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Feiertage, viertel« jährliche Se;ugrprrir rhne Bringerlohn und Bestellgeld in 8«lda so­wie auswärts 1.50 Mt.

verantw. Redaltem:

Carl Schütter für die «azelgeu:

-.parzeLer in Fulda.

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NKmatrbellage: „Fulda« Geschichttblött«"

»»zeige«: vte et» fpaltige petitzeile »der deren Amr« 15 pfg. ReNamendiepetilzeil« 25 pfg-, bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

votationsdruckund Verlag der Fuldaer Al- ticndruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Fulda, Montag den 17. Februar 1908.

35. Jahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 15. Februar 1908.

Zweite Beratung Les PostetatS wird fort-

Aba. Lattmann (tu. Vgg.): Trotz schwerer fi­nanzieller Bedenken werden wir für dre Ost- markenzulaze an die Postbeamten stimmen. Eben­falls sind wir für das akademische Studium der 'Postbeamten. Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß der Staatssekretär für diejenigen Unterbe­amten. welche in die gehobenen Stellen einrücken wollen, eine Prüfung eingeführt hat. Wünschens­wert ist eine Aufbesserung der Bezüge der Tele­graphenarbeiter und der Postagenten. Die Wie­dereinführung des billigen Ortsportos empfehlen wir gerade aus finanzieller» Gründen; deshalb haben wir eine Resolution eingebracht, die diese Wiedereinführung fordert.

Abg. Kulerski (Pole) befürwortet die Resolu­tion der Kommission betr. den früheren Schalter» schluß für Paketannahme an Vorabenden von Sonn- und Feiertagen und wünscht, daß die Sonntagsruhe den Postbeamten am ersten Weih­nachtstag voll gewährt werde, ebenso am Neu­jahrstage. Mit aller Entschiedenheit sind wir gegen die Gewährung der Ostmarkenzulage an die Postbeamten, denn dadurch wird nur noch mehr Unfriede gestiftet, es werden gewissernraßen Prämien bezahlt für die Bestätigung hakatisti- scher Gesinnung. Im weiteren bringt Redner eitert Fall zur Sprache, daß ein Postbote entlas­sen sei, weil er bei den Reichstagswahlen für einen polnischen Kandidaten gestimmt habe.

Abg. Werner (tu. Vgg.) begrüßt den vorjäh­rigen Erlaß über die Berücksichtigung der Hand­werker bei Vergebung von Arbeiten der Reichs- postverwaltirng. Bei der Beratung der Besol- dungsreiorm müßten auch die Beamten selbst ge­hört werden.

Staatssekretär Kraetke: Davon, daß die jetzt in gehobenen Unterbeamtenstellen befindlichen Beamten noch nachträglich das Examen ablegen müssen, kann keine Rede sein. Die Postverwal­tung erstrebt für die Postbeamten, die in den Postwagen der Eisenbahnen arbeiten müssen, eine größere Sicherheit dadurch zu schaffen, daß sie von ihrem 14 m Typus zu einem 17 m Typus iibergegangen ist, welcher auf beiden Seiten ein als Puffer dienendes Schutzabteil von je zwei Meter Länge enthält. Redner geht auf den vom Abg. Kulerski vorgebrachten Fall ein. Die Ab­stimmung des betreffenden Briefträgers sei an­läßlich eines Beleidimiügsprozesses zur Kenntnis der Postverwaltung gekommen: Die Verwaltung habe dem Beamten nur Vorhaltungen gemacht, daß sein Verhalten nicht ehrenhaft sei, und die­ser habe darauf seine Pensionierung nachgesucht, die. ihm auch bewilligt worden sei.

Abg. Struve (fr. Vgg.) beklagt die Verteue- rung des Postverkehrs. Eine Aufbesserung und teilweise soziale Besserstellung sei den Unterbe« amten unbedingt erforderlich. Im weiteren be­spricht Redner' nochmals ausführlich den Fall Schellenberg. Dadurch, daß ein gebildeter Mann gegen ein recht mäßiges Honorar seine Dienste der Verivaltung zur Verfitgung stellt, wird er doch nicht in eine geistige Knechtschafts hineinge- zwängt.

