Zahrqanst.
Fulda, Sanista« den 25. Januar 1908,
M :o.
Zweites MLatt
stellte, das Zentrum höbe gewissermaßen zugeiufen: Knie!", hat damit das Evang. Bundes erweckt. Korrespondent druckt in
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einem geflügelten Wort. In Wirklichkeit ist der Mensck oft ein Irrgänger, der im Nebel den rechter Weg nicht finden kann. Zein Auge sieht phantastische Gebilde in unklaren Unrrissen, aber cs steht nicht die Wirklichkeit. Er verkennt die Verhältnisse, die Personen und sogar sich selbst. Wahl dem umnebelten Pfadsucher, wenn er wenigstens das Ohr noch offen hat, um die Glocke« der Kirche, oder die Rufe der freunde zu vernehmen. Aber gerade dieser Nebel der „Liebe" macht oft die Leute taub, unempfänglich für die besten Ratschläge und die begründeten Warnungen. Da hilft kein Bitten und kein Drohen; sie rennen immer tiefer in den Sck-waden Hinern, ber über dem trügerischen Moorboden sich gebil» bet Ijot
Nicht so schauerlich ist der h ä u s l i ch e Nebe^ der sich manchmal auch in die besten Familie« einzuschleichen sucht. O, gestern war es noch ganz hell und warm und klar in dec Stube; aber heute hat sich so ein kleines „Mibverstäud- nis ' eingestellt. Man hätte den Keim der Zwietracht sofort beseitigen sollen, doch wollte niemand die erste Hand anlegen. Da hat sich dann ein Nebelstreifen nach dem andern entwickelt, der Tunst wird immer dicker und feuchter, die Sorrne der Liebe ist verdeckt, die Gemütlichkeit erstickt in dem naßkalten Nebel. Eine vorübergehende Verstimmung, sagt sich jeder zur Beruhigung feines Gewissens. Ja, im Nebel kann man sich schnell eine Erkältung holen, die nur langsam und schiver auszuhcilen ist. Darum hinweg mit dem häuslichen Nebell Hinaus muß der Dunst des Aergers und des Mißtrauens, ehe er sich fest- setzen kann. Wo sonst das Haus und die Herzen in Ordnung sind, da genügt in der Regel schon ein freundliches und freimütiges Wort oder nwnckmal schon ein frischfröhlicher Blick aus dem wackeren Auge, um die Nebel zu durchbrechet», den Tunst zu verscheuchen. Zögere nicht mit der Wiederherstellung deS Sonnenscheins» Je schneller, desto leichter.
gebenhcit abwarten, was in dem Hexenkessel gekocht wird.
Licht Klarheit, reine Luft sind uns not, wen» wir frisch und munter streben und schaffen sollen. Sonst seufzen wir matt und mißmutig mit Schiller: Ach, aus dieses Tales Gründen, die der kalte Nebel drückt, — könnt' ich doch den Ausgang finden! O, wie fühlt' ich mich beglückt". Tie letzten Verse klingen etwas schwerfällig, als ob des Dichters Kunst auch unter dem erschlaffen- de» Nebel gelitten hätte.
Aus den unangenehmen Erfahrungen, die wir mit dem Nebel rnachen müssen, hat das Volk stch bildliche Ausdrücke für gewisse bedenkliche Zustände im Leben hergcleitet. Am meisteit im Schwange ist die Bezeichnung „benebelt" für einen angetrunkenen Menschen. Ter Vergleich ist leider recht treffend; denn der Alkohol um« nebelt das Gehirn und bringt infolgedessen sowohl die geistige Tätigkeit als auch die Nerventätigkeit in Unordnung. Dec Benebelte verliert den Ausblick und die Einsicht; er lebt in einem Dunstkreis, der ihm die zweckmäßige Bewegung raubt. Er gleicht dem Schiffer, der im Nebel vor einer schwierigen Hafeneinfahrt ankounnt. Will er in dem benebelten Zustande weiterfahren, so gibt es leicht einen Zusammenstoß oder eine Strandung. Etwas besser ist das ruhige Abwarten bis zum Verschwinden des Nebels; doch auch dabei ist Gefahr. Und was die alkoholischen Nebel besonders schlimm macht, ist ihre Neigung zur Wiederkehr. Wer heut „benebelt" war, kann es leicht nach kurzer Frist wieder sein. Bei der Wiederholung werden die hellen Zwischenräume immer kürzer und die Nebel immer dichter. Schließlich bekommt dieser Mensch Aehnlichkeit mit der Stadt London, wo der Nebel die Regel und der lichte Augenblick die Ausnahme bildet. Man sollte nicht lachen über einen, der „benebelt" elensowenig wie über einen, der hustet; denn wer weiß, ob nicht der Anfang des Verderbens hier vorliegt.
