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Leitung

* fuldatr

dem Gesamtguthaben der Skoiiteninhaber sehr brquer

III

Lbomasbund oder einem wirklichen Keplerbund anzu- gebören, und die trotzdem über die Arbeitsweise Häckels z. T. geradezu vernichtende Urteile ausspra­chen. Zu diesen Kritikem Häckels gehören, um nur einige anzuführen, der Anatom und Zoologe Rüti- meyer (Basel), der Professor der Anatomie W. HiS, der Anthropologe Joh. Ranke, der große Anawm Th. L. von Bischoff, Lieberkühn, der Anatom Semper in Würzburg, der Botaniker Reinke, der Philosoph Paul­sen, der Chemiker Dr. Ehwolson und viele andere. Wenn der Keplerbuud Häckel bekämpft, so sind ihm die besten Waffen geliefert worden von Gelehrten und Forschern, die mit dem Keplerbund nichts zu tun haben. Diese Feststellung genügt, um jedem vernünf- tigen Menschen zu zeigen, wie Häckel auch hier wie­derum dadurch Stimmung zu machen sucht,, daß er die Oeffentlichkeit zu der falschen Meinung bringt, die scharfen Gegner seiner Arbeitsweise seien nur beim Keplerbund ober bei dm Jesuiten zu suchen. Das kennzeichnet ihn.

• Trunkenhe i ts-Berbveche«.

Unter den Verhandlungsgegenständen des dies­jährigen Deutschen A b st i n e n t e n t a g e s m Augs­burg berbient bet sogenannte P oll ar d -P ara­ge a p h besonbere Beachtung, weil ferne Perwinn- chung in bei allernächsten Zeit nicht unmöglich ist. Die Po'llarb-Methvde ist bie bebingte Strafaus­setzung bei solchen strafbaren Handlungen, bte un­ter Einwirkung alkoholischer Getränke von bisher un- bestraftm Personen verübt würben. In dem Borent­wurf zu einem neuen deutschm Strafgcsetzbuche be­schäftigen sich die §§ 38 und 39 mit der Strafaus­setzung: nach ihnen soll die bedingte Strafaussetzung hauptsächlich bei jugendlichen Verurteilten zur Gü­tung kommen, kann aber auch Erwachsenen gewahrt werden. Zu diesen §§ 38 und 39 machte nun Amts­richter a. D. Dr. Otto Bauer-München m feinem Vortrage „Das Pollard-System und seine Emfühmng in Deutschland" folgenden Vorschlag zu einem § 39a:

Ist eine strafbare Handlung auf den Tr unk zurück -»führen, so iit die Strafaussetzung an bte Bedingung in knüpfe», daß der Verurteilte sich dem Gericht gegen­über zur Enthaltung vom Genuß geistiger Gelranke verpflichtet. — Wird ein solches Versprechen gebrochen, so ordnet das Gericht die Vollstreckung der Strafe an. Wird Trunksucht sestgestellt, so und die Vorfchr,ften des § 43 über Unterbringung in eine Heilstätte noch nach. Näglich anwendbar. .

Nach seinem geistigm Vater, Pollard, hat man den Paragraphm kurz „Pollard-Paragraph" genannt, fern« praktische Anwmdung: Pollard-Metyode. Richter Wil- liam Jefferson Pollard in St. Louis in den Vereinig­ten Staaten erlebte es täglich in seiner Stellung als Polizeirichter, daß viele an und für sich tüchtige Men­schen durch eine in „fröhlicher Animicriheit" ober iw Rausch begangene Gesetzesverletzung zu irgend einer Polizeistrafe verurteilt werben mußtm und bamit als vorbestraft" gatten. Er sah beinahe greifbar, baß er oft Menschen ins Gefängnis stecken mußte für Hand­lungen, bie dem Kem ihres Wesens direkt entgegen­gesetzt waren, zu denen sie sich eben nur hatten hm- reißen lassen, weil sie berauscht gewesen waren. Und er sagte sich mit Recht, daß er gegen so manchen brauchbaren Menschen nie wieder das Strafgesetzbuch anzuwenden haben würde, wenn es ihm möglich Ware, die berauschenden (Sctränfc aus ih?em Leben ausAU^ schalten. Die große Unabhängigkeit, die der Richter in Amerika genießt, ermöglicht cs ihm, sich »seine Me­thode" auszudenken und sie auf bie Menschen anzu- wenden, über die er Recht zu sprechen hat. Pollard verhängt danach bie höchste Strafe für,pm

einen sehr erheblichen Teil ih«s Betriebskapitals decken, zumal diese Einlagen ja nicht verzinst zu werden brauchen. m

