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Fulda, Dienstag den 13. DMmber 1910.
37. Jahrgang
Erstes Blatt
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Susna^m der Sonn« en6jrdertag«.öifrttb phrttcherVezugrvreK ohne yringerloh« und VksteLsetti«5uldas»- Wkauseteh 1-50 Hit
hrerung der einschlageuden Granaten entstand, teilte sich auch auf die benachbarten Stadtviertel mit. Die Bergung der Toten und Verwundeten,, deren Gesamtzahl aus 200 beziffert wird, konnte nur mit großen Schwierigkeiten vollzogen werden. Bei Abgang der Depeschen begannen die Verhandlungen mit den Meuterern wegen Hebet« gäbe der Jnselsestung Das Cobras. Präsident da Fonseca beruhigte eine Abordnung der Geschäfts« weit mit der Versicherung, daß für den Handel und Verkehr keinerlei Störungen zu befürchten seien. Der Belagerungszustand bezweckte vorläufig nur, der Regierung die Möglichkeit zu geben, Reservisten für eventuelle Dienste heranzuziehen. Der brasilianische Gesandte in London hat lange Depeschen aus Rio de Janeiro erhalten, in denen dte Nachrichten über die Vorgänge vom Freitag und Lamstag bestätigt werden, aber zugleich betont wird, haß das ganze übrige Brasilien vollkommen ruhig iei. ;
Len. Der anlirnilitärischen Agitation der Sozialdemo- jatie muß mit allem Nachdruck entgkgengetvelen! «tben. Dem unbedingten Lod über die Tätigkeit I -ernburgs kann ich mich nicht ouschließen. Wir muffen i peisrllos Dernburgs Verträge nachprüfen. Der neu« I staatLsekretär hat eine schwere Erbschaft von Derr,- i arg übernommen. Die Linke hat der Rrgiernng nicht aber zu hohe Preise für ihr Zugeständnis gemacht.
Kriegsrninister v. Hecrmgen erklärt auf eine An, tage Erzdergers, daß tui Falte Dammann dieser tat- «hlich an dimsetben Tag,, wo er den beleidigenden trief erhielt, auch Anzeiae dem Ehrenrac erstattet habe.
Ersatzwahl lassen nur zweierlei zu: 1. entweder hat diese Wohl Riesensummen gekostet, oder 2. die frei- innigen Kaffenschränke find furchtbar schwer z« iffnen. Vielleicht aber sagt uns der Hansabund, waS er für diese Wahl gezahlt hat.
ReichZtagswahlvorberkitnuge«.
• Der polnische Ab,. Korfanch kandidiert nicht mehr für den Reichstag.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 12. Dezember 1910.
Fortsetzung der
erstell Heraiung des Aals.
Ztadtverordnetm-versaAmlung.
A Fulda, 13. Dezember 1910.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetmver- sammlung nahmm 26 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch die Herren Oberbürgermeister Dr. Antoni und die Beigeordneten Arnd und Müller vertreten. An der Sitzung nahmen die Herren Schlachchofdirektor Dr. L e m g e n, Gaswerks- direktor Mewes und Stadtprobator Wohlgemut h teil. Den Vorsitz führte der Stadtverordneten. Vorsteher Herr Justizrat Gegenbaur.
Eingangs der Sitzung macht der Vorsitzende Mitteilung von einer Zuschrift eines Reflektanten auf einen Teil des Grundstücksstreifens an der Franksur- terstraße, der kürzlich veräußert worden ist und weist demgegenüber nach, daß bei dem Verkauf durchaus korrekt verfahren worden ist.
1. Verhandlungen der 15. Hauptversammlung de3 Sparkaffenverbandes in Fulda. Der Vorsitzende teilt mit, daß gedmckte Exemplare des Verhau dlupgsoe- richtes den Stadwerordneten zur Verfügung stehen.
2. NachbewMgung eines Betrages für das Ma. gazi« des Gaswerks. Es werden 3000 Mark von der, Gaswerkskommiffion zur Instandhaltung des Magazins beantragt und debattelos bewilligt.
