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Bnbatt gewährt.
Lvtationrdrucknnd »erleg der Fuldaer 211- henbruderet in Fulda Lernsprecher Nr. 9.
300.
Fulda, SamSlaq Den 31. Dezember 1910.
Erstes Blatt
37. Jahrgang.
fcta. Mit solch« Geschichten sollte Man pifarit bin.
des Kürst«
ben. Bei der Anonymität der Zeitungsartikel kam b« Hauptauschuß ndt einer solch« Angabe nicht» auSrichten.
^estscheZ Reich.
** Berlin, 30. Dez. 1910. Der Kaiser nahm Freitag vormittag im ReuenPalais Lei Potsdam den Vortrag des Lhefs des Mlttärkabinetts, v Lyncker, entgegen. Abends war das Kaiserpaar zur Borstellung der Aida im Königlichtti Opernhaus«. — Der König von Württemberg hat am Donnerstag dcn Staatssekretär im Auswärtigen Amte, von K i d e r l e n-W ä ch t er, der bekanntlich zum Besuche strnrr Heimat und seiner Verwandten in Urlaub in Wür: emberg weilt, in Audienz empfang«. — Für '^’m1 ®l;cm neuen Offiziertorntster war ein Preisnusschreiben vsm Kriegsministerinm veranlaßt worden Nach dem Ergebnis der Prüfung der «ngesandten Offiziertomistermuster war keine» zur Emfuhnmg geeignet. Daher wurde von der Zutet- hu/ .in8I1c^tEn Greises abgesehen. Dagegen wurden ■ --(Uftent kleinere Geldpreise zu erkannt. — Der
,® 2 ,r 1.” i ist in Agra, einer der Lttesten und H« ei^^rC^Ultl'rft5ttcn btS nördlich« Borderitz.
-bec Anwendung beS Polen-Enteig» m war neuerding« viel bie Rede.
JRnf kas bestimmteste roatbe angetfinbiat, bie An» l
** Der böhmische Landtag wird noch vor dem Reichsrat in der zwerten Hälfte deS Januar ein» berufen. Die Stimmung für die nächsten Ausgleichs» Verhandlungen ist gut
*♦ Die Hafenarbeiter von Barcelona haben gestern den Sympathiestreik für die im Ausstand de» findlichen Kohlenardeiter eröffnet Kein Schiff konnte befrachtet ob« gelöscht werden. Die Zahl bet Aus» ständig« beläuft fich auf 12000. Deutsche und amerstanische Häuf« «baten von der Regierung Truppen, welche ihn« Schutz gewähren sollen, da» mit sie ungefährdet ihre Waren aus dem Bojen schaff« könnten. '
** Der Ferrerrummel war zugestandenermaßen nicht in b« Entrüstung über eine .Rechtsverletzung begründet, sondern es sollte ein internationaler An» sturm fern, der den Katholizismus hinwegfegen sollte. Dazu ist es sa nun nicht gekommen; das Ende des schmachvoll« Rummel« ist vielmehr eine erbarmungslose Blamage der Betrüger und Betrogenen. Wir wollen nicht ber ganzen Ent» Wicklung der Affäre nachgehen. Wie der Ausgang ist, baS zeigt in ihrer Nr. 1388 bk liberale .Köln. 8{8-"r bie fich seinerzeit dem Lärm auch nicht ganz halte entzieh« können, ab« doch bald gestoppt hatte. Jetzt schreibt da« Blatt unter der Spitz» marke: .Eine neue Wenbung im Falle Ferrer" folgendes:
«e parlamentarische Gruppe der Republikaner hatte ben asturisch« Abgeordneten Melquiades A lva- rez, ein« der besten Jurist« Madrws, mit dem genauen Studium der Akren des Prozesses Ferrer beauftragt; Herr Aloarez, der gleichzeitig ber glanzvollste Redner der republikanisch« Partei ist, sollte danach mit einer großzügig« Rede die Verhandlung tm Parlament «Inletten. Rach genauem Studium der Akten hat er feinen Freunden «rfiärt, in dem ganzen Prozeß
Er nicht de» geringsten juristischen Kedler entbeete» können, aui welchem Grunde er davon abiebea muffe, as ber Verhandlung teilzunehmen. Dadurch find die extrem« Republikaner m eine große Verlegenheit gerat«- einerseits müffen sie einem xeä ihrer Wähler vormachen, als ob ste ein große« Jntereffo an der Durchführung dreier Debatte hätten, anbetfett« rotff en ste, daß aas legrerer fich nur eint StSrdrrtg de« Ansehen« bet tbeeüutoen konservativ« «sinister Staue» uni üa Aterrta ergeben kann. Wenn man von wenigen Hechtsps« adsteyl, hält der v er» xlefttji« TeU des Volkes bie «ach« für voll»
Ausland.
