Einzelbild herunterladen
 

Maer W Zeitung

monatsbeitage: „Fuldaer SeschichtrbM«

.44

35. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 11. Januar 1908.

M 8

Erstes Wlalk

stdenten bitten, beide Nummern selbständig zur form des jetzigen Wahlrechts.

fr1*thtt »glich «tt Aurnahme der Som* nnb jeiertagt. Ditrteb jShrlichervezng^reir ohne vringrrloha und vefleLgrld i« Fulda so. wie autwärts 1.50 OIL

veraut». Redaktem: «arl Schütte;

fpaltlgr petitzeilr »der deren «an« 15 pfg. «eNamendteprtitielle 25 Pfg.. bei wieder. Holungen wird eutspr.

Rabatt gewährt.

«otationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak» ttendruckrrei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Abstimmung zu bringen. Der Antrag ist offen­bar nicht zu dem Zwecke gestellt worden, um von neuem eine Beschlußfassung dieses Hauses, die von vornherein klar war, in ihrem Resultate her- beizuführen der Antrag hat wesentlich die Be­deutung einer Interpellation, es ist eine Er­klärung dcr Regierung darüber gewünscht, wie es sich mit dcr Reform des Preußischen Wahlrechts verhält. Diese Erklärung ist heute erfolgt, ob die Herren Antragsteller mit ungemischter Freude sie angebört haben, darüber will ich ihrer Me> nungsäutzerung nicht vorgreifen. Ich mutz mich darauf beschränken, den Standpunkt meiner )po* Milchen Freunde in aller Kürze, aber, wie ich hoffe mit ausreichender Schärfe zum Ausdruck zu bringen. Als von der Staatsregierung vor zwei Jahren ein Gesetzentwurf eingebracht rouroe, welcher in keiner Weise das bestehende Wahlrecht abändern sollte, habe ich am 23. März, 1906 auf Grund einstimmiger Ermächtigung meiner Poll- tischen Freunde das Bedauern ausgesprock>en, dah eine Reform des Wahlrechts, die wir immer schärfer aefordert haben, der uns damals vorge­legte Entwurf nicht gebracht hat und datz wir diese Reform nach wie vor verlangen. Und ich habe damals erklärt, in welcher Richtun g sich diese Wünsche bewegen. Am 7. Februar 1906 hat der Herr Abg. Graf Hompesch sich dahin ausgesvro- chen, datz das, was im Reiche auf dem Gebiete des Wahlrechts gewährt ist, auf die Dauer auch in den Einzclstaaten den Bürgern gewährt wer­den mutz. Von diesem Standpunkte, an den wir auch heute noch festhalten, kann ich die Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten nur auf das Leb­hafteste bedauern. Ich spreche dieses Bedauern aus trotz der lärmenden Szenen, die sich vorhin vor unserem Hause abgespielt haben und sich viel­leicht noch abspielen, und die durchaus nicht ge­eignet sind, die Stellungnahme zu dieser Frage zu erleichtern, sondern zu erschweren. Wir find nicht durch Lärm jemals veranlatzt gewesen, nutzt mehr den Weg zu verfolgen, den wir für richtig erachten. Ich bedauere besonders lebhaft, daß dre Einführung der geheimen Abstimmung nicht we­nigstens in Aussicht gestellt ist, denn die geheime Abstimmung dient nicht nur dazu, die freie Stimmabgabe nach oben zu sichern, sondern auch nach unten. Von Tag zu Tag wird es notwen­diger werden, die geheime Stimmabgabe nament­lich nach unten hin zu sichern. Zu dem vom Mi­nisterpräsidenten in allgemeinen Umrissen in Aussicht gestellten Gesetzentwurf, der erst in der nächsten Periode vorgelegt werden toll, können wir naturgemäß erst Stellung nehmen, wenn er uns vor liegen wird, von unserem grundsätz­lichen Standpunkte aus aber erscheint es mir int höchsten Matze zweifelhaft, ob wir in der Lage sein werden, ihn. zuzustimmen. (Beifall i. Ztentrum.)

