicht hindernd in den Weg treten würde. Das wesentliche bleibt also zunächst eine Einigung der beiden Kirchengemeinden, rind darum haben wir wohl auch mit Recht unsere Darstellung auf diese beiden Ge- meinden beschränkt."
So weil der Aufsatz der .Hessischen Landes« zrilung'.
Die beiden Berichte schildern die gegebenen Verhältnisse so ausreichend und gut, daß wir an sich nichts hm'uzufügen hätten. Im Jnteresie der Vollständigkeit der Darstellung der in Betracht kommenden Tatsachen möchten wir nur noch darauf Hinweisen, daß unseres Erachtens dir lutheriiche Gemeinde in Marburg der katholischen Gemeinde dort wohl auch noch aus folgendem Grunde ent» gegenkommen könnte.
Die alte Elisabethkirche war bis zur Aufhebung des deutschen Ordens (1869) Eigentum dieses Ordens. Mit seiner AuiHebung fielen besten Güter dem Fürsten des Landes zu, in welchem sie lagen, die alte Elisabethkirche mit dem Marburger Deutsch-OrdenSgut damals also dem seit 1807 herrschenden König Jörome von Westfalen. Dieser veräußerte das OrdenSgut a« zwei Gebrüder Hostmann, während er über die Elisabethkirche zu Gunsten der katholischen und der neu zu bildenden lutherischen Gemeinde in Marburg verfügte. Die erstere sollte die drei Chöre benutzen, die letztere das Schiff der Kirche. So wurde eS auch gehalten, bis der Kurfürst von Hesten im Jahre 1843 wieder in das Land einzog. Er ging von der Annahme auS: die Herrschaft des Königs Jerome sei eine unberechtigte gewesen und darum seien auch seine Maßnahmen unwirksam. AuS diesen Gründen hielt er auch die Verfügungen des Königs Jsrome über das Deutsch-OrdenSgut und über die Elisabethkirche nicht für rechtsgiltig. Er forderte daS Gut von den Gebrüdern Hoffmann zurück und wies die Katholiken aus der Elisadeth- kirche hinaus. Die letzteren wichen der Gewalt, dir Gebrüder Hoffmann verteidigten aber ihre Rechte vor den Gerichten. Diese erkannten, daß der Anspruch deS Kurfürsten unbegründet sei und daß die Gebrüder Hoffmailn im rechtmäßig erworbenen Besitze und Eigentum des alten Deutsch« OrdenSguteS zu belasten seien. Die katholisch» Gemeinde in Marburg würde das entsprechende Urteil hinsichtlich der drei Chöre der Elisabethkirche damals auch haben erlangen können. Sie hat aber damals nicht geklagt. Aus welchen Gründen sie dies unterlassen hat, ist unS unbekannt. Diese Gründe zu kennen, interessiert aber auch im gegebenen Falle nicht. Wahrscheinlich
Die katholische Elisabethkirche in Marburg.
Bekanntlich sammelt die katholisch« Gemeinde in Marburg in Deutschland und auch im Auslande Beiträge zum Bau einer neuen katholischen Elisabethkirche in Marburg. Die Beiträge sind so reichlich und hoch, daß man in nicht allzu ferner Zeit daran denken könnte, mit dem Bau der neuen Kirche zu beginnen, zumal ja schon ein großer und sehr schön gelegener Bauplatz am Fuße des Schloßberges in der Mitte zwischen der alten Elisabethkirche und der Universität vorhanden ist.
Da kam auf einmal von evangelischer Seite oer gewiß beachtenswerte Vorschlag, man möchte es doch vermelden, in Marburg zwei Elisabeth- kirchen zu schaffen, eine evangelische und eine ka holiiche, man möchte sich doch lieber dahin vergleichen, daß die lutherische Gemeinde ihr Nutzungsrecht an der alten Elisabeth- kirche an die katholische Gemeinde ad- trete, wogegen die katholische Gemeinde der lutherischen Gemeinde ihren für die neue Kirche bestimmten Bauplatz unentgeltlich überlasten und ihr so viel Baukapual geben möchte, daß sie sich eine für ihren Kultus paffende schöne und große neue Kirche bauen könnte.
Die katholische Gemeind« in Marburg ist zu einem iokchen Vergleich geneigt. Daß alle deut',chen Katholiken ihr hierin beistimmen, hat ein der ,He> suchen Landeszeitung' in Mar- bürg von katholischer Seit« zugesandter Bericht treffend ausgesührt. Demnach ist «S sehr wahr- schemlich, daß wenigsten- die Vergleichsver- Handlungen demnächst eingeleitet werden.