3. Beschaffung von Gasmessern. Die Kommission beantragt die Genehmigung der Anschaffung von Gas-' meffern für 1330,50 Mk. lieber die Deckungsftage oll vorläufig noch nicht Beschluß gefaßt werden. Die Gasmesser sind zum Teil infolge des dringenden Bedürfnisses schon angeschafft worden. — Herr Dux ist gegen diese Beschlußfassung. — Herr Weber: Die Deckungsfrage ist auch in der Kommission offen gelassen worden. — Herr Kapp: Ich bin im Prinzip dagegen, daß etwas ausgegeben wird, wofür keine Dechmg vorhanden ist. — Der Oberbürgermeister: Es handelt sich hier nur um die Frage, ob diese Ausgaben aus laufenden Mitteln oder außerordentlichen Einnahmen gedeckt werden sollen. Sie haben diese Frage der Kommission überwiesen, die sich darüber schlüssig werden muß. Ich halte es für richtig, man führt einen prinzipiellen Beschluß herbei, da wir uns noch oft mit ähnlichen Dingen zu beschäf. tigen haben werden. — Herr Kircher: Wenn wir diese Ausgaben aus laufenden Mtteln decken, so setzen wir die Rentabilität des Gaswerks mit jedem Tage
hätten.
Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer- Lieser wies aus die guten Beziehungen der Land- wirtschastsgefellschast zu seinem Reffort hin. Für den LaudwirtschaftSrat und die ihm angegliederten Behörden sprach Graf Schwerin-Löwitz der Land« wirtschastsgefellschast seine Glückwünsche aus. Hier- auf überbrachte Oberbürgermeister Kirschner die Grüße der Stadt Berlin. Er führte u. a. aus: Die Kämpfe der letzten Vergangenheit und Gegenwart hätten zwar einen Gegensatz zwischen Stadt imb Land geschaffen und doch bestände zwischen beiden eine enge Beziehung. Sie seien Glieder eines großen Ganzen. Für die landwirtschaftliche Hochschule sprach Geheimrat Wittmack.
Die Rede des Kaisers wurde mit Bravorufen ausgenommen, ebenso die Rede des Reichskanzlers. Der Vorsitzende, RstterschastSrat v. Freier- App enr ade, hielt die Festrede. Es sprach ferner der Präsident des Landwirtschaftsrats, Graf von Schwerin-Löwitz. Zahlreiche Glückwunschtelegramme wurden verlesen. Der Kaiser verließ den Saal unter lebhafte» Ovationen. Der Kaiser »erlich an die Mitglieder der Deutschen Landwirtschaftsgesell- schast eine Reche von Ordensauszeichnungen.
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Verlag der Fuldaer Äd
„Sulbaer GeschichtrbMer"
Deutscher Reich.
0 Jubiläum der Deutschen LandwirtschastS-Gesellschast.
Gestern mittag um 2 Uhr vereinigten sich die Überaus zahlreich erschienene« Mitglieder der ®e« sellschaft aus allen Teilen des Reiches zur Haupt« veriammlungderDeutscheuLanowirtschaftsgeseLschaft im Plenarsitzungssaale des preußischen Abgeordneten« Hauses. Dort erschien auch der Kaiser. Landgraf Chlodwig von Hessen-Philippsthal eröffnete den Festakt und begrüßte den Kaiser, indem er das Gelübde unwandelbarer Treue erneuerte und mit einem dreffachen Hoch schloß, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Hierauf hielt der Ka, ser eine Ansprache:
Ausland.
** Rücktritt des österreichischen Kabinetts. Am Montag nachmittag unterbreitete der Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth dem Kaiser die Demission des gesamten Kabinetts. Der Kaiser nahm die Demission an und betraute das Kabinett mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte.
♦ Die englischen Wahle». Bisher find gewählt: 191 Liberale, 229 Konservative, 35 Mit- glieber der Arbeiterpartei, 57 Redmondisten und 6 Obrienisten. Die Liberalen gewinnen 18, die Konservativen 21, die Arbeiterpartei 4 Mandate. Der Kolonialminister Harcourt wurde in Roffendale mit 1413 Stimmen Mehrheit wiedergewählt.
