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i Zeitung

Fulda, Dienstag, den 20. Dezember 1910

Erstes Blatt.

M 291.

(Fortschung folgt)

vtt et» fpaltigePetttzeilesd« bereit Raum IS psg. ReNameubrepetitzelle Pf-., bei Wiebe» ytaunge« wirb entfpr. Labatt gewährt.

Sotationrdrucknnb Verlag der Fuldaer At- «e»bnulerei in Ktada Zernfprecher Nr. 9.

Ob dieses Versprechen wirklich gegeben ist, fteta noch nicht urkundlich fest. Es ist auch denkbar, daß der König seine Bereitwilligkeit von Bedin­gungen abhängig gemacht hätte, die durch die bisherigen Wahlersolge nicht erfüllt wären. Jeden­falls kann man der Krone nicht das Recht be- streiten, das Wahlergebnis nicht nach den bloßen Schlußziffern zu beurteilen, sondern auch den Mangel an Werbekraft und den Mangel an Geschlossenheit bei der Regierungs­mehrheit zu berücksichtigen. Immerhin kommt die Krone, die sich bisher nach englischer Hebet- Lieferung in dem innerpolitischen Parteistreit neutral zu verhalten pflegte, jetzt in eine kritische Lage, da die weitere Entwickelung abhängig ist von der Handhabung eines Kronprivilegs, so daß es immer eine Partei geben wird, die sich durch den Entschluß der Krone beeinträchtigt fühlen wird.

Der König würde bei seiner Entscheidung auch in Betracht ziehen, daß die unioniftische Partei, die bisher den Vorzug der Einheit und Geschlossen­heit gegenüber den Regierungsparteien hatte, neuer- diugs von taktischen und sachlichen Zwistigkeiten be- . droht erscheint, waS ihren Zukunstswert natürlich beeinträchtigt. ,

Daher überwiegt die Ansicht, daß der König der gegenwärtigen Mehrheit schließlich den Peersschub nicht versagen kann Vielleicht wird er seinen Ern- fluß dahin geltend machen, daß die Regierung die eine oder andere Milderung der Vetobill zulasse, um so aus einer mittleren Linie eine» Aus­gleich ohne einen Maflen-Peersschub zu ermöglichen. Freilich wird der Regierung ein Kompromiß sehr erschwert durch die unentbehrlichen Irländer, die durchaus den Weg sür Home-Rule frei haben wollen. „ . . .

Es sieht also so auS, als ob das Schicksal des englischen Oberhauses besiegelt sei. Die Unionisten werden dann, wie sie angekündigt haben, sofort den Kampf für die Wiederherstellung des Zweikammersystems aufnehmen. Dazu kommt dann noch der Kampf um Home-Rule und um die Tarisreform, sodaß England in absehbarer Zeit in seiner inneren Politik übergenug zu tun haben wird.

+ Die Aussichten für die Sammluugsptattik des ' Reichskanzlers werden immer schlechler. Auch aus konservativer Seite verschließt man sich nicht länger der Auffassung, daß für die bürgerliche Arbeits- gememschast mit den Ralionaüideralen ernstlich kaum noch gerechnet werden könne. Der Ireuzztg.' hat besonders die Etatsrede des natioualliberalen Abg. Dr. Eoerling den Beweis geliefert,

„daß ehte Sammlungspolitik nicht mehr möglich ist, abgesehen von solchen Fragen wie Reictisversiche- rungsordnung, Strasprozeßreform ufro., in denen be­stimmte Interessen die Nationalliberalen zwingen, mtt den Konservativen zusammenzugeheu'.

In gleichem Sinne hat der Reichstagsabg. o. Oldenburg -Jantachan am Freitag in Danzig in der Generalversammlung der westpreußischen Konservativen nach der,Kreuzztg/ erklärt:

„Die Freisinnigen erachten wir mtt der Sozial- temo hatte gleich, «ei den Nationallideralen muffen wir einen Unterschied machen. Gehen sie eine «er pflichtung ein, bei Stichwahlen für den Konservalwen zu stimmen, dann werden die Konservativen ebenso handeln, tun sie dies nicht, stehen wir mit Gewehr bei Fuß.