Im weiteren Sinne wird auch das Bild vom «Nebel der Leidenschaften" gebraucht. Freilich,
den Protestanten „Nieder auf die Helle Entzücken deS Die .Deut'chevang.
Nr. 7 auS unferm
jähre angerechnet wi d; wie es das Gesetz vorschreibt. Die Berwaliung tut daS nicht, und schädigt damit namentlich jene Leute, die in Südwestafrika zum Krüppel geschlagen worden sind und zwar oegen den klaren Wortlaut deS Gesetzes. Die unteren Behörden haben auch hier wohlwollender entschieden.
Die Ostseefrage wurde in den letzten Tagen wieder lebhaft besprochen. Veranlatsting dazu gab die Zeitungsmeldung, daß zwischen den Ostseemächten diplomatische Verhandlungen augeknüpst worden seien. Wie nicht anders zu erwarten, richtete die deutsch-feindliche englische und französische Presse sofort die schärfsten Angriffe gegen Deutschland, indem sie unterstellte, daß diese Verhandlungen von Deutschland ange- regst worden seien und zum Ziele Hütten, die Osttee zu einem geschlossenen Meere zu machen, b. h. den Anliegestaaten vorzubehalten und gegen andere Mächte abzuschließen. Beides ist nicht der Fall. Die Anregung zu den Verhandlungen ging von Rußland aus, und es ist lediglich beabsichtigt, eine Erklärung über den gegenwärtigen Besitzstand der Uferstaaten bezüglich ihres Land- besitzes an den Rändern des Ostseeoeckeus herbei- zufiibren. Mit diesen Feststellungen sollte eigentlich die Ostseefrage aus der Diskussion ausschei- den, jedoch ist nach alten Erfahrungen nickst zu hoffen, daß die Hetze gegen Deutschland damit aufhören wird.
Das französische Doppelspiel in Marokko tritt immer klarer zutage. Die französische Tiplo- iiiatie erklärt ein über das andere Mal, daß sie sich nur an die Abmachungen von Algeciras halte. Dabei hat General d'Amade einen neuen Vorstoß unternommen und die Stadt Settat, die 70 Kilometer von der Küste entfernt liegt, erobert. Inzwischen soll Settat aber den Franzosen schon wieder abgenommen worden fein. Das .Unternehmen richtet sich gegen Mulay Hafid. Dieser ist schlau genug, alles zil vermeiden, was den Franzosen Anlaß zum Vorgehen gegen ihn geben könnte. Er erklärt ausdrücklich, daß fein Kampf mit Abdul Afis lediglich eine innere ma- rokkauische Angelegenheit fei, daß er die Abmachungen von Algeciras respektieren werde. Die Nachricht, daß er den heiligen Krieg gegen die Franzosen erklärt habe, scheint eine franzöfisckie Erfindung zu sein, dazu bestimmt, den Krieg iwgen den neuen Sultan zu rechtfertigen. Wohltuend von der Haltung Frankreichs sticht die Spaniens ab, das von den Beschlüssen der Alge- ciraskpnferenz nicht abgehen will. Es hat die Aufforderung Vichons, von seinem Küstengebiet aus einen Vorstoß in das Innere Marokkos zu unternehmen, abgelehitt. Unverständlich ist das Verhalten der deutschen Diplomatie. Während sie vor Algeciras mit aller Macht Garantien verlangte. die das Borgern Frankreichs in Marokko beschränken sollten, scheint sie heute die Algecicas- akte als gar nicht vorhanden zu betrachten, sie läßt die Franzosen ruhig machen, was sie wollen.
