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Monakbellage: „§uldaer Seschichtrblätter"

JV9 16.

Fulda, Dienstag den 21. Januar 1908.

Anzeigen: xxte ein. spaltige Petitzelle sd« deren Raum ZS Pfg. LeNamendirprtitzeU« 25 Pfg., bei Wied«. Holungen wird entspr, Labalt gewährt.

Lotationrdrucknnd Verlag der Fuldaer Ad tiendruckerrt in Fulda Ferusprecher Ur. 9.

35. Jahrgang.

sten Festtagsputz prangenden Mägde zu dem oder jenem Rundtanz zu engagieren.

Die schöne Witwe selbst hatte den ländlichen Ball mit dem Großknecht eröffnet, und die trb fierenden Nixeuaugen derselben flogen während des Tanzes forschend über die Gesichter der Zu- schlauer, ob ivohl der Kontrast, den ihre sylphiden- hafte Erscheinung zu der vierschrötigen, herkuli- sck-en Gestalt des biederen Niklas bot, von allen bemerkt würde. In Ermangelung Fritz Weilers, dessen Abwesenheit die Laune der Gastgeberin an­fangs stark niedergeschlagen hatte, flirtete sie jetzt mit der einzigen anwesenden Militärperson, einem blutjungen Offizier, der sich gerade in Ur­laub befand, und seine Schwester, die Frau Bür­germeister, hierherbegleitet hatte. Der neugeba­ckene Leutnant, der seine Epaulettes erst seit eini- gen Monaten trug, war Feuer und Flamme für das rothaarige Weib, und sagte ihr wiederholt, daß sie das Ideal verkörpere, welches er sich im­mer von der Nixe Lorelei gemacht. — Er folgte der Baronin wie ihr Schatten, an dieselbe alle Schmeicheleien verschwendend, die er im Kadet­tenhause zur späteren Nutzanwendung einstudiert hatte. Und die Frau schien Gefallen an den Fadaisen des jungen Vaterlandsverteidigers zu finden, denn ihre unter den langen Wimpern hervorleuchtenden Blicke wurden immer lockender, das Lächeln und Lachen stets girrender, sodaß die Perlzähnchen zwischen den etwas auffallend roten Lippen fast ununterbrochen zu sehen waren. Uebrigens zeichnete sie den verliebten Soldaten dadurch aus, daß sie ihn ständig um seine Be­gleitung bat.

Resi, welche das Kokettieren Lillys so gut wie dw andern bemerkte, war peinlich davon berührt. Sie konnte das Flirten mit dem bartlosen Jun­gen kaum niehr mit ansehen, und hätte ihr am liebsten zugerufen: „Wie kannst Du nur diese fade Kourmacherei ertragen und aufmuntern. Du, welche die Neigung des besten, charaktervoll- ten Mannes besitzest!" Das Mädchen zitterte bei dem Gedanken, daß der abwesende Pflegebru­

Das Ergebnis der Kasseler Flottenvcreinsver- sammlung ist rächt eine Beilegung der persönlichen Mißhelligkeiten und sachlichen Gegensätze, sondern eine Verschärfung des Streits und vielleicht die Auf­lösung des Vereins in verschiedene Teile.

Die Anhänger des Präsidums und insbesondere des Generals Keim verfücten, wie erwartet war, über die Mehrheit und 'gebrauchten ihre Macht.

Von einem Entgegenkommen der Mehrheit, von ihrer Bereitwilligkeit, auf einen Vermitilungsantrag einzugehen, war keine Rede. Man wollte keine« Frieden. Also mußte es zum Bruch kommen. Allerdings ist nicht erreicht, daß General Keim sein Regiment weitersühren wird. Er sowohl wie bii übrigen Mitglieder des Präsidiums haben ibn Aemter nicdcrgelegt. Die Wege zur Wiederwahl auf der für diesen Sommer bevorstehenden Haupt« ve.sammlung in Danzig hat sich das Präsidum ab« offen gehalten.

