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Leitung

* Tuldaer

Reklamen- und Anzeigenteil.

Prämiierung standen 19 Ehrenpreise zur Ver> ügung.

Aus dem Ua§ dargebiete.

4t Mmkenzrll, 5. Dez. 1910. D.r hiesige Volks­verein hielt gestern abend in der Gaflwirtschast Möller einen Familienadend mit Lichtbilder-Vorirag über die schädlichen Wirkungen des Alko­hols ab. Es haüen sich zu diesem lehlreicheu Vor­träge recht viele Psarraugehürigr eingesundcn; er­freulicherweise w r die männliche Jugend gut ver­treten. Tie Lichtbilder waren von der Zentra stelle des Kath. Mäßigkeitsbundes Deutschlands in Trier geliehen worden und wurden vonr Herrn Drogisten ■}[. Popp aus Fulda durch einen vortrefflichen Projektions-Appa at zur Darstellung gebracht. In Wort und Bild wurde gezeigt, wie der M ßbranch alkoholhaltiger Getränte geistige und körperliche Fähigkeiten schwächt, wie er Glück und Wohlsta >d der Familien zerstört, aus die Nachkommenschaft

realeren. ES geschehe der Wille unserer Vater von 1789 Gib unS die tägliche Freiheit. . . . Verzeihe uns das Unrecht, das wir gegen die Republik be­gangen haben könnten * Ein Kommentar ist da wohl int höchsten Grade überflüssig. ____________

Der Kampf um die freie katho- lifche Schule in Frankreich.

Seit einigen Wochen haben die ftanzösischen Ka­tholiken unter Führung der Bischöfe die Frage der freien katholischen Schulen aufgerollt.

In Paris, wie überall in der Provinz, fmden Versammlungen der Katholiken statt, in denen Nich­tige Redner dem Volke zumfen, es solle sich auf seine Rechte besinnen und mit Entschiedenheit nicht nur die freie Schule verteidigen, fonbern ihr auch für alle Zukunft die gesetzliche Existenz sichern. Und während He Jakobiner anerkennen müssen, daß ihr Verlangen nach der Monopolisierung der religionslosen und reli- aionsfeindlichen Staatsschule gescheitert ist, stellen die Katholiken von ganz Frankreich zwei wichtige Forde­rungen auf: ein Teil des Unterrichtsbudgets soll den freien Schulen zugewiesen werden, besonders aber in jenen Gemeinden, wo die Staatsschule nur eine geringe Schülerzahl aufweist — die Ernennung der Lehrer soll nicht mehr den politischen Behörden, sondern den hierarchischen Vorgesetzten der Lehrer überlassen werden.

Der Vorschlag, den die ftanzösischen Katholiken machen, erscheint angesichts der ftanzösischen Verhält­nisse kühn, er ist aber so gerecht, daß die Gegner bis jetzt keinen ernstlichen Widerstand geltend machen konnten und Gegengründe gegen ihn überhaupt nicht Vorbringen dürsten außer jenem, der Staat bestimme über die Erziehung der Kinder, nicht der Vater. Aber hier sind doch weite Kreise von Familienvätern ande­rer Meinung. Sie haben die Ueberspannung des Staatsgedankens, die Uebertragung der Elternrechte an den Staat, gründlich satt. Von allen Seiten lau­fen Meldungen über die Neubildung von Organi­sationen der Familienväter ein, die sich zum Ziele setzen, in der staatlichen Volksschule die vom Gesetz­geber' versprochene Neutralität zu sichern. In der Diözese Langres bestehen jetzt schon allein 23 solcher Verbände von der größten Mitgliederzahl

GS scheint andererseits, als ob der bekannte Ge­samthirtenbrief der ftanzösischen Bischöfe über die Schulbücher doch seine Schuldigkeit tut. Die a°>! klerikale Presse hatte gesagt, er habe fast keine Wirkung gehabt. Es steht aber heute fest, daß die Herausgeber und Verleger der betteffenden Schul­bücher keine Geschäfte mehr machet! Verschiedene von ihnen haben bereits die von den Bischöfen bean­standeten Stellen aus ihren Büchern entfernen lassen, ändere haben die Bücher umgeflaltet und manches n l-ezeichnender Weise abgeändert. Dort wo man eh e dicke Aufschneiderei über den in bet Kirche unb rm Gottesdienst ausgeübten Aberglauben (!) las, findet sich jetzt eine Abhandlung über bie segensreiche Tätigkeit der Benebiktinermönche, und alle anbercn gegen bie Kirche gerichteten Behauptungen, wie jene über bie Inquisition, sind weniger fonnett und ent­halten Sätze, bie erkennen lasten, daß die Verfasser wohl wissen, daß jede Zeit mit dem ihr eigenen Mahr genieifen wcrdru müsse

JV» 280.

