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«fuldaer

gen dir Folgen seiner Stellungnahme zur vreußischen Wahlrechtsreform. »Die Erklärung des HansabundeS steht in einem außerordentlich scharfen Widerspruch zu der Stellung, welche gewerbliche Kreise des Westens und Osten« zu den Herrenhausbe- schlüssm einnehmen.' Erfolgt keine wettere Erklä­rung, so ist zu befürchten, daß zwischen weiten ge­werblichen Kreisen und dem Hansabund sich ein klaf­fender Riß auftut.* .Wenn der Hansabund auf die fernere Mitwirkung der deutschen Industrie rechnen will, so wird er gut tun, alles zu vermeiden, was den Eindruck bestärken könnte, daß in ihm die Neigung nach der linksliberalrn Sette vorherrscht*, solche Töne mußte der Hansabund sich von der sonst ihm nahestehenden Presse gefallen lassen.

So wird der Hansabund fast stets, besonders in wichtigen Fragm, auf irgend einer Seite Anstoß erregen und nicht allzuoft wird er zu einem ersprießlichen Arbeiten kommen, selbst wenn er sich auf bo8 Großkapital beschränkt. Auch für dieses ver­liert er natürlich seine Berechtigung vollständig, sobald er sich in das parteipolitische Fahrwasser begibt, wie es ja tatsächlich mehrfach geschehen ist.

* Die Leistungsfähigkeit -er christ­lichen Gewerkschaften.

Die sozialdemokratischen Gewerkschaftsorganisati- onen haben das lebhafte Bestreben, vor der Oeffent- lichkeit und in der Agitation mit ihren gewaltigen Ziffern zu prunken. Damit soll der Anschein erweckt werden, als ob diesen großen Zahlen auch die größte Leistungsfähigkeit innewohnte.

Gewiß, absolut genommen, sieht das so aus, aber es ändert sich das Bild, sobald man die Ver­hältniszahlen nimmt. Vergleicht man diese, so ergibt sich, daß die christlichen Verbände in der letzten Entwicktungsperio e ungleich günstiger abgc- schmtten haben als die sozialdemokratischen. Es erhöhten die sozialdemokratischen Gewerkschaften ihre Mitgliederzahl vom Durchschnitt des Jahres 1908 zum Durchschnitt des Jahres 1909 um nur 936 Mitglieder —0,05 Prozent, oder auf je 10000 um 5 Mitglieder; die Mitgliederzahl der christlichen Gewerkschaften dagegen vermehrte sich indem gleichen Zeitraum um 6232 --- 2,3 Prozent, oder auf je 10 000 um 230. Hier ist der Unterschied demnach sehr wesentlich. Vom Schlüsse des Jahres 1908 zum Schlüsse von 1909 gerechnet dagegen beträgt das Wachstum der sozialdemokratischen Gewerk- schäften 94 605 = 5,2 Prozent, dasjenige der christ­lichen Gewerkschaften 19294— 7,3 Prozent. Letzteres überstieg somit dasjenige der sozialdemokratischen Gewerkschaften noch um mehr als 2 Prozent.

Auch in finanzieller Beziehung haben sich die christlichen Gewerkschaften relativ günstiger ent­wickelt als die sozialdemokratischen. Was die Ein­nahmen anbelangt, so erhöhten sich diese bei den sozialdemokratischen Gewerkschaften von 48544396 auf 50529114 M. Die Erhöhung beträgt somit 1984718 M., oder etwas mehr als 4 Prozent. Bei den christlichen Gewerkschaften stiegen die Einnahmen von 4394745 auf 4612920, das ist um 218175 M, so daß sich hier die Zunahme auf annähernd 5 Pro­zent belief. Sehr günstig haben die christlichen Ge- loerkschastcn auch in bezug auf die Vermehrung ihrer Vermögensbestände abgeschnitten. Das Vermögen der sozialdemokratischen Gewerkschaften wurde von 40839791 M. in 1908 auf 43480932 M. in 1909 gebracht. Das kommt einer Steigerung um 2641141 M. oder 6,5 Prozent gleich. Der Kassenbestand der christlichen Gewerkschaften dagegen erhöhte sich von 4513409 M. in 1908 auf 5 365 338 Mark in 1909, das ist um 851929 M. oder nicht weniger ais 18,9 Prozent.

