Maer W Zeitung
?.p^eLt"inMda. Wochenbeilage:„3nuftriCttC§0NNlag§ZeltUNg"
verantw Redakteur: Carl Schütte;
Monatrbellage: „Zuldatt GeschichtsbMek"
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Fulda, Samstaq den 1. Februar 1908.
35. Jahrqanfl.
M 26.
-zweires \SlatL
Für die
Monate Februar und Mär; nehmen fortwährend alle Postanstalten Landbriefträger, Zeitungsträger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen aus die .Fuldaer Zeitung'zum Preise von 1 Mark (ohne Be stellgeld und Bringerlohn entgegen )
Wocherr-Rundschau.
X Fulda, 1. Februar 1908.
Das politische Leben in Deutschland steht wieder einmal im Zeichen einer Krisis, deren Ausgangspunkt die beginnende Unsicherheit int Zusammenhalt des regierungsfreundlichen Reichs- tagsblocks bildet. Sichtlich nur mühsam noch führt Fürst Bülow die Leitung der Relchsge- schäfte mit Hilfe der Blockmehrheit weiter, ^m- mermehr stellen sich eben die Schwierigkeiten her- aus, auf welche die Weiterexistenz der zu einem bestimmten Zweck vom Fürsten Bülow ins Da- sein gerufenen Vereinigung der konservativen und der liberalen Elemente des Reichstages allge- mach stößt, die Grundverschiedenheit zwischen dem konservativen und dem liberalen Parteiwesen läßt sich eben auf die Dauer nur schwer übertünchen.
Das schwierigste Problem des Blockes ist immer noch die R e i ch s f i n a n z r e f o r m. Mit aller Gewalt drängt sich die Frage der Sanierung unserer recht im Argen liegenden Reichsfinanzen in den Vordergrund der Debatte in den, Blockblättern, besonders auch deshalb, weil, sich namentlich in der linksliberalen Presse die Stimmen mehren, die eine Zustimmung zu den Steuervorlagen der Regierung mit allem Nachdruck ablehnen. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat bekanntlich beschlossen, die Zigarrenbande- rolesteuer unter allen Umständen abzulehnen. Ebenso lehnt der Freisinn ein Branntweinmonopol ab. Das einzige, worüber bisher eine Einigung erzielt worden ist, dürfte die Frage der nicht gestundeten Matrikularbeiträge sein. Unter diesen Umständen kann man es begreiflich finden, wenn der Wunsch nach Vertagung der Reichsfinanzreform immer, lauter wird. Für die Folgen dieser Vertagung wird allerdings der Block auch die Verantwortung tragen müssen. Dieser Tage erst meldeten die Blätter, daß die Vorlage der B e a m t e n a u f b e s s e r u n g je- denfalls erst dann an den Reichstag gelangen wer- den, wenn für die nötigen Mittel zur Deckung Sorge getragen ist.
Neben der Reichsfinanzreform ist es besonders die preußische Wahlrechtsfrage, die die Gemüter besonders der freisinnigen Wählerschaft erregt. Die Freisinnigen draußen im Lande können immer noch nicht den Rückzug der linksliberalen Fraktionen verstehen und des Heeres Von Resolutionen gegen die Haltung der Linksliberalen, noch mehr aber gegen den Block ist fein Ende. Die ganze Resolutionsbewegung wird sich aber wieder im Sande verlaufen und Fürst Bülow nut seinen Getreuen werden gewiß bald bestätigt fitt- den, daß „die Zeit Wunden heilt."
In Baden hat man sich in diesen Tagen bei der Beratung des Finanzgesetzes über das Verhältnis der Regierung zu den einzelnen Parteien |
gründlich ausgesprochen. Was dabei herausge- kommen ist, bedeutet keine weitere Aufklärung über die Situation. Die Nationalliberalen wollen zwar vom „Großblock", der nationalliberalsozialistischen Verbrüderung, für den Augenblick auch nicht viel wissen, eben weil sie die Genossen augenblicklich nicht gerade nötig haben, aber sie hielten sich in langen Herzensergüssen doch noch alle Türen offen. Die Regierung machte wieder allerlei Verbeugungen vor den Nationallibwalen und es scheint sicher zu fein, daß sie versuchen wird, trotz des Rückganges der nationalliberalen Partei weiter mit diesen ihre „Geschäfte" zu machen, genau so wie es immer gewesen ist.
