JV6 270.
zrettag den 25. November 1910.
, fuiaaer U Zeitung«
2. Blatt. .
Vntck uttb Verlag der Zuldaer Hctkubmdtrd in $*lbe.
37. Jahrgang.
Deutsches Keich
zu stellen, im Ganzen aber doch vorsichtig und auf sei-
öu der Haushälterin aber, einer klugen Frau, die, brachten Bartley zu dem Entschluß, sich jnw
3 ^Dame zu benehmen wußte und mit ihm freundlicher als bisher zu Mary's yerzenZw-m chm
X'U"lt 0“ vvn^m x> r. ~ . ra.„„K>« rtfror hnrfl hnriirfltm und auf sel-
ren. Mr hoffen, daß diese Anregung auf günstigen Boden fallen und gute Früchte zeitigen wird Es handelt sich darum, den deutschen Weinbau lebenskräftig zu machen, die Weinbaugebiete vor Verarnmng und Entvölkerung zu schützen. Der Winzer ist an harte und mühselige Arbeit gewöhnt und ist gelehrt, Unglück und Enttäuschungen zu tragen, aber in der jetzigen überaus großen Not muß ihm geholfen werden, muß er in seiner Hoffnung auf kommende bessere Zeiten gestärkt werden. Wir zweifeln nicht, daß auch diese kommen werden, und wir hoffen, daß dann, unterstützt von den segensreichen Wirkungen des neuen Weingesetzes, der deutsche, insbesondere der rheinische Winzerstand einem wirtschaftlichen Aufschwung entgegen- Sche.
(*) Eine neue Absage an den Hamadund. Von einem größeren industriellen Werte der Maschinen- branche in Norddeutschland hat, wie die Kreuz,tg/ mitteilt, der Hanlabund gleichzeitig mit der Aus- trittserklärung des Bankdirektors Frhrn v. Pechmann (München) folgenden, vom 15. d. Mts. datierten Brief erhalten:
Chr. Ahrens.
Man ist ja manche Schlechttgkeit un sozialdemokratischen Lager gewohnt, daß man aber die Mitglieder direkt zur Schlechtigkeit auffordert, sollte man doch nicht für möglich halten. Angesichts einer solchen Erziehungsweise versteht man auch manche Vorgänge, wie Moabit usw. in letzter Zett. Ob anständige Arbetter es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, mit solchen Leuten gemeinsame Sache zu machen, bezweifeln wir sehr, und deshalb kann ihr Platz nicht in den sozialdemokratischen, sondern nur in den christlichen Gewerkschaften sein.
c? München, 24. Nov. 1910. Im oberbaherischen j Landrat hat eine kurze Diskussion über k l ö st e r l i ch e Erziehung stattgefunden, .welche die liberale „Augsburger Abenztg.' (Nr. 321) zu folgender Aus-
Au§ dem Nachbargebiele.
* Hünfeld, 24. Nov. 1910. Kürzlich fand hier eine Besprechung über die Verkoppelung von Hünfeld statt, liebet mehrere bereits aus- geführte Verkopplungen in hiesiger Gegend wurden Urteile von Beteiligten vorgelesen und erörtert, wobei sich namentlich auch zeigte, daß die Kostenlast nirgends zu schwer gewesen ist. Schließlich wurden einige Fragen besprochen, welche die Verkoppelung von Hünfeld besonder- betreffen. Darauf unterschrieben die anwesenden Landwirte tun Antrag auf Verkopplung.
* Frankenberg, 24. Nov. 1910. Mit der hiesigen Bezirkssparkasse wird voraussichtlich die zu Vöhl zu einer Kreisjpartasse vereinigt werden. i@in diesbezüglicher Antrag der Aufsichtsbehörde I wurde vom Kreisvorstande angenommen. Für Vöhl würde die Vereinigung einen großen Vertust bedeuten.
* Kirchhain, 24. Nov. 1910. Em wrllko menes Weihnachtsgeschenk wird für viele hiesige Einwohner die Auszahlung der Ablösungssumme ves Stadtwaldes fein, die am 30. d. M. bei der Stadtkasse erfolgt. Jeder Nutzungsberechtigte er- I hält rund 114 Mark.
Zentrumspresse st darauf ja immer gegmüäer der Klo- sterstürmerei des Äbg. Muller-Memuigen hinge, oir.cn
ner Hut zu bleiben.