Mittwoch den 7. Dezember 1910.

37. Jahrgang.

vermischtes.

♦ Die erste deutsche Eiftubah«, und damit bei erste Schienenstrang überhaupt aus dem europäischen Kontinent wurde heule vor 75 Jahren eröffnet, nämlich die Ludwigsdahn zwischen Nürnberg und Fürth. Das bayerische Landesmedizinalkollegium »orderte damals, daß längs des Schieneuftranges ein übermannshoher Bretterzaun geführt werde, da die ,fo schnell vorbeifahrenden Eiienbahnzüze" dem Sehvermögen des Fußgängers schaden tonnten. — Und heute?

♦ Als Offizier kassiert. Von demselben Ehren­gericht im Landwehrbezirk Mülheim a b. Ruhr, das auch in bem bekannten Falle Feldbaus in Frage kam wurde der Rechtsanwalt und Notar Da,»mann aus'Oberhausen in seiner Eigenschaft als Oberleut- nant d. L. mit schlichtem Abschied entlassen, weil er einen anderen Reserveoffizier, bet ihn in einem Briefe beleibigt hatte, nicht forderte. Dieser andere Reserveoffizier, der Kaufmann H. Kn., war früher mit Rechtsanwalt D. befreundet. Als K. aber dem Rechtsanwalt D. 20000 Mk. unter- chlug, brach letzterer den Verkehr ab Die Folge war der beleidigende Brief. Obgleich nun Rechts­anwalt D. nachwies, daß sämtliche in dem Briefe aufgestellten Behauptungen des K. unwahr waren und daß K. nicht nur ihm 20000 Mk. unterschlagen, sondern fluch andere um erhebliche Beträge b e t r o - gen hatte, wurde Rechtsan walt D. dennoch mr. schlichtem Abschied entlassen, weil er es »aus nicht stichhaltigen Gründen unterlassen hatte, sich gegen K bie standesgemäße Genugtuung zu beschaffen".. Noch vor Bestätigung dieses Urteils erschoß sich K., nach­dem er vorher feinen achtjährigen Sohn getötet hatte, unb nach seinem Tode kamen von ihm begangene um­fangreiche Unterschlagungen, Wechselfälschungen usw. ans Tageslicht. Trotzdem wurde der ehrengerichtliche Spruch gegen Rechtsanwalt Dammann bestätigt. Die Anklage hatte nun durch Einschaltung eines Neben­satzes eine Fassung, bie ben Schluß zuließ, als ob Rechtsanwalt D. in einem für ihn selbst richt ein- toanbfreien Geschäftsverkehr mit K gestanben hätte. In her ehrengerichtlichen Verhandlung beantragte des­halb ein Offizier (ebenfalls Jurist), diesen Satz zu streichen ober als Hauptsatz klarzustellen; bas würbe abgelehnt mit ber Begründung, darauf legte die Di­vision kein Gewicht, für sie komme nur bas Ver­halten ber beiben Beteiligten in bezug auf bie Beleidigung in Frage. Da aber Rechtsanwalt D. in diesem Nebensätze eine Anzweiflung seiner Ehren­haftigkeit finben mußte, so stellte er sowohl beim Vor­stand ber Anwaltskammer Düsseldorf als auch beim Oberlandesgerichtspräsidenten, dem er als Notar unter­steht, unter peinlich genauer Darlegung des Sachver­halts den Antrag, gegen ihn das ehrengerichtliche bezw. Disziplinarverfahren einzuletten. Beide Behör­den teilten ihm mit, daß sie nach den angestellten Er­mittelungen keinerlei Grund hätten, gegen ihn ehren­gerichtlich ober bisziplinär vorzugehen. Damit bleibt lediglich bie Tatsache bestehen, baß Rechtsanwalt D als Offizier kassiert ist, weil er einen Mann nicht ge- forbert hat, der ihm zunächst 20 000 Mk. unterschla­gen, andere betrogen und ihm bann einen beleidigen­den Brief geschrieben hat.

