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Fulda, Mittwoch den 19. Februar 1908.

. VS 41

35. Jahrgang

Monakbellage: „$Ulbatt Geschichtsblätter"

ÄS wochmbenage: „mustriette LonittagrzeMng"

Lnzeigen: Die eht. spalttgepetttzrileober deren Raum 15 Pfg. ReNamendiepetitzeilr 25 Pfg., bei wieder. Holungen wird entspr.

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Zweites Mlcrtt.

Deutsches Reich.

* Stellung Deutschlands zur Balkanfrage. Der deutsche Botschafter Frhr. Speck v. Stern­burg erklärt, daß Vie in Amerika veröffentlichten Nachrichten, die das Vorhandensein eines Ge­heimen Vertrags zwischen Deutschland, Oesterreich- Ungarn und der Türkei andeuten und besagen, daß Deutschland durch seine Weigerung die für Mazedonien in Aussicht genommenen Reform­maßregeln zu unterstützen, in Europa Beunruhi­gung errege, der Wahrheit nicht entsprechen. Deutschland werde im Einklang mit dem Mürzsteger Programm Oesterreich-Ungarn und Rußland volle Unterstützung ge­währen und tue sein Möglichstes, um die in der Frage der Bahnkonzessionen auf dem Balkan hervorgetretene Spannung zu beseitigen, wobei .8 anscheinend den besten Erfolg habe.

* Landstraßen und Automobilverkehr. Durch die Schnelligkeit des Automobilverkehrs wird der Belag der Landstraßen, wie durch mehrjährige Beobachtungen sestgestellt worden ist, ganz außer­gewöhnlich rasch abgenutzt, indem dieser Belag bzw. die obere weiche Schicht desselben, durch die Gummireifen mitgerisien und seitlich geschleudert rouö. Infolgedessen verlieren die Landstraßen überall da, wo ein starker Ar.tomobilverkehr ftatt- findet, sehr rasch die feine Decklage und müssen neu eingewalzt werden, was erhebliche Kosten verursacht. Nach einer der .Köln. Volksztg.' zur Verfügung gestellten Uebersicht dieser Kosten steigerten sich solche in einem Regierungsbezirk wie folgt: 1901 656 384 Mk., 1902 677 252 Mark, 1903 724 620 Mk., 19 '4 766 550 Mk., 1905 626 464 Mk., 1906 757 777 Mk. Es wäre nur gerechtfertigt, wenn der Automobil­verkehr in entsprechender Weise zur Deckung dieser Mehrkosten durch die Provinzen oder die ein» -einen Kreise herangezog.n würde.

WksrmWMchkS und IsMes.

A Die Fleischbeschau in Hessen. Jnl letzten Vierteljahre 1907 stellt sich die Zahl der Schlacht- tiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: Pferde und an­dere Einhufer 1025 (gegen 498 im dritten Mertel- jähre), Ochien 8556 (9372), Bullen 1663 (1902), Kühe 17,914(15,296), Jungrinder 13,713 (13,701), Kälber 45,385 (50,264), Schweine 317,197 129,710), Schafe 19,505 (14,628), Ziegen 4972 '1272t. — Im Großherzogtum Hessen wurden ger Fleischbeschau unterzogen: Pferde und an­dere Einhufer 601 (206), Ochsen 4914 (4674), Kühe 438 (593), Bullen 9941 (8648), Jung- rinder 10,194 (10,842), Kälber 18,379 (20,282), Schweine 96,647 (90,(94), Schafe 5251 (2901), Ziegen 6413 (2102). In verschiedenen anderen Provinzen und Staaten wurden auch wieder mehr oder weniger Hunde geschlachtet, die meisten, nämlich 1496 (484) im Königreich Sachsen. In derben Hessen ist nicht eine einzige Hundeschlach- tung velzetchnet.

Ausland.