Wir haben den von evangelischer Seit« kommenden „Vorschlag zur Güte", der in einem Auf. fatz der ,peff. Landesztg/ in Marburg eingehend dargelegt wurde, unseren Lesern bereits mit- geteilt tvergl. 9lr. 288, II vom 16. Dez. 1907). Wre erinnerlich, wurde darin hauptsächlich hervorgehoben, die Schönheit und Ehrwürdigkeit der Elisaoethkirche könne nicht darüber Hinwegtäuschen, bau sie, ihrer ganze». Anlage nach, den Anforderungen an em evangelische- Gotteshaus nicht entspreche. Sie sei eben al- katholische Kirche gebaut, für den katholischen Gottesdienst zweck mäßig eingerichtet und entsprech« ganz dem Srnne der Katholiken. Was den Protestanten darin frenid erscheine, fei den Katholiken lieb und vertraut. Der Austausch der Kirchen würde
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schöne Kirche erlangen würde, nein, aus den oben genannten Gründen. Tie Freude wurde unfaw bar sein, wenn es den katholischen Deutschen wieder vergönnt sein könnte, ihre große Heustie in deren Grabeskirche wieder nach ihrer Art verehren zu können. Auch wenn die alte Elisabetb- kirche eine ganz einfache Kirche wäre ohne Kvnst- wert, von katholischer Seite kämen die gleio^n Wünsche, wie heute; denn für uns ist im gegebe- iien Falle die Hauptsache dasGrab der Heiligen.
Ein Vergleich zwischen den beiden Gemeinden würde ja nicht in jeder Hinsicht vorteilhaft fern für die katholische Gemeide in Marburg. Di le, und mit ihr das katholische Deutschland wurde materiell viel aufwenden und materiell sehr wenig erhalten. Die lutherische Gemeinde wurde zu einer Kirche kommen, die ihr gehört. Tw katholische Gemeinde würde dagegen nur etn Nutzungsrecht an der ja dem Staate gehörigen alten Elisabethkirche erlangen. Das Bauwerk würde also nach wie vor tm Eigentum des Staates bleiben. Dieser Mangel wurde aber für die katholische Seite ausgeglichen durch die hier vorhandenen idealen Interessen., Der Boden für einen Vergleich mutz also günstig bezeichnet werden. . ,
Was aber wird e3 werden, wenn etn solcher Vergleich nicht zustande kommt und in Marburg zwei Elisabethkirchen nebeneinander stehen? Keine Gemeinde wird darüber völlig froh werden. Die lutherische Gemeinde würde sehen muffen, wie die neue Elisabethkirche schön und groß würde, wie viel Fremde kämen, um die Heilige in der neuen Kirche zu verehren, wie sie aber auch die alte Elisabethkirche immer besuchen und auch dort beten würden, wie die Fremden jahraus, jahrein bedauern würden, datz es soweit gekommen fei, daß man sich nicht geeinigt habe. Und dann würden doch die lutherischen Christen immer wieder hören wüsten, daß die alte Kirche in ihrer ganzen Einrichtung katholisch sei. .Das ist doch nun einmal so. Sollte es der lutherischen Gemeinde nicht willkommen sein können, in schönster Lage der Neustadt eine wirklich schöne, für ihren Kultus geschaffene Kirche zu erlangen, in welcher sie nicht fortgesetzt an eine ihr doch fremde Religion erinnert würde?
Würde die neue katholische Elisabethkirche gebaut, so wäre auch die katholische Gemeinde nicht völlig froh. Denn nach Lage derVerhältnisse ist unter Zugrundelegung der katholischen Auffassung nichts natürlicher, als datz ein Kirchenbau in Marburg nur eine Elisabethkirche sein kann. Aber es würde ichr das für ihre Religion in Marburg höchste, das Grab der hl. Elisabeth entzogen bleiben. Alle Freude in der neuen Kirche würde immer nur eine halbe fein. Durch alle Festgesänge zur Verehrung der Heiligen würde die Klage gehen, datz die katholische Verehrung der Heiligen an deren Grabe nicht mög- lich sei.
Mögen sich Marburger Kreise auf beiden Seiten vereinen, um unparteiisch und in Frieden etwas zu schaffen, wofür ihnen nicht nur die Gegenwart, sondern vor allem auch die Zukunft dankbar sein würde.
Eins darf nicht unerwähnt bleiben, obwohl es niemals den Ausschlag geben Fann. Würde die alte Kirche der katholischen Gemeinde wieder zur Benutzung eingeräumt, so wäre ein Fremdenverkehr für Marburg zu erwarten, von dem man jich heute dort kaum eine Vorstellung machen kann. Viele würden an das Grab der hl. Elisabeth kommen, ganz genau so, wie es in den früheren Zeiten gewesen ist. Dieser Verkehr Ware für die Stadt aber nur von Vorteil.
