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triftetet tS-Nch«U A»r»ah»e der $omu und Zeiettage. viertel­jährlicher vrzugrpreir ohne vriigerlohn und Bestellgeld in Fulda so­wie au5»Srtsi.50Mr.

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Lotationrdrnckund Verlag der Fuldaer M> tiendrnckerei in Fulda Fernsprecher Nr.y.

M 3.

Fulda, Sanlstaq den 4. Januar 1908.

35. Jahrgang.

Erstes 'Matt.

Wegen des Feiertags Hl. 3 Könige wird die nächste Nummer der Fuldaer Zeituug erst am Dienstag ausgegedeu.

Die Sprengloionne.

WaS einstens die Sozialdemokraten mit dem Zolltarif nicht vermochten, das Zentrum zu spren­gen, das will man nun erreichen mit der „deut­schen Bereinigung". Wir niüssen daher die Ent­wickelung dieses politischen Wechselbalges sorg- fältifl im Auge bebakten.

Bis jetzt hat zwar diese Vereinigung nirgends eine gute Aufnahme gefunden als beim Bund der Landwirte. Auf seiner Versammlung in Neuß wurde ausdrücklich erwähnt, daß der Bund der Landwirte diese ganze Bewegung un­terstütze und zu fordern wünsche. Der Bund der Landwirte aber war trotz vieler schönen Worte immer ein Gegner deS Zentrums. Nach der letz­ten Wahlstatistik bat er in der Haupt- und Stich­wahl alle bürgerlichen Parteien unterstützt mit Ausnahme des Zentrums und der Polen. Das besagt genug.

Entschiedene Gegner findet die Neugründung im freisinnigen Lager; das Organ der frei­sinnigen Vereinigung warnt vor der „Deutschen Vereinigung" in eindringlichen Worten. Nach Lieser Quelle bandelt er sich bei der neuen Partei einfach um einen Ableger der Konservativen und >er Bündler, der in katholischen Gegenden An­hänger werben will. Die schönen Wendungen von dem anzubahnenden Frieden zwischen den Konfes­sionen seien nur Kulissen, hinter denen sich der rein agrarische Charakter der Bewegung verstecke. TaS sagt ein Gegner des Zentrums, der mit den Leuten der deutschen Vereinigung in demselben Regierungslager fitzt und der die Verhältnisse etwa» kennt.

Man geht in der Tat nicht fehl, wenn man die ganze Neubildung als einen Versuch ansieht, dem Zentrum seine politische Selbstän- d i g k e i t zu nehmen. Da selbst der heilige Vater die Selbständigkeit dcs Zentrums in politischen und wirtschaftlichen Fragen anerkannt hat, kann man nicht mehr in Rom ankommen, um das Zen­trum den jeweiligen Regierungswünschen gefügig zu machen. Aber es ist das Ziel gewisser Leute, für die Negierung stets eine getreue politische Garde zu haben; alle politischen Rechte, die die Verfassung dem Volke und- dem Reichstage gibt, sollen nur insoweit benützt werden, als der Reichs­kanzler und das Ministerium es wünschen. Da das Zentrum aber auf seine volle Selbständigkert und Unabhängigkeit allen Wert legt, so sucht man feine Wähler mürbe zu macken.

Warum das? Sßcit das Zentrum angeblich zu sehr demokratisch und zu wenig landwirt­schaftsfreundlich geworden ist.

Da» Zentrum soll demokratisch sein; ge­wiß ist es das, aber das ist doch kern Vorwurf. Eine Partei, die aus dem allgemeinen und glei­chen Wahlrecht hervorgeht und die ihre Wähler in den breite» Volksschichten besitzt, muß mit einem gesunden tzcmokratrschcn Geiste erfüllt sein; sic muß das Wohl des Volkes über alles setzen, oder ihr Ende hat geschlagen. Das Zentrum ist doch kein „adeliger Klub". Auffallend ist es freilich, daß gerade eine große Anzahl katholischer Adliger gegen das Zentrum auftritt; man hat das schon bei den letzten Wahlen beobachtet. Auf der anderen Seite aber weisen wir darauf hin, daß das Zentrum auch eine ganze Anzahl Adliger in seiner Mitte hat; so traten erst kürzlich neu

