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35. Jahrqanq.

Fulda, Mittwoch dm 12. Februar 1908.

3» 35.

erstes Matt

11]

(Nachdruck verboten.)

Der Türmer von Bonn.

Erzählung aus der Franzosenzeit von Dr. Wil Helm Ruland.

Am Abend.

Heute schreiben wir den 3. Germinal Anno VI, d. i. den 23. des Lenzmonats 1798. Sechs Jahre schon spukt das Schreckensgespenst durch unser Land, und es scheint, als ob es immer är­ger werden wolle. Den lieben Gott haben sie längst abzesetzt, die Weltumstürzler von der Seine, und auch unserer armen Stadt haben sie heute ein Schauspiel gegeben, dessen sich die Bür­ger ewig schämen müssen. Die alten Ulmen im Hofgarten drüben, die mit ihrem schattenreichen Geäst bis an mein Fensterchen reichen, haben die Köpfe geschüttelt und leise gerauscht ob dem tol­len Treiben.

Nationalgarten haben sie den Hofgarten ge­tauft und einen Nasenhügel darin aufgeworfen, wohl zwanzig Fuß im Geviert. Von vier Seiten führen Stufen hinan, an den Ecken sind Wachs- kerzen aufgestellt und auf der oberen Fläche sind die dreifarbigen Fahnen angebracht; das Ganze ist „der Altar des Vaterlandes".

Ein grober Festzug hat sich zu diesem hinbe­

Auf Antrag der Blockparteien werden von den für die Neuanlage von 4 Schießplätzen in Gera geforderten 146 000 «M, 50 000 «M, gestrichen. Von den für die Verlegung der Unteroffizierschule von Neubreisach nach Sigmaringen geforderte 400 000 <M werden auf Antrag der Blockpar­teien 50000 dl gestrichen.

Der Rest des Militäretats wird bewilligt.

Mittwoch: Anträge betr. Versicherung der Privatbeamten und Automobilwagenverkehr.

würden aber nur beschränkte möglich sein. Schließlich erklärte der Staatssekretär, daß bit von dem Reichskanzler mehrfach dargelegten Ge­sichtspunkte der deutschen Marokkopoliiik nach wie vor ihre Geltung hätten. Referent Freiherr v. Hertling brachte da« russisch-englische Bündnis zur Besprechung. Staatssekretär v. Schön er- klärte, daß Deutschland in Persien und speziell mit der Bagdadbahn nur wirtschaftliche, teiner- lei politische Interessen verfolge.

8. Allerlei wichtige Schulfragen sind am Dienstag in der Budgelkommission deS Abgeordnetenhauses zur Beratung gekommen. Zunächst beschäftigte man sich mit der gemein­samen Erziehung von Knaben und Mädchen. Der Minister erklärte sich grundsätzlich dagegen. Um sich nicht den albernen Anwürfen der links- liberalen Blockbrüder wegen seiner „Sittlichkeits­retterei" auszusehen, erklärte er klipp und klar: die Ausbildung der Knaben würde wesentlich leiden, wenn die Jungen und die Mädchen zu­sammen erzogen werden würden. — Zur Frage der höheren Ausbildung der Mädchen verwies der Minister darauf, daß die bevorstehende Resorm des höheren Mädchenschulwesens beson- dere Wege für die Vorbildung der Mädchen für die Universität angeben werde. — Die Ausführung des Volksschulunterhaltungsgesetzes verlangt Mehr« kosten von 17,8 Milt. M. liebet die Organi­sation des Volksschulwesens wurden fol­gende Mitteilungen gemacht: Die Anweisungen feien erlösten uhj veröffentlicht, außer denjenigen, die Die Wahl der Lehrer betreffen. Bezüglich des Vorsitzes in den Schulvorständen erklärte der Minister, daß in den Getamtschuloorständen der Amtmann, in den Lokalvorständen der Regel nach der Geistliche als Ortsichulinspektor den Vorsitz haben solle. Die NationaU'beralen waren mit der Ueberltogung des Vorsitzes an den Lokal» ichulinfpektor schlecht zufrieden. Im nächsten Jahre wird der Minister eine Denkschrift über diese Ausführung vorlegen. — Der Titel .Oflmarken-Zukage" an Lehrer wurde gegen 6 Stimmen angenommen. Dabei erklärte sich die Regierung gegen die Gewährung dieser Zulage in Oberichlesien. — Auch der Erlaß der Regierung zu Liegnitz, die ft* gegen den Verein für Volksbildung und versch.eoene von ihm in Volksbibliotheken verbreiteten anstoßerregenden Bücher richtete, kam zur Sprache. Die liberalen Mitglieder der Kommission suchten dabei beson­ders di« Verbreitung der Werke von Häckel, dem bekannten Verfechter der AffenabstammungS- Theorie, und von Niehscke, dem im Jrrenhause gestorbenen Philosophen des HerrenmenschentumS, zu verteidigen. Die Regierung erklärte, tatsäch­lich seien Bücher in der Bibliothek dieses Verein­vorhanden gewesen, die Anstoß erregten und sich lür das Volk nicht eigneten. — Für das hessi­sche Landesmuseum in Kassel werden zur Vor­bereitung 10,0( 0 Mark bewilligt. Der Staat soll im ganzen 860,000 Mark dazu leisten, die Stadt­kasse wie der Bezirksoerband des Regierungs-Br« zirks Kassel, sowie der Handels- und Gewerbe« verein in Kassel beteiligen sich mit namhaften Beiträgen.