* Tas frauzösische T.volutiousgksetz und die Protestanten. Außer den verschiedenen Einsprü­chen, die in protestantischen Zeitungen und Zett- schristcn gegen das sogenannte Devolutionsgesetz (Heimfall der Kirchengüter) erhoben wurden, ist jetzt auch von derselben Seite einer im Senat eingegangen. Ungefähr 100 angesehene Prote­stanten haben ihn unterzeichnet und durch den Senator Waddington einreichen lassen. Sie ver­urteilen den Angriff „auf die Grundprinzipien des Rechts" auf das entschiedenste und nennen ihn „eine wahre Unbill". Sie werfen der Regierung vor, die Praris von Ludwig XIV". wieder aufzu­nehmen, der das Kirchenvermögen der Proteitan- ten unrechtmäßigerweise eingezogen habe. JvZtt Recht weist der „Univers" d,e tn diesem Satze liegende Spitze mit dem Vermerk zurück, daß während und nach der Reformation nicht allein katholische, sondern in tveit größerem Maße pro­testantische Fürsten die Einziehung von Kirchen- gü ern sich zu schulden kommen ließen.

* In Italien rückt die „freie Schule» in t.en Mittelpunkt der Erörterungen. Man sieht rin, daß die Lösung der Frage des Religions- umerrichtes in den Volksschulen durch die Re­gierung zwar ein geschickter Ausweg ist, um den unkirchlichen und kirchlichen Elementen gleicher­maßen Rechnung zu tragen, daß sie aber auf die Tauer nicht auSreicht. Im katholischen ,Corriele ü'Zlalia' wird einer solchen Stimme Raum geaeben. Auch der katholische Moments bringt ähnliche Auslassungen.

* England. Nachdem die Engländer mit ihrem o'elaerühmten Luftschiff, das den stolzen Namen ,,NuHi seeundus“ trug, kein Glück hatten, machten sie sich gleich an den Bau eines zweiten, das alles bisher Geleistete weit über­treffen soll. Es wird bereits in diesem Früh­jahr so weit fertiggestellt sein, um seine Probe­fahrten unternehmen zu können. Es zeigt einen bis jetzt in der Luftfchisfahrt unerreichten Typ und stellt England an die Spitze seiner Rivalen, was Kraft und Schnelligkeit anlangt. Die abge-

änderten Gleitflächen geben dem Luftriesen größeres 1 Gleichgewicht und befähigen ihn, sicher gegen den Wind zu fahren und auch schwerem Sturm zu widerstehen. Die Gondel rst zum Zwecke der Beförderung einer höheren Zahl von Menschen vergrößert. — Wir sind neugierig, wie lange der neue Typ unereicht bleibt.

* Das angeblich „klerikale" Portugal. An­läßlich der entsetzlichen Mordtat in Lissabon konnten es manche Blätter nicht unterlassen, von Por­tugal als dem „klerikal durchseuchten» Lande zu sprechen. Wie steht es nun mit diesem „kerikalen" Portugal? Die ,Neue Freie Presse', das bekannte Wiener lib. Blatt, schreibt in einem Artikel in Nr. 15 608 vom 3. Februar u. a.: „Seit Pombal hatte die Kirche in Portugal schlechte Zeiten. (Pombal war bekanntlich der allmächtige Minister des schwachen Königs Joseph I. (1750—1777); er verfolgte die Geistlichkeit in despotischer Weise und vertrieb die Jesuiten aus dem Lande.) Das Königtum wurde antiklerikal, die Männerklöster wurden säkularisiert und Don Ludwig I. (1861—1889) plante auch die Austreibung der weiblichen Orden. Die Vermögen der toten Hand verschwanden." Erst vor wenigen Jahren (April 1901) ging das Ministerium Hintze-Ribeiro (1900—1904) scharf gegen die noch bestehenden geistlichen Kongregationeu vor und erließ im gleichen Jahre ein kirchenseindliches Wahlgesetz.

* Neuer Konflikt tu Perfie». Das Parlament hat am Sonntag die Entlassung des Ministers des Innern verlangt und dein Kabinett im allge­meinen seine Unzufriedenheit ausgesprochen. Da dem Drängen des Parlaments auf Entlassung des Mißliebigen nicht stattgegeben wurden hat, wie ge­meldet, der Präsident des Parlaments sein Abschieds­gesuch nicht eingereicht, das jedoch nicht angenommen wurde.

* Japanische Marine-Manöver sollen nach der japanischen Zeitung ,Tschuho' anfangs März in großem Stile statifinden, deren Schauplatz die chinesischen und koreani'chen Gewässer und auch ein Teil des Stillen Ozeans sein würden. Da da amerikanische Gesckivader bald nach den Manöoern in Japan eintreffen werde, hoffe man, intereffante Vergleiche anstellen zu können.

Aus dem Nachbargebiete.