hinzu: Graf Galen und Erbprinz Löwenstein. Diese beiden Namen wiegen Dutzende von ver­grämten Politikern auf weltfremden Schlössern auf, die sich weder um die wirtschaftlichen, noch politischen noch religiösen Fragen des Volkes kümmern, aber zn den Wahlzeiten ganz erbittert sind, daß nicht alles nach ihrer Pfeife tanzt. Den einsichtigen Adliaen ist es längst kein GeheimntS mehr, daß sie nur dann einen Einfluß haben, wenn sie mit dem Volke arbeiten. Im übrigen sagen wir es offen heraus, daß uns die treue Mit­arbeit der Scharen voit Arbeitern, Handwerkern und Bauern wertvoller ist, als der hohe politische Anspruch, den femand wegen seines Namens zu stellen wagt. Wenn die Deutsche Vereinigung also in der Richtung arbeitet, um ein starkes Her­vortreten dcs Adels i'u Zentrum zu erzielen, so könnte die Kanone anch nach hinten losgehen. Wir haben absolut keine Abneigung gegen den Adel; er ist uns sehr willkoinmen, wo immer er Mitarbeiten will; aber wenn er nur komnit, um seine Macht zu zeigen, findet er verschlossene Türen.

Geradezu töricht aber ist der Vorwurf, daß das Zentrum für die Landwirtschaft nicht genügend tue Wer dies behauptet, beweist nur feine politische Unkenntnis. Anerkanntermaßen geht es heute der Landwirtschaft besser als seit tanger Zeit: aber das ist mit die Folge der Wirt- schaftspolitik. die das Zentrum geführt hat. Ein­sichtige Landwirte geben das bei jeder Gelegen­heit zu, so sagte mir erst vor einiger Zeit ein protestantischer Bauer: „Ja, wenn wir das Zen­trum nicht gehabt hätten, wären wir Bauern verloren." Das stimmt! Aber das Zentrum ist eine Partei, die alle Schichten dcs Volkes um­faßt, und das auch für andere Stände eintreten muß; auch diese haben ihr gutes Recht! Kein Vernünftiger kann es dem Zentrum verübeln, wenn es sich auch der Arbeiter aller Art und des Mittelstandes annimmt: es ist das sogar seine Pflicht; denn anch sie find Telle des Volksgan­zen. Wer also die Landwirte gegen das Zentrum aufzuhetzen lucht, der handrlr nicht im Sinne der Kaiferrcde zu Münster, die den wirtschaftlichen Ausgleich predigte. Das können sich die Macher der Deutschen Vereinigung an den Spiegel schreiben.

Was die Deutsche Vereinigung anstrebt, wird von uns bekämpft; wir bleiben vor wie nach das alte sturmerprobte Zentrum, die unabhängige, freiheitliche Lolkspartei für Wahrheit, Freiheit, und Recht!

Deutsches Reich.

1. Der Reichstag, dessen Wiederzusammen- tritt am 8. Januar erfolgen soll, wird, wenn er bi» Ostern, trotzdem eS in diesem Jahre ziemlich spät fällt, den Etat erledigen und aus dem Gebiete der eigentlichen gesetzgeberischen Arbeit nennenswerte Erfolge erzielen will, mit der ihm zur Verfügung stehenden Zeit Hans- HSlterisch umgehen müssen. Am 8. Januar wird zunächst daS Schlußwort zu dem Zentrums- antrag über den gewerblichen Mittelstand ge­sprochen^ dann folgt der konservative Antrag über die Prioatbeamtenversitierung. Hieraus werben in den folgenden Tagen die Vor- lagen beraten itnb zwar zunächst der Novellen betreffend den UnterstützungSwihnütz, den Schuh der Vögel, die Maß- und Kewichlsordnung, das Viehseuch ngesetz, die Haftpflicht des Tierhalters, der kleine Befähigungsnachweis, die Gewerbe- ordnungsnooelle, das VereinSgesetz und das Börsengesitz. Dann soll mit der zweiten Lesung des Etats begonnen werden und zwar zunächst

