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Fulda, Samstag den 1. Februar 1908,

Jahrgang,

M 26

«Stiles Mlatt

wird

(Nachdruck verboten.)

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 31. Januar 1908.

Die zweite Beratung des Justizetats

trfdtditi lSglich mit gnsnahme der Sonn, und Feiertage, viertel- Ehrliche- vezugsprei, ,yne vrlngerlohn und vestellgeldinZuldaso. wie auswSrtr 1.50 Ulf.

verantw. Redakteur: Carl Schütte;

wschmbellage: „Illustrierte Sonntagzzeitung

Abg. Behrens (wirtsch. Dgg.) Der Abg. Mng- dan irrt sich, wenn er meint, die nichtsozialdemo- kratiscben Arbeiter würden bei gemeinschaftlicher Wahrnehmung von Arbeiterintereflen von den Sozialdemokraten einfach an die Wand gedruckt werden. Die nichtsozialdemokratischen Arbeiter. Organisationen sind stark genug, um sich einen Platz zu erkämpfen, wenn ihnen nur die Gelegen- heit dazu gegeben wird.

Damit schließt die Diskussion; die Abstim- mung über die Resolution wird auf Antrag, des Graftn Hompesch (Ztr.) eine namentliche sein und soll zu Beginn der morgigen Sitzung vorgenommen werden.

Es folgt die Beratung des Etats des R e i ch s- eisenbahnamts.

Abg. Stolle (Soz.) hält seine alljährliche Rede über Eisenbahnunfälle, über Arbeiterverhältnisse bei der Eisenbahn, gegen die Haltung der Eisen­bahnverwaltungen zur Organisationsfrage, über die Verkürzung der Arbeitszeit usw.

Präsident des ReichseisenbahnamteS Schulz betont, die Eisenbahnunfälle seien bei uns nicht so zahlreich wie im Auslande, und sie seien immer mehr zurückgegangen. Die neue Eisenbahnbe­triebsordnung habe sich so gut bewährt, daß sie dem Auslande zum Muster diene. Auf keinen Fall seien die Eisenbahnunfälle auf die Ueber- bürdung von Beamten zurückzuführen. Zur Frage des Wagenmangels erklärt er, die Eisen­bahnverwaltungen seien durchweg nach Kräften bemüht, Abhilfe zu schaffen.

Abg. Storz (südd. Vp.) bedauert das Schei­tern der Betriebsmittelgemeinschaft', die Fahr­kartensteuer habe ein klägliches Fiasko erlitten. Bei der Finanzreform müsse diese Steuer wieder beseitigt werden. Völlig verfehlt sei auch die Ta­rifreform, denn eine Verbilligung habe sie nicht gebracht, im Gegenteil habe der Gepäcktarif eine Lkrteuerung gebracht.

Reichseisenbahnpräsident Schulz gibt zu, daß die Personentarifreform ihre Mängel hat und teilt mit, daß bereits Mittel zu ihrer Beseitigung in Aussicht genommen feiert.

Samstag: Fortsetzung, Nachtragsetat.

Der Türmer von vom.

Erzählung aus der Franzosenzeit von Dr. Wil» Helm Ruland.

Abschluß von Verträgen zwischen der Marine­verwaltung und den Unternehmern. Es bleibt den Unternehmern ja nach wie vor völlig freige­stellt, ob sie von der Marineverwaltung einen Auftrag übernehmen wollen ober nicht. Ein zweiter Einwand war der Hinweis auf etwaige finanzielle Folgen. Ich halte diesen Einwand für nicht zutreffend. Er könnte nur zutreffen, wenn die Berücksichtigung der Tarifverträge zur Folge hätte, daß Mehrausgaben für das Reich eintreten. Das ist nicht der Fall. Aber selbst wenn es so wäre, so sollte sich die Marineverwaltung ihre Lieferungen nicht auf Kosten der Arbeiter erleich- tern lassen. (Beifall im Ztr.) Württemberg ist bahnbrechend vorgegangen, Bayern gefolgt, Hessen ebenso, eine Reihe von Stadtverwaltungen wie München, Fürth, Freiburg L Breisgau, Straß- bürg usw. Da ist es Sache des Reiches, zu folgen.

