JW 298.
Sotmenfeg 29. vrzcmder 1916.
37. Jahrgang.
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2. Blatt.
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einrichten, durch di« alsdann auch der diesige Ort mit elektrischem Licht versehen werden soll.
* Büdingen (Oberh.), 27. Dez. 1910. Nach dem Zusammenbruche deS Vorschuß« und Kredit-VereinS Ober»Mockstadt le. G. m. b. H.) trat sofort eine Hilfsaktion zugunsten der gefährdeten Mitglieder des Vorschuß, und Kredit» Vereins Ober-Mockstadt in die Erscheinung. So« weit als möglich sollte an die Emlage-Glüubiger eine Rückvergütung stattfinden. Um dem ganzen Vers hreu eine feste Grundlage zu geben, sollten die Kreise Büdingen und Friedberg die Gewähr» leistung für einen etwaigen Ausfall übernehmen. Der Kreistag des Kreises Büdingen hat am 17. d. M., wie schon gemeldet, beschlosien, diese Gewährleistung zu ’/s auf sich zu nehmen, wenn von anderer Seite eine Garantie vor ihm mit 30,000.* geleistet werde. Es handelt sich noch um etwa 1.500,000* Forderungen der Konkurs-Gläubiger. Die ursprünglichen Forderungen in der Höhe von 2 Millionen * sind auf diese m Betrag durch 25 % Abschlagszahlungen herabgegangen. Wenn, wie zu erwarten steht, die Vorgarantie von 30,000 * beschafft wird, so kann das Werk beginnen, das der hessischen Landes-Hypothekenbank aufgetragen werden soll.
Offenbach, 26. Dez. 1910. Veranlaßt durch die allgemeine schwierige Situation unserer Bewegung soll im kommenden Jahre eine verstärkte und lebendige Aufklärungsarbeit durch das Arbeitersekretariat Offenbach-Hanau ein» setzen. Fünf Bezirksunterrichtskurse m Somborn für dos Freigericht, in Offenbach a. M-, in Hanau, in Ober-Roden und in Obertshausen werden abgehalten; als Redner fungieren: Pfarrer Eick, Dechant Braun-Hanau, Kuratus Hilden-Neuses, Rektor Haseneier und Kaplan Schaub-Großauheim, Dr. Nebel, Rechtsanwalt Keßler, Stadtverordneter Nessel-Offenbach, Gerichtsasseffor von Erck - Groß-Steinheim, di« Sekretäre Honig, Nees, Scherer, Hainz, Frede,
* Offenbach, 27. Dez. 1910. Die Frage der Errichtung einer Kläranlage, die jetzt ja erörtert wird, ist nicht neueren Datums. Sie beschästigt schon seit längerer Zeit die Stadtverwaltung. Man war auch geneigt, eventuell mit Frankfurt gemeinschaftlich eine Klärung der Abwäffer zu betreiben, jedoch scheiterte diese- Unternehmen an den hohen Beitragsforderungen der Stadt Frankfurt. Nunmehr hat der Bauausschuß sich nochmals mit der Angelegenheit beschäftigt. Er beschloß unter der Voraussetzung, daß die Schaffung der Kläranlage auf eigene Rechnung der Stadt Offenbach erfolgt, einen genauen Voranschlag für die auszuführenden Arbeiten aufstellen zu lassen. Die von der Stadtverwaltung für die Vorarbeiten geforderte« 30000 Mark wurden als zu hoch befunden.
♦ Idstein, 26. Dez. 1910. Von der dem Domänen» fiskus gehörigen Gerichtsdienerwohnung, in welchem sich im oberen Geschoß das Amtsgerichtsge» sängnis befindet, brannte am ersten Feiertag der Dachstock nieder. Die Insassen im Gefängnis wurden tu ein anderes Gewahrsam gebracht.
* Eschwege, 28. Dez. 1910. Um die neugegründete Rektorstelle an der hiesigenBürger-Mädchen« schule haben sich 35 Bewerber gemeldet.