Im Ausschuß der ungarischen Delega- t i o n hat am Montag der Minister des Aeußern, Freiherr v. Aehrenthal, die übliche Uebersicht über die auswärtige oPlitik gegeben und darin unter anderem konstatiert, daß die, gegensätzlichen Strömungen, die sich im europäischen Staatensystem in den letzten Jahren stärker bemerkbar, machten, zwar nicht verschwunden, aber doch einigermaßen zurückgetreten seien. Der Berichterstatter Thorozkay hob hervor, daß die österreichisch-ungarische Diplomatie dahin wirken müsse, daß En- ropa in der Marokkofrage von Komplikationen verschont bleibe.
In Frankreich nahm in der französischen Kammer während der vergangene Woche, die Ma- Marokkodebatte einen breiten Raum ein. Sie schloß damit ab, daß die Kammer mit 436 gegen 51 Stimmen der Regierung das Vertrauen aus- sprach. Besondere Beachtung hat die Rede, des früheren Ministers des Auswärtigen, Delcassö gefunden, der sich, beziehungsweise seine Politik, die Frankreich dicht an den Rand eines Krieges brachte, verteidigte und mit blendenden Phrasen die öffentliche Meinung in Frankreich zum Teil gefangen nahm. Minister Pichon stellte, sich auf den Boden der Algecirasakte und kennzeichnete in aller Schärfe die phantastifche Abenteuerpolitik Delcassös. Am letzten Tage der Marokkodebatte kaum auch JaurLs zum Worte, der n. a. erklärte, Frankreich wolle den Frieden, gegen den sich auch die französisch-englische Freundschaft nicht richten dürfe.
In Portugal fetzten in den letzten Tagen die Unruhen mit großer Schärfe ein, verschiedentlich war von Verschwörungen die Rede, und überall herrscht dumpfes, geängstigtes Abwarten. Die Polizei setzt ihre Maßnahmen fort und überwacht auch weiter das Militär.
In Marokko erscheint die Situation fortdauernd kritisch. Es sind Anzeichen einer feindlichen Bewegung gegen Mnlay Hafid vorhanden und der Gegensatz zwischen den Einwohnern von Fez-Bali, die Anhänger des Mnlay Hasid und denjenigen von Fez-Diedied, die Anhänger des Abdul Äsis sind, ist int Wachsen. Tie Stämme der Umgegend, die fast sämtlich auf Seite des Abdul Äsis stehen, sollen bereit sein, bei der ersten Feindseligkeit unter den einzelnen Quartieren in die Stadt einzufallen und sie zu plündern. Allen Beamten an der ganzen Küste ist gedroht worden, wenn sie Mnlay Hafid nicht zum Sultan proklamierten, würden ihre Häuser geplündert und ihre Frauen und Kinder als Sklaven verkauft werden.
In Persien will sich die Ruhe immer noch nicht einstellen. Obgleich dieser Tage ein Aufruf der reaktionären Partei erschien, den Parteihader einzttstellen und zur Grenze zu ziehen, um gegen den äußeren Feind zu kämpfen, der bereits einen nicht kleinen Teil der Provinz Asserbeidschan in Besitz genommen habe, wurde der Stadtteil Daratsch in Täbris, wo der einen immer größeren Anzing gewinnende Führer der Reaktionäre wohnt, beschossen. Auch fand ein heftiger Kampf zwischen den Parteien statt, wobei viele Personen verwundet wurden.
© Gefahren in unserer Rechtspflege.
Es liegt ein tiefer Gedanke darin, daß man die Justitia mit verbundenen Augen dargestellt. Sie soll urteilen ohne Unterschied der Per'on, sie soll die Person gar nicht kennen, sondern rein nach den Tatbeständen ihr Votum abgeoen. Ent- spricht unsere Rechtspflege noch dieser Anforde- rung? Was die Zivilrechtspflege anbelangt, so kann man die Frage ruhig mit Ja beantworten; in der Strafrechtspflege aber müsse man einige Einschränkungen machen.