mit dem Flottengesetz. Die Steuervorlagen und die Beamtenvorlage hofft man anfangs Februar in die erste Lesung zu bringen. Die Schwerinstage sollen genau eingehalten werden. Je nach 14 Tagen wird der Samstag und Mon- tag freigegeben. Am 8, April sollen die Oster­ferien beginnen. Die erste Pause tritt am 2.5. Januar ein und dauert bis 28. Januar. Für die Elatsberatung selbst stehen nur 30 Tage zur Verfügung, eine sehr knapp bemefitne Zeit.

* Das preußische Staatsministerium hielt unter dem Vorsitz des Fürsten Bülow am Frei- lag eine Sitzung ab, um, wie der »Berliner Lokalanzeiger' meldet, die Entwürfe betreffend die Aufbesserung der Beamienbesoldungen und die Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusfes towie beireffs dec Ziwlprozeßordn rng zu beraten. Die zuletzt genannte Vorlage, Erleichterung und Verbrlligung des amtsgerichtlichen Verfahrens, soll dem Reichstag Ende Januar zu-ehen.

* Probeprägungen von 25-Pfennig-Stücken verschiedener Art lregen nach der,'JtationaUig/ bereits an zuständiger Stelle vor. Die Reichs- Verwaltung steht der Einführung dieser Münz- jorte keineswegs ablehnend gegenüber. ES soll aber eine allzu plumpe Form vermieden werden und unter allen Umständen sede Verwechselung mit anderen Münzen ausgeschlossen sein. Das vorgeschlagene Mittel der Durchlöcherung, die nur bei einigen belgischen und rumänischen Münzen stattfindet, wird von dem ReichSschatzanil abgelehnt, weil die Durchlöcherung uiffchön ist.

NolksmrWMches Md Sovaks.

* Krefeld, 3. Januar 1907. Die Arbeit­geber haben heute beschloffen, Dientag die Be­triebe wieder zu öffnen, jedoch von neuem zu sperren, wenn nicht die Mehrzahl der Weber die Arbeit wieder ausnimnrt.

Harden — 4 Monate Gefängnis!

na. Be rlin, 3. Jan. 1908.

Heute war Harden erschienen, und der Prozeß konnte dabcc seine» Foripaug nehmen. Zuerst kam es abermals einer langatmigen Auseinander­setzung zwischen dem Oberstaatsanwalt und Ju­stizrat Bernstein nicht über den Grafen Moltke, sondern über tzm Fürsten Eulenburg. Justizrat Bernstein, als Harder,§ Vertcidigcc, hielt es für angebracht, noch letzt zu bestreiten, daß für die Hinfälligkeit der Anschuldigungen gegen den Grafen Moltke der Beweis erbracht sei. Dan» folgte das lange erwartete Schlußwort Har­tz e n 3. Er fiitzrte aus, er habe im Hause Bis­marcks Eindrücke über den Eulcnburgsche» Kreis empfangen, die auf ruhigen, sachlichen, und häu­fig wiederholten Aeußerungen Bismarcks be­ruhen. Dieser habe immer eine ungünstige Mei­nung von Eulenburg gehabt und habe häufig dararrf hingewiese.r daß ein Teil seiner Gesähr- lichkeit auf normwidrigen Momenten beruhe. Ein Mann tote Bismarck werde doch, ehe er ein so harte? Urteil fälle, geprüft haben, was voc- licge. Die Gattin Moltkes habe auf ihn einen absolut zuverlässigen Eindruck gemacht. Dann habe er die Ehesckeidnugsakten genau geprüst und sich ein Urteil gebildet. In den Artikeln der „Zukunft" fetin Beleidigungen nicht enthalte». Von einer Kaw.arilla habe er nicht gesprochen. In dem Zusammentreffen zwischen Eulenburg und Lecomke hörten auch andere Leute, die heitte »och a» Verantwortlicher Stelle stehe», eine Ge­

fahr gesehen. Hochgestellte Persönlichkeiten ver­lören ihre Stellung nicht, weil etwas über sie ge­schrieben sei. Man wolle ihm Dinge zur Last Ie.jC.1, für die er nicht verantwortlich sei. Har­den schließt, das erste Prozeßverfahren habe ihn nicht erfreut. Moltke sei nach seiner Ansicht zu viel geschädigt worden. 'Tein Vaterlantze habe er dienen wollen. Collie er nun dafür eingcfperrt werden und die ungeheuren Kosten tragen, so habe er das nicht verdient.