* Apolda, 26. Dez. 1910. In einer Wollwaren, fabrik wurden umfangreiche, aus mehrere Jahre zurückreichende Garndiebstähle aufgedeckt. Der Lagerhalter Ziege und der Wirkermeister Paul« wurden verhaftet.
* Nordhausen, 27. Hechr. 1910. Bei einer Feuersbrunst im benachbarten Kleinwechsungen war von unberufener Seite eigenmächtig die Feuerwehr zu Nordhaujen zur Hilfeleistung an gerufen worden. Die dortige Gemeindevertretung aber lehnte die Zahlung der für die Hilfeleistung geforderten Entschädigung in Höhe von 98 Mark ab und verwies die Direktion dex
Deutschland int Jahre 1910.
ui.
Das preußische Ministerium erfuhr Veränderungen durch das Ausscheiden des Ministers des Innern v. Moltke — wohl nicht ganz ohne Zusammenhang mit dem Scheitern der Wahlrechtsreform —, des Landwirtschaftsminsters v. Antim am 18. Juni und des Finanzministers Frhrn. v. Rheinbaben am 28. Juni. Die Nachfolger der erstgenannten wurden der anbaltische Staatsminister v. Dallwitz und der Ober» Präsident der Rheinprovinz Frhr. v. Schorlemer. Die Nationalliberalen, die wegen der Berufung dieser beiden Minister dem Reichstanzler grimme Fehde ansagten, sieckten ihr Schwert wieder ein, als auf den Posten des Finanzministers der nationalliberale Oberbürgermeister von Magdeburg, Dr. Lentze, berufen wurde. Frhr. o. Nheinbaben wurde am 4. Juli zum Oberprä- fibenten der Rheinprovinz ernannt.
Das Wirtschaftsleben nahm, nicht ohne Verdienst der durch die Neichsfinanzreform bewirkten Regelung der Reichsfinanzen, einen günstigen Aufschwung. Der Sommer brachte eine allgemeine Fleischteuerung, deren Ursachen im einzelnen noch nicht geklärt stnd . Der Reichstag hat sich kurz nach seinem Wiederzusammentritt in dreitägiger Debatte mit der Frage beschäftigt, ohne daß indes irgend ein neues Moment zu Tage gefördert worden wäre. Die Regierung befand sich in Uebereinstimmung mit der Mehrheit des Reichstages darin, daß an den bestehenden Schutzmaßnahmen für die inländische Landwirtschaft nichts geändert werden dürfe. Der Gegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erfuhr keine Milderung. Zwei Lohnkampfe von außerordentlichem Umfang, die am 8. April verhängte Bauarbeiteraussperrung und die am 11. August erfolgte Aussperrung der Werftarbeiter, wurden schließlich im Wege friedlichen Uebereinkommens zu Ende gebracht, jedoch nicht ohne das Uebergewicht der gewerkschaftlichen Organisationen zu erweisen.
In der äußeren Politik bewährte sich das neue Regime mit gutem Erfolg. Staatssekretär v. Schoen, der am 28. Juni zum Botschafter in Paris ernannt wurde, erhielt einen Nachfolger in dem Bukarester Gesandten v. Kiderlcii-Wachier. Der Abschluß des türkischen Anleihevertrags am 9. November bedeutete einen großen Erfolg des neuen Leiters unserer auswärtigen Politik. Aufsehen erregte die schroffe Absage, die der Reichskanzler am 3. Februar den Herren vom Alldeutschen Verbände, die ihre Finger gern in die amtliche Politik hineinmischen möchten, zuteil werden ließ. Die Beziehungen zu den Dreibund Mächten iuurben im Laufe des verflossenen Jahres womöglich noch inniger. Zahlreiche persönliche Aussprachen zwischen den leitenden Ministern verbürgten die Einvernahme der Dreibundmächte in den großen politischen