♦ Der Tod unter der Erde fanden in ber Kem- berton=®rube von Madeley-Wood (England) sieben Mann, die mit dem Förderkorb in die Tiefe stürzten.

Ausland.

* Jrredentistenprozesse. Vor dem Grazer Schwur­gericht begann die Verhandlung wegen Verbrechens des Hochverrats gegen 13 Personen, von wel­chen zwölf in Triest und eine in Goerz wohnen. Die Angeklagten werden beschuldigt, in den letzten zwei Jahren in Triest in Verbindung mit irredentistischen Kreisen Italiens die Anwerbung eines Freiwilligen­korps beschlossen und dessen Angliederung an italieni­sche Freiwilligenkorps beschlossen unlb gefordert zu haben, um einen bewaffneten Einfall in die sogenann­ten italienischen Provinzen Oesterreichs zu unter­stützen. — In W i e n begann die für bie ganze-Woche berechnete Gerichtsverhandlung gegen bie bet Spio­nage und Majestätsbeleidigung ange­klagten Giuseppe Colyi, Luigi Dante unb Ottone Tomasini. Colyi ist seinerzeit wegen Bankbiebstabls in Trient bereits zu sechs Jahren Kerker verurie'c worben.

* Der dänische Handelsminister MuuS, ein frühe­rer Großkaufmann, wirb wegen fortgesetzter Leitung seines Geschäftes heftig angegriffen. Sein R ü ck - tritt erscheint unvermeidlich, falls er nicht bie Lei­tung bes Geschäftes aufgibt

♦* Die Amtsenthebung des Athener Polizeiprä- feiten beschlossen bte Athener Zünfte von ber Regie­rung zu verlangen, ba verhaftete Personen im Poli- zeigewahrfam schwer mißhandelt wurden. Einige sol­len sogar totgeprügelt worden sein. Ein Polizeioffi­zier ist aus diesem Grunde vor einigen Tagen bereits verhaftet worden.

* Das Attentat mit der Hundepeitsche. Unter großem Andrang bekannter Suffragette^ fand in Lon­don bie Gerichtsverhandlung gegen Franklin statt, der am 25 November den Minister des Innern Chur­chill in einem Durchgangszug zwischen Bradford und London mtt einer Hundepeitsche zu schlagen ver­suchte. Churchill erschien selbst als Zeuge und er­klärte, daß seit fünf Jahren nahezu jede Versammlung, in der er spreche, gestört werde. Auf eine dahin zie­lende Frage des Verteidigers, ob Organe ber Suffra- getteS bezahlte Arbeit machten, antwortete Churchill: „Ich behaupte nicht, baß in jedem einzel­nen Fall dies geschieht', ich behaupte aber, daß bie aggressive Bewegung durch Geld unterstützt wird unb baß bie Demonstrationen ber Bewegung Geld ein- bringen." Bevor ber Minister bie Zeugeybauk ver­ließ, sagte er zu dem Richter, ber bei früheren Ver­handlungen Churchills nachsichtige Haltung gegen­über den Sufftagettes gebranbmörft hatte, er wäre sehr dankbar, wenn er den Fall milde beur­teile. Der Richter meinte, Churchill bringe ihn durch diese Bitte in eine schwierige Sage. Das Ur­teil gegen Franklin, ber bie Unverfrorenheit besaß, zu seiner Verteidigung anzuführen, daß er persönlich gar nichts gegen Churchill hätte, lautete auf sechs Wochen Gefängnis.

2. Statt.

vnnk und Verleg der znldaer Actienbrnckerei in Snlbe.