Staatssekretär Ärartke: Ich muß ganz ent­schieden dagegen protestieren, daß Schellenberg gemaßregelt worden ist. (Schallendes Gelächter links.) Ich finde darin keine Maßregelung; wer ein Amt, übernommen hat, muß nun einmal ge­wisse Rücksichten walten lassen. Das Vorgehen der Postverwaltung ist nicht dadurch veranlaßt,

daß Schellenberg so gewählt hat, sondern weil in den Kreisen der unteren Postbeamten bekannt geworden ist, Schellenberg hab« sozialdemokratisch gewählt. (Gelächter links.) ..

Abg. Eickhoff (fr. Dp.): Ich möchte wünschen, daß der Staatssekretär in Fragen des Koali­tionsrechts einen etwas weitherzigeren Stand­punkt einnimmt. Gewiß ein Koalitionsrecht, das gleichzeitig em Streikrecht in sich schließt, kann -en Beamten nicht zuerkannt werden; aber daß di« Beamten sich zu großen Verbänden zu- fammenschliehen, das ist ihr Hutes Recht und ich möchte den Staatssekretär dringend bitten, diese Verbände für die Unterbeamten nicht auf die einzelnen Oberpostdirektionsbezirke zu beschrän­ken, sondern sie für das ganze ReichspostMbiet zuzulassen. Auch in der Frage des Petitions­rechts seiner Beamten sollte der Staatssekretär nicht so engherzig sein, die Beamten müssen in jedem Fall das Recht haben, ihre Klagen und Wünsche auch den Abgeordneten zu unterbreiten.

Staatssekretär Kraetke: Ich habe dagegen ge­wiß nichts einzuwenden, aber ich möchte doch bit­ten, daß die Abgeordneten die Forderungen der Beamten zunächst dort zur Sprache bringen, wo­hin sie gehören, nämlich in der Petitionskommis­sion. Hier würde ein Vertreter der Postverwal­tung zugezogen werden können und er würde in der Lage fein, di« erforderlichen amtlichen Aus­künfte zu geben. Ich würde es wirklich nicht wagen, wenn ich die Ehre hätte als Abgeordneter hier zu sitzen, mich zum Fürsprecher der Forde­rungen einzelner Beamtenklassen zu machen. Ich muß gestehen, dazu fehlt mir vollkommen die nötige Fachkenntnis.

Abg. von Treuenfels (k.): Die scharfen An­griffe, die aus Anlaß deS Falls Schellenberg ge­gen die Postverwaltung gerichtet sind, vermögen wir nicht zu billigen und namentlich verstehen wir es nicht, wie auch das Zentrum sich an diesen An­griffen beteiligen kann. Der Staatssekretär kann jedenfalls versichert sein, daß er in dem Be­streben, seine Verwaltung von sozialdemokrati­schen Elementen freizuhalten, uns jederzeit auf seiner Seite finden wird. (Beifall rechts.)

Montag Fortsetzung: Justizetat.

& Der Hall Grandlnger.

Ein ganz einzigartiges Bild bietet der baye­rische Landtagsabgeordnete Grandinger. Er ist katholischer Geistlicher und — liberaler Abge­ordneter, eine Zusammenstellung, wie sie bisher in Deutschland noch nicht vorgekommen ist.

Wegen der kulturkämpferrschen Haltung der bayerischen Liberalen und ihrer kirchenfeindlichen Stellungnahme in Schulfragen verbot der Erz­bischof von Bamberg Dr. v. Abert s. Zt. dem Abg. Grandinger der liberalen Fraktion üeizutreten, und Grandinger versprach, sich danach zu richten. Er trat alsdann der liberalen Fraktion zwar nicht als Mitglied, aber als Hospitant bei, reiste im Lande umher als liberaler Wanderred- n e r und war der Hauptredner in einer Reihe großer liberaler Wahlversammlungen. Dazu trat er in der bayerischen Abgeordnetenkammer als offizieller Wortführer der liberalen Fraktion auf. Am vorigen Sonntag wollte er gar im jungtiberalen Verein zu Nürnberg die Hauptrede halten. Da griff der Erzbischof da­zwischen und verbot diesen Vortrag, machte ihm auch, wie berichtet, ernste Vorhaltungen.