Freiherr v. Richthofen (kons.): Tarifverträge find eine Hauptfrage der Zukunft. Die Reichsan­stalten sollen ja vorbildlich sein, aber es ist doch fraglich, ob* cd angebracht ist, daß die Reichsver­waltung in die freie Entwickelung eingreift. Der­artige Resolutionen sind nicht angezeigt.

Abg. Ledebour (Soz.) verlangt in langer Rede die Anerkennung der Arbeiterorganisationen.

Abg. Dr. Semler (nl.) erklärt, seine Freunde würden gegen die Resolution stimmen, da durch sie eine Anzahl von Firmen von den Lieferungen ausgeschlossen würden.

Abg. Dr. Pachnicke (fr. Vgg.) stimmt namens der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft der Reso­lution zu; der Tarifvertag sei der Vertrag der Zukunft.

Abg. Behrens (wirtsch. Vgg.): Der Staat muß mit dem Tarifvertrag voran gehen. Die Arbeiterausschüsse werden leider dazu benutzt, die Arbeitsorganisationen überflüssig zu machen. Nur letztere sind aber verhandlungs- und ver­tragsfähig. Dringend notwendig ist, daß die Verwaltung von der Notwendigkeit des Aus­baues der Einigungsverhandlungen durchdrun­gen wird. Wir werden der Resolution zustimmen.

Abg. Ledebour (Soz.): Dem Abg. Pachnicke habe ich zu erwidern, daß die freien Oewert- schäften von der politischen Sozialdemo­kratie völlig unabhängig sind. (Widerspruch.) Freilich gehören die Gewerkschaften auch der po­litischen Organisation an, aber das ist bei Ihnen mit den Hirsch-Dunkerschen doch ebenso. Lehnen Sie vom Freisinn unfern Antrag ab, so geben Sie damit den Arbeiterorganisationen einen Schlag ins Gesicht.

Abg. Dr. Pachnicke (fr. Vgg.) erwidert, die Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften seien politisch vollständig unabhängig, das fei aber bei den freien Gewerkschaften nicht der Fall; zwischen diesen und der Sozialdemokratie habe sich eine immer innigeae Annähevung vollzogen.

Abg. Hue (Soz.) protestiert gegen den Ver­such, eine Identität zwischen freien Gewerkschaf­ten und der sozialdemokratischen Partei zu kon­struieren.

Abg. Dr. Mngdan (fr. Vp.): Alles Ableug­nen seitens der Sozialdemokratie ändert nichts an der Tatsache, daß die freien Gewerkschaften sozialdemokratische Organisationen sind. (Lachen bei den Soz.) Sie (zu den Soz.) verstehen unter den Arbeiterorganisationen, von denen in Ihrem Antrag die Rede ist, doch nur die sozialdemokra­tischen Gewerkschaften. Ledebour ruft: Sie treten ja immer gegen die Arbeiter auf!) Muy- dan fortfahrend: Nein, nicht gegen die Arbei­ter, sondern gegen die Sozialdemokratie. (Bei­fall, Lachen bet den Soz.).

Abg. Ledebour (Soz.): Wo Sie gegen die Interessen der Arbeiter aufgetreten sind? Bei den Krankenkassen! (Beifall bei den Soz.) Und wir brauchen nur Ihre heutige Rede zu publi­zieren, um Ihre Arbeiterfeindlichkeit darzutun.

Kopf hoch, Matthias, und nicht geseufzt wie ein altes Weib, jetzt, wo alles vorbei ist.

Siebzehn Jahre haben wir beide gehabt, just das Alter, das man die Flegeljahre nennt weil manchen Buben um diese Zeit der Schalk im Kopf herumspukt und sie zu vielerlei Schelmenstückchen aneifert, die nicht bös- gemeint sind, oft aber — Gott fei’S geklagt — böse Folgen haben,

Ein flottes Studentlein ist der Toni gewesen, ohne Arg und Falsch, schon ein Vierteladvokat, noch ehe er den Virgil und den Kloppstock gelesen. Komme ich einst zu ihm ins Klassenzimtner — eine halbe Stunde vor Beginn des Uterrichts war es — und finde ihn beschäftigt, eine greuliche Karrikatur mit Kreide auf die Tafel zu zeichnen.

