uldaer S
37. Jahrgang.
Fulda, Dienstag den 29. November 1910.
Erstes Blatt
273.
Deutsches Reich
länder waren I
* Osnabrück, 27. Nov. 1910. Nachdem der bisherige Abg. Dr. Bitter eine Wiederwahl ab gelehnt hatte beschloß die von etwa 400 Vertrauensmännern des Zentrums besuchte Generalversammlung einstimmig die Aufstellung des Regiemngsrats K l o ck « (Treysa) als Reichstagskandidaten. Bei der letzten Wahl stand das Zenttum mit den Rationalliberalen, die den Wahlkreis früher befassen, iji Stichwahl. Es muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß diesmal die Sozialdemokraten in die nationalliberale Stelle einrücken.
war dir Krisis vom November 1908. Und ictit ?
Liegt jetzt eine persönliche Auslassung des Kaisers über hochpolitische Zeit- uno Streitfragen oder sonst e:n bedenklicher unmittelbarer Eingriff in die Geschäfte des auswärtigen Amtes vor? Nicht der Schein davon! Der Monarch hat nur über innere Angelegenheiten zu seinem Volk (und zwar zu seinem Volk allein) gesprochen. Soweit sollte und konnte doch die .Zurückhaltung', von der damals gesprochen worden, nicht ausgedehnt werden, I paß der Monarch von allem Verkehr mit seinem
Volke abgeschnitien werden würde!
Der Monarch hat auch in Königsberg, Marienburg Beuron nicht lörmlich als Kaiser im Namen des'Reichs gesprochen, sondern vielmehr als König von Preußen, und die Eigenart der preußischen Monarchie ist im November vor zwei Jahren durchaus nicht außer Kraft gesetzt worden. Streng genommen gehörte die Interpellation in den preußischen Landtag und nicht in den Reichstag.
In der Sache selbst kommt es auf Die Frage an: Hat der Kaiser und König durch die neueren Reden das Interesse einer einheitlichen Politik gefährdet? Durchaus nicht. Die verantwortlichen Minister sind vollständig mit seinen Kundgebungen einverstanden; auch sogar die Mehrheit des Reichs
tags.
Ist die .Stetigkeit der Politik des Reichs" gefährdet worden? Ebensowenig. Abgesehen davon, daß die eigentliche Reichspolilik nicht berührt wurde, entsprechen die kaiserlichen Kundgebungen durchaus dem polltischen Kurse, der seit der Blockkatastrophe auf Veranlassung des Reichstagsbeschlusses zur Finanzresorm eingeschlagen ist. Will man die .Sammlungspolitik' als Zeichen der Ze»: betrachten, so haben die neueren Zwischenfälle diese gewiß nicht gestört, sondern eher befördert, — wie u. A. die Haltung des nationailideralen Führers Baffennann verrät.
Und schließlich ist die Autorität der Krone gerade durch die kräftigen Erklärungen des Kaisers und auch durch deren Nachwirkungen gefördert worden.
Also liegt gar kein Grund zur Klage oder auch nur zu Zweifeln vor. und die .fchwarzblauen' Parteien handelten ganz folgerichtig, als sie von einer Erneuerung des Rovemderrummels von 1908 gar nichts wissen wollten.
Die Blocknebel haben sich verzogen!
Wrschettü tsgltch mV Ausnahme bet So», »ad Feiertage Viertel- phr!ich«VeM,«preir ohne Brbtgertobn und vesteL-eldinzulbase- urte auswärts t SOlRt
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. November 1910.
Zunächst wird der Gesetzentwurf betr. das ReichS- banknotenpapier in zweiter Lesung debattelos an« genommen.gejung des Gesetzentwurfes be- treffend die
Erhebung von Schiffahrtsabgaben
im Dezember 1906, sond.rn erst im November 1908, als er zum Sprunge auf die Ministersessel ansetzt« — wobei er so kräf ig auf die Nase fiel.