Diese Ziffern tun dar, daß die christlichen Or­ganisationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit hinter den sozialdemokratischen nicht nachzustehen brauchen. Diese Tatsache fallt um so schwerer ins Gewicht, wenn mau bedenkt, daß die christlichen Verbände erst eine Vergangenheit von einem Jahrzehnt hinter sich haben, die softaldemolratischen dagegen meist ein Vielfaches davon!

Räumen gehalten werden Auch Kresse kann so ge­zogen werden, doch müssen diese Kästen an Hellen Fenstern gehalten werden. Im Obstgarten sind die Stämme durch Dornenhecken oder durch Reisigumtvick- lung gegen Hasenfraß zu schützen. Die Düngung der Obstbäume und Beerensträucher ist empfehlenswert. Pfirsich- und Aprikosenspaliere sind zuzudecken. Kem- obstbäume und Sträucher sind zu beschneiden. Der Obstkeller muß mindestens alle drei bis vier Tage revidiert werden, wobei angefaulte Früchte zu ent­fernen sind. An milden frostfreien Tagen sind die Keller zu lüften

Bei den in Töpfen stehenden Zimmerpflan­zen ist darauf zu achten, daß das in den Untersähen befindliche Wasser nicht stehen bleibe. Abends sind die Töpfe vom Fenster an den Ofen zu bringen oder durch Papierumhüllungen zu schützen.

Wer nicht Gärtner ist, interessiert sich doch in die­sem Monat auch für eine Baumart, für den Christ­baum, die Weihnachtstanne oder -Fichte. Wer sie sehr zeitig kaust, tut gut, sie bis kurz vor Heiligabend im Keller, aus dem Balkon oder sonst in kaltem Raume zu belassen, damit nicht zu viele Nadeln ab­fallen. Das massenhafte Abfallen der Nadeln ver­unreinigt das Zimmer. Deshalb ist auch das Belas­sen des Weihnachtsbaumes über den Dezember hinaus unprÄtisch und ungesund. Praktische Hausftauen legen weiße Bogen oder Tischtücher unter den Baum auf den Teppich und sammeln die Nadeln, die sich gut verwerten lassen.

Dabei kommen wir zur Verwertung des Christ­baumes nach dem Feste. Der Baum wird gut von den Nadeln gesäubert, und aus sämtlichen Nadeln, auch den gesammelten, ein Extrakt gekocht. Man nimmt dabei etwa ein Liter auf ein Pfund Nadeln, gießt das heiße Wasser auf die Nadeln und läßt sie so auskochen Dann ersetzt man die ausgekochten Na­deln, indem man etwas neues Wasser zugibt, durch ftische Nadeln, gießt die Flüssigkeit durch Leinewand in Flaschen und hat ein vorzügliches Parfüm, das man je nach Bedarf mit Wasser verdünnen kann, um die Wohnung damit zu besprengen. Auch als Zugabe zum Bade ist dieser Extrakt sehr gut. Tannen- und

und staatlichen Gesetzen widerstreitend. Aber solange der Duell.Unfug noch nicht vollständig ausgerottet werden kann, können wir nur wünschen, daß durch eine Reform des militärischen fog. Ehrenkodexes in dem oben bezeichneten Sinne wenigstens eine der tollsten Unsinnigkeiten und Unzuträglichkeiten beseitigt wird.