** Krifis in Portugal.
In Lissabon herrscht immer noch eine strenge Zensur. Rur ganz oereiuzelt gelang« Nachrichten Über die Grenze. Meist lass« diese, wie auch die gestrige Meldung be8 „Temps" erkennen, daß sich Portugal in einer tiefen Gärung befindet, daß die Stellung der gegcnwärtigeu provisorisch« Regierung geschwächt, die Unzufriedenheit mit ihrer Politik groß und die Einigkeit im republikani. schm Lager dahin ist. Die weiterhin aus Liffabon emgetroff«« Nachricht« smd äußerst beunruhigender Natur. Sie bestätig«, die gegen di« Regierung gerichtete Bewegung in der Armee und Marine. Tatsächlich hat denn auch die Regierung ein« Kreuzer, dessm Besatzung im hohen Maße verdächtig «sich«, von Liffabon weggeschickt Anderseits schickte auch der Gouverneur von Oporto ein« Kreuzer fort, desim Besatzung strmg republikanisch gesinnt war Zahlreiche Offiziere und Mannschaften des Heeres und der Marine sehn« sich offenbar nach der Monarchie zurück. Wieder andere halt« mtt der radikalen Partei, sodaß die Regierung zu chrem Schutze nur auf ein« recht geringfügigen Prozentsatz der Wehrmacht rechnen kann.
DaS Kabinett scheint kein rechtes Zutrau« zur Bevölkerung zu haben, denn gerade jetzt hat es ein neuer Dekret herausgegeben, durch welches das alte Gesetz, das Beleidigungen geg« die Krone bestraft, auch auf Beleidigung« gegen dieRepublik ausgedehnt wird. Der Präsident wird für unverletz- l i ch erklärt. Jede Bewegung, die auf die Herbeiführung des UnisturzeS oder aus Wiedereinführung der Monarchie hinzielt, wird als Hochverrat betrachtet und str«gstenS bestraft. So selbstverständlich diese Maßnahme an sich ist, so deutlich bezeichnmd ist doch der Erlaß diese- Dekrets gerade im gegenwärtige« Augenblick.
Wie verlautet, bereitet die Madrider Regierung angesichts der Zuspitzung der Verhältnisse in Portugal eine mMSrische Einmischung vor. An der portugiesisch« Grenze sollen Trupp« zusanunenge» zog« werden, die jederzeit nach Portugal einrihfcn können. DaS Minssterium Canalejas sei zu diesem Schritt mffchlossm, um einer reoolutionör« Bewegung in Spanien vorzubeugen und ein Eingreifen der spanisch« Revolutionäre in die portugiesische Bewegung zu verhindern. Die Jntervmtton solle jedoch nicht ju Gunst« König Manuels go- schehm. Vielmehr werde deff« Cnfa, der Herzog von Oporto, der auch jefct noch im Lande zah^ reiche Sympathien blitze, als Thüonprätendmt genannt
Die Regierung in Portugal hat natürlich ei» Interesse daran, eS so darzustellen, als ob an den Krisengerichtm nichts sei und daS Land sich in schönster Ruhe befinde. So erklärte in Paris der dortige portugiesische Geschäftsträger einem Bericht- er(tatter, er habe von seiner Regierung mehrere Depesch« erhalten, den« zufolge die Lage in Porta- gal durchaus ruhig sei Aber, so mußte er doch hinznsSgen, die Regierung stehe zweifellos mancherlei Schwierigkeiten gegenüber, die republikanische P«tei sei entzweit und cmch im Volke herrsche eine gewisse Unzufriedenheit. Unter den Arbeite« der öffentliche» Betriebe seien A uS stände auSgebroch«, doch dürft« dieselben dank des EmsHprettens der Regierung bald beigelegt sein.
z An ver Jahreswende.