** Professor Adolf Wagner und die Deutsche Ver­einigung. In der Generalversammlung der Dmtschm Vereinigung in Bochum hat Professor Adolf Wagner aus Berlin, der bekannte Nationalökonom, eine ge- dankm- und gehaltvolle Rede gehalten, die leidet der Deutschen Vereinigung nicht in ihren Kram hinein- taßte. Dem, der Professor Wagners Standpunkt kannte, brachte die Rede naturgemäß nicht viel Neues. Aber 'wie kommt Saul unter die Propheten? Wie kommt Adolf Wagner in die Generalversammlung der Deutschen Vereinigung, Wie kommt die sozial­politisch höchst rückständige Deutsche Vereinigung zu einem sozialpolitischen Vortrage? Alles dies sind kleine Rätsel. Wie die Dortmunder „Trenwnia" wohl nicht zu unrecht annimmt, hat Prof. Wagner, der ein harmloser Gelehrter und pertrauensvollei Mensch ist sich durch das Aushängeschlld der Deut­schen Vereinigung: „Friede zwischen den Konsessio- nen" fangen lassen. Den eigentlichen Charakter bet Deutschen Vereinigung dürste er nicht gekannt haben ober farlsch beurteilen. Der Vortrag hat lebhaften Beifall gefunben, unb Widerspruch ist Nicht laut geworden. Aber der Widerspruch ist nicht deshalb unterblieben, weil alle mit Wagner einver- ftemben waren, sondern wohl mehr deshalb, weil kein Herrn Wagner gewachsener Gegner zur Stelle war Der niationalibe-rale „Märk. Sprecher" deu.et bereits an daß der in der Versammlung unterbliebene Protest nachfolgen wird. Das Blatt erinnert daran, daß Wagner vor 15 Jahren in Bochum in einer Ver. fammtung gesprochen habe, und sagt weiter:

Der Standpunkt Wagners in den Wirischafts- und 'sozialpolitischen Fragen ist bekannt. Gestern ver­trat er denselben auch in den umstrittenen Punkten mit großer Entschiedenheit und er wird ohne Zweifel wie damals starken Widerspruch erfahren." ■

Nun also! Der Groll über Wagner wird sich schon entladen. Wagner hat bekannüich u. a. bie verdienst­volle Mitwirkung des Zentrums an der sozialpoli- tischeu Gesetzgebung betont. Da muß ein echter deut­scher Vereinigungsmann doch protestieren! Wird schon kommen! Aber spaßhaft bleibt's doch, daß man in der Versammlung applaudierte und erst nachher Prote­stierte.

Bartleh war sofort auf seiner Hut.

„Das Glück des Kindes steht auf dem Spiele; das gibt mir ein Recht, mich einzumischen, ein Recht zu der Bitte: Seien Sie gütig gegen Mary."

„Bin ich das nicht? Kann irgend ein Vater gü­tiger fein? — Aber Klugheit und Vorsicht sind ebenso notwendig als Güte. Oberst Clifsord könnte seinen Sohn enterben."

In diesem Augenblick faßten Mary unb Walter den Mut, aus ihrem Versteck hervorzusehen und zu lauschen. Der Umftanb, baß ihnen sowohl Hope wie Bartleh ben Rücken zuwenbeten, kam ihnen dabei zu Hilfe. So hörten sie denn beide, daß Hope zu Bari- ley sagte:

„Wenn Sie nur Ihren persönlichen Widerstand gegen die Heirat aufgeben wollten — bie anbeten Schwierigkeiten find leicht zu befeitigen. Um ein junges weibliches Wesen glücklich zu machen, braucht man weder Ehrgeiz noch Habgier zu berücksichtigen — bas sind nur die Götzen des Mannes. Das Weib verlangt nach Liebe."

Mary sandte dem Sprechenden eine Kußhand zu.

„SBenn Sie das geliebte Kind nach Ihrem Tode, also" vielleicht nach Verlaus von dreißig Jahren, noch so reich machen, ihr aber in der Blüte der Jugend das Herz brechen, sind Sie hart und lieblos — und sobald das bet Fall ist haben Sie unseren Vertrag gebrochen."