Abg. Dr. Krause-Königsberg (ntl.): Ten Aus­führungen des Ministerpräsidenten können meine Freunde im allgemeinen z u st i m m e n, nur Ha­den wir leider eine Stellungnahme der Regierung zur Frage der Neueinteilung der Wahlkreise ver­mißt. Dem zweiten Teil des freisinnigen An­trages können wir zustimmen. Die Rede deS Abg. Malkewitz ist den gegenwärtigen Verhält­nissen nicht gerecht geworden. Wenn wir auch ganz oerfchiedene Gegner der Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen sind, so müssen wir doch anerkennen, datz es mit dem Reichstagswahlrecht auch geht. Die Einführung eines Mehrstimmenwahlrechts würde jedenfalls gegenüber den jetzigen Zuständen eine wesentlich gerechtere Beteiligung darstellen. An die Herren von der Linken möchte ich aber folgende Mahnung richten: Die Einführung des Reichstagswahl­rechtes in Preußen ist unerreichbar, zunächst we­nigstens, deshalb arbeiten Sie mit an einer Re-

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 10. Januar 1908.

Das Haus wendet sich dem einzigen Punkt der Tagesordnung zu, dem freisinnigen Antrag bett, das Wahlrecht.

Der Antrag fordert die Vorlegung eine- Gesetz­entwurfs, durch welchen L für die Wahlen zum Ab- geordnelenlmus da? allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe zur Einführung gelangt; 2. zugleich auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung ein« anderweitige Fest­stellung der Wahlbezirke herbeigeführt und die Gesamt­zahl der Abgeordneten neu de nimmt wird.

Abg. Trarger (frs. Vp.): Das Verhalten der Regierung in der Wahlrechtsfrage ist immer be­fremdender, das Begehren des Volkes aber nach einer Aenderung immer dringender geworden. Die Weiteren Ausführungen des Redners sind tast unverständlich. Soviel man versteht, geht er auf die geschichtliche Entwickelung des Wahlrechts ein und legt im einzelnen die Notwendigkeit der Berücksichtigung dec Forderungen des Antrages dar. Seine Ausführungen gingen aber im Hause, in dein sich bald eine große Unruhe geltend g^> macht hatte, fast völlig verloren.

Reickskanzle Fürst Bülow: Die königliche Staatsregierung hat sich schon bisher bemüht. Vorschriften des preußischen Wahlrechts zu ver­bessern, bei denen das Bedürfnis hierzu besonders dringend hervortrat. Die Regierung erkennt an, daß das jetzige Wahlsystem auch jetzt noch Mängel aufweist, und hat seit längerer Zeit in einoehen- der Arbeit erwogen, wie auch diesen Mängeln abgeholseil werden kann. Ob dies im Nahmen des bestehenden Wahlrechts oder nur durch seine grundsätzliche Aenderung möglich sein wird, läßt sich noch nicht übersehen. Indessen, wie schon jetzt erklärt werden mutz, steht es für die königliche Staatsregierung nach wie vor fest, daß die lieber- iragung der Reichstagswahlen auf Preitßen dem Staatswohl nicht entsprechen würde (Bravo! rechts.) und deshalb abzulehnen ist. (Beifall und Widerspruch.) Auch kann die Regierung die Er­setzung der öffentlichen Stimmabgabe durch die geheime nicht in Aussicht stellen. (Beifall rechts und Widerspruch in der Mitte und links.) Jede

„Das klingt ja, als ob Du so etwas wie Kom­pagnon von der Weltfirma Rudier Frdres gewor­den wärest?"

,.Nem, Schwesterchen — eine solche Bereich- nung wäre Größenwahn", lachte der Herr. „Ich bin immer nur ein schlichter Kaufmann."

„Warum nicht gar," warf die Witwe ein,, der- artige Unternehmungen bezeichnet die Welt schon mit dem Titel: Grotzkaufmann — ich gratu­liere?"

Als Fritz Weilers sich von den Damen ver­abschiedet und seinem sähnlein, dem er zuge- schant, wie es voll Behagen die soeben aus dein Ziegenstall gebrachte schäumende Abendmtlch ge­trunken, den Gutenachtkuß gegeben hatte, schlug er wieder den Rückweg zur Stadt ein.

So ging es nun schon drei Wochen lang. Jeden Abend trieb es ihn hinaus, um sich nach Rest und dem Jungen umzusehen. Seine Zärtlichkeit für die Pflegeschwester wuchs von Tag zu Tag; er erkannte immer besser, daß dieses Gefühl mit Bruderliebe und verwandtschaftlicher Regung durckfaus nichts zu schaffen hatte, und datz ihm noch ein spates, starkes Glück erblühen konnte, wenn ihm das Mädchen mit der gleichen Zunei­gung entgegenkäme.