Und nun die schwierige Frage:
Wer soll die Verhandlungen eröffnen? Man kann eS wohl begreifen, datz keine Partei gern den ersten Schritt tut. Es handelt ft chaber nun
ein Akt verständigen SichvertragenS und Sich- gegenseitigdienenS sein, daS weithin als gutes Beispiel wirken müßte.
Von katholischer Seite erschien darauf, wie erwähnt, in derselben ,Heff. Landeszeitung' (Nr. 80) eine Antwort, die wir unseren Lesern ebenfalls im Wortlaut vor'egen wollen:
„Die Stadt Marburg steht vor der Entscheidung einer Frage, deren endlicher Ausgang für die gesamten Verhältnisse der Stadt von der allergrößten Bedeutung ist. Viele werden hieran noch kaum gedacht haben: und doch ist es so. Um dies einzusehen, mutz man sich allerdings bie katholische Auffassung von der Verehrung der heiligen Elisabeth einigermaßen vergegenwärtigen. Darum ist eS nötig, sie kurz zu schildern: sie ist folgende:
Die hl. Elisabeth ist eine der heilig hehrsten Gestalten von ganz Deutschland: sie wird in ganz Deutschland als Heilige hoch geehrt und verehrt. Aber nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo katholische Deutsche wohnen, erzählt man gern von der heiligen Fürstin, die in Marburg so viel Gutes an den Armen getan hat, und man bittet um ihre Fürbitte bei Gott. Und nicht nur Deutsche tun dies, auch daS Königreich Ungarn schaut voller Verehrung zu ihr empor. Aber auch dort findet ihre Verehrung keine Grenze. In vielen Ländern wirken Ordensschwestern, welche ihr Leben nach demjenigen der hl. Elisabeth einrichten, nach ihr sich nennen, und überall, wohin sie gehen, die Verehrung der hl. Elisabeth lehren und fördern. Die ganze katholische Kirche der Welt feiert das Fest der großen Heiligen und ruft ihre Fürbitte an am 19. No vember eines jeden Jahres. Und nun ist in der Stadt Marburg der Ort, wo die Heilige gelebt, wo sie ihre großen Wohltaten getoirft, wo sie gestorben und begraben ist.
Dieser Ort hat daher nach allem, was gesagt ist, nach katholischer Auffassung religiöses Interesse nickt nur für die kleine katholische Gemeinde in Marburg, sondern für die katholischen Christen von ganz Deutschland, von Ungarn, ja, man kann w.'bl sagen, der ganzen Welt. Die Verehrung bet heiligen Elisabeth sehen die katholischen Christen Von Deutschland und darüber hinaus als ihre liebe Pflicht an, und darum werden alle, alle mithelfen, datz gegebenen Falls ein neues Bauwerk, eine neue katholische Kirche in Marburg entstehe, die ein in Stein lebendiger Ausdruck der grotzen Verehrung der Heiligen wäre, würdig ihrer Größe und Heiligkeit. Man wurde sich also sicherlich nicht damit begnügen, nur eine Kirche zu bauen, welche für die katholische Gemeinde in Marburg ausreicht: für diese allein würde die Kirche nicht gebaut werden. Man wird eine Kirche bauen zur Verehrung der hl Elisabeth, zu der gau$ Deutschland und Ungarn und darüber hinaus viele Verehrer der hl. Elisabeth nach besten Krästen beitragen. Dieser Gedanke wird den Bauplan beherrschen, wie er auch im 13. Jahrhundert den Bauplan zur alten Elisabethkirche geboren und geleitet hat.
Alle die angeführten Gedanken lasten sofort erkennen, daß das katholische Deutschtum (foforh dazu geneigt wäre, einen Vergleich dahin einzn- gehen, datz die katholische Gemeinde in Marburg daS Nutzungsrecht der alten Elisabethkirche erlangte, während sie sich verpflichten würde, der lutherischen Gemeinde dort das große Baugelände zwischen der Biegenstraße und dem botanischen Garten unentgeltlich hinzugeben und dazu ein so großes Baukapital, daß die lutherische 6>e- u.einde sich eine sehr schöne und grotze Kirche bauen könnte, ganz wie es ihr Wunsch wäre. Das katholische Deutschland würde einen solchen Vergleich mit großem Dank wohl begrüßen und viel zu seiner Erfüllung tun, nicht weil eS bann eine
Chinesische Mahlzeiten.
Von I. B.