Tie Bischöfe ergreifen mit großem Nachdruck das Wort, um den Kampf für die fteie katholische Sebule zu stützen. So führte Kardinal Sucon auf dem Kongresse in Lille aus. bie Schule ohne Gott fei der größte Skandal auf der Well, sie We direkt vor die Schwurgerichte unb in die Gefängnisse. Der Biühof von Grenoble, einer der führenden Geister auf dem Gebiete des Schulkampfes, veröffentlicht :mcu neuen Hirtenbrief, worin er für die Katholiken, bie Steuern zahlen, das Recht beansprucht, ohne wei­tere Aussagen ihre Kinder in die Schule schicken zu dürfen, die ihnen beliebt, vorausgefttzt, daß diese Schule den staatlichen Anforderungen genüge. Die Energie der Bischöfe zeigt, daß endlich ein Gebiet gefunden ist, das bie Katholiken aller politischen Schattierungen zu sammeln vermag. Sie «Offen nun, baß es ein bestimmtes Ziel zu erreichen gilt, die freie katholische Schule, für bie bet Staat Mittel her geben muß Wenn man liest, in welch frivoler Weift ein Lehrer im Departement Loire-et-Cher bas Vater unser „laicisiert" hat, wirb ber Kampf ber Katholiken nur noch begreiflicher. „Vater unser, der du bist im nationalen Elysäum, . . . Freiheit Gleich­heit unb Brüderlichkeit sollen durch dich aus Erben

Den üblen Geschmack im Mund, Der sich nach längerem Rauchen, Biergenuß ober Ansent' halt in rauchigen, staubigen ober schlecht gelüfteten Räumen emstellt, vertreibt man durch ein paar Wy der t- Tabletten rasch und zuverlässig. Sie sind zahlreichen Menschen treue und unentbehrliche Begleiter, die sie nie von sich lassen. Di« lange ausreichende Schachtel lostet in allen Apotheken 1 Mk. Niederlagen in Anld« -nqek.Ap«the»e, Lof-AxalSeie und ^Swe»-A,»the>e.

sehr schädlich einwirkt, wie er den Trinker um Religion und Sittlichkeit bringt, wie die Trunksucht bte Gefängnisse, Armen-, Kranken- und Irrenhäuser bevölkert. Besonders wurden die Eltern gewarnt, alkoholhaltige Getränke irgendwelcher Art an Kinder zu verabreichen. Auch auf den hohen Alkoholgehalt der vielfach für harmlos geltenden Beerenweine wurde hingewiesen. Es ward Gelegenheit genom­men, das Pflanzen und die Pflege von Obstbäumen und den Genuß von Obst als gesundheitsdienlich ür jung und alt recht zu empfehlen. Von Schul­kindern wurden einige den Eindruck des fesselnden Vortrages erhöhende Gedichte vorgetragen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß derartige Vorträge zu der so notwendigen Aufklärung dienen über das unheilvolle Wirken eines der schlimmsten Feinde des Volkes und dazu beitragen, daß der Mißbrauch geistiger Getränke immer mehr verhütet werde.

— Aus der Rhön, 6. Dezember 1910. Die Leidenschaft des Wilderns hat in unserer Ge- gend schon viel Unheil gestiftet, und es vererbt sich ost diese ungezügelte Leidenschaft vom Vater auf den Sohn durch mehrere Generationen. Gar oft ist Gefängnis das Los des Wilderers und damit zieht Leid und Not in Haus und Hof ein. Ein Fall dieser Art ereignete sich kürzlich in der Gemeinde Sie in wand, wo ein junger Mann beim Wildern erwischt wurde. Er sieht jetzt seiner Aburteilung entgegen.

♦ Hanau, 5, Dez. 1910. Seit dem 30. v. Mts. bat sich die Verkäuferin Maria Stein, Tochter ves Diamantschleifers Jakob Stein, aus ihrer elter­lichen Wohnung entfernt, ohne bis jetzt wieder nach Haufe zuruckgelehrt zu fein.

* Aus dem Landkreise Offenbach a. M., 5. Dez. 1910. Ein 28jähriges Mädchen ans Hausen stürzte sich in den Main. Die Leiche wurde nach Gießen verbracht. Seit acht Tagen fehlt ein 24Miges Mädchen, von dem noch keine Spur vorhanden ist.

