Leitung
Tuldaer
Zur Sache schreibt
die „Schief. Volksztg." u a.:
in seinem Buche über
zu beobachten pflegt als . . . aber Du Wirst es
auf Dem Ehrenwort!" aut mein Ehrenwort!"
sagte fie jedoch:
„Weil er mich genauer Papa, und das tut er, weil niemand verraten?"
„Gewiß nicht!"
„Keiner Menschenseele;
„Kemer Menschenfeele;
der Schank- und Trinkfreiheit auf ihre Fahne schreiben will.
** Die Kosten einer Neuwahl in England werden auf mindestens 30 Millionen Mark veranschlagt, so daß Großbritannien, da es bereits im Januar sirr eine Wahl zahlen mußte, in diesem Jahre über s e ch - zig Millionen Mark auSgegeben hat, um Parlamentarier ins Untechaus zu senden Sir John Simon der Abgeordnete von Walchamstow, hat in diesem'Jahre bereits zwei Wahlkämpfe ausfechten müssen, die Allgemeinwahl im Januar und eine Ersatzwahl, weil er zum Solicitor-Genewl befördert wurde, vor einigen Wochen; eine jede Wahl hat ihn fast 65 000 Mark gekostet. Nunmehr muß er aufs neue bett Kampf beginnen, und er hat surseinenMtz in Westminster in diesem Jahre allem über 200 000 Mark verausgabt. Wie man sieht, ist die Ehre, englischer Mgeocdneter zu sein, nicht gerade b uhg zu erwerben. Die Konservativen greifen die Regierung auf das heftigste an, weil die Neuwahl vor Wethnach- ten eine schwere Benachteiligung für die Geschäftswelt bedeute, worauf die Liberalen jedoch erwidern, daß der Umlauf von dreißig Millionen Mark, die bereits vor dem 10. Dezember ausbezahlt fein werden, einen recht willkommenen Zuschuß für Weihnachtsge-
„Run denn, weil er mich Leber hat."
„Unmöglich! Wie kommst Du darauf?" fragte Walter unSäubig; aber Mary war ebenso wenig geneigt, ihre Meinung zu ändern, als ßch weiter über die Sache auszusprechen, die für sie trotz alles Rach- denkens Malend und unbegreiflich blich.
Mr haben jetzt den friedlichen Zustand geschildert, in welchem die Verhältnisse in Derbyshire für den Zeitraum einiger Monate verharren sollten, und werden ferner zu zeigen haben, wie sich nach und nach neue Elemente der Zwietracht unter der ruhigen Oberfläche anhänfthe«. Für jetzt aber müßen wir Derbyshire verlaffen, nm in der Kürze ein anderes Gewebe von Ereignifsen vorzuführen, das viele Jahre vorher angesponnen, sich bis etwa drei Monate nach der Genesung des Obersten hmzieht. Der Leser wird sich über diese scheinbare Unterbrechung nicht zu beklagen haben, denn ist unsere Erzählung bisher langsam dahin gesloffen, so wird fie hinfort, dem Naturgesetz« zufolge, dem auch fie unterworfen fit, kn breiterem und mächtigerem Fluße Westergehen, nachdem sich in ihr zwei verschiedene Strömungen vereinigt haben.
(Fortsetzung folgt.)
JV? 2Z6.
greltag de» 2. Pejmber 1910.
37. Jahrgang.
Deutsches Keich.
+ Neuordnung der Einberufung von Eisenbahnern im Kriege. Künftig werden nach Bestimmungen der Heeresverwaltung die Eisenbahnbeamten, die fest angestellt sind, im Kriegsfälle vorerst vom Waffendienste entbunden und zum Teil zum Feloeiscnbahn- dienftc herangezogen, soweit der Chef des General- stabcs der Armee den Bedarf feststellt. Die Auswahl der betreffenden Mannschaften liegt den einzelnen Bahnverwaltungen ob. Die Beamten, denen eine di- rekte Bedienung dec Eifenbahnzüge nicht obliegt, wie
Zahlung feststellt, auch die Ausbeutung des unterirdischen Gehalts zu beanspruchen. Ein endgiltiges Urteil aber will der alte Fuchs nicht abgeben, ehe er nicht jeden Buchstaben des Pachtkontr-rkts gelesen hat. Daß die ganze Geschichte eine betrügerische ist, steht für mich längst außer Frage, handelt es sich doch um einen Menschen, der aus lauter Betrug zusammengesetzt ist. Aber, Gott sei Dank, ich bin endlich wieder ich selbst!" Dabei erhob er sich und blieb kerzengerade stehen. „Und ich werde ihn abschütteln!" rief er aus, „müßte ich ihn auch aus den Eingeweiden der Erde heraufzerren . . . ja, abschütteln . . . ihn und seine ganze Sippe!"