X Hebet die Leichenverbrennung in Preußen ist auf einer Tagung des Verbandes rheinisch-west- sälischer Leichenverbrerrnungs«Vereine nutgeteilt worden, die preußische Regierung stelle sich grundsätzlich sehr freundlich zu dem Gedanken der fakultativen Leichenverbrennung. Die beteiligten Minister hätten sich im Prinzip zustimmend ausgesprochen und es solle dem Landtag ein Entwurf vorgelegt werden. Um nun eine Mehrheit im Landtage zu erzielen, soll eine rege Agitation eingeleitet werden.
NeichZtagswahlvorbereitungen.
* Marburg, 27. Nov. 1910. Gestern fand in Kölbe die Generalversammlung des Bundes der Landwirte, in Marburg diejenige des national liberalen Vereins für unseren Wahlkreis statt In beiden Versammlungen wurde einftimmig beschlossen, für die Wahl des freikonservativen Kandidaten Dr.
Ausland.
♦ Das Ende des englischen Parlaments.
Der König von England hat dem Parlament gestern die Grabrede gehalten. Bemerkenswert war in der Thronrede lediglich ein Passus, der den Ausdruck des Bedauern des Königs darüber aussprlcht, daß die Konferenz zur Beilegung der Meinungs- Verschiedenheiten zwischen den beiden Hausern de» Parlaments gescheitert sei. Das neue Parlament wird zum 31. Januar einberufen.
** Die rumänische Kammer wurde gestern vom Könige mit einer Thronrede eröffnet. Neue Gesetze kündigt diese nicht an.
♦ Gegen den griechischen Prennermnuster Veni- zelos der gegenwärtig eine Wahlrundreise in Thes- alien macht, wurde gestern auf der Eisenbahnstrecke zwisechn Trikkala und Volo ein Attentat dadurch versucht daß ein Eisenstab von 80 Kilo quer über die Schienen gelegt wurde. Die Maschine schleuderte das Eisen zur Seite und der Zug konnte ohne Schaden
Aadtverordneten-versammlrmg.
/X Fulda, 29. November 1910.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetem Versammlung nahmen 25 Mitglieder des Kollegiums teil Der Magistrat war durch die Herren Beigeordneten Hal bleib und Arnd vertreten. Den Vorsitz führte der Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Gegenbau r.
1. Errichtung einer Lehrer- und einer Lehrerinnenstelle en den kathol. Volksschulen. Der Berichter
und den Ausbau der deutschen Wasserstraßen.
Reichskanzler v. Bethmann-Hoüweg: Während man in der Mitte des vorigen Jahrhunderts allgemein der Ansicht war, daß auf den natürlichen Wasserstraßen Schiffahrtsabgaben nicht erhoben werden dürften, hat sich diese Anfchauung in letzter Zeit immer mehr geändert. Diese Anschauungsänderung ist auch m dem »reust,scheu Wasserstraßengesetz von 1905 zum Ausdruck I gekommen, wonach auf allen im Interesse der Schiff» I fahrt verbesserten Wasserstraßen Abgaben erhoben werden sollen. Gegen dieses preußische Gesetz hat man mancherlei Bedenken staatsrechtlicher wie auch wirtschaftlicher Natur erhoben. Preußen hat aber tiefe Bedenken auszuräumen versucht, und der Ihnen heute vorgelegte Gesetzentwurf ist so auf Grund eim'hmmigen Beschlusses des Bundesrates zustande gekommen, wöbet von den verschiedenen Seiten im Interesse der Allgemeinheit Entgegenkommen geübt worden ist. Möge er auch in diesem Hause Zustimmung fmoen!
Preuß. Eifenbahnminisler Breitenbach betont den verkehrssreundlichen Charakter der Vorlage, die keine Einnahmequelle schaffen wolle, sondern nach der die ,us den Abgaben sich ergebenden Einkünfte zur Verbesserung der Wasserstraßen des jeweiligen ganzen Stromgebietes verwendet werden sollen.