Das vergangme Jahr hat viel Hese zutage gefördert, aber keine Klärung gebracht. Alles stand unter den Rebeln der jüngsten Vcrgangmhett und richtete die Augen auf die für 1911 angesetzte Wahlschlacht, von der man die Entscheidung über die innerpolktische Ent- Wickelung erwartet.
Ob im nächst« Jahre die Sonne der Klarheit wirklich schon aufgehe» wird, ist freilich noch nicht ausgemacht. Die Wahlvorbereitungen sind so wirr und wild, daß leicht ein ganz unbrauchbares Ergebnis ein lebensunfähiger Reichstag zum Vorschein kommen kann, so daß die Befragung des Volkes wiederholt werden müßte Es bleibt für die verschiedenst« Be- firchtungm und Hoffnungen noch Raum, da daS verflossene Jahr nichts zum Abschluß gebracht, weder daS alte Geschirr ausgewaschen, noch den neu« Tisch gedeckt hat.
In der auswärtigen Lage ist die Entwickelung immerhin noch schneller und weiter vorgeschrtt- ten, als in unserer inneren Politik. Die Nengrup- pienmg der europäischen Mächte ist wmigstmS schon In Gang gekommen, während die Reorganisation des deutsch« Parteiwesens trotz aller Red« im Reichstag und auf ben Parteitagen noch auf dem alt« Fleck steht.
Das Kennzeichen des verstossen« Jahres ist daS zähe Werben der Regierung um den Wiederanschluß »er nationalliberalen Partei oder wenig- stens des rechten Flügels dieser Partei. Ihre große tittiun der preußisch« Wahreform ließ die Regierung teShalb im Sande verlaufen, weil sic die Zustimmung der Nationalliberalm zu dem Kompromißwerk nicht finden konnte, — nicht einmal durch die schöne -Liebesgabe der Erweiterung der Drittelungsbezirke. Bei dem Wechsel im Ministerium wurde die Rechte berücksichtigt in der Berufung des Her« v. Dallwitz und die nationalliberale Partei durch die Berufung des Bürgermeisters Lentze. Auch bie Ernennung des Fchni v. Schorlenitt-Lieser war auf das Wohlgefallen ber Mittelparteiler berechnet Das schnelle und entschiedene Eingreis« des Reichskanzlers gegenüber der Borromäus-Enzyklika paßte ebenfalls in jene Samm- lungspolittk, die sich auf die Heranziehung der Na- ttmalliberalm zuspiht. Und als Herr v. Bekhmann .Hollweg zu Beginn der Wintertagung eine besonders große Rede hielt, bildete die erzieherische Einwirkung luf die Rationallibera'en dm rotm Faden. Die Kriegserklärung gegen die Sozialdemokratie war zugleich eine Friedens- und Frcundschafiserkläruug an die Adresse der noch positiv gerichteten Liberal«.
Die öielur morbenen Bassermänner haben in die weit ausgestreckte Hand noch immer nicht eingeschlag« Mit größter Zähigkeit halt man dort an der „Taktik" fest: bis zu den nächst« Wahlen keine Zeichen der .Annäherung an die Regierung oder die Rechte zu i geben, sondern die WahlUnterstützung von links nach 'Möglichkeit sich nutzbar zu machen, um n a ch der er= f hoffte» Niederlage des .schwarz-blau« Blocks" der Regierung die Bedingungen vorschreibcn zu können.