Es wäre ungerecht, wenn man sagen wollte, daß einzelne Richter sich bewußt der Parteilichkeit schuldig machten. Lebensauffassung, Gesellschafts- schicht usw. wirken bestimmend auf jeden Men- scheu ein; niemand kann ans seiner Haut heraus. Das Gericht kann daher die feste Ueberzeugung von seiner vollen Unparteilichkeit haben, und doch können seine Urteile in den weitesten Kreisen eine andere Empfindung Hervorrufen. Man kann beobachten, wie in der sozialdemokratischen Agitation das Wort Klassenjustiz immer mehr in den Vordergrund gerückt wird. Darin liegt eine ernste Mahnung für den Richterstand, alles zu vermeiden, was das Vertrauen zur Strafrechtspflege untergraben könnte und sich vor jedem Urteil doppelt zu prüfen, ob es nach allen Seiten hin gerecht ist.
Eine große Gefahr droht unserer Rechtssprechung durch dieAusdehnung der Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit. Ans diesem (Sehiete geschieht des Guten schon mehr als genug. Gewiß soll kein Blödsinniger oder Irrsinniger, der sich seiner Taten nicht bewußt ist, bestraft werden, aber nehmen wir einmal den Allensteiner Fall her: Hauptmann Goeben und Frau v. Schönbeck sind beide der Irrenanstalt zur Beobachtung ihres Geisteszustandes überwiesen worden. Wer vor 6 Wochen dem Hauptmann von Göben gesagt hätte, er sei geistig nicht normal, den hätte er wahrscheinlich vcc die Pistolen gefordert. Es ist doch zu natürlich, daß jeder, der zur Beobachtung feines Geisteszustandes in eine Irrenanstalt kommt und weiß, daß von dem Resultat der Beobachtung es abhängt, ob ihm für eine ehrlose verbrecherische Tat die ganze Schuld zugemessen werden kann, sich förmlich au;gefordert fühlen muß, zu simulieren und allerlei Streiche auszuführen, die geeignet sind, das Urteil eines Arztes irreMführen. Gibt es nicht Simulanten genug? Liegt in solchem Vorgehen nicht eine direkte Aufforderung an dis Verbrecherwelt, sich verrückt zu stellen oder eine Beobachtung ihres geistigen Zustandes zu beantragen, um den Händen des Strafrichters zu entgehen? Wohl gibt es eine perverse Veranlagung, aber diese gilt für alle Menschen ohne Ausnahme und diese perverse Veranlagung ist ausgedrückt in den Worten der hl. Schrift: „Sinn und Gedanken des Menschen sind zum Bösen geneigt von Jugend auf." Darum wird auch von dem Menschen Kampf verlangt, Kampf gegen sich selbst. Kampf gegen die bösen Neigungen, gegen die Leidenschaften des eigenen Herzens. Für einen Teil unserer Zeitgenossen gelten aber die L'hren des Ehristetums nicht mehr.
Die Fälle der Untersuchung auf den Geisteszustand mehren sich in unheimlicher Weise. Wer weiß, vielleicht wird bald der sogenannte Normalmensch als Verbrecher eine Ansnahmeerschei- mmg fein, in der Regel aber der Verbrecher ein vermindert Zurechnungsfähiger fein. An Stelle der Zuchthäuser und Gefängnisse werden dann für die unzurechnungsfähigen und vermindert zurechnungsfähigen Verbrecher besonders eingerichtete Anstalten treten, in denen diese gesellschaftsseiud- lichen Elemente unter der liebevollen Fürsorge des Staates ihrer „Heilung" entgegengeführt werden, um dann als „geheilt" von neuem auf