Abg. Dr. am Zehnhoff (Ztr.) beantragt, die Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu verweisen. Meine politischen Freunde halten die Vorlage für verkehrsfreundlich und für staatsrechtlich durchaus einwandfrei. Besonders begrüßen wir es, daß die Einkünfte nicht für den Strom allein, sondern für ba3 ganze Stromgebiet Verwendung finden sollen. Auch, prinzipiell find wir mit der Erhebung von Schissahrls- abgaben durchaus einverstanden. Warum sollte bei den Wasserstraßen nicht billig sein, was bei den Eisenbahnen recht ist? (Sehr richtig! im Ztr. und rechts.) Auch dem Artikel der Vorlage stiminen wir grundsätzlich -u, obwohl wir in der Kommission einige Verbesserungen beantragen werden. Das Schleppmonopol wird hoffentlich in Preußen den Staat selbst in eigene Regie nehmen und nicht verpachten. Die -rarsssatze scheinen uns nicht zu hoch. Bezüglich der Klemschiffer wird $u unter suchen fein, ob sie Überhaupt Nutzen von den Wafferstraßenverbesserungen haben werben; nur wenn das der Fall ist, dürfen von ihnen Abgaben erhoben werden. Hoffentlich werden die Wunsche der Kleinsckiffer hier ein offenes Ohr finden. (Beifall tm
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I. parzeler in Lnlda. .Muftrierte Somttagsjeitnng“
* Berlin, 28. lltov. 1910. Der österreichische Thronfolger, Prinz Ferdinand, wird in der zweiten Dezemderwoche als Jagdgast des Kaisers an den deutschen Hofjagden bei Hannover teil« nehmen. — Die Mitglieder der philosophischen Fakultät der Universität Berlin, die den Reichskanzler zum Ehrendoktor ernannt hat, waren am Sonntag abend von diesem zum .Doktorschmaus' ru Gast geladen.
4Äk Aus dem Reichstage. Nichts Menschliches ist vollkommen und wenn in dem Streite um die Schiffahrtsabgaben, der solange bte Oeffent- lichkritWftigt &, -inMe Bundesstairten in der Auslegung des Artikels 54 der R etchsv er fass'ung eine andere Auffassung bekundet haben a Preußen, so ist das im Grunde dieselbe Sache, als j wenn im Privatleben zwei Partner, dw sich durch leinen Vertrag gegen Zwistigkeiten schützen wollten.
angeblicher kaiserlicher Auslassungen gegenüber , englischen Politikern, welche sehr empfindliche ; AngelegenheitenderauswärtigenPolitik berührte. 1 Die Veröffentlichung dieser Aeußerungen erschien 1 unter den damaligen Verhältnissen als unzweckmäßig ' und sogar in gewissem Maße gefährlich. Dte S ch u l d an der anstößigen Veröffentlichung siel freilich auf den damaligen Reichskanzler Fürsten v. B ülo w. Der Kaiser hatte ihm die von einem Engländer entworfenen Aufzeichnungen zur Prüfung und Ent- scheidung über die Zweckmäßigkeit zugeschickt. Fürst Bülow aber hatte mit seinen innerpolitischen Blockkünsten soviel zu tun, daß er zur pflichtmäßigen Prüfung des vom Hof eingesandten wichtigen Manuskripts keine Zeit und Lust fand. Auch seine Gehilfen im auswärtigen Amt versagten gegenüber dieser hochwichtigen Aufgabe. Ohne in dem kritischen Manuskript, dem man die hochpolitische Bedeutung oon außen ansehen konnte, auch nur geblättert zu haben, schrieb Fürst Bülow die Einwilligung zur Veröffentlichung darauf. Ein solcher Mangel an i persönlicher Leistungsfähigkeit und an Organisatton der auswärtigen Dienste hätte unter normalen Ver- hältnissen den sofortigen Rücktritt des Reichskanzlers zur Folge haben müssen. Aber Fürst Bülow erschien damals unentbehrlich als Träger des Block- experiments, in das er auch die Person des Monarchen zu verstricken gewußt hatte. Durch die übermächtige Blockpresse wußte Fürst Bülow die Aufmerksamkeit von seinem groben Versehen abzulenken. Die aufgeregte öffentliche Meinung verbiß sich ausjchließ- lich auf die Unzweckmäßigkeit gewisser faiferltcher Aeußerungen und Maßnahmen; dabei regte sich die Besorgnis, daß das impulsive persönliche Em- areifen des Monarchen über das Ministerium hinweg die auswärtige Politik Deutschlands erschweren und gesährden könne. So kam es zu den lebhaften Erörterungen im Reichstage am 10. und 11. 'November, wobei Fürst Bülow seine Uebeizeugnng aussprach, daß der Kaiser künftighin auch in Pcwal- aesprächen jene Zurückhaltung beobachten werde, bte im Interesse einer einheitlichen Politik und für die Autorität der Krone gleich unentbehrlich fei.