** Russische Kulturbildcheu. Der seit mehreren Jahren in Zwangsarbeit in Sibirien befindliche Mörder des Ministers des Innern von Plehwe Sasonow ist im Gefängnis von Gonnoe Saranluja zu Tode gepeitscht worden, und zwar auf Befehl des neuernannten Chefs der politischen Verbrecher. Infolge der furchtbaren Rutenstrafen werden unter den dort inhaftierten politischen Gefangenen massenhafte Selbstmorde begangen. — Inzwischen werden die Riesendiebstähle der hohen ruffischen Beamten des Militärs luftig fortgesetzt. Diese werden nicht geprügelt, obgleich man sonst doch so prügellusüg tft.
** Heber die Unruhen zwischen den Moha- medanern und den brahamischen Hindus wegen der Schlachtung von „heiligen" Kühen durch die Mohamedaner liegen weitere Meldungen vor, wonach auch der Samstag und Sonntag Opfer gefordert haben. In den engen Straßen der Hauptstadt Kalkutta, wo Hindus mit Mohame- danern kämpften, konnte die Polizei nur wenig gegen die fanatische Menge ausrichten. Als aber 300 Mann Infanterie in das Viertel einrückten, zerstreuten, sich die Massen. Später durchzogen starke Kavallerie-Abteilungen die Straßen und verhüteten erneute Volksansammlungen. Sonntag morgen kam es jedoch abermals zn einem Kampfe zwischen den Mawarir und den Moha- medanern, und ehe das Militär einfchreiten konnte, waren etwa hundert, darunter zwanzig Personen schwer verletzt. Während dies bet der Moschee vor sich ging, erbrachen Kabuli den berühmten Iain-Tempel, um diesen zu berauben, wurden aber durch das rechtzeitige Eintreff n von Militär daran gehindert. Beide Parteien haben sich um Hilfe an andere städtische Distrikte und die Landbevölkerung gewendet. Zahlreiche Läden wurden im Laufe der beiden vergangenen Tl-ge erbrochen und geplündert. Wohlhabende Hindus senden ihre Familien in andere Stadtviertel oder ans das Land.
; Betaut». Btbatttur
rt v.: A. wetzler:
S.XÄWS* Mcheiib-ltage: „Illustrierte SotttttagsjCitung"
Staatssekretär n>. Liudequist protestiert gegen den im Buch von Rohrbach erhobene« Borwurf der Täuschung deS Reichstags seitens deS Staatssekretärs Dernburg. (Bravo! links.) DaS Haus könne über- zeuat sein von der Pflichttreue Dernburgs und seiner Absicht, die Interessen deS Reiches in den Kolonial, vertrügen zn wahren. ,
Darauf vertagt das HauS die Wetterberattmg auf morgen. _____________________
Er betonte nach dem Ausdruck des Dankes und einem Rückblick auf die persönlichen Beziehungen zur Landwirtschastsgesellschast, in den 25 Jahren ihres Bestehens habe die Gesellschaft die wirtschaftlichen und geistigen Interessen der Landwirtschaft in glücklichster Welse wahrgenommen, den denischen Landwirten in allen Fragen ihres schönen Berufes mit Rat und Tat zur Seite gestanden und ihnen manches edle Samenkorn zugeführt, das unter den erwärmenden Strahlen der Friedenssonne Wurzeln geichlagen und hundertfältige Frucht getragen habe. Es sei das bleibende Verdienst der Deutschen Landwirtschaftsge« sellschaft, zur rechten Zeit erkannt zu haben, daß die Landwirt« in dem Konkurrenzkampf mit den wirt- schastlichen Mächten sich die Fortschritte zu eigen machen müßten, welche Wissenschaft und menschlicher Erfindungsgeist auf den verschiedensten Gebieten im Laufe der Jahre gezeitigt Hütten. Dadurch habe die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft in hervorragendem Maße dazu beigetragen, die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu heben und in weiten Kreise» die Ueberzeugung zu befestigen, daß auch die Landwirtschaft von unserer aufstrebenden und blühen- den Industrie nur Nutzen ziehen könne. Der Kaiser schloß mit dem Wunsch, daß die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft auch an ihrem Teil die Baude weiter festigen möge, die alle deutschen Gaue um« | schließen. Stets möge ste e? sich angelegen fein lassen, bte Siebe zur heimischen Scholle zu pflegen und in den Mitgliedern das Gefühl der Berussfreudigkeit und der Berufstreue zu stärken, damit die landwirtschasttreibende Bevölkerung sich alle Zeit als ein besonders zuverlässiger Sein des deutschen Volkes bewähre zu Nutz und Frommen deS gesamten Vaterlandes.