)( Der Reichstags - Abg. Ehrendomherr Hirschberg, Zentrums - IMbg: für den Wahlkreis Allenstein-Rössel, ist am Montag in War- tenberg gestorben. Bei den letzten Wahlen wurde Abg. Hirschberg mit 12,944 Stimmen gegen 5380 polnische, 3133 nationalliberale und 76 sozialdemokratische gewählt. Abgesehen von der Periode 1893—1898, in der die militär- freundlichen Polen mit Hilfe der Konservativen siegten, war der Wahlkreits stets in den Händen des Zentrums. Die liberale Presse ist entzückt, daß es in Ostpreußen wieder einmal eine Wahl gibt; sie ist aber schließlich doch so freundlich, die Aussichtslosigkeit einer großen Agitation zuzugeben. Dahingegen sucht man die Polen gegen das Zentrum scharf zu machen durch die Anden- tung, daß die Liberalen kräftig agitieren und schließlich den Polen beispringen würden. Die Polen werden aber wohl schlau genug sein, den Wolf auch im Schasskleide zu erkennen In der neueren Zeit sind es ja gerade die Liberalen, die die Stellung der Regierung gegenüber den Polen erheblich gestärkt haben.

.'. Der deutsche Bauernbund hilft dm Liberalei» bei den nächsten Reichstagswahlen, wie folgende Notiz im ,Ft. Kur/ zeigt:

„Um die Liberalen der Pfalz in der Agitation für die kommenden Reichstagswahlen gegen den Bund der Landwirte zu unierstützen, wird der Deutsche Bauernbund in diesen Tagen seinen Einzug in dte Pjalz halten. Der Syndikus des Denlfche« Bauern­bundes, Reichstagsabg. Böhme, und der Geschäfts, leitet des Deutschen Bauernbundes, Abt. Bayern, werden in die Agiialion Eingreifen.'

Der neue Memminzer'sche Bauernbund ver­leugnet also nicht, daß er eine liberale Gründung ist, dazu bestimmt, den Liberalen den im Volke ver­lorenen Einfluß wieder zu beschaffen.

= Ju Sache» der Fleischteuerung hat der Vor­stand des Deutschen Städtetages eine Eingabe an die Reichs-Regierung gerichtet, worin um schleu­nigste Maßnahmen zur Hebung edr Fleischnot gebeten wird — Der gemeinschaftliche Landtag der Herzog­tümer K o b u r g und Gotha beschloß mtt 22 gegen 5 Stimmen, die Staatsregierung zu ersuchen, Schritte zur Steuerung der Fleischteuerung zu tun, insbeson­dere auch auf Oeffnung der Grenzen Hinzuwicken, so­weit dadurch eine Einschleppung von Seuchen nicht befördert wird. , . „ _

* Wertzuwachssteurr. Die Angabe emes Ber­liner Mitarbeiters in Wr. 287 dieser Zeitung über einen Be chluß der Wettzuwachssteuer-Komnnffion, wonach für das Jahr 1911 Grundstücke in gewissen Werten steuerfrei bleiben sollten, beruht aus einem

monatsMiagt: „Wdaer GeschichkbMer"

nehmen', gab er zur Antwort. „Sie würden für Ihr ganzes Leben zu Grunde gerichtet sei», und er wurde zu siebenjährigem Gefängnis verurteilt. Eme solche Strafe würde er jedoch kaum überleben, denn die Ge­fängnisse sind heutzutage wahre Mordhöhlen. — Es ist die schwerste Aufgabe meines gm^en Lebens, die ich Ihnen gegenüber erfüllt habe; meta Trost ist nur, daß Sie durch mich rechtzeitig gewarnt sind.'

Darauf machte er ihr eine ehrfurchtsvolle Ver­beugung und entfernte sich, indem sich das mühsam verheimlichte Gift seiner Seele in einem teuflichen Grinsen aussprach.