„frort und lieblos gegen Mary?" rief Bartley. Welcher Vater ist wohl jemals gütiger, sorgsamer ge­wesen? Sentimentale Schwachheit hat bamit nichts zu tun — meine Zuneigung ist von besserer Art. Aber wenn ich Ihnen in geschäftlicher Beziehung gefällig sein könnte —'

„Mr. Bartleh", fiel ihm Hope ins Wort, „ver­suchen Sie nicht, mich von der Hauptfrage abzulenken. Meine geschäftlichen Interessen konnnen neben dem Glücke des teuren Kinbes nicht in Betracht. Eins aber, wonach ich schon oft gefragt habe, möchte ich wissen: nämlich, wem bie große Summe rwrenthal­ten wird, bie als Grunbkapital Ihrer Unternehmun­gen Sie zum reichen Manne gemacht unb mir einen Anteil des Gewinnes gegeben hat?"

M 284-

Montag den 12. Dezember 1910.

37. Jahrgang.

„Das ist meine Sache", antwortete Bartleh in scharfem Tone. „Sie haben von dem Gelbe nie auch nur einen Schilling in bie Hände bekommen, denn was ich Jhnm zahle, erhalten Sie für die Leitung meiner Unternehmungen. Werden Ihnen bie Taschen zu schwer so schicken Sie ben Inhalt nur an Roth­schild."

Nach diesem kleinen Ausfall stand Bartleh auf unb ging fort, um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiben. Auch Hope entfernte sich, ging erst in fein Büro und bann durch bie Hintertür desselben nach den Kohlengruben, wo er zu tun hatte. Er war un­zufrieden mit Bariley und seine Miene sprach daß deutlich aus.

Der Weg war nun wieder frei; vorsichtig und nachdenklich tarnen bie Liebenben aus ihrem Versteck hewor, denn was sie eben gehört halten, nahm sie lebhaft in Anspruch.

Mary kam zuerst zum Vorschein; ihre Miene w.r grüblerisch und sie sprach kein Wort, bis sie sich i t einiger Entfernung von dem Arbeitsschuppen befand-, dann wendete sie sich halb nach Walter zurück, der ih auf dem Fuße folgte, und sagte:

„Du weißt wohl, daß wir eben etwas sehr Ver­ächtliches getan haben — wir haben gehorcht."

„Freilich — in der Ordnung war es nicht", gab Walter zur Antwort; „aber", fügte er hinzu, ,„wir konnten nicht Widers."

Nein, wir konnten nicht anders", sagte Mary. „Die Hrimlichkett. deren wir uns schuldig gemacht haben, treibt uns in Winkel unb Ecken, unb alle Ge- memhetten ftnb ihre unausbleibliche Folge. Jeben- salls haben wir gehorcht, und diesmal bin ich froh, daß es geschehen ist, denn es hat uns den Beweis gegeben, baß wir nicht bie Einzigen sind, die Geheim­nisse haben. Run aber erkläre mir, ich bitte Dich, was dies alles zu bedeuten hat?"

„Die Wahrheit zu sagen, liebe Mary, sind mir das alles böhmische Dörfer. Nur in betreff des Geldes habe ich eine Ahnung und kann vielleicht erraten, wo­her es gekommen ist."

(Fortsetzung folgt.)

2. Blatt

tu» Verlag der Sulbatt Aettendruckerel li zilda.

kommenen Spaziergänger unterbrochen, der sonst die­sen LieblingZplatz des Obersten zu vermeiden pflegte. Heute wollte Barlley jedoch etwas mit Hope bespre­chen, und wäre er schweigend heraugekommen, hätte et bie Liebenden wahrscheinlich überrascht. Aber er war im Gespräch mit einem Grubenarbeiter unb Ma- ty's feines Ohr erkannte seine Stimme, noch ehe er um bie Ecke des Schuppens bog.

„Der Papa!" rief sie aus. „Er darf uns nicht finden — wir müssen uns verstecken!"

„Aber wo?"

„Wo es auch sein mag — hier herein, schnell!" Mit diesen Worten eilte sie in Hope's Arbeitsschup- ven, der die besten Hilfsmittel zum Verstecken dar­bot Um ganz sicher zu sein, feuerten sie hinter der Drechselbank nieder, auf deren Besitz Hope sehr stolz war.

Als sie sich hier in Sicherheit befanden, fing Mary flüsternd an zu klagen.