Im Anschluß an die Worle des Kaisers brachte der Reichskanzler im Namm der verbündeten Re« gierungen der genannten Gesellschaft die wärmsten Glückwünsche dar und hob hervor, die auf Aus« I nützung und Hebung der Schätze des heimischm Bodens gerichtete Arbeit der Deutschen Landwirt- schaftsgesellschast in inniger Vereinigung reiften- schaftlicher Forschung mit praktischer Erfahrung diene in'gleichem Maße der Gegenwart wie der Zukunft unseres Volkes und unterstütze so wirksam die Bestrebungen der Reichsregierung und der Bundesstaaten zur Hebnng und Förderung der deuffchen Landwirtschaft. Deshalb wolle er der Gesellschaft hmte nichts Befferes wünschen, als daß sie allezeit ihren Bestrebungen und der Schaffensfreudigkeit treu bleiben möge, die sie bisher beseelt
(Lebh. Beifall.) c
Claalssetretär des Solonialamtes v. Llndequist: Da ich die Ehre habe, hier zum erftenmale dm Eiat her Schutzgebiete zu vertreten, so möchte ich mir erlauben, den Stand unserer Kolonien im allgemeinen )al)in zu charakterisieren: es geht vorwärts! •fSravo!) Das ist in erster Linie zu verdanken dem allgemeinen Jntercffe des Volkes an den Kolonien, be- onders meinem Amtsvorgänger, (Lebh. Beifall bei den freisinnigen) der es verstanden hat mit dem Märchen tuszrn äunren, cl» ob unsere Kolonien nichts wert seien, (Beifall bei den Freisinnigen) der es verstanden hach ÄNfer Kapital für die Kolonien zu inlerefsieren, und lurch großartige Vcrhnbaupläne dem SSerfebrSwefen tn iinscru Ko onien unter die Arme gegriffen hat. (Lebh. temonfhattoer Beifall bei den Freisinn gen) Unsere ssolonialwirtschast muß und wird uns dazu dienen, | ,or allem auf dem Baumwollmarkle vom Auslande flnigeimaßen unabhängig zu werderr. Die Fiuanztage >er Kolonien ruht jetzt auf einer durchaus gesunden vafis. Bezüglich der Eiugeborenen erachten wir es 1 iliS uufere erste Pflicht, sie zur Arbeit zu erziehen. Ihnen gegenüber gilt es: gerecht und wohlwollend, ibe-. fest! (Lebh. Verfall.) Auch auf ein gutes Vev- ihäkknis' zrr dm Mflsionen legt die Kolomalverwaltung !-as größte Gewicht. (Beifall.)
Äbg. v. Rirlzynski (Pole) hält die in manchen treten des Volkes gärende Unzufriedenheit für be» Xnllich, ist aber für Äusnahinegeietze irgendwelcher Zit, auch gegen die Sozialdemokratie nicht zu haben.
Abg. Werner <Rp.) breitet sich über die Finanz. :esorm aus und polemisiert gegen die Linke.