Frankfurt a. M., 5. Dez. 1910. Gestern vormittag fand tm alten Senckenbergianum durch Stadlrat Dr. Flesch die Eröffnung einer Aus­stellung für Freistundenkunst und Frei- itunbenarbeit stall. Die Ausstellung bezweckt eine Vertiefung der Bilvungsbestrebungen auf dem Gebiete der Freistundenkunst. Die Gestaltung der Arbeiisverhältnisse hierbei sei eine Kultur« frage. Redner hofft, daß es recht bald möglich, die Museen und Kunstsammlungen auch bei uns, wie in England, abends geöffnet zu sehen.^ Er oeriprichl sich auch viel von einem Hand-,n-Hand- gchen mit den katho'ischen und sozialdemoktali« scheu Lolksbildungsbestrebungen, soweit dies au einzelnen Gebieten möglich ist.

* Oberursel, 5. Dez. 1910. Die noch lebenden Kriegs oct er an en sollen in besonderer, Weise durch Veranstaftung eines großen Festkommerses geehrt werden. Terselvc soll am 18 Januar 1911, bem denkwürdigen Tage der 40jährigen Wieder­kehr dcr Errichtung des deutschen Kaiserreiches statlfinden

* Ilmenau, 6. De,. 1910. In Martinroda ver­übte tin vierzehnjähriger Junge Selbst­mord durch Erhänge». Ter Knabe, hatte n it einigen Kameraden, die ihn dazu verleiteten, aus einem Keller einen Sack Aepfel entwendet; bie Furcht vor Strafe hat ihn dann offenbar zu dem unseligen Schritt veranlaßt.

* Hofgeismar, 4. Dftz. 1910. Mit der gestern und heule in der hiesigen städtischen Turn­halle Dfianfialteten ersten Geflügelausstellung hat der seit .aum Jahresfrist bestehende Geflügel- zuchtverein für den Kreis Hofgeismar seinen ersten Schritt in die OeffentUchkeit gut bestanden. (Suva 250 Stück Federvieh, zum großen Teil ganz vor­zügliches Zuchlmaftriai, war zur Schau gestellt, von welchem 25 Nummern mit 1. Preisen, 25 mit 2. Preisen, 20 mit 3. Preisen und 47 mit 4. Preisen ausgezeichnet wurden. Für die

„Wer ist denn dieser Bartley?"

„Einer von bee Leuten, wie sie heutzutage plötz­lich in bie Höhe kommen Ist einer von ben Pächtern bes Obersten; bas ist er aber, wie ber ulte Herr zu sagen pflegt, nur zum Schein geworben Hat eine Kohlengrube angelegt — ja, bas hat er getan! — unb ein Arbeiterdorf gebaut unb macht alles, was er an- faßt, zu Geld. Nichts ftir ungut, Sir; ba Sie ein Fremder sind, geht Sie das alles gar nichts an."

„Es ist mir aber doch interessant", antwortete Monkton, „unb es macht mir Vergnügen, wenn ich einen neuen Ort besuche, zu hören, was sich bort zu­trägt. Besonders wenn es mir von einer so klugen Frau erzählt wird, wie Sie sind, bie gewöhnt ist, ben Dingen auf ben Grund zu sehen. Kommen Sie, trinken Sie noch ein Glas! Ich würde mich hier langweilen, wie ber Mops im Tischkasten, wenn Sie mir nicht Gesellschaft leisteten."

„Das tue ich ja natürlich von Herzen gern, Sir, und es ist mir eine besondere Ehre. Uebrigens haben Sie recht: Leben ist Leben, unb in einem WirtS- hause kann jeder, ber seine Augen und Ohren austut, mancherlei lernen."

„Lassen Sie mich noch einmal einschenken. ES heißt ja, baß ich guten Punsch zu machen verstehe."

„Mit allem Recht, Sir! Habe nie etwas Besseres getrunken *

Sie kostete unb schlürfte unb schmatzte mit ben Lippen, bis nichts mehr vorhanben war. Dies dritte Glas rötete ihre Wangen, gab ihren Augen höheren Glanz unb ihrer Zunge, bie zwar schon oon Natur sehr gelenkig war, noch größere Beweglichkeit.

„Da Sie nur ein Zugvogel finb, mein lieber Str", fogte sie, „heute hier unb morgen wo anders, kommt's ja nicht barimf an, was ich Ihnen erzähle, vorausge­setzt baß eS keine Lügen finb. . . So will ich'» Ihnen beim anvertrauen — es wirb hier im Dorse zu fürchterlichem Zank unb Streit kommen."