Mit diesen Worten marschierte er, den Stock fest auf den Boden stoßend, zum Zimmer hinaus, in dem Julia verwundert und Walter, tief erschreckt über diesen rachsüchtigen Zorn, zurückblieb-n.
13.
Die Schlange wieder irr
Walter war so unglücklich über diesen Wutausbruch und den drohenden Rechtsstreit zwischen dem eigenen Vater und dem feiner Geliebten, daß Julia Clifford Mitleid fühlte und die Versicherung gab, sie würde die Sache für den Augenblick zum Stillstand bringen. Darauf setzte fie sich wieder an den Schreibtisch und nach Verlaus von fünf Minuten hatte ihre geübte und gehorsame Feder ein so liebenswürdiges Schriftstück vollendet, daß es unmöglich gewesen wäre, demselben zu widerstehen.
Zuerst bat sie um Verzeihung wegen ihrer scheinbaren Falschheit; aber wenn sie Mr. Bell eben so aufrichtig als vertrauensvoll die ganze Wahrheit auseinander gesetzt, hoffte sie auf seine Billigung. Daraus teilte sie ihm mit, daß Oberst Clifford kürzlich erst „wie durch ein Wunder' aus tödlicher Krankheit gerettet fei, daß aber jeden Augenblick ein Rückfall ein- treten könnte, wenn bet kaum Genesene durch das Verfolgen eines zweifelhaften Prozesses mit einem verhaßten Gegner in zornige Aufregung versetzt wurde. Der fragliche Rechtsstreft wäre überdies aus verschiedenen Gründen für Walter Clifford, den Sohn und Erben des Obersten, in hohem Grade peinlich, und er würde sich Mr. Bell verpflichtet Men, wenn derselbe durch alle ihm paffend scheinenden Mittel die
zu machen.
* Eine Schmähung Windihorst's, des großen Führers des Zentrums und des Heerführers der Katholi- km im preußisch-deutschen Kulturkampf, hat der frühere nationalliberale Abg. K ule manu begangen. In seinen eben erschienenen Memoiren bezichtigt er den Abg. Windihorst, daß sein Kampf für den Katholizismus Mache gewesen und daß selbst seine Anhänglichkeit an das hannoversche Königshaus u n- e ch t gewesen sei. Und die Beweise für diese so leicht hingeworfenen, und doch so schwerwiegenden Behauptungen und Anschuldigungen? Sie — fehlen. Man weiß, daß Bismarck ähnliche Verdächtigungen gegen Windihorst aussprach, und dies in seinen Gedanken und Erinnerungen in noch veflchärftem Maße tat. Aber man weiß auch, daß er beim Tode Windthorsts vor feinem größten Gegner den Degen senkte und nur leise grollend sprach: „Man hat ihn vor und nach seinem Tode zu einem Rationalheiligen gemacht." Gewiß ist es zu bedauern, daß auch Bismarck sich zu solch haltlosen Verdächtigungen hinreißen ließ, immerhin wird man ihm, der in Windihorst nicht nur seinen gefährlichsten Geaner sah. fondem bet im Kulturkämpfe schließlich auch die Waffen vor ihm strecken mußte, in etwa mildernde Umstände zubilligen können. Herrn Kulemann sind aber selbst diese mildernden Umstände in keiner Weise zuzuetkennen. Z«"
Sehr treffend weist Husgen
Windihorst daraus hin, d.'ß schon g'eich nach ‘einer Ernennung zum imnnooer'lcheü MmMer ihm im Än z- burger Sonntagsblatt am 7. Dezember 1851 das -Zeugnis ausgestellt wurde, er habe „in der Kammer die Rechte der kaiholischeii Kirche stets kräftig vertreten, und sei überhaupt der enisch edeusie und unerschrockeulle Vorkämpfer der kaiholiscken Sache in Hannover, wo die zahlreiche katholische B vötkeiung bisher von nichts zu erzählen wubie, als von Verkürzungen ihres guten Rechtes, von Drangsalen und Quälereien aller Art". Windihorsts ganzes'Leben war fast nichts anderes, als eine — und zwar giößlenteils mehr a's harte — Kampfestätigleit füi die katholftche S .che. D-.eicrhaid hat er sich persönlich aus das weitgehendste eingeschränkt, und auch Hin Stdemaim soU:e nicht nnbekamU sein, daß er selbst eine Stellung mit 100000 Mark Einkommen im hohen Alter noch anSgeschla-eu hat, a'S hohe kirchliche Stellen ihn baten, auch in Zukunft dem katholischen Deutschland sich zu erha'ien. N id ’.ft nicht
— um nut da? eine noch zu erwähnen — die Marienkirche in Hannover, deren Bau er (unter Ablehnung einer großen ihm zugedachten persönlichen Zuwenduag) talkräflig förderte, und tu bet et auch seme letzte Ruhestätte gefunden, der fptechendste Beweis für die aus- richtige, katholische Gesinnung, von 6er Wmdlhotft erfüllt war? Und da kommt Herr Kulemann und wagt es in seinen Erinnerungen, einen Mann rote JBmpi- horst, vor dessen Persönlichkeit auch der anständige Gegner stets achtungsvoll den Hut zog, m geraoezu unquaiifizierbarer Weise zu verdächtigen.