* Der Grvtzblock in Aktion. Bei der Stadtver­ordnetenwahl in Mülheim a. Rh. sind nach er­bittertem Kampfe die sechs Kandidaten der Sozial- demokraten mit knapper Mehrheit gegen die Kandt. Daten des Zentrums gewählt worden. Die Mehr- beit beträgt 30 bis 50 Stimmen. ;

’ * Welches ist das Ziel des Großblocks von Bebel bis Baffermann? Am 2. Dezember 1910 hielten der nationalliberale und der jungliberale Verein Karls­ruhe eine gemeinschaftliche Versammlung ab in der Professor Rheincr über die gesetzliche Regelung de« Verhältnisses des Staats zur Kirche in Baden sprach Die historisch-kritische Behandlung des Themas loste eine längere Diskussion au«, in der der Führer der badischen Antiultramontanen, Prof. Fischer nach d« „Sttaßb. Post* an das neueste Geschichtswerk de« früheren Heidelberger und jetzigen Berliner Umverst- tätsprofessors Schäfer erinnerte, !

„der alle antiullramontanen Elemente von der Sozialdemokratie bis zu den Rechtsnationalliberalen zum gemeinschaftlichen Kampf gegen den Klerikalismus auffordere. Dies bezeichnet Fischer als einzige Möglichkeit, den Klerikalismus zu über- winden und die liberalen Parteien mühlen, so scdwei> es ihnen ankomme, Selbstüberwindung üben. Den Staat warf er schwächliche Nachgiebigkeit gegen Ron ( durch Nichtausüdung der Staatsaufsicht über klerikal« Schulen (Badische Ansta't in Achern) und vergleiche, vor. Schließlich verlangte er Trennung von Staa und Kirche.*

Es ist bezeichnend, daß die nationalliberale »Ba­dische Landeszeitung*, die in ihrer Nummer 563 vom 3 Dezember über den Vortrag berichtet, über den Inhalt der Rede Fischers, wie ihn die „Sttaßb. Post hier darlegt, kein Wort berichtet. Offenbar hat ihr Fischer die Katze zu weit aus dem Sack gelassen. Es sollen also nach diesem Plane die von Bassermann bis Bebel einen Block bilden, um der katholi- sch en Kirche zu Leibe zu gehen.

Deutsches Reich.

* Eine Rekrutenansprache des Königs von Sach­sen wird jetzt ihrem Inhalte nach bekannt. Am Frei-

J6 281.

9 Mitcntog «. WO.

57. Jahrgang.

Vom Schlachtvieh empfiehlt sich besonders der Schweinebraten, der eigentliche Festbraten der alten Germanen zur Zeit der Wintersonnenwende. Doch ist überhaupt das Schlachwieh jetzt im allgemeinen vor­trefflich.

Der I a g d s p o r t steht ebenfalls im Zeichen des Weihnachtsmonats, denn die Treibjagden auf Rehe, Hasen und Füchse werden fortgesetzt, ebenso werden Sguen eifrig eingekreist und geschossen. Weibliches Rot- und Dammwild, das ebenfalls geschoffm wird, sowie Kälber liefern manchen schönen Braten in die Küche. Rebhühner und Fasanen sind zur Einkam- merung mit der Schncehaube einzufangen. Eine wichtige Aufgabe in diesem Monat ist die Wildfütte­rung, die nun energischer vorzunehmen ist, zumal bei kaltem Dezember. Es empfiehlt sich, Weichhölzer und Tannen zur Aesung für das Wild zu fällen, und, falls es bei strenger Kälte bereits zugefrorene Gewässer gibt, das Randeis stellenweise einzuschlagen. Dem Raubzeug ist eifrig nachzustellen, besonders bei stren­ger Kälte, da es da mehr Anlaß zu Raubzügen hat. Die frühe Dunkckheit begünstigt auch den Wildfrevel, weshalb darauf auch ein Augenmerk zu richten ist. Besonders flnd Wildsteige am Saum von Dichtungen nach Schlingen zu revidieren.