Die Kluft zwischen Nord und Süd, die d« Verem unter der Führung deS Generals Keim her­vorgerufen hat, ist in Kassel nicht überbrückt, son­dern vertieft worden, nicht zum wenigsten auch dadurch, daß die Delegierten des bayerischen Landes­verbandes in Raffet von der Mehrheit andauernd brüskiert worden sind, obschon sie nur den Rücktritt des Generals Reim verlangten, der statutenwidrig den Flottenverein zu einem parteipolitischen Verein gemacht hat und fernerhin machen will. Nein, el war nicht schön, wie es den Bayern in Raffel ge­macht wurde. So wie die „nationalen" Btänn« in Kassel gejohlt und gebrüllt haben, ist es seit Jahren auf sozialdemokratischen Parteitagen nicht mehr vorgekommen, selbst nicht auf der Dresdener „Iunxbrunnew'-Tagung. Und am stärksten war das Geheul, wenn irgend ein Redner den Bayern, dm Süddeutschen überhaupt eins ausgewischt hatte. Dann setzten tosende Kundgebungm der „Mehr­heit" ein.

Der Flottenv«ein war bisher schon zweifellos politisch. Zwar versuchte der Flottenvereins­präsident Fürst Salm einen Unterschied zwischm dem juristische» Begriff „politisch" und dem allge­meinen Worte „politisch" zu konstruieren, um es so darzustellen, als könne der Flottenverein politisch sein, ohne dem Vereinsgesetz zu unterstehen. Aber mit vollem Rechte nannte der bayerische Kammer­herr v. Spies diese Experimente ein „juristisches Unding". Handelt er jo, wie er gehandelt hat^ schickt er Wahlbroschüren wie z. B. bei der letzte» Wahl gegm das Zentrum ins Land, dann ist er politisch. Die Mehrheit der Delegierten will es offenbar so. Tosender Beifall erscholl ja in Kassel jedesmal, wenn Reim seine Lieblingsgedanken von der „Pflicht des nationalen ManneS zu handeln" zum so und (»vielten Male wiedergab. Der Verein soll im politischen Kampfe stehen. Wem das nicht gefällt, der wird hinausgeekelt.

Was nun ? Die Bemühungen um eine Wieder- vereil igung wurden noch am Abend der stürmische« Sitzung aufgenommen; es ist auch nickt ausgeschlossen, daß sie zu einem gewissen Erfolge führen werden. Dann können die Protektoren in ihrem Amte bleibe« und der Verein wird in ruhigen Bahnen seine Auf­klärungsarbeit leisten, bis wieder Reichstagswahle« tattfinden. Wenn aber die Einigung nicht zustande kommt, bann erhalten wir einen radikale« Flottenver ein ohne fürstliche Protektoren. Der radikale Flottenverein wird dann der wichtigste Verein der „nationalen" Opposition sein. In ihm werden sich alle die unzufriedenen Ueberpatriotm ufammenftnben, bie sich als Unruhestifter in vet« chiebei m Laaeu betätigen, bei ben Alld rutschen, den Jungliberalen, den Kulturkämpfer« und ben Leuten vom Evangelischen Bunde.

der das kokette Spiel seiner Angebeteten erfahren könnte. Welcher Schmerz und welche Eifersucht würde wohl dabei sein Herz durchtoben l Ein großer Zorn erwuchs in ihr über die Oberfläch­lichkeit und Gefallsucht der Jugendgespielin, und zu gleicher Zeit legte sie sich wieder die schon oft bei sich erwogene Frage vor: Wie kommt es nur, daß er nicht schon längst bemerkt hat, welch' hohles, eitles Wesen sich unter der schönen Larve der Witwe verbirgt?

Resi Merian selbst hatte sich von dem Verwal­ter etliche Male zum Tanze aus dem festgestampf­ten Lehmboden führen lassen, und der treue Mensch dünkte sich der glücklichste aller Sterbli­chen, als er die schlanke Gestalt seiner Braut an seinem Herzen fühlte, und die dunkelblonden Löckchen ihm beim Herumwalzen kosend über Stirn und Schläfe fächelten. Er wagte es, von Liebe überwältigt, das Mädchen an sich zu pres­sen, und als Resi, ihres Vorsatzes eingedenk, dem kühnen Freier keinen abweisenden Blick zuwarf, sondern mit einem Lächeln abwehrend sagte: „Aber Rudolfs Willst Du mir noch heißer ma­chen?" Da stammelte er in ihr rosiges, ihm zu­gewandtes Ohr: „O, Du Einzige, Süßei Ich könnte ja sterben vor Liebe zu Dir!"