Aba. Erzberger (Ztr.): Wir ertennen cm, daß der Staatssekretär Wermuth mit dem Prinzip der Spar- »rnkeir Ordnung im R e i ch s h a u s halts etat iefchaffen Hai Die Sact>!age wird von der Lmlen auf Cn Sorf gestellt. Die Nattenalliberalen fordern «tue wößere^Milllärvorlage, damit sie bte R«ichserbfchafts- feuer bekommen und chre verhetzende Agitation retten linnen. Für die Behauptung Bassermaims, daß bie Erbschaftssteuer die Zündholzsteuer oder irgend eine mdere Steuer üverflüssig mache, fehlt mir jede parla- zentarrsche Bezeichnung. (Lärm links, große Unruhe.) pie Freisinnigen gehen mit ihrer Agitation gegen bte iinanzreform nur den Weg der Sozialdemokraten. Bärin und Unruhe links. Bravo! rechts.) Durch bte iinam>.tform hebt sich Handel und Verkehr, ebenso er Kursstand der Anleihen. Seit Jahren haben wir fnett solch.» Etat nicht gehabt. Die ärmeren Schichten jnb bei uns geringer belastet, als anderswo. Wenn er Llcichskanzter Ausnahmegesetze ablehnt, jantm behält inan noch das Gesetz gegen die iesuiten bet (Lachen links. Bravo! im Zmtr.) kir wünschen kein Bündnis mit ben RattenaMbe-
** Berlin, 12. Dez. 1910. Der Kaiser besichtigte gestern das Kinderschutzhaus in Zehlendorf. Dann frühstückte er im Schloß in Berlin und ging dann zur Festsitzung der dmtschen Landwirtschafts« gesell chaft im Abgeordnetenhause, woran auch der Reichskanzler tellnahm. Der Kaiser hielt bei der Gelegenheit eine Ansprache.
):( Die Wertzuwachsstmerkommiffion nahm gestern folgenben Antrag an: Von dem Steuerertrag erhält das Reich 50 Prozent, weitere 10 Prozent erhalten die Brmdesstaatm als Entschädigung für die Verwaltung und Erhebung der Steuer, 40 Prozent fließe» den beteiligten Gemeinden ober Gememdeverbände« zu. Nach längerer Debatte wurde mit 13 gegen 10 Stimme« in der Fassung der zweite» Lesung die Bestimmung des § 49 angenommen, nach der die Gemeinden, die den Steuerbetrag des Reichsgesetzes erhöhen, die Ermäßigung nach § 20 fallen lassen können. Die Zahl 36 Prozent wurde in 30 Prozent um gewandelt.
---- Die Wahlkostei» i« Labia« find von einer Anzahl von Zettungen für die Freisinnigen auf 100000 bis 150000 M. berechnet worden. Die
tut Ordnung:
Abg. Sattmann will auf bie Lxhmdangerrebe bes Lcheidomann nicht weiter eingehen.
Vizepräsident Schultz: Sie biirfen eine Beleibigung licht mit einer Beleibigung erwidern; das entfprichl feicht der Orbnung des Hauses.
Abg. Lattmnnn verbreitet sich weiterhin über die »lnwesenheit eines französischen Kreuzers in Agadir, hUlet darüber um Auskunft, sowie auch über die zwecks Eindämmung der SchmuhNtteralureinjuhr aus Frank- reich mit diesem Lande geführten Verhandlungen. Zur stolonialpolitik übergehend erklärt Redner, es sei höchste gelt gewesen, daß Dernburg seinen Posten verlassen habe, und bedauert zum Schlüsse, daß der Dvpa^ Demokratie von feiten inaßgebender Stellen Vorschub geleistet würde. Er ernnett an die Aeußerung des hadischen Ministers v. Bobmann, der am Freitag hätte hier sein sollen, um am Abg. Scheidemcmn die joztal- hemolratische Kultur zu studieren, (Heiterkeit) mib an >ie Haltung des bayerischen Berkehrsrninisters v. Fraun- hotfer gegenüber den verschiedenen Slrbeitetorgam« jationen. Es fei doch ein schlimmes Zeichen der Zeit, jöenn neulich eine Leipziger Studenlenverfammlung m '»ine öffentliche Demonftratton gegen die Monarchie i ausgeartet wäre, wobei iich namentlich russische Juden beteiligt hätten. „„ , . , .
‘ Siaalsfekre'.är v. Kiderlen-Wächier erklärt, daß der französische Kreuzer lediglich zu se epoltzeilich en Zwecken im Hasen von Agadir erschienen sei. Zur Maune-mannaffaire teilt der Staatssekretär mit, daß tue Regierung den Brüdern Mannesmann eine sned- i ,.che Elniguiig empfohlen habe, lieber das marokkanische Berggesetz könne er keine öffentliche Mitteilung wachem benot es allseits angenommen und anerkannt feL Was bie vielfach geforderte Reorganisation des Auswärtigen Amtes angehe, so stehe er auch heute noch auf dem Standpunkt, daß dieses Amt sehr gut funktioniere und arbeite, und baß an eine gründ süßliche Umgestaltung nicht gedacht werden dürfe. Das auswärtige Amt brauche aber auch Vertrauen und insbesondere bitte er, Mer im Plenum mit Fragen vorsichtig zu fein; in ber rommiision werbe er zu jeher Auskunft bereit sein.