zeit wird aber einer Reihe von Beamten schon angerechnet und da ist der Wunsch nicht unbillig, e« bei den Milltäranwärtern ebenso zu halten; diese kommen erst im späteren Lebensalter m den Dienst und bleiben somit hinter ihren Kollegen stets um einige Jahre zurück. Das Zentrum hatte schon 1906 einen Ausgleich beantragt und stimmte daher auch für den jetzigen Antrag, den der Abg. Gras Oriola dem früheren Anträge Erzberger entnommen hatte. Letzterer Abgeordneter machte hierbei noch auf die großen Härten aufmerksam, daß den Militäranwärtern, oie in einer durchlaufenden Gehaltsstute sich befinden kZahlmeister usw.) das eine Jahr, das jetzt schon angerechnet wird, für das ganw Leben zu gute kommt, daß aber bei solchen Stellen, die in mehrere Stufen zerfallen (P.ovianl-, Garniion- und Lazaretlbeamte uiw.) dieses Jahr nur in der unteren G.haltsstuse ungerechnet wird, nicht aber in den mittleren und oberen, eine Hätte, die um bedingt auszugleichen ist, da kein Grund für eine solche unterschiedliche Behandlung besteht.
Ein weiterer Antrag des Zentrums besaßt sich mit den Grundsätzen, nach denen die Militäranwärtei im Zivildienst auzustellen sind. Der Bundesrat hat diese Grundsätze im Ostober 1907 erlaßen, ohne sie dem Reichstage zuvor mitzuteilen. Die Klage der Militäranwärtei geht dahin, daß dieie Grundsätze nicht einge- halten werden, daß manche Behörden, z. B. die Mari.ieoerwaltung, manche Gemeindebehörden usw. sie einfach umgehen. Das Zentrum soibert deshalb Maßnahmen, um die Erfüllung dieser Grundsätze zu garantieren; es denkt dabei in erster Lmre an eine Instanz im Reichsamt des Fnnern, die sich hiermit zu befassen hat und im ganzen Reiche über die Einhaltung der Grundsätze wacht. Dte heutige Kontrolle des Kriegs- ininistkriunis ist unzureichend und ungenügend
Ein dritter Wunsch betrifft die bereits pensionierten Milrtäranwärter, die im Zivildienst standen. Am einen Ant.ag des sch„n genannten Zentrumsabgeordneten ist seinerzeit im Mannschaftsversorgungsgeietz beschlossen worden daß Die pensionierien Milttäl anwärt er ihre Mililärrente mit einem Abzug von 20 Prozent erhalten, wenn sie die Höchstpension in ihrem Dienstgrade nicht erhalten haben oder sofern sie diese erreicht haben, wenn die Pension unter 2000 Mark beträgt; bet der Beratung diese« Antrages ist eigens betont worden, daß dadurch jenen Milttäranwärtern geholten werden soll. Die früh ans Dem ZwilDienst scheiden müssen unb ferner jenen, die nur in untere Beamlenstellen kommen, weil sie lange beim Heere gedient haben. Der Antrag sand auch einstimmige Annahme. Was macht nun die Verwaltung daraus? Die Regrerungspräsidien haben gemäß Dieier Bestimmung verfahren, das Krieqsmiiilsterium aber teilt die Militäranwärter in 2 Klaffen: in solche mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente und in solche mit einer Dienstzeitsrente; ersteren gibt es die Rente neben der Pension, letzteren aber nicht, obwohl sie in der Regel viel bebüiftiaer finD. Der Zentrumsantrag erklärt nun, daß eine solche Scheidung nicht zulä'sig sei uno daß daher das Gesetz anvers ausgelegt werden müsse.
Der 4. Wunsch des Zentrums bewegt sich in der Richtung, daß Den 'chon pensionierten Kriegsteilnehmern Die Dienstzeit oom 18. Lebens
. . MllttSranwärterwiinsche.