„Um Gotteswillen, Toni, was machst Du da?" rief ich.

„Wart' nur!" schreit er lachend, „mein Qual- geist ist's, der mich plagt vom Morgen bis zum Abend und mir mein jugendlich Geoein zergerbt", und malt der Fratze eine Brille ins Gesicht, zwei riesige Henkelohren an den Kopf und eine Zucht­rute in die Rechte.

„Aber Toni", rief ich erschreckt, „gib acht, wenn der Magister Orbilius kommt (so nannten wir den Gefürchteten), er wird Dir's teuer bezahlen."

Da geht die Tür auf und die andern stürmen herein und lachen unbändig, als sie das Schre- ckensgespenst sahen; der Toni ist aber schon auf seinem Platz gewesen und hat getan, als wüßt' und sah' er von allem nichts. Hat ihn einer an­gestoßen und gerufen: „Sieh doch Antonius, den Magister, wie er leibt und lebt! "

„Ah!" hat der Toni gemacht, „Superbus! Daraus könnte man eine Rede halten!"

„Ja, eine Rede", hat der ganze Chorus ge- schrieen, „eine Leichenrede auf unfern Magister Orbilius, gehalten von unferm Condiscipel An­tonius. Toni, heraus auf die Tribüne!"

Da hat dem Toni das Auge geglüht, und er ist aus der Bank gesprungen und hat eine Rede gehalten voll Feuer und Kraft, und wir alle 6a-

Deutsches Reich.

• Der Dank deS Kaisers. Kaiser Wilhelm hat unter dem 30. Januar an den Reichskanzler einen Erlaß gerichtet, in dem es u. a. heißt:

In zahlreichen Telegrammen «nd Zuschriften sind mir beim Eintritt in mein fünfzigstes Lebensjahr treue Glück- und Segenswünsche aus allen Teilen des Deutschen Reiches und aus weiten Fernen dargebracht worden. Diese patriotischen Kundgebungen haben mich von neuem erkennen lassen, welches Maß von liebevollem Bertrauen und treuer Anhänglichkeit mir anS allen Kreisen deS deutschen Volkes enlgegenaebracht wird. In herz, erhebender Weise ist dadurch mein Ehrentag verschönt und meine Festessteude erhöht worden. Ich preise bei Allmächtigen Güte, daß das verflossene Jahr wieder ein Jahr des Friedens und fortschreitender Entwicklung für das Vaterland gewesen ist, und vertraue zuver» sichtlich, daß Gott der Herr auch fernerhin seine schützende Hand über das deutsche Volk halten und eS auf friedlicher Bahn weiter führen wird zum Segen des Gesamtheit wie jedes Einzelnen.

ben gelauscht und vermeint, Cicero fei wieder er­standen.

Und wie er mitten im besten Zuge war, da rief plötzlich der, welcher an der Türe faß: «Der Magister kommt!"

Eine SPHnute später ging die Tür des Klassen­zimmers auf.

Starres Entsetzen!

Der kleine Redner war unter eine Bank ge­schlüpft und saß, den Kopf wie zum Lernen in die Hände gestützt, auf feinem Platze: ein un­schuldiges Lamm. Die andern starrten stumm und angswoll auf den Magister, der langsam und feierlich zum Katheder schritt.

Jetzt bemertte er die Kreidezeichnung. Sein gelbes, pergamentähnliches Gesicht zuckt einen Moment auf, dann wieder olympische Ruhe; nur feine spärlichen Brauen schienen sich zu sträuben.

Eisige Stille herrschte, und doch waren siebzig Köpfe in der Klasse.

Er wandte sich zum Ersten.

„Weißt Du, wer das — das Ding da gemalt hat?"

„Rein!" entgegnete jener; er wußte eS ebenso wenig wie alle andern, weil niemand in dem kritischen Augenblick zugegen gewesen.

Er fragte den Zweiten, den Dritten — alle mit gleicher, unerschütterlicher Ruhe, die uns mehr erschreckte, als sein Zorn. Jetzt kam er zu mir und dann zum Toni. Dieser stierte noch immer auf fein lateinisches Vokabularium, nur seine Füße trippelten krampfhaft. Mir fiel plötzlich der Augenblick ein, wo wir beide Freundschaft ge­schlossen hatten.