□ Im deutschen Landwirtschaftsrat wird am Donnerstag der Kaiser erscheinen, um die Vorträge des Geheimrats Prosessor Koch über „Maßnahmen zur Bekämpfung der afrikanischen Viehseuchen" und desReglerungsbaurats Dubistav über die „Ausnutzung der deutschen Wasserkräfte

wocheMliage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

absperren, das nach dem Rheine zu bis an die Stadtmauern grenzt. Wie der Festzug an der Judengasse ist angekommcn, haben vier Schreiner mit den Aexten das Sperrtor zusammengeschla­gen; im Innern der Straße aber haben die Leute in Feststaat an ihren Häusern gestanden und laut gejubelt bei jedem Schlag, der auf das Tor gefallen ist.

Und wie das Tor einstürzte, ist das Festge­folge in das Judenviertel eingedrungen, hat die Bewohner für freie Bürger erklärt, und manch schwarzhaariges Judenmädchen wurde geherzt und geküßt in patriotischer Begeisterung und Hand in Hand dem Zuge eingereiht.

An demselben Abend ist eine großartige Be­leuchtung gewesen, und die „Patrioten" sind durch die Straßen geschritten, haben alle dunklen Fenster mit Steinen zertrümmert und die Namen der Widerspenstigen in das große Fembuch ein­getragen.

K Der Zchatzkanzler

Frhr. von Stengel ist noch nicht gegangen, aber er wird gehen. Wer wird sein Nach­folger?

Jeden Tag werden neue Namen genannt, und was gestern aus zuverlässigster Quelle gemeldet wurde, wird heute aus noch zuverlässigerer Quelle widerrufen. Wir haben uns an diesem Frage- und Antwort-Spiel nicht beteiligt. Fest steht, daß die Suche nach dem neuen Reichsschatzsekretär fieberhaft fortgesetzt wird. Es soll uns wundern, wer denn endlich sich bereit finden lassen wird, sich der Arbeit der Reichsfinanzsanierung zu wid­men. Seit Jahren liegen die Dinge doch so, daß auf jedes Loch, das zugestopft ward, gleich drei neue folgen. Von Sparsamkeit redet trotz der 4 Milliarden Schulden niemand, sobald eine große Forderung auftaucht, heißt es immer: „Wer sie nicht bewilligt, ist nicht „national". „In nationalen Fragen darf ein wahrhaft pa­triotischer Mann nicht von Deckung sprechen."