Der kleine Raoul saß still und ruhig bei den andern Jungen, in einer Ecke der Scheune. Seins ernsten, großen Kinderaugen bewunderten zuerst eingehend die in verschlungenen Girlanden von der Decke herniederhängonden Tannen- und Bu­chenkränze mit den vielfarbigen, von den Mäg­den verfertigten Papierrosen, hierauf die Stadt- damen, welche in Sommertoiletten dahinflatter­ten, und die aus vollen Lungen blasenden Dorf- musikanten. Dann, als er diese für ihn fremd­artigen Vorkommnisse genug betrachtet hatte, ver­folgte er nunmehr seine sich anmutig im Reigen drehende geliebte Resi. Sein Knabenherzchen empfand beinahe etwas wie Eifersucht auf den Verwalter, der die Tante heute so gänzlich in Beschlag nahm. Uird sie hatte k)ch versprochen, auch mit ihm einmal zu tanzen. (F. f.)

Abg. Dr. Müller-Berlin (frs. Vv.l sich gegen eine Zusammenlegung und Verringerung der dem Landwirtschaftsminister unterstehenden Hoch­schulen -auS.

Sfbg. Ghßling (frs. Vgg.) verlangt höhere Auf­wendungen für das landwirtschaftliche Fortbil- dunasschulwesew

Abg. Hirth ff.) bittet um Förderung der Haukhaltungsschulen auf dem Lande.

. Landwirtschaftsminister v. Arnim sagt die Be­reitwilligkeit der Negierung zu, das landwirt- chaftliche Unterrichtswesen zu fördern. Die Em- führung des obligatorischen Charakters der land- licken Fortbildungsschulen wolle die Regierung nickt von oben herab dekretieren, vielmehr nur auf besonderen Wunsch der einzelnen Landesteile tu Angriff nehmen.

Abg. v. Savigny (Ztr.) erkennt an, daß der Staat Beihilfen für die Haushaltnngsschulen zu- agt. Es sei aber ein Unrecht, daß er sie nicht e!bft in die Hand nimmt. Die Mädchenschulen muffen ebenso wie die Fortbildungsschulen ge­stellt werden. Daß man jetzt die Mädchenschulen aus den Mitteln unterstützen muß. die zur He­bung der Geflügelzucht bestimmt sind, ist kein einstand. (Heiterkeit.) Schon vor Jahren hat llodbielski ausdrücklich erklärt, daß er gerade die- en Zweig des landwirtschaftlichen Schulwesens bereltwillrg uuterstütze>l wolle. Auch die Zu-

Staatssekretär v. Bcthmann-Hollweg: Daß das Gesetz für den Tierhalter Unbeauemlichkeiten enthält, gebe ich zu. Aber wir haben die Er­fahrung gemacht, daß man sofort im erstem Sta­dium der Seuche zu Leibe gehen muß. Es ist nicht beabsichtigt, auf unbegründeten Verdacht hl», das Ausland zu fperren. In der Entsckä- dlgungsfrage müssen wir sehr vorsichtig fein. Im weiteren teilt Redner mit, daß ein Reichsgesetz zur Regelung der Abdeckerei ausgearbeitef werde.

Abg. d. Saß-Jaworski (Pole) äußert Bedenken gegen die Ausdehnung der Polizeibefugnisse.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die Vortage an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen.

Dienstag Telefunkengefetz, Majcstätsbeleidi- gungsparagraph, Scheckgesetz.

bildung der Vermessungsbeamten den Ansprüchen der Verwaltung durchaus entspreche.

Abg. Schröder-Kassel (ntl.) wünscht, daß das Abiturium als Voraussetzung des Eintritts in die Karriere der Landmesser verlangt wird. Be­züglich der Spezialkommissionssekretäre erhebt Redner Widerspruch dagegen, daß nur 50 Stellen mit einem Gehalt bis zu 4200 <M im Etat vor- gesehen sind, und erwartet, daß der zu erwartende neue Besoldungsplan auch für die übrigen Sekre­täre diese Aufbesserung bringen werde.

Abg. Heisig (Ztr.). bespricht die Mängel in der Ausbildung der Landmesser.