„Was immer geschehen möge, ich bleibe Dein Freund und werd' Dir's nie vergessen!" hatte ich damals gelobt.

Jetzt stößt mich Toni an; sein sonst so schel­misches Gesicht ist angstverzerrt.

„Du, verrat' mich nicht!" fi

..Matthias!" ruft der Magister. •

fortgesetzt.

Abg. Dr. Dahlem (Zentrum) empfiehlt größte Vorsicht bei Erteilung des Armenrechtes und bittet um wohlwollende Berücksichtigung von kleineren Firmen bei Vergebung von Druckansträgen.

Geheimrat Fritze sagt die Erfüllung deS letzten Wunsches zu, soweit es sich um leistungsfähige Firmen handele. Die Entscheidung über die Er­teilung des Armenrechtes müsse den einzelnen Ge­richten überlassen werden.

Abg. Cassel (fr. Vp.) glaubt nicht, daß die Be- Hörden leichtfertig Armenzengnisse ansstellen; es sei auch durchaus nicht immer nach den Vorschriften des Gesetzes, daß nur ein ganz armer Mann Frei­heit von Gerichts» und sonstigen Kosten bewilligt erhält.

Abg. be Witt (Zentrum) stimmt dem Abg. Cassel bei.

Abg. Dr. Dahlem (Zentrum!: In vielen Fällen, in denen wegen Beamtenbeleidigung Anklage er­hoben wurde, ist Freisprechung erfolgt, und deshalb hat bereits eine Eisenbahndirektion Anweisung ge» geben, in solchen Fällen erst Strafantrag zu stellen, wenn eine genaue Prüfung ein absolut einwand­freies Ergebnis gebracht hat. Auch der Justiz- Minister hätte wohl Veranlassung, seinerseits eine Anweisung zu erlassen, daß nicht tn jedem Falle wegen einer Bagatelle Strafantrag gestellt wird.

Zusammengefahren sind wir wie die Rehlein, aber aufgestanden bin ich in der nämlichen Mi­nute.

„Also Du, Matthias!" hat er mich angefahren. Da ist der kleine Antonius aufgesprungen und hat gerufen: „Ich bins gewesen, Herr Magister, her das Schwatzen angefangen", und feuerrot ist fein Gesicht gewesen.

„So, Du Faullenzer I" Und das Birkenreis ist auf feinem kleinen, schmalen Rücken herabge­fahren wohl zehn und etliche Mal. Mit keiner Wimper hat er gezuckt, aber ich habe die Schläge rni Empfunden und auffchreien hält' ich mögen itnb ihm den Stock aus der Hand schleudern, dem grimmen Mann. Der aber ist schon wieder auf feinem Katheder gewesen und hat getan, als haft' kr just eine Fliege verjagt mit feinem Stecken.

Der andere aber, der für mich mitgelithn, hat ■auf seinem Platz gesessen und nichts gesägt; da Hab rch sanft seine Hand erfaßt und wehmütig geflüstert: „Tom!"

Er hat sich umgeweudet und mir zugelächelt -Unter Tränen.

„Toni! Was immer auch geschehen möge, ich fleibe Dein Freund und werd' Dir's nie verges­sen!"

Die Hand hat er mir fest gedrückt und mit ,dem Kopfe genickt.

„s ist gut, Matthias! doch sei still, da kommt wieder vom Sitz herunter, der grimmbärtige Scholarch", — und hat auswendig gelernt mit halblauter Stimme: amainus, arr-atis, amant.

Immer weiter ist das Zeitrad gerollt und der m und ich sind Freunde geblieben in guten und tn schlimmen Tagen. In schlimmen Tagen! sage zch, und meine Hand zitiert, da sie das schreibt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 31. Januar 1908.

Das Haus setzt die zweite Beratung des M a- rlneetats fort.

Bei der Forderung von 2 Millionen Mark zur Anlage eines Hafens bei der Insel Helgoland fragt . .. . „ ,

Abg. Ahlhorn (ft. Vp.) an, ob die vielfach ge­äußerten Befürchtungen begründet seren, daß Helgoland in abfehbarer Zeit dem Unter­gang geweiht fei. M .