die Gesellfchaft loSgelaffen, zu werden. Dabei läßt sich die Befürchtung nicht unterdrücken, daß vorwiegend Verbrecher aus den sogenannten belferen Bevölkerungsklassen diese „humane" Be- Handlung erfahren und so den sozialdemokrati- scheu Beschwerden über Klassenjustiz Vorschub geleistet wird. Wenn Leute aus höheren Kreisen ein Verbrechen begangen haben, dann kann man ja heute mit Sicherheit darauf rechnen, daß die SBer« tcibigung Zweifel an ihrer normalen Geistesverfassung erhebt. Die Sucht mancher Psychiater, womöglich bei allen Menschen Zeichen geistiger Minderwertigkeit zu entdecken und nicht zuletzt gerade an denen mit sachverständiger Findigkeit ihre Kunst zu zeigen, deren geistige Gesundheit von Personen ihrer ständigen Umgebung nie im geringsten angezweifelt worden ist, begünstigt diese bedenkliche Unsitte nicht wenig. Das gibt dem Landgerichtsrat Oppler Anlaß, im „Tag" eindringlichst seine warnende Stimme gegen die drohende Untergrabung unserer Rechtspflege und gesellschaftlichen Ordnung zu erheben. Er schreibt:
Mit erschreckender Sicherbeit ist eingetreten, was vorauszusehen war: Wenn die Zeitungen ivaiir berichet haben, hat der Hauptmann v. Goeben einen glatten Mord begangen, des Ermordeten Frau sich der An« sti tung zu diesem Verbrechen schuldig gemacht. Auf beider Tat steht die absolut bestimmte Strafe des Todes. Was geschieht? Der Psychiater wird als Retter in der Not angerufen; die beiden Leute, an deren Geistesklarheit bisher niemand zweifelte, müssen für unzurechnungsfähig erklärt iverden, da sie ein so gemeines, scheusäliges Verbrechen verübt haben, wenn auch seine Motive noch so unheimlich klar zu Tage liegen. In dem Verfahren liegt Methode; schon haben wir's so herrlich weit gebracht, daß kaum noch irgend« wo ein Kapitalverbrechen geschieht, ohne daß die Zurechnungsfähigkeit des Täters in Zweifel gezogen würde. So wird allmählich der sichere Boden untergraben, auf dem die gesellschaftliche Ordnung rudt. Dann aber — und darin liegt die größte Gefahr — wo find die Grenzen der Zurechnungsfähigkeit? Niemals wird es dem menschlichen Geiste gelingen, das dunkle Grenzgebiet zwischen geistigem Sein und Nichtsein nach festen Normen abzustecken; wer ais Strafrichter Gelegenheit hat, die vielfach tastende Unsicherheit der Psychiater auf diesem Grenzgebiet, ihre nichtselten sich widersprechenden Gutachten zu beobachten, den kann die schwankende Grundlage nur mit lebhafter Besorgnis erfüllen, auf der sich häufig die Annahme der Unzurechnungsfähigkeit aufbaut. Wie das werden soll, wenn wir erst uns der verminderten Zurechnungsfähigkeit als gesetzlichen Strafmilderungsgrundes erfreuen werden, ist gar nicht auszudenken.
Wir können mit Landgerichtsrat Oppler nur wünschen und hoffen, daß eine gesunde Rechts- sprechimg einer von der Gesetzgebung nicht gewollten und gefahrdrohenden Ausdehnung der Anwendung des § 51 des Reichsstrafgesetzbuches energisch entgegentrete und es verhüte, daß die Strafrechtspflege und damit die ®runMagen der zum Schutze der Gesellschaft geschaffenen Rechts- otbmtng ins Wanken geraten. Ter allzu große Einfluß der Psychiatrie auf die Rechtspflege ist bei den gegenwärtig noch überaus schwankende Grundlagen dieser Wissenschaft vom liebel.
Nicht minder ist der Unfug mit dem Zuziehen von S a ch v e r st ä n d i g e n zu geißeln, besonders, wenn es sich um Verletzung der Strafbestimmungen gegen die öffentliche Uastttlichkeit handelt. Da geben sich manche Gerichte den Anschein, als könnten sie selbst nicht mehr unterscheiden, was sittlich ist und was Schmutz ist. Einer solchen Unterschätzung des gesunden Men- schenverstandes und des natürlichen Anstands- gesiihles muß man entgegentreten. Wer die Richtung des Sachverständigen kennt, der wird auch im Voraus sagen können, wie er sich äußern wird. Wer selbst in Schweinereien lebt, wird in den größten Schweinereien nichts Anstößiges finden, sondern alles von feinem künstlerischen Stand-
§fe6ruar.
Von I. Kirdorf.
(Nachdruck verboten.)