herab. Diese Neuanschaffungen muffen aus außerordentlichen Mitteln gedeckt werden. Das Gasweck nimmt ja für Verzinsung und Amortisation der Gasmesser die entsprechenden Beträge ein. — Herr Sun- k e l: Als Mitglied der Kommission kann ich sagen, daß uns die Sache schon oft beschäftigt hat. Die Sache ist im Fluß. Wir können nicht mehr auf die frühere Weise auskommen, denn früher ging durch den Verkauf von Gasmessern ein Teil der aufgewandten Mitteln wieder ein. Ich halte es für richtig, einen Fonds zu sammeln, der aus den Mehreinnahmen aus ben Gasmessern ergänzt werden müßte. — Herr Webe t:; Ich halte dafür, daß wir im vorliegenden Fall nicht umhin Sinnen, den Betrag aus den laufenden Mittel» zu decken. — Herr Kapp stellt den Antrag, die Ausgabe aus laufenden Mitteln nicht zu bewilligen, fon- bet» durch außerordentliche Einnahmen zu decken. — Herr Dux stellt ben Antrag, die ganze Sache zurück- zustellen, da man sich selbst in der Kommission noch gar nicht einig über die Deckungsart sei. Es nniß eine genaue Nutzungsrechnung dec Gasmesser .vorgelegt werden. — Herr R ü b f am stimmt Herrn Kapp und Kircher bei. — Herr E t ck en s ch eid t; Am 31. Oktober ist schon ein ganz ähnlicher Ausgabeposten bewilligt worden. Die Kommiffiou wird sicher nichts Uebnflüssiges bestellen. Der Kommiffionsantrag hat also gar keine Bedenken. — Herr Schwarz: Ich sehe gar keinen Unterschied zwischen den: Antrag der Kommission und dem Antrag Dux. Die Gasmesser sind bestellt, es muß also bie Anschaffung genehmigt werden. Ob wir dies nun einige Wochen früher oder später tun, ist einerlei. — Herr Dux: Tie Kommis- sion soll erst Vorschläge über bie Art der Deckung machen. Das will mein Antrag bezwecken. — Herr Weber beklagt sich darüber, daß man der Kommission nicht soviel Autrcmen schenke, diese Bewilligung vorläufig zu machen. — Der Vorsitzende hält es nicht für angebracht, Kompetenzstreitigleiten hervorzu- rufen. Die Stadtverordnetenversammlung habe das Recht und dir Pflicht, sich auf das genaueste über alle zur Beratung stehenden Gegenstände zu miterrichte». Und nur die gründlichste Arbeit der Kommission, wie sie hier geschche, möge eine solche Klärung der Beratungsobjekte herbeizuführe«. — Herr Weber pflichtet diesen Ausführungen bei; er habe jedoch das Gefühl, als ob die KommissionStätigkeit einer Kritik unterzogen werde. — Herr Kapp zieht seinen An- trag zurück. Bet der Abstimmung wird der Antrag Dur abgeleÖnt, der Kommiss!onscmtrag angenommen.
4. Nuchbewilligung eines Betrages für den Schlachthof. Zur Reparatur einer schadhaft gewordenen Regenrinne am Schlachthof waren am 18. April 1200 M. bewilligt worden. Diese Summe ist um 189,97 Mk. überschritten worden und zwar dadurch, daß man anderes Material benutzt hat, als vorgesehen.
