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Samrtag den 26. November 1910.

37. Jahrgang.

" fuldaer W

Zeitung «

&, Blatt.

vr«S und Verlag vtt Zuldarr Artlendruckerri in 8ulda.

= Leo Tolstoi.

Als Beispiel eines Straßenraubes, wie er vor 100 Jahren geübt wurde, sei folgender erzählt: Es war am 21. Juni 1809, als sich die Tuchmacher Gebr. Phil, und Ludw. Eisenhard nebst einem Sohn des Letzteren aus Niedercleen, Amt Hüttenberg, aus dem Heimweg vom Wetzlarer Jahrmarkt befanden. Sie hatten außer ihren eigenen auch die Güter des Krä­mers Ad. Dallinger bei sich. Die Räuber suchten sich bei Klein-Rechtenbach einen Platz aus, wo das lichte Kornfeld sich mit dem Dickicht des Waldes paarte, da­mit sie auf der einen Seite Hellung, auf der anderen aber Dunkelheit nach Bedürfnis hatten. Ludwig E. ging vor dem Pferd her; er wurde an der Waldecke mit vorgehaltenem Karabiner gestellt und mit Prügeln zu Boden geschlagen. Auf sein Wehklagen ries einer: ,Schieß den Hund tot!" Der Karabiner wurde abge­drückt, das Pulver blitzte auf, — aber der Schuß ver­sagte! Johannes Eisenhardt, Sohn des Vorigen gmg hinter dem Wagen her; er wurde von drei Räubern verfolgt als er entfliehen wollte, zu Boden geworfen und seiner Barschaft, die in etwa 50 fl. bestand, be­raubt Einer der Räuber fühlte seine Sackuhr und nahm sie zu sich. Philipp E. wurde von zwei Räu­bern angefallen, mit einem Prügel auf den Kopf ge­schlagen und in den Chauffeegraben gestoßen. Er glaubte, seinen Büchsenranzen retten zu können, in dem sich 100 fl. gelöstes Geld befanden. Er wurde aber ohnmächtig geschlagen und beraubt. Als er wach wurde, bat er den „dicken Hann-Adam", ihm den blu­tenden Kopf zu verbinden, und der Räuber tat es; der Ueberfallene wäre sonst verloren gewesen. Die drei unglücklichen Männer kehrten nicht nur als schwer Mißhandelte und Kranke .sondern auch als Arme heim. Ihr Verlust war 2332 fl. 53 Kreuzer.

Buben mehr, sondern nur Boys.

Ed. Engel nannte diese Sprachkrankheit kürzlich Sprachschwindel, und schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, es möchte gelingen, in unserem Volke das Gefühl zu erzeugen, daß man sich hüten müsse vor jeder Ankündigung, Zeitung, Schrift mtt ausgesprochener Fremdwörtelei, stehe dahinter auch ein "noch so berühmter Name; denn man tonne sich-r sein, daß es sich um nichts vollkommen Red­liches handelt, daß irgend eine kleine oder große Unwahrhaftigkeit, ein Mehrscheinenwollen als Sein dahinter steckt. Ringe man sich zu dieser Hebet- zeugung durch, so sei die Kraft einer uralten deutschen Krankheit gebrochen, und die Heilung werde alsdann mit Riesenschritten vor sich gehen.

Ja, das ist hart geurteilt, aber es steckt leider viel Wahres darin; doch leider wird auch von diesem Wunsch« gelten: mancher lernt's nie, die Fremdwörterei zu verachten.

zeigt hat.

Neuengamme und seine Bewohner wurden jeden- älls wünschen, daß der Erdgasbrand bis zum jüngsten Tage währte; denn der Gewinnst, den sie durch die wie aus der Erde geschossener Fremdenindustrie ein- heimsen, ist gar nicht zu verachten. Und der Neuen- gammer versteht's, Geld zu machen.