„Das kommt von unserer heimlichen Heirat", sagte sie; „unser ganzes Leben ist Lüge — diese Heimlich­keit ist zugleich Qual und Erniedrigung."

„Das kann ich nicht ftnben— für mich ist es ein köstlicher Spaß."

„O, Walter — ein Spaß! Tu solltest Dich schä­men — still jetzt!"

Bartleh kam ellig über ben Rasenplatz, rief Hope heraus unb setzte sich in ben Armstuhl des Obechen. Hope erschien, unb Bariley, ber einige Zeichnungen bet Kohlenlager tn ben Hänben hielt, reichte sie Hope zu unb sagte:

„Ich bin ganz Ihrer Meinung: wir müssen der von Ihnen bezeichneten Kohlenschicht folgen — sie ist eine wahre Golbguelle."

„Sie sind also mit mir zuftieben?"

„Mehr als zuftieben."

„Dann möchte ich Sie um einen Lohn dafür bit­ten."

„Unb werden das schwerlich vergebens tun", lau­tete bie freundliche Antwort.

„Besten Dank! So hören Sie denn: Mary und Walter Clifford lieben sich."

der Schluß ju ziHen, daß bk Mkische Regierung diesen Aufstand wieder ihren englischen „Freunden verdankt.

♦♦ In Indien zerfleischen sich bte mohame- dänischen und brahmanischen Eingeborenen. Da die Regierung nicht vermocht hat, in der Landes­hauptstadt Kalkutta zum Verzicht auf die reltgtöfen Kuhopfer zu bewegen, ist der alte Z w i st z w i s ch e n Mohamedaner und Hindus zu gefährlichem Ausdruck gekommen. Es kam zu einem ernsten Kampfe in Kalkutta, bei dem 150 Hindus ver- mundet und 2 Mohamedaner getötet wurden. Die unmittelbare Ursache war die „Rettung" einer Kuh durch Hindus aus dem Metzge-laden eines Moslems. Die Hindu- haben übrigens das Vieh in früheren Zeiten ebenso geschlachtet und gegessen wie andere Völker, namentlich zuzeiten der Hun- gersnot. Die Folge davon war, daß, wenn die Saatzeit kam und gepflügt werden sollte kem Zugvieh vorhanden war. Um diesem Mißftmioe zu steuern, erklärten später die Priester bte Kuh für heilig. Die Regierung hatte zu diesem Kampfe 2 Kompagnien Infanterie unb Maschinengewehre entsandt. , . . .

♦♦ China hat die Republik Portugal anerkannt und den chinesischen Gesandten in Madrid, der China zugleich in Lissabon vertritt, beauftragt, unverzüglich Verhandlungen über die Regulierung der Grenze zwischen Macao und China einzuleiten. — Die Mit­glieder deS chinesischen Reichsausschufses verlangen dringend irgetid eine Form von repräsentativer Regierung und zwar noch vor Vertagung des Reichsausschusses, dessen Sitzungen bis zum 21. Ja­nuar verlängert worden sind. Die Regierung er­wägt das Ersuchen sorgfältig.

Ein gefährliche; Geheimnis.

48] Roman in zwei Bänden von Charles R ead e.

Abgesehen von diesem besonderen Schmerz, fühlte er das gemeinsame Leid aller Väter, wenn bie Forbe- rung an sie herantriti, bie Tochter einem Gatten zu übergeben. Es ist ein hartes Los, um so Härter, wenn der Vater nur ein einziges, innig geliebtes Kind be­sitzt. Auch andere Geschöpfe gaben eine zärtliche Liebe für ihre Jungen, unb werben von ihnen verlassen; aber bie Kinbheit' unb Jugenb biefer Geschöpfe ist Jur» Nach wenigen Monaten schon sorgen bie Jun­gen für sich selbst, vergessen unb werben vergessen. Die hilflose Kinbheit unb Jugenb unserer Kinber ist da- pegen eine lange; die Sorgen ber Eltern ftnb schwer unb vielfältig unb jede derselben wirb zu^mer neuen Fessel für unser Herz. Rach zwanzig Zähren voll Liebe, Furcht unb Hoffnung kommt aber plötzlich em hübscher junger Bursche daher — ein liebenswürdiger Räuber in des Vaters Augen — unb nach wenigen Monaten liebevollen Werbens fiihrt er uns bte $ody= ter auf immer fori. Könnt ihr jungen We,en Euch nicht für einen Augenblick Eures blinben Egoismus entschlagen, um ben Eltern, bie für Euch so viel Liebe unb Sorge gehabt, ein wenig Mitgesühl zu schenken? William Hope floßt Euch Interesse ein — so laßt Euch beim durch ihn zum Mitleid für die eigenen Eltern bewegen! Seht, wie traurig sein Angesicht ist, während er bie Liebenben beobachtet, bie er — auf­opfernd, wie er ist, — in ihrem Glücke boch nicht stö­ren mag. Um sein kränkliches Kind zu retten, hat er bie zarte Pflanze ans seinem Garten in anderes Erd- reidj gebracht, um es dort mit nie ermüdender Liebe Jabre lana zu hüten — nun aber soll ein Anderer sich der Blüte erfreuen. Er hat das zarte Vögelchen Erwacht, gepflegt, sich um dasselbe gesorgt - nun aber übt es seine Schwingen, und bald wird es sie augbreiten und davonfliegen, sich em neues Nest zu suchen unb an einem jüngeren Herzen ju rügen.