Aber von einer solchen ihn beglückenden Wandlung konnte er bei Rest nichts bemerken. Im Gegenteil, seit das Fräulein auf Simmern weilte, wurde ihr Benehmen gegen ibn kühler. Ja, sie hatte sogar die schöne geschwisterliche Per- traulidfeit abgelehnt. Es wollte ihn bedünken, als wiche sie jedem Beisammensein zu zweien ängstlich aus. Darum war er schrecklich eifer­süchtig auf den Gutsverwalter, der sich mit kon- seauenter Offenheit um ihre Gunst bewarb. Fritz Weilers sah nur zu deutlich, daß sich die Pflege- schwestcr die ehrerbietigen Huldigungen des schmucken Mannes ohne Abwehr gefallen ließ, und daß Rest wenn die Baronin oder jemand an­ders eine diesbezügliche indiskrete Bemerkung machte, stillschweigend, wenn auch tiefber legen, darüber hinweazuaeben versuchte. So etwas tat

gesunde Reform deS Wahlrechts wird den Em- fluß de" breiten Schichten des Mittelstandes auf das Wahlergebnis aufrecht erhalten und sichern, sowie auf eine gerechte Abstufung des Gewichtes der Wahlstimmen bedacht sein müssen. Deshalb wird geprüft, ob dieses Ziel erreicht werden kann, lediglich unter ZugrundelegMg von Steuerleistungen, oder ob und innncloett das Stimmrecht auch nach anderen Merkmalen wie Alter, Besitz, Bildung oder dergleichen abgestuit werden kann. (Beifall rechts.) Sobald die könig­liche Staatsregierung für ihre Entschließungen eine feste Unterlage gewonnen haben wird, was indessen für die lausende Tagung nicht mehr in Aussicht gestellt werden kann, wird sie mit einer entsprechenden Vorlage an den Landtag heran- treten. (Lebh. Beifall rechts, Zischen links.)

Abg. v. Malkewitz (k.): Daß der Reichskanzler die Ueberlrogung des Reichstagswahlrechts auf Preußen ablehnen würde, haben wir erwartet. Ich unterlasse nicht darauf hinzuweisen, daß jedes unnötige Rühren an dem wohlgefügten Gebäude des preußischen Wahlrechts (schallende Heiter­keit links! den lebhaftesten Bedenken bei uns be­gegnet. Die bezüglich der Wahlrechtsfrage unter der Wählerschaft herrschende Aufregung ist Nicht auf die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Wahlrechtsreform, sondern lediglich auf Agitation zurückzuführen. Die jetzigen Zustände im Reich haben viel dazu beigetragen. Es ist aber durch­aus falsch, wenn man die Gestaltung der Reichs­politik abhängig machen will von der Politik in Preußen. Auch glaube ich, daß nur wenige Leute im Freisinn sind, die eine ganz reine Freude an der Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen haben werden. Ich glaube, daß es sich in Wahrtest hauptsächlich darum handelt, die starke Stellung der Konservativen in diesem Hause zu brechen. (Sehr richtig! rechts.) Wir sind nickst immer so stark gewesen; es gab eine Zeit, wo wir nur 14 Mann stellten, also liegt nicht an dem Treiklassenwahlrecht die Stärke der Konservativen; sie liegt darin, daß wir in den nationalen Fragen stets treu zur Regierung ge­standen sind. Bei dem jetzigen Wahlrecht sind, wie der Reichskanzler richtig bemerkte, die In­teressen des Mittelstandes am besten vertreten. (Sehr richtig! rechts, Widerspruch links.) Für meine politischen Freunde ist der Antrag abso­lut unannehmbar. Wir werden von unte­rer Ueberzeuguna nickst lassen und uns von unse­ren Pflichten nicht abbringen lassen. (Lebhhafter Beifall rechts, Zischen links.)