Nachdem sie diese erstaunliche Prophezeihung von sich gegeben hatte, schob bie gute Frau ihr Glas bem Frembm zu, um es »lebet füllen zu lassen, legte sich behaglich in ihren altmobischen, hochlehnigen Sessel zurück und beobachtete den Eindruck ihrer überwälti­genden MitteÜung.

ander losgehm unb einen Häuf«, Gelb dabei los werben. Das ist aber nur eine Seite ber Geschichte. Die anbere ist bie, baß sich Mister Walter bis über bie Ohren in Miß Mary verliebt hat."

„Miß Mary, wer ist bas?"

„Wer bas ist? Bartley's Tochter natürlich! Da? würbe ich ftellich kaum glauben können, hätte ich nicht ihre Mutter gekannt, benn ihm ist sie so unähn­lich in Aussehen unb Manieren, wie eine Tulpe dem Löwenzahn Sie ist bas hübscheste Mabchen in der ganzen Umgegend unb ebenso gut als hübsch. Vor ihres Vaters Bierhaus wirb sie niemanb anhalten scheu, ober an meinem Schilbe kommt sie nicht ein­mal vorüber, ohne baß cs heißt: „O Bits. Dawson, ich bin so bursttg; bitte, geben Sie mit ein Glas von Ihrem guten Apfelwein und etwas Waffet unb ein bischen Heu für Deersfoot." So benimmt sie sich immer — Gott segne das kleine Herzchen! Es ist gar nicht wahr, baß fie Durst hat, unb daß DeerS- foot gut im Futter steht, kann man seinem Atlasfell cm schm. Aber auf diese Manier will Miß Mary auch nur zeigen, baß fie mir ihre Kunbschast zuwenbet und sonst niemanb im Orte. Gott segne fie unb lasse sic manchen glücklichen Tag mit ihrem Hetzliebsten er­leben ! Tas ist aber kein anderer als Walter Clifforb, ben sie ebenso lieb hat wie er fie. Ich habe bas vom ersten Tage an gewußt. Sie haben sich beibe auf bei ersten Blick in einanber verliebt, unb feitbem ist das in ihnen sotigewachsen bis zum heutigen Tage. Mö gen sich bie beiden Alten in Stücke reißen, ein paar Liebesleute, wie biefe finb, werben sie boch nicht aus­einander bringen. ES gibt kein Mädchen im ganzen Dorse, bas ben beibe» nicht nachginge, um sie zu sehen unb ihnen Glück unb Segen zu wünschen. Unb, Sir bas könne» Sie mit glauben, so jung die beiden auch find, ihren sesten Witten haben fie, Eins wie bas Andere Miß Mary steht Einem ins Geficht, als ob fie zugleich ein Täubchen und eine Löwin wäre; man kann fie vielleicht bitten, aber zwingen gewiß nicht, unb was Waller betrifft, so ist er ein echter Clifford vorn Kops bis zu ben Füßen. Rein! bte beiben wirb nichts auseinanber bringen. So ist's Sir, wie bie Sachen stehen, und fein unwahres Wort in allem, was ich gesagt habe, unb mm lassen Sie mich Ihre Meinung hören."

(Fortsetzung folgt)

44] Roman hi zwei Bänden von Charles 9t e a b e- Verlaus des Abends verlangte er Brandy, -Heu Rum, Zitronen, gestoßenen Zucker, einen Tee­kessel unb eine Punschbowle. In oer letzteren, einer umfangreichen Reliquie Vergangener Tage, mischte er ein köstliches Getränk unb lud die Wirtin ein, sich zu ihm zu setzen, mn es zu kosten. Sie tat es, erklärte seine Mischung für ausgezeichnet unb wat bald von '.hm in ein eifriges Gespräch verstrickt.

