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Zeitung

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Leben so viel gegessen hätte, innig erfreut, und ehrliches Gesicht glänzte vor Stolz und Behagen.

sprachen die Gäste dem Mahle tapfer zu. Selbst Mary übertaf alle ihre bisherigen Leistungen auf diesem Gebiete, und obwohl sie noch immer nicht im Stande war, Mrs. Gilbert wirklich zu beftiedigen, wurde die gute Frau durch Marys Versicherung, daß sie nie im

gehaust hat, der nach der Bloßstellung, dir ihm Chwol- lon wegen seiner merkwürdigen Geschäftspraxis als Generalsekretär des Monistenbundes bereitet, selbst vom Monistenbund in den Hintergrund geschoben wurde. Arm in Arm mit Thümmel!

Noch ein zweites Mal während seiner Rede kam Herr Dr. Meffert auf den Protestantismus zu spre­chen. Als er oom Papsttum als Hort der Wahrheit und von der Aufgabe des kirchlichen Lehramts, über das Depositum fidei, die Hinterlage des Glaubens, zu wachen, handelte, ertönten allerhand undeutliche Zwischenrufe, auf die der Redner bemerkte

»Es ist mir nicht unbekannt, daß ich hier einen, ja den Hauptdifferenzpunkt zwischen Katholizismus und Protestantismus erwähne, auch weiß ich, daß eine Verständigung hierüber ganz ausgeschlossen ist. Indes bitte tch zu bedenken, daß dort, wo man die Autorität des kirchlichen Lehramts anerkennt, die Geschlossenheit des Lehrsystems und Lehrgebäudes gewahrt geblieben, während dort, wo man dem Subjektivismus huldigt, die Zersetzung nicht ausgeblieben ist. Namen will ich hier keine nennen, sie liegen ja nahe."

Hält man sich diese beiden Stellen dec Rede des Herrn Dr. Meffert in Jena vor Augen, so wird inan darin nichts von Storung des konfessionellen Friedens finden können. Der beste Zeuge ist, wie gesagt, Thüm­mel selbst, der auch für die Begründung seiner Be­hauptung, die Versammlung bedeute eine Störung des konfessionellen Friedens, gar nicht zurückgreift auf das, was in der Versammlung gesprochen wurde. So­mit kann für ihn die Störung des konfesiionellen Frie­dens lediglich in der Tatsache der Versammlung liegen. Ja, sollen denn aber die Katholiken Jenas vielleicht bei Herrn Thümmel sich erst die Erlaub­nis einholen, von dem auch ihnen zustchenden Rechte der Versammlungsfreiheit Gebrauch machen zu dürfen?

Was übrigens in Zurufen und Aussprüchen der Dtskuffionsredner an Unkenntnis des Katholizismus sich ans Tageslicht wagte, ist erstaunlich und veran­laßte den Redner zu der Bemerkung: „Sie wollen voll Verachtung auf die Jahrhunderte des Hexenwahns herabsehen? was Sie an Wahnvorstellungen über katholische Dinge miffchleppen, ist um nichts ver­nünftiger als der Wahnalaube jener vergangenen Jahrhunderte!"

Man sieht aus diesem Beispiel, die Katholiken mö­gen es machen, wie sie es wollen, sie machen es ihren Gegnern nie recht. Bleiben sie mit ihren Versamm­lungen für sich, so wirst man ihnen Feigheit vor und daß sie eine offene Aussprache scheuen; gehen sie an die Oeffentlichkeit und gewähren freie Aussprache, so lamentiert man über Störung des konfessionellen Frie­dens! Herr Thümmel wird sich wohl daran gewöh­nen muffen, so schwer es ihm auch ankommen mag, daß die Katholiken Jenas ihre Versammlungen ab­halten, ohne ihn zu fragen. Die Lorbeeren, die er sich bei seinem Versuch, gleich die erste öffentliche Ver­sammlung der Katholiken zu vergewaltigen, geholt hat, haben diesen selbst hohe Freude bereitet, und sie fühlen sich Herrn Thümmel wicklich zu Dank verpflich- tet; denn wenn er auch Böses wollte, er hat Gutes geschaffen, und daß er, ausgerechnet Herr Thümmel, als Wegebahner für die Katholiken Jenas wirken mußte, ist eine köstliche Ironie des Schicksals.