I Auf Vortrag des Fürsten Bülow iprach der Kaffer am 17. November 1908 unter Billigung der Erklärungen Bülows seinen Willen dahin aus, daß er, I unbeirrt durch die von ihm als ungerechtfertigt empsundeuen Uebertreibungen der öffentlichen Kritik, : s ine vornehmste kaiserliche Aufgabe darin erblicke, U die Stetigkeit der Politik des Reiches unter ' Wahrung der verfassungsmäßigen Berantwonlichkeit
weilerfahren. ,
** Die brasilianischen Kriegsschiffe, deren Besatzung 1 gemeutert hatte, sind jetzt, wie schon telegraphisch gemeldet, in den Hafen von Riode Janeiro zurückgekehrt. Ein Teil der Leute Hal aber trotz der bewilligten Amnestie ihrer künftigen Sicherheit nicht getraut und ist entflohen. Die Schiffe haben neue Besatzung und neue Kommandeure erhalten. Das Marineoffizierskorps hat fein ernstes Bedauern über diese Vorkommnisse geäußert. — Im „Matin" ergreift ein ungenannter .brasilianischer Patriot* das Wort, um den Nachweis zu versuchen, daß an der Meuterei der brafilianischen Flotte nur Deutschland die Schuld trage. Er führt ans, daß bte brasilianischen Offiziere, die Heer und Diarme tm modernen Sinne aus bilden, in Deutschland thren Unterricht genossen hätten, und auf diese Weise wäre auch in die brasilianische Wehrmacht em Drill- system ganz nach deutschem Vorbild hineingetrogen werben, was aber die brasilianische Bevölkerung nicht vertragen könne. Diesem deutschen Einfluß sn auch die Einführung dec Prügelstrafe bet der Marine zu verdanken. Die in ganz barbarischen Weise gehandhabt würde. Der brasilianische Patriot beschreibt eingehend, wie es bet dem Vollzug dieser Strafe zugeht und schildert, wie die Delinguenten auf eine Bank geschnallt und dann auf entblößtem Rücken mit der Peitsche bearbeitet würden. Manche Offiziere seien dann noch so wett gegangen, ganz nach deutschem aus Kamerun bekanntem Muster Die offenen Wunden der Bestraften mit Salz einzuretben. Darum wehre sich auch die Mehrheit der Bcvoite- rung gegen das lieber Handnehmen des deutschen Einflusses. — Ja, ja, die bösen Deutschen! Leider hat sowohl der »brasilianische Patriot wie der .Matin' übersehen, daß die Prügelstrafe tu Heer und Flotte nicht in Deutschland, wohl aber in England besteht, und das die Ausländer, denen man n'rgends einen Einfluß auf die Entstehung der Meuterei oder auch auf Die Anwendung der Prügel- strafe in der brafilianifchen Marine zuschretben könnte, an Bord der meuternden Schiffe nur Eng-
Z^Abm Kr-ih (tont.) erklärt, daß die Mehrzahl feiner .Freunde für den Entwurf und nur die sächsischen Rontervatioen Dagegen stimmen würden. Er fchnepl '«ich Dem Antrag auf Kommisfionsderatung an.