Ein Rrgierungskommissar sagt wohlwollende Berücksichtigung zu.

Abg. Busch (Ztr.) spricht den Wunsch ans, daß die Regierung die Initiative ergreift und mit Vorschlägen hervortritt, durch welche den berech­tigten Wünschen der Landmesser entsprochen wer­den könnte.

Abg. Tururau (Ztr.): Für Ostpreußen und Pommern sind feit mehreren Jahren zwei Mil­lionen jährlich zur Seßhaftmachung von Arbei­tern ausgegeben. Dagegen ist für die Ansiedelung von Arbeitern in Form von Rentengütern für die Monarchie ein Staatsbeihilfefonds von nur 19S 000 M auSgeworfen worden. Gegenüber die­sen großen Vorteilen, die man dem Osten zuge­messen hat, muß auch der Westen Berücksichtigung finden. Auch im Westen ist die Anlegung kleiner Rentengüter zur Seßhaftmachung landwirtschaft­licher Arbeiter erforderlich. Es ist mir nicht un­bekannt. daß auch für den Westen die Regierung Ansiedelungsprojekten nicht ungünstig gegenüber steht. Zur umfangreichern Gründung solcher Stellen bedarf es aber der Bereitstellung weit größerer Mittel, als sie zur Verfügung stehen. Tie sogenannten Restengüter dürfen nicht zu groß sein, damit die Ansiedler mit geringem Kapital sich ansässig machen können und ihre Arbeitskraft zum großen Teil den anderen seßhaften Land­wirten widmen können. Durch ein solches Vor­gehen wird auch bie Zahl der ausländischen Ar­beiter der Landwirtschaft verringert tverden; auch wird die vielfach behauptete Unterernährung der landwirtschaftlichen Arbeiter, seitdem die Natu­ralleistungen vielfach abgeschafft sind,, hierdurch beseitigt werden. Dasselbe gilt für die Woh- nungsi>erhältnisse. (Beifall im Zentrum.)

Beim Kapitel „Landwirtschaftliche Lehran- talten" spricht

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Deutsches Reich.

* Die Ernennung des Regierungs-Präsiden-' len Hegel in Allenstein zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen und des OberpräsidialrateS Dr. Gramsch in Königsberg zum Präsidenten der Regierung in Allenstein, sowie die Versetzung des Regierungs-Präsidenten v. Bake in Trier in gleicher Eigenschaft an die Regierung in Arns« >erg und des Regierungs-Präsidenten Baltz in Magdeburg in gleicher Amtseigenschast an die

schüffe für die Winterschulen und das Wander- schulwesen müssen erhöht werden.

Landwirtschaftsminister v. Arnim: Die Re­gierung steht auf dem Standpunkt, daß die Haus­haltungsschulen reine Fachschulen sind und des­halb mit unter das Provinzialdodationsgesetz fal­ten. Eine andere Frage ist eS, ob nicht einzelne Landesteile besondere Fortbildungsschulen für Mädchen einrichten sollen.

Abg. Busch (Str.): Obwohl auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Schulwesens in den letz­ten Jahren erhebliche Mittel aufgewendet worden sind, bleibt doch noch viel zu tun, namentlich schei­nen die Haushaltungsschulen nicht die nötige Förderung zu finden. Hier mutz der Staat reichlichere Mittel bereitstellen. Ich hoffe, daß Preußen auf diesem Gebiete nicht länger hinter anderen Bundesstaaten zurück bleibt. (Beif. i. Z.)

Abg. Schröder-Kaffel (ntl.) unterstützt int Na­men seiner Partei die Anregung deS Vorredners.

Abg. Rewold (ff.) wünscht bessere Unterstütz- ung der landwirtschaftlichen Mittelschulen und tritt für deren Verstaatlichung ein.

Abg. Dr. Faßbender (Ztr.) wünscht die Ver­staatlichung der Gärtnerlehrlingsanstalt in Dah­lem.

Ein Vertreter deS Finauzministerittms erklärt, die Verstaatlichung liege nicht im Interesse der Gärtnerschule in Dahlem.