Großenlüder, 17.Febr. 1908. Zwei­beinige Wölfe versetzten in jüngster Zeit die hiesigen Schafbesiher in Ausregung. Mit feinem Instinkt wußten sie jedesmals das größte Lämm- chen der Herde zu holen, nm es zu verzehren. Die Pelze wurden, in Zeitungspapier gewickelt, in die Lüder geworfen; dies sollte den Spitzbuben zum Verhängnis werden. Ein von der Post auf

ein Zeitungs-Exemplar geschriebener Name führte die Polizei zur Ermittelung der Lämmerdrebe.

* Gelnhausen, 18. Febr. 1908. Herr Bürger- meister Dr. Schmidt dahier weilte dieser Tage in Kassel und unterhandelte mit der König!. Re­gierung betreffs Errichtung einer höheren Schule am hiesigen Platze. Wie verlautet, sollen begründete Hoffnungen vorhanden sein, daß die Errichtung einer höheren Schule für Gelnhausen seitens des hohen Kultusministeriums erfolgen wird.

* Aus dem Freigerichte, 18. Febr. 1908. Welche Steigerung der lang anhaltende Winter auf die Preise der Brennmaterialien aus­übt, dafür gibt eine im Fürst!. Jsenburg-Wäch- tersbacher Walde abgehaltene Holzversteigerung den schlagendsten Beweis, indem daselbst der Raummeter Scheitholz mit 13 Mark, sogar mit 13 Mark 20 Pfg. ersteigert wurde.

*' Kirchhain, 17. Febr. 1908. Der Schade n, den die H a s e n in unserer Gemarkung und tn den Gärten nahe der Stadt in diesem Winter an­richteten, ist sehr groß. So wurden tut Laufe dieser Woche dem Schneidermeister Dtppel an 12 Stück der schönsten Apfelstämmchen vollständig die Rinde zernagt, während einem Baumschmcn- befitzer einige Hundert ein- und zweijährige Ver­edlungen, sowie 40-50 Hochstämmchen total zer- nagt wurden. Man sieht sogar ziemlich starke Bäume an der Niederrheinischen Straße, an denen die Rinde bis auf einen halben Meter Höhe abgenagt wurde. Selbstverständlich müssen die Jagdpächtec für den Schaden auskommen.

* Schmalkalden, 17. Febr. 1908. Der Gar- tenba »Verein für den Kreis Schmalkalden blickt nächsten Samstag auf ein 2 5 j ä h r r g e s B e st e h e n zurück. Es soll deshalb am Sonntag den 23. Februar eine, allerdings nur im Rahmett des Vereins sich bewegende Obst- und Beeren­wein-Ausstellung abgehalten werden. Die eigent­liche Jubiläumsfeier, mit welcher eine große Gar­tenbau-Ausstellung verbunden sein wird, ist für die ersten Tagen des Monats Oktober geplant.

* Meiningen, 17. Febr. 1908. Die drei noch lebenden Kinder des am 14. Mai 1860 hier ver­storbenen Schriftstellers und M ä r ch e n d i ch- ters Ludwig Bechstein haben die wert­volle Sammlung aller literarischen Erzeugnisse ihres Vaters dem Hennebergischen Altertumssor- schenden Vereine überwiesen. Das B e ch st e i n- Denkmal, das auf Anregung des genannten Vereins hier errichtet werben soll, ist im Guß fertiggestellt und wird voraussichtlich noch in die- senl Frühjahr im englischen Garten Aufstellung finden. Zu dem Denkmal haben der Kaiser itnb die Stadt Meiningen je 2000 <41, ber Herzog von Sachsen-Meiningen 1000 beigesteuert. Im ganzen sid jetzt 12 350 <41 verfügbar.

* Bom Eichsfelde, 17. Febr. 1908. Ein Ring der Ziegeleien hat sich hier gebildet, dem sich alle größeren Ziegeleien des Untereichs.

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Der österreichische Bukowina russische Konflikt

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Osterreich-Ungarns bekanntes Esseubahnprojekt hat ein russisches Gegenprojekt hcrvorgerufen, den Plan einer sogenannten „Adriabahn".

Rußland will nämlich im Verein mit Frankreich eine Eisenbahn von der serbischen Stadt Radujewae an der Donau nach einem Punkte der montene­grinischen Küste zu bauen. Durch diese Bahn würde ein großer Teil des Balkanverkehrs von Oesterreich- Ungarn und dem übrigen Mitteleuropa abgelenkt werden.