vrnck und Verlag der Fuldaer Artlendrnckerei in 5«>da.

im Reichsland, unrettbar verloren ist!) Als das Ziel ergebe sich die Bildung zweier großer Parteien, wie in England: einer Rechten und einer Linken, von Bassermann bis Bebel. Der Kultur­kampf, der ja doch einmal ausgekämpft wer­den müsse, werde mit den Waffen des Geistes, auf dem Gebiet der Schule gekämpft! Dar­um die freie Schule für das freie Volk! Tren­nung von Kirche und Staat müsse gefordert toerben. Den Rednern, namentlich dem Referenten, wurde vom liberalen Publikum starker Beifall ge- spendet. Am zufriedensten waren aber die anwesen­den Sozialdemokraten.

& München, 29. Rov. 1910. Einen ungeahnten Aufschwung hat der kathol. Bayerische Burschen­verein in den letzten Jahren genommen. Gegründet im Jahre 1903 hat er sich anfangs nur langsam und unter den größten Schwierigkeiten entwickelt. Heute zählt der Verband 10 000 ordentliche und 3000 außer­ordentliche Mitglieder. Das Vereinsvermögen ist aus ca. 10 000 Mark angewachsen. In der Landeskonfe­renz am 17. November wurde auch für den ganzen Verband eine Verbandsresorm beschlossen. Durch diese Verbandsreform wurde für sämtliche Vereinsmitglieder ein fester Beitrag zum Verband eingeführt, dafür er­halten die Mitglieder das Burschenblatt gratis. Ent­sprechend der Entwicklung des Verbandes wurde auch beschlossen, ab 1. Januar eine eigene selbständige Ge­schäftsstelle mit dem Sitz in Regensburg zu schaffen.

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Mittwoch den 30. November 19(0.

57. Jahrgang.

Deutsches Neich.

) ( Die Seucheneinfchleppung aus dem Auslande spielte in den Debatten über die Fleischnot die größte Rolle; es ist klar, daß Deutschland die Grenzen un­möglich öffnen kann, wenn die Gefahr einer Seuchen­einschleppung aus dem Auslande droht. In einem Breslauer Blatte wird nun festgestellt, daß die Ein­schleppung der Maul- und Klauenseuche aus Ruß­land einen sehr bedenklichen Umfang annimmt. Die Zahl der verseuchten Gehöfte betrug am 15. d. M. bereits im Regierungsbezirk Posen 1079 und im Re­gierungsbezirk Bromberg 573. Die am schlimmsten betroffenen Kreise weisen mit überzeugender Deutlich­keit auf die Einschleppung aus dem Nachbarreiche hin, ebenso wie in Ost- und Westpreußen. Die Gesamt­zahl der verseuchten Gehöfte in 11 Grenzkreisen be­trägt rund 1000, während in den übrigen 31 Kreisen nur gegen 650 Gehöfte von der Seuche befallen sind.

Aus Mche und Schule.

* Ber», 27. Nov. 1910. Oberst JuleS Repond in Freiburg, ehemaliger Kommandant der dritten Jnfanteriebrigade, ist vom Papst zum Rommen», bauten btt Schweizergarde in Rom er»; nannt worden.

„Vorgelogen, John?"' ftagte Walter.

„Aus dem Salze!" rief der Alte beinahe herauS- forbemb. „Wüßte nicht, daß ich je im Leben so un­verschämt gelogen hätte. Ich habe ihm gesagt, Sie. wären nach London gefahren, um einen Arzt zu ho» len."

Walter faßte John Baker's Hand. „Gott fegne ' Dich, guter Alter, daß Du dies auf Dein Gewissen ge- nommen hast!" sagte er. „Du sollst aber keine Un­wahrheit gesprochen haben; ich kenne den ~ Namen eines Londoner Arztes, der mehr als ein gefährliches, Podagra kuriert hat. Ich setze augenblicklich ein Tele-. gramm für ihn auf, und Du besorgst es nach dem Telegraphendüro, während ich zu meinem Vater gehe."

Die Depesche wurde abgeschickt, und als der Oberst wieder einmal aus unbehaglichem Schlummer er­wachte, erblickte er seinen Sohn, der am Fuß bei, Bettes stand und ihn mit bekümmerter Miene be­trachtete.

„Mein lieber Junge", sagte er mit matter Stimme, indem er feine abgezehrte Hand nach ihm ausstteckte. Walter fühlte sich in's H«z getroffen. Kein Wort des Vorwurfs über seine Abwesenheit.