Nach zirka sistündjper Beratung verkündete der Gerichtshof das folgende Urteil:

Ter Angeklagte Maximilian Harden Wirtz wegen Beleidigung aus Grund des § 186 deS Strafgesetzbuches zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten und in die Kosten de0 Verfahrens verurteilt. Außerdem ist auf Vernichtung der betreffenden Nummern der „Zukunft" und au- Urteilsverkündung in ver­schiedenen Zeitungen erkannt worden.

In der Urteilsbegründung wird bet Einwand des Angeklagten auf Unzulässigkeit deS gegenwärtigen Verfahrens für hinfällig erklärt. In materieller Beziehung habe die Verhandlung ergeben, daß der Angeklagte den Grafen Molike als homosexuell lingestellt habe. Strafbar fei der Angeklagte nach § 186 nur, wenn die ver­breiteten Tatsachen nicht erweislich wahr seien. Die mündliche Verhandlung habe aber ergeben, daß sie unwahr seien. Tie Beweisaufnahme habe nichts ergeben, was die Richtigkeit der Erklärun­gen Maltkes und Eulenburgs in Zweifel ziehen könnte. Dec Angeklagte habe den Nebenkläger durch üble Nachrede verunglimpft und sei nach § 185 zu bestrafen. Der Schutz des § 193 sei dem Angeklagten nicht zuzubilligen. Voir einer Geldstrafe könne bei der Schwere der Releidi- gttng nicht die Red« fein. Es könne nicht der Ver­dacht zurückgewiesen werden, daß bei der 23er- östentlrchunz auch Sensationslust mitge- spielt habe. Scharf zu rügen sei die Leicht­fertigkeit, mit der der Angeklagte vorge­gangen fei. Die Grundlage dec schweren Bcschul- digung seien einige Aeußerungen Bisumrcks, die dieser in der Erbitterung gebraucht habe, ohne Bezugnahuw nach der geschlechtlichen Seite, fer­ner Gerückte und Mitteilungen der Frau o. Elbe, in deren Beurteilung der Angeklagte hätte vor­sichtiger fein müssen. Nur weil Harden schwer krank sei, sei das Gericht dem so maßvollen Antrag des Staatsanwalts beigetreten.

Daß Hartzen nicht straflos ausgehen würde, war nach dem Gang des zweiten Prozesses vor- cmszusehcil. Dec zweite Prozeß lieferte ein ganz anderes Bild als der erste Prozeß. Was unter Ausschluß der Ocsfentlichkeit vocgckommen ist, entzieht sich der Kenntnis, aber das Material der Zeugenaussagen aus der ösfentlicheu Ver­handlung reicht schon aus, um zu dem Urteil zu gelangen, daß, soweit Graf Moltke in Betracht kommt, die Behauptungen des Angeklagten Har­den nicht stichhaltig toaren. Seine ganze Aus­sage hat sich aufgebaiit auf den Mitteilungen der Frau v. Elbe. Daß das Ehepaar Schweninger dem Angeklagten dieselben Aussagen gemacht hat, kommt nicht in Betracht, denn diese haben aus derselben Quelle geschöpft wie Harden, nämlich aus den Darstellungen der Frau v. Elbe. ES ist billig, darüber zu diskutieren, ob es Harden möglich gewesen wäre, die Aussagen der Frau v. Elbe auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Aber trenn er, wie er selbst in seinem Schluß­worte zugegeben hat, ihr einseitig geglaubt hat, hat er auch die Folgen davon zu tragen. Wenn Harde» die Sackte so darstellt, als ob seine Ar­tikel ganz harmloser Natur gewesen wären und alles das, was die Anklage aus ihr herausgelesen

± 8ulda als Smigrantenasql.