Möglich, daß wenn der Sultan die Genehmigung zum Bau auch dieser Bahn erteilt, der Lärm gegen Oesterreich verstümmelt wird, daß die politische Kraftprobe, zu der gewiße Kreise die neuesten Batkanprojekte durchaus stempeln wollen, zu einer bloßen technischen und finanziellen umgewandelt werden könnte.

In Rußland sagt man, die russisch-österreichische Verständigung in der Balkanpolitik und insbesondere das Mürzsteger Programm wurzeln in der Siche­rung des status quo d. i. der Wahrung des gegen­wärtigen Standes der Dinge, und dieser Stand würde durch die österreichische Anschlußbahn zu

Gunsten Oesterreichs einseitig geändert werden. Man sieht freilich nicht, inwiefern in der Erreichung dieser Bahnbau-Konzefsronen eine Verletzung des gegenwärtigen Standes der Dinge enthalten sein soll. Von österreichischer Seite ist mit Recht durch den Minister Aehrentha! betont worden, man dürfe nicht die wirtschaftlichen Angelegenheiten nut der Politik verwechseln. Der politische status quo fei unbedingt aufrecht zu erhalte», namentlich jede Landrrwerbung abzuweisen; bei dem Bahnbauan­schluß handle es sich um ganz etwas anderes, näm­lich um die natürliche Entwicklung von Handel und Verkehr.

Das österreichische Bahnprojekt ist in dieser Hin- sicht entschieden dem russischen überlegen; wahr­scheinlich wird auch die von Aehrenthal empfohlene Verbindung der türkischen Eisenbahnen mit den griechischen bewilligt werden, wodurch eine direkte Linie von Wien nach Athen hergestellt werden kann. Di« russische Donau-Adriabahn wird dagegen von Sachkundigen als ein „wirtschaftlich-hirnverbranntes Projekt" hingestellt. Ihre Unrentabilität liege auf der Hand.

selbes angeschloffen haben. Diese haben eine Gesellschaft m. b. H. gebildet und sich Haupt- sächlich zu dem Zweck vereinigt, um einer drohen- den Ueberproduktion vorzubeugen. In den Bau­geschäften wird eine recht flaue Bausaison er­wartet. Der Ring der Ziegeleien hat deshalb zuerst den Beschluß gefaßt, die Jahreslieserung der einzelnen Gesellschaften um 50 Prozent ein- zuschränken. Verstöße gegen diese Uebereinkunft sowie Preisunterbietungen sollen mit einer Kon- venlionalstrafe von 6000 Mark geahndet werden. Eine weitere Bestimmung geht dahin, den Prets für Backsteine von 20 auf 26 Mk.pro Mille zu erhöhen. — Dieser Tage nahm Herr Heinrich Behrens vom Rittergute Befenhausen im Kreise Heiligen­stadt Abschied, um nach Sooden a. d. Werra zu seiner dort verheirateten Tochter zu verziehen; 57 Jahre lang war Herr Behrens ohne Un­terbrechung als Gärtner und Jäger auf dem genannten v. Wintzingerode'schen Rittergut« tätig/Vier Besitzer von Besenhausen hat er nach­einander mit einer Anhänglichkeit und Treue seine Kräfte gewidmet, wie es in der heutigen Zeit rechs selten gefunden wird. Eine große Zahl von jungen Männern hat er im Lause der vielen Jahre zu tüchtigen Gärtnern herangebildet. Die ihm bei verschiedenen Gelegenheiten verliehenen Diplome, Medaillen und Ehrenzeichen beweisen, daß es dem verdienten Manne auch an öffent­lichen Anerkennungen nicht gefehlt hat.

Vermischtes.

* Ein nufrcgeuder Vorfall ereignete sich itt Röbschütz. Der Gemeindevorsteher und Amts­schulze Roland Zinke, ein geachteter und gewr,- seuhafter, sowie allgemin beliebter Mann, hielt eine Gemeindeversammlung ab. Infolge etnec gänzlich unbedeutenden Beschwerde von vier Ge- meindemitgliedern regte sich Herr Zmke derart auf, daß er einen Schlaganfall erlitt. Er starb in den Armen seiner Gemeinderatsmitglreder.