„Liebe Mary', sagte er, „ich fürchte, daß Du hier wie auf Kohlen fitzen wirst, bis der junge Mann zurückkommt . Darum wäre es vielleicht am Besten, wenn Du jetzt Deinen Besuch bei Mrs. Caston zur Ausfüh- rung brächtest.'
„O Papa, wie gut von Dirl Aber die Seen sind, wenn ich nicht irre, über fünf Stunden von hier.'
„Ja, Kind", erwiderte Mr. Bartley; „aber Mrs. Caston ist augenblicklich wieder bei ihrer Schwester Gilbert, es handell sich also nur um eine Spazierfahrt.'
„Weißt Tu das gewiß?'
„Gmiz gewiß, liebes Kind; sie hat mir gestern ge- schricken und gebeten, chre Kerne Pension, die eben fällig ist, dorthin zu schicken.'
„Wie, Papa, Du gibst ihr eine Pension?'
„Ja, Kind, das heißt, ich fahre fort, ihr dm frühe- ren Gehalt zu zahlen. Wie verwundert Du ausstehst l Meinst Du etwa, ich wäre eben so intolerant wie der alte Oberst, der keine Ansicht gelten läßt, die der seini- gm widerspricht? Mrs. Caston hat mir getreulich geholfen, Dich dem Sehen zu erhalten, als Du einst in großer Gefahr warst. Jahrelang hat sie mtt mütterlicher Sorgfalt über Dich gewacht und selbst in Bezug auf Walter Cliffvrd stehen wir uns durchaus nicht seinoselig gegenüber. Was ich von chr, wie von Dir verlange, ist ja nur ein bischen Vorsicht und Geduld. Run sage mir aber, Kind, wirst Du denn im Hause der Mrs. Gilbert ein anständiges Unterkommen finden?'
„O ja, Papal ES ist zwar nur eine Pächter- wohnung, war aber ehemals das Herrenhaus. Mrs. Gilbett hat ein schönes Logierzinuner mit großem Bogenfenster.'
„Gut, Kind, das Zimmer Bitte Dir aus und schreibe an Mrs. Gilbert, sie möge im Kamin Feuer anmachen und das Bett für Dich auslüften lassen. Morgen kannst Du dann hinüberfahren und Mrs. Castons Geld in einem Briefe mi nehmen.' (Forts, folgt. ‘
sich wie eine L----- „----------- , - , m
in einem Alter war, sagte er noch etwas nn Vertrauen, das dem jungen Volk in der Gesindestube nicht zu Ohren zu kommen brauchte.
„Mrs. Milton', sagte er, „ich bin ein alter Mann und" habe tM im In- und Auslande umgesehen und mancherlei erfahren, aber heute ist mir etwas begegnet, was ich bisher nicht gekannt habe.'
„So, John, wirklich? Was kann denn das gewesen
sein?'
„Ich habe gesehen, wie ein Engtt zu Gott gebetet.'
Von Stunde an besaß Mary Battleh zwei getreue Anhänger in Cliffvrd Hall.
Mr. Bartley's Ansichten in Bezug auf Mary s Zw kunst hatten eine Umstimmung erfahren. Er sagte stch selbst, daß er sich, wenn Oberst Cliffor'v stürbe und Walter in den Besitz der väterlichen Güter käme, mit diesem jungen Mann, der Mary so leidenschaftlich liebte, sicherlich leicht verständigen würde. Er brmrchte gewiß nur zu sagen: „Ich tarnt im Augenblick meiner Tochter keine Mttgist auszahlen, werde aber nach meinem Tode ihr und ihren Kindern alles hinterlassen, was ich besitze, wenn Sie ihr von vornherein ein bescheidenes Wtum aussetzen wollen', so erklärte sich Walter einverstanden unb verlangte keine vormundschaftliche Rechnungsablage. Barlley ivürde sogar Mary's Liebe er- mutiat und angefeuert haben, wäre er nicht durch ein Bedenken davon zurückgehalten. Zufällig hatte er erfahren, daß Clifsord Hall nebst allem dazu gehörenden Grund und Boden kein Familienlehen war, sondern persönliches Eigentum des Besitzers. Dies hatte dem Oberst erlaubt, einen Teil der Güter zu verkaufen, und gab ihm jetzt volle Freiheit, den Sohn zu enterben. Die guten Leute, die sich seit einiger Zeit so eifrig bemühten, als Zwischenträger der beiden Magnaten zu fungieren, hatten Barlley von den wiederholten Best,chm des Rechtsanwalts in Clisford Hall Bericht erstattet, und dieser hielt es nicht für unmöglich, daß der Oberst seinen Rechtsbeistand herbeigerufen, um sein ; Testament zu ändern und den ungehorsamen Sohn ganz ober teihveife zu enterben. Alle diese Erwägungen
schieden. Dringend aber bitte ich Dich, es ist das Einzige, was Du jetzt für mich tun kannst, keiner Seele in Cliffvrd Hall meinen Aufenthalt zu verraten.