Es hat wohl noch kein Russe eine solche Aufmerk- amteit in der internationalen Geisteswelt gesunden, wie der jetzt verstorbene Graf Tolstoi. Von Paris aus wurde die Welt auf diesen Dichterheroen ausmcrk- sam gemacht vor kaum mehr als dreißig Jahren, «em Ruhm reicht heute an die Grenzen des ErdbMs. Tolstoi'S Beziehungen zu Deutschland sind, abgesehen von der Mär, daß die Famili Tolstoi aus Deutsch­land unter dem Namen Dicke vor 300 Jahren in Ruß­land eingewandert sein soll, recht mannigfach. Ms junger Mann hat Tolstoi Deutschland bereist und viel­fache Anregungen stammen aus jener Zeit.

In Tolstoi muß man, um zu einer unbefangenen Würdigung zu gelangen zwei Seiten seiner Natur unterfcherden, den Dichter und den Moral­philosophen. ,

- Der Dichter Tolstoi ist unstreitig einer der größten, vielleicht der größte, den Rußland hervorge­bracht. Seine Gestaltungskraft, die Großartigkeit der Anlage ist noch von keinem seiner Landsleute erreicht worden Tolstoi's Blütezeit als Dichter liegt jedoch schon weit zurück. Die großen Romane „Krieg und Frieden", „Anna Karenina" und „Auferstehung find in den 70er und 80er Fahren entstanden. Den erstgenannten Roman bezeichnet P. Baumgarten in tun Stimmen von Maria Laach (1889) als den Höhepunkt der russischen, ja der gesamten neuem Ro­manliteratur überhaupt. Den Roman „Anna Kare­nina" nennt derselbe eines der glänzendsten Gegen­stücke zu „Werthers Leiden". Settdem hat Tolstoi seine Kraft in kleineren Werken verzettelt und sich mehr und mehr als großen Reformator aufgefpielt.

Die Betätigung Tolstoi's als Moralphilo­soph, als Ethiker hat in der Kulturwelt eigentlich mehr Staub aufgewirbelt, als seine Porsten, die er,

begehrt.

Dieses Jahr ist's anders gekommen. Daran ist der Feuerzauber" indenVierlandc» schuld.

Tausende verschlingt das Tor des Hamburger Haupt­bahnhofs Tag für Tag, und diese Taufende stürzen sich auf die Vorortzüge, auf die Extrazüge, um ein be­scheidenes Plätzchen noch zu ergattern, lind dann fahren sie hinaus nach den — Vierlanden. Nicht am strahlenden Vorniittag, wie sonst, setzt die Wanderung derer von der Wasserkante ein; nein, die düstere Nacht wird ermattet und wie zu schlimmem, graustgem Tun md sie alle gerüstet. Loden- und Gumminiäntel, Schäftestiefel und Gamaschen, Schirme und Hüte kann man da bewundern wie eine Galerie neu ausgegrabe­ner Altertümer. Es ist ja Nacht und man sieht's nicht; aber prattisch ist's.

Endlich nach ungeduldiger Fahrt ist man an Ort und Stelle. Wie auf Zauberwort fliegen in Berge­dorf die Kupeetüren auf, hinaus ergießt sich die un­endliche Schar. Der Glücklichere, der des Portemon­naies geschwellte Fülle in der Tasche sühlt, zahlt dem unverschämt fordernden Bauerndroschkenführer seinen Obolus und fährt. Ob er rascher und sicherer sein Ziel erreicht als der im Kote stapfende .„Plebejer"? Lang­sam schiebt sich die Welle vorwärts, in atemloser Span­nung, dir nur hie und da durch einen derben See­mannsfluch über den so jämmerlich schlechten Weg unterbrochen wird. . . . Und nun mit einem Mal heben sich tausend Hände wie auf Befehl und weifen leidenschaftlich in die Ferne: Da, da . .! Die Flam- nte —! . . . Ein orangefarbener Lichtnebel wallt und flimmert am Horizont, und jetzt taucht über dem dür­ren Gesträuch eine flackernde Flamme empor. Wie tie­fer Orgelton rauscht es aus der Ferne heran, mitunter erzittert leise di« Lust, als ob sich weit jenseits der Elbe eine Schlacht entwickeln wollte und ihre ersten Gefchutz- grüße herübersendete. Der Orgelton wird in ausfal­lend kurzer Zeit zu einem Gebrause, der Geschützdonner rückt näher, ab und zu blufft es feurig auf, und ein wehender Flomnienmantel flattert in den gelbroten Nebel empor. . . Und dann sst man am Ziele, etwa hundert Meter von der Erscheinung entfernt. Fest