Die Budget kommis sion des Reichstages hat sich am Donnerstag mit einer Reihe von M liiäianwärterwünichen be'aßt; ein Antrag des Zentrumsabg. Erzderger gab Dazu Veranlaffnng. Nichts sichert uns mehr einen guten Ersatz Der Unteroffiziere, als wenn für Die Militäranwärter ausreichend gewigt ist. Seit Jahren hat Deshalb das Zentrum in Dietern Sinne gearbeitet; war es doch fchon Windtborst gelungen. Die 1000 M. Dienstprämiesür dteUntervssiziele herauszufchlagen.
Der erste Wunsch des Zentrums geht dahin, daß den Militäranwärtern em Teil der Milnär- bienstzei« auf das ZwilbefolDungsdienstalter ungerechnet werde. Der Militäranwärter dient in der Regel 12 Jahre, davon sind 2—3 Jahre als gesetzliche Dienstzeit c.nzusehen und 9—In Jahre als Kapitulanlenzeit. Die gesetzliche Di- nfl
iehe Leidenschaft trübt den Blick, das klare Ten- len und das zwcckniäßige Handeln.
Ter Jähzornige z. B. handelt gerade so unvernünftig wie ein Kapitän, der im dicken Nebel mit Volldampf in einen Hafen stürmt: entlveber richtet er andere zu Grunde ober sich selbst.
Beim Geizhals ist das Nebelbild ruhiger. Er sitzt gleichsani auf seinen Geldsäcken mitten in einer dichten und durnpsen Nebelwand, die ihn ahschlicßt von allen Herrlichkeiten und Freuden der Erde und des Himmels. Ec sieht und fühlt nur sein naßkaltes Gold, mit dem er nichts gescheites anznfangen weiß. Er bleibt c-hne Licht und Lust, ohne Frenndsck)aft und Frucht in seiner dumpfen Hecke hocken, bis die lachenden Erben ihn in das Grab schaffen, das im Nebel des Ar- menseelentages kein Kerzchen erhellt.
Sollen wir nun von jener bösen Lust reden, die ganz besonders die Sinne umnebelt? Gehen wir lieber nicht an diesen Sumpf, aus dem die giftigsten Schwaden emporaneUcn. Eher läßt sich reden von der sogenannten Liebe, die manchmal auch rechtschaffene Menschenkinder de- nebelt machen kann. Tie echte und rechte Liebe soll freilich nichts Nebelhaftes an sich haben, sondern lauter heller, warmer, fruchtbarer Sonnen- Übern sein. Ja, wenn die Menschheit im Paradiese geblieben wäre! Doch in diesem Jammer- tat voll Irrungen und Wirrungen werden auch die Maientage der Liebe oft von häßlichen und gefährlichen Nebeln heiingesucht. Tas Gold dec edlen Liebe kommt selten in reinem Zustande zutage: es ist umhüllt von den Schlacken der Lei- devsckiaft, dec Vovurieile, dec Selbstsucht, der Einbildungen, kost nubila Phoebus; erst hinter den Nebeln und Wolken findet man die Sonne. Von dieser Regel leben die Säuger und Romanschreiber. Das unvermeidliche Lied von der Liebe wäre laugst ausgesungen, wenn nicht die begleitenden Nebel sich immer wieder zu neuen „Dichtungen" pressen ließen.
Der Mensch in seinem dunklen Drange sei sich des rechten Wege» wohl bewußt, heißt e» in
Artikel Die bekannten Kraftworte deS Herrn Majors ab unb schreibt dazu: „Ge Ichi rnpft hat Der Major nicht (ec Gott bewahre!! D. St), lonDetn nur die Wahrheit gesagt als deut- icher und evangelischer Mann. Darum bravo ihm!" — Natürlich, ein „deutscher und evangelischer Mann" braucht ja auch nicht zu beweisen. So denkt bekanntlich der liberal« Abg. unb Vicepräsibent Dr. Paasche auch, der
Deutsches Reich.