(Nachdruck verboten.)
Em Ordensgeistlicher, ber viele Jahre in Thum als Missionar gewirkt hat, stellt uns folgende Schilderung chinesischer Mahlzeiten zur Verfügung: Kein anderes Volk der Welt dürfte wohl einen fo reichhaltigen Speisezettel besitzen, wie die Chinesen, bei denen jeder, die Männer sowohl wie die Frauen, der höchste Beamte wie der ärmste Bettler sich für die Kochkunst interniert und einen gewissen Stolz darein -setzt, neue Speisen oder neue Zusammenstellungen und Zubereitungen von Speisen zu erfinden. So grotz aber die Zahl der regelrechten Speisen ist, so abscheulich ist für einen europäischen Magen deren Zubereitung.
Das Hauptnahrungsmittel der Chinesen ist der Reis, der bei keiner Mahlzeit fehlt. Gekochter Reis ist die Alltagsspeise des kleinen Mannes, ferner grünes Gemüse in Oel, fettes Schweinefleisch und Fische aller Art. In den sehr zahlreichen Restaurationen der Städte und in den Häusern der Reichen weist der Speisezettel außerdem noch eine Reihe von „Delikatessen" auf z. B. Froschschenkel, Schlangen, Würmer, Käfer, Raupen und Schmetterlingspuppen, Insekten aller Art, Vogeleier, Fischflosten usw. Sehr ge- schätzt sind die Puppen des Seidenspinners und die Larven einer großen Käferart, die sich im Bambusrohr findet: sie werden gekocht und in Oel ober in einer süßen Sauce gegessen. Fast alle Speisen verbreiten einen Duft, gegen den der bei europäischen Feinschmeckern beim Wild- pret fo geschätzte „haut gout" wie eine nichtssagende Kleinigkeit erscheint: je stärker dieser Duft, desto kostbarer findet der Chinese die Speise. So werden z. B. Enteneier nur selten frisch verzehrt, sondern man legt sie meist einige Wochen in feuchten Lehm, damit sie „reif" werden.
Der Geschmack ber Chinesen ist eben von dem unserigen derart verschieden, datz seine Leckerbissen uns abscheulich und ekelerregend erscheinen: umgekehrt findet der Chinese es scheußlich, daß die Europäer Milch trinken und Käse essen.- So etwas vermöchte ein Sohn des himmlischen Reiches nicht übet seine Lippen zu bringen, am allerwenigsten aber Butter, die ihm geradezu Ekel einflößt, lieber den Geschmack läßt sich eben nicht streiten 1 Von Fleischspeisen sind fettes Schweinefleisch und nmgevos Ziegenfleisch am beliebtesten: daneben wird, besonders im Bin- nenlanbe, das Fleisch von Pferden, Hunden, Katzen, Mäusen und Ratten viel gegessen. Hunde- und Katzenfleisch, geschlachtete Ratten und Mäuse bilden dort einen regelrechten Handelsartikel, wie bei uns Rind- und Schweinefleisch. Vom Hunde gelten besonders die Pfoten als Leckerbissen. Unter den Katzen gibt man den schwarzen den Vor- zug, während bunte ziemlich verachtet sind und weiße in vielen Gegenden gar nicht gegessen werden. Bei den Ratten dagegen macht man keinen Unterschied — Haus-, Feld- und Wasserratten erfreuen als Nahrungsmittel sich ber gleichen Achtung. Pferdefleisch ist zwar nicht sehr beliebt, wird aber überall, besonders von den ärmeren Klassen, regelmäßig verzehrt. Die starke Heber- bevölkerung mancher Landstriche läßt nichts unbenutzt verkommest: vom Regenwurm bis zum alten Pferd, das vor dem Karren zusammen- bricht, ist ihr alles eßbar.
Eine große Vorliebe haben alle Chinesen für süßes Backwerk. Zuckergebäck, Kuchen und Süßigkeiten werden überall auf den Straßen feilgeboten und in Menge verzehrt. Ein chinesischer Koch muß es verstehen, hunderte von verschiedenen Kuchen und süßem Gebäck herzustellen: er gebraucht dazu eine Menge der mannigfaltigsten Stoffe. Gemahlener Reis, Bohnenmehl, Hanffamen und Buchwsizenmckhl werden einzeln oder gemischt am meisten verwendet, ferner Kirschen und Pflaumenkerne, Apfelsinen» und Kürbisschalen, Vev» schiedene Oele und Sonia oder Svruo in großer
Menge. Ein großer süßer Kuchen wird in jeder Familie vorrätig gehalten für den Bestich. Jedem Besucher wird ein Stück davon abgeschnitten, das er, wenn et nicht unhöflich fein will, annehmen und sogleich aufessen muß. Da der Kuchen nur für Fremde bestimmt ist, wird er oft alt und zähe; aber niemand denkt daran, ihn durch einen ftifdjen Kuchen zu ersetzen, bis der letzte Rest deS alten vom „Besuch" verzehrt ist. Man muß schon einen chinesischen — oder wie ein Engländer meinte: einen gußeisernen — Magen haben, um den oft Monate alten, zähen Kuchen verarbeiten zu können: aber die Höflichkeit verlangt, datz man ihn verzehrt und seine Vorzüglichkeit mit überschwenglichen Worten preist.