, Abg. Frank (Soz.) bezeichnet Den Entwurf als ver- .'ehrsieinblich, weshalb feine Freunde ", ,Bel würben. Der Entwurf verdiene umsomehr Mißtrauen, als Die Einzelfl aalen Baden und Sachfen sich gegen dn mit ihren bundesstaallichen Schmerzen an Dte veffiuttichkeit gefluchtet, Dem vreußiichen Plane chivere virffchaftliche Schädigung für weite K»e fe„Deutsch rnnds irachgesagt und m ihm eine Antastung des föderativen Eharalters des Reiches Stehen datte.i tHört, hörtl links) Redner macht ferner Die R°chicht auf Die Nachbarstaaten gegen Den Entwurf geltend. (SBcijall bet den Sor.) , .
Abg. Wälzt (nat.) ist mit einem Telle feiner Freunde ] für die Vortage. .
Ada. Änenipi (Volksp.) nennt die Vorlage cen Willensausdrnck Der agrarischen Mehrheit Preußens und bringt ihr große Skepsis entgegen.
Abg. Frhr. v. Gainp (Resormp.) stimmt der Vorige vruulpietl zu.
ireuß. Verkehrsminister Breitenbach weist den tu» Saufe Der Debatte erhobenen Vorwurf zuruck, als 00 Preußen mit Dem § 19 seines Wasserflraßengesches von 19.5 Den Artikel 54 Der Reichsversassung verletzt habe.
Die Abgg. Rickttn (Elsäßer) und Gregoire (bet Kiner Fraktion) bebauet«, haß Elsaß-Lothnngen u> Der Vortage wie überhaupt in Der Sch'ffahrtspolitck ver- aachichfiat werde. Sie würden Verbesserungen vor- . schlagen und mxr bei Annahme dieser sur da» Gesetz ^"^nch.^BekkehrSminNer Breitenbach bestreitet, daß .Essafl-Lothringen ungünstiger behandelt wurde aiS Dte
Bundesstaaten.
Morgen: Fortsetzung.
s Mit vem Verlauf ver ueueu Kaiseroebatte
ist die liberale Presse im allgemeinen wenig zu-1 frieden. c.
Schmerzlich empfinden Die natwnalltberaleu Blatter den Wechsel der Zetten seit der November- krisis von 1908. Im November 1908 war Basser- mann Der Held des Tages, un 'November 1910 oetHaugen seine Worte fast unbeachtet. Schmerz. iS in Der Tat für Herrn Bassermann, schmerzlich für Die stolzen Nationalliberalen. Aber mit Der ihnen eigenen Geschicklichkeit baden sie gleich den S ch n l D i g e n gefunden. Der die LA^tumg Tages so schmählich verraten habe. Einmütig er- schallt der Charns:
Die Konservativen und vor allem Das Zentrum glaubten, „ihre Stellungnahme vom November 1908 revidieren zu muffen < W- ft! '!, „die Konservativen und das Zentrmn haben ihre Stellung gewechselt und einen Ruckzug ""getreten, Den ihre Sie teuer nur schlecht zu ""klieren erstand kNationalzlg.), „Alle Beturchtungen gerechtsertigtz \a übertroffen Hal Das Zeulrum. In lernet außerordeud> lich geschickten, ästhetisch unb dialekt sschhervoicagenden Rede, die von, Geiste Lizuoris war, hat Freiherr v. Hertling im Namen des Zentrums die November- «tungeufdiafteu schmählich nicht rmr preisgegeben, sondern hinweggegaukelt. In dieser Weise haben wed« der Reichskanzler noch die Konservative« ihrer Btt Mugenhrit und dem politisch Notwendigen ms Gesicht geschlagen.« (Leipziger Tageblatt.) y
Summa Summarum: Der „schwarz-blaue Block hat sich seit 1908 gemausert.
Die wirkliche Lösung des Rätfels liegt d-wn, daß es sich heute um ganz andere Dinge Hom beit, als im November 1908. Damals wurde da deutsche Volk überrascht von der Veröffentlichung
B r e d t einzutreten.