Es läßt sich nicht verkenn«, daß das unermüdliche Nachlauseii und die Sch« der Negierung vor dem Afchwarzblnuen" Etikett das Selbstbewußtsein der na- 1 i cm el liberal en Partei auf eine ungesunde Höhe gebracht hat. Sogar der eindringlich« Hinweis auf die gewaluze Bedeutung der Schutzzollfrage hat es nicht vermocht, den rechten Flügel von der verwegenen Spe- htlatinn auf das Wahl glück des Großblocks abspmstig zu machen. An: Ende des Jahres hält man dort noch ebenso wie am Ansang den Glauben aufrecht, daß der Kaiser und die Regierung ohne die nationallibe- tael Partei überhaupt nicht fertig werden könnten, j -tud) nicht einmal wollte».
> Unsere Partei kann sich demgegenüber beruhige» mit der bisher unerschütterte» Haltung der Konservativen und mit der Tatsache, daß eine positive Mehrheit im Reichstag ohne das Zentrum überhaupt nicht mehr möglich ist. Aber wenn wir die Erfahrung« des letzten Jahrzehnts in Be- tracht ziehen und alle Stimmungen und Strömungen unbefangen brachten, so ergibt sich die Rotwendigkett, nicht bloß iiu Jutcresse der Partei, sondern auch des iiwLirn .Friedens, daß wir mit all« Kräft« jeglicher Schlappe bei dm Wahlen, auch einer Htm« und vorübergehenden. vorbeugen und die Unerschütterlichkett des alt« ZmtrumSturmrs überall recht drastisch de- maattner«.
3m alten jsahr ist wenigstens nichts verdorben ward«. Im neu« Jahr möchten wir viel gebessert sehen; aber die Verwirklichung dieser Hoffnung wird viel Anstrengung, schwere und zähe Arhtrwgvug erfordert,. Wmn das Wahljahr 1911 zum Schluffe köstlich sein sollte, so wird es ein Jahr voll Aühe rind Arbeit gewesm sein.
: Bülow auch eine perjönliche Genugtuung nach diesem Bortonwmis gewesen fei-"
Di« ,Frcwlft. Ztgck, bü zwar ihr« HeroS, d« Fürsten Bütaw, geg« den Vorwurf in Schutz nimmt, daß er die Auflösung des Reichstages direkt abgeleugnet habe, bestätigt bie obige Darstellung indirekt, indem sie schreibt:
Jene ReichstaKsauflöfrmg war, wie lein« zuvor, ' eine Ueberraschung, und Bülow hot gewollt, , baß sie mit der Straft ber Ueberraschung wir!«, und daher hat «r st« bis zuletzt mit einem Geheimnis umgebet und ste, das kann man glaube», auch dem Reichstagsprästdenlen gegenüber nicht verraten. Dieses Berhalte» «rttärt sich aber auch noch aus ber Tatsache, daß er jene Auslösung damals als ein«» Appell an bie Wähler zur Einleitung ber Politik, die man später Blockpolitik genannt hat, gewollt hat, und daß er 1 ein Kompromiß mit dem Zentrum nicht mehr ge- t wüujcht bat
• — Das letzte öffentliche Auftret« des f Reichs.
: tagspräsidenten Grafen Ballestrem erfolgte gelegentlich = der Katholikenversammlung in Breslau. Unter großem Jubel und Beifall war er zum Ehrenpräsi- : deuten erkoren worden. Gestützt auf ein« Stack . und geführt vom Fürst« Löwenstein und Dr. Porsch betrat er die Rednerbühne und hielt trotz der noch bestehmden Folgen des Schlaganfalls eine stische Ansprache. Er wies darauf hin, daß er schon an dm 1 zwei letzt« Generalversammlungen in Breslau aktiv ttilgenomm« habe als Präsident des Lokalkomitees.
; Dann kam er auf feine parlamentarische Tätigkeit zu sprech«. Er habe gedimt unter ben groß« Männern Windthorst, v. Diallinkrodt, Gebe. Reich ensper- ger, Schorlemer-Alst, der Frankmstein, Savignh; unter ihn« habe er seine Karriere als Verteidiger der kacholischen Kirche in Deutschland begonnen. Bon dies« erlauchten Männe« habe er viel gelernt; sie HSttm besonders ein Prinzip gehabt. Und dies HSttm sie wiederholt, so oft sie könnt«, fie rief« immer dm Kacholikm Deutschlands zu: Seid einig, einig, einig! Dieses Wort wolle auch er at3 Veteran der katholisch« Partei dm Kacholikm zu- rufen.