Dieser vergiftete Pfeil prallt auf den Schützen zurück. Vielleicht liest Herr Kulemann einmal die Nachrufe nach, welche Eugen Richter in seiner FrA- jtnnigen Zig und der Berliner Vertreter der Frankfurter Ztg. Windthorft gewidmet haben.
♦* Späh. Ein nationalliberales badisches Blatt, es ist die ,Breisgauer Zeitung' schrieb dieser Tage:
„Eine intensive Verbreitung der liberalen Presse ist das stärkste Bollwerk gegen die Soziak-
Angeiegenheit so lange als möglich hinanszuschieben suche.
Walter dankte der Schreiberin. „Welch' ein Degen, wenn uns eine Frau zur Seite steht!" fügte er hinzu.
„Mit wäre es lieber, wenn mir ein Mann zur Seite stände", gab Julia lachend zur Antwort.
Mr. Bell antworieie in vorsichtiger Weise Er wollte jetzt seine Vorarbeiten für die in sechs Wochen stattfindenden Afsifen zum Vorivand des Ausbleibens nehmen und dann eine weitere Entschuldigung finden. Dies tat er, gab aber gleichzeitig das Versprechen, die Sache im Auge zu behalten
Die beiden Verbündeten begnügten sich aber nicht damit, das rachsüchtige Fatnilienhaupt in dieser Weife zu hintergehen; sie taten außerdem, was sie irgend .konnten, den alten Herrn zu erheitern Bartlehs Name wurde nie genannt und Percy Fitzroy, trotz aller Einwendungen des armen Kleinen, fern gehalten- mit einem Worte, sie machte» dem Oberste» das Leben so leicht, daß er sich embildete, alles nach eigenem Willen zu regieren, und täglich an Gesundheit und guter Saune zunahm. Ist es doch ein altes Sprüchwort, daß, „wer immer nach Gefallen leben und tun kann, nicht Gefahr läuft, vor Zorn zu sterben". Was aber sonst noch unbehaglich -mb schwer burchzufühgien war, würbe durch Marh's Gute uild Liebenswürdigkeit erleichtert.
Wir haben es schon ausgesprochen, baß sie ben meisten weiblichen Wesen an Beharrlichkeit unb gewissenhafter Durchführung bes einmal Begonnenen überlegen war. Das war bk Erklärung für ihr rasches Erlernen von Sprachen, Musik, Zeichnen imb „Kalisthenie", wie ihr Lehrer das weibliche Turnen zu nennen pflegte. Die Glieder des scheinbar zarten Geschöpfes befaßen eine stählerne Kraft. Mit benmn- bciungätoürbiger Anmut unb Geschicklichkeit konnte sie ein dreißig Fuß langes Seil hinaufkletiern, sich oben mit einer Hand festhalteu unb mit bet anberen ben unten stehenden Freundinnen Küffe zuwerfen, und denselben Tag als Walter ihr die Einwilligung zu der heimlichen Heirat abgerungen hatte, lernte fie das Trauungsformular auswendig und suchte sich seine Bedeutung klar zu machen
2. Blatt.
Druck unb Verlag der Zuldaer Actiendnickerei in Zutba.
schenke bedeuten.