[] Mancher lernts nie!

Wie heißt doch der schöne Spruch? „Mancher (er. t's nie, und felbst dann noch unvollkommen". Das gilt auch vom deutschen Michel; der scheint es nie zu fernen, daß er stolz sein soll auf seine Mutter­sprache und ihren Ehrenschild reinhaben.

Wahrlich, so mancher gute Deutsche lernt da? nie und sudelt und schmuddelt weiter in der lieben Fremdwörterei! Da sind die Gastwirte, die keinen Schwan und keinen Goldenen Löwen mehr leiden mögen, keine Vier Jahreszeiten und keine Krone; nein, heute muß es sein — man gehe doch nur mal in die Großstadt und seh« sich da um — em Ex- celsier Hotel, ein Esplanade Hotel, ein Splendid Hotel, ein Atlantic Hotel, ein Savoy Hotel, ein Hotel Bristol, ein Carlton Hotel — unb ^Birt unb Gäste wissen oft gar nicht, wie sie diese Namen aus­zusprechen haben. — In den großstädtischen Blättern sieht man manchen Kohlenhändler inserieren, die für die „Heizeawpagns" (!! das soll „Winter" heißen!) das beste Heizmaterial für Zentralheizungen zu 260 Mk. pr. (Ibrtrr!) 10 ts und zwar pr. (!) Ab­nahme bis 31. August er. empfehlen; später erhöht sich der Preis um ca. 15 Mk. — „und besitzt das­selbe den höchsten Heizellecr" — ja damtt suchen die Leute noch immer „Effekt" zu machen. — Da sind gewisse Berichterstatter, die lieber von den Supertlugcn sprechen als von Ueberklugen, und noch lieber von den Hyperklugen, obgleich das höchstens fünf von Hundert ihrer Leser verstehen, das deutsche Wort aber alle; und die überhaupt in einer Sprache schreiben, die dazu bestimmt zu sein scheint, von den Lesern nicht verstanden zu werden, da sie mtt Wörtern, Wendungen und Redensarten gespickt tft, die nur der sogenannte „Gebildete" versteht; die keine Seele mehr kennen, sondern nur eine Psyche, keine

△ Fenerzauber.

Neuengamm« liegt mitten in den Hamburger Vier­landen, von Hamburg elbaufwärts. Dorthin geht der Hamburger im Frühling, wenn die Blumen ihre Kno- spm öffnen, im Sommer, wenn die Rosen ihren süßen Tust ausströmen, wenn Apfel- und Kirschbäume in ihrer Pracht prangen, wenn die großen Gemüsefelder ihre strotzende Fruchtbarkeit zeigen. Aber im Spät­herbst und Winter, da ist's in den weiten Marschge­genden der Viettande öde und traurig. Unb dort geht öec Hamburger nicht hin, wo es nach Moder riecht, der lebenslustige, kräftige Hamburger. Da ist ihm seine Alster lieber, und die „Saison" beginnt ihre Arme aus­zustrecken, für sich einzufangen, was Lust und Leben

Vogelsberger Räuberbanden vor 100 Jahren.

Von H. W«der-Störo. II.

Einbrüche und Straß enüb erfülle.