Sein armes Opfer stand wie erstarrt; ein Todes- pfeil wat ihr ins Herz gedrungen und für einen Mo­ment schien sie völlig leblos. Dann erhob sie Hände und Augen, wie um Hilfe flehend, und sah den Ein­ganz zu Hope'S Arbeitszimmer sich gegenüber. Alles andere schwamm verwirrt vor ihren Blicken zusam­men; sie konnte sich nicht darauf besinnen, ob der treue Freund da war oder nicht, und mit dem Ausruf: „Lieber Mr Hope, ich bin verloren! Die Fluten der Verzweiflung wollen mich verschlingen. . . Retten Sie mich! retten Sie mich noch einmal!' eilte sie wankenden Schrittes in sein Büro, wo sie zitternd und kraftlos in den nächsten Stuhl sank, für einen Augen­blick unfähig, zu sprechen oder sich zu bewegen, aber mit der vollen Empfindung ihrer Lage. Endlich sank ihre Stirn auf den Tisch und ihre Hände streckten sich zitternd über ihn hin.

Monkton hatte nut aus Freude am Bösen gehan- delt; er selbst glaubte keinen Moment, daß seine Verleumdung Walter'- Rückkehr überdauern könnte. Aber er geriet nach und nach in einen Zustand unge­duldiger Verzweiflung, in dem es ihm wohl tat, andere zu quälen, Unglücklicherweise kamen die Verhältnisse seiner Bosheit zu Hilfe, und die jungen Gatten fahm sich erst wieder, nachdem das Gift sein Werk getan.

Monkton ging, legte tat Schutz eines Kiefernwäld­chens die Verkleidung ab, die ihn zum alte» Man» gemacht hatte, und begab sich nach einem andern Ver­steck, einet ungeheuren Eiche, die an der Ecke des Hopesschen GcütenS stand. Der hohle Stamm des

Deutsches Keich.

» Berlin, 19. Dez. 1910. Der Kaiser, Prin­zessin Viktoria Luise und Prinz Georg von Griechen- land wohnten am Sonntag der Vorstellung tm Königlichen Schauspielhause in bet Hofloge bei. — Der Kronprinz nahm am Sonntag morgen, rote aus Haideradad gemeldet wird, an einer Jagd auf Antilopen mit Jagdleoparden teil und besuchte nachmittags das alte mohammedanische Königs­schloß von Golkonda. Am Montag schoß er auf der Jagd zwei Leoparden. — Das Militärwochen- blatt' gibt die Beförderung des Prinzen August Wilhelm zum Hauptmann bekannt. — Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, v. Kider- len-Wächter, hat sich mit 14tägigem Weih- nachisurlaub nach Süddeutschland begeben. — Die Landtags-Ersatzwahl im WahlkreiseElbtng- Marienburg anstelle des Herrn v. Oldenburg- Januschau, der bekanntlich sein Mandat nieder­gelegt hat, ist auf den 10. Februar anberaumt worden. Die Konservativen haben den Deichhaupt­mann Funk-Elbing als Kandidaten ausgestellt. — Die ,Franks. Ztg/ teilt mit, daß alle Bemühungen, den früheren Kolonial-Staatsfekretär Dernburg zur Uebernahwe einer Reichstags-Kandidatur zu bewegen, umsonst gewesen sind.

X Das preußisch« Abgeordnetenhaus wird am Tage seiner Eröffnung, dem 10. Januar, wie üblich unmittelbar nach der vorläufigen Konstituierung die Etatsrede des Finanzminifters entgegennehmen und sich dann auf mehrere Tage zur Vorberatung des Etats in den Fraktionen vertagen. In diesem Jahre wird der neue Fmanzminister zum erftenmak den Etat „einbringen'.