Bis in den Tod
Dein Walter.'
Mr Battleh kam mit den Formularen.
„Nun, wo ist er?' rief er Mary in scharfem Tone zu, und als sie es ihm gesagt hatte, fuhr er fort: ,Gut, Du wirst soglttch ein Telegramm an ihn schreiben; im Verlauf einer halben Stunde kann es auf der Eisenbahn sein und kommt der Theorie nach in einer Stunde, in Wirklichkeit innerhalb vier Stunden in Marseille an.
Mary setzte sich und schrieb: „Bitte, nach Cliffvrd Hall zu kommen, Ihr Vater ist gefährlich erkrankt."
„Zttge mir, was Du geschtteben hast", agte Battleh, unb nachdem er es gelesen hatte, fügte er hinzu: „Ein echtes Frauenzimmettelegramm. Du darfst Dich nicht scheuen, ihn zu erschrecken, darfst ihm keine Wahl lassen, zu kommen ober wegzubleiben.'
Er zerriß das Blatt. „So, nun wirst Du ein geschäftsmäßiges Telegramm verfassen", sagte er, „wirst mit klaren Worten aussprechen, was Du verlangst. Also schreibe: „Kommen Sie gleich, Ihr Vater stirbt'.
„Gott segne Sie, Sir!' rief der alte Baker, inbem et sich erhob. „Und segite Sie, Miß! und lasse Sie eines Tages glücklich werden. Ich will das Telegramm selbst besorgen; mein Einspänner steht vor der Tür.' Mit diesen Worten stolpette er hinaus, und gleich dar- au{ sah man ihn eilig davonfahreiz.
Ohne ein weiteres Wott zu verlteren, kehrte Batt- ley in sein Arbeitszimmer zu seinen Geschäften zurück, während Mary, erschöpft von den Vorgmtgen der letzten halben Stunde, sich im Sessel zurncklehnte Aber »um ersten Male war wieder ein beinahe glucheliges Setnauf dem holden Antlitz zu sehen. Was den alten Baker betrifft, so kam er triumphierend nach Cttf- ford Hall zurück, wo er mit dem Gefühl geschmeichelter Eitelkeit von dem Erfolg seiner Unternehmung Bericht erstattete; hatte er doch durch sein Vertrauen auf Mary Bartley's Hülfe einen neuen Beweis seiner Menschenkenntnis gegeben.
„Zum zweitenmale erhalten wir von Ihnen Ihr I Rundichreiben vom Oktober dieses Jahres mit einem I illustrierten Vergleich, der aber in so gehänlge Form I gekleidet ist, daß wir einmal aus diesem Grunde den I «Beitritt zum Hansabund ablehnen müssen, zum I anderen aber auch deshalb, weil der Hansabund nicht. I wie er es tun müßte, und rote er es unseres Wissens I zuerst auch versprochen hatte, über den Parteien steht. I Sollten wir uns irren, bann wäre es uns lieb, wenn I Sie uns von dem Gegenieil Überzeugen können. — Allerdings müssen wir belennen. daß, wenn der „Hansabund" weiter in so gehässiger Weise handelt, unser Beitritt wohl für alle Zelten ausgeschlossen ist."
Eine Antwort auf diesen Brief hatte das Werl bis tum 22 November noch nicht erhallen.