Ein seltsames Monopol. Berliner Blätter berichten, daß der Abg. Erzberger in der Bubgeltommiffion „anisehenerregenbe Mitteilungen" übet die Preise der von bet Militärverwaltung besonbers begünstigten Firma Mittler u. Sohn gemacht habe. Diese Tatsache stimmt, und es dürfte angezeigt fern, auf Die Sache etwas näher einzugehen. Früher hatte Die bekannte Firma von Decker stets große Aufträge vom Kliegsministertum erhalten, heule hat sie Diese nicht mehr; Mittler u. Sohn hat ein lälMliches Monopol für den ganzen großen Drucksachen-Elat des Kriegsministeriums und erhall alles, was in diesen fällt unD was nicht wegen der Geheimhaltung im Kriegsminifterium leibst ober in bet ReichsDruckeret her gestellt werden muß. Dieser Vertrag dauert noch bis 1913. Es gibt manche ftiebe, die die Begünstigung dieser Firma auf den Umstand znrücfiühren, daß ihr Inhaber mit Dem General AGebyll, früher Chef Des Militärkabinelts, enge verwandt war; wir können das nicht annehmen, glauben vielmehr, daß dieier seltsame Vertrag eben auf die Gepflogenhe ten Der Burcaulratie zurückzuführen ist. Die immer dieselben Wege wandelt. Tie Firma Mutter u. Sohn genießt ganz ungeheuere Vorteile aus diesem Vertrage, zunächst direkte. Der Abg. Erzberger legte der Kommission zwei Bücher au« Der Mckiä,Verwaltung vor, die annähernd denselben Umfang, Druck und dieselbe Ausstattung hatten; das eine war in freie Konkurrenz gegeben worden und kostete 24 Pjg., das andere stellte Mittler u. Sohn auf Grund des Vertrages her und kostete 1,20 Mk. Die Monopols« ma hat allein an diesem einen Buche über 70000 Mk. übet den ord e ntlichen Nutzen verdient. Nun werden aber im Jahre oft 20 solcher Bücher verschiedener Art hergestellt, ebenso alle Formulare usw. Der Uebergewinn ist also ganz ungeheuer; von „TippekSkirchpreisen" sprach der Abg. Erzberger, ein andere- Mitglied von „Wucherpreisen".
K. Ein wrckerer deutscher Mann! Der Hsrr Major v. S ch w ein i ch en, der am 3. Jan. rn einer Versammlung de- Bundes der Landwirte in Breslau die kühne Behaupiung auf«
Unpolitische Seitlaufe.
(::) Berlin, 23 Januar 1908.
. (Nachdruck verboten.)
Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe ,bon Nebel lagen. Der Nebel macht blind und lahm. Wenn Droben in der Luft zu viel Ferich- tigfeit ist, so mag sie in einem redlichen Regen herniederpurzeln. Aber wenn der Himmel lauter nasie Handtnck)er hermtterhängen läßt, die uns um Ohren und Nase baumeln, daß wir nicht sehen und fühlen und atmen als kalte und schwierige Feuchtigkeit — bann ist einem zu Mute, als ob man in einer Waschküche einge« sperrt wäre bei erloschenem Fener und verstopf, ten Luftlöchern. Der Nebel ist viel einbring- lick'er, als der rechtschaffene Regen. Gegen den Nebel hilft kein Waterproof und kein Schirm. Er windet und schleicht sich durch bis auf die Haut, und man schaudert, als ob man in em Nest von Regenwürmern geraten wäre Ja, bas Zeug kriecht sogar in Sen inneren Menschen - wir muffen den häßlichen Wafferdampf einat- nien^wenn auch die Lunge sich sträubt.
,5., „r /^bel hat gar keine Lichtseiten; nur S.tiol cnfciten rmg« umher. Tie schlimmste Smafienselte ist ferne Gefährlichkeit. Schon der gewöhnliche Straßenverkehr wird wesentlich ec» schtveci, weil dec Ausblick fehlt und die glitschi- gen Straßen die Bewegungen unsicher machen. Auf bet Eisenbahn gibt es bei der Verschleierung der Signale häufig Unglücksfälle. Im Seever- kem. gilt der Nebel überall als der heimtückischste Feind der Schiffer und der Reisenden. Soeben ist aus Rotterdam wieder ein Zusammenfiaß von Schissen im Nebel berichtet worden. So eine ’^Mx^firaftprobc gegen den Sturm macht der
Seemann mit gehobener Brust und blitzen» oen Augen durch; aber wenn der dicke Nebel ihn «in Schiff umschleicht und einwickelt, dann irevt er verdrossen da in feiner Ohnmacht durch» Gefühle; er kann nichts machen, al» Jeine Sirenen heulen lassen, und muß mit Ec-
Wochen-Rundschau.