„Es ist nicht schwer," fuhr er dann fort, „Ihnen dies ans Herz zu leg«, denn wir sind ja einig in ben Prinzipien, bie mafcaebenb find; wir sind einig in unterer Belehrung, Gesinnung und Gehorsam geg« den heiligen Stuhl in Rom und feinen Inhaber Papst Pius X.; wir sind einig in ber Treue, Liebe und Verehrung für Se. Majestät, unseren Kaffer und Herrn und unsere übrig« Lanbessürsten. (SSetfaH) Wir find einig, meine Herren, darin, daß es die Hauptaus- gobe der Katholiken ist, bie Freiheit der Kirche, die Gleichberechtigung der Katholiken Deutschlands zu verteidig«. (Beifall.) Wir find einig aber auch darin, daß es gewisse christliche Prinzipien gibt, welche wir mit nichtkatholischen gläubigen Mitbürgern teilen (Beifall), und auch darin sind wir einig, daß wir gemeinsam mit diesen gläubigen Nichtlatholiken, nicht katbo- tffchen Christen, diese Prinzipien verteidigen müssen. (Lebhafter Beifall.» Ob wir dieses nun tn geschloffenen Genoffenschaften tun oder ob wir bo3 Prinzip des Feldmarschalls Molkke befolgen, getrennt zu marschieren und vereint zu schlag«, das ist eine Sache ber Opportunität, welche von de» maßgebend« Mäuuern zu entscheiden ist und entschieden werden wird. (Bravo 7)
Am Schluß ber Ansprache, bie ein« stürmisch« Beifall entfesselte, kam auch der nie versteg«de Humor des Graf« zum Durchbruch. Der Präsidmt Herold hatte darauf htngewies«, daß Schlefi« und Westfalen znsammengehörten. Launig bemerkte Graf B, daß er auch dieser Ansicht sei, was er dazu tum könne, habe er auch getan, er habe seine drei Töchter an Westfalen vächeiratet.
d1 Augsburg, 30. Dez. 1910. Am 27. Dezember hat der Hauptausschuß des Bayerischen Leh- rerveretnr in einer zn Augsburg abgehältmm außerordmtlichen Sitzung «ine Kundgebung gegen die Bischöfe wegen des Schreibens gegen die glaubens- und kirchmseindliche Haltung der .vayerrschm Lehrer^ttrmg" erlass«. In der Kundgebung werden bie Bischöfe ob ihrer Hirtensorge noch verhöhnt und als gewalttätige Beuger des Rechtes hin gestellt. Der Hauptausschuß meint wohl, die Bischöfe hätten keine Mittel, um ihre Mahnung weiter zu verfolg«. Gezwungen kann freilich nie- maud werden. Die Sache muß rein auf dem Bod« der Seelsorge und deS kirchlich« HirtmamieS blei- b« Aber das kann niemand verhindem, daß der besorgte Oberhirt« immer und immer wieder an die Httze» der kirchlich treu« Lehrer appelliert. Do» könnm Proteste de» HauptauSschusseS des Bayerischm Lehrervereins nicht verhindern. Im llebrig« wird diese ttefttmfte Angelegmhett das katholische Volk nicht unberührt lass«. DerEpkskopat mtt ban glaubmstreu« katholischen Volk ist ein« Macht, gegen die der Hauptausschuß deS LehrerliberaliSnmS nicht onkümpsim kann. Die Kundgebung des HauptauS» kchEes deS Bayerisch« Lehrervereins kau» nicht die glauben»* und kirchenfeindlichen Aeußerungen der „Bayerisch« Lehrerzettung" bestreite». Es wird natürlich die Ausflucht ge- braucht, eine vorurteilslose Prüfung der tn dem Or- dinariatSerlaß angeführt« Stellen an sich und tm Zusammmhang bet betreffend« Artikel ergebt, daß dm Wort« Zwang angetan werd« müsse, um An- feinduugm und Ausfälle auf die katholische GlaubeuS- lchre und bie katholische Hierarchie zu tanftruitren. Sinn und Wortlaut ber betreffend« Stell« widerlegen jedoch derlei Ausflüchte. Der Himpt. ansschutz ist als Angeklagter auch nicht berufm, jene Stell« umzudenten. Der Episkopat besitzt ffc feine Beurteilung der Sache eine Autorität, welche der Hauptausschuß de» Bayer. Lehrervereins nicht zu erschMern vermag. Der Hauptausschuß sagt ja auch Aber, „wenn einzelne Stellen sich mtt der kath» tschen Glaubenslehre nicht tm Einklang befielen sollt en", fo fd «i beachte», -daß bie Autoren der fraglich« Artikel der proto- lanti sch « Konfession angehöten." Damtt gibt ber Hauptausschuß selber seine Behauptung Preis, mit :
weudung solle rmnmehr beschlösse» werden. Die Komm jfion ist Mm Januar zusammenberufen worden; auf der Tagesordsuog steht jedoch mchls vom EntagnrmgS^esetze.