Mit Recht! Pfarrer Grandinger hat fein dem Erzbischof gegebenes Versprechen nicht gehalten; buchstäblich freilich hat er es gehalten, er wurde ja nicht Mitglied der liberalen Fraktion, ober

dem Sinne nach hielt er es nicht, denn er war ihr Wortführer und Agitator.

lieber das ernste Schreiben deS Erzbischofs sind die kulturkämpferischen Freunde Grandrn- gerS ganz aus dem Häuschen. In der lweralen Presse führen sie einen wahren Hexensabbat- auf. Di« liberale Presie hat aber grade am allerwentg- sten Recht, sich für die angeblich bedroht« par- lamentarische Freiheit der katholischen Geistlrchen inS Zeug zu legen. Es sind noch keine fünf Jahre her, da hat ein liberaler bayerischer Graf vor­geschlagen, man möge den Geistlichen das Wahl­recht nehmen und die liberale Press« schrie Hurrcch dazu. Immer und immer wieder for­derte ft«, daß der Pfarrer in der Kirche, auf üer Kanzlei und in der Sakristei bleiben müsse, daß er sich um öffentliche Fragen nicht kümmern dürfe. Freilich meinte sie dabei, er dürfe sich öffentlich nicht so betätigen, wie es ihnen - nicht gefiel, wenn ein katholischer Geistlicher aber libe­raler Agitator sein will, dann ist er ihnen na- türlich hochwillkommen, dann wird er bejubelt und wer den Schellenkönig gepriesen.

Im übrigen fei gegenüber dem Geschrei der liberalen Presse festgestellt, daß ein Bischof ganz felbstverständlich so vorgehen kann, wie es jetzt gegen Grandinger geschehen ist. Ehe der Alum­nus die Priesterweihe erhält, verspricht er, in feierlicher Weise in die Hände des Bischofs, ihm und «seinen rechtmäßigen Nachfolgern den gebote­nen kirchlichen Gehorsam. Der Priester bindet sich damit für fein Leben. Der Erzbischof hat die Gehorsamspflicht nicht auf ein Gebiet ausge­dehnt, wo sonst für die Geistlichen Freiheit be­steht. Jedermann würde es begreiflich finden, wenn der Erzbischof das Auftreten in einer so­zialdemokratischen Versammlung verböte, auf kir- chen- und schulpolitischem Gebiete aber steht der Jungliberalismus hinter der Sozialdemokratie nicht zurück; im Gegenteil, er ist noch gefähr­licher, da die Genossen ihr Endziel offen aufstel­len. Das Auftreten in einer solchen Versamm­lung würde in den weitesten -kirchlichen Kreisen Aergernis erregen und daher hat der Erzbischof nur sein« Pflicht erfüllt, wenn er eingeschritten ist. Es handelt sich gar nicht darum, daß der katholische Geistliche unter allen Umständen, nö­tigenfalls zwangsweise, dem Zentrum angeboren müsse. Das hat auch der Erzbischof von Bamberg nicht von dem Pfarrer Grandinger verlangt. Aber ein katholischer Geistlicher als ausgesproche­ner Liberaler oder als Sozialdemokrat, das ist allerdings ein Unding. Das ist so, nicht weil das Zentrum eine konfessionell« Partei wäre, sondern weil der Liberalismus, wie er sich bei uns entwickelt hat, mit dem Beruf eines ka- tholischen Geistlichen tatsächlich unvereinbar ist.

Deutsches Reich.

Die Beamtenvorlage erscheint nicht. Wie wir auS best unterrichteter Quell« erfahren, soll di«Reichsbeamtcnvorlage in diesem Früh­jahr nicht erscheinen, da der Bundesrat sich weigert, die erforderliche Mehrausgabe auf Matrikularbeiträge oder Anleihen zu nehmen und mit allem Nachdruck auf Einbringung der Steuer» vorlagen bringt. Der Reichskanzler dagegen will, um den Block zu schonen, Steuervorlagen nicht einbringen. — Die Beamten sind somit die ersten Leidtragenden in der herrlichen Blockära. Ob die Gehaltsvorlage in Preußen erscheinen wird, ist noch nicht entschieden. Man spricht davon, daß das Reich und Preußen mit der Gehaltsresorm gleichzeitig vorgehen wollten.

Die Mehrausgabm betragen in Preußen 130 Mill. Mk., im Reich 60-80 Mill. Mk.