Der Vogelsberger Räuber der Zeit von 1800 bis 181? da das Räuberhandwerk am blühendsten war, mußte bei seinen Einbrüchen, weil er in den seltensten Fallen auf Geld rechnen konnte, sein Augenmett aus Sachen richten, welche Geldeswett hatten und leicht verkäuflich waren. Dazu gehörten in erster Limeme­tallene Gegenstände, wie kupferne Kessri und Uhren, die damals einen hohen Wert hatten Die hohe L>ahl der vollendeten und versuchten Kesseldrebstahle bewei­sen wie hoch die Gauner das Kupfer einschatzten.

In Ober-Sorg bei dem Einwohner Fried. Kohler wurde von 3 Räubern ein kupferner Siedkessel von 23 Eimern entwendet (Juni 1807). — Am 22-/23. Fe­bruar 1806 brachen 5 Räuber unter Anführung des Balthalar Pfeiffer bei dem Einwohner Paul Oester­reich zu Bomrerod ein und stahlen dort einen etnge» mauerten Waschkefsel zu 34 fl. nebst dem Fleisch eines ftisch geschlachteten Schweines (2 Zentner). I» Unter-Seibertenrod stahl der ebengenannte Dieb am 20. März 1806 mit noch zwei Komplizen zwei Wasch- kesfel und zwar bei Heinr. Rahn und Diedr. Reinhardt. Das Kupfer kaufte der Jude Arncheu zu Einerts- hausen. — In der folgenden Nacht brachen die Diebe in Ruppertenrod ein, wo ihnen ebenfalls em Kessel in die Hände fiel. - In Ober-Breidenbach wurde dem Butterhändler Joh. Rockel ebenfalls ein emge- mauerter Kessel (23 fl.) und aus dem Keller eine Kotze mit 190 Pfd. Butter entwendet (1807). — Der Mul­ler Job. Ruppel zu Eichenrod hatte in Flmtenschntz- weite von seinem Wohnhause ein Waschhaus stehen, aus welchem die Räuber einen Waschkefsel von einem Wert von mindestens 75 fl. stahlen. Es wurde neben der Türe von dem sogen. „Langen Friedrich ein Loch mit einem Weisel eingebrochen und die Türe auf diese Weife geöffnet. Ein Jude in Storndorf kaufte das

zumal in den letzten Jahrzehnten, mehr und mehr in den Dienst seiner Philosophisterei gestellt hat. Tol- stoi wollte reformieren, hatte aber nicht einmal die Kraft, bei sich selbst den Anfang zu machen. Er ist bartn nur ein getreues Abbild russischen Lesens überhaupt. Tolstoi's Philosophie kommt letzten Endes hinaus auf eine Verneinung aller jetzigen K ul­turzustände. Er ist der große Nihilist. Er verwirft das Christentum in all seinen heutigen Gestartungs- formen, bekämpft den Staat und seine Einrichtungen, besonders die Wehrmacht und den Krieg. Er ver­neint die Ehe als nützliche Einrichtung, nennt den Kindersegen einen Fluch u. a. m. Er verwirft den Reichtum und das Geld als lästige Uebel. Jedoch Tolstoi kokettierte nur mit der Aszese. Sein eignes Leben war von all seinen hochtönenven und doch viel­fach so hohlen Phrasen so weit entfernt, daß Maxi­milian Harden die Frage aufwerfen kann, ob ein Mann, der nicht einmal in hohem Alter wo es doch verhältnismäßig leicht sei, aszetisch zu leben, seinen Idealen nachlebte, überhaupt das Recht Hatz von den übrigen Menschen das Verfolgen solchen ^deals zu verlmigm. Ja, Harden spricht Tolstoi's Philosophie selbst die Originalität ab und erklärt sie für eine ver­wässerte Neuauflage Roufseaus. Unb nicht minder hart urteilt Adolf Stein (der bekannte Kaiser-Stein- in der , Allg. evang.-luth. Kirchenztg." Ueber die Klo­sterflucht, die letzte Tat Tolstoi's, dir die Welt von ihm reben mochte, schreibt er: Jetzt ist er „m die Einsamkeit" geflohen, aber nicht, um der Gottheit näher zu sein, sondern — wie der „Nordpoleutdccker Cook um dem Toben der Genassührten zu entgehen. Er selbst motiviert seine Flucht mit dem Wunsche, aus seiner „bisherigen Welt des Luxus" sich zuruckzw ziehen, gesteht also zu, daß er keineswegs in Ent- fagmr dahingelebt hat.