*♦ Wieder hat sich ein angeblicher Klosterskandal in Portugal in Dunst aufgelöst. Tas sozialdemokratische Blatt El Progreso hatte einen schamlosen Feldzug gegen ein Frauerckloster in Barcelona er= öffnet, welches ein junges Mädchen dem Laster überliefert haben sollte. Das Blatt hatte die Stirn, für das angebliche Opfer und seine Familie eine Sammlung zu eröffnen, bevor noch der auf sein Drangen gegen das Kloster angestrengte Prozeß eingeleitet war. In dem Verzeichnis der Spenden hat sich die von dem Blatt planmäßig in den Arbeiterkreisen Barcelonas aeweckte und genährte Bestie herrlich offenbart. Zwei Proben: „Ein Maschinist, der in feiner Maschine Pfaffenfleifch zerhacken möchte" ... 1 Pes. „Eine Frau, die mit Psaffenfrtt Nonnen spicken mochte . . u, Pes. Und so in lieblichem Wechsel weiter. Ne- benbet wimmelte der Anzeigenteil des Blattes von den ekelhaftesten, auf die behauptete Vergewaltigung bezüglichen Anzeigen. Und das Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung? Die sechs vom Gericht .von der Anklage und der Verteidigung benannten vereidigten Aerzte, darunter bekannte Pfaffenfteffer, haben begut- achtet, daß nicht die Spnr eines Beweises für die verleumderische Behauptung vorhanden sei. Urplötzlich hat nun das Blatt, das mit seiner schamlosen Verlemndung zuletzt ganz allein stand, die Schleusen des Kot-Stromes geschloffen, es tft mäuschenstill geworden, ohne das leiseste Wott der Ent- schuldigung zu finden, nachdem es wochenlang ben Ferrerpöbel gegen bie Nomien gehetzt hatte. So aber bereitet man „Rote Wochen" vor, für beren Brutillt- täten bann die liberale und sozialistische Presse bk „Fäulnis" des spanischen Kirchenwefens verantwortlich macht.
Gelingt schließlich eine Vormerkung, so dauert es Jahre bis zur Einberufung. Die Zahl der SRitroerber ist eben zu groß, und jede Erhöhung des Unter« offizierelats vermehrt die Konkurrenten. Wer nähere Fühlung mit diesen Bewerbern hat, bet tut ost einen Blick in große, stumme Not oder grimmige Verzweiflung. Hier tritt eine ernste Sorge hervor, und sie kann nur gelindert werden, wenn man das Heer der Unteroffiziere nicht erhöht. Man kann den Kreis der vorbehallenen Stellen nicht stelig vermehren; dreZiml- anroärter fetzen sich zur Wehr; sür manche Arbeiten kann man den Mililäranwärier nicht verwerten. Man kann aber auch die Zahl der Beamtenschaft nicht deshalb erhöhen, damit Mililäranwärtcr ein Unterkommen finden. Man muß eben die Zahl der Stonhmentcn' eineiigen. Dem Kriegsministerium, so schließt der Artikel, muß es in erster Linie obliegen, hier Vorschläge
Ausland.
** Die Aniialküholbewcgung in Frankreich. Abg. Reinach und eine Anzahl Gesinnungsgenossen sind zu einer Kammergruppe der A l k o h o i g e g n e r zu- sammengetrtten und planen die Einbringung ernes Gesetzentwurfes, der die Freiheit, ^.rinkwittschasten zu öffnen einschränken soll. Sofort haben Gönner und Freunde der Wirte in der Karniner eine G e g e n- gruppe zu bilden begonnen, die die Verteidigung
demokratie." ,
DaS ist im Zeitalter des Großblocks em Spaß, wie er nicht alle Tage gemacht wird. In Wirk- lichkeit ist die nationalliberale Presse, speziell im Grohblocklande Baden nichts als eine Brücke, auf welcher man ungeniert -ur S°zmldemokraUe hm- überkommt. Und wer die Wahrheit sagt, der muß sagen: Die badische nahonaUtberale Presse fördert die Sozialdemokratie. Und wer die natwnalllberale Presse bekämpft, der bekämpft damit indirekt die Sozialdemokratie. Sollte die badische national- liberale Presse dies nicht glauben wollen so fei darauf verwiesen, daß die nattona(liberale ,Rheinisch-Westfäl. Ztg/ Nr. 1036 schreibt:
„Die Hauptschuld an dem Anschwellen der roten Flut, an der steigenden Mißstimmung trägt die Hetzarbeit, die nun schon über em Jahr lang ntele Liberale als Hilfstruppe der Sozialdemokratie betreiben, als letzten Rettungsversuch, sich bei den breiten Massen zu rehabilitieren.