Unser ft-naes Paar hatte übrigens auch seine Lei­ben nnb sein süßes Liebesgespräch würbe nur zu Mb durch einen ebenso unerwarteten als nnwlll-

)( Er schimpft wieder.

• »tt der Zeitschrift ,Das freie Wort' erklärt Prof. H ä ikel die Gründe seines Austrittes aus der evan­gelischen Landeskirche. Als ob man von ihm eine Begründung dieses Schrittes erwartet hätte, der fett vielen Jahren das Christentum ebenso heftig als oberflächlich bekäinpfl hat. Aber der Anlaß schien dem ulten Herrn günstig, wieder einmal zu schimpfen und seine Unsachlichkeit zu zeigen; alsobenutzter ihn. Zunächst sagt er, er sei bis zum 20. Lebens- fahre liberaler Protestant gewesen, dann habe ihn sein Studium zu dem gemacht, was er heute noch ist. Dann schreibt er:

„Nachdem ich feit mehr als fünfzig Jahren aus reinster Ueberzeugung von den Tlaubenslehrm des Christrniums mich innerlich abgelöst hatte, wäre es nur folgerichtig gewesen, dieser Erkenntnis auch äußer- Nch durch Austritt aus der evangelischen Kirche an­gemessenen Ausdruck zu geben; ich unt^l'eß diesen letzten Schritt aus Rücksicht auf meine FamGe und aus liebe Freunde, denen ich dadurch schweren Kumme und auch Schaben zugesügt haben wurde. Wenn ich iefct dennoch zu diesem schweren letzten Schritt mich entschlossen habe, so geschieht es nach reiflichster Ueber» legitng, teils weil die persönlichen Rücksichten meines langen Zögerns inzwischen gehoben find, teils, wetles meinem Ehrgefühl wideriirebt, noch länger den üußnen Schein rehgiofer Zweideutigkeit und der landesüblichen Heuchelei zu erwecken."

Na, bie Reaktion bes Ehrgefühls hat aber lange auf sich warten lassen. Da war ber Haß gegen das Christentum, ben alle Werke Häckels atmen, viel rascher bei ber Hanb. Unb wer Häckels Stellung zum Chri­stentum kannte, wie konnte ber schmerzlich berührt ober überrascht sein, toenn er bie lediglich äußere Konse­quenz baraus zog! Häckel zieht bann in sehr wenig Origineller Weise über bie kirchliche unb politische Reaktion, über bie scheinheilige Heuchelei unb die by­zantinische Kriecherei unter Kaiser Wilhelm II. los, bie zu einer gemeingefährlichen Demoralisation führe unb schimpft bann konsequent folgendermaßen weiter:

„Endlich bestimmt mich zum Entschlüsse des Au^ tritted aus der Kirche auch noch ein persönliches Motiv, die Notwehr gegen die maßlosen Angriffe und die ehrlosen Verleumdungen, welche in den letzten zwei fahren die klerikale und die mit ihr verbündete rattionäre Presse gegen meinen Charakter gerichtet jat; in den gemeinsten Tonarten bin ich durch Hun- *rte von Broschüren beschimpft und als „Betrüger' M den Pranger gestellt worden. Warum? Angeblich, «eil ich die Wissenschaft durch gefälschte Abbildung ^besonders von Embryonen) geschändet habe; tatsäch­lich, weil ich seit fünfzig Jahren furchtlos und rück­sichtslos die moderne Entwickelungslehre verteidigte und deren wichtigsten Folgeschluß, die „Wlrbeltter-Ad- stammung des Menschen", gesördert habe. Die beiden ^verbrüderten modernen Jesuilenbünde, der evangelische fpeplerbund und der katholische Thomasbund, haben in Diesen schweren Anklagen gewetteifert. Beiden erteile ich eine endgilttge Antwort in e.ner Broschüre, welche Anfang Dezember im „Neuen Frankiurier Beilage erscheinen wird, unter dem Titel: „Sandaiwn; eine offene Antwort aus die Fälschungs-Anklagen der

Deutsches Reich.

□ Die Fernsprechgebnhrenordmms sucht bie Re­gierung mit allem Nachdruck zu retten. In ber Sitz­ung ber zuständigen Reichstagskommission am Sams­tag sprach Staatssekretär Krätke sein Bebauern aus über voreingenommene Stellungnahme eines gro­ßen Telles besonders ber Hauptstäbtischen Presse, bie ihren Lesern ein falsches Bllb von ben Absichten unb Wirkungen bet neuen Fernsprechgebührenordnung gebe unb überbieg zu erwähnen vergesse, baß für {eben Ausfall bei ber Gebührenregelung ein Ersatz durch Steuern geschaffen werben müffe. Vielfach hät­ten auch Angehörige bes kleinen unb mittleren Kauf- mannSstanbes bie Berechtigung ber neuen Regelung zugegeben. Die Kommission änberte bie Beschlüsse erster Lesung in einigen wesentlichen Punkten um. Die hauptsächlichste Aenbemng ist bie Beseitigung bet vom Staatssekretär besonders angefochtenen Ein­schaltung einer 250 Kilometerzone mit einer Gebühr von 75 Pfg. Die in erster Lesung beschlossenen Sätze (Einzelgebühr 4 Pfg., Pauschgebühr von 2000 bis 10000 Verbindungen abgestuft von 75 bis 300 Mk. jährlich, mit ber Höchstzahl von 1000 bei einem An­schlüsse zulässiger Verbindungen, werden beibehalten.

)( Die Vorlage über die Wertzuwachssteuer ist in ber zuständigen Reichstagskommiffion am Sams­tag erheblich gefördert worden. Zunächst wurde ein Antrag auf Einführung der Steuerpflichtig­keit der Landesherren mit 13 gegen 12 Stim­men angenommen. Dagegen wird die Steuerfreiheit der Bundesstaaten und der Gemeinden aufrecht er halten. Fetner wird die Steuerfreiheit gemeinnützi­ger Vereinigungen zu Zwecken innerer Kolonisation, zur Errichtung von Wohnungen, Grundentschuldung, unb dergleichen beschlossen. Sodann wird auf An­trag verschiedener Parteien ein § 37a eingefügt, da­hin lautend: „Auf Antrag des Grundstücksuntemeh- mers ist diesem von der Steuerbehörde ein Bescheid über bie bis dahin feststellbaren Betechnungs- gtundlagen für sein Grundstück oder für Teile davon zu erteilen. Der Bescheid unterliegt den gegen ben Steuerbescheib gegebenen Rechtsmitteln, die in dem Bescheid getroffenen Festsetzungen find für die spätere Veranlagung maßgebend. Tie Kosten ber Ermittlung unb des Rechtsmittelverfahrens fallen dem Anttagsteller zur Last.

V Jubiläum ber Deutschen LatrdwirtschaftSgcscll- schast. Zur Feier bes 25jährigen Jubiläums würben auf bem Hofe bes Geschäftshauses ber Gesellschaft in Berlin bie Poriraiireliefs von Heinrich v. Rathu- stus, Schultz-Lubitz unb W. Wölbling enthüllt. Heute nachmittag 2 Uhr findet im Abgeorbnetenhaufe großer Festakt statt, zu welchem ber Kaiser erwartet wirb. — Am 1. November 1885 zählte bie Gesellschaft 2725 Mitglieber, am 31. Dezember 1909 hatte sie fast 17 000 unb ein Vermögen von runb 3 200 000 Mark.

a. Tas Postfchkckwchu macht riesige Fortschritte. Ende November waren 48300 Kon oinhabcr erreicht. Ans diese fast 50000 Postichccklonleil wurden im November gebucht über 938 'Millionen Mark Gui- schristen und 935h'2 Millionen Mark Lastschriften. Tas Gesamtguchabeu ber Kontoinhaber betrug Ende November über 91 Millionen Mark, ihr durchschnitt­liches Gesamlgulhabcu während desselben Monats 106’/s Millionen Mark. Die Post kann also mit

Ausland.