Ein Vorbild ist Tolstoi nie gewesen m.d eine Gemeinde für seine neue Religion hat er nie gefun­den Ein Märtyrer aber, zu dem ihn eine gewisse Presse gern stempeln möchte, war er erst recht nicht. Im Gegenteil! Der ruffische Staat hat aus Rücksicht auf feinen Ruf als Dichter und Schrifffteller ein Aug, zugedrückt und seine hochoerrättrische Propa­ganda, die ja glücklicherweise ohne j-oei Erfolg war, zur Zeit des russisch-japanischen Kriegs und der Revo­lution unbeachtet gelaffen. Die russische Kirche war zu seiner Exkommunikation vollständig berech tigt; denn Tolstoi haßte die Kirche.

’ Gewiß Tolstoi als Dichter war groß unb als : Mensch können wir ihm unser Milleid nicht ver- • lagen Aber wenn G. Hauptmann tm „Berl. Tage- i blatt" klagt: „Die Welt hat ihren zweiten Savona- rola (!) verloren. Der einzige große Christ der Zeit ist nicht mehr. Medemm ist ber wahre Christas, der wahre Gesalbte, der Stein des Anstoßes und das hei­lige Aergernis" — so muß man lächeln über diese über­schwänglichen Geister, die sich selbst in anderen ber» oöttern wollen."

gebannt steht alles, in stumme Bewunderung versun­ken.

In einem regelrechten Kreuz schießen die Flammen hervor; oben aus dem Bohrrohr züngelt eine verhältnismäßig kleine, gelbe Feuersäule. Um so wuchtiger und grandioser sind die Seitenarme des Feuerfteuzes. Unter ungeheurem Druck werden die Gase heraus gepreßt, entzünden sich erst in beträchtlicher Entfernung von der Oeffnung in klarer, blauer Flam­me Weiter hinaus nimmt der Feuersttahl grüne und violette Schattierung an, bis et schließlich gelb in feu­rigen Fetzen zetflattert. Die Expansion der Gase ist so gewaltig, daß sie noch weitab von dem Ende der flammenden Arme einen wahrnehmbaren Strem bil­den, aber doch zu dünn schon sind, um noch brennen äU Tas ^Staunenswerte an diesem Naturwunder ist jedoch nicht in erster Linie die Feuererscheinung. S'e allein ist bei anderen Gelegenheiten weit {tarier zu be­obachten Erst der Donner macht das Gewitter schau­rig und gewaltig. So auch hier das G et öf e, womit

Da erwacht der das Heiligtum bewachende Robbe'in I die Gase ihrer vielleicht Jahrtausende wahrenden Ge­ber anstoßenden Stube. Mit Geschrei sprang er aus, I fangenschaft entfliehen. Der Grundton ist nn scharfes fiel wider die Türe und schrie laut um Hilfe; aber I Zischen und Brausen, etwa, wie es eine^amps aö- riemattb wollte dem geängstigten Juden helfen, der | lassende Lokomotive erzeugt, nur ins rzunszig-, ms das Gepolter der selbst aufgeschrecktm zum Fenster hinauseilenden Diebe hörte; die Todesangst stieg ihm mächtig zu Leibe, sodaß er ohnmächtig zurück auf sein Bett fiel. Nicht weniger erschreckt aber waren die Diebe die alle geraubten Sachen, den messingenen Kronleuchter, die Decke Mosis, Gebet-Wickeln auf den Mist warfen und sich in ihrem panischen Schrecken eiligst davon machten. Lange Zeit war diese komische Begebenheit ein Gegenstand der Foppereim unter den Dieben. Wechselseitig zogen str sich damit auf, daß sie vor dem furchtsamsten aller Juden gleich Hasen ge­flohen wären. Dadurch wurde die Sache auch den bei der Bande befindlichen Weibsleuten verraten, die ■pater bei ber Untersuchung den Diebstahl zur Kennt­nis des Gerichtes brachten.