„Ich fünfte, Sie haben mich vermißt, lieber Va-, ter", sagte er kleinlaut.

„Das habe ich", antwortete der Kranke; „aber ich weiß ja, daß Du mich nicht versäumt hast, obwohl Du nicht an meiner Seite warst."

Mehr sagte der hochgesinnte alte Krieger nicht; er; stellte auch keine Fragen, sondern bertraute auf des Sohnes Fürsorge und erwartete deren Resultate. Von Stunde an pflegte Walter feinen Vater bei Tag und, bei Rocht. Am nächsten Morgen traf Doktor Garner, ein; er untersuchte ben Kranken und erkundigte sich eingehend nach dem Anfang und dem Verlauf des Nebels; besonderes Gewicht legte er auf die Frage, wie lange die einzelnen Anfälle zu dauern pflegten. Hierüber fand er jedoch alle im Unklaren. „Merkwür-, big", sagte er, wie selten Kranke imstande find, dem Arzt nach dieser Richtung hin zuveüaffige Auskunft zu geben, und boch ist gerade dies von Wichtigkeit. Können Sie mir wenigstens sagen, wie lange dieser letzte Anfall gebauert hat?"

(Fortsetzung folgt.)

Ausland.

* Senator Pelloux gegen den Bürgermeister Na­than. Der frühere italienische Kriegsminister General Pelloux, ber im Senat bekanntlich eine Interpellation über ben Fall Nathan eingebracht hat, veröffentlicht ben Text der Rede, mit der er diese Interpellation zu begründen beabsichtigt, in ben Zeitungen. Er begrün­det dieses Vorgehen mit ber Befürchtung, daß seine Interpellation, falls Nathan vorher in der Kammer zur Sprache kommen sollte, damit alles Interesse ver­lieren würde (?,) Senator Pellour wendet sich in ’djarfen Worten gegen die Regierung, die für Nathans Rede kein Wort des Tadels gehabt habe, obwohl diese Rede eine Beleidigung :ür Millionen und aber Millionen ka­tholischer Gewissen sei. Pellour tadelt wei­ter, daß ber Bürgermeister seine Stellung zu Kund­gebungen mißbraucht habe, die Italien so schwer schä­digten und eines der hauptsächlichsten Staatsgesetze verletzten. Die Regierung habe sich durch ihr Still- chweigen gewifferlnaßen zu Nathans Mitschuldigen zemacht. Gegen eine solche Verletzung des Garantie!, gesetzes hätten die Gerichte einschreiten müssen. Se­nator Pelloux schließt mit der Frage, ob die Negie­rung auf die Dauer eine, passive Haltung einzuneh­men gedenke, ohne den beleidigten Gefühlen so vieler Katholiken Genugtuung zu geben.

* Die Leiden des Fremdenlegionärs Weißroch der, wie wiederholt berichtet, den Mißhandlungen eines Offiziers zum Opfer gefallen und auf einem Marsch den Schakalen und Hyänen preisgegeben wor­ben fein soll, werben am 16. Dezember die französische Deputiectenkammer beschäftigen.

*♦ Kronprinz Alexander von Serbien ist von seiner (Stfranfung am Typhus genesen.

*♦ Der Eisenbahnerstreik in Portugal hat sich auf die benachbarten Eisenbahnlinien in Spanien aus­gedehnt. Der betrieb der Eisenbahnlinien Medina- Zamora und Opense—Vigo mußte eingestellt wer­ben.

** Auf Grund deS türkischen Protestes gegen bte Eröffnung der kretischen Nationalversammlung im Namen der Hellenen verurteilten die Schutzmächte in ihrer Antwort an die Türkei die Handlungsweise; der Kreter und erklärten, ihren Konsul in Kanea entsprechende Weisungen gegeben zu haben.

Ein gefährliches Geheimnis.

37' - oman in zwei B tnden von Charles Reade-

„Ganz flüchtig nur", gab er zur Antwort. .Sie sind noch so jung, liebe Mary, und ich habe ebenso wenig Recht als Lust, mich in diese Angelegenheiten zu mischen. Weim Sie aber meine persönliche Mei­nung hören wollen, so muß ich Ihnen sagen, daß mir der junge Manu ganz außerordentlich gefällt, und daß ich ihn immer gern gehabt habe. Er ist ein ehrlicher, zuverlässiger, aufrichtiger, gutherziger, männlicher Bur­sche und hat so viel gesunden Menschenverstand, daß man nicht begreift, wie er dazu gekommen ist."

