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Zuldaer

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«fchrwItt-NchE L»r«ah»< der Son» nnOStitrtege.Vkrteb Ehrlicher vrzugsprei, ohne Btingtrlohn unb veftetlgrlb inZuldaso« wie auswärts 1.50 Bit.

Fulda, Dimstaq den 14. Januar 1908.

verant«. Redakteur: Lari Schütte;

für die Anzeigen:

I. parzeLer in Fulda.

Anzeigen: Vie et» fpoltigepetitzeile oder keren Houin 15 pfg, HeNamendiepetitzeile 25 pfg., bei wieder« Holungen wird entspr, Rabatt gewährt.

Hotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ab tiendruckerei in Fuldn Fernsprecher Gr. 9

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Januar 1908.

Ter Vertrag mit Belgien und I t a- lten betr. das Urheberrecht an Werken der Lite­ratur und Kunst und Photographicen wird ohne Debatte in 1. und 2. Lesung angenommen.

Cs folgt die Fortsetzung der ersten Beratung über d'e Aendcrung des § 63 des .Handels­gesetzbuches. .

Abg. Singer (Soz.) ist in Ueberelnsttmmnng mit dem Zentrum, den Konservativen und Na- stonalliberalen gegen die vorgesehene Besttm- t wng, wonach den Handlungsgehilfen die Lei­st äugen der Krankenkasse auf das Gehalt ange­rechnet werben sollen.

Staatssekretär Tr. Nieberding: Eine große Neide von Handelskammern, von Gewcrbekam- mcrn und von angesehenen kaufmännischen Korpo- ratioi'en haben sich im Sinne unserer Vorlage ansgeivrochen. Es wird sich in der Kommrssio» Gelegenheit bieten, die Sache zu klären.

Abg. Karsten (fr. Vp.): Der größere Teil meiner Freunde erblickt in der Vorlage einen so­zialen Fortschritt, eine Minderheit dagegen schließt fick' den Wünschen der Vorredner an.

Abg. Vorenhorst (Np.): Ter Entwurf ist ge- geniiber dein seligen Zustande eine Verschlechte­rung. Eine solche können wir nicht mitmachen; meine Parte, lehnt die Anrechnung der Leistung der Krankenkasse ab.

Abg. Schack (wirtsch. Vgg.): Ten Gutachten der Handels- und Gewerbekammern, die der Staatssekretär für die Vorlage ins Feld geführt hat, kann hV eine mindestens ebenso große An­zahl entgegenstellen, die sich im gegenteiligen Sinne curgesprochen haben. Uebrigeus bewei­se» die Gutachten, auf die der Staatssekretär sich berufen hat, gar nichts. Wenn die Mitglieder solcher Korporationen gefragt werden, ob sie da­mit eino.'rstanden feien, daß ihne eine Last abge- nommen werde, so würden sie selbstverständlich mit ja antworten.

Die Vorlage wird einer Kommission über­wiesen.

Es folgt die erste Lesung der Novelle zmn Viehseuchen gesetz.

Der § 3 des jetzigen Gesetzes hat eine bedeutsame Erweiterung dadurch erfahren, daß die selbständige Stellung der Militärverwaltung gegenüber den Zivil- veterinären noch freier auegcftaltet ist. Das in § fl aus erkrankte lebende Tiere beichtänkle Einfuhrverbot soll auf verdächtige Tiere, seuchenverdächtige Kadaver und auf ton'liqe Träger von Aniteckungsstoffen aus­gedehnt werden. Die Liste der Anzeigepflicht soll er« flänrt, bet Ureis bet zur Anzeige verpflichteten Per- vnen erweitert, dagegen die Erfüllung der Anzeige­pflicht erleichtert werden. Die Usberttmchungsbefug- nisfe werden nach verschiedener R'chturr-, hin ausgedehnt