Abg. Wallenborn (Ztr.) bittet, den Lehrern der landwirtschaftlichen Mittelschulen noch vor der allgemeinen Gehaltsaufbesserung eine Bei­hilfe zu gewähren und sie den Lehrern an den wissenschaftlichen Anstalten gleichzustellen. Au- ßerdem möchte man die landwirtschaftlichen Mit­telschulen etwas mehr nach der fachlichen Seite auSgestalten und sie bann dem Provinzialschul- kcllegium unterstellen.

Abg. Ernst (frs. Vgg.) bittet um bessere Un­terstützung der ländlichen Fortbildungsschulen.

Abg. Glattfelder (Ztr.) spricht sich entschieden dagegen aus, daß, durch ein allgemeines Gesetz die ländliche Fortbildungsschule zwangsweise ein­geführt würde, befürwortet aber, daß weitere Kurse eingerichtet werden an landwirtschaftlichen Mittelschulen zur Ausbildung der VolkSschul» lehrer.

. Landwirtschaftsminister v. Arnim: Es ist Sache der Provinzen, zu erwägen, ob der Fort­bildungsschulunterricht, zwangsweise eiugeführt tverden soll. Zu erwägen wäre auch, ob man nicht de r Kressen die Berechtigung erteilen soll, iber die zwangsweise Einführung des Fortbil- dungsschulunterrichtS zu entscheiden.

Abg. Heisig (Ztr.): Ich möchte den Herrn Minister bitten, dafür einzutreten, daß den fier- ärztlichen Hochschulen das Recht gegeben wird, non Titel Dr. med. vet. zu verleihen, aber auch dafür, daß den Tierärzten, die 'ick in Bern den Titel Di. med. vet. erworben haben, diesen in jreußeu führen zu dürfen, venu sie den in Preu- len eventuell noch festzussßsndcn Bestimmungen entst'rechen.

Landn irtschaftsminister d. Arnim erwidert, daß er Verhandlungen mit dem Kultusminister ein ge­lenkt habe, jedoch sei noch keine Auttvort an ihn gelangt.

Fortsetzung.

Preußischer Landtag.

Abgerrtznetenhaus.

Sitzung vom 20. Januar 1908.

- Die' zweite Beratung deS Landwirt- 7 ch a f t s e t a t s wird in Verbindung mit der Denkschrift über den AnsiedelungSfondS für Ost- Preußen und Pommern fortgesetzt.

.. ®£?m Kapitel „Generalkommissionen" halten die Abgg. Ghßling (frs. Vp.), v. Bockelberg <k.) und Frhr. v. Zedlitz (frk.) eine Reorganisation der Generalkommissionen für notwendig.

Landwirtschaftsminister v. Arnim erklärt, daß die Neuordnung der Geileralkommissionen bei der tn Aussicht genommenen Neuordnung der Ge- samtverwaltung stattfinden soll. Bis dahin solle gluckt werden, im Verwaltungswege den grüß- ten Mißständen abzuhelfen. Insbesondere solle den Spezialkommissaren größere Selbständigkeit gewahrt hxrben.

Auregung des Abg. Heisig lZtr.) erwidert Minister v. Arnim tveiter, daß die Vor-

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 20. Januar 1908.

Di« erste Beratung deS Entwurfes Bett. Ab­änderung des Viehseuchengesetzes wird fortgesetzt.

! Abg. Scheidemann (Soz.): Die Vorlage ist durch und durch agrarisch und bringt den Agra­riern die Erfüllung aller ihrer Wünsche. Aber von wirklich energischen Maßnahmen zur Unter­drückung der Seuchen ist keine Rede. Eine un­geheure Belästigung der Bauern bedeutet die Be­stimmung, daß sie schön Anzeige erstatten müssen, wenn die Vermutung vorliegt, daß ein Tier seu­chenverdächtig ist. Die vorgesehene Entschädigung ist für uns nur annehmbar, wenn eine obligato­rische Zwangsversicherung eingeführt wird. Die Befugnisse, welche man den Einzelstaaten über­läßt, gehen zu weit. Preußen hat zwar nominell eine Volksvertretung, aber der Preußische Land­tag ist nichts wie die verrückte Rarrifatur einer Volksvertretung. (Redner wird wegen dieser Be­merkung zur Ordnung gerufen.) Gegen die verheerende Arbeit der preußischen Junker muß Front gemacht werden. Das beste Mittel dazu ist die Gewährung des allgemeinen Wahlrechts für den preußischen Landtag. (Beifall bei den Soz., Lacken rechts.)