Meine Bekanntschaft mit ihr ist, wie schon bemerkt, eine oberflächliche; ich kann nur sagen, daß sie sich in guten Verhältnissen zu befinden, selbst wohlhabend zu sein scheint und daß sie den Gatten in keiner Weise belästigt hat. Jetzt aber hat sie, ich weiß nicht wie, erfahren, daß sich der junge Mann um Sie bewirbt, und da ich häufig in Geschäften nach Derby komme, hat sie mir ans Herz gelegt, hierher zu gehen, um Sie rechtzeitig zu warne«.'

„Und Sie bilden sich eta, daß ich dies einem »rem- ben ohne weiteres glauben werde?" fragte Mary un­willig.

Kaum" antwortete Monkton scheinbar unbefan­gen Mrs/ Walter Clifford hat mir darum ihren Trauschein mit gegeben, Ihnen denselben vorzulegen.' „Den Trauschein rief Mary und erbleichte. „Jawohl', erwiderte Montton; „das junge Paar ist am 11. Juni 1861 getraut worden.' Mit diesen Worten griff er in die Brusttasche, um das Papier hervorzuziehen, indem er htnzufügte: „Sie dürfen übrigens nicht glauben, daß der Warnung irgend welche Eifersucht ober eta U ebelwollen gegen Sie zu Grunde liegt. Nach vierzehn Jahren des Verlaffen- seins ist von dergleichen nicht mehr bte Rede. Die Dame fühlt sich einfach verpflichtet . , .'

„Den Schein!" unterbrach ihn Mary. „Dm Schein!'

Er zeigte ihr das Dokument; sie las die schreck­lichen Worte „Walter Clifford", das übrige schwamm vor ihren Augen zusammm und die Welt schien ihr einzustürzen. Wie im Traum hörte sie, daß der Ver­leumder mit kanfter, rnilleidSvoller Stimme sagte:

^Jch wollte, daß ich ben Auftrag nicht übernom­men' hätte. ®r8 Walter Clifford hatte wirklich nicht die Absicht, Ihnen weh zu tun, aber sie fühlte die Verpflichtung, Sie M warnen, zu retten. Lassen Sie sich nicht niebertoerfen; noch ist ja nichts Schlimmes geschehen, eS wäre denn, daß er Sie vermocht hätte, ihn zu heiraten.'

„Und was wäre barmt" fragte bie zitternde Ma». Monkton schien vor dieser Frage zu erschrecken.

„Eine solche Möglichkett wollen wir gar nicht <m-

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LarL Schütte;

Z.parzeller ta Stada. „Illustrierte Soimtagyelimg"

Irrtum. Der fragliche Beschluß der Kommt fron lautet:

„Bei Veräußerungen, die ht bie Zett vom 12. April 1910 brS 30. November 1910 fallen, bleiben Beräuße- runaen, bei welchen der Beräußernng-p-eis bet be­bauten Grundstücken nicht mehr als 30000 Lik., bei unbebauten Grundstücken nutzt mehr als 10( 00 Mark beträgt, für die Erhebung der Zuwachssleuer außer Seiiad)!/'

* Weimar, 19. Dez. 1910. Staatssekretär des Inneren D e l d r ü ck und Schatzselretär Wermuth tad heute auS Darmstadt kommend hier einge­troffen. Sie wurden abends 8 Uhr vom Großherzog in Audienz empfangen.

** Eine Hinterlassenschaft ans dem Burenkriege.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung' meldet offiziös: Die britische Regierung äußerte sich nunmehr in der Frage der deutschen Schaden­ersatzansprüche aus dem südafrikanischen Krie­ge. Sie lehnt ein Eingehen auf alle Reklamationen a b, bie seinerzeit der in Britisch-Südafrik» eingesetz­ten britischen Kommission unterbreitet wurden, und ist hinsichtlich dieser Reklamationen auch nicht bereit, dem deutschen Antrag auf Ueberwrisung dieser Ange­legenheit an den ständigen Schiedshof in Haag zu entsprechen. Nur für einige Fälle, welche der Kom­mission in Britisch-Südaftika nicht Vorlagen, aner- kennt sie, daß es sich dabei um eine Rechtsfrage han­delt und will diese dem Haager Schiedshof unterbrei­ten. DaS Auswärtige Amt versah die beteiligten Deutschen mit dieser Nachricht. Es gedenkt, die An­gelegenheit bei der britischen Regierung weiter zu versolg en und teilt Näheres darüber mit, jobalb die englische Negierung von den beabsichtigten Schrit­ten unterrichtet fein wird.