* Neuregelung der Offiziers-Gehälter. Die Offiziersbesoldungs-Novelle hat, wie die,Mi!it.» Polst. Korresp/ mtlteilt, am 10. Februar dem preußischen Staatsministerium Vorgelegen und ist dort gutgeheißen worden. In dieser Woche wird der Entwurf im Bundesrate beraten werden und soll dann in den ersten Märztagen zusammen mit dem BeamtenbesoldungS-Gesetze (?) dem Reichs­tage zugehen. Die Neuregelung der Gehälter er­folgt, vorläufig bis einschließlich der Hauptleute, unter Zugrundelegung der Dienstzeit und stellt eine Verbindung von Dienststellen- und Alters» stufensähen dar. Für dieSubalternofftziere wird es in Zukunft nur eine Gehaltsklasfe geben. Bisher betrug daS Gehalt der Leutnants (nach der Infanterie, den berittenen und den Spezial» truppen unterschieden) zwischen 1290 und 1578 Mark, das Gehalt der Oberleutnants 1890 Mark jährlich. Nach der Novelle beginnt in Zukunft daS Leutnantsgehalt mit 1500 Mark jähr­lich und steigt, unabhängig von der Beförderung zum Oberleutnant, von vier zu vier Jahren um je 300 Mk. biS zu einem Höchstgehalt von 2100 Mark. Für hie Oberleutnants beträgt demnach die Aufbesserung nur 210 Mk. jährlich. Die Forderung deS Kriegsministeriums für eine 4. Leutnantsgehaltsstufe von 2500 Mk. ist auf Be­treiben des preußischen Finanzministers — wegen angeblicher Kollidierung mit ähnlichen Beamten- gehaltSsätzen abgesetzt worden. Für di« Hauptleut« ist ein Grundgehalt von 4000 Mark — gegen da- bisherige Anfangsgehalt (2. Klaffe) von 3402 Mk. — vorgesehen. In 2maL Steigen um je 600 Mk. erreicht der Haupte mann mit 8 Jahren Dienstzeit in seiner Charge dar Höchstgehalt von 5200 Mk. (bisher 4608 Mark der Hauptleute 1. Klaffe). Eine Erhöhung der Gehälter für Stabsoffiziere im Rang« eines Bataillonskommandeurs soll erst beantragt werden, wenn die gleich hoch besoldeten Zivil« beamten deS Reiches ebenfalls aufgebeffert werden können. Einschließlich der Löhnungsverbefferungen für Unteroffiziere betragen die vom Kriegs« Ministerium anzufordernden Mehrkosten etwa 11 Millionen Mk: Der Gesetzentwurf sieht angeb­lich den 1. April als den Termin für die Ge« haltSaufbsfferung vor. Die nötigen Mittel solle« durch eine Anleihe aufgebracht werden.

*„ Die Polenvorlage in der Herrenhaus« kommiflion. Die Kommiflion des Herrenhauses hat, roie< die .Franks. Zig? auS den vertrau« lichen Verhandlungen erfährt, am Samstag in zweiter Lesung das Polengesetz trotz lebhaften Widerspruchs der Regierung unverändert nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen, und zwar die Bestimmungen über die Enteignungsbefugnis der Regierung mit 18 gegen 7 Stimmen. Das ganze Gesetz wurde mit 14 gegen 11 Stimmen angenommen. Ei« Versuch der Regierung, eine neue Vertagung zum Zwecke der Herbeischaffung weiteren Materials zu erzielen, scheiterte am Widerspruch auS bei Kommission. Die Plenarsitzung über das Ge­setz wird am 26. Februar, stattfinden. Man nimmt jetzt in parlamentarischen Kreisen an, daß das Plenum sich dem Beschlüssen der Rom« Mission, obgleich die Regierung diese für unan­nehmbar hält, anschließen wird. — Be«

ilitC* von Bonn.

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15]

(Nachdruck verboten.)

an txr Donau ge-

Erzählung auS der Franzosenzeit von Dr. Wil Helm Ruland.

Gar weich hat seine Stimme geklungen, und mir alten Mann tut’8 wohl ums Herz, daß noch biner tft, der zu mir kommt in mein armselig Stübchen. Fast geschämt hab' ich mich vor dem fernen Herrn und es ihm nahe gelegt mit vielem Erröten, daß rch ein armer Mann bin, dem kein Heller zu eigen; aber das Wort im Mund nlmmt er mir weg und spricht so schön und er- baulich, daß mit mehrmals das Äug' ist über» gelaufen vor innerer Rührung.