Abg. Freiherr von Pfetten (Ztr): Große Werte sind in unserem Viehbestände niebcr-jde.it und rechtfertige» scharfe Schutzmaßnahmen. Ter Entwurf enthält wesentliche Verschärfungen nach allen Nichtungen hin; dec Tierhalter wird einer Reihe von neuen Kontrollmaßnahmen unterstellt. Wenn da§ Gesetz anaenommen wird, bringt man­cher Landwirt den Tierarzt nicht mehr aus dem Gehöft hinaus; es ist ja jetzt schon teilweise so. Der Entwurf läßt manche Chikanen aller Art zu, sowohl bei N'.chtanzeige wie bei Anzeige der Krankheit. Die Schntzmaßrcgeln werden bedeu­tend verschärft; es soll schon der Verdacht der Kcankh-it -genügen, um ein Einschreiten der Po­lizei zuzulassen; diese Maßnahmen schneiden !ehr tief ein und können die Existenz ganzer Familien untergraben. Vor der Annahme des EntwitrfeS wüste die Regierung ganz bestimmte Erklärungen abgeben. Manche Einschränkungen lassen sich gar nicht durchführen, besonders nicht zur Zei: der Ernte. Trotz aller Schattenseiten muß man zu­

geben, daß nur die strengste Handhabung der Ge­setze den Erfolg mit sich bringt. Tie deutsche Landwirtschaft wird bereit sein, die neuen Lasten auf sich zu nehmen, um diesen hohen Teil dos Volksvermögens zu schützen. In der Kommission wird »ebenfalls genau zu prüfen fein, ob die vor» geschlagcncn Schutzmaßregeln in vollem Umfange annehmbar sind. Tie Eutschädigungskrage muß liberal geregelt werden, schon im Hinblick auf die außerordentliche.Verschärfung dec Strafbestim­mungen. Redner beantragt, die Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu verwerfen. (D-ifaN.)

Abg. Siebenbürger (kons.): Die bisherigen Maßnahmen haben sich nicht als ausreichend er­wiesen; die Vorlage ist daher zu begrüßen. Wir stehen voll und ganz auf ihrem Boden, wenn wir auch in der Kommission einzelne Abänderungen beantragen werden.

Abg. Lehmann (nl.) steht der Vorlage sympa- thisch gegenüber.

Hierauf wird ein Antrag auf Vertagung an­genommen. . _ . , ,

Dienstag 1 Uhr: Interpellation Kanrtz betr. den boty-n Bankdiskont.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 13. Januar 1938.

Auf der Tagesordnung steht die erste EtatSberatiing.

Minister Breitenbach gibt zunächst eine Neber» sicht der Ergebnisse der Staatseisenbahnen im Jahre 1907. Es werde voraussichtlich mit einer Mindereinnahme von ca. 100 Mill, gegen den Etatsvoranschlag schließen, indem ca. 109 Mill. Mark mehr ausgegeben, dagegen nur 7—8 Mill, mehr eingenommen worden sind. Tas sei eine Folge des Rückganges der wirtschaftliche» Kon- junktur. Ter Personenverkehr habe unter dem un­günstigen Wetter des Sommers gelitten, dann aber cmck durch den Mißerfolg der Fahrkacten- stener (hört! hört!), die uns zirka 10 Mill. M infolge der Abwanderung in die niedrigere» Klaf­fet, gekostet hat. Tie uilgewöhnliche Steigerung der Ausgaben sei auf die Steigerung der Preise und der Betrieüslöhne, in der Hauptsache aber auf die Unvollkommenheit der Veranschlagitna zurück,zuWiren. Ter Minister bittet zum Schluß um die Mitwirkung des Hauses bei einer Toar- faiuen. aber zweckmäßigen Wirtschaft itr. Eisen­bahnbetrieb.

Abg. Frhr. v. Zedlitz bemängelt einzelne Po- sitionei, des Etats als zu niedrig bemefsen. Ich glaube, daß allgemein die feste Absicht besteht, eine große Aktion einzuleiten, um das Reich finanz'ell auf eigene Füße zu stellen und dem 9teid>e das zu geben, was notwendig ist zur $ cd- ung der dauernden Ausgab-n. Ohne beträchtliche finanzielle Opfer Preußens wird es dabei nicht abgehen. Aber Preußen hat die Ehrenpflicht, nach dieses Richtung hin mit gutem Beispiel voranzu­gehen. Für eine dauernde Aenderung und Er­höhung der Einkommensteuer ist in Preußen noch nicht die Zeit gekommen. Wir wollen in diesem Jahre keine Abschlagszahlung geben, sondern im nächsten Jahre ganze Arbeit machen, und eine einheitliche Revision unserer Einkommen- und Vermögenssteuer vornehmen.