Fragen. Am 20. September traf Kaiser Wilhelm am kaiserlichen Hofe in W i e n zu einem längeren Besuch ein. Die Wiener Bürgerschaft bereitete ihm einen enthusiastischen Empfang. Die Beziehungen zu R u ß l a n b nahmen, insbesondere nach dem Fortgang Iswolskis bon Petersburg, eine bessere Gestalt an. Am 4. November fand in Potsdam eine Zusammenkunft zwischen Kaiser Wil- helm und Zar Nikolaus statt, der am 6. November eine Besprechung des neuen russischen Ministers des Aus- toß.tir,en Sasonow mit dem Reichskanzler folgte. Als ba£ Resultat der Verhandlungen konnte dieser am 10. Dezember Mitteilen, daß betreffs Persien eine völlige Uel.'remstiminung zwischen Deutschland und Rußland erfolgt ist und daß die Bürgschaft bestehe, daß keinerlei gegen Deutschland gerichtete Bündnisse die russische Regierung verpflichteten. Das Verhältnis des deut- schrn Reiches zu England erfuhr eine kleine Besserung. Wenn von englischer Seite der »deutschen Gefahr" etwas weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde, so beruht das allerdings nicht so sehr auf einer besseren Einsicht als vielmehr auf der Tatsache, daß die Engländer mit inneren Angelegenheiten übergenug zu tun hatten. Tie Verhaftung zweier englischer Ma- rincoffizierc, die am 22. August in Borkum auf Spi o- n a g e ertappt wurden, rief einige Beunruhigung hervor. Die beiden Spionr wurden am 22. Dezember bot; Reichsgericht za 4 Jahren Festungshaft verurteilt Das belgische Königspaar stattete am
Ein gefährliches Geheimnis.
61] Roman in zwei Bänden von Charles Read e.
Mary fing an zu meinen. „O Papa, habe Geduld mit mir!" sichte sie. „Du weißt nicht, welche Gefahr unL bedroht. Warte, bis er wieder da ist . . . Ich darf nichts jagen, kann nichts sagen."
„Nun, beim Himmel, so soll er es tun!"
Bei diesen Worten hatte Hope ihren Arm los gelassen. Seine Miene war fürchterlich. Mary hing sich an irjn.
„Nein, nein! Warte, bis ich ihn gesprochen habe. Dicfcn Abend ist er wieder hier. Verurteile ihn nicht ungobört, und wenn Du Deine Tochter lieb hast, bester Vater, gchr nicht so hastig zu Werk."
„Energisch werde ich zu Werk gehen", erwiderte Hope in feftrm Tone. „Von dem Schembilde eines Vaters bist Du zu Deinem wirklichen Vater gekommen und sollst von Stunde an ebenso geschützt wie geliebt toer\m. Dein Geliebter Hat Ar verbeten. Dich dem Bat.'r anzuvertrauen; er wußte zwar nicht, daß ich eS ktn, aber das ist einerlei. Tein Benehmm hat ein üble? Ansehen, und wenn er Unrecht an Dir getan, so soll er es gut machen oder mit seinem Leben dafür Beg-^fen."
„O Vater!" schrie Mary auf. „Mit feinem Leben? — Weißt Du nicht, daß Du auch mich damit ver- mchDst?"
„Ich fürchte so", erwiderte Hope. „Aber was ist ein Leben ohne Ehre, besonders für ein Weib?"
Dann legte er feine beiden Hände auf die Schultern der Tochter. „Sieh mich an, Grace!" sagte er, und die Augen, die sie zu ihm ausschlug, blickten kühn tok die des Löwen und sanft wie die der Gazelle.
Im nächsten Moment hatte er alle Zweifel überwunden.
„Es ist eine Lüge!" sagte er; „Menschen und Verhältnisse lügen beständig. Auf diesen Wangen ist kein Erröten der Scham, kein Bewußtsein der Sünde oder ■ Schwachheit in diesen klaren Augen — Du bist sein Wem."