Staatssekretär von Trrprtz: Nach emgehen- den Untersuchungen glaube ich diese Befürchtun­gen als unbegründet bezeichnen zu können. Die Abbröckelungen sind unerheblich und wir haben allen Grund zu der Annahme, daß die Insel noch auf lange Zeit in ihrem jetzigen Zustand erhalten werden kann.

Bei der Forderung von 250 000 (erste Rate) zum Bau einer Trockenanlage an der Un­terelbe hebt

Abg. Dr. Paasche (natl.) die Vorzüge des Schwimmdocks gegenüber den Trockendocks hervor.

Staatssekretär v. Tirpitz: Ich glaube, man darf die Frage nicht so stellen, daß man sagt, Trockendocks oder Schwimmdocks, sondern man muß sich fragen, welche Art von Docks unter den gegebenen lokalen Verhältnissen den Vorzug ver­dient. Eine Tendenz der Schwimmdocks zu un- gnnsten der Trockendocks einzuschränken, besteht jedenfalls nicht.

Zum Bau von fiskalischen Mietswohnungen für Offiziere in Wilhelmshaven werden als erste Rate 300 000 M gefordert. Die Kommission hat nur 100003 Jt bewilligt.

Abg. Semler (nl.) beantragt Wiederherstel­lung der Regierungsvorlage.

Abg. Erzberger (Ztr.) spricht sich in demselben Sinne aus. Die Kommission hat sich geirrt, es sind nur kleine Wohnungen zu viel da, große feh­len. Erzberger nimmt seine Anregungen aus der Kommission auf, die Betriebsgemeinden, die einen Reichszuschuß nachsuchen, zunächst zur Einführung einer Wertzuwachs st euer zu veranlassen, da durch die Anlage von Reichs- und Staatsbe­trieben der Grund und Boden ganz immens im Wert steigt.

Entsprechend dem Antrag Semler wird die Regierungsvorlage wiederhergestellt. Der Rest deS Etats wird ohne Debatte bewilligt.

Es folgt die Beratung der Kommissions- r e s o l u t i o fl, wonach Arbeiten für die Marine­verwaltung nur an solche Firmen vergeben wer­den sollen, welche inbezug auf die Arbeitsbedin­gungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und, falls T a r i f v e r t r ä g e für die betreffende Art der Arbeit am Ort des Betriebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarifverträge zuiickbleiben sollen, und wonach die Marinever­waltung angewiesen werden soll, die Festsetzung oder Neuregelung von Arbeitsbedingungen in den Reichsmarinebetrieben unter Mitwirkung der Arbeiterausschüsse vorzunehmen.

8Ibg. Gröber (Ztr.): Die Hauptbedeutung der Resolution liegt in der Frage der Tarifverträge. Die Wichtigkeit derselben wird von der Arbeiter­schaft allgemein anerkannt. Ein Teil der Ar­beitgeber aber verhält sich noch immer ablehend. In der Budgetkommission sind grundsätzliche Be­denken gegen die Resolution geäußert worden. Man hat gesagt, die Resolution sei unvereinbar mit der Gewerbeordnung. Dies Bedenken ist nicht stichhaltig, denn die Resolution verlangt nicht Vorschriften für den Abschluß von Tarifverträ- geu, sondern sie enthält Bestimmungen für den

Abg. Gyßliug (ftf. Vp.) ersucht um Vermehrung der etalsmäßigen Kanzlistenstelien.

Ein Regierung-Vertreter erwidert, die Justizver­waltung sei bestrebt, auch fernerhin die Kanzlisten- steüen zu vermehren.

Abg. Dr. Marx (Ztr.) unterstützt die Anregung des Abg. Gyßling.

Abg. be Witt (Zentrum): Nach dem Personen­standesgesetz kann in Preußen der Just'zminister Dispensation von den Ehehindernissen des E' ebruchS erteilen. Soweit ich unterrichtet bin, ist die Dis­pensation in früheren Jabren in verhältnismäßig wenig Fällen erteilt worden. Ich möchte den Minister fragen, ob diese frühere Praxis noch be­steht ober ob sie einer milderen Praxis gewichen ist. Ferner möchte ich fragen, ob der Minister bereit ist, uns über diese Fälle eine Statistik zn unterbreiten.