Für den B i e n e n w i r t gibt es jetzt so gut, wie nichts zu tun Daß ein guter Bienenvater gleichwohl täglich seinen Stand revidiert, um vor Ueberraschun- gen sicher zu sein, ist dringend anzuempfehlen, da nicht selten Mäuse und Ratten sich über die ganze Herrlich­keit hermachen.

Der Gärtner hat stch im Dezember vor allem nach dem Wetter zu richten. Bei srostfreiem Wetter steche man den Komposthaufen um und gebe Kalk hin­ein. Wintersalat und Spinat werden mit Reisig be­deckt. Ist die Erde gefroren, jedoch nicht mit Schnee bedeckt, so kann noch Dünger angefahren werden. Die Gartengeräte, die nicht mehr gebraucht werden, sind zu reinigen und zu revidieren, ob sie nicht einer Repa­ratur bedürftig sind, die jetzt am besten vorzunehmen ist. Sellerie, Petersilie, Schnittlauch können in Kästen oder Töpfen gepflanzt und in luftigen, frostfreien

Fichtenbäder werden al« heilkräftig gegen Rheumatis- mus gepriesen.

Die Zweige des Tannenbaumes sind zu Natur­holzarbeiten leicht von jedem, der nur einigermaßen geschickt ist und Geschmack besitzt, zu verwenden, ins­besondere zu Bilderrahmen, Fußbänkchen, kleine Kitt sten usw. Die gebogenen Zweigchen lassen sich vor der Verarbeitung strecken, indem man sie durch Kochen erweicht und aus einem Brett zwischen zwei Reihen seitlich eingeschlagener Nägel gerade spannt.

Um ftisches Grün unter dem Weihnachtsbaum zu haben, streue man eine Hand voll Gerstenkörner (auch Hafer ober Roggen), gleichmäßig und recht dicht auf feuchte Watte, die auf einem flachen Teller, einer flachen Schüssel einem Blumenblech oder dem Unter­satz für den Weihnachtsbaum ausgebreitet ist. Man muß aber von der Watte die Leimdecke entfernen. Dann besprenge man die Körper täglich, aber nicht übermäßig, und nach vierzehn Tagen sprießen die frischen grünen Keimchen aus den Körnern, welche sehr schnell bis zur Höhe van 25 Zentimeter wachsen.

Als weihnachtliche Festspeise bürgert sich auch in Deuffchland nach englischem Muster allmählich bei Plumpubbing ein. Daher ist ein Rezept wohl angebracht. Man mischt y2 Kiolgramm Ochsennie­renfett, y2 Kilogramm Zucker, y2 Kilogramm Korin­then, y2 Kilogramm Sultanrofinen, y2 Kilogramm Traubenrostnen, y2 Kilogramm gemischte Orange­schale unb Succabe, y4 Kilogramm Brotkrumen, y4 Kilogramm Mehl, 1 Teelöffel Salz, 1 Teelöffel Zim­mel, 8 Eier, 1 Rotwcinglas Kognak Das Fett mutz sehr fein gehackt sein, bie Rosinen unb Korinthen gut gewaschen unb getrocknet, Orangefchalen unb Succabe werben fein gehackt, bie Brotkrumen werden durch ein grobes Sieb geschüttet. Die Eier werden geschlagen und mit dem Kognak über die Masse gegossen, welche eine halbe Stunde gerührt wird. Dann wird eine ver­schließbare Form gebuttert und die Masse in der ver­schlossenen Form, deren Deckel mit einem Bindfaden festgebunden wird, oder auch in einem angefeuchteten, mit Mehl bestreutem Tuch dreizehn Stunden gekocht. Beim Anrichten wird er dann mit Kogncck begossen und mit Zucker bestreut und vor der Tür des Eß»

2. Blatt.

Druck unb Verlag bet $ulbaet ActiendruSerek in 5«lba.