Die Hartnäckigkeit ist bedauerlich, mit der sich bie englische Regierung hier ber Anerkennung von Rechts­ansprüchen widersetzt. Die deutsche Diplomatie hat hier zweifellos eine Niederlage erlitten, denn ein sol­cher AuSgang eines achtjährigen Streites ift für sie beschämend genug. Gleichwohl will mau'S von Ber­lin aus noch mit weiteren Verhandlungen versuchen, von deren Erfolg man sich frellich nicht gar zu viel versprechen darf. In derartigen Fragen der auswär­tigen Politik, bie nach Meinung ber leitenden Staats­männer wesentliche Interessen Großbritanniens betref. fen, ist man im Auswärtigen Amt zu London unge­mein zäh und himmelweit entfernt von der Nachgiebig­keit ber deutschen Politik. Immerhin wäre es ja aber doch noch möMch, bie Engländer von der Nützlichkeit eines Appells an das Haager Schiedsgericht zu über­zeugen, so gering augenbliÄich auch die Aussicht dar­auf erscheinen mag Eine verderbliche Rückwirkung auf die allgemeinen Beziehungen zwischen Deutschland und England wird hoffentlich dieser Streit nicht ha- ben. Die „Köln. Ztg.' bemedt in einer augenschein­lich offiziösen Berliner Meldung: „Wir stehen hier vor einem Fall, wo ein zwischen den Nationen abgeschlos­sener Schiedsvertrag versagt hat, itnb wir möchten ganz besonders daraus Hinweisen, daß Deutsch­land, dem tna» sonst fälschlich eine Abneigung gegen dm Schiedsgerichtshof nach sagt, diesen angerufen hat, während England Bedenken trug, seine theoretischen Grundsätze in bie Wirklichkeit zu übersetzen'

Der StaatLkonsiikt i» Mecklenburg.

** Schwerin, 19. Dez. 1910. Auf die Weigerung des Landtag, den Zuschuß von 1800000 Mark zu den Kasten des Landesregiments zu bennUigen, hat die Regierung folgende kategorifehe Antwort gegeben:

„Die Ablehnung jegliche» Zuschusses au8 der Landes steuerkaffe, also auch die Ablehnung derjemgen Mittel, welche van den Stände» selbst durch die bis­herige» Bewllligunge» alä notwendig anerkannt stad, offenbart den ganze» Ernst der Situation unb legt klar vor Bugen, daß etaeResarm der Landes­verfassung unter Gewährung deS Budgetrechtes unabweisbar mrtmenbig geworden ist. Die Erteilung des BndgetrechteS ist aber mit der ständischen 8er»

! ---------s

37. Jahrgang.

Baumes war ein vortrefflicher Zufluchtsort für den Schurken, der von hier aus feine Beobachtungen ma­chen und schnell auf dem Schauplatze seiner Machi­nationen erscheinen konnte.

Die Wirte des See-Hotels waren, wie Mary zu Julia gesagt hatte, sehr ehrliche Leute; sie hatten Percy Fitzroy's Armband einigen Bekannten gezeigt, hatten erfahre», daß es von bedeutendem Wert war, und geritten in Angst, daß dem kostbaren Gegenstände etwas zustoßen könnte. Die Frau veranlaßte daher ihren Man», sich in die Gegend von EliffordHall zu begebe», um nach bet jungen Dame zu fragen, die das Armband znrückgelassen. Der Gastwirt war jedoch ein ziemlich einfältiger Bursche, völlig ungeeignet, einen so zarten Auftrag auszufiihren. Zuerst begab er sich mit seiner Anfrage nach ber Schenke; hier wurde ihm der Rat erteilt, nach dem Herrenhause zu gehen, aber er verfehlte ben Weg und begegnete einem Gentleman, dessen aufmerksamer Blick das Armband sofort be-. matte. Der unvorsichtige Wirt hatte das Kleinod aller Welt gezeigt und trug es unverhüllt in der Hand, so daß es in der Mittagssonne blitzte.