d' München, 1. Dez. 1310. Eine gewaltige Kundgebung haben vorgestern die Munch e- net Katholiken veranstaltet. Die Freidenkerbewegung und deren Wanderredner suchen die Küche und die Gottheit Christi niederzureißen und das Volk ungläubig zu machen. Diesmal ist Augsburg mit einer großen Gegendemonstration vorangegangen, welche der bekannte Kanonikus Professor Meyenberg anführte. München ist nachgefolgt, dem 6000 Personen fassenden Münchner Kindl-Keller mußte frühzeitig der weitere Zutrttt abgesperrt werden^ der nahe Bürgerbräu-Keller mußte eine große Parallelversammlung aufnehmen. In der ersten Mrsamm- lung sprach in zweistündiger Versammlung Professor Meyenberg, in der zweiten in cmdertharbstundigem Vortrag Pater Canistus. Die begeisterte Volksmenge, hingerissen von der wissenschaftlich tiefen, von echter Ueberzeugung getragenen Apologien der beiden Redner bekannte in jubelnden Kundgebungen den Glauben an JefuS Christus, den Gottmenfchen — Ein f o - zialdem akratisch geleitetes Sanatorium, das von Oberolkofen (bei Graftng), ist im Gerichtssaal etwas unter die Lupe genommen worden, aus Anlaß eines Beleidigungsprozeffes. Der Kläger, ein ; Schriftsetzer, war 1908 einige Wochen in dem Sanatorium zur Erholung. Schon damals beschwerte er sich über schlechte Kost und Verpflegung. Die Be- schwerdekommifsion wies ihn zurück. In der Gene- ralversanimlung 1909 brachte er seine Beschwerde abermals vor, wurde dafür von einzelnen beschimpft und sogar angespnckt. Deshalb stellte er Privatklage. ■ In der Verhandlung wurden schwere Uebel- stände in dem Sanatorium dargelegt in Hinsicht auf : Kost, Verpflegung und hygienische Anforderungen. . Würde das Gleiche in einer katholischen Anstalt nach- , gewiesen, so würde die rote Presse wochenlang die r fulminantesten Artikel bringen._____________
Ein gefährliches Geheimnis.
89] Roman in zwei Bänden von Charles R e a d e' Der Oberst hatte noch eine schwere SchmerzcnSzeit durchzumachen, aber nach Verlauf von vierzehn Tagen war der Paroxysmus vorüber und der Appetit stellte sich wieder ein. Alle Hausgenossen waren bemüht, den Kranken zu pflegen, alle, Julia Clifford einge- schloffen, suchten zu feiner Erheiterung oeizu tragen. Percy Fitzroy wurde nicht erwähnt, Bariley's Name ängstlich vermieden. Der Oberst selbst aber hatte die Warnung zu Herzen genommen ,war in Bezug auf feine Diät vorsichtiger als bisher und hielt sich den ganzen Tag im Freien auf.
Walter verließ ihn selten und immer nur auf kurze Zeii wenn er hoffen durfte, ein paar Worte mit Mary wechseln zu können, ihr Bescheid zu brmgen, wie die Dinge standen, und zu tun, nms m ferner Macht lag, ihren Mut aufrecht zu erhalten und fie mit ihrer peinlichen Lage zu versöhnen.
StW er eines Tages von seiner jungen Frau zu- rückkam bk er in tiefer Niedergeschlagenheit verlassen hatte, obwohl fie niemals Nagte, nur ernst und gedankenvoll war, fand er seinen Vater und ^ulia m der Bibliothek. Julia hatte für den alten Herrn Briefe geschrieben, unb als Walter einhat, man sie diesem einen bittenden Mick zu, der zu sagen schien. „Was sch h:e, geschieht mir aus Zwang und Sie werben 'nicht damtt zufrieden sein." Der Oberst aber ließ >tn jungen Rann nicht lange im Zweifel über das, t^08 sgaöer" fing er an, „ich habe Dir doch von Bell tmäblTbem Vertreter unseres Bezirks. Ich hatte krftles Tages Gelegenheil, ihm eine Gefälligkeit zu er- [toeifen und er hat das nicht vergessen. Uebermorgen kommt'er h«, wirb bie Nacht hier logieren unb meinen Kontrakt mit dem Schufte durchsetzen. Er selbst hat bereits mit einer Anzahl derartiger Fälle zu tun gehabt unb hat im Allgemeinen seine Ansicht bahin ab- leegeben, bah er es für eine Widercechtlichkeit hält, Elf @ntnb eines Pachttonttaktes, bet nur bie Ausnutzung ber Felder ins Auge faßt und nur dafür
z. B. bie Gepäckttägmtz Schreiber, Bahnsteigbiener usw. bllben eine Ausnahme unb werben nach ben alten Bestimmungen zum Waffenbienst herangezogen.