X Fulda, 25. Januar 1908. '
In der vergangenen Woche ist nach monatelan- n.’itt Hin und Her die sogenannte „tjlotte ' veceinskrise" zum vorläufigen Abschluß ge» kommen. Am Sonntag fand m Kassel eine außerordentliche Generalversammlung statt, in der das Präsidium, einschließlich General Keim, ser.i Amt niederlegte und die Mehrheit der Versammlung ihm ein Vertraueiisvotilm ausstellte. Tie Versammlung und ihr ganzer Verlauf war ein deutlicher Beweis für die Herrlchatt des Geistes Keims im Flottenverein. Tie Bayern, die in Kassel stellenweise eine geradezu ermebrgenbe Behandlung fanden, sind zwar nicht aus dem Flottenverein ausgetreten, aber der Riß, der schon vor der Kasseler Versammlung zwijcheii dem bilden und dem Norden bestand, hat auf der levten Flottenvercinsversammlung eine Erweiterung erfahren. Wenn irgend in Zentrumskreisen Zwei- fei über die wahre Natur des Flottenverems be- standen haben sollten, in Kassel ist die Maske gefallen. Die erbittertste Zentrumchemdichaft leuchtete ans allen Reden der Mehrlieitsparter hervor aber auch die Minderheit wußte ihre Stellung nicht besser zu verteidigen, als indem sie nicht bloß jede „Zentrumshörigk-ii" weit von sich wies, sondern auch so scharf wie möglich sich tn. Gegensatz zur Zentrumspartei stellte.
Im preußischen Abgeordnet en - Hause ist die Enteignungsvorlage in dritter Lesung angenommen worden. Daß das Herren- Haus, an das das Gesetz am 29. Februar getan gen wird, dein Gesetz seine Zustimmung Verfahren werde, ist nicht vorauszusehen, und so werden wir in Bälde vor der vollendete« Tatsache eines Gesetzes stehen, für das man in Deutschland die schärfste Mißbilligung an den Tag legen würde, wenn ein anderer Kulturstaat gegen Deutsche zur Stuwenbimg der Mittel schreiten würde, die durch die Enteignungsoorlage gegen die Holen fanHioniert werden.
Im Reichstag stand in der vergangenen Woche u. a. eine Reihe von Interpellationen zur Beratung von denen ein ganz besonderes Interesse die sozialdemokratische Wahlrechtsinterpella- lion in Anspruch nehmen durfte, weil man 'gespannt sein konnte, wie sich die Freisinnigen dem • Fürsten Bülow gegenüber verhalten würden. Auf Der anderen Seite aber hielt speziell in Berlin der Wablrechtsinterpellationstag die seit der ersten Ctraßendemonstration vorn 12. Januar herrschende Erregung wach, da man fürchtete, es würde an diesem Tag erneut zu Zusammenstößen zwischen Straßendemonstranten und der Polizei kommen. Die letztere hatte weitestgehende Maßregeln zum Schutz der öffentlichen Ordnung getroffen. Das Reichstagsgebälide war wie eine feindliche Burg von einer Kette von Schutzleu- i ten umgeben. Aber die Demonstranleir kamen ' /Nicht. Tie Beantwortung der Interpellation machte sich Fürst Bülow sehr leicht. Er beantwortete sie gar nicht, weil sie eine preußische Angelegenheit betraf. Nur so weit sie sich mit den Straßendanionstrationen befaßte, ging er auf sie ein. Seine Mahnungen zur Ruhe und zur Respektierung des Gesetzes der öffentlichen Ordnung waren berechtigt, und ma« kann nur wünschen, daß die Sozialdemokratie mit Stra- ßendemonstrationen, die doch zu keinem Resultat führen, aufhört.
Fuldaer W Zeitung
ÄÄ w-ch-Miiag-:„ZNustrlerte Sonntagrzeitung" mmai-b-uag-: .Luldaer Eeschichkblätter"