tag, dem Jahrestage der Schlacht bet Villip, fand die Vereidigung der Rekmten der Garnison Dresden statt. Der Vereidigung folgte eine Ansprache des Königs, tn der es nach den „Leipz. Neuesten Nachr. heißt:

„lieber die Bedeutung der heutigen Feier flnd Sie schon von berufener Seite belehrt worden. Ich, als Ihr König, möchte Sie nur darauf Hinweisen, daß der heutige Tag, an dem vor 40 Jahren ein großer Tert meiner Armee in schweren Kämpfen mit einem Über­mächtigen Feinde sich unsterblichen Ruhm erworben hat, eine Mahnung sür sie sei, gleich Ihren militärischen Borfahren in Krieg und Frieden Ihre volle Pflicht zu tun, um den alten Ruhm meiner Armee aufrecht zu erhalten. Ich und meine Armee sind stets eins ge­wesen, unb werden es immer bleiben, solange bie Armee wie bis jetzt ihren ehrenvollen Platz vr >em großen beulschen Heere gehabt hat. Schwer und groß sind bie an Sie herantretenden Forderungen und werden sich nicht vermindern, solange ein vorwärt's strebender Geist im Heere herrscht. Seine Majestät der Kaiser, des Reiches erhabenes Ober- Haupt, sorgt mit nimmer rastender Sorgfalt für bi; Schlagfertigkeit des Heeres. Was er sonst für unser liebes Deutsches Reich getan hat, wirb bereinst auf erzenen Tafeln in bet Weltgeschichte verzeichnet stehen. teute gilt es nur, seiner zu gedenken als Soldat und aiser, als meines besten unb liebsten Freundes. Mit jubelnden Herzen stimmen wir darum in den Ruf ein: Seine Majestät der Kaiser, Hurra, Hurra, Hurra!»

Nach den letzten Reden des Kaisers ist diese An­sprache besonders beachtenswert.

L> Der Duell-Unfug hat in den letzten Tagen wieder zwei Skandale verschuldet, die sogar den konservativen „Reichs bot en" zu scharfer Kritik veranlassen. Es handelt sich um die Dueü- forderung eines Berliner Professors gegen einen Fakultätskoliegen und den von uns gestern er- wähnten Fall (vgl. Nr. 280, 2. Bl., Vermischtes), daß ein Reserveoffizier den schlichten Abschied er­hielt, weil er sich weigerte, eine von einem an­deren Reserveoffizier, einem Verbrecher, ihm zu- gesügte Beleidigung im sogen, ritterlichen Kampfe zu sühnen. Das genannte konservative Blatt erklärt, daß di; Entscheidung des militärischen Ehrenrats den öffentlichen Widerspruch heraussordern und begründet dies wie folgt:

„Noch immer hat es in der stolz an den ritterlichen Ueberliefeiungen in Ehrensachen festhaltenden Gemeinde als ein oberster Leitsatz gegolten: Nur der ist des ehr­lichen Zweikampfes würdig, welcher einen persönlichen Ehrenstand besitzt. Wer diesen durch eine ehrlose Handlung einbüßt, gilt als unsatissaktionssähig und dauernd ausgeschlossen aus dem Kreise der Genttemen. Nach dem allgemeinen Ehrenkodex halte also der Rechtsanwalt durchaus korrekt gehandelt, al« er keine Genugtuung forderte von einem Widersacher, der bei Absendung seines beleidigenden Briefes zwar noch dem Offiziersstande «»gehörte, aber doch ohne weiteres nach dem Bekanntwerden seiner ehrlosen Gesinnung aus demselben ausgestoßen werden mußte. Nun blieb allerdings objektiv bie Beleidigung eines Offiziers un­gesühnt, und nach den im Osfizierkorps herrschenden Anschauungen ist auch derjenige Offizier in ihm un­möglich, der für eine persönliche Beleidigung keine Genugtuung erlangt, auch nicht den Versuch genzacht hat, sich eine solche einseitig durch die Anwendung äußerer Kraftmittel zu verschaffen. Man versteht es daher, wie das militärische Ehrengericht zu seinem Spruch gelommen ist. Doch man wird zugeben wollen, daß fein Standpuntt, mag er auch den Anschauungen Der Vergangenheit streng angepaßt fein, mit unserer Zeit und mit der durch lle geläuterten Ehrauffassung sehr ritterlich denkender Kreise nicht mehr vereinbar ist. Der Grundsatz hat für die letzteren auch heute noch unbedingte Geltung, daß ein Gentleman sich nur mit einem Gentleman schlagen kann. Aber unhaltbar ge­worden ist die Anschauung, daß die verletzte Ehre bei versagter oder unerreichbarer Genugtuung durch einen Akt der Selbsthilfe mit fonst unritterlichen Mitteln wiederhergestellt werden könne und muffe, wenn z. B. ein von einer Person mit einer Realinjurie bedachter Offizier Tags daraus beit Frevler mit der Reitpeitsche sühnt. In den Kreisen mit einem seinen ausgebildeten Ehrgesühl als dem natürlichen Ergebnis wahrer Ritter­lichleit unb — Bildung kann der rohen Gewalt nie­mals eine sühnende Wirkung in Ehrensachen und über» hauvt nur dort ein Platz erlaubt werben, wo sie der schon vom Strafgesetz vorgesehenen Abwehr eines gegenwärtigen fremden Roheitsaktes gilt. In diesem Sinne bedürfen die Ehrensatzungen des deutschen Osfizierkorps unbedingt einer zeitgemäßen Revision.»

Im Gegensatz zu dem ,Reichsboten' verwerfen wir grundsätzlich das Duell als den göttlichen

Pvaktifche Ratschlage snr Dezember.

Von Joh. Bartels.

(Nachdruck verboten.)

Der Dezember steht im Zeichen des Weihnachts­sternes. Alles richtet sich nach dem kommenden gro­ßen Ereignis des Monats, dem Weihnachtsfest. Nur ost nicht das Weiter. Die Kaufleute wünschen, daß tzs kaltes, trocknes Winterwetter sei, damit das Weih­nachtsgeschäft flott gehe. Während des Festes selbst kann es dann tüchtig schneien. Das gibt dem Feste bie rechte Weihnachtsstimmung. Aber bas Wetter richtet sich sehr oft nicht nach biesen Wünschen ber Kaufleute, mit benen sich übrigen« bie Wünsche bet Lanbleute vereinigen. Nach bereu alter Erfahrung oll ein kalter Dezember ein ftuchtbares Jahr im Ge- olge haben, weiße Weihnachten aber grüne Ostern : ünben Ist ber Dezember aber warm, so baß wo­möglich noch zum Feste bie Natur nicht ganz abge­storben ist, bann stnb bie Bauern entsetzt, bas zeigt Teuerung unb Not an unb Krankheit, benn alte Dauernerfahrung lehrt: grüne Weihnachten, fetter Kirchhof.

Wie aber auch das Wetter sei, bte Hausfrauen sollen sich nicht abhalten lassen, bei Zeiten ihre WeihnachHeinkäuse zu machen. Später find die Warenlager nicht mehr gefüllt, die Auswahl wird geringer; dafür sind später die Läden mit Käufern gefüllt, und bte Verkäufer können sich nicht mit jebem bie gleiche Mühe geben. Da kauft man bann teurer t”? schlechter. Selbst Weihnachtsnäschereien können bei Zeiten gekauft werben, nur muß man sie so lagern, baß sie nicht verderben. Pfefferkuchen, Aepfcl und Nüsse halten stch Monate lang, nur dürfen sie nicht in trockenen, dumpfen Kammern lagern, sondern in kal­ten. aber vor Frost geschützten Räumlichkeiten, die Nicht feucht sind.