--- Marburg, 28. Nov. 1610. Herr Dr. Boh m vom Deutschen Bauernbund hat sich endgülttg drein ergeben, daß er hier nicht wieder gewählt wird. Die ,Oberh. Ztg.' veröffentlicht ein Schreiben von ihm, worin er im Interesse eines geschlossenen Vorgehens aller nationalen Richtungen gegen Herrn von Gerlach sich bereit erklärt, seine persönlichen Wünsche zurückzustellen und Den fre,konservativen Kand»Daten Dr. BreDt in jeder Weise Wahlhrlfe
gerade auf Grund dieses Vertrages einander in die 1 Haare geraten. Das zeigt nicht ohne werteres In- trigue oder Bockbeinigkeit auf Der einen aber anderen Seite voraus, sondern hat seinen Grund meist dann, daß man bei Abfassung des Vertrages seine Gedanken nicht präzis genug zu Papier gebracht hat. Die deutsche Reichsversassung schreibt oot, daß Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Wasser- straßen erhoben werden dürfen, wenn »besondere Anstalten, die zur Erleichterung des Vnkehrs be- stimmt sind" getroffen werden. Das Wort „An- ftalten' bildet in der vorliegenden Streitfrage den Karnickel. Preußen vertritt die Auffassung, daß die Flußkorrektion unter diesen Begriff falle; ihren Gegenpart verneint das. Ich habe keine Schiffe auf der Elbe oder dem Rheine fahren, bin auch fönst nicht an der Schiffahrt beteiligt, oder mit ihr verwandt, noch verschwägert; auf der anderen Sette wird mein Urteil auch nicht beeinflußt durch mente Eigenschaft als Steuerzahler, der zu der Flußregulierung beizutragen hat. Also ich bin tu meinem Urteil, was man nennt, unbefangen. Unb Da mente ich, daß nach dem Wortlaut des Artikels 54, sicher aber nach feinem Geistedie Schiffahrtsabgaben verfassungsmäßig zulässig sind. Wenn der Reichskanzler gestern tm Reichstag betonte, daß Die Vorlage auf einftimmtgen Beschluß Des Bundesrats beruhe, so haben Baden und Sachsen trotz ihrer früheren für Den Bestand Des deutschen Reiches fürchtenden Denkschrift ihre Auffassung von der Verfassuugswidrigkeit also m- zwischeu korrigiert, sonst hätten sie der Vorlage nicht zuftimmen dürfen. Der Reichskanzler hatte danach im Reichstag ein leichtes Spiel. Die Schlich- tuug des häuslichen Streites im Bundesrat ermöglichte cs ihm, seine Sache kurz zu machen. Den aleicheu Vorteil dieser Situation hatte der preußische Ressortchef v. Breitenbach, dessen Ausführungen ebenfalls nur kurze Zeit in Anspruch nahmen. Der erste Redner, der aus dem Hanse zu Wort kam, muß als Sachkundiger auf diesem Gebiet angesprochen werden. Es war der Zentrumsabgeorduete Am Zehnhosf, dessen energische Jmtiatwe das Zustandekommen des preußischen Wasserstraßen, gesetzes von 1906 zu danken ist. Er trat namens
i des Zentrums rückhaltlos der Vorlage be». Nur . hinsichtlich einiger Fragen verengte er Aufschluß
Der Kommission. Freundliche Aufnahme fand Die Vorlage auch bei den Konservativen, den National- liberalen und der Reichspartei. Von den übrigen größeren Parteien lehnen die Sozialdemokraten und , Die freisinnige Volkspartei die Vorlage ab. Trotz- 1 dem ist ihr Zustandekommen gesichert,