Minister des Innern v. Moltke gibt eine an?- führlickte Darstellung der Vorgänge anläßlich der sozialdemokratischen Wa hlrechtsdemo nft ra- tioncn am Sonntag. Er erklärt, daß die Schutzmannschast durch Angriffe des Publikums gezwungen, an drei Stellen von dec Waffe habe Gebrauch machen müssen. Von der Schutzmann­schaft seien ein berittener Schutzmann und drei Schutzleute, darunter einer schwer verletzt. Vom

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Publikum seien etwa 30Personenverl e tz t, aber niemand schwer. Es sc, sehr bedauerlich, dab unter diesem Treiben der Sozialbemokratte auch rubige Pasianten hätten leiden muffen, aber die Polizei könne äußerlich die Leute mcht unter­scheiden. (Sehr richtig» Tie Regierung sei fest entschlossen, den Störungen des öffentliche!, Ver­kehrs nut den äußersten Mitteln entgegen zu treten.

Kultusminister Tr. Holle erklärt auf eine An­frage des Abg. Frhrn. v. Zedlitz über bte weit- liche Volks schul aus sicht: Tie Schulaut- sicht wird entweder geleitet von Beamten im Hauptamte oder aber von Geistlichen im Neben- amte. In welcher Weise sie in einzelnen Fällen geregelt ist, ist keine grundsätzliche, sondern eine praktische Franc. Ein Bedürfnis für die Tren­nung der Verbindung von Volksschule und Kirche kann die Negierung nicht anerfrnnen. tBeitall ) Die Belastung mit der Schulaufsicht wird von den Geistlichen bei,den, stetig wachsen- den ttmfana ihrer Amtspslichtcn vielfach lästig empfunden, und so wird meiner Ansicht nach 0 i e geistliche Schulaufsicht nach und nach ganzvon selbst durchdiewcltlicheer- setzt werden; da es sich aber immerhin um etwa 270 Stellen handelt, wird sich das nicht luf einmal machen lassen.

Abg. v. Papprnhnm (kons.): Was die Er­klärung de? Herrn Ministers angeht, so hoffen wir, daß diesen kindischen Temonsiralioiten, wie wir sie gestern gesehen haben, mit aller Energie eiitgegengetreten wird. Der Redner nimmt dann Stellung zu den Forderungen der einzelnen Etats und kommt auf das finanzielle Verhält­nis zwisckfen Reich und Einzelstaaten zu ft*rcdien. Seine Freunde müßten in der Einführuiig,direk­ter Reichssteuern einen schweren Eingriff in dis Selbständigkeit der Einzelftaaten erblicken. (Sehr richtigl rechts.) Es muffe ein Weg gefunden werben. auf indirektem Were dis notwendigen Einnahmen dem Reich zu beschaffen.

Abg. Tr. Friedberg (nl.): Ich hatte nicht er­wartet, daß nach den, Etat von 1906 nochmals ein Etat mit solchen Ueberschreitungen vor ge­legt würde, wie sie der Eisenbahnetat enthält. Ta? rechnerische Defizit des Gesamtetats beträgt -10 Millionen, durch die Nichtberücksichtigung der wirtschaftlichen Konjunktur aber weist der Etat ein latentes Defizit von 100 Millionen auf. Ehe wir dem Volke neue Steuern auferlegen, wollen wir erst klar sehen. Auf Grund dieses Etats kön­nen wir keine neuen Steuern bewillige». In der Einführung direkter Reichs steuern kann ich einen Angriff auf die Grundlage des Reichs nicht erblick m. Wenn der Kultusminister mit den, Salle, daß Kirche und Schule vertrauens­voll bei der Volksschulerzishung zusammen,virken twllcn, bat sagen wollen, daß die Kirche der Schule übergeordnet ist und die Aufsicht über die Schule führt, dann wäre das ein Standvnnkt, den wir auf das allerentschiedsnste bekämpfen müßte». (Lebhafter Beifall bei dem National- liberalen.)

Finanzminister Frhr. von Rhcinbaben: Tie Frage der R eich s fi n a n zr ef or m ist fo außerordentlich wichtig für das Reich und die Einzelstaaten, daß ich unrecht tun würde, wenn ick für meine Person einen so schroffen, uimet- sehnlichen Standpunkt einnehmen würde. Aber es gibt Tinge, über die man nicht mit sich Pak­tieren lasier, kann, und dabin gehört die Ver- meidung des Eingriffs in die Soiiveränetät der E i n z e l st a a f e n. Zu diesem Punkte werde ich unter keinen Umständen meine Zustimmung ge­ben. (Beifall rechts.) Ich habe Fein Interesse an einer absichtlichen Verschlechterung des Etats, sondern nur daran, daß ich nach besten, Wissen und Gewissen den Etat als richtig .ausgestellt dem Landtage verlegen kaiin. Der Vorwurf, daß wir