Das Tafelgeschirr besteht aus einer Anzahl von flachen Schalen verschiedener Grötze ,Heinen irdenen Löffeln und den bekannten Eßstäbchen, die in vornehmen Häusern aus Silber oder Elfenbein, gewöhnlich aber aus Holz angefertigt sind. VLcut hält beide Stäbchen zwischen den Fingern der rechten Hand, etwa wie Bleistifte. Eine kleine Büvegung der Finger bringt die Enden der Stäbchen aneinander, sodaß es leicht ist, kleine Gegenstände damit zu ergreifen und aufzuheben. Mester kommen nicht auf den Tisch. Alle Gerichte werden in zerkleinerter Form aufgetragen, das Fleisch in kleinen Würfeln und stets ohne Knochen, die Früchte zerschnitten, das Gemüse in kleinen Häufchen. Ter Chinese versteht es sehr geschickt, diese Dinge mit den Eßstäbchen zu erfaf- sen und in den Mund zu befördern. Beim Esten von Reis, Gemüse und sonstigen halbflüsfigen Dingen dienen die Stäbe nur zum Schieben: man setzt nämlich den Rand der Schale an den Mund und schiebt den Inhalt der Schale langsam auf die Zunge. Eine grotze Gesellschaft auf diese Weife essen zu sehen, ist für ein an europäische Sitten gewöhntes Auge ein recht sonderbarer, freilich nicht gerade sehr appetttlicher Anblick. Zwischen den einzelnen Gängen werden Schalen mit Master und Handtücher herumgereicht, damit die Gäste Hände und Gesicht reinigen. Das Ge
sicht beim Esten zu beschmieren, gilt durchaus nicht für unanständig oder lächerlich.
Die Männer sitzen mit bedecktem Haupte am Tifche und bemühen sich, wenn sie wohlerzogen sind und sich „fein" zu benehmen wissen, die Arbeit des Kauens, Verschluckens und Verdauender Speisen mit möglichst großem Geräusch aus- zusühren. DaS Schmatzen mit den Lippen, Zähne- knirschen, Zungenschnalzen und lautes Ausstößen beim Essen gilt als die größte Höflichkeit gegen den Gastgeber, der sich lächelnd und hocherfreut gegen seine Gäste verneigt, wenn ein besonders lautes Ausstößen seinen Dank herausfordert. Die Hauptsache ist es für den Gast, so viel Speisen wie nur möglich in sich hineinzupacken, um den Gastgeber zu ehren, der seinerseits nicht aufhören darf, seine Gäste in einem fort zu nötigen und mit Gewalt zum Esten zu zwingen.
Am Schluffe jeder Mahlzeit erhält jeder etn« Tasse ober vielmehr ein Täßchen Tee . Die sehr kleinen flachen Schalen werden mit beiden Händen angefaßt und zum Munde geführt, um mit vielem Geräusch geleert zu werden. Der Tee ist zwar meist von ausgezeichneter Qualität, mundet aber dem Europäer infolge der eigenartigen Zubereitung gewöhnlich nur wenig, was ihn aber nicht hindern darf, sein Entzücken über den herrlichen Genuß in möglichst hohen Tönen zu verkünden.
— Richtig beurteilt 91(8 Richard Wagner während feiner Studienjahre mit grober Not zu kämpfe» hatte, wurde er an den reichen, aber auch geizige» Kommerzienrat v. M. empfohlen. Der junge Wagner widmete mit der Hoffnung auf em reiches Geltgefchenk dem Bankier eine große Komposition für Klavier und Flöte. Der Herr Kommerzienrat war entzückt und überreichte dem jungen Kommponiften — ein litogra- phiertes Porträt seiner felbsteignrn Persönlichkeit als Geqenaabe. Riechard Wagner hielt das Bild sehr enttäuscht noch in den Händen, als rhn der Bankier fragte r „Nun, was sagen Sie dazu? „Das sieht rhnen ähnlich^, lautete Wagners Antwort.