Das ist aber noch nicht das ärgste. Der Grund des Rücktritts des Staatssekretärs ist nicht so sehr in den Schwierigkeiten des einen oder ande­ren Steucrprojekts zu suchen, sondern darin, daß der Schatzsekretär pflichtgetreu eine r e ch t z e i - tige Deckung des Fehlbetrages anstrebte, während der Blockkanzler seinen Gehilfen von den Linken versprochen hatte, die heiklen Steuerfra­gen zu verschieben. In Norderney hatte man sich offenbar dahin verständigt, daß die Steuern noch auf ein Jahr zurückgesetzt würden. Als verantwortlicher Leiter des Reichsschatzamtes mußte aber Frhr. von Stengel einsehen, daß das ungeheure Millionendefizit, das wir im Reicke haben, einen Aufschub der Steuervorschläge nicht duldete und Frhr. v. Stengel hat bei dieser Auf­fassung die einzelstaatlichen Finanzminister auf feiner Seite gehabt, denn wenn die Finanzreform noch ein Jahr lang hinausgeschoben wird, so be­steht für die Einzelstaaten die Befürchtung, daß sie an Matrikularbeiträgen ganz unheimlich blu­ten müssen. Daneben besteht zwischen dem linken Flügel des Blocks und der Regierung auch über die Art der neuen Steuern eine Differenz der Auffassung. Fürst Bülow, der sich der Einsicht nicht verschließen kann, daß diese Differenz so­wohl für den Block wie für ihn im gegenwärtigen Momente verhängnisvoll werden könnte, hat na­türlich ein Interesse daran, daß die Steuern erst im nächsten Jahre zur Verhandlung kom­men, denn Zeit gewonnen, viel gewonnen.

Frhr. v. Stengel hatte aber genug des grau­samen Spiels, und das ist zu begreifen. Wäh­rend nun aber Fürst Bülow mit der Laterne nach einem Nachfolger sucht und dabei wahrscheinlich nicht rosigster Laune ist, reiben sich die Frei­sinnigen vergnügt die Hände. Ihnen kommt es gerade jetzt außerordentlich gelegen, daß sie ihren Wählern, die über die schroffe Ab­lehnung jeder Wahlreform und deren geduldige Hinnahme seitens der freisinnigen Abgeordneten verschnupft sind, mit einem „Erfolg" aufwarten können. Die Volkstribunen, die sich so de- und wehmütig an die Nockschöße Bülows geklammert haben, können jetzt damit renommieren, daß sie einen ganzen Neichsschatzsekretär gestürzt hätten!

Um das weithin geschwundene Vertrauen auf den vielseitigen Blockkanzler neu aufzufrischen, kön­nen sie damit prahlen, daß Fürst Bulow trotz alledem getreulich das Versprechen gehalten habe, das er ihnen in Norderney gegeben: die unbe­quemen Steuergesetze zu verschieben. Und darin haben sie offenbar recht: der Reichskanzler hat die TMge so laufen lassen, daß bei all den Kon- ferenzen und sonstigen Vorarbeiten für die Fi­nanzreform nichts herauskam. Die Muhle durfte klappern, aber kein Mehl geben. Trotz der schreienden Not des Neichshaushalts wurde die Teckungsfraae systematisch auf die lange Bank geschoben.

Die „Freis. Ztg." meint entschuldigend, der Block bestehe ja „erst ein Jahr." Im vorigen Frühjahr sei es nur eben möglich gewesen, die wichtigsten laufenden Arbeiten zu erledigen, und in diesem Winter (?) seien die Steuerfragen am Horizont aufgetaucht. Ta sei es ein Zeichen von Vorsicht, wenn zunächst einmal die Basis vor- bereitet wird, auf der sich die bestehende Maion- töt einigen kann, und wenn man die Details, also die einzelnen Steuergesetze in der nächsten Session in Angriff nimmt." t .

Morgen, morgen, nur nicht heute! Ob das ungedeckte Defizit zum Himmel schreit, stört die Blocktaktiker nickt. . _

Nach einem ganzen Jahre sind die Herren nun schon soweit gekommen, daß sie „erst einmal" die Basis vorbereiten wollen, auf der sie sich allenfalls einigen könnten. Sollte die Basis fertig werden, fo nimmt man nächstes Jahr die Einzelheiten „in Angriff". Bei diesem Schnek- kentempo kann stickt die Wahlperiode eher zu Ende sein, als die Finanznot des Reiches.,