die Ausgaben zu niedrig fchätzten. ist bisher noch nicht gemacht. Tie von mir in Aussicht gestellte Erhöhung der Einkommen- und Er­gänz u n o s st e u e r um 40 Millionen ist gegen­über ber Totsactre, daß wir 130 Millionen dau­ernde Mehrausgabe» in diesem Jahre erwarten müssen, sehr gering. Die Ueberschüsse der Eifen- bahnen lyüficn auch für andere Nestor le verwandt werden können. Das Staatshaus^altsgesetz be­stimmt. daß alle Einnahmen des Staates unter dem Finanzminister stehen, und ich glaube nicht, daß es richtig ist, den Einfluß des Finauzunni- sters auf irgend einem Gebiete einzuschränkev oder auszuschalten.

Kultusminister Halle: Ueberall, wo N e k t o- rate geschossen sind, wird die Ortsschullnsvek- tion durch die Aufsicht des Rektors ersetzt, bi« Tinestanweisung der Rechteren muß einer Revl- sion unterzogen werden, damit ein Zusammen­wirken des Rektors mit den Klassenlehrern ge­sichert ist. Wo ein Rektor nicht vorhanden ist, werden Personen, die von dem allgemeinen, Ver­trauen der Bevölkerung getragen werden, mit der Ortsschulaufsicht betraut.

Dienstag: Fortsetzung.

Deutsches Reich.

* Die Finanzminister der Bundesstaaten werden nach e-ner Meldung des ,Be,line, Lokal- am/ in den nächsten Tagen in Berlin zufammen- fommen, um an den Beratungen der Bundes raisanSichüsie über die neuen dem Reichstag - unterbreitenden St euerv orlage n teiluinehmeu. Bis jetzt bat in den Ausschüssen nur eine Bor- bespiechung stallgefunden.

Im Reichstage nahm an, Montag bi( Verhandlung einen ruhigen, sachlichen Verlauf. Wieder sprachen alte Redner gegen die beab­sichtigte Anrechnung der Krankenkassenleistung auf das Gehalt der Handlungsgehilten in Fällen der Krankheit, nur der Mehrheit der Freisinnigen Vollspartei blieb es vorbehalten, in dem Vor­schlag der Regierung eine Verbesserung zu er­blicken. Staatssekretär Dr. VZiebetDing machte einen sehr geknickten Eindruck, als man ,hm seine Vorlage so zerzupft batte. Er machte noch einige Rechtsertigungsoersuche, aber sie zogen nicht. Er kam, froh fein, daß die Vorlage überhaupt in eine Kommission bugsiert wurde, Nachdem Herr Dr. yjiebetb ng abgezogen, kam Staatssekretär v. Belhmann mit seinem Stabe, um zur Novelle zum Diehseuchengefetz Pale zu stehen. Die 'JloneHe sieht einen schär eren Schutz gegen die Seuchen und eine Erweiterung des Geltungs­bereichs des Gesetzes vor. Der, Zentiumsabg. Frhr. v. Pfeilen drückte sich im all •'meinen zu­stimmend zu der Vorlage aus, wünschte aber im Inlereffe der Landwirtschaft einzelne Abände­rungen, namentlich hinsichtlich der Entichäk zungs« fraae. Ein eigentümlicher Herr ist der Abg. Siebenbürger von den Konservativen. Auch et stellte sich auf den Boden der Vorlage. Er er« zählte dabei von seinen privaten Erlebnissen in der Bekämpfung der Seuchen. Bei der Be­kämpfung der Maul- und Klauenseuche zieht er Den kranken Tieren einen Strohwisch durch daS Maul und vertreibt mit diesem Strohwisch die Seuchen. Auf welche Art, war leider auf der Tribüne nickt zu verstehen; aber er bekräftigte, daß die älteren Landwirte bestätigen würden, es sei dies ein probates Mittel — und un­manierlich fügte er hinzu: Ich kann hier dies Mittel für die jüngeren Kollegen nur warm

Rest Merian.

Roman von MarieBairrleiu.

16] (Nachdruck verboten.)