** Die Einnahmen der inbiretten französischen Stenern und Monopole haben im Laufe von elf Monaten 154 Millionen mehr ergeben, als im Bud­get veranschlagt werben war.

** Die englischen Wahlen. Beide Parteien sehen mit Unruhe dem Wahlergebnis in den Grafschaften entgegen, das erst am 19. Dezember zu erwarten Rin wird Die Liberalen erklären, es liege in der Macht der Grafschaften, bie liberale Regierung entweder zu einer bloß gemäßigten oder zu einer un- widerstehlichen zu machen. Die u n i on l st i- s ch e n Blätter hegen die Zuversicht, daß bie Unio­nisten ihre starke Stellung in ben Grafschaften behaup­ten ober noch verbessern werden, unb schließen sich den Erklärungen Balfours an, bet in einer Rebe in Wrexbam die Ansicht ausdrückte, daß die Liberalen, wie auch immer bie Wahlen ausfallen sollten, nicht im staube sein würben, ihr Programm burchzufüh- ren. Die Wählerschaft werbe binnen kurzem wieder berufen sein zu erklären, ob sie gesonnen sei, ihre Ge­schicke der großen, homogenen unionistischen Partei anzuverirauen. Leider bringt diese Wahl einen be­denklichen Riß in die Irländer. Die protestan­tische Jrmpartei hat sich von den englischen Konserva­tiven ins Schlepptau nehmen lassen und agitiert kräf­tig gegen die irländische Nationalistenpariei. In Belfast kam es zu Unruhen, wobei eme Person schwer verletzt wurde.

** Bednineiistämme haben die Stadt St er al, die im Osten des Toten Meeres liegt, angegriffen, die Besatzung niedergemacht und IOC Christen abgeschlachtet. Ferner ist die Station Hatrane an der Hedschas-Bahn von Beduinen überfallen und zerstört worden. Die Beamten mit ihren Familien seien ebenfalls niedergemetzelt worden. „Jkdam" gibt bie Zahl ber in Ketok Ermordeten auf vierzig an. Die Regierung hat in bi- bebrohten Gegenben Trup­pen entlaubt. •- Die Hedscha-Bahn ist ben Englän­dern ein Dom im Auge. Es ist daher wohl mit Recht

Irin len".

Die „Frankfurter Ztg." Nr. 338, Morgenblatt, bc- mcrft zum Abdruck dieser Erklärung:

„Wir nehme» von dieser Erilärung als der eineu ivritbelannten und vielgenannten Mannes Notiz, ohne weitere Bemerkungen, obgleich sich ja manches nach dec einen unb anderen Richtung hm sagen ließe.

Von dem, was sich sagen ließe, und was die „Fr. Ztq." nicht sagt, wollen wir ganz kurz emrges sagen. „Jesuit" hat für Häckel die Bedeutung eines fchlun- men Schimpfwortes, denn all feine Gelehrsamkeit hat den Mann von seinen angeborenen Vorurteilen gegen katholische Kirche unb Jesuiten nicht befreien können. Häckel ist heute noch in geradezu lächerlichen Vorur­teilen befangen unb würbe vor jedem katholischen Zuhörerpublikum, wenn er gegen bie katholische Kirche unb bie Jesuiten in seiner bekannten Art unb Weise polemisieren wollte, eine klägliche, ja komische Rolle spielen. Daß nun Häckel für seine Gegner ohne wei­teres das schlimmste Schimpfwort braucht, bas i h m zu Gebote steht, beweist bereits bie Höhe seiner Sachlich­keit unb bie Tiefe seiner Gebankengünge. Aus gleicher Höhe stehen aber auch seine anscheinenb sachlichen Be­hauptungen. Einen katholischen Thomasbund, bei Häckel bekämpfte, kennen wir nicht; dagegen kennen wir den Kevlerbund, der Häckel in den letzten Jahren scharf aufs Korn nahm. Wir kennen aber auch eine Reche der namhaftesten Gelehrten und Fachmänner, welche weit entfernt sind und waren, einem angeblichen