Abg. Dr. Porsch (Ztr.): Beide Anträge, welche uns heute beschäftigen, haben gleichlautend dem Hause bereits am 2. April 1906 zur Beratung Vorgelegen. Ich habe damals im Namen meiner politisciren Freunde zu beiden Prinkten deS An­trages eingehend Stellung genommen; in unte­rer Stellungnahme hat sich seitdem nichts geän­dert, und ich glaube daher, im allseitigen Jnter- esse zu bandeln, wenn ich mich darauf beschranke, mich auf diese meine damaligen Ausführungen zu berufen, und im Augenblick nur noch daraus hervorzuheben daß die Zentrumsfraktion dieses Haukes als erste im Jahre 1873 die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen verlangt hat. Die Zentrumsfraktion hat an Metern Stand­punkt seitdem unentwegt festgehalten. Im Ver­folg dieses Standpunktes werden wir für die Nummer 1 des Antrages stimmen. Die Zen­trumsfraktion, nicht bloß dieses Hauses, sondern auch des Reichstages, hat in gleicher Weiß' stets daran festgehalten, daß die Bevölkerungszahl nicht znr wechselnden Grundlage der Einteilung der Wahlkreise gemacht werden kann, und von diesem orundsätzlichen Standpunkte aus werden wir auch heute die Nummer 2 des kreisinnigen Antrags ablehnen. Ich möchte den Herrn Prä­

Ä-Ä«. w°ch«nbiiiage:IllustrierteSonntagrzeitung"

Stolz vielleicht nicht zugelassen hätte, um die reidje Schloßfrau zu freien, so würde das nur mittelmäßige Legat, welches der Freiherr seiner Witwe vermacht hatte, jetzt kein Hindernis mehr für seine Leidenschaft bilden.

„Weißt Du es bereits, Resi, daß Herr Weilers den Vorschlag seiner Firma annahm und hier ein Zweiggeschäft derselben auf sein Risiko etablieren will? Er bat e3 mir vorhin anvertraut." fragte hier plötzlich die Baronin.

„Ah, wirklich! Tu entschließest Dich alp doch zu diesem Unternehmen?" wandte sich das Mäd- dien an den Pflegebruder. „Wie mich das freut! Ta brauche ich mich von meinem lieben Jungen nicht mehr zu trennen und behalte auch Dich für immer in meinem Gesichtskreis. Glaubst Du, daß das Geschäft Dir Garantie für seine Renta­bilität bietet?"

Fritz Weilers wurde von dem freudigen Auf­leuchten der ernsten Braunaiigen ungemein an­genehm berührt. — Es war ihr also doch eine kleine Genugtuung, wenn er sich in der Vater­stadt ansässig machte und nicht mehr in 5 Aus­land zurückkehrte.

„Aber selbstverständlich, Resi. Wenn ich nicht überzeugt davon wäre, würde ich meine Hände hübsch von der Sache lassen. Ich muß nämlich nicht nur mein kleines Erbe dazu flilssig machen, sondern bin auch gezwungen, unser Häuschm in der Vorstadt gegen ein passendes Gebäude in einer der Verkehrsstraßen umzutauschen. Dafür leite ich aber auch von hier aus den ganzen gro­ßen Export für Deutschland und Oesterreich-Un­garn. Meine Firma hat sich schon längst mit dem Gedanken getragen, eine derartige Filiale auf deutschen Boden zu ermöglichen, da sie mit den Zweigunternehmungen in der Schweiz und Ita­lien glänzende Geschäfte machte. Die Leiter des Etablisiements sind immer vertraute, im Pariser Haus herangebildete Kräfte und brauchen bloß ein eigenes kleines Kapital gleichsam als Kaution mit in s Geschäft zu leaen."

namenS deS größten Teils meiner Freunde zu er- klaren, daß wir uns in dieser Frage der Auf- sassung des Freiherrn von Metternich nicht an- schließen können. Hoffentlich gelingt es der Kom­mission, auf diesem Gebiet ganze Arbeit zu ma- Äen und etwas zu schaffen, das lebendigen Geist hat. lBeisall.) .

Abg. von Treuenfels (k.) spricht sich gleichfalls für ein Verbot des Dohnenstiegs auS.

Damit schließt die Diskussion; die Vorlage geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.

Es folgt die erste Beratung des Gesetzent­wurfs einer Maaß und Gewichtordnung.

Der Entwurf führt das System der periodilchen Nacherchung für das Reich einheitlich em. Das Gesetz »oll erst 1912 in Straft treten, damit den Gemeinden, die eigene Eichungscimter haben, ihre Einnahmen noch eine Zeitlang bleiben.

Nach unerheblicher Debatte wird ein sozial­demokratischer Antrag auf Kommissionsberatung abgelehnt und die Vorlage angenommen.