Der Februar ist das Stiefkind in der zwölf- röpfigen Familie der Monate; bei der Verteilung der Tage ist er zu kurz gekommen, er hat nur 28 Tage erhalten, während feine Brüder alle wenigstens 30, die sieben mächtigsten sogar 31 Tage erhalten haben. Um ihm einigermaßen diese Benachteiligung zu ersetzen, gibt man ihm alle vier Jahre eine Extrazulage von einem Tage, wie das in diesem Jahre der Fall ist. Der lateinische Name Februarius bedeutet „Kälte- moimt", eine Bezeichnung, die dem Januar eher zukäme; immerhin aber leistet auch der Februar als letzter der drei eigentlichen Wintermonate sehr oft in Kälte noch genug, er übertrifft darin Im Durchschnitt den Dezember noch ein wenig, larl der Große hatte dem Februar den Namen .Hornung", d. h. „Schmutzmonat" gegeben, Obschon dieser Name sehr gut paßt, hat er doch nicht allgemeine Anerkennung gefunden und vor dem lateinischen Namen zurücktreten müssen. Stach den Wetter- und Bauernregeln ist es für die Maaten günstig, wenn der Februar naß und windig ist und deshalb sicht man es auf dem Lande Hern, wenn es in diesem Monate viel regnet ünd stürmt. Die Städter haben auch in diesem Punkte andere Wünsche und Anschauimgen, als hie Bauern; sie wollen lieber trockenen Fußes und bei ruhiger Luft ihren Geschäften und ihren Vergnügungen vachgehen.
Eine schöne Eigenschaft des Februar, die von ! lllei; Menschen in der Stadt und auf dem Lande pettdig begrüßt wird, besteht darin, daß er uns nne starke Zunahme der Tageslänge bringt. Im Laufe diefes Monats wächst die Länge des Tages i n unseren Gegenden um 1% Stunden; am Ende 'es Februar dauert der Tag schon 3 Stunden änger als in der Weihnachtszeit.
In kirchlicher Hinsicht liegen in diesem Jahre die Verhältnisse im Februar sehr einfach. Das einzige Fest des Monates, Mariä Reinigung (Lichtmeß) am 2. Februar fällt auf einen Sonntag, sodaß es äußerlich sich als Fest gar nicht bemerkbar macht. Der Aschermittwoch mit dem Anfang der Buß- und Fastenzeit, der gewöhnlich in den Februar fällt, rückt in diesem Jahre wegen des späten Ostertermins in den März hinein. So bleibt denn dem Februar rein gar nichts übrig — ein Schicksal, das auch bei den Menschen zuweilen die Stiefkinder trifft. Auch das Heiligen-Verzeichnis des Februar weist nur wenige bekannte Namen auf, u. a. den Apostelschüler Ignatius (1. Febr.), den Bischof Blasius, an dessen Gedenktage (3. Febr.) in der Kirche der Blasiussegen erteilt wird, und den Apostel Matthias (24. Februar); etwas reichlicher ist die Zahl der heiligen Jungfrauen, deren Fest in den Februar fällt: Agatha (5. Febr.), Dorothea (6. Febr.), Apollonia (9. Febr.), Scholastika (10. Febr.), Walburga (25. Febr.).
Werfen wir einen Blick auf die geschich t- lidjen Ereignisse, so finden wir manches Be- merkenswerte in dem Konto des Februar aufgezeichnet. Am 25. Februar 1599 wurde das Edikt von Nantes in Kraft gesetzt, durch welches König Heinrich IV. von Frankreich den Hugenotten freie Religionsübung sicherte. Im Februar 1700 nahmen die protestantischen Staaten Deutschlands den gregorianischen Kalender an, indem sie nach ihrem 19. Februar sofort den 1. März folgen ließen und damit ihre Zeitrechnung mit der in den katholischen Staaten schon früher eingeführten Rechnung in Uebereinstimmung brachten. Aus der neueren Geschichte unseres Vaterlandes sei noch erivähnt die Wahl des Kartell-Reichstages am 21. Februar 1877, bei welcher der Sep- tennatsrummel eine große Rolle spielte.