Der alte Mann blickte seinem Patenkind kopf­schüttelnd nach, als es mit gefurchter Stirn und nachdenklichen Mienen davonstürmte; dann sprach er tu Gedanken:

„Knun'S ihm eigentlich nachfühlen, dem guten Jungen, wie es in ihm arbeitet. Eine Kleinig­keit ist es nickt, wenn mau erfährt, daß uns nur der letzte Guadenakt einer uns nie fo rechr ge­wogenen Greisin davor bewahrte, ein enterbter, heimatloser Bettler zu fein."

Fcitz Weilers zergrübelte sich den Kopf bat- ubsc, toariuu ihm ebensowohl Nesi wie die in alle ^amiltenongelegenheiten eingewcihte Christel daS Testament der verstorbenen Stiefmutter und die nachherige Vernichtung des Aktenstückes verschwie- gen hatte. Die Pflegeschwester machte ja kein Hehl daraus, daß ihm di? Heimgegangene die übereilte, ohne ihre Einwilligung eingegangene ye‘^* noch in letztet Stunde nicht verziehen r* C‘ *2? sie von der Korrespondenz zwi- faien Rest und dem ungehorsamen Sohn nichts willen durfte. Frau Weilers hatte es der Pftcge- .ockter au das «trenqfte untersagt, in ferneren fchrtf.llcheu Verkehr mit demjenigen zu Verblei­bs: der sich so Welt erniedrigen konnte, eine „Bankelsongerrn" an fern Herz zu nehmen Er wat also auf die unversöhnliche Stimmung gegen ihn vorbereitet gewesen und hätte das von Groll ,und Zon, diktierte Vorgehen der Frau begreiflich gefunden. Warum denn ein vollständiges Tot- sckweigen ihres nachher doch vernichteten letzten Willens? Hatte Resi Anstand an der Kundgebung genommen, weil ihr Zartgefühl zurückgcfckteckt wat. sich als diejenige gu bezeichnen, welche die Pflegemutter zuerst als Erbin ausersehen hatte? Aber sie mußte ihn doch dafür kennen, daß et ihr *ieä nicht hätte entgelten lassen! Merkwürdig

| — fein Gedanke war ihm je gekommen, daß die • zürnende Greisin den Groll so weit anödehnen i und ihn um den Genuß ihrer Hinterlasfeuschast Hätte bringen wollen! Und er bemühte sich jetzt, die Gcmüfscfsekte Resis uachzusühlen, welche au- ivesend war, als das zu ihren Gunsten gemachte Testament ausgenommen wurde, und die dann nach drill Tcdc der Pslegeimitter erfuhr, daß fes­tere ihre erste Willensäußerung wieder aufgeho­ben hatte. Es war doch keine Kleinigkeit, die Anwartschaft aus ein erkleckliches Vermögen zu- geschrieben zu bekommen, um nach wenigen Stun­den zu erfahren, daß alles rückgängig gemacht worden fei!--

Und trotz der Kenntnis dieser vstbängniAvol- len corbeinegaiigencn Ereignisse war ihm die Pflegeschwcster mit freudiger, herzlicher Harm- losigkcit enta^gengekornmen, als er in die Heimat znriickkehrte, und kein bischen neidisches Empfin­den hatte sich bei dem Mädchen bemerköat ge­macht, als er — der erstlich Enterbte — fein Eigentum in Besitz nahm. Sie wat doch eine goldene Seele — seine Nesi!

Es überkam ihn plötzlich eine unendliche Sehn­sucht nach ihrem lieben Anblick und er biß die Zähne aufeinander, als er daran dachte, daß sie vielleicht schon bald das Eigentum eines andern Mannes fein würde. Aber was konnte er daran ändern, wenn ihr Herz gesprochen hatte? Tas war nun seine Strafe, weil er früher blind an der Mädckenknospe vorüberging und seine Augen lieber auf duftlose, prangende Treibhauspflanzen richtete.

Es schlug gerade 11 Uhr, als er das hübsche Häuschen in dec Vorstadt erreichte, vor dem die blühenden Iasminsträucher im klein?» Gärtci-en mnen betäubenden Dust in die fonnendurchglänzte Atmosphäre sandten und dessen Eingang pon den in riesigen grünen Kübel» steckenden Oleandcr- bäumchen flankiert wurde.