In Nr. 214 des vorigen Jahrgang- der,Fuldaer Zeitung' wurde mitgeteilt, daß die gräfliche Familie von BooS zu Waldeck im Jahre 1794 vor den Bedrängnissen der Revolution ihre Zuflucht in Fulda gesucht hat. Auch der „Rheinische Sntiquariul* weist wiederholt darauf hin, daß Geistliche und Aristokraten vom linken Rheinufer im letzten Jahrzehnt deS 18. Jahr­hundert» nach Fulda geflüchtet sind. So gibt er Abt. I., Bd. 1., S. 271 die Notiz eines Zeil- genvffen wie folgt wieder: „Die Irmin ec Fr ä ulen von Trier haben sich in's Fuldische begeben und ihren Kellner nebst vielen HauSleuten int Kloster gelassen."

Wenn nun auch die Angaben deS „Rheinischen Anliquarius" manchmal mit Borsicht a fznnehmen sind, der Reim unseres alle» Fuldaer Poeten Welle, den ich in dem betreffenden Artikel zitierte:

„In dem Srnigtanlenjahr,

Wo Fuld der Ort derZuflucht war"— läßt doch schließen, daß es mit der Sache seine Richtigkeit hat.

Nun findet sich auch in einer vor kurzem zur Weihe der neuerbauten St.Pauluskirche i>. Tri« r erschienenen Festschrift') dieselbe Nach, richt betreffend die Jrminernonnen wieder. Der Versaffer, Herr Domkapitular Grünewald m Trier, weiland Pastor der Pfarrei St. Paulus, gibt nicht nur eine Uebetsicht über die mehr als zwölfhundertjährige Geschichte der Pfarrei, sondern er hat auch die wichliasten Ereignifle des alt- ehrwürdigen Jrmioenklosters, das ja aufs engste

tz Trier, 1907. Im Selbstverlag deS Pfarramte» fm St. Paulus.

mit der genannten Pfanei verbunden war, von feinen ins 7. Jahrhundert zurückgehenden Anfängen bis zur Auflösung verzeichnet.

Seite 122 heißt es:

„Mittlerweile war die französische Revolution ausgebrochen, die mit ihrem unsäglichen Elend unser Trierer Land nur zu bald heimsuchen sollte. Beim Herannahen der Franzoien im Sommer 1794 waren die Jrminer Nonnen nach Fulda geflüchtet. Im Kloster hatten die Reoo- lutionssoldalen rasch alles ausgeleert, Fenster zerschlagen, Zimmerböden aufgerissen, Türen weggenommen."

Allerdings haben die Fuldaer Gerichts, schreiber dieser emigrierten Trierer Klosterfrauen keine Erwähnung getan, indeffen findet obige Nachricht eine geivifse Bestäligung durch einen alten Grabstein, der auf dem Dor fkirchhos in Neuhof liegt. Dieser trägt folgende Aufschrift: Hier ruht — die — Hochwiirdige — Hrchwohl- gebotene — Eleonore Reichssreiin — v. Wangen — zu Geroldseck — Benediktsorden — zu Sankt Irmin — in Trier. — Geb. den 25. . . ,'j 1750. — Starb den 30. . . .*) 1804.

Schon vor ungefähr dreißig Jahren, als das verwitterte Denkmal noch, von einem Rosen- strauch umrankt, an der Kirchenwand lehnte, blickte es mich wie ein Rätsel an. Wie war die einem elschsischen Edelgeschlechte entstammende Trierer Benediktinerin wohl nach dem fernen, fuldischen Amtsdorf Neuhof verschlagen worben? 'Run aber will mir die Äsung sehr einfach er­scheinen. Hal doch auch der letzte Propst von Johannesberg, Ludwig von Schönau, im Jahre 1806 am 8. Oktober zu Neuhof sein Leben im Alter von 61 Jahren beschlossen.

•) und •) unleserlich.