* Unteroffiziere — Militäranwärter. Der neue Mllitäretat bringt wieder eine Vermehrung der Unteroffiziere. Aus diesem Maß veröfsenllicht der Abg. Erzberger im „Tag" einm bemerkenswerten Artikel, der eine von der Militärverwaltung nicht ausreichend berücksichtigte, für die Bettoffenen aber sehr wichtige Seite der Frage berührt, die Frage nämlich: Wie ollen die Kapitulanten in Beamtenstellen untergebracht werden? Herr Erzberger führt u. a. aus:
Der Beruf als Unterosfizier ist kein Lebensberuf; man wünscht kaum verheiratete Unteroffiziere, und heuie sieht es die Verwaltung ungern, wenn ein Kapitulant länger alS 12 Jahre bient. Der Reichstag stimmt diefer Auffassung zu. Eine Kalamität tritt nun immer schärfer hervor: gerade den besten Militär- anroärtern wird eS ungemein schwer, eine passende Stelle im Zivildienst zu erhalten. Wer sich mit einem Kanzleidiener- oder Aufwärterpoften begnügt, kommt zur Not noch schnell an; aber dafür verbringt der junge Mann auch nicht 12 Jahre der schönsten Zeit seines gebens, um dann in einer untergeordneten Stelle unterzukommen. Wie viele werden auS allen Wolken gerissen, wenn fie mit einem Zwilversorgungs- schein die Wanderung von einer Behörde zur anderen antreten und immer um einen Korb reicher werden.
+ Die wirtschaftliche Bedeutung des i Schiffahrtsabgabengesetzes. ,
Die Schiffahrtsabgaben haben sehr ausgiebig die , öffentliche Meinung beschäftigt. Das Interesse rich- ■ Ute sich in erster Linie auf die Frage, ob die Erhebung von Schiffahrtsabgaben eine Verfass ungSän- b e r u n g bedinge und dann, ob es gelingen werde, Oesterreich-Ungarn und Holland zur Kufgabe ihres Widerspruchs gegen die Beseitigung ' der Abgabenfreiheit der Ströme zu bewegen.
Ueber der Erörterung dieser beiden Fragen mußte bie wirtschaftliche Seite ber ganzen Frage in den Hintergrund treten. Und doch ist die wirtschaftliche Bedeutung ber Vorlage so schwerwiegender Natur, daß es eigenttich verwunderlich ist, daß gerade sie bisher so sehr vernachlässigt worden ist.