* Sozialdemokratische Moral und Kampfesweise. Zu welch verwerflichen Mitteln man im sozialdemokratischen Lager greift, um die christlichen Gewerkschaften zu bekämpfen, zeigt folgender Brief, der dem „Bad. Beobachter' in letzter Zeit zu Gesicht kam:
Düsseldorf, 26. Avril 1904. An Herrn Jakob Wrlkin, Aachen. Werter Kollege! Deine weitere Tätigkeit für Düren muß nach meiner Meinung jetzt erst recht beginnen. Sorge mit allen Mitteln dafür, daß mir die Bauhilfsarbeiter für uns gewinnen, unb laß es kosten, was es will. Du mußt ben dortigen Kollegen sagen' In der christlichen Organisation find alle Maurer vertreten, die sorgen erst für sich, unb uns lassen sie links liegen. Deshalb gehören die Bauhilfsarbeiter ,u uns. Das „zieht" immer. Im übrigen mußt Du einfach zum Wirt gehen unb sagen, ob nicht eine „christliche' Bauhilfsarbeiter - Bersammlung stattfinden könnte, z. B.: Kann hier nicht eine Versammlung auf guter Grundlage ftattfinben. Wir müssen schlecht wie die Nacht f ein. Hast Du ein Lokal, melde mir tu letzter Stunde alles an. Flugblätter ver- I teilen wir am Tage zuvor. Du kannst ja Banorganr- | ffition betreiben und nimmst die Ausuahmescheine mit, I schreibst Dir die Wohnungen auf und bann muß bet Versuch zur Hausagitation gemacht werden. Gruß!
laffung veranlaßt:
„Tie kirchlichen Orden unb Kongregationen sind als Erzieherinnen auch in maßgebenben sozialistischen Kreisen bevorzugt. Namen von hervorragenden Genossen, die ihre 2öriter in Kloster-, Volts- rind Miliesschulen senden, wären leicht zu nennen, wie ja auch massenhaft Kinder liberaler
toorben. Auch was die .Augsb.Abmdztg. Metben Besuch der Klosterschulen seitens der Kl^r maßgebender Sozialdemokraten sagt, ist richtig. ES se auf den | verstorbenen ® r tII en b er g er, d" Protestant war | und trotzdem seine Kinder in ein klösterliches ^nstrwt bei Brüssel schickte, unb auf den verstorbenen Auer hingewiesen. Lebende zu nennen, wäre Unrecht, denn es handelt sich hier um eine rein persönliche und private Angelegenheit, welche der Oefsentlichkett entrückt sein muß. Merkwürdig war das Verhalten des Regierungsvertreters, des Regierungsrates Scheide, der nach der „Augsb. Abendztg.' (Nr. 319) erklärte, darin möchte er dem Dr. Lehmann nicht ganz widersprechen, baß bie klösterliche Erziehung vielleicht nicht so ganz geeignet sei für das heutige Leben unb daß vielleicht btefe strenge Abgeschlossenheit unb diese Dielen frommen Gebräuche manche btefer Kinder ab» goßen unb vielleicht bewirken, baß biefelben später in dieser Beziehung weniger tun."
Das ist eine sehr befremdende Aeußerung, die über einen gerade der Kritik unterstellten Spezialfall hin- ausgehend ein abfälliges allgemeines Urteil über klösterliche Erziehung gibt, gegen das Verwahrung eingelegt werden muß.
• Ausland.