— Maffeneingobe« von Lehrer« find auf die Anregung deS Deutschen Lehrervereins bei dem Reichstage em gegangen, in denen unter eingehender Begründung der Mrnsch der Lehrer nach der Lerlechung des Schis-frn- uni) Geschworr» nen-RechteS dargelegt wird. Ein gleicher An- trag deS geschästSführenden Ausschusses des Deutsche» Lehrervereins war i» der zweiten Semng bet Str afprozeß-Kommifsio» bekanntlich abgelehnt worden.
-|- Zerstörte Hoffnungen. Welche Hoffnung« von gewisser Sette auf die Angelegmhett beä Prinzen Maxvon Sachsen gesetzt wordm sind und welch jähen Zusammenbruch diese Hoffnung« durch die Untertottf-ng de» Prinz« erlitten hab«, das bekundet recht douüich ein Artckel der „Tagt. Rundschau" (Nr. 610), der zum Verfasser d« römtschm Btttreter d«S Blattes ben abgefall«« Dominikcmttpriesttt A. B. Müller hat. Der Artikel beginnt:
„Heiliger Batet, hier steh« ich, Gott helfe mir, ich kann auch anders, so hat ungefähr Prinz Max von Sachs« zum Papst gejprochm und damit bie Hoffnungen zuschanden gemacht, die so manche an fern jüngstes Auftreten geknüpft batten. Wie oft hörte ich tn diesen Tag« den Wunsch aussprechen: Möge der Prinz ein Mann fein un» sich an die Spitze der deutschen modernistischen Bewegung stellen, um unser katholisches Boll vom Joche de» römischen Absolutismus zu erlö,«. Möge et eingedenk fein feiner Bätet aus der Reformationszeit und die Befreiungssabne mutig vorantrazen, das deutsche Boll wird chm in Haufen Gefolgschaft keiften .... Prinz Max, einer der Bevorzugtest«, der fich wegen seiner unadhängig« Stellung und wegen der Aniorttät seines Nomens ata Bahnbrecher hätte bttgeben tannen, überhörte mit Bedacht und Willen dies« Ruf aus der Seele deS deutschen Volkes, und diejenigen, die ihm eventuell bie Erinnerung an die Ahnen der Resor- mation hätten auffrisch« können, ermahnt« ihn tm offiziell« Regierrmgsorgan, ja nicht auf die Wartburg zu fliehen, sondern hübsch demütig nach Kanossa zu gehen. Jnr Frecheüstampse gegen den päpfttichm Absolutismus fchernen die deutschen Fürst« nicht mehr die Führer bei deutsch« Boltes sein zu wollen, roed sie jetzt, hhpnonfiert durch die rote Gefahr, in ihm statt einen Feind einen Bundesgenosse» und Helfer erblick«."
Wmn Prinz Maz noch einer Rechtfertigung für sein Verhalten bedurft hätte, dann würde ste in diesem giftigen Wuterguß gefunben werden können. Herr Müller beklagt «8 schmerzlich,
tm Namen eines „jeden deutschen ManneS, „baß ein deutscher Prinz in dieser Weife vor der ganz« Welt gedemülrgt worden Ist", und entrüstet fich, daß man in Rom fo wenig bie „Würde eines Königssohnes" respekliere.