Ein RegierungSvertreter teilt mit, daß statistische Aufstellungen hierüber nicht vorhanden seien und bittet dm Abgeordneten, die Behörden mit weiteren Statistiken zu verschonen.

Abg. Haarmann (ntl.) kommt auf den Harden­prozeß zurück und rügt, daß die Staatsanwaltschaft nicht gleich zu Beginn des gerichtlichen Verfahrens eingegriffen habe.

Die Abgg. Meyer-Diepholz (ntl.) und Wihmau» (ntl.) treten für Aufbesserung der Kanzleigehilfen ein.

Abb. Kirsch (Z.) führt aus, daß die wirtschaft­liche Lage der Kanzleibeamten im rheinisch-west­fälischen Bezirk durchaus ungünstige seien und hofft, daß sie bei den Behörden ein williges Gehör findm werden.

Abg. Witzmann (ntl.) wünscht die Erhöhung der Gebührm für Zeugm und Sachverständige.

Ein RegieruugSvertretrr teilt mit, daß hierüber Erwägungen schwebten.

Abg. Fallt« (Ztr.) fordert, daß die Kommunen bezüglich der Gefangenentransporte erheblich entlastet werden. Auch die Vorschriften über die Erstattung der Soften solcher Transporte seien nicht praktisch und machtm den beteiligten Verwaltungen viel Arbeiten und Unanehmlichkeiten.

Hieraus wird der Justizetat bewilligt; e8 folgt die zweite Lesung des Handels» und Ge« werbeetats.

Abg. v. Schenckendorff (ntl.): Bei den Bange» werksschulen darf nicht gespart werden, sie steigern die Erwerbsfähigkeit der breiten Massen. Mit bet besseren Ausstattung der Fachschulen muß auch ein« bessere Ausbildung der Lehrkräfte Hand in Hand gehen. Ferner muß für die Ausbreitung der Fort­bildungsschulen für Mädchm gesorgt werden.

Abg. Fetisch" (k.) dankt dem Minister für seine Bestrebungen zur Förderung deS Fachschulwesen-.

Handelsminister Delbrück ist erfreut über dies« Anerkennung.

Samstag: Fortsetzung.

Ich springe auf; feine grauen Augen schienen mich zu durchbohren; ich weiß, er hält auf nnch viele Stücke.

„Weißt Du ihn?"

„Ich schweige."

Aller Atem stockt. Der Magister ist naher ge­treten; jetzt klingt seine Stimme ein wenig er­regt.

„Weißt Du ihn?" ___

Jedes Wort klingt tote ein Keulenschlag auf meine Seele; ich habe das Haupt gesenkt tote der Schächer am Kreuz.

„Ja", hauche ich tonlos. Dann warS mir, all sähen mich siebzig Augenpaare toi« einen Verrä­ter an; ich hätte ausschluchzen mögen vor Herze« leid.

Der Magister hatte sich mir genähert.

„Du wirft ihn mir nennen, Matthias!" sprach er zuversichtlich, und feine wafferhellen Augen ver­suchten milde dreinzusehen, ich aber sah, wie di« Glut auS ihnen leuchtete. Ich wußte auch einen, der neben mir saß und einst für mich die Schläge erduldet hatte von demfelben, der jetzt neben mtr stand als Richter.

«Nenn' ihn, Matthias l"

„Nein!" schrei ich da auf, und meine Stimme muß wild geklungen haben, denn er ist zurllckge» treten, kreideloeiß im Antlitz . . . gefragt hat er mich nicht mehr---

Die Stund« ist vorübe ^gegangen, ich weiß nicht wie; hinaus bin ich getaumelt auf den Hof, und da ist einer gekomrnen,hat sich an meinen Hals gehängt, hat bitterlich geweint und ein über das andere mal gerufen: „Matthias! Mat­thias!"

Der Toni war's.

„Das vergesse ich Dir nie!" hat er gerufen. Ich wollt' etwas fagen, hab' geschluckt und könnt« nicht sprechen; nur vermeint hab ich, das Herz müsse mir brechen in der nächsten Mmute.

(Fortsetzung folat?

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