Hundertfache gesteigert. Ueber diesem betäubenden i Lärmschwall, den nur ein sehr starkes Ohr längere ^tt i hindurch erträgt, grollt wie eine unheimliche Riesen­stimme aus dm Tiefen ein bebender Klang des tiefstm Kontrabasses, unter dem die Erde beständig zu erzit­tern scheint, obgleich es sich nur um das Vibrieren der Luftwellen handelt. Ab und zu, wenn die eine Seiten- flamme, auf Sekunden verlöscht gewesen, sich vm ,ent­zündet und mit verdoppelter Wucht vorwärts schießt, ertönt ein dumpfer explosiver Schlag Tas Ganze ein wilder, urgewaltig tobender Ausmhr der Elemente, den unserAuge begierig in sich reißt, vor dem sich aber unser Ohr scheu schließen möchte. Eine enffesselte Natur­kraft an die sich unser Geist klammert, um sie zu ver­stehen, zu deuten, vielleicht — wie wir modemen Men­schen nun einmal find — zu nutzen.

Die W i s s en schäft ist natürlich gegenüber die­sem Elementarwunder nicht gleichgiltig geblieben. Eine Untersuchung des Gases hat mit Sicherheit ergeben daß es sich um Methangas handelt. DiA Gas entsteht durch Vermodern von Pflanzen- und Tierzel­len Es kommt in seinen Eigenschaften dem künstlich in Kohlenöfen sreigemachten GZ. gleich; nur daß dort der ungeheure Druck der Erdschichten die Stelle des beim Kohlengas ungleich rascher wirkenden Feuers verttitt. Erdöl und Steinsalz sind Absonderungen sol­cher Verwesungsprozesse. Salz- und Kalkgehalt bat man in den aus dem Bohrloch geschleuderten Wcffser- maffen festgestellt. Die Jahrtausende haben die Gas- mengen in dem Riesenreservoir der Erde gesammelt, der stetige Dmck der Gebirgsmassen hat der stets wachsen­den Menge nicht nachgegeben und ihre Spannung da­durch ins Ungeheuerliche gesteigert. Plötzlich wird durch einen Zufall dieser Riesengaskessel angebohrt und mit Sturmesgewalt entweichen die Gase ihrem Gefäng­nis. Ein unglücklicher Zufall entzündet die Flücht­linge und nun schon fett dem 4. November staimt man jetzt schon das Wunder an, einen Vesuv im Klemen.