Mary unterbrach diese Lobrede, indem sie Hand und Gesicht auf Hope's Schulter legte und auf feinen Rock einen Ielfen Kuß drückte.

„Liebes Kind", fügte Hop« halb zärMA halb weh­mütig, denn er fühlte, baß er fortan für Mary s Om- psinbung nur in zweiter Reihe stand, „ist es ma ge­lungen, den Weg zu Ihrem Herzen zu finden,

„Das haben Sie immer verstanden, Mr. Hope", antwortete Mary sanft. „Besonders feit jenem Aben­teuer an dem entsetzlichen Flusse."

Ihr Geplauder wurde durch den Eintritt einer Magd unterbrochen, die ein schneeweißes ^ischmch aufdeckte, während Mrs. Gilbert mit gerötetem Ge­sicht und ein ungeheures Stück dampfendes Pökel­fleisch, das gieichfam in einem Kranze von Moharu- ben, Rüben und Mehlklößen gebettet lag, auf den Tisch stellte; dann brachte die Magd einen ennergtofeen braunen Napf voll mehliger Kartosseln, deren «schatt Überall geplatzt war. Die ganze Gesellschaft reifste sich im dies Festmahl und niemand trug Erlangen nach russischen Suppen und französischen Ragoutt^ Es "existieren freilich unter dem Namen Pökelfleisch zwei 'ganz verschiedene Dinge. Die eine dcwf man ohne jede Uebertreibung als Holz und Ltroh bezeichnen, hier aber gab cs die zweite Art, das hmüche Salz­fleisch unserer Voreltern, das M.Hause lelbst einge- vökelt wurde, sodaß es voll saft und Kraft blerbt; dazu wurden die Gläser mit selbstgebrautem Ale ge­füllt dessen klarer Goldglanz dem besten Madeira gleichsam, und von der fteundlichen Wirttn ongefeuert,

Hope fuhr Mary im Einspänner nach Haus und war dabei in der glücklichsten Stimmung; von ihr aber kann das nicht behauptet werden. Sie war abwech­selnd warm und kalt, denn während sie die Rückkehr ihre Freundes als eine Wohltat empfand, bedrückte sie gleichzeitig das Bewußffein, daß sie ihm nicht das rechte Vertrauen schenkte; im Gegenttil, sie hinterging ihn, wenn auch nur in passiver Weise. Sie suchte Trost in dem Gedanken, daß diese Zurückhaltung nicht lange währen könne; aber würde nicht, wenn der Tag erschien, an dem sich das Tor von Clifford Hall für sie öffnete, ein trauriger, vorwurfsvoller Blick des vä­terlichen Freundes ihre Glückseligkeit trüben? Das Hintergehen und selbst das Verschweigen siel ihr schwe­rer als den meisten Frauen, denn bei aller Beschei­denheit war sie eine kraftvolle und aufrichtige Natur.

Mr. Battleh kam ihnen an ber Haustür entgegen und war, durch Hopes Gegenwart angefeuert, wett herzlicher als sonst. Mary's Rückkehr sowohl wie ihr verändertes Aussehen schienen ihn sehr zu erfreuen.

„Wie gut, baß ich Dich auf acht Tage fortgeschickt habe", sagte er, „Du hast uns allen gefehlt, liebes Kinb! Aber Dir hat die kleine Zerstreuung auffal­lend wohl getan; ich glaube nicht, daß ich Dich je­mals frischer gesehen habe . . . Wir wollen das Un- frige tun, Dich so zu erhalten."

Es bleibt dem Leser überlassen, sich die gemischten Gefühle selbst auszumalen, mit denen Mrs. Walter Clffsord die folgende Nacht ihr Haupt auf die Kiffen legte, und mir sind überzeugt, daß unsere Leser und Leserinnen diese Lücke unserer Darstellung jedenfalls um vieles besser aussüllen, als wir dazu im Stande wären, selbst wenn wir ein ganzes Kapitel diesem einen Thema widmen wollten.