Abg. Dr. Hössel (Rp.) spricht sich im allge­meinen für die Vorlage aus.

Abg. Dr. Mugdan (fr. Vp.): Es ist eine Uebertreibung, wenn gesagt wird, die Vorlage habe einen agrarischen Charakter. Wir können nickt dulden, daß das Ausland unser Vieh ver­seucht und wenn wirklich durch die Absperrung das Fleisch verteuert wird, so kann das nicht entscheidend fein.

Christel stammelte eS kreidebleichen Angesichts u»d fah entsetzt im Zimmer um, als suche sie bereits nach dem Wertvollsten, das hier im Falle eines Feuers zu retten wäre.

Auf der Straße wurde es lebhaft. Leute liefen eiligst vorbei; hier und da blinkte in dem Zickzack licht eines Blitzes der metallene Helm eines Feuerwehrmannes auf; von ferne kam das Gerassel einer in aller Hast transportierten Spritze näher.

„Wo brenntS denn, guter Freund I" fragte Fritz Weiters einen eben in großen Sätzen vor- beispringenden Pompier.

„Ter Blitz hat auf dem Rittergute Simmern gezündet: alle Gebäude stehen schon in hellen Flammen," antwortete dieser, ohne im Lausen inne zu halten.

Ter Herr taumelte vom Fenster zurück, als ob ihn ein Schlag getroffen hätte. Während Christel verzweiflungsvoll die Hände rang und ein Stoßgebetlein um das andere sprach, formten feine erblaßten Lippen nur ein Wort: „Rest", und ohne eine Kopfbedeckung zu suchen, eilte er m bie Gewitternacht hinaus, der Brandstätte zu.

10. Kapitel.

Für die Gäste der Freifrau von Simmern war auf die Freude des Erntefestes ein furcht­bares Erwachen gefolgt.

Wie hatte man sich amüsiert während der nach- mittägigen Vergnügungen l Des Lachens und LcherzenS war kein Ende gewesen: besonders als n8en Reihe kam und die städtischen dc'u^r auf ber festlich geschmückten großen -tenne sich unter bie bäuerlichen Knechte und Mägde des Gutes milchten. Das war einmal eine schone Abwechslung für die koketten Fräir- leins aus der Stadt, sich von den sehnigen, krast- trotzencen Armen des männlichen Dienstperso­nals herumschwenken zu lassen, und auch die für gewöhnlich etwas arrogant blickenden jungen Her­ren verschmähten es nicht, die drallen, im schön­

Rest Merian.

Nouwn von MarieBaierlein.

22J (Nachdruck verboten.)

„Das nenne ich einen eindringlichen Weckruf!" badite er und brachte die Lampe zum Brennen: denn um ihn her herrschte dichte Finsternis. - örtfe Leders mußte die Fenster schließen; die drohte ihm baS Licht wieder ans- zu loschen. - An der Tür erscholl ein schüchter­nes Klopfen.

"Wer ist draußen?" rief der Kaufmann.

Herr Fritz! Seien Sie nicht böse, ^'?aß Sie hier noch wach sind, und möchte bttettt, belohnen bleiben zu dürfen; denn ich furchte mich bet dem gräßlichen Unwetter," hörte er draußen die bängliche Stimme Christels B-nE!-!- 6,r,in' Du N-i-, alte

die. Tür und Christel trat ein. Sie itnb zitternd auf einen Stuhl

unh hnrfnr . Herr blieb am Fenster stehen der Elemente

„Horch! — Ist das nicht Feuerlärm?" tief er cuf einmal. Ihm war es gewesen, als hatte er klagenden, langgezogenen Ruf eines HorneS A öifnete das Fenster, und weit er ?"iterms sich hinauslehnend horchte - W Und er hatte sich nicht getäuscht. Da,u ^nH°rte er Larmsignal näher kommen, an Ei» T^ud) d-e Sturmglocke zu läuten wütete^ Elchen, daß irgendwo ein Brand fürchterlich?«^^' @S brennt wirklich! Der zündet!" Blitzschlag von vorhin hat also ge-