Woraus lassen die Gase schließen, was kommt nach, was soll geschehen? Das sind die Fragen, die Pra­xis und Theorie jetzt zu einmütigem Denken und han­deln auffordert. Ob das fi^troleurngebiet in der Al­lerlinie, das Vorkommen von Oelkreide im Nordwesten Hamburgs mit dem Naturwunder in Verbindung steht, weiß die Wissenschaft noch nicht zu entscheiden. Wei­tere Bohrungen müßten da erst Ausschluß geben. Eme nicht uninteressante, aber wenig gemütliche Theorie stellt ein anerkannter Hamburger Chemiker auf, der den Gasstrom auf unterirdische Petroleumlager rurucksuhrt. Aus dem starken Druck, mit dem die Gase entweih- ist anzunehmen, daß, nachdem das über dem Petroleum lagernde Gas entwichen ist, dieses, selbst nachfolgen unb zwar mit erheblichem Druck an die Oberfläche kom­men wird und große Mengen sehr leicht brennbarer Flüssigkeiten über Felder und Gräben fließen werden. Kommt die Flüssigkeit - was nicht unwahr, Heinrich ist _ zur Entzündung, so wäre der schaden unermeß­lich und die Löschung ivürde unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen, mit denen man jetzt beim Brennen des bloßen Gases nicht zu rechnen hatte Os wäre also alles daran zu setzen, der Flammen sowohl wie der Gase Herr zu werden, um drohendem Scha­den und schwerem Unheil vorzubeugen. Es wäre dies auch im Interesse der Werte, die jetzt nutzlos verschleu­dert werden, zu wünschen. Das bis jetzt entwichene Gas hätte zur Versorgung von ganz Hamburg zwei Monate lang genügt. Vorläufig hat die Hamburger Feuerwehr versucht, durch einen mächtigen W ass er­strahl der in der Minute 2300 Kubikmeter Wasser schleuderte das Gaz nahe dem Austrittsrohre derart mit Wasser zu mengen, daß es sich zur Entzündung nicht mehr genügend mit Lust mischen tonnte. ~et Versuch hatte einen zufriedenstellenden Erfolg. Damit ist auch die Verwendungsmöglichkeit in greifbarere Nähe gerückt. Allerdings ist das ausströmende Wasser- stcifgas nicht gleichwertig, immerhin aber gut zu brau­chen. Zum Abfangen des Gases sind ganz besondere Vorrichtungen erforderlich, da. das Gas mit einem Truck von mindestens 250 Atmosphären aus strömt. Die Rohranlage an der Quelle selbst müßte durch Zement­blöcke sehr fest verankert werden. Vorläufig bleibt das Phänomen noch so, wie es sich in den letzten Tagen ge-

Alle vorstehend erwähnten Einbrüche sind haupt- Mlich auf das Konto Balthasar Pfeiffers (sogen. Weisbrods Balser oder Schwarzer Balser), gebürtig aus Maar, zu setzen. Er war eines der Hailptglieder der Vogelsberger Banden. ,

Zu Obergleen, Amt Kirtorf, wurde (1809) cm Braukessel, der 4 Ohm' hielt, gestohlen. Die Diebe waren mtt einem Meifel, einer Axt, stecken und „Sif- fen" (Diebssäcken) versehen. Die Gemeinde kaufte einen alten Kessel für 180 fl. - 1809 verabredeten die Diebe den Braukessel zu Elpenrod, der noch em Ohm mehr hielt, zu stehlen. Teilnehmer waren die Rau- 5er: Thron, I. Ad. Frank, Kannengießers-Hannes and Heinr. Ritter. Sie trugen die Beute auf Hop­fenstangen in einen benachbarten Wald, wo sie das Kupfer zerkleinerten. Thron mußte einstweilen zu dem reichen „Kochemer Kaim" (vertrauter Juden) L M. in R. gehen, um ihm das Kupfer anzubleten. Sie wurden handelseinig, indem der Jude 24 kr für