Für die Küche bietet der Dezember eine reich­liche Fülle. Lachse und Schellfisch kommen jetzt in Massen in Handel und sind empfehlenswert. Für den Festbraten empfehlen sich für die einfache bürgerliche Küche noch die reichlich vorhandenen Hasen und iiflnfe, für feinere Küche ber Puter unb ber Fasan.

[] Hansabund «nd Großkapital.

Nach seinen „Richtlinien* ist ber Hansabmib eine wirtschaftliche Organisation ohne leben parteipolitischen Beigeschmack, besten Hauptziel bie Herbeiführung einer völligen „Gleichstellung» des „er­werbsmäßigen Bürgertums* mit bem „Agrariettum ist Schutzlos stauben Gewerbetreibenbe, Kaufleute unb Industrielle bisher ben jahraus jahrein eintreten- ben schweren Schäbigungen gegenüber, mit benen fort­gesetzt gewerbefeinbliche, von Unverstcmb ober Eigen, nutz biftterte Maßregeln ber Gesetzgebung unb Ver­waltung jed.n einzelnen Kaufmann unb jeben einzel­nen Industriellen entrechteten unb belasteten*: bas stnb bie Grunbgebrmken, von benen ber Hansabund ausgeht. Zur Erreichung seines Zieles will er die gemeinsamen Jnteresten von Handel, Gewerbe und Industrie vertreten. Besonderen Wert W ber Bunb auf bie Gewinnung bes gewerblichen Mittet- stanbes unb bet Privatbeamten. Jebem Unbefangen ist heute aber klar, baß ber Hansabunb nichts anders als eine liberale Filiale barstellt. Aus ber Grünbung, bem Entwicklungsgang, ber bisherigen Betätigung, besonbers bei ben Ersatzwahlen zum Reichstag, aus ber ganzen Aufnahme, bie er int Sanbe gefunben hat, ließe sich leicht bieser Nachweis erbringen. Diese Frage soll jeboch hier ausscheiben. Es soll grunbsätzlich untersucht werben, ob bie Organi­sation, bie Zusammensetzung, bie Aufgaben bes Han» salmndes solche sinb, baß positive Arbeit unb Erfolg garantiert werben.

Selbstverstänblich kann niemanb Handel, Gewerbe und Industrie es verübeln, wenn sie sich zu Wirt­schaftspolttischen Verbänden zusammenschließen, um Einfluß auf unsere Wirtschaftspolitik sich zu sichern. Der Hansabund sucht nun das Ziel auf diese Weise zu erreichen, daß er eine große Organisation schafft zur Vertretung der gemeinsamen Jnteresten. Darin liegt die Schwäche des Hansabundes, daß er Be­rufe zusammenschließen will, beten Interessen eben nicht einheitlich genug sinb, unb anberfeits, um biefe Klippen zu umgehen, sich auf bie gemeinsamen Aufgaben beschränkt. Wenn ber Hansabund sich auf Großindustrie, Großhandel, Banken und Börsen, kurzum auf das Großkapital zurückzieht, wird man ihm eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können, da für diese in vielen Puiikten wichtige ge­meinsame Jnteresten vorliegen, die zum Teil Lebens- fragen bedeuten. Die Interessen des Großkapitals find in weitem Maße gleichartig. Aber auch hier darf man sich nicht verhehlen, daß die Sonderinter­essen der einzelnen Gruppen gar oft das Zusammen­arbeiten erschweren. Selbst die „Rh.-Wcstf. Ztg.* kommt zu der Anschauung: „Ob der Bund eine große Zukunft hat, möchten wir einstweilen noch sehr be­zweifeln.» Schon in Zollfragen werden Dif­ferenzen zwischen schwerer und weiterverarbeitender Industrie entstehen. Der Gegensatz zwischen Industrie und Börse tritt offen zutage.