* Ein streikender Gemeindcrat. In Weis­weil in Baden streikt der ganze Gemeinderat einschließlich des Ratsschreibers. Ten Grund btl- bete eine Ansprache des Bürgermeisters, der aus- fühtte: „Ihr Gemeinderäte, ich verbiete für die ’jufunfL euch an den Natstisch zu setzen, und dem Bürgermeister und Ratsschreiber in die Pa­piere zu schauen. Ihr habt Platz dort auf bett Bänken; diese sind für etlch da. Wenn etwas zu unterschreiben ist, dann könnt ihr am Tisch sitzen und unterschreiben, hernach habt ihr wieder Platz dort im Eck hinten!" Gegen diese schneidige Er­klärung haben die beleidigten Gemeinderäte Be­schwerde beim Bezirksamt eingereicht.

* lieber eilt Lcbensschicksal, das wie ein Ka­pitel aus einem Roman anmutet, wird aus Ham­burg geschrieben: Vor etwa sechs Jahren fiel in Leipzig ein Student, der Apotheker werden wellte, durch das Examen. Aus gekränktem Ehr­gefühl juchte der junge Mann die elterliche Woh­nung in Oderbrnch nicht wieder auf, beschloß vielmehr, in die weite Welt zu gehen. Er kant aber nur bis Hamburg; hier stürzte er sich mit den Barmitteln, die ihm noch geblieben waren, in den Strudel des Großstabtlebens, geriet vollends in den Sumpf und sank immer tiefer. Schließ­lich wurde er „Hopfenmarktslöwe" (eine Sorttl Menschen, die jeden Groschen in Fusel umsetzeu) und Karrenschieber. So fandne ihn vor etwa vier Jahren gtoei Hamburger Journalisten, die beruflich am Hafen zu tun hatten. Sie waren zufällig mit ihm in ein Gespräch gekommen, in dessen Verlauf sie sofort merkten, daß der verlot­tert aussehende Mann einst bessere Tage gesehen hatte und über große wissenschaftliche KennlnisH verfüge. Sie beschlossen, den Entgleisten wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Er wurde sauber und neu eingekleidet, und den Bemühun­gen des einen Journalisten gelang es, den tief OSefunfenen bei einer Hamburger Zeitung als Korrektor mit einem Monatsgehalt von 1Ö0 M unterznbringen. Erst jetzt meldete sich der neue Korrektor, der sich bisher unangemeldet in Ham­burg aufgehalten hatte, bei der Polizeibehörde an. Bier Jahre lang hat er seinen Posten ge­treulich ausgefüllt. Kürzlich wurde er krank, ging in ein Krankenhaus und ist daselbst dieser Tage gestorben. Das Krankenhaus teilte der Familie in Odenbruch den Tod des Angehörige« mit. Zu seiner Beerdigung hatten sich drei Brü­der des Toten: zwei Gutsbesitzer und ein Offi­zier (Leutnant), in Hamburg eingefunden. _ Sie erzählten, daß für die Auffindung des Vermißten vor sechs Jahren über 5000 M ausgegeben wor­den seien, daß eine Spur von ihm ober nicht ent­deckt sei, da er sich nicht polizeilich angemeldei hatte. Bald nach seinem Verschwinden, so er«1 zählten die Brüder weiter, sei ihr Vater gestor­ben und habe ihrem Bruder ebenfalls 200 000 </' Vermögen hinterlassen.

* Der verkannte General. Ein unliebsamer „Miß griff" passierle am Mittwoch einem Hüter der Ord­nung in Halensee. Gemächlich schlenderte da ein älterer Herr in Generalsuniform über den Hen- riettenplah. Da fiel es einem Paffanten — man weiß nicht ob im Scherz oder Ernst — ein, den dort statioitierlcn Schuhmann ans die alte Exzellenz auf« merksam zu machen, da diese offenbar eine vorschrists- widrige Uniform trage. Der Mann der öffentlichen Ordnung glaubte nun auch seinerseits, daß es mit dem General nicht stimme, und fragte ihn nach Nam' und Art. Wohlwollend wegen des Dienst­eifers des Beamten meinte der General: „Si« halten mich wohl für den zweiten Hauptmann von Köpenick? Wissen Eie denn wirklich nicht, wer tch bin? Ich bin der Generalfeldmarsckall von Häseler'"