* Willst du erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an.' Zu den neuesten Ans« i fchreitungen der Frauenrechtlertnnen, I bie am Dienstag abend in London stattfand, wird I weiter gemeldet, daß Asquith von den Frauen hart I bedrängt wurde, aber völlig ruhig blieb. Schließlich gelang es ihm, in einem Privatautomobil »ach dem Alhenäum-Klub zu fahren. Auch Minister Birell hatte einen Zusammenstoß mit den Frauen. Ste I trieben ihm dte Kopfbedeckung über die Ohren und gaben ihm Fußtritte gegen das Schienbein, dis die Polizei eingitff. Der Minister lehnte es ab, em Automobil zu benutzen, und begab sich hinkend m bett Alhenänm-Klub. Bei den nun folgenden Angriffen der Stimmendamen auf die Polizei tarn es zu wilden Szenen. Frauen ohne Hüte und mtt aufgelösten Haaren geberdeten sich wie wahnsinnig. Ein Schubkarren wurde gegen den Kordon gerannt, jedoch von den Polizisten weggenommen. Emtge warfen Gewichte gegen das Haus des Premiers. । (Sine wütende Suffragette riß einem Reporter den Zylinder weg und schlug damit ein Fenster des Auswärtigen Amtes ein. Berittene Polizei säuberte schließlich die Straßen und bewacht jetzt die Zuzange zu Downing Street. Im Lause des Abends warfen Anhängerinnen des Frauenstimmrechts bei den Ministern Grcy, Churchill, Harcourt und Bu.n» bie Fenster ein. Im ganzen wurden 166 Demon- ftrantinnen verhaftet. Die neueste „Hclbentat begingen die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts am Mittwoch. Ste machten sich ben dichten Jeebel, der in der letzten Nacht herrschte, zu nutze, zogen gegen 2'/, Uhr früh nach der Downmgstreet und bewarfen die Amtswohnung des Ptemiermimsters Aeguilh mit Steinen und anderen Gegenständen. Fast sämtliche Fensterscheiben des unteren -stock-
I werks wurden eingefchlagen. I
** Die Hetzereien der jozialistischeu und liberalen I Presse Spaniens, die das Land feit der Revolution in Portugal heimsuchten, haben nun doch einen größeren erfolg gehabt. In dem Kupfererz- sieviet von Rio Tinto ist em be- ! benklicher Streik infolge der Forderung der > Lohnerhöhung der Lader der Kupfererze aus- gebrochen. In der Stadt herrscht ein General- streik. Der Verkehr stockt. Selbst die Gas- und Eleklrizitätsarbeiter und die Bäcker streiken. Die! Theater, Läden unb Casös sind geschlossen. Lär- I wende Ausständige durchziehen die Straßen und verüben Ausschreitungen. Die Gendarmerie aus I ben umliegenden Ortschaften wurde herangezogen, I nt aber zu schwach, nm Exzesse zu verhüten. I Truppen aus Sevilla unb ein Kriegsschiff aus Cadiz sind hi.beordert. Der Zivilgouverneur, der auf Urlaub ist, erhielt von der Regierung den Be- -chl, fo ott auf seinen Posten zurückzukehren.
*♦ Ein Kloster als „Festung'. In den letzten j Tagen lief die Nachricht durch die Presse, der I Bürgermeister von Barcelona habe die yeiutten I aufgefordert, innerhalb 14 Tagen die Schutz- ! mauern einzureißcn, die sie nach den revolutto- ; i nären Ereignissen von Barcelona um ihr Kloster
Frei-enkertnm und Revolution
Im „Freidenker' (Nr 21) wird mit Stolz und Befriedigung abgedruckt, was das radikale französische I Blatt „Lanterne' über die Revolution in Portugal geschrieben hat. Die Notiz lautet:
„Wenn bie Revolution ,o leicht triumphieren konnte dankt es Portugal nicht zum wenigsten den zahlreichen Freibenkervereinen unb Freimaurerlogen. (In Portugal binbert auch bas Freimaurerium dte Grundsätze bet Freidenker unb der Gewsssensirerheit). Es gibt in Po tugal bereits etwa 100 Freidenker-1 vereine mit mehr als 15000 Mitgliedern. Dte Zei- tungen /iianquiröia'. Mundo', .Lucia', ,Pa>z, ,Folha I be Povo' in Lissabon unb ,Boz publica' tn Porto unterstützen ihre Bestrebungen. Der erste portugtefiiche Frrt- benkerkongreß würbe vom 19. b's 22. April in Lissabon abgebatten unb war von 392 Delegierten besucht Der I Freidenlerbunb Portugals steht unter dem Prasibrurn von Magalhaes Lima, der jetzt auch beritten ist, in bet Republik eine große politische Rolle zu spielen.
Wir sind dem Blatt dankbar, daß es so offen hier ein gesteht, was die Herren sonst so laut abstreiten Also Loge und Freidenkervereine Arm tn Arm und unter einer Decke gegen Monarchie unb Thron wühlend, am allermeisten aber gegen den Altar, w^ mit sie selbst eingestehen, daß sie tn der Kirche selbst das stättste Bollwerk sehen, das sich ihren Umsturzbestrebungen entgegenstemmt und das daher zuerst fallen muß — so wünschen es wenigstens die Leute — wenn ihre Minierarbeitm gegen die Throne Erfolg haben sollen.