„WaS haben Sie beim da?' fragte der fremde Herr, indem er auf ihn zu trat.

„Es gehört jemand aus dieser Gegend, Sir', er­widerte der Angeredete. „Eta hübsches junges Paar, das feine Flitterwochen bei uns zubrachte, hat es in unserem Hause liegen lassen.'

" „Zeigen Sie mal hör' sagte Mr. Martley, denn er war ber Gentleman. Dar Verlangen, sich davon zu überzeugen, ob Hope Mach zm besänftigen ver­mochte, ober ob er sckbst etwas tun müsse, sie zu ver- sbhnm hatte ihn zurückgesührt. Währenb er jetzt aber sieden blieb, um ba8 Armband zu besichtigen, erschien plötzlich ber Eigentümer desselben, Percy Fitzroy. Er kam jetzt nicht etwa des Armbandes wegen, im Gegenteil war ihm in den letzten zwei Stunden klar geworden, doch ihm Miß ElffsordS Liebe wertvoller erschien als alle Kleinodien der Welk. Dennoch machte ihm der unerwartete Anblick seines Eigentums große Freude.

Em gefährliches Geheimnis.

55] Vornan in zwei Bänden von Charles Read e.

„Mutz ließ diesen Wust von Redensarten mit eini­ger ' Verwunderung an sich vorüberraufchen, dann sagte sie:

„Und dieser Auftrag — darf ich fragen, um was es sich bandelt?'

„Miß Bartley', erwiderte er mit ernstem, beinahe feierlichem Ton, „man hat mich aufgefordert. Sie vor einem jungen Manu zu warnen, der Sie hintergeht.'

„Wer soll das sein?' fragte Mary, die sofort auf ihrer Hut war.

„Ein gewisser Mr. Walter Clifford.'

„Walker Clifford!' wiederholte Mary. Sie sind ein Verleumder; er ist unfähig, jemand zu hinter­gehen.'

Tas Angesicht des Schurken schien sich zu erhellen

„Das sollte mich herzlich freuen", antwortete er;

'„ich habe das auch schon ber Dame vor gestellt, sie dar­aus hingewiesen, daß der junge Mann einer durchaus ehrenhaften Familie angehört. — Er hat Ihnen also von £ucie Monkton erzählt?'

„Lucie Monkton,' rief Mary. „Rein! Wer ist das?'

„Miß Bartley', erwiderte der Schurke in seiner früheren feierlichernsten Weise, „sie ist seine Gattin.'

„Seine Gattin, Sir?' fiel Mary heftig ein. „Seine Gattin? — Sie sind verrückt, und ich will nichts mehr gegen Mr. Clifford hören', und ihrem Peiniger Trotz bietend, fügte sie hinzu: „Der junge Mann wird heute abend wieder hier sein; jetzt ist er nach dem See-Hotel geritten — dann können Sie, wenn Sie es wagen, ihm ins Gesicht Ihre Behaup­tung wiederholen.'

„Das ist meine traurige Pflicht', gab die Schlange sanftmütig zur Antwort.

„Seine Gattin!' wiederholte Mary unwillig, aber ihre Lippen zitterten.

„Seine Gattin!' wiederholte auch Monkton in ruhigem Tone; „eine höchst achtbare Frau, die er, wenn ich nicht irre, seit vierzehn Jahren verlassen hat.

Die englischen Wahlen

-und jetzt so gut wie beendet, und nur noch einige wenige' Ergebnisse stehen ans. Das Gesamtergebnis ist, daß das Verhättnis der Parteien in ber neu- gewählten Vertretung fast genau dasselbe bleibt rote am Tage, als die Regierung zur Auflösung des vorigen Parlaments schrill.