Die Freisinnigen erblicken in. dem Personen­wechsel auch einen grundsätzlichen Um­schwung zu ihren Gunsten, da sie glauben, mit Frhrn. v. Stengel sei der Widerstand gegen, die Heranziehung der direkten Steuern zu Reichs- zwecken gefallen. Es scheint in der Tat, als ob der Blockkanzler die Absicht habe, den Einzel­staaten ihre bisherige Selbständigkeit in der direkten Besteuerung schmälern zu lassen. Die Namen von gewissen Leuten, die als Nachfolger genannt werden, deuten darauf hin. Damit aber würden sich Weiterungen von imae- heuerer Tragweite ergeben. Hinter dem Ein­spruch gegen die Entrechtung der Einzelstaaten auf dem Gebiete der direkten Steuern stand nicht nur Frhr. v. Stengel, sondern die große Mehr­zahl der verbündeten Regierungen. Es wird sich nm den inneren Frieden und die Festigkeit des Reiches handeln, wenn Fürst Bü­low berfmf'en sollte, seinen Blockfreunden von der Linken außer der Person des Frhrn. v. Stengel und seinen Steuerentwürfen auch nock ein Stück von der Selbständigkeit der Bundes- st a a t e n zu opfern.

Die von den Linksliberalen erstrebte „Basis für eine großziigiae Reichsfinanzreform" würde die Basis des Reichs erschüttern.

- -..... J______

Deutsches Reich.

1. Die Budgetkommifsion des Reichstags beriet am Dienstag den Etat des a us wärst gen Amtes. Von Zentrumsieste wurde angefragt, wann das Weißbuch über Marokko dem Reichs­tag zugehen solle, wie es mit der Entschädigung der in Casablanca geschädigten Deutschen, mit der Errichtung der frawösi'chen Polize'truppen u. s. w. stehe. Staatssekretär v. Schön ant­wortete, daß fein spezielles Weißbuch über Marokko beabsichtigt sei, sondern über die aus­wärtige Politik im ganten; zur Zeit sei eine Veröffentlichung noch nicht möglich, jedenfalls

«dLeirrtage. viertel. LrUche'veM'prei' Lne vringrrlohn unb vrfteSgeldinMdaf»- »ieaur«Srt,l.S»lkt.

Verantw Btbatttnt«

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M die Anzeigen:

3.parjelet i» Stttoa"

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 11. Februar 1908.

m r;; (feier 8 u cke r k o n v e n 11 o n

®1 5Us,L damit der Gesetzentwurf be- uud in Derblndung damn 2 rsteuer wird

ohnkerh5lühe Debatte in dritter Beratung ver-

die Fortsetzung der zweiten Beratung «._= m ; r 11 ä r e t a 18.

2tba Schwärze-Lippstadt (Ztr.) bittet um eine Aufbesserung für die Arbeiter und Handwerker in den Technischen Instituten und wünscht na­mentlich den Neunstundentag für dieselben.

Abg. Dr. Arning (nl.) führt Klage darüber, -aß bei den Lieferungen her Militärwerkstatten -ie Handwerker nicht genügend berücksichtigt werden.

Abg. Cune (fr. BP.) empfiehlt.die von der Kommission angenommene Resolution, durch welche die Militärverwaltung aufgefordert wird, bei Vergebung von Arbeiten tariftreue Firmen zu bevorzugen und bei der Feststellung von Ar­beitsbedingungen in den Militärwerkstatten die Arbeiteraussckiiffe zu hören.

Abg. Dr. Will (Ztr.) verbreitet sich über die Lohnverhältnisse der Militärwerkstätten inStraß- 6ur^bg. Dr. Struve (fr. Vgg.) fragt an, ob es wahr sei, daß die Militärverwaltung Beamte be­straft habe, weil sie sich mit ihren Wünschen an einen Abgeordneten gewandt haben.

Abg. v. Lieberi (Np.) fragt an, ob die Mili­tärverwaltung bei dem bisher verwendeten Ma- schinengewehrsystein Maxim bleiben wolle, ober >b sie zu einem anderen System, etwa dem Sy- tem Schwarzlose, übergehen wolle.