„DaS bin ich!" rief Grace, unfähig, länger zu widerstehen
30. Mai dem Berliner Hofe einen Besuch ab, der Ende Oktober in Brüssel erwidert wurde. Am 10. Februar stellte der niederländische Minister des Aeußeren in der Kammer ausdrücklich fest, daß die zu hetzerischen Zwecken verbreitete Behauptung, die Königin habe von Kaiser Wllhelm einen Brief über die Landesverteidigung Hollands erhalten, unwahr sei. Am 10. Mat kam der Expräsident der Vereinigten Staaten Theodor Roosevelt als Gast des Kaisers nach । Berlin. Hier hielt er am 12. Mai einen Vortrag in der Universität über die Weltkulturbewegung und wurde zum Ehrendoktor ernannt. Am 22. Juli stattete der neugewählte Präsident von Brasilien Marschall Hermes da Fonseca der Reichshaupsstadt einen Besuch ab. An der Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit der Republiken Argentinien am 16. Mai und Mexiko am 8. Septeniber war die deutsche Regierung durch Son- dergesandtschasten vertreten. Dem Beispiä der anderen Mächte folgend, erkannte auch Deutschland am 10. November die neue Republik Portugal an. Der neue Handelsvertrag mit Portugal wurde am 4. Februar nach anfänglich sehr heftigem Widerstände vom Reichstage genehmigt. Am 7. Februar wurde mit den Vereinigten Staaten ein Handelsabkommen getroffen, durch welches der deuffchen Einfuhr die Mimmalsätze des neuen amerikanischen Zolltarifs, der amerikanischen Einfuhr die Zollsätze der Handelsverträge eingeräumt wurden. Am 15. Februar erfolgte der Abschluß eines handelspolitischen Abkommens zwischen dem Deutschen Reich und Kanada. Der deutschschwedische Handelsvertrag wurde am 27. April für die Dauer eines Jahres verlängert.
Deutsches Reich.
• Die Neuwahlen zum Reichstage dürsten voraussichtlich erst Ende Oktober ober Anfang November stattfinden. Daß dieser Termin in Aussicht genommen worden ist, kann man daraus entnehmen, daß die Armeekorps beauftragt worden sind, bei Ausstellung des Uebungsplanes für 1911 in der Zeit vom 15. Oktober bis 15. November tunlichst keine Reservisten und Landwehrmänner einzustehen. Auch die Bezirkskommandos sind bereits darauf hingewiesen worden, daß die Neuwahlen wahrscheinlich in die Zeit der Kontrollversammlungen, also in den November fallen werden, und daß die Tage der Reichstagswahl mit Kontrollversammlungen nicht besetzt werden dürften.
-t. Die Kransgesellschaft, die Vereinigung der Mooernisten hat „an unsere deutschen Volksgenossen ohne Unterschied des Bekenntnisses" einen Aufruf erlassen zur Unterstützung von Geistlichen und Theologie-Studierenden, die der Modernisteneid und die übrigen neueren va'ikanischen Kundgebungen zum Verlassen ihrer päpstlichen Stellung oder Laufbahn zwingen." Unterschrieben ist der Aufruf von ein paar liberalen Preßleuten, protestantischer und altkatholischer Pfarrer und sonstigen Freunden der Krausgeseüschaft, im ganzen ca. 70 Namen. U. a. auch von einem Herrn Kurt Eichler, Zahnarzt in Kassel und dem Kgl. Lycealprofeffor a. D. Dr. Otto Sickenberger (einem jetzt verheirateten ehemaligen katholischen Geistlichen) zu Schloß Bieberstein bei Fulda.
+ Zu dem Thema „Sozialdemokratische Hurschaft in den Krankenkassen wird der ,Kreuzztg/ von einem Leser in Berlin mitgeteilt:
„Kürzlich starb der Vorsitzende der Buchbinber- krankenkasse, nämlich ent Arbeitnehmer, denn so weit geht die Parität nicht, um einen Arbeitgeber zu diesem Amt zuzulassen. Ohne die im Vorstände sitzenden Arbeitgeber zu befragen, beschaffte der andere Teil des Vorstandes au8 Kassenmitteln einen Kranz mit großer roter Schleife, der bei der Beerdigung als Widmung des Vorstandes voraufgetragen wurde. Die Arbeil- geber-Vorftandsmitalieder waren empört, doch half es nichts mehr. Ein Mitglied, das die Innung vertrat, hatte sich auf feine Anfrage noch einer höhnischen Bemerkung des Kranzti ägers auszuletzen. Die Arbeitgeber mußten also für eine sozialdemokratische Demonstration — anders kann man die rote Schiesse nicht auffaflen — ihr Geld hergeden. Der als Aufsichtsbehörde angerufene Magistrat konnte keine Remedur eintrelen lassen, weil berarlige Fälle außerhalb seiner amtlichen Funktionen liegen. Es ist nun dem Ober-
präfidenten Mittellung von dem Brrgange gemacht worden."
Und da wundern sich die Ger dssen, daß man ihre Gewaltherrschaft in den Krankenkassen nicht länger mehr zulassen will!
Ausland.
*♦ Nationale Bestrebungen der Juden in Oester- reich. Die polnischen Juden, deren in Galizien fast eine Million sind, rüsten zur Volkszählung. Alle Parteien, die unter ben Juben in Galizien arbeiten, haben sich zu gemeinsamen Vorgehen geeinigt, um zu zeigen, baß in Oesterreich die Juden als Nation von der Regierung anerkannt werden müssen. Dieser Tage fand in Krakau eine Massenversammlung der Juden statt, an der drei jüdische Parteien sich beteiligen. Die Versammlung war von der jüdischen sozialdemokra- tischen Partei einberufen Worden, es erschienen auch die Zionisten und die fortschrittlichen Juden. Der Referent Dr. Jakob Broß behauptete, daß die Juden von der Regierung mll Gleichgiltigkeit behandelt werden, obwohl die Regierung doch wisse, daß die Juden in Oesterreich das ganze ökonomische Leben in ihren Händen haben. Um für die jüdischen Volksmassen ein besseres Dasein zu sichern, müfjten die Juden trachten, auch das politische Leben in Oesterreich in ihre Hände zu nehmen. In Galizien werde dies am leichtesten geschehen. Die Juden wollen eine eigene Nationalpolitik führen und deshalb hätten sie zu beweisen, daß sowohl in ganz Oesterreich, wie auch speziell in Galizien ejn jüdisches Volk nicht nur als religiöse Absonderung, sondern als getrennte Nation lebe. Nach dem Referate sprachen zustimmend die Redner der Zionisten, der Separatisten und fortschrittlichen Juden und es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, worin alle Juden aufgefordert werden, bet der bevorstehenden Volkszählung als Umgangssprache die jüdische Sprache einzuschreiben.
** Wie es um die Gewissensfreiheit ht Frankreich steht, ersieht man jetzt wieder einmal, wo ein neuer Gesetzentwurf für dm Volksschulunterricht eingebracht wurde. Der Gesetzentwurf bestimmt klipp und klar, daß jeder, der es wagt, gegen die Skandale der Laienschule zu protestieren oder seine kleinen Schutzbefohlenen davor zu bewahren sucht, gerichtlich zu verfolgen ist. Die Kinder müssen die religionsfeindlichen (von den Bischöfen verbotmm) Schulbücher gebrauchen und müssen die gegen d ie Religion gerichteten Ausführungen der Lehrer anhören, ohne daß dagegen ein Appell möglich ist. Neben dm Vätern sind es natürlich besonders die Geistlichen, gegen die der Gesetzentwurf gerichtet ist. Sie sollen in Zukunft nicht einmal mehr das Recht haben, in Ausübung ihres geistlichen Amtes auf die Schäden eines solchm Unterrichts hinzuweisen. Tut ein Geistlicher seine selbstverständliche Pflicht, ist die Folge Verfolgung und Bestraftmg. Auch in den Zeitungm wird man in Zukunft keine Artikel mehr veröffentlichen dürfen, welche die katholischen Familienväter auf ihre Pflicht, chrm Kindern eine religiöse Erziehung zu geben, auf- mecksam machm. — So fleht die „Freiheit" in der französischen Republik aus.
** Ein Dreimächtevertrag über Persien soll, wie aus London gemeldet wird, unmittelbar vor dem Abschluß stehen. Der Berliner Korrespondent eines Londoner Blattes erfährt nämlich aus Kreisen, die mit der russischen Regierung in Fühlung stehen, es seien gegenwärtig zwischen London, Berlin und Petersburg Verhandlungen im Gange, die Englands Beilritt zu der deutsch-russifcheu Abmachung betreffs Persien bezwecken.
Aus dem Rachbargeblete.
* Schenklengsfeld, 27. Dez. 1910. Von der beabsichtigten Anschaffung von Gasolinlampen zur Beleuchtui.g des hiesigenOr les soll vorläufig abgesehen werden. Wie verlautet, soll die Anlegung eines Kalischachtes in Ranebach außer Frage stehen und in der nächsten Zeit aktuell werden. D e Gewerkschaft wird eine elektrische Zentrale
„Gott sei Dank!" rief Hope, „und Vater und Tochter fielen sich zärtlich in die Arme.
„Nun sollst Du alles hörm, lieber Papa", sagte sie dann: „und ich werde vor Dir niederkniem und Dich anflehm, ben Mann, ben ich liebe, nicht für ein Vergehen zu (trafen, bas er vor Jahren begangen hat. Habe Mitleid mit uns beiden! Walter und ich sind vor Gottes Altar getraut, und vor dem Angesicht des Himmels bin ich sein Weib; dennoch, lieber Vater, filrchke ich, daß ich nicht seine gesetzmäßige Gattin bin."
„Nicht seine geschmäßige Gattin? Kind, das ist Unsinn!"
„Ich wünsche zu Gott, daß es so wäre; aber heute morgen habe ich zum ersten Mal gehört, daß er sich bereits vor Jahren verheiratet hat — vor vielen Jahren. Die Frau lebt aber noch.
„Unmöglich! so niederirächttg konnte er nicht sein."
„Papa", erwiderte Mary mit trauriger Bestimmtheit, „das Zeugnis habe ich gesehen."
„Das Zeugnis l" wiederholte Hope entmutigt. „Welches Zeugnis, Kind?"
„Dm Trauschein", erwiderte Grace. „Er wurde mir durch einen Herrn vorgelegt, den jene Frau hergeschickt hatte, mich zu warnen. Daß Walter und ich getraut find, ahnt sie natürlich nicht, aber sie hatte irgmdwie von seiner Bewerbung um mich gehört. Ich gebe mir Muhe, ihr dankbar zu sein, und werde nicht ablasseu zu tun, was ich irgend kann, ihn vor Strafe und seine Faniilie vor Schande zu bewahrm."
„Und Dich selbst zum Opfer bringen!" rief Hope tödlich erschreckt.
„Ich liebe ihn", erwiderte Mach, „und Du mußt chn schonen."
„Ich verlange Gerechtigkeit für mein Kind!"
Grace hatte eine solche Angst vor ihres Vaters Zorn gegen Walter, daß sie Ersteren dringend bat, doch auch in Erwägung zu ziehen, ob sie nicht, indem sie beschloß, sich selbst zum Opfer zu bringen, unbewußt den Mgsten Teil erwählt. Was konnte sie dabei gewinnen, wenn es bekannt wurde, daß sie den ©arten einer anderen geheiratet harte?
„Meinen ©arten habe ich verloren, dafür aber meinen Vater gefunden", sagte ste. „O. führe mich fort von hier und lasse, fern von allen, die mich kennen, mein gebrochenes Herz an dem deinen aus ruhen. Es i scheint ja, als ob jede Wunde geheilt werden könnte; wenn aber die Zelt, selbst mit Hülfe meines Vaters, diese Wunde nicht zu heilm vermöchte, das Grab tut es gewiß."
„O Jammer!" rief Hope, solche Worte aus dem Munde meiner Tochter zu hören, die eben an der Eingangspforte zu allem Erdenglück steht."
„Still, Papa!" sagte Grace, „da kommt der Mann."
Der „Wann" war Mr. Bartleh. Er sah sehr niedergeschlagen aus und begann sofort seiner Reue Worte zu geben.
19.
Zwei Männer durch eine Frau besiegt.