Die Leidenschaft der Liebe ist ein gefährlicher Feind für sanftere Empfindungen; ttotz Walter's Herz- sicher Zuneigung für ben Vater hatte er beinahe vier»

* lieber die Stellung der preußischen Regierung zum Modernisteneide will die „Deutsche TageszA- tung" wissen, baß ein bestimmter Beschluß noch nicht gefaßt fei und daß man, wie es scheint, auch keinen fassen wolle:

Wird der Eid von deutschen Hochschullehrern ver­langt, so ist es deren Sache, rote sie sich zu diesem Ansinnen stellen wollen. Finden sie die Ableistung des Eides mit ihrem Lehramt verträglich, so wird sie float« licherseits niemand hieran hindern. Für den Staat würde die Angelegenheit aktuelles Jntereffe erst dann gewinnen, wenn ein Professor den Eid verroetgem und wegen einer ihn in der Ausübung seines Lehramts be­engenden Forderung der kirchlichen Behörde bei der Regierung Beschwerde führen sollte. In diesem Fall, der allerdings kaum eintreten dürste, würde der Staat sich genötigt sehen, den Professor zu schützen. Sonst wird man die Forderung des Eides und seine Ab­leistung als interne Angelegenheit der katho- lisch en Kirche betrachten und eine ausdrückliche Stellungnahme dazu vermeiden. Nicht in Abreve zu stellen ist, daß man das motu proprio des Papstes wie jede andere Erschütterung der feinen, lediglich auf einem modus vivendi beruhenden Grenzlinien zwischen kirchlichen und staatlichen Machtansprüchen in Berlin nicht gerade mit besonders freudigen Gefühlen zur Kenntnis genommen Hal."

Im allgemeinen darf matt wohl sagen, daß es ein aanz vernünftiger Standpuntt ist, den die preußische Regierung einnimmt, wenn sie den Mobernisteneid als interne Angelegenheit ber katholischen Kirche betrachtet. Der „Franks. Zeitung" scheint diese vernünMe^Lch- tung gegen ben Strich zu gehen. Sie bemerft in Nr. 327 zu ber Meldung ber „Deutschen Tages­zeitung":

„Wie zart und schüchtern! Fast könnte man glauben, baft der preußische Staat diese einschneidende Frage nach dem ihm sonst fremden Grundsätze zu behandeln gedenkt: Religion ist Privalsache!"

Der „Frauff. Ztg." wäre es bei ihren Kultur­kampfsgelüsten offenbar lieber, wenn ber preußische Staat bie Kürassierstiefel anlegen und kulturkämpfe- risches Geschütz gegen bie katholische Kirche auffahren würbe!

— Straßburg, 28. Nov. 1910. Es besteht kein Zweifel mehr barüber, daß im. Reichslaude Libe­rale und Sozialdemokraten schon jetzt ge­heime Abmachungen hinter sich haben, bie auf bas Großblockbündnis gegen bas Zentrum hin- ausgehen. Was vor Monaten die „Metzer Ztg." schon ausplauberte unb befürwortete, ist auch bie Voraus- . setzung zu ben Artikeln, bie in ber „Stcahb. Post" ober in ber „Franks. Ztg." zu ber Sache erscheinen. Seitens ber Sozialdemokratie ist man diskreter gegen­über ber Oeffentlichkeit; aber bie ganze Richtung ber sozialdemokratischen Polemik beutet auf bas vollendete Uebereinfommen. Als Beweis hiefiir darf auch ber Umftanb betrachtet werben, baß sich in ber hier abge- haltenen liberalen Versammlung, trotzdem sie öffentlich war, kein Sozialdemokrat zum Wort ge­meldet hat. Es war nämlich überflüssig; der Redner des Abends ging ber Sozialbemokratie so sehr um den Bart, daß diese auf weiteres verzichten konnte. Es sprach Rechtsanwalt Dr. Kohl aus München, der Führer der bayerischen Jungliberalen. Er ging gleich zur Kritik ber beiden Kaiserreben über, die ihm na­türlich viel Schmerz bereiteten. Wie der Redner mit ber Finanzresorm umsprang, ist überflüflig zu sagen; bie alten Ladenhüter über bie Grunbschlechtigkeit ber Mehrheitsparteien unb Bülows Heldentaten sind be­kannt. Natürlich war der Redner gegen die Samm­lungsparole. Zum Jesuitengesetz meinte er: „Ein Glück, daß es noch nicht abgeschafft ist! Die Jesuiten aus Portugal möchten sich sonst in Bayern niederlas­sen, wo sich's so gemütlich lebt!" Infolge dieses Handels ber Regierung mit den Parteien sei die Schule „der schnödeste Gegenstand des ekelhaftesten Handels geworden, ber sich denken läßt!" (!!) Die Logik solcher Angriffe war, daß Dr. Kohl erklärte: „Ich meinerseits will lieber im roten M:er ertrinken, als im schwarzen!" Man müsse ber Sozialdemokratie Gelegenheit zu positiver Mit­arbeit geben. Durch bie positive Arbeit müßten sie zur Auffassung kommen, daß ber Zukunftsstaat nicht oon btefer Erbe ist. Bei den 'nächsten Wahlen müßten bie Liberalen für Einheitlichkeit sorgen. Lediglich aus eigener Kraft sollte der Liberalismus erstarken. (Da ist wohl die Sozialdemokratte schon darunter ver­standen, weil ohne diese der Liberalismus, namentlich