Ter Präsident teilt mit, daß eine Jiiterpella- tion der Polen über die E n te i g n u n gs v o r- lgge eingegangen ist und daß er sie auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen setzen werde.

Samstag 11 Uhr: Tierhalterparagraph, Viehseuchengesetz.

Schluß 6 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 10. Januar.

Erster Beratungsgegenstand ist der Gesetzent­wurf betr. Abänderung deS Voge-schuyge- s e tz e S.

Der Entwurf will die deutsche Gesetzgebung in Ueberemftimmung dringen mit der Pariser Uebertinfunft von 19« >2. Danach soll nicht nur das Feilvielrn und der Berkaus, sondern auch dir Ein-, Aus- und Durch­fuhr, der Transport und Ankauf der verbotswidrig erlangte« Nester, Eier und Brut untersagt werden. Eine weiter« Aenderung gegenüber dem geltenden Ge­setz liegt darin, daß in Zukunst der An- und Berkaus, daS Feckbieten, die Em-, Aus- und Durchfuhr sowohl lebender wie toter BSgel in der Zett vom 1. März bis iS. September verboten sein soll, während sich das daS Verbot bisher nur auf tote Väqel bezog. Der Fang von Krammetsvögeln im Dohneuftieg, der jetzt vom 21. September dis zum Jahresschluß gestattet ist, soll verboten werden, soweit es ohne Eingriff in die zur Zuständigkeit der Einzelstaaten gehörige Jagdgesetz- gebung geschehen kann.

Abg. v. Wolff-Metteruich (Ztr.) erklärt im allgemeinen die Zustimmung feiner Freunde. Aber für eine Minderheit spricht er gegen das Verbot deS Krammetsvogelfangs, weil es einen Eingriff in die Gesetzgebung der Einzelstaaten bedeute. Wer eS für grausam halte, der solle auch kein Schwein schlachten. Er beantragt Kommis- sionsberatung.

Abg. Feldmann (kons.) würde mit seiner Par­tei da- Gesetz ohne weitere- annebmen, wider­spricht aber der Kommissionsberatung nicht.

Abg. Larenhorst (Rp.), ein Spezialist der Vo- gelschuL-„Beu<gung", spricht heftig gegen Wolfs- Metternich. Er zieht eine Krammetsvogelschlinge auS der Tasche und erklärt drohend: Wer es fertig bringe, sich für den Fang der Vögel im Dohnenstieg auszusprechen, den solle man einmal eine Viertelstunde lang in einer solchen Schlinge baumeln lassen.

Abg. Fuhrmann (nL) bedauert, daß Italien fick ari-schließe und empfiehlt der dortigen Geist­lichkeit. ausklärend auf das Volk zu wirken.

Abg. Geck lSoz.). Meine Partei wird dem Gesetze nur daun zustimmen, wenn unter allen Umständen daS Verbot des Dohnenstiegs ausge­sprochen wird. Redner erklärt bann auch einige weitere Verschärfungen für nötig und verurteilt namentlich auch die Massenvernichtung von Vö­geln zur Gewinnung der Bälge, lediglich der Mode und dem Luxus zuliebe.

Abg. Behren» (wirtsch. Vgg-, christl. soz.) legt dar, wenn nicht die Vogelhaudler genau kon­trolliert und zur Buchführung gezwungen Yr-iir- ben. höre die Vogelstellerei nicht auf.

Abg. Sommer (fr. Vp.) entrüstet sich darüber, daß Italien diesem Abkommen zum Vogelschutz nicht beitrete und polemisierte dann heftig gegen den Dohnenstieg.

Abg. Pfeiffer (Ztr.). Wir wüsten ein Vogel- schutzgesetz schaffen, nicht bloß aus dem Grunde und zu dem Zwecke, damit wir davon Nutzen ha­ben, sondern wir müssen die Vögel schützen ans allgemein ethischen und kulturellen Erwägungen her-lu»; deshalb gilt eS, nicht bloß dis Sing­vögel itu schützen, sondern sämtliche heimische Vo- gehrten. Es müssen zu diesem Zweck die sie- stehenden Jagdgesetze mit dem Vogclschutzgesetz in Einklang gebracht werden, sonst ist das Gesetz nur eine halbe Maßregel; es muß auch indirekt Vogelschutz getrieben werden durch Anlegung von Schongehegen, durch Anbringung von Nistkästen ufw. Ter Dohnenstieg ist für die Erhaltung der Dogelwelt außerordentlich gefährlich, und ich habe

Resi Merian.