83on manchem haben wir gesprochen, von den bedrängten Zeiten, in denen wir leben, auch von dem Kaiser, unb er erzählt mir, wie her ein so

In meinem Lehnstuhl rrih' ich, da klopft eS en die Tür, so herzhaft, daß ich zusammenfahre wie ein furchtsames Kind. Wer tritt herein? Ein feiner Herr mit blondem Bart und schwar­zem Frack.

Herr Jesus, denk' ich. toer mag daS fein? Vielleicht wollen sie dich nock aus deinem Stüb­chen jagen zur letzten Stund' und dir das Gna­denbrot verweigern an deinem Ledensend'.

„Guten Tag, lieber Herr!" sagt der fremde Kavalier, — ich reiße die Augen auf, die blöden, alten Augen; mir ist, als hält' ich diese Stimme schon einmal gehört, aber nicht so voll und männ­lich ... .

„Toni!" ruf' ich auf einmal, „Toni!" und vermein', ihm um den Hals fallen zu müssen, dem schwarzlockigen Fremdling. Der tritt näher, drückt meine knöcherne, alte Hand und lächelt mir freundlich zu, wie einem alten Bekannten. , Grüß ®8tt, lieber Herr Matthias Nutz, der seid Ihr ia?" — und als ich verduzt nickte — „aus Oester- retd) bin ich halt herübergekommen, und mein fehger Artter war der Antonius Schmitt, den Ihr wohl noch kennt."

„Euer Vater selig?" stammele ich bebend, und . lö,rLmrir verschwommen vor den Augen mit emem Male, und auch er, der Fremde, dreht sich um und fährt mit der Hand über die Augen. Hat sich dann an meine Seite gesetzt und meine beiden Hände in die seinen genommen, und ge­lauscht hab' ich seinen Worten wie ein andächtig Kind, wenn man ihm erzählt von alten, bergan- . gen en Zeiten.

der Schule gesessen manch langes Jahr, wie der andere — der toar ich — bann trutzig in die Fremde gewandert ist mit tiefem Groll in der Seele, und wie der Toni sich gehärmt hat und gegrämt und seiner Rückkehr geharrt. Wie er bann von dem Kurfürsten wegen seiner Bered­samkeit nach der Kaiserftadt Wien berufen ward und — hier hat die Stimme des Fremden ge­zittert — wie ein tückisches Fieber den Toni hin­weggerafft hat just in dem Jahre, wo unser seli­ger Herr Max Franz ist gestorben auf seinem Landsitz zu Hetzen darf bei Wien.

Armer Toni, liegst schon elf Jahre unterm Rasen unb ich wußt nichts davon! Dachte nichts anders, als du hättest mich vergessen im Donau- land. Nun hab ich keinen mehr, der mich kennt auf dieser Erde, und ich merk'S mit jeder Stund', daß es anjetzt auch bald für mich Zeit sei, aus der Welt zu gehen.

Da spricht der Herr an meiner Seite zu mir mit leutseliger Stimme: „Eh' mein Vater ge­storben, hat er mich gebeten, einmal in seiner Vaterstadt nach Euch zu forschen, wenn mich der­einst der Weg hinunter führen sollte. Und ge­dacht hab« ich daran, wie mir heut der Martins- turm hat entgegengewinkt ans der Ferne. Zum heiligen Köllen führt mich der Weg hin, vorerst aber bin ich hier abgeftiegen, hab' überall nach­geforscht und Euch endlich gefunden, um Euch einen Gruß zu bringen von dem lieben Toten, meinem seligen Vater."

Vom Toni erzählt er, wie der ist ein acht­barer Herr geworden da unten im Oesterreicher- *-anb. Eine Familie hat er gegründet, der ein mra1 rUn& e‘ne Tochter ist entsprossen, und oft- mai3 hat er berichtet seinen Kindern von seinem Dem jrat;er, unb er erzählt Hugendgesplelen Matthias, wie sie zusammen in I strenger Herrscher drunten

wesen, wie er dem Kaiser von Oesterreich fein schönes Tirol genommen und den Hofer hat er- schießen lassen und manch andern braven Mann, und wie er jetzt bei den wilden Russen weilt und die Kriegsfackel will tragen bis in das Morgen­land hinein.