undzwanzig Stunden lang kaum an ihn gedacht; in dem Augenblick aber, als er ben Kopf seines Pferdes nach Clifford Hall wendete, kam ein Gefühl des Un­behagens, ja der Reue über ihn. Er stellte sich vor, daß fein Vater nach ihm gefragt, sich übet feine Ab­wesenheit gewundert, sich wohl gar in seiner Sterbe­stunde versäumt unb verlassen gefühlt haben könnte, unb spornte fein Roß zum wilden Galopp, bis Clif­ford Hall erreicht war. Da er sich scheute, ohne Wei­teres zu dem Kranken zu gehen, begab er sich zuerst zu dem alten John Baker.

„Aus ein Wort, John", sagte er mit bewegtet Stimme. „Mein Vater lebt doch?"

„Ja."

„Hat et nach mir gefragt?"

„Mehr als einmal, Sir."

Walter sank in ben nächsten Stuhl und bedeckte das Gesicht mit ben Händen. Dies rührte ben alten Die­ner, bet sich bis bahin mürrisch und abweisend gezeigt hatte.

„Grämen Sie sich nicht, Mr. Wallet", sagte et, es ist alles in Ordnung . . . ich weiß ja, wo Sie gewesen sind."

Erschreckt sah Walttr zu ihm auf.

„So ungefähr wenigstens kann ich's mir denken", fuhr ber Alte fort. „Sie haben einen Engel aufge­sucht, Sir. Ich kenne die junge Dame und hoffe zu Gott' daß ich eines Tages ihr Diener fein darf, und würde, wenn Sie jemals eine Andere heirateten, ohne wetteres meinen Dienst verlassen, und Rhona Milton täte das auch. Aber jedes Ding hat seine Zett, Mr. SMter . . . Ich bitte um Verzeihung, Sir, daß ich ez sage . . . Gut, daß Sie wieder da find ... Ich habe inzwischen das Meinige getan und alles ins rechte Gleis gebracht."

„Unmöglich!" rief Walttr. „Was kannst Du da­gegen tun, wenn mein armer Vater sich In seinen letz­ten Augenblicken von mir vernachlässigt fühlt?"

„Dazu habe ich ihn nicht kommen lassen." „Ich verstehe Dich nicht", tagte Waltet.

„Sir, ich bin ein alter Diener des Hauses", ant­wortete John Baker, „und ich glaube, daß ich, soweit ich es verstehe, gegen Vater und Sohn meine Pflicht getan habe . - , Ich habe dem allen Herrn etwas vorgelogen."

* Noch einmal die Thnmmelei von Jena.

In der Versammlung des Volksveteins in Jena am 14 November hat Thümmel und sein Anhang vergessen, baß, wenn man als Gast sich irgenbwo be- finbei, man sich benimmt wie ein Kavalier unb nicht wie ein Kavallerist.

Daß er sich bebeuklich blamiert hat, sieht er all­mählich selbst ein. Das verraten seine Zuschriften an die verschiebenen Zeitungen, mit denen er sein Auf­treten zu vertuschen sucht. Alle seine Bemühungen dsrmögen jedoch nicht die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß er lediglich in ber Versammlung erschie- «en war, um sie zu s p r en g en unb eine seiner satt­sam bekannten Branbreben gegen bie Katholiken los­zulassen. Kann letzteres beutlicher zum Ausbruck ge­bracht werben als in dem Vorschlag, den Thümmel ber Versammlung zu machen bie Naivität hatte, bet Redner solle eine ober anderthalb Stunde sprechen, während dieser Zeit werde er und sein Anhang ben Saal verlassen, um erst nach ber festgesetzten Zeit tvie- ber zu erscheinen unb bann bie Diskussion zu be­ginnen!?