Wenn die Redaktion des .Freidenker' in dem in Klammern eingefügten Satz das Frttdenkertum eintreten läßt für Gewissensfreiheit, so müssen wir dazu bemerken, dreister ist noch nie gelogen worden, Äs wenn Leute, die jeden katholischen Geistlichen mit d e m T o d e b e d r o h e n, die in Lissabon, wie voriges Jahr in Barcelona, in der H i n m o r d u n g v o n wehrlosen Ordensleuten sich hervortun wollen, die jedwede christliche und religiöse Ueberzeugung hassen mit dem Haß des Fanatikers, die meinen, in pöbelhaften Beschimpfungen der religiösen Anschauun- gen anderer Heldenstücklein zu liefern, wenn dies e Leute das Wort G e w i s s e n s f r e ih e i t im Munde führen! _________________
aufgeführt. Der Bürgermetster stutzte ft* «uf einen Mehrheitsbeschluß be« rcpublikanttch-antiklerikalen Stabtrates von Barcelona, der bas Kloster als „Festung" bezeichnete, bie nicht ««duldet werben könne. Die Jesuiten wandten sich gegen den Rats beschlnß an die Gerichte, und die e haben ihnen Recht gegeben nach dem ,Correo Espanol' mtt bet Begrünbung, es stehe jedermann !ret, sich so zu schützen, wie es ihm beliebe. Die Schuhbauten des Klosters könne man nicht als eine Besrohung der Bevölkerung bezeichnen, wie es im ©tabtrate geschehen sei, weil die Jesuiten tn ihrer langen ®e« schichte nie das Volk mit Waffen angegriffen hatten, so daß ihre Bauten nicht dem Angriff, federn der Verteidigung dienten. Der Beschluß des Stadttates wurde sür nichtig erklärt.
** Etwa viertausend Studenten versammel, ten sich am Dtenslag in der Petersburger Uni- versttät, um das Andenken Tolstoi zu feiern. Als der Rektor erschien und die Studenten aus- forderte, sich zu zerstreuen, drang em Aufgebot von Polizei zu Pferde und zu Fuß w.Die Um versität und drängte die Studentenlchast hinaus.
r Die Revolution in Mexiko. Die Revo- lutionäre, tue im Kampfe mit den Truppen des Präsidenten Diaz an vielen Orten siegreich blieben, geben sich bereits den Anschein, als fe en sie Herr der SituatioWie die 'Astacmied Preß' meldet, hat sich Francesco Madero z n m P r ä f i d e n t e n der provisorischen Regierung von Mexiko erklärt. Es ist mit dieser Er kla- rung Maderos noch keineswegs gesagt, datz er wirklich imstande wäre, Diaz zu stürzen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, daß es sich rur um einen mexckamschen Bluff Maderos handelt, um feinen Anhängern Lust zur Fortsetzung der Re. volution zu machen.
** Auch in Brasilien, der größten Rep.wlik Südamerikas, soll eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen sein, die, falls sich die Meldungen (vergl. Letzte Nachr. in Nr. 269) bestätigen einen recht ernsten Charakter zu haben scheint. ^Nach privaten Kabelnachrichten sollen in Rio d e -j an eir o, der Hauptstadt des Landes, Unruhen fiattfmden Die im dortigen Hafen liegenden brasilianischen Kriegsschiffe sollen mit den Ausständischen sympathisieren. Einzelheiten fehlen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß der Nachrichtendienst aus Rw de Janeiro schnell unterbrochen worden ist. Aber wenn sich auch der Telegraph darüber ausschweigt, so ist doch I kein Zweifel darüber möglich, daß gegen den neuen Präsidenten Hermes da Fonseca der am 15. November sein Amt angetreten hat, und fern Kabinett der Ausstand gerichtet ist. Die Gegnerschaft der „Zwi- listmpartri' gegen ihn ist immer sehr heftig gewesen, und Fonsecas Feinde haben anscheinend die wiederholten Auslandsrelsen des neuen Staatshauptes be- i nutzt, seinen gewaltsamen Sturz vorzubereiten.
e in gefäiglW’ts Geheimnis.
33] ckowan tu zweiBänben von Charles Rcabe.