Generalleutnant Sixt von Arnim: Daß sich ; tonnte an Abgeordnete wenden, halte ich nicht fär strafbar; allerdings werden sie dabei ,ihr Dienstgeheimnis hüten müssen. Ich glaube nicht, daß die Militärverwaltung von dem Maschinen­gewehrsystem Maxim abgehen wird. Die Mili­tärverwaltung wird ruhig unb mit Ueberlegung mit demselben Wohlwollen wie bisher weiter für die Interessen der Arbeiter eintreten. Sie will und darf sich aber nicht durch ein systemloses Drängen auf Bahnen begeben, die schließlich zpm Nackteil der Arbeiter ansschlagen. (Beifall.)

Die Abstimmung übet die Resolution der Kommission wird bis zur dritten Lesung zurück- gestellt.

Bei dem Kapitel „Einmalige Ausgaben" be­merkt

Abg. Erzberger (Ztr.): Die Militärverwal­tung hat mit der Firma Mittler und Sohn einen Vertrag abgeschlossen, den man als Monopol­vertrag bezeichnen kann und Kenner des Buch­handels schätzen den Gewinn der Firma aus die­sem Vertrag auf mehrere Millionen (Hört! Hört! im Zentrum.) Es ist zu wünschen, daß, wenn der Vertrag abläuft, das Kriegsministerium we- nigstens einen öffentlichen Wettbewerb ausschreibt unb daß der Vertrag dann nicht gleich auf 10 Jahre abgeschlossen wird. Fünf Jahre genügen uuck unb schließlich auch drei. (Beifall.)

Oberstleutnant Goltz erklärt, daß die Mili­tärverwaltung sofort nach Ablauf des Vertrages mit der Firma Mittler Vorbereitungen treffen werde, um im Submifsionswege mit leistungs­fähigen Firmen in Verbindung zu kommen.

Abg. Erzbcrger (Ztr.) bittet, bei der Aus­schreibung des Wettbewerbs auch Firmen außer­halb Berlins zu berücksichtigen.

Auch die Kölner sind herübergekommen und haben auf einem rotsammetnen, mit goldenen Troddlen verzierten Kissen den Kopf eines Schä­chers unb Volksführers borangetragen, Jülich geheißen, den sie anno 1686 dem Beil überliefert und anjetzt wieder zu Ehren gebracht haben. Einer von ihnen hat dann vor dem Rathause eine Rede geschwungen, von dem herzerhebenden Schau­spiel gesprochen, von dem großen Fest der Frei­heit, so sie alle um die grüne Föhre vereine und von dem G-eist der Vorväter, der freien Deut­schen, der aller Brust mit Hochgefühl schwelle — bis zu den weisen Männern an her Seine ist er gekommen in feiner Rede und hat ihnen gedankt für ihre Milde und Klugheit!

Selbunler hat sie „Hoch die Republik" ge­lernten, Men sich umarmt und geküßt und auch ; . patriotischen Freiheitssreundinnen, die sich in ben Zug gedrängt hatten, ihren Teil gegeben dann hat sich fcer Zug in Bewegung gesetzt, n b*e Kölner mit dem Jülichskopf, dann die k ihrer Spitze der „krumme Gleich",

r^nnige Franziskaner, jetzund der Frei- a e!ien größter. Mützen und Hüte sind in h; m-rr geflogen, die Glocken haben getönt und e. -Boiler gekracht, die Jungen haben Raketen

JSelarben in die Luft geworfen und dafür suchen Fußtritt und mehrmals Prügel erhal-

sm .Tudmwiertel sind sie hinausgezogen, um i>a§ Jahr der Freiheit zu verkünden. mt<ħu6at das arme heimatlose Volk bisher lügen ul' durfte sich nie bei feierlichen Auf- lassen »ns 6en, Teilen der Stadt sehen gana lecken Abend nach Sonnenunter.

ck eut festes hölzernes Tor sein Viertel

Republik!" Stumm habe ich mich verneigt und bin auf die Seite getreten; das Herz hat mir geblutet, aber gesck-wiegen hab' ich, obwohl ich ihn hätt' zerschmettern können, den welschen Ty­rannen. Auch den Eulogius Becker, den Wurm und Zingeler, hat er gehen heißen, weil sie den Eid verweigert allzumal. Ist noch ein Sackträ- ger gewesen, Johannes Thur mit Namen, ein .Kerl wie Goliath, aber eine treue Untertanen- seele. Den hat der Büttel herbeigebracht, unh als Polterer und Schreier bezeichnet und als ein gar gefährliches Subjekt. Der Kommissar hat ihn geheißen, die Kokarde anzulegen, er aber hat mit der Faust auf den Rathaustisch geschlagen unb gerufen mit Lärmstimme: „Auf nichts laß ich mich ein, auf gar nichts!"