♦* Die Besetzung des Hafens Agadir Marokko) durch ftanzösische Kriegsschiffe (vgl. Deutscher Reichstag) scheint die befriedigenden Beziehungen zwischen Berlin und Paris stören zu sollen. Auf eine solche Bestätigung ließ ehie Nachricht der „Köln. Ztg." aus Tanger schließm. Die „Agence Havas" hat dagegen erklärt, daß von einer Besetzung Agadirs keine Rede sein könne; es sei nur ein französisches Kriegsschiff mit Erlaubnis des Machse» in den Hafen eingelaufen, um Wasieufchmuggel zu verhtudem. Agadir gehört nicht zu den fog. offenen Häfen, deren es an der allantischen Küste acht gibt. Es ist wie all« übrigen Hafen außer den acht für den fremben Handel und ebenso für ftemde Kriegsschiffe geschlossen. Der Hasen Agadir liegt wett südlich und kann einmal ton Wtchtigkett werden, da in seinem Hinterland das Minengebiet von Sus liegt. Ihn dem fremden Handel zu öffnen, ist lediglich Sache des Sultans von Marokko, der nicht nur auf Grund der Mgecirascckte, sonder« auch mit Rücksicht auf die bestehenden Handelsverträge die Oeffmmg vorher gleichzeitig allm Ver- tragsmächten anzeigen müßte und nicht einem einzelnen Saab, nämlich Frankreich, erlauben darf, sich vorher unter der Hand dort «inzurichten und für seinen Handel die besten Gelegenheiten zu sichern. Es liegt im Interesse beider Länder, daß neue Reibungen vermieden werden.
*♦ Beschiessung von Rio dr Janeiro.
Entgegen den von amtlicher braManischer Stelle kommenden Mitteilungen ist die Meuterei in Rio be Janeiro nicht nur nicht unterdrückt, sondern sie hat jetzt erneut die Flotte ergriffen. Ein braftlta« nisches Kriegsschiff beschießt die Hcmptitabt des Landes. Am Sonntag um 5 Uhr früh wurde bte Stadt durch Kanonendonner aus dem Schlafe geweckt. Der Kreuzer „Rio Grand« do Sul" meuterte «nd beschoß die Stadt. Die Land- batterien erwiderten das Feuer. Die Bevölkerung floh nach allen Richtungen. Der Beschlshaber der Garnison Rto de Janeiro, General Barreta, it während des Bombardements durch einen Schuß ins Bein verwundet worden. Erne Amputation des BeiueS, die anfangs in Aussicht genommen war, hat sich alS nicht notwendig erwiesen.
Die Regierungstruppen besetzten gestern früh die Insel LaS Cobras, wo sich noch einige Auf« ständische befanden, die keinen Widerstand leiftetra. In Paris trafen Depeschen au8 Rio be Janeiro ein, nach denen die Regierung das Bom. bardement eines Trrles der Hafenanlagen, wo sich die großen neuen Lagerhäuser befind«, als aller-
Slaaissekrelär des Reichsjusiizamtes Lisko 'ccqenü'er dem Abg. Scheidemann fest, baß bas Er- i ' Nuvasveifahren wegen Majestätsdeteibigung gegen 'de:. Frankfurter Stadtverordneten Wendet schon jett langem schwebe ttnb nicht erst durch die Rebe bes Herrn v. Heydebrand veranlaßt fei.
Abz. Lattmnnn «Wirlsch. Bgg.): Der uns vorgelegte Etat stellt ein gutes Zeugnis für bte Retchsstnanzrefoim bar. Gefreut hat uns bie Enischtebenhett, mit ber sich der Reichskanzler seine Stellung über ben Parteien icroabrt hat. Er unterscheidet sich dadurch^vorletlhaft ,vrn Fürsten Bülow, (sehr richtig! rechts.) Redner wendet sich dann nach links: mit dem grundlosen Schlaawort des schwarzblauen Blocks wolle man nur der evangelischen Bevölleiung gruseln machen lSchr nchtig! rechts.), und polemisiert bann in längeren Lus- Sührungen gegen ben Liberalismus, sagt u. a., bte konservativen möchten sich einer gelunben Wahlrciorm In Preußen nicht widersetzen, und wundert sich, daß »er Ada. Sche.bemann nicht roieber Klagen aber bte hohen Verpfleaungskosten ber Armee vorgebracht habe. Abg. Scheibemann rüst: Wir finb bvch nicht Wteber- täuer wie Sre!>
. Vizepräsibent Schultz rüst ben Abg. Scheibemann
»Freis. Ztg.^ erklärt diese Angabe« für Schwindel, ohne zu sage», wie hoch die Koste» «rare«. Die «y* «« vielen Sammettufe der.keifirmigen Preffe für^di^ Daruk,