Es läge nun kein Grund vor, aus bie Leistung THümmels nochmals einzugehen, wenn nicht biefer in einer Versammlung, die er mit ben —---Moni-

ftenbünblcm abgehalten hat, von einer Störung des konfessionellen Friedens durch ben Volksverein gesprochen hätte, die ihm das Recht zu seinem Auftreten gegeben habe.

Hat vielleicht bet Redner des Volksvereins, Herr Dr. Meffert (M.Gladbach), in seiner Rede ben kon­fessionellen Frieden gestört? Einen solch fetten Bis­sen hätte sich Thümmel nicht entgehen lassen. Daß er davon nichts zu melden weiß, ist wohl ber beste Be­weis, baß ihm jeber Anhaltspunkt fehlt zu seiner Behauptung. Ja, wollte Thümniel auf die Ausfüh­rungen des Redners eingehen, müßte er seinem Pu­blikum erzählen, daß ber Redner die konfessionelle Hetze mit allem Nachdruck verurteilt und es ausdrücklich weit von sich gewiesen hat, diese Wege zu beschreiten. Anlaß zu diesen Bemeckungen gab die Rede, die Thümmel anläßlich ber Borromäus- Enzyklika gehalten hatte. Dort hatte Thümrnel nach dem Bericht ber ihm nahestehenden Jenaischen Zeitung (Rr. 135) gesagt, „auf bie Geschichte bet Päpste ein­zugehen, Wirb mir in Gegenwart von Damen zu schwer", und daran knüpfte Dr. Meffert die Worte:

„Ich könnte darauf antworten mit der Gegenfrage, ob denn Thümmel und die, welche ihm dabei Beifall gespendet haben, die Schriften Luthers etwa als Damenlektüre zu empfehlen wagten? ES wäre ein leichtes, die Skandalchronik auszuschlachten, aber in dieser Kampfesart vermag ich Herrn Thümmel nicht zu folgen, dazu gehört ein ganz eigener Geschmack, Pen ich nicht habe; ganz abgesehen davon, daß, wer chit solchen Waffen kämpft, eingefleht, daß ihm sachliche Gründe fehlen. Im übrigen aber ist jede konfessionelle 'Verhetzung aufs entschiedenste zu verurteilen, und zwar als ein Verbrechen am deutschen Vaterlande. Deutschland steht im Begriff, als Weltmacht Welt- polilik zu treiben. Erfolgreich kann das nur eine Nation, die im Innern geschlossen dasteht und sich nicht selbst zerfleischt. Außerdem möchte ich denen, die dlese Hetze nun einmal nicht lassen tönnen, zu bedenken geben," wer denn ber lachende Drille bei dieser Hetze Ist? Dieser lachende Erbe ist mit Nichten der Protestan­tismus, sondern der lachende Dritte das ist der soziale und religiöse Nihilismus unb Radikalismus. Angesichts dieses aber wäre es eine ber bringenden Forderungen des Tages, baß die, welche noch auf dem Boden des positiven Christentums stehen — id> vergesse nicht, daß ich in Jena spreche! — sich zusammen­schließen zu gemeinsamer Abwehr Schulter an Schuller biefer Feinde von Altar und Thron."

Wo ist in diesen Worten auch nur eine Spur von konfessioneller Hetze zu sind en? Daß solche Ausfüh- rungen Herrn Thümmel nicht gefallen können, begreift mau, wenn man weiß, daß Thümmel seinen Namen bekannt gemacht hat als Hetzer unb Storer bes konfes­sionellen Friedens.

Als ob Thümmel zu den Worten bes Rebners über die Wirkung bet konfessionellen Hetze zugunsten bes antichristlichen Nihilismus bie deutlichste Illustra­tion habe geben »vollen, hat er seine Protestversamm­lung veranstaltet mit den — — Monistenbünd- l e r b Jenas unter der Führung des Dr. Schmibt. Ein Heinrich Schmidt, der in ber gebildeten Welt ab-