Der Kommissar hat die Lippen zusammenge- knifsen, sich bedacht einen Augenblick und ihn bann aus der Stadt gewiesen noch zur selbigen Stunde.

DaS Torstübchen hab' ich berlaffen, hab' nur etliche Sachen mitgenommen und bann ben Staub geschüttelt von meinen Füßen wie ehedem. Aber nicht in die Fremde bin ich gewandert zu nutz­losem Treiben; ins Lazarett bin ich gewallt. Wozu wäre ich breisthaster Mann mit meinem kraftvollen Arm sonst noch nütze? Hier aber, too Hunderte von unglücklichen Verwundeten und Zerschlagenen stöhnen und nach Hilfe verlangen, kann ich noch manch' gutes Werk vollbringen vor meinem Tode.

Grausig ist, sie anzusehen, die hier in den Sälen liegen mit bleichen, blutleeren Lippen, brechenden Augen und welken, erdfahlen Gesich­tern. Manch junges Blut liegt hier, kaum sieb­zehn Sommer alt, manch' alter Mann mit grauem struppigem Bart; manch einer hält den Rosenkranz in der zitternden Hand und murmeü leist: Gegrüßet seist du Maria! Mancher auch stößt einen gotteslästerlichen Fluch aus unb ver­wünscht sich, die Welt und alle, die darauf wan­dern. (Fortsetzung folgt) ...

wegt, in der Mitte auf einem offenen Wagen, von Sackträgern in der Sonntagsjacke gezogen, hat in weißem, griechischem Weibergewand ein junger, bartloser Mensch gethront unb das höchste Wesen repräsentiert, bas sie die Göttin bet Ver­nunft benennen. Armer Obenthal! Du, eines braven Schulmeisters ungeratener Sohn, hast bich zu biefem gotteslästerlichen Amte hergegeben und beinen Mitbürgern dieses frevelhafte Schauspiel bereitet! Möge der, den du heute verspottest, dir deine Schuld verzeihen!

Grausame Verblendung einer betörten Masse! Die Sackträaer haben zuerst der „Göttin der Vernunft" ben republikanischen Eid geschworen, bann sind die anderen gefolgt, die großen und die kleinen Narren. Das Muttergottesbild, so der Kurfürst an seinem Schloß hat anbringen lassen, hat sie geärgert, unb ein Scheiterhaufen ist aufammengdragen worben vor dem Altäre, wohl zehn Fuß an Höhe. Sechs Schimmel haben sie herbeigeholt und mit Stricken an die Statue unserer lieben Frau befestigt. Und wie die „Göt­tin" in blondem Haar oben auf dem Altäre nie- bergesesstn, ward das Zeichen zum Sturz des Muttergottesbildes gegeben^und die seckis vorge­spannten Pferde haben angezogen mit aller Macht — aber die Seist sind gerissen — und das Bild ist unversehrt.

Ein Gotteszeichen ist's gewesen; drohende- Rufe hat man ausgestoßen von allen Seiten, und die Freiheitsfreunde haben die Kopse zusammen- gesteckt unb abgelassen von einem abermaligen Beginnen.

Im Christmonat.

Nun kann auch ich meine Sachen zusammen- packen unb Abschied nehmen von meinem trauten Torwächter-Stübchen. Den Eib sollst ich schwö- ran auf die französische Republik — nie unb nim­mer! „Nein!" habe ich dem Kammisiarius ent- gegnd unb er sieht mich an mit seinen stechenben, grauen Augen unb sagt: „So seid Ihr Eures Amtes entsetzt — im Namen der französischen.

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