Und da auch er einer elsässischen Adelssamilie angehörte, fo liegt die Vermutung sehr nahe, daß jene von Trier geflüchtete Reichssreiin Wangen zu Geroldseck eine nahe Ver­wandte von ihm gewesen fei, der er in seinem Hause gastliche Ausnahme gewährte.

Sie mag wohl die einzige Konventualin des „ Deren klosterS“, wie es im Trierer Volksmunde genannt wird, gewesen fein, die im Fuldaer Land ihr Grab gesunden hat. Denn aus der genannten „Festschrist" (S. 94, 95) erfahren wir noch folgendes:

„Im Sommer 1794 beim Herannahen der Franzosen flüchteten sämtliche Jrminer-Nonnen auS ihren gottgeweihten Räumen und suchten jenseits des Rheins Unterkommen. Die liebet- lebenden kehrten zwar nach einigen Jahren zurück, fanden aber ihre Abtei in der trostlosesten Ver­wüstung und mußten in der Stadt Wohnung nehmen. 1808, am 24. März, starb die Aebtissin Maria Henrika von Löwenhaupt im hohen Alter von 80 Jahren, von den alten Trierern hochverehrt als „die letzte gnädige Frau von Deien“.

Nicht besser al» den Klosterfrauen von Deren erging eS den Nonnen deS hochadeligen Bene- viktinerinnenklosters Marienberg bei Boppard. Auch sie mußten am 25. Dttober 1794 den feindlichen Truppen weichen. Eie flüchteten auf ein Landgut des Freiherrn v. Fries m der Gegend von Frankfurt, das Kloster aber wurde von den Franzosen besetzt und als Nationaldornüne erklärt (So Hösterrnann, „Marienberg ernst und jetzt.“ S. 26, Boppard a. Rhein 1903.

lieber die letzte Aebtissin dieser nahezu sieben­hundert Jahre alten Stiftung, sie war eine Freiin Augusta von Mauderad», macht uns >

Ehr. oon Stromberg im.Rheinischen Anti. quariuS'') folgende interessante Milteilung:

„Mehrere Jahre nach der vollständigen Aus­lösung des Konvents habe ich die Aebtissin kennen gelernt, 1807, welche, wenn ich nicht irre, einige Jahre später zu Fulda gestorben ist. (?) Sie imponierte mir sehr durch )ie Fein­heit und Würde ihres Benehmens, die sch auch, zusamt einen wohlangebauten Geist in ihrer Korrespondenz nicht vetlduqneten; daß sie eine wahre Schönheit gewesen, ließ sich auch jetzt noch erkennen.“

Zum Schlüsse fei noch eines marmornen Denk­mals aus jener Zeit gedacht, auf dem in unaus­löschlicher Schrist Fulda als ein Ott der Gast« lreundschaft gerühmt wird. Es ist jenes Epita­phium, das sich im nördlichen Seitenschiffe der hiesigen Stadlpfarrkirche nächst dem Sk. Aloysius« Altäre befindet und folgende Inschrift zeigt:

Hie jacet — Religiosae — Memoriae Vir — Ker555 et 1115“ D Joannes — Maria — Cnchot d’ Herbain — Episcopua Alasconien- sis — SufErag: Trevir: — Studiis Conailies — Scrientia Facti» — Lucena et Ardena — Quem — in Jesu Christi causa — Domo extorem — Excepit Hospitalis — Fulda — Domesticum Fidei — Donec Evocatua — Hinca Christo — Emigrant in Patriaem — 31. Octobris 1801 — Aetatis suae A4 — 74 Sacerd. 50 — Consecr. Episc. 24 — R. I. P. — Posuit J. M. Ward — Beauvoir — Defuncti ex Sorore — Nepos.

Aus dieser Inschrift erfahren wir mit unzweifel­hafter Sicherheit, daß das gastfreundliche Fulda einem Weihbischof von Trter Aus­nahme gewährte bis zu fernem im 74. Jayr, feine» Lebens, im 50. feines Priestertums und tut 24. seiner Bijchöfl. Konsekration erfolgten Tode.

0 «Rhein. Anliquarius 4. Baud 830.