Sehr groß ist die Zahl hervorragender Persönlichkeiten, die im Februar gestorben sind. Am 4. Februar 856 starb der gelehrte Erzbischof von Mainz Rhabanus Maurus, am 7. Februar 1878
der große Papst Pius IX, am 8 Febr. 1705 Kaiser Peter der Große von Rußland, am 11. Febr. 1650 der Philosoph Eartesius (Descartes), am 12. Febr. 1804 der Philosoph Kant, am 15. Febr. 1781 der Dichter Lessing und an demselben Tage 1865 der englische Kardinal Wisernaim, am 17. Febr. 1600 wurde der italienische Philosoph und Hermeiiker Giordano Bruno verbrannt, am 18. Febr. 1564 starb der große Maler, Bildhauer und Baumeister Michelangelo, an demselben Datum 1546 Martin Luther und 1587 Maria Stuart; am 20. Febr. 1810 wurde Andreas Hofer er« schossen; am 23. Febr. 1855 starb der große Mathematiker Gauß, am 24. Febr. 1468 Johann Gutenberg, am 25. Febr. 1634 wurde Wallenstein ermordet und am 26. Februar 1878 starb der berühmte Astronom P. Secchi S. I.
Von den im Februar geborenen Männern, die sich im öffentlichen Leben, in Wissenschaft und Kunst einen Namen erworben haben, nennen wir folgende: Mallinckrodt, der Führer der deuffchen Katholiken im Kulturkämpfe, Ivar geboren am 5. Februar 1821, Schriftsteller Alban Stolz am 8. Febr. 1808, Gabelsberger, der Erfinder der deutschen Stenographie, am 9. Februar 1789, der englische Naturforscher Darwin am 12. Februar 1809, der italienische Astronom Galilei am 18. Febr. 1564, der deutsche Astronom Domberr Nikolaus Kopernikus am 19. Febr. 1473, der englische Kardinal Newmann am 21. Februar 1801, der Physiker Arago am 26. Febr. 1768 und der Theologe Döllinger am 28. Febr. 1799.
An dieser Stelle sei auch der beklagenswerten Leute gedacht, die nur alle vier Jahre ihren Geburtstag feiern können, weil sie am 29. Februar geboren sind. Vor acht Jahren, im Jahre 1900, hat man, um das Unglück voll zu machen, auch noch den Schalttag ausfallen lassen, sodaß die zwölfjährigen Jungen und Mädchen, die am 29. Februar 1896 geboren sind, in diesem Jahre erst zum zweiten Male in die glückliche Lage kommen, Glückwünsche und Geschenke zum Geburtstage entgegen nehmen zu können. Mögen dafür die
Glückwünsche um so herzlicher und die Geschenke um so reichlicher ausfallen!
Zum Schlüsse noch eine Mahnung an alle, die durch ihren Beruf gezwungen sind, den größten Teil ihres Lebens zwischen vier Wänden zuzubringen. Jetzt, wo die Tage länger werden, kommt die Zeit, wo man jeden freien Augenblick benutzen soll, hinauszugehen in die freie Natur. Die frische Lust ist eine wahre Wohltat für die Lungen und für den ganzen Körper, und gerade jetzt beim Herannahen des Frühlings tut uns allen eine kräftige Auffrischung an Körper und Geist doppelt not. Deshalb heißt die Losung: Hinaus ins Freie, so viel wie möglich! Dabei versäume man nicht, auch wenn das Barometer gutes und schönes Wetter ankündigt, sich durch warme Kleidung gegen die Unbilden der Witterung zu schützen, denn der Bazillus des Schnupfens und aller Katarrhe gedeiht am üppigsten, wenn das. Eis in Bewegung kommt und „der Tauwind schnaubt von Mittag her".
— Zusammengetrocknete Holzgefäße wasser- dicht zu machen. Man stopft das Gesäß, ehe man Wasser eingießt, zuerst mit Stroh oder schlechtem Heu aus, legt einen Stein oder sonst ein Gewicht darauf und gießt dann Wasser ein., Wenn nun auch letzteres wieder abläitft, so bleibt doch das angefeuchtete Stroh zurück und befördert das Aufquellen des Holzes in kurzer Zeit.
— Im Cass. Frau Altmann: „Ich möchte kein Aufsehen erregen, Hermann, aber der Herr dort btüoen starrt mich unausgesetzt an." Herr Altmann: Frecher Mensch! Werde ihn sofort zur Rede stellen!" Frau A. em paar Minuten spater: „Nun, hat er sich entschuldigt? Herr A.: „N—ja, er erklärte mir, er erwarte feine Mutter und habe Dich zuerst für sie gehallen."
- Sicherste Garantie. „Nur Geduld, lieber Pro« feffor: wo Sie so hohe Militärs zu Verwandten haben, werden Ihre wissenschaftlichen Verdienste auch an höchster Stelle aewürdiat werden."