Noch eins hat der Fremde mir vertraut: daß die Völker grollen, die der korsische Eroberer ge­knechtet hält, daß manche Faust sich im geheimen ballt unb daß mancher Schmied schon im Ver­borgenen Waffen * schmiedet für jenen Krieg, worin sie ihre Freiheit wieder erkämpfen wollen, die geknechteten Völker.

Mich werden sie dann schon langst verscharrt haben, aber freuen würd's mich im Grabe, wenn sie ihre Ketten zerbrochen am Rhein und an der Donau, und ihn aus der Höhe schmettern, den finstern, bleichen Feldherrn, der vermeint, über alle zu herrschen bom Aufgang bis zum Abend.

Von dannen ist der Fremde gegangen mit einem herzlichen „Behüt' Gott", unb wie ich zu- rückkomme in mein Stübchen und nach einer Weile die Postille aufschlag«, so"Nuf dem Tisch gelegen, fällt ein Brieflein heraus mit einem Zettelchen: „Für den lieben Herrn Matthias Nuß. Von Antonius Schmitt jr." und daneben liegen zwei Papiere, ein jedes von 100 Franken.

Herr Gott, toi« kannst du mich so versuchen, mich armen, alten Mann! Ich halte die beiden Blättlein in der Hand, erst nah, bann weit ab vom Auge; hundert Franks steht auf jedem, und auf dem Streifen Papier steht mein Name.

Lieber Herr AntoniuS Schmitt, warum hast du das getan? Soll ich ein Prasser werden, ein Schlemmer in meinen alten Tagen? Nein! Da­vor soll mich Gott behüten! Verwahre» will ich'S, das viel« Geld, aber nicht wie meine Muhme Lies es gemacht hat, die in dem Franziskaner­gäßchen wohnte und achtzig blanke Talerstücke samt dem Steintopf, darinnen sie waren, in dem Keller vergrub und nachher ein jämmerliches Geschrei erhoben, weil man ihr die Silberstücke genommen und nur de» zerbrochenen Topf zu- rückgelassen hatte.

.Der Ruß-Pitter ist's gewesen!" bat bi«

Muhme dazumal geschrien; ich aber will kein freventliches Urteil abgeben über fremde Leute, denk' aber doch mein Teil: daß die Lies nämlich ein ganz wenig ihren Schadeir verdient hat, weil ft« ihr Lebtag so geizig gewesen ist unb ein« zänkische Hex« bis zu ihrer letzten Stund'.

Drei Tage später.

Anjetzt hab' ich überlegt und ausgestellt, waö mit den zweihundert Franken soll geschehen nach meinem Tode. Hundert Franken, bi« Hälft«, sollen bie guten Franziskanerpatres erhalten, bi« mir das Stübchen gegeben unb das Gnadenbrot bis an mein Ende. Arm sind die Brüder unb haben letzthin — Gott sei'S geklagt, baß ich eS verrate — einem hartherzigen Metzger (mag ihn nicht nennen) sechs Kelche, zwei Ciborieil unb eine Monstranz überweisen müssen, sintemal er noch bie Summe von dreihundert Speziestalern beansprucht hat. Fünfzehn Franken inäbefonbete hab' ich dem braven Bruder Gottfried vermacht, dieweil er ist mein Beichtvater gewesen unb mir manche Tröstung gegeben hat in bedränglicher Zeit.

Avanzig Franken möcht der Kanonikus er­halten, der mein müb’ Gebein nach dem Kirchhof überbringt und drei heilige Messen liest für mei­ner armen Seelen Ruhe. Zehn Franken sind für den Küster und Kirchenjungen, so meinen Leich­nam begleiten auf dem letzten Gange, sowie zehn Franken für den Totengräber, der mich verscharrt, auf daß er ein Rosmarin pflanze (meiner Mar» gerit Lieblingsblume) und zwei Rosenstöcklein auf mein Grab. Dreißig Franken möge man den Brüdern Kapuziner geben, bie Sommer unb Winter barfuß wallen unb bei denen letzthin böse Menschen über Nacht eingebrochen unb ihnen etliches Sinnen unb Geschirr gestohlen haben« Fünfzehn Franken bleiben noch von den zwei­hundert; davon foll man zehn den Armen geben an meinem Todestag, auf daß sie ein Paternoster beten für meine Seelenruh — unb fünf Franken will ich für mich behalten; denn man weiß nicht, was noch kann geschehen, bevor ich bie Augen schließe. (Schluß folgt)