Vor Gott und seiner Kirche gilt ein Königssohn nicht mehr als der einfachst« Mann aus dem Volk«, und Prinz Ma; ist der letzt«, der für sich eine bevorzugte Behandlung forderte Die für tljn diese Forderung stellm, hwideln sicher nicht in seinem Namm. Aber roeim überhaupt von einer gewiss« „Demütt- gung" gesprochen werd« muß, so müssen wir mit aller Entschledenhett darauf Hinweis«», daß Prinz Max diese» Erfolg allein und ausschließlich sein« „Freund«" in der Presse vom Schlage der „Tägl. Rmidschau" zu verdank« hat. DaS deutsche katholische Volk hat geg« den Prinz« Max keine Vorwürfe gerichtet, es hat über ihn kein absprechmde» llrtell gefällt und über seine Unterwerfung, wenn man überhaupt dieses schaffe Wort anwmdm daff, kein Befremd«, fonbem nur herzliche Freude empfunden. Allerdings, um das begreifen M könnm, muß man ein katholtfch-kirchlicheS Empfind« besitz«, daß Herr Dtülltt nach seiner eigm« Angabe n tchl hat. Dann sollte er aber auch so vernünftig fein, und sich nicht um Dinge kümmem, vo» den« er nichts versteht und die ihn auch nicht das geringste angehm. Gerade das Eingreifen der liberalen Presse hat e8 verschuldet, daß ber für ben Prinzen Mar ungünstige Schein erweckt wordm ist. Die l i t e r a I e IT'reffe hat ihn mit einem aus freundschaftlichen Rücksicht« gewiß nicht mtspringmdm Eifer als „Ketzer" hingestellt, ein «erditt, daS von katholischer Sette niemand über ihn ausgesprvchm hat. ES ist ja nicht ausgeschlossen, daß sie geglaubt hat, ihm mit dieser Bezeichnung eine Ehre anzutun Jetzt ober, da tt diesen „Ehrennamen" zurückgewiesm hat, da verdächttgt sie ihn als „unsagbar leichtsinnig", als Feigling, der „sein peffSnliches Ansehm und daS Ansehm seines Hauses und Volkes" leichfferttg aufs Spiel gesetzt habe. Wenn jemand das Ansehen des Prinz« Ma; verunglimpft hat, bann ist es allein die e t a l e Presse grwrsm, di« ibm ein nicht rühmliches Verhalt« angedichtet hat, an ba$ er nie- mate gebucht hat. Und das Ergebnis des ganM Falles ist die nun bkMgte ErkmntniS, daß die libe- raten Kirchenfeinde tn ihrem blind« Haß gegen die katholische Kirche selbst nicht davor zurüöffcheum, ein angesehene, Mitglied einer deutsch« Mirstmhause« in ber gehässigst« Weise zu beschimpf«.
. * ertommg« e» de» »tatra Bailcstre« werden vttöfffutlicht. Folgende Be- Eu°gen über d« Fürsten Bülow dürft« besonderes politisches Interesse beanspruch«:
ib« (dm Grafe, ? E? größter Aufregung, aber nicht weg« hS i*1 Stattfon, nicht wegen der »uflös^g
deS Reichstag, fonvem wegen ber «ebanbluno, bte tarn Surft «filo w hatte Mell werden I aff ex. ©ruf Saflenrem frag» ihn nämlich unmittelbar vor der Gr- öffrrrmg ber Sitzung, ob H wahr fei. baß ber Strick», tag beute «H^ft werd« würde, wen^ I
ab gelehnt würde. Der Reich,tanzler erwiderte: =>d> denk» nicht daran, e, ift k«i, Wort davo, wahr!" Und dabtt hott» « schon dt. A-rflSfungS. order tn der Tasche. Graf Balleftrem, ber mit Dem Hoch <ntf d«x Kaffer fein« Xttfltat abfchlo», äußerre fich nmtatrellx-» ee4 bttfat Sitzirng anffaOenB Ichaff« Wo«, Aber bwfe " '