Mund gab; der Räuber nahm sich als Abschlag öon dem Juden ein Paketchen guten Tabaks mit. Am Abend beaaben sich die Diebe in den Wald, das Kup- , fer beiseite zu schaffen; erschrocken gewahrten sie aber, daß die Streifung (Jäger und bewaffnete Bauern) sich der Früchte ihrer nächtlichen Arbeit demachngt hatten. Sie mußtep rasch enffliehen; alle hatten ihre Diebssäcke verloren, dazu hatte Ritter sem Schimpftuch und Thron seine Ulmer Pfeife eingebußt, — Jammers genug! Dazu wurden sie noch, als sie sich andern Tages auf dem „bezinkten Emmes" (ver­abredeten Platz) versammelten, von ihrem .mfupter (fegen. Langer Friedrich), ohne dessen Wissen sie den Diebstahl untetnommen hatten, und der nun mit der Pistole bewaffnet auf den Feuerplatz.trat, schwer miß­handelt. — Hann-Lehnert (aus Rixfeld), Langer Friedrich, I. Vielmetter unb H. Brandau (vulgo Enaelrüder Dick") unternahmen den Diebstahl eines Kessels auf einer Mühle bei Nieder-Obnien. Die Diebe wurden verfolgt, und Friedrich deckte den < nid- zug mit seiner Pistole. - In Wett,aasen war dem Einwohner I. Weber im vorhergehenden em Reffet fltffobfcn roorben unb er yfitte fid) nun einen neuen angesckasst, der aber noch nicht ganz bezahlt war. Im nädiften Jahre wurde ihm nun durch den- felben Räuber (Hann-Lehnert) auch dieser geraubt, — gewiß ein recht häßlicher Zug vom Charakter des Täters! — Auch in Ober-Breiteubach hatte es der eben ernannte Gauner auf einen Kessel abgesehen. Sie hatten denselben bereits losgebrschen, bemeriten aber dann, daß derselbe von Eisen, mithin zu schwer und nicht'einträglich genug war. So ließen sie ihn liegen und begaben fid) auf die ^abgelegene Grundmühle, Mv sie Ferkel stehlen wollten; dort fanden sie in der Waschküche einen Kessel von Kupfer, den sie Mitnah­men — Eine große Arbeit wurde von den Räubern (5 Mann) zu Hirzenhain geleistet, indem fie (Ok­tober 1808) dort einen sehr großen, 11 pW halten­den mit Quadersteinen und eisernen Klammern seü eingemauerten Braukessel enttoenbeten, und auf einem zweispännigen Wagen fortbrachten Em -rerl des Kupfers, nämlich 222 Pfd. konnten bei dem zzuden Aaron Goldschmidt (Arnchen) m Emartshamen wie­der beschlagnahmt werden. — Im -September 180b wurde dem Einwohner I. H. Dietz zu Kestrich em eingemauerter Braukessel mittels Einbruchs entwendet; Haupttäter war der Lange Friedrich.

Die Kesseldiebstahle aus damaliger Zeit^sind scht ungezählt. Richt weniger an Zahl sind die Einbrüche, bei denen es auf Kleidungsstücke, Wäsche und derglei­chen abgesehen war. Ein solcher Diebstahl wurde z. B. vorgenommen (1809) bei Adolf Rahn zu Stock­hausen. Amt Grünberg, nachts, als der „Moorm- Kaffcr" (der zu Bestehlende) ahnungslos schlief. Es wurde ein Gefach im ersten Stock ausgebrochen, wo­durch man in die Wohnstube gelangen konnte. 90 Ellen Tuch, 18 Hemden, einige Tisch- und Handtü­cher, Weibsröcke usw. wurden gestohlen. ,

Mehr humoristischer Art war ein Einbruch in dem „Inden-Tempel" zu Stondorf. Joh. Ad. »rank, Druckers-Peter, H. Ritter und Clare-Andres waren die Beteiligten. Sie hatten einige -scheiben ausge­bleit und die Synagoge zum Teil schon ausgeleert.

Allerlei.

— Gegen dm modemen Tamenhut wendet sich eine Dame im „Kasseler Tageblatt" an ihre Mit- schwestern in einem Mahnwort in Versen:

Schämt ihr euch nicht, ihr deutschen Frauen, — Die ihr doch nütwirkt zur Kultur — Ihr laßt euch solch« Hüt« bauen, Die maximal« Unkultur.

Und sie rät, roenn die Händler das nicht bringen, was schicklich und schön ist, solle sich jede Frau ihren Hut selbst ausertigen. - Ob der praktische Vorschlag Anklang findet 'i