Die „Deutsche Arbeitgeberztg.» gab anfangs 1910 dem Hansabund in ausfallender Weise zu verstehen, daß er nur bann auf bie Unterstützung ber deutschen Arbeitgeberverbände zu rechnen habe, wenn er in s o - zialpolitischen Dingen mit diesen durch dick und dünn gehe, d. h. scharfmacherischen Boden betrete. Sie gab deutlich zu erkennen, daß schon die Anerkennung der Arbeiter- und Angestelltenorgani- sation durch den Hansabund für sie Anlaß genug sein würde, den Bund abzulehnen. „Die Sache der Ar­beitgeber will der Hansabund nicht zu der seinigen machen. Er will Arbeitgebern und Arbeitnehmer» neutral gegenüberstehen, um es mit niemanden zu verderben. So haben die Arbeitgeber als solche nichts vom Hansabund zu erwarten und zu hoffen, und er wird ihnen dadurch zu einer gletchgiltigen In­stitution", heißt es in Nr. 42, 1910, des Organs des Zentralverbandes Deutscher Industrieller. Mit aller Entschiedenheit betont dieser, daß für ihn durch die Gründung des Hansabundes nicht die geringste Ver­anlassung gegeben sei, auch nur um Haaresbreite von feiner bisherigen Richtung abzuweichen. Daß der Zentralverband dem Hansabund nicht traut, geht auch daraus hervor, daß er seinen eignen Wahlfonds geschaffen hat, obwohl der Hansabund einen solchen besitzt.

Wie schwierig es für den Hansabund ist, zu einer Frage so Stellung zu nehmen, daß er des allgemeinen Einverständnisses seiner Mitglieder, auch nur soweit sie dem Großkapital angehören, gewiß sein kann, zei-

Auslaud.

i Die Botschaft des Präsidenten Tast an den Kongreß besagt, daß man in der Frage der Anti­trustgesetze eine zeitlang Halt machen und die weitere Entwicklung abwarten könne. Sollte sich eine weiter« Gesetzgebung als notwendig erweisen, so werde ent# sprechend verfahren werden. Der Präsident hat de» Kongreß ermächtigt, eine Beschränkung der R ü st u n g e n in Erwägung zu ziehen. Die Handels­beziehungen mit dem Ausland seien befriedigend. Der Ausgabeetat für das mit dem 30. Juni 1912 ablaufende Jahr betrage 630 Millionen Dollars, die Einnahmen 680 Millionen. Der Ueberschnß werde jedoch durch die Ausgaben für den P a n a # makanal in ein Defizit von steden Millionen ver­wandelt. Das neue Tarifgesetz sei eine noch nie dagewesene Einnahmequelle, doch werde es noch nicht möglich fein, in der gegenwärtigen Session die Tarif- resotm fortzusetzen wegen der noch erforderlichen sorgfältigen Einzelarbeiten. Die Regierung hoffe jedoch, die Reform mit dem neuen Kongreß fortsetzen zu können. Der Panamakanal werde zur festgesetzte» »eit, nämlich am 1. Januar 1915, vollendet sein. Die Botschaft empfiehlt die Erhebung eines Zolles von einem Dollar für die Nettotonne auf alle Han­delsgüter.

volkswirtschaftliches und Sojiaks»

* Der erste Ausbildungskursns für weibliche Be- rnssarbeiterionm der Fütforgeerziehung ist soeben in Straußberg beendet worden. Er zählte 40 Teil» nehrner aus den acht östlichen Provinzen, dem Stadt, kreise Berlin und den beiden westlichen königlichen Erziehungsanstalten. Geheimrat Schloffer, dem die Fürsorgeerziehung im Ministerium des Innern unter­steht, überreichte dem Vater des Gedankens, dem Leiter der brandenburgischen Erziehungsanstalten und Vorsitzenden des allgemeinen Fürsorgeerziehungs­tages, Direktor Pastor Seifert, den Roten Adler­orden 4. Klaffe.