4- An Zwangsvorstellungen scheinen untere । Liberalen zu leiden, wenn sie das Thema ,,Dieser 1 Reichstag« erörtern. Das ,Berl. Tgbl/ ereifert sich über das — übrigens ganz unbeglaubigte und un- glaubroiirdiae - Gerücht, daß die allgemeinen Neu- mahlen erst Anfang 1912 flat, finden sollen und zagt, der .Angst vor Neuwahlen« bei der Regierunguud dem schwarz-blauen Block müsse der liberale „Wille zu Neuwahlen' entgegengesetzt werden. Geradezu humoristisch wirkt die Beurteilung, die das ,Tage- biattt dem gegenwärtigen Reichstag angedechen 'läßt Nist aller Bescheidenheit verkündet es:
„Nun ist eigentlich der jetzige Reichstag schon seit dem Sommer vorigen Jahres tot. Mit teem 3t- jammenbrnch der Blockpolitik und dem Rücktritt de- Fürsten Bulow ist er begraden worben. Erfuhrt jetzt nur noch eine Art elenden Schattendaseins... Es war eine Art flillfchweigendeu Ueberemkommen», daß der jetzige Reichstag noch die Session dieses Winters zu Enoe führen sollte. Kein vernuuftiger Mensch qlaubtz daß die blau-schwarze Mehrheit letzt noch irgend etwas schaffen wirD, was dem Deutschen Volke nutzen könnte. Aber man wollte eben diesen Reichstag gewähren lassen in Der Aussicht, Daß es mit Der blau-schwarzen Herrlichkeit nach Den nächsten Wahlen aus sein würbe."
Tiefe liberale Gutmütigkeit ist Doch wirklich allzu rührend. Aber jetzt ist die Geduld des „B. T. anscheinend erschöpft, denn es fordert Die liberalen Parteien auf, an Der Durchberatung wichtiger Gesetze wie der Reichsversi cheruugsorDuuug und der Strasprozeßorsuunz, oder gar au dec Heber« nähme neuer finanzieller Lasten, rote der Reichs- werlzuroachsfleuer, sich «icht zu beteiligen; wenn sie sich in sachgemäßer Weife Der Mogttch- keirm der Geschäftsordnung bedienten, bann wurden te zum mindesten verhindern können, daß der fetzige Reichstag noch wettere Verwüstungen auf Dem Gebiete der Reichsgesetzgebung anrichte. Wir halten Die liberalen Abgeordneten im Reichstage für zu klug, als daß sie Die törichte Politik, welche Das ,B. T.« empfiehlt, mitmachen würDen. D»e Aiehr- heiisparteieu, welche Die Reichsfinauzrefornt zustanDe gebracht haben, werden wenn nötig auch Die übrigen Gesetze noch znstanDebringeu. Unb »ver bet Den nächsten Wahlen Dann besser abschnetDen w'.rD, dte Parteien, welche die Reichsverficherungsordnu»»g und Die Reichszuwachssteuer zur Durchsührung gebracht, oder Die liberalen Parteien, welche gegen diese Gesetze gestimmt haben, wie Das B. T. es wünscht. Das glauben wir wenigstens in aller Ruhe abwarten zu können.
** Aus der Korrespondenz des Evanqel. Bundes stammt eine Veröffentlichung, die jetzt durch die liberale Presse geht und die angebliche Auslassungen von Zentrumsblättern über den Kaiser vor dem 13. Dezember 1906 und nach dem 13. Dezember zusammenstellt. Was es da- mit auf sich hat, geht schon daraus hervor, daß als -Zentrumsblätter" der Märkische Sprecher', ein liberales Bochumer Blatt, der .Tiroler Volksbote' und die .Salzburger Chronik' paradieren. Zentrumsblätter in Oesterreich, das ist doch mal was neues! Nebenbei gesagt, die liberalen Blätter brechen sich selbst die Nase aus dem Gesichte, wenn sie jetzt einige vor langer Zeit geschriebene Worte der ,Köln. Volksztg/ gegen Absolutismus und persönliches Regiment Den Zentrum aufmutzen; denn wer hat denn mehr gewettert gegen das persönliche Regiment als der Liberalismus? Freilich war das nicht
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Verlag der Luldaer Ak- .. «endntckerei in Lulba monatrbeUage: „Zuldaer Geschichtsblatter Zerufprecher Nr. 9.