Unwillkürlich mußte er sich eingesteben, baß, im Falle die Verstorbene keine Reuegedanken be­kommen hätte, dieses idyllische Heim für immer

im Besitze Resis geblieben wäre, während er jetzt int Begriff stand, dasselbe zu veräußern, um einer geschäftlichen Notwendigkeit zu genügen. Mußte nicht auch dieses Vorhaben dem Mädchen, das feine Jugendzeit in den vier Mauern ver­lebt hatte, einen Stick ins Herz geben? Fritz Weilers wußte und fühlte es, daß er von heule ab alles von dem Gesichtspunkt Resis aus be­trachten mürbe. Er kam sich vor, als hätte er die Pflegeschwesler um ihre Erbansprücke betrogen.

Bim-bim—bim machte die schrille, altmodi­sche Hausklingel, als er Einlaß begehrte. Chri­stel, mit vom Herb feuer geröteten Wangen öff­nete ibm die Haustür.

„Ta sind Sie ja endlich, Herr Fritz! Seit fünf Minuten sitzt ein Herr im Salon und wartet auf Sic", fagte die alte Magd und verschwand gleich wieder in bet auf den Flut mündenden gähnenden Küchentür.

„Warte doch Christel! Wer ist cs denn?"

„Kenne ihn selbst nicht, obwohl ich sein Gesicht schon des öfteren gesehen haben muß", tönte es vom Herbe her, von dem cinlabenbet Speisege­ruch ausströmte.

„Ain Ende gar der Privater Riemer, bet per­sönlich mit mir unterhandeln will", dachte Herr Weilers und begab sich in die an bas Wohnzim­mer grenzenbe „gute Stube". Tie grünen Ja­lousien waren dort heruutergelasten, um bet Mot- (lensonue den Eingang zu verwehren unb ein bänimcriges Dunkel ließ ihn den, bei seinem Ein­tritt von einem der grünen Plüschsessel aufzestan- denen Herrn zuerst nicht recht erkennen. Dock gleich darauf legte sich ein merftmirbiger, fast brohenbcc Ausdruck auf das Gesicht Fritz Weilers; er schien die ihm zur Begrüßung enlgegcnga- streckte Hand des Mannes nicht au bemerken und fragte in gewaltsam höflichem Ton:

„Ah. Herr Verwalter Hagen! Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?"

„Geehrter Herr! DaS ist nicht so schnell ge­sagt. Ich mnß Sie bitten, mit einige Minuten Zeit zu schenken."

Bei den in fast feierlichem Ton gesprochenen Worten blickte der Kaufmann den Herrn näher an unb erst jetzt bemerkte er, daß derselbe mit schwarzem Saloncmzug und weißer Kravatts be­kleidet wat und daß ein tadellos glänzender Zy­linder auf einem Sessel lag. Fast wäre ihm ein bestürztes „Donnerwetter" entfahren: denn er argwöhnte sofort, was diese festtäglich)« Toilett« zu bedeuten hatte. Doch er bezwang sich» noch zur rechten Zeit und während es in seinen Zügen beängstigend arbeitete, zog er sich einen zweite» Sitz heran und nahm dem Besuch gegenüber Platz.

„Lieber Herr Weilers", fuhr letzterer fort, „ich komme heute, um von Ihnen, dem einzigen nahestehenden Verwandten deS Fräulein Resi. bereit Hand zu erbitten."

..Ah!"

Sbwohl der Hausherr sie vorausgetragen hatte, diicck'iuhr ihn die zur Tatsache gewordene Werbung doch gleich einem elektrischen Schlag. Er lächelte krampfhaft und antwortete: „Ja — aber — ick weiß gar nicht, warum Sie sich an mich wenden? Meine Pflegeschwester ist doch längst volljährig und wenn sie es auch nickt wäre, so wurde ich darum doch keine Vormundschaft haben."

. „Es war der Wunsch deS Fräuleins, daß ich mit Ihre Einwilligung zu unserer Verlobung holen sollte, Herr Boilers, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß ich Ihnen als zukünftiger Verwandter nicht allzu unsympathisch bin", sagte her Brautwerber. Tabei schauten sein« guten, treuen Augen unter der Golbbrills hervor frei­mütig bittend in bas finstere Gesicht feines Gegeniil»er.

Unter bem Eindruck deS ehrlichen BlickeS be­eilte sich der Kaufmann zu erwidern: „Aber kei­neswegs — ich wüßte nicht, was ich gegen Ihre ehrenhafte Persönlichkeit einzuwenden hätte; um so mehr, wenn Sie schon im Einverständnis mit Rest sind."

(Fortsetzung folgt).