In tiefer Erregung erhobt das erregte junge Mäd- AenVie Hände „O Gott!' rief sie aus, „wenn mem Leben, so töricht es war, wenigstens schuldlos gewesen M laß mich jetzt nicht an dem Entsetzlichen schuld rotib'n daß der Vater ohne Trost sterben, der Sohn ohne Vergebung leben muß . .-Beides um-inesckn- bim jungen Mädchens willen, das sich ohne böse Abficht zwischen sie eingedrängt hat!' ___
Dieser 5>erzensschrei war geradezu überwältigend M^en armen, alten John Baker Er siel m erneu Stuhl, sein weißes Haupt sank auf *«£
fein Weinen und Zittern verriet zum ersten Mal wie E "sSTum des Himmels Willen geht hier vor?' fragte eine eiskalte Stimme, und Mr. Bartley erschien in der Tur. Mary lief ihm entgegen. A Wa- 'rief sie aus, „Oberst Cliffvrd lirgt im Sterben und wir wissen nicht, wo sich Walter befindet.
man$8arte einen Augenblick', sagte Bartley mit einer 9hifreauna die Post ist eben gekommen und mir ist, als hätte ich'eine ausländische Mack auf einem der Briefe geiehen." Er gmg in die Vorhalle und !kam mit einer Hand voll Briefe zurück und st'chteemen ifcaruiiter aus, den er mit den Worten. „Aus D s für Dich!' Mary einhändigte. , .
Darauf ging er ruhig in sein Arbeitszimmer unb kam ebenso ruhig, aber auch ohne den geringsten Zer - Verlust mit einigen Depeschenfonnularen zurück.
Inzwischen hatte Mary tn großer Hast d-n Brief erbrochen und las ihn John Baker vor.erlautete.
„Grand Hotel Roailles. Marseille, 16. Mai.
Geliebtes Herz! ., <
habe mir selbst gelobt, Dir weder schriftlich -loch mündlich je wieder etwas zu sagen, was zar nck eine Bauchung erscheinen konnte wie eme Veri loAino iu dem was Du für Unrecht halst. aoer nicht einmal zu sagen, wo ich bin, halte ich Nicht auS; eS ist ja, als wären wir in Zom von einander ge-
+ Die Rot ber Winzer. Der deutsche Weinbau muß das Jahr 1910 in der Reihe der schlimmsten I Ungliicksjähre auszählen. In ganzen Lagen und Bergen hat man die Lese überhaupt nicht begonnen, em so geringer Ertrag war von ihr zu erwarten. Uno was die Not des Winzerstandes noch großer macht, das ist der Umstand, daß nun schon seit sechs Zähren keine gute Ernte mehr einen rechtschaffenen Lohn für I die schweren Mühen und Arbeiten des Weinbaues gebracht hat. Kein Wunder, daß eine große Mutlosigkeit den Winzersiand erfaßt hat, die sogar schon^dazu 'oefiihrt hat, daß ernsthaft der Gedanke in Erwägung gezogen wurde, den Weinbau vollständig auffugeben und durch Einführung von Obstkultur den Winzern eine neue und sicherere Erwerbsmöglichkeit zu schaffen. In manchen Gegenden wird dies möglich sein, in mi- beren aber und zwar gerade den sett alters her berühmten Weiribaugebieten lassen die Bodenverhaltniffe eine andere landwirtschaftliche Kultur als den Weinbau schlechterdings nicht zu. Man darf daran erinnere' daß die gegenwärtige Notlage der Winzer nicht ohne Vorbild ist. Um das Jahr 50 des vorigen Jahrbundetts sah es in den deutschen Wembange- bieten nicht weniger traurig aus als heute. Eme Reihe sehr günstiger Jahre machten bie frugere AM bald vergessen. Heute aber haben neue, damals noch -nicht bekannte Feinde die Ernte zerstört, vor allem ^Peronofpora und Schimmel, und es ist unzweifelhaft, oaß gerade in diesem Jahre diese Schädlürge infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse besonders verheerend aufgetreten sind. Der Kampf gegen diese Schädlinge, ist. deshalb auch die dringendste Aufgabe, wie ja auch mag en gern .nmoer ueeum
bereu Lösung unter allen Umstanden gefchch^"' Ottern 'in Kongregation?- unb Klofterschulen (höheren wenn der deutsche Weinbau eryalten bleiben soll^ I -xz.^terschu'en! anzulreffen ftnb."
Zentr-iinsfraktion des RttckMagcs hat deshal , u . 6on der „Augsburger Abendzeitung',
Not des Winzerstandes zu f * ®^e daß sie den Massenbesuch solcher Klosterschulen durch
brrngung emet I»terpelIatron beschlossen o,e v , rückhaltlos zