Einzelbild herunterladen
 

Leitung

«fuldaer

Aus dem rrachbargebiete.

Zugverbindung zwischen Fertigstellung der neuen

der

und

wäre er nicht mehr vom Throne, sondern von später im Parlament sitzenden VoWvertretern hängig, und der Regent verlöre eine ihm für Führung der Staatsgeschäfte notwendige Stütze, ist einleuchtend, daß der Regent sich sträubt.

und daß

ab- die Es den

bet: -send sch'«urigste Eröffnung des Parlaments, ven eer Regierung eine Aniwort erhalten, worin dien es für unmöglich erklärt, den Thron um Ab- 5n»riimg des früheren Edikts zu bitten. Gleich­zeit- - wird das Abschiedsgesuch Hsi-liangs abgelehnt.

riekina, 21. De?. 1910. Der Generaigouvcrncur landsttnwei Hse-liang Kot auf fein« Petition,

keine Lüge ist!* rief er.

Julia erschrak vor dem scheinbaren Beweise dem Gewicht der Anklage.

in dieser Täuschung zu erhalten gesucht, und mit einer Stimme, die im Dorfe hörbar sein mußte, sagte er eben:

.Also eifersüchtig und mißtrauisch ist er? Dann ist S am einfachsten. Du befolgst meinen Rat und gibst ihm augenblicklich den Abschied Du wich leicht einen Mann finden, der besser und größer ist* Nach­dem er diese« Ausspruch wie ein Kommando auf dem Exerzierplätze von sich gegeben, wollte der Oberst in einiger Entfernung von Hopes Arbeitsschuppen den Rasenplatz überschreiten, als ihn Bartley anrief, ge­stachelt von dem Verlangen, sich an seinem Beleidiger zu rächen.

„He, Obech Clifsordk* schrie er ihm nach.

Der Obech machte augenblicklich Halt und kam mit Julia an seinem Arme heran geschritten wie ein Kampfhahn, den ein Widersacher ankräht.

„Was können Sie mir zu sagen haben, Sir?* fragte er hochmütig.

„Ein bischen ducken will ich Sie, mein guter Herr! Sie sitzen heute auf gewaltig hohem Pferde; die fleckenlose Ehre der Clifford's ist's wohl, die Sie reiten, nicht wahr?*

Die Säbel waren aus der Scheide gezogen, von Pardon keine Rede.

„Haben sich die Cliffords etwa mit Hcmdel und Betrug bchaßt? Kohlenhändler, Kohlengräber, Koh- lenagenten mögen unsere Umgegend mit Kohlenstaub und Rauch verunreinigen, unsere Ehre zu besudeln, sind sie nicht im Stande.*

.Bewahre! die Männer Ihrer Familie sind tap­fer wie Löwen, und die Frauen rein wie Schnee.*

„Die Löwen und den Schnee wollen wir aus dem Spiele lassen. Mehr als einmal habe ich gesehen, daß ein Löwe den Schwanz einzog, und der reinste Schnee wird zu Schmutz, wenn er mit Jhresgleichm in Berührung kommt Bas aber die Cliffords ve> trifft, so find jte unter allen Umständen als Männer tapfer, als Frauen gebildet.*

„Wirklich?* höhnte Bartley. „Wie kommt es denn aber, daß Ihre Richte hier, die, wenn ich nicht

„Wenn das Auswärtige Amt tm Stot non 1910 300000 Mark zur Verstärkung des geheimen Pispo- ütionsfoads (1 Million) gefordert hatte, Io dürfte an» genommen werden, daß das Auswärtige Amt in der öchft notwendigen Preßardett tm Ausland dem Aus­land m Zukunft etwas weniger uachsteven will, als visher. Der Reichetag lehnte diese Forderung, die fim ooch nicht öffentlich begründen läßt, in bekannter Kurz- nchugkelt in politischen Fragen ab. In dem jetzt dem Reichstage zugegangenen Etat für 1911 i|t diele Ide For> erung wieder erhoben. Schon daß der ® sekretär sie nicht gestrichen, sondern sie trotz seines Grundsatzes strengster Sparsamkeit tat passieren lassen, beweist ihre Wichtigkeit und Dringlichkerl. Wre wird sich der Reichstag in diesem Jahre daru stellen?."

Diese Frage ist ziemlich klar zu beantworten: Wir nehmen als ganz sekbstverstndlich an, daß der Reichs­tag wie im April 1910 auch jetzt diese Forderung wie­der ablehnt und wahrscheinlich mit noch größerer Mehrheit; denn es ist keine Arnderung eingetreten, die eine andere Stellungnahme rechtfertigen könnte. Die Mehrheit des Reichstages hat sich bereit erklärt, 300 000 Mk. zu bewilligen, falls für diese Summe Rechnung gelegt würde. Im März 1910 hatten die .Konservativen schon einen Antrag fertig, der dem Amte das Geld geben wollte, aber die Rechnungsleg­ung forderte. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes stimmte zu; da kam Geheimrat Hamann von der Presseabteilung dazu und dieser erklärte nun, daß der Antrag unannehmbar sei. Die Konservativen brachten ihren Antrag also nicht ein. Rach diesem Vorfall im Mär; d. I. kann man dem Reichstage nicht zumuten, jetzt erhöhte Gelder für den Geheimfonds zu genehmigen. Die Regierung kann die notwendigen Mittel haben, aber unter einem anderen Titel. Die Parteien müßten mit Blindheit geschlagen sein, wenn sie vor den Wahlen den Geheimfonds erhöhen würden; keine jPartei weiß, ob nicht diese Gelder gegen sie ver­wendet werden. Mag man auch noch so bestimmte Zu­sagen machen, wir halten es mit dem alten Sprich­wort: Trau, schau, wem!

d1 München, 20. Dez. 1910. In der .Freien baherischm Schulztg." nimmt Lehrer Bey hl Stel­lung zum Erlaß der daher. Bischöfe an die kathol. Lehrer über den glaubensfein dl icheit In­halt der „Bayerischen Lehrerzeitung*. Beyhl stellt den Satz auf:

„(£-§ muß ohne jeden Vorbehalt zugegeben werden, daß die gersttichen Oberhirten nach kirchlichem Berufe die Pflicht und nach der Staatsordnung ein gutes Recht haben, sich auf dem Wege der Seelsorge an jedes einzelne Glied der Kirche zu wenden, um diese- zu einer Haltung zu bestimmen, wie sie den Häuptern der Kirche genehm ericheint."

Wir wollen nicht jedes Wort dieses Satzes beleuch­ten, sondern nur den zwingenden Schluß daraus ziehen, daß das Ordinariatsschreiben an die Lehrer nicht' dm staatsbürgerlichen Rechten der Lehrer ent­gegen steht, wie es die literale Presse behauptet hat. Auch Beyhl will sich nicht zu diesem Schluß bekennen. Er faßt die Sache anders an. Er behauptet,

die angeführten Stellen nn§ der „Bayerischen Lehrerztg.* seien harmloser Art, die Bijchöfe hätten seither auch nichts gesagt, sondern seien jetzt von Rom angespornt worden. Jetzt rooüten sie die bayerische Lehrerprelse knebeln oder ganz vernichten. Das sei nicht mehr Sorge um die Religion, sondern politischer Machthunger.

Sind das etwa Stellen „harmloser Art*, in denen die „Bayer. Lehrerzeitung" die Gottheit Christi leug­nete und Grundwahrheiten des Christentums als „Leoende", als „Märchen* zu bezeichnm wagte? Falsch ist 'es auch, daß die Bischöfe seither sich um diese Dinge nicht gekümmert hätten. Die bayerischen Bischöfe haben wiederholt in gemeinsamen Hirtenbrie­fen Stellung zur Schulfrage genommen. Jetzt sind sie zu einer Spezialfrage übergegangen. Von einer Knebelung der Lehrerpresse ist nicht die Rede, wohl aber widerspricht es dem Zwangsabonnement der Leh­rer auf die „Bayerische Lehrerzeitung* und ihrem Charakter als paritätischem Fachorgan, daß sie dm Glauben katholischer Lehrer bekämpft.

uh ßesährliches Geheimms.

56? !cnian ur zwei Bänden von Charies R eade.

„Das Armband gehört mir*, sagte er; es ist ein FaMilien-Erbstück, das ich Miß Julia Clifford ge-- liehen hatte. Aks ich Sie aber heute danach fragte, war sie nicht im Stande, dasselbe vorzuzeigen.*

„Ei, eit" rief Mr. Bartley; „ist es möglich, daß sich eine Dame aus dem Hause Clifford zu einer heimlichen Heirat hergibt?"

„Gewiß nidjt, Sir", erwiderte Fitzroy. „Wie kom­men Sie darauf? Wissen Sie denn nicht, daß Ring und Armband zwei verschiedene Dinge find?* Dann wenbete er sich zu dem Gastwirt „Da ist ein Gold­stück für Ihre Mühe, guter Mann. Geben Sie mir mein Eigentum wieder*, sagte er.

Aber zu seinem Erstaunen hielt sich der Wirt das Kleinod auf den Rücken, anstatt es auszuliefern.

„Richt doch!* gab er zur Antwort, indem er mit pfssfiger Miene ben Kopf schüttelte. „Sie sind ja gar Nicht der Herr, der mit der jungen Dame, welcher es gehört, auf der Hochzeitsreise war. Meine Frau bat mir anbefohlen, das Ding nur der jungen Dame selbst wieder einzuhändigen."

Percy geriet in das höchste Erstaunen und sah fra­gend von einem zum andern, als «warte er von ihnen die Lösung des Rätsels.

Bartley kam ihm bann auch, freilich ohne Rücksicht fir die Gefühle feine» Herzens, zu Hilfe.

„Es ist ja ganz klar, Sir, was bas zu bebeuten Äot"’ sagte er; „Are Geliebte betrügt Sier*

Wie ein Dolchstich trafen biefe Worte das treue gwq. des kleinen Mannes; in Verzweiflung lehnte « sich an das Fenster des Hopeschen Arbeitsschup- Pns, gelähmt durch dm vergifteten Pfell der Eifer- cht.

In diesem Augenblick ließ sich die wie gewöhnlich lmrtsthallende Stimme des Oberftm hören. Julia Elifford hatte ihn seit einiger Zeit mit der Hoffnung Srf daß sie mit Percy brechen würde; auch jetzt, während ihres Spazierganges mit ihm, hatte sie ihn

Ausland.

♦* Tas österreichische Herrenhaus hat daS drei- monatige Budgetprovisorium angenommen. Die vom Wgeordnetmhause bereits angenommene Borlage über das Verbot der Nacht ar beit für Fr au en

beuswörtchen dazwischen werfen.* Darauf machte et einen Kratzfuß und ging.

Mary reichte Julia da» Armband zu und blieb bann wie apathisch stehen.

Todesschweigen trat ein. Stille» Entsetzen vor dem, was der nächste Augenblick bringen mußte, krampfte Marys Herz zusammen; aber was auch ge­schehen mochte, keine Macht auf Erden sollte sie dazu bringen, das Wort über die Lippen zu bringen, da» Walter für sieben Jahre zum befangenen machen würde.

Bartley trat auf sie zu; sie zitterte und ihre Hände streckten sich angstvoll aus.

„Was hast Du eben gesagt. Du Törin!* flüsterte er ihr zu. „Die Dame, die das Armband in jenem Wirtshause gelassen hat, ist mit einem jungen Manne dort gewesen.* Mary erbebte; mit strengem Tone fügte BarÜey hinzu: „Wer war Dein Begleiter?*

„Da» darf ich nicht fugen."

„Aber etwas anderes wirst Du sagen", fiel Bart­ley ein, „oder ich werde kein Erbarme» mit Dir haben, bist Du heimlich vecheiratet?"

Ein einziger Gedanke leuchtete in Marys verwirr­tem Geiste auf — sich selbst zum Opfer bringen. Sie Hieb stumm

„Kannst Du nicht sprechm? Bist Du eine b er­heiratete Frau?* In feinem Zorn begann Bartley s» laut zu reden, daß ihn alle Anwesenden hören muß­te».

Mach sank gleichsam in sich zusammen und preßt« in ihr« Qual die Hände ineinander; bann aber ant­wortete sie mtt einer störrischen Entschlossenheit, die keinen Zweifel ließ, daß fie eher sterben wärt)«, al» mehr zu sagen:

„Ich — weiß — es nicht!*

„Du weißt es nicht?* schrie Bartley auf sie ein.

Mach schwieg einen Augenblick; bann wtedch- bolte sie mit demselben eifernen Starrsinn:

„Ich — weiß — es nicht!*

(Fortsetzung folgt.)

deutsches Reich.

0 Zum Kmpfuschergeseh. Von den Gegnern des Gesetzentwurfs gegen die Kurpfuscherei wird darauf hingewiesen, daß e» manche nichtapprobierte Heilkun­dige gebe und gegeben habe, denen auch nicht der ge­ringste Dorwurs bezüglich der Ausübung ihrer Kunst gemacht werden könne, daß dagegen die staatliche Ap­probation keineswegs eine Gewähr gegen tadelnswerte Handlungsweise gebe. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein neues Heilmittck gegen die Lustseuche das Präparat Ehrlich-Hata 6 0 6, für das eine ge­wisse Presse Monate hindurch die widerwärtigste Re­klame gemacht hat, demnächst zum Beweis« dafür her- cmgezogen wird, daß die approbierten Aerzie gar nicht anders zu be^mdeln seien wie die nichtapprobierten Heilfirndigen, wenn man überhaupt über die Kranken­behandlung eine polizeiliche Sicherheitskontrolle ein­führen wolle. Es ist an dies« Stelle nicht der Ort, üb« die Eigenschaften und Vorzüge ober auch Gefahren des erwähnten Heilmittels eine Unter- suchung anzustellen. Die medizinische Wissenschaft ist sich selber darüb« noch nicht einig. Nachdem ur­sprünglich das Ehrlich-Hata 606 begeisterte Anerken­nung gefunden hatte, kommen in letzter Zeit in stei­gender Zahl und Wachsmd« Eindringlichkeit medi­zinische Stimmen zu Wort, welche gegen daS neue Heilmittel ernste Bedenken aussprechm. Vor allem die letzte Sitzung der B«liner dermato­logischen Gesellschaft gestaltete sich zu einem Gerichts­hof, in welchem das schwerste Verdikt ausgesprochen wurde. Die hier aus b« Praxis gegebenen Mittei­lungen lauten dahin, daß das neue Heilmittel keine besseren Erfolge aufweism könne als die alten Mittel, daß dagegen die Anwendung des neuen Mit­tels äußerst gefährlich sei, schwere Schädigun­gen der behandelten Personen, besonders Erblindun­gen, Gewebszerstörungen usw. herbeiführen, und zwar in viel höherem Maße als dies bei den alten Mitteln der Fall sei. Doch dies ist, wie gesagt, eine Ange­legenheit der medizinischen Wiffmschast. D« Fall hat jedoch auch eine andere Seite, welche die Oeffent- lichkeit sehr angelegentlich interessiert. Wir meinen die Art und Weise, wie das Ehrlich'sche Heilmittel in die Öffentlichkeit eingeführt worden ist. Von medizinisch« Seite wird bittere Klage darüber geführt, daß das Ehrlich-Hata 606 nur einer w illkürl ich ausgewählten Anzahl von A«ztm und Fr«mden zur Prüfung gegeben worden sei, daß des­halb nur eine einseitige Berichterstattung vorliege und die mitgeteilten Resultate dadurch einer wissenschaft­lichen Kontrolle entzogen würden. Viel be­denklicher noch ist die Tatsache, daß auf Gmnd dies« einseitigen Berichterstattung die Presse sich zu der in­ten siv st en Reklame für das neue Heilmittck mißbrauchen ließe. Ein angesehener Arzt sagte uns einmal: Wenn für ein medizinisches Heilmittel eine öffentliche Reklame gemacht werde, so sei das ein Be­weis dafür, daß es nicht sonderlich vortrefflich sei. Diese Anschauung mag etwas zu weit gehen. Aber Tatsache ist, baß die Art und Weise, wie für Ehrlich- Hata 606 Reklame gemacht worden ist, nicht nur in medizinischen Kreisen Befremden «regt hat. Die Wissenschaft sollte zu hoch stehen, als daß für fie wie für eine Marktfrage künstliche Stimmung gemacht würde. Um so verwerflich« war in dem vorliegenden Falle die öffentliche Anpreisung, als es sich um ein Mittel handelte, das nur wenig «probt war. das auf der anderen Seite in seiner Anwendung naturgemäß, da es sich um ein Arsenpräparai handelt, außer­ordentlich gefährlich war. Die medizinische Wissenschaft wird cs mit Recht ablehnen, für diese Dinge verantwortlich gemacht zu werden. Ab« es fragt sich doch, ob e8 nicht notwendig ist, darüber nach- zudenken, ob und auf welchem Wege derartiges zu v e r h i n d e r n ist. In «st« Linie müßte die Presse aus den Erfahrungen mit Ehrlich-Hata 606 die Lehre ziehen, unter keinen Umständen für em neues medi­zinisches Heilmittel Partei zu ergreifen und jedwede Anpreisung zu unterlassen, ehe das neue Mittel von der Wissenschaft geprüft und anerkannt ist. Die „Ful­da« Zeitung" hat in Erinnerung an die oben er­wähnten Erfahrungen das neue Mittel bisher nicht einmal genannt.

.Für eine Erhöhung des geheimen Dispsfilions- fenbS tritt tarier Hinweis auf die so vielfach erfolg­reiche auswärtige Preßhetze gegen Deutschland die „Pest" ein:

„Ist es möglich!" rief sie in großer Angst Verlegenheit. „Kann irgend Jemand glauben, ich em so verlorenes Geschöpf bin? Dies Armband bebe ich in den letzten zwei Monaten nicht gesehen — ich habe es »«liehen — ach, da fft sie ja! Mary retten Sie mich — Sie wissen, daß ich unschuldig bin."

M 295.

Donnerstag 22. Dezember 1910.

' 57. Jahrgang.

Warp, die am Fenster des Hopeschen Büros stand, kam bleich wie bet Tod durch das, was fie eben durch- litten, langsam heran, um der Wahrheit die Ehre zu geben.

Miß Clifford", sagte sie mit einem Tone, als ob ihr alles, was noch geschehen konnte, völlig gleichgil- tia fei „Miß Clifford hat mir dies Armband geliehen, und ick'bin es, die es im Hause jenes Mannes liegen lieh."

Sie war, während sie dies sagte, in die Mitte der Anwesenden getreten. Der Gastwirt nahm das Arm. band m-s Bartleys schlaff niederfinkend« Hand, faßte an ben Hut und gab eS Mary.

Hier, Mistreß!* sagte « „Ich hätte längst schon sagen können, daß Sie die Dame gewesen sind, ab« man ließ mich armen Burschen nicht ein Ster-

ger der Verwaltung angeboren. Er ist sozusagen die rechte Hand des Regenten. Würde er nach den Wün­schen des Reichsausschusses umgewandelt werden, so den

2. Blatt.

Druck u»b Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Selbe.

* Hünfeld, 20. De-.. 1910. Der landwirt­schaftliche Kreisoerein tagte am Sonnlaq in Neukirchen Herr Direktor Schoppmann prach über Wiesenpflege Er behcurtelle Je- iondeiK Die Düngungs- Ent- tmd Bewoffe- rungsjrage nach den Ergeburffen der neuchten Forschungen und Versuche. Hieran knüpfte sich em Meinungsaustausch, indem mehrere Landwirte rine Erfahrungen mit Ltalldung, Jauche and Kompost miiteiltfn. Herr Schoppmann hielt Ltalldrmg und Jauche, solange man da-ur tm Acker Verwendung finde, bei Wiesen nicht jur angebracht, während Wechsel zwiichen K.mpost und Thomasmehl nebst Rainit sich vielfach be­währt habe. Herr Regicrungsrat JNgner forderte die Anwesenden auf, die Anlage in Nechelmamiskirchenzubesichtigen, überhaupt außer» halb der eigenen Gemeinde sich öfter umzuschauen, Denn der Landwirt müsse beständig lernen in jungen Jahren vor allem auch in der Winter» schule, späterhin, indem er die anderwärts erprobten Neuerungen prüfe. Nachdem Herr Hühn aus Gruben noch bemerkt hatte, daß er die Möglichkeit zur Entwässerung feiner Wiesen erst durch die Verkopplung erlangt habe, warf der Herr Vorsitzende noch di- oft erörterte Frage auf, ob der Maulwurf als schad» iich oder nützlich zu betrachten sei. Herr Lchopp- mann nwiederte, et könne hierüber das Ergebnis soeben abgeschloffener eingehender Beobachtungen mitteile«: der Maulwurf vertilge täglich an Enger­lingen u. a. das Vier fache feines eigenen Gewichtes. Er fei daher zweifellos als nützlich anzusehen. Zollte er an einer Slelle besonders unerwünscht ein oder gar zu zahlreich auftreten, so sei et

[ durch Petroleum leicht zu vertreiben.

•/. Langenhiebet, 21. Dez. 1910. Vorgestern abend brannte hier zum erstenmal« das elekttrscy« Licht und machte allen große Freude. Die Oel« lampen können nun nach und nach m Jtubejtanb treten. Hoffentlich wird auch unsere Gemeinde« Vertretung halb dafür sorgen, daß eine schöne Qu8» reichende Dorsbeleuchtung errichtet roirb. Nach Weihnachten soll em Motor durch die elektruche Kraft m Betrieb gefetzt werden, um die noch rück» ständige Frucht auszubrejchen,

* Lauterbach, 21. Dez. 1910. In werten Kreisen war hier das Gerücht verdieriet, nach Fertigstellung der Eisendahuftrecke Alsfeld-Niederautas» Hersfeld würde auf dieser Strecke ein durchgehender Kuaverkehr zwischen Gießen und Hersselv geschaffen, währens auf der Strecke Alsfeld-Fulda nur noch Lokatzüge verkehren sollten. Jetzt roub jebod) nutgeteilt, daß die Eisenbahnbehürde keine Aende- tungen der seitherigen Zugverbindung zwischen Gießen und Futda nach Fertigstellung der neuen Bahnstrecke beabsichtigt. — Vom Scharfschießen der 25. Artillerie-Hrigade am 2. September d. I. sind bei Maar uyd Wernges 60 scharfe Geschosse von Bürgern gefunden worden, die beim Aufschlagen nicht explodierten. Obwohl die Fund« polizeilich angemeidet und die Militärbehörde vor Wochen benachrichtigt wurde, läßt diese nach dem ,Lauterb. Änz/ nichts von sich hören.

• Gießen, 21. Dez. 1910. Der Großherzog hat für die Anfang März in Gieße« geplante große Landes-Geslügelausstellung das Protek­torat übernommen und für hervorragende züchte­rische Leistimgen einen Ehrenpreis gestiftet.

Maaisrat dem Reichsausschuffe auszuliefern, und daß er namentlich dem Vorrecht, sich seine Ratgeber und Vertrauensmänner selbst zu wählen, nicht entsagen will. So ist denn, noch ehe die Verfassung zur Wick- lichkett geworden ist, d« erste Verfaffungskonflikt in China ausgebrochen — ein Konflikt um bi« Rechte ber Krone und die Rechte des zur entscheiden­den Mitarbeit an den öffentlichen Angelegenheiten sich rüstenden Volkes.

Der R e i ch s a u s s ch u ß besteht hartnäckig auf seiner Absicht. Nach langer Debatte setzte er am Dienstag einen Ausschuß ein, der eine neue Denk­schrift ausarbetten soll, bie gegen einzelne Mitglieder des Staatsrats Vorwürfe erhebt und noch einmal bie No tto end i gleit betont, ben Staatsrat beni Volke ver­antwortlich zu machen. Andernfalls werde der ReichS- auS'chuß auäemani)ergeben. Zum ersten Mal seil Bestehen des Reichsausschusses wurde in der Sitzung an dem Regenten Kritik geübt.

* Tientsin, 20. Dez. 1910. Vor den Palast des Vizckönigs zogen 2000 Studenten und »«laugten, der Vizekönig möge beim Thron bie Petition wegen sofonigcr Einführung des Parlaments untcr'tützen. Der Vizekönig willigte ein, die Ange- legr bett ber maßgebenden Stelle zu unt«brriten.

tu industrielle» Betrieben wurde an einen Ausschuß zurückverwiesen.

♦ D«» neue englische Partarnent wird am 31. Ja­nuar zusammentreten. Die fei«liche Eröffnung durch den König findet am 6. Februar statt.

** Tie Kretasrage. Behufs Stellungnahme gegen vie die Souveränitätsrechte der Türkei anerkennende Note der Schutzmächte fanden in Kandis und sphatta Polksverfammtungen statt. In Kreis henicht Er­regung. Auch in Griechenland wird die Note allseitig als befonders ungünstig anfgefaßl und eifrig erörtert.

irre Miß Clifford heißt, mit einem jungen Herrn, in dem Wirtshause dieses guten Mannes, sogenannte Flitterwochen verlebt hat,"

Hier machte d« gute Mann, von dem die Rede war, einen vergeblichen Versuch, gehört zu w«den; bie Heftigkeit ber „Vornehmen* ließ ihn jeboch nicht zum Worte kommen

„Tas ist eine Lüge!" rief Julia hochmütig aus.

„Sie sind ein wahnsinniger Schuft!" schrie d« Oberst, indem er drohend dm Stock «hob, als ob et Bartley damit schlagen wollte

Dieser ließ sich jedoch nicht einschüchtern; mit schnellem Griff entriß er dem Gastwirt das Armband und hielt es triumphierend in die Höhe.

„Ties hat sie dort gelassen zum Beweise, daß c8

— ■■■■ -L - ==

= Verfaffungskonflikt in China.

Seit Dezember 1906'befindet sich China offiziell auf dem Wege zur Verfassung. Damals «schien unter der von bet Kaiserin-Witwe Tzehst bevormun­deten Regierung des Kais«s Kwangsü ein kaiser­licher Erlaß, worin bie Einführung eines kon­stitutionellen Regierungssystems zugesagt würbe.

In der Tat'sind feit damals zahlreiche Reformen in Angriff genommen worden. Die Verfassung selbst aber kam nicht, obwohl sie in der Folge noch wieder­holt in Aussicht gestellt wurde. Das ist nun nicht nach dem Geschmack der Reformpartei, die schnell zum Ziel zu gelangen strebt. Der Stein ist im Rollen, und der Thron hat es anscheinend nicht mehr in der Hand, das Tempo seines Laufes zu bestimmen.

So sah sich denn dec Thron genötigt, dem Volks- berlangen um einen beträchtlichen Schritt entgegen? »ukommen. Er berief einen Reichsausschuß ein, dem zwar keine gesetzgebende ober beauffichttgenbe Befugnisse zustehen, der ab« bereits in parlamenta­rischer Form öffentlich über öffentliche Angelegenhei­ten verhandelt. Diese Körperschaft nun, die als ein Vorparlament zu betrachten fft, hat sich überaus rasch ein außerordentliches Ansehen mb infolgedessen einen stacken Einfluß erworben. Mit Siebenmeilen- stlefeln marschiert sie auf das Verfafsungsziel los, drangt sie den sich noch wehrenden Thron ungeduldig zu schnellerer Gewährung der Konstitution und sucht ihm die einzelnen Schritte nach dies« Richtung vorzu- schreibcn. Wohl oder übel hat sich der Prinzregent deshalb entschlossen, die Eröffnung des Par­ia men ts für eine bestimmte, verhältnismäßig kurze Frist in Aussicht zu stellen. Ein am 4. November d. I. erschienener Erlaß kündigte an, daß das Parla­ment (das aus zwei Kammern bestehen soll) nach Ablauf von drei Jahren zusammentreten soll Diese Ankündigung war ein bedeutend« Erfolg des Nerchsausschuffes. Doch damit gibt sich dieser nicht zuftioden. Er drängt weit«, und schon befindet sich China deswegen in einer Konfliktszeit.

Eine der vielen Forderungen, mtt denen der Reichsausschutz in ben letzten Wochen hervorgetreten ist, betrifft die Umwandlung des GroßenStaats- r a t s in eine dem Volke v e r a n t w o rtl i ch e Kör- perfchaft. Der Große Staatsrat ist eine dem Throne zur Seite stehende Veckrauensmänncrversammlung, ber die kaiserlichen Prinzen und die höchsten Würdenträ-