Wenn in 670 Wahlkreisen wegen einer gründ- stürzenden Verfassungssrage nach heftigster Agitation neu gewählt wird, so mußte man doch nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit erwarten, daß bet diesem großen Spiel von Kunst und Glück etwas greifbares herauskomme, eine beträchtliche Ver­schiebung in den Siärkeverhältnissen der Parteien eintreten werde. Aber d;eser so aufregende Wahl­kampf schließt mit + 0 ab: e§ bleibt beim alten. In einem Schock von Wahlkreisen ist freilich em Wechsel Ber Mehrheit eingetreten; aber die Laune des Schicksals will es, daß der Gewinn und der Verlust der beiden ringenden Gmpprn sich gegenseitig ausgleichen. Es scheint, daß die Arbeiterpartei einen Reingewinn von 3 Sitzen und die irischen Parteien ein Reingewinn von 2 Sitzen davon« traten werden. Die Kosten dieser kleinen Ercungen- schasten find aber größtenteils von der liberalen Partei zu tragen, deren Bundesgenossen die genann­ten Gewmnpärteien sind. Die Regierungsmehrheit, die sich bekanntlich aus den Liberalen, den Arbeiter- Vertretern und den Iren zusammensetzt, wird höchstens 2 Stimmen mehr zählen, als in dem aufgelösten Parlament.

Wenn es nun bloß nach dem Zahlenschema geht, so hat die Regierung „gesiegt'; denn sie besitzt mit ber Hilfe der Sozialisten und Iren eine Mehrheit von etwa 125 Stimmen, und diese Mehrheit ist ausgesprochener Maßen gewählt worden unter ber Parole: Fort mit dem Vetorecht des Oberhauses!

Tazegen kann nun vor» den Konservativen geltend gemacht werden: Erstens hat die Regiernugs- mehrheit trotz allen Anstrengungen keine neuen Eroberungen machen können, so daß eine Be­geisterung des Volkes für die Entrechtung des Ober­hauses nicht zu Tage getreten ist. Zweitens bilden die Irländer das Zünglein an der Wage, und die Irländer betrachten die Verfassungsfrage rin- seitig von dem Gesichtspunkt aus, daß sie durch die Entrectaung des Oberhauses den Weg für ihr Home Rule sreimachen wollen. Drittens handelt es sich um etwas anderes, als um die regelmäßigen Staats» geschäste, deren Führung zweifellos der jeweiligen Mehrheit des Unterhauses zusteht. Die erstrebte Verfass ungsändernng kann nicht durch die Willens- meinung des Unterhauses allein erreicht werden, sondern bedarf einer besonderen Maßnahme der Krone. Die von der Regierung entworfene Veto­bill kann nur Gesetz werden, wenn au h das Ober­haus zustimmt, und das Oberhaus wird nicht eher zustimmcn» als bis der König von seinem Recht der Peers-Ernennung einen massenhaften Gebrauch macht Ehe die Krone sich zu einem Peersschub im Umfange von mehreren Hunderten entschl.eßt, wird sie nicht bloß die augenblicklichen Siffm» der Parteienüärle berückftchtigm, sondern auch i..'s Auge fassen, daß die liberale Strömung offenbar ihren Höhepunkt bereits überschritten hat und schon die nächsten Wahlen sehr wohl einen Umschwung zn Gunsten der Upionisten bringen tonnen.

91 uf die konservative» Erwägungen antworten natürlich die Reaierungsleute mtt dem einfachen Hinweis cmf ihre zahlenMäßige Rlehrheit, bie sie auch bet der zweiten Kraftprobe in dreiem Jahre behau p et haben. Sie halten ferner an ber Heber» jeugun g fett, daß der König vor der Auflösung des letzten Parlaments dem liberalen ÜJiinifterium das Versprechen gegeben habe, bei entern Sieg der Re­gierungsparteien von dem Kronrecht der Peers- Ernennung den gewünschten Gebrauch zu machen.