Sie war eine große Schwätzerin unb weihte ihn zuerst in ihre persönlichen Leiden unb Bekümmernisse ein Obwohl bas Dorf sich fortwährenb vergrößerte, hatte sie nicht an Kundschaft gewonnen, weil ihr bie neue Bierschenke im Wege stanb. Die einfache Er­wähnung dieser anstößige» Institution genügte, ihre Galle in Aufregung zu bringen. „Ein feinet Herr, wahrhaftig", sagte fie, „braut sein eigenes Bier unb macht einer armen Witwe bas Brot streitig, bie -ö<it ihres Lebens in diesem Hause gewirtschaftet hat, ft wie vorher ihr Vater Der Oberst wird es aber nicht zngeben, baß man mich von Haus unb Hof treibt, und Mr. Walter, ber bem alten Herrn bie Geschäfte führt, ebensowenig!"

Monllon schlürfte seinen Punsch in bet Erwar­tung, auch ben Namen Hope zu hören, aber er kam nicht. Die gute Frau überflutete ihn mit bem, was sie selbst am meiste» interessierte. Sie wäre im Be­griff, zu ber „Schwarzbrannen Kuh" noch etwas Land zu pachten, erzählte fie; aber nur Wiesen, benn )U wirklicher Feldarbeit hätte fie selbswerständlich keine 8«i. Was jedoch die Milchwirtschaft unb bas Be- gi von Butter unb Käse beträfe, so nähme fie es

mit jedem in der ganzen Umgegend auf, und sie bafür die Kundschaft der Grubenarbeiter ge- e» könnte . . .

„Aber was gilt bie Wette, Sir", fügte sie hinzu, chaß dieser Barttey ebensogut eine Milchwirtschaft yttid)ten wirb, um mir zu schaben, wie et es mit ber vierschenke gemacht hat."

„Bartley?" fragte Monkton.

»Ja, Sir, ber Mann, bem zu meinem Unglück ^it Kohlengruben gehören, bie Bierschenke unb alles Jebrige."

Monkton rieb sich bie Hände. „Das freut mich", sagte er vergnügt, „bas heißt vorausgefttzt, baß meine gute Frau Wirtin nicht babei zu Schaden kommt."

„Seht gütig von Ihnen, Sir", erwiberte bie Dame. „Sie finb ber höflichste Herr, ben ich Zeit meines Lebens gesehen habe Auf Ihre Gefunbheit, Sir, unb Glück in Ihren Geschäften! Mögen Sie noch manchen frohen Tag erleben . . . Ihre Dienerin, Sir!"

„Ich meine es ebenso, Mabam!"

„Was nun ben Zank unb Streit anbetrifft, Sir, so wirb er zwischen ben vornehmen Leuten ftattfinben — nicht etwa, als ob ich Bartley einen vornehmen Mann nennen möchte. — Urteilen Sie selbst, Siri Sie finb ein Man», ber das Leben kennt, ein Ge­schäftsmann unb bem Anschein nach ein ältlicher Mann."

„Jebensalls bin ich älter als Sie."

»Das wollen wir gut sei» lassen", gab Mrs. Daw­son "trocken zur Antwort. „DaS Kirchentegistet haben wir nicht zur Hanb, was für mich um so besser ist. Aber, wie ich schon vorhin sagte, urteilen Sie ge­fälligst selbst."

„Dazu bin ich gern bereit, Madam, wenn Sie mir "bie Sachlage erklären wollen", erwiberte Monllon

„Das soll geschehen", sagte Mts. Dawson wichttg, unb nach kurzer Pause fügte sie hinzu: „Hören Sie also, wie sich alles verhält — es soll kein unwahres Wort über meine Zunge gehen."

»Das wärt freilich bemerkenswert", dachte ihr zynischer Zuhörer, aber er schwieg, nahm eine respekt­voll lauschende Miene an, und Mts. Dawson fuhr fort.

„Oberst Clifforb", sagte sie, „hat einen Zorn aus Bartley, als ob et Gift wäre, und Bartley gibtts ihm zurück. Der Oberst hat geschworen, ihn von HanS und Hof zu treiben, und wenn er ihn aus ben Ein- geweiben ber Erde holen müßte, und hat ihm ei» Schreiben, vom Advokaten geschickt — durch bas Ge­schwätz der Dienerschaft toitb eben alles bekannt. Bartley macht sich aber nicht so viel aus bem, was bet Abvokat geschrieben hat. Er sagt, baß er es mit bem Oberst aufnehmen will, unb so werben sie bei ben nächsten Affisrn mit Feuer und Schwert aus ein-