Daß der weitere Ausbau der natürlichen Wasser- sttaßen ein ganz außerordentlich wirksames Mittel zur Förderung unseres Wirtschasts- le b e n s ist und daneben auch zur Hebung und Festigung der Welthandelsstellung der Hafenstädte an den Flußmündungen ganz erheblich beitragen wird, bedarf kaum des Beweises, wenn man erwägt, daß heute weite Gebiete dem deutschen Wafserstraßennetz poch nicht angeschlossen sind. Die Folge davon ist, bah trotz vieler günstigen Vorbedingungen manche Jndustriebezirkc sich nicht in vollem Umfange entfalten können, weil ihnen günstige unb vor allen Dingen billige Verkehrswege fehlen Aber nicht die Jndu- strie allein, auch bie Landwirtschaft unb alle übrigen Erwerbszweige werben ihren Vorteil von dem Aushau des deutschen Wasserstraßennetzes haben. Es bürste allen unseren Lesern wohl bekannt sein, baß die Beförderung von Gütern auf dem Wasserwege ganz bedeutend billiger als auf den Eisenbahnen ist. Und nun bedenke man, daß es sich nicht etwa nur um die Regulierung der großen Ströme Rhein, Weser, Elbe, Ober usw. hanbelt, sondern auch um die Schiffbarmachung ihrer Nebenflüsse. Was das bedeutet, erhellt z. B. daraus, daß nun auch der Main schiffbar, d. h. für größere Fahrzeuge befahrbar, gemacht werden soll. Dadurch wird Bayern an die zroßen Wasserstraßen angeschloffen und zugleich eine zweckentsprechende Verbindung zwischen Rhein und Donau hergestellt, allein schon eine Tatsache, aus der die wirtschaftliche Bedeutung der Vorlage erhellt Und was vom Main gilt, gilt in mehr oder minder gleichem Maße von den übrigen Nebenflüssen unserer Ströme. Für uns wichtig ist z. B. die Herstellung einer Verbindung zwischen Main und Weser bezw. Werra, die durch die Regelung der Schiffahrtsabgaben jedenfalls gefördert wird. Wenn man weiter bedentt, daß unsere Hauptwafferstraße, der Rhein, in der Weise reguliert werden soll, daß er der Großschiffahrt erschlossen werden soll, von seiner Mündung bis nach Basel, dann wirb man uns gewiß recht geben, wenn wir sagen, daß bie wirtschafttiche Bebeutuug der Vorlage ganz hervorragend ist.
Auf der anderen Seite werden die Abgaben so gering sein, daß fie gegenüber den großen Vorteilen gar nicht ins Gewicht fallen. Sie sind fo gering, daß sie nickt einmal die Frachtsätze erheblich beeinflussen können; so beträgt z. B., wie der Abg Gerstenberger im Reichstag ausführte, die Abgabe für eine Tonne Kohlen von Ruhrort bis Mannheim nur 5 Pfg., für eine Tonne Getreide von Rotterdam bis Mannheim 45 Pfg.
Rach dem Verlauf der Verhandlungen im Reichstag ist an einem Zustandekommen der Vorlage nicht zu zweifeln, unb es ist nur zu wünschen, daß cs der Reichsregierung gelingen wird, Oesterreich und Hol- land zum Nachgeben zu bewegen, um fo dem bedeutsamen Werk einen vollen Erfolg zu sichern.
Aus Kirche und Schule.
* Zur latholischen Kirche zurückgekehrt sind in England innerhalb eines Monats sieben evangelische Pfarrer — ein Ereignis, das im ganzen Lande Aufsehen erregt. Wie dabei hervorgehoben wird, sind diese Konvertiten — mit einer Ausnahme — mit den akademischen Würden der berühmten Universität Ox- ’orb ausgezeichnet, unb obenbrein, — was ganz be- onders ins Gewicht fällt — waren es die besten mb eifrigsten Geistlichen ihres Seelsorgebezirks unb bie ältesten warm bereite 15 Jahre bafetbft tätig. Dieses chöne Zeugnis wurde ihnen in vielen Zeitungen ausgestellt. — Im allgemeinen ist unverkennbar, daß eine große Schicht des englischen Volkes sich ber katholl- chen Kirche nähert — davon zenge» die zahlreichen llebertritte in jedem Jahre. Das ist allerdings um so leichter, als sich hier der Romhaß langst nicht in dem Maße wie in Deutschland geltend nracht Besonders bezeichnend für die zum Kacholizismus neigende Stimmung ist die auffällige Tatsache, daß sich bie Kirchen besto dichter füllen und die religiöse Betätigung desto tärker pulsiert, je mehr die evangelischen Geistlichen ka- tholifieren! Daraus erklärt sich auch die erfteuliche Tatsache, daß dem Beispiel obiger Pfarrer in bet
Sie hatte daraus unter anderem bie Ueberzeugung gewonnen, daß fie fortan noch einem anderen als ihrem Vater zu gehorchen habe
So traf fie denn ttu Laufe des Tages so oft alS möglich mit ihrem Gatten zufammen unb hin unb wieder auch auf fünf Minuten bei Mondenschein; ste versprach sogar, zwei dir drei Tage mit ihm an ben Seen zu verleben, sobald fich die Gelegenheit dazu finden ließe; verlangte jedoch, daß es nur während einer Abwesenheit Hope'S gemacht werde.
Walter fragte, warum fie Mr. Hope mehr fürchte als ihren Vater. Eine Weile schien fie den Blick gleichsam nach inne« zu wenden, imb meinte erst, ste könne fich das nicht erklären; nach einigem Besinnen