„O Mary", fing er an, „was soll ich sagen! Ich war geradezu von Sinnen, zur Wut gelrieben durch jenen verleumderischen Schuft. Mary, ich bin ebmso betrübt wie tief beschämt über meine Heftigkeit und Härte und bitte Dich inständig, denke an alle die glücklichen Jahre, die wir miteinander verlebt habm, in dmen Du nicht ein unfreundliches Wort von mir gehört hast . . . freilich hast Du ein solches auch nie verdimt? Lasse uns alles Gerede zum Schweigen : bringen. Kehre zu mir zurück als die Herrin meines : Hauses, die Erbin meines Vermögen?. Auch Mr. i Hope soll dadurch noch fester an mich gebunden wer- | ben; ich mache ihn zu meinem Kompagnon, er wirb : sicherlich nickt jo egoistisch fein, Deine Zukuvftsaus- i sichten zu zerstören."
„Nun ja", sagte Hope, „bas ist derselbe Beweggrund, durch dm Sie mich vor 15 Jahren m Versuchung geführt. Damals war sie ein hülfloses Kind, jetzt ist sie erwachsen und mag selbst über sich bestim- men. Das mich betrifft, so habe ich nicht die Absicht, Ihr Kompagnon zu werben. Ich habe einen kleinen Anteil am Gewinn bei Kohlengruben, bc? reicht für meine Bedürfnisse vollkommen aus . ©race mag jedoch nach eigenen Interessen entscheiden. Sage, liebes Kind, willst Du zu dem Manne zuruckkehrm, der Dir eine glänzende Zukunft m Aussicht stellt, oder
willst Du dir bescheidene Unabhängigkeit mit mir teilen, die nur durch meine Liebe zu Dir erhellt und geschmückt wird? Ueberlege, ehe Du antwortest. Die Entscheidung über Dein ganzes künftiges Leben liegt in Deinen Händen.
Mü diesen Worten wendete er sich ab und ging festen Schrittes auf die Gartenplanke zu, auf die er sich, Grace den Rücken toenbenb, stützte. Aber selbst ein Rücken hat eine stumme Sprache; die Augen des jungen Weibes füllten sich mit Träum, während ste dem Vater nachsah; dann richtete sie dieselbm wieder auf Bartley, und plötzlich, als hätte ste das Feuer ihres Herzens ausgedörtt, waren diese klaren Auge» getrocknet.
„Bor allen Dlngm, Sir", fagte sie in einem kalten, schneidenden Tone, der ihr bisher nicht eigen gewesen war, „mache ich Sie daraus aufmerksam, daß ich nicht Mary heiße, fonbem Grace. Ferner gebe ich Ihnen bte Versicherung, daß, wenn ich in der ganzen Welt kein Dach zu finden wüßte, das mir Schutz und Schirm gewähren könnte als das Ihrige, und Wenn ich hülflos, freundlos und vaterlos Wäre, ich lieber im nächsten Straßengraben ft erben als in das Haus zurückkehren wurde, aus dem man mich mit Schmach und Schande hinausgewiesm hat. Eine solche Kränkung darf kein Weib vergeben. UebrigenS bin ich, dem Himmel sei Dank, nicht aus Jbre Güte angewiesen. Der Mann, zu dem mich mein Herz schor- seit Jahren hin- gezogm hat, ist ment Vater. O Papa, komme zu mir; ist es denn etwa an Dir, bei Seite zu tretm? In Deine Hände lege ich meine ganz^ Zukunft, mein Herz und meine Seele, mit aller Liebe und aller Zuversicht, die Du so wohl um Deine arme Grace verdimt \ hast." Mit diesen Worten warf sie sich zlttemd an r'''ie Brust, und ferne Tränen flössen auf fte nieder. I Aber nur einen Augenblick, dann führte er sie wieder in das Haus und nahm ihr das Berfprechen ab, sich nach dieser neuen Gemütsbewegung auszuruhm. Am liebsten w'rde er bei ihr geblieben sein, aber Bartley harte ihn io inständig um alter Zeilen willen gebeten, ihm ein Wort der Erklärung zu gestatten, daß Hope sich bestimmen ließ, zu ihm zurückzukehrm, -obwohl et im voraus wußte, daß es verlorene Zeit war.
(Fortsetzung folgt.)