Roman von MarieBaierlein.

14] (Nachdruck verboten.)

Gleich darauf wandte die Baronin sich an die ebenfalls herannahende Freundin und scherzte:

„Hat sich Tein getreuer Seladon endlich von Dir getrennt, Resi? Du hast ja einen heillosen Eindruck auf den ehrlichen, klugen Hagen ge­macht. Der Mann ist ganz ausgewechselt; er, dem man nachsagt, daß er noch fein Weib ange­sehen, weicht kaum von Deinen Fersen und sucht jede Gelegenheit auf, um Dir gefällig fein zu können."

"Aber Lilly!" Rest war blutrot geworden und getraute sich nicht, in die ernsten, forschenden Augen des Pflegebruders zu blicken.

„Ist es Dir peinlich, wenn ich die Tatsache konstatiere? Uebrigens soll Herr Hagen ein ganz vermögender Müllerssohn sein. Der Neffe mei­nes verstorbenen Mannes, der ihn während sei- ner Orientreise als Verwalter einsetzte, hat es toefen"^ erzüW' Sie sind Studiengenofsen ge-

d.ie Baronin den verwunderten Blick von Frrb Weilers gewahrte, setzte sie hinzu:

„Nun ja, das Rittergut ist doch Majorat, und da mein Gatte keine direkten Nachkommen hin- terließ, so ist der Sohn seines ältesten Bruders der jetzige Herr. Und dieser hat auch den Vor- valter anaestellt."

lieber Fritz Weilers ausdrucksvolles Gesicht flog ein Zug plötzlichen Verstehens. „Aha," dachte er, ..wenn der neue Herr von seiner Reise zurück- kehrt, bist Du hier entthront, schönes, berechnen­des SSeib, darum die neuerlichen Avancen, die Tu mir mit so viel Sentiment und Raffiniertheit gemacht baft*

9teü hatte das interessierte Aufhorchen deS PUegebruders wohl bemerkt und ihr törichtes

ruckte wieder gatu rebellisch. Wenn fein

doch nur eineFrau, welche gesonnen war, eine vor- aussichtliche Bewerbung um ihre Hand anzuneh- men. Ter Gesundheit Rests schien das stumme Liebeswerben des Herrn freilich nicht zuträglich zu sein. Sie sah so blaß und müde aus, und die großen Augen hatten manchmal einen trauri­gen, fast trostlosen Ausdruck.

Fritz Weilers wollte das Fräulein schon manchmal wegen ihres veränderten Aussehens tragen; aber bann verschloß ihm plötzlich der heimliche Groll wegen ihrer Uebersiedelung nach Simmern den Mund. Wenn sie es übers Herz gebracht hatte, ihn so mutterseelenallein mit der alten Christel zurückzulassen, um in der Nähe ihres Verehrers weilen zu können, so mußte sie es auch tragen, wenn für sie der dortige Auf­enthalt ein körperliches Uebelbefinben mit sich brachte.

Während der Kaufmann, in flüstere Gedanken versunken, nach Hause ging, sprach Frau von Simmern zu Rest:

„Wie gesagt, liebes Herz! Tein Bruder teilte mir die Tatsache seiner selbständigen Etablierung erst mit, als er durch mich erfahren hatte daß die Galanterien unseres guten Hagen einen ernst­haften Hintergrund haben. Ich glaube, der Ge­danke, Dich alleinstehend zu wissen, ließ ihn so lange mit der Zusage an seine Firma zögern. Er muß ja nach Ablauf des Trauerjahres an eine neuerliche Heirat denken, um für sich und Raoul ein Daheim zu haben. Und da hat sich sein gute® Herz um Tein ferneres Ergehen gesorgt."

„Du magst recht haben, Lilly. Hattest es mir ja schon vorausgesagt; ich sehe ein, daß ich Fritz durch meine Verlobung mit Herrn Hagen nur beruhigen kann. Doch Du entschuldigst, wenn ich mich heute etwas früher zurückziehe — ich hab« entsetzliche Kopfschmerzen."

„Armes Mädel! Hagen wird zwar nicht ge­rade erbaut sein, wenn er das Nachtmahl mit mir allein einnehmen muß; aber lege Dich nur zur Ruhe, das ist das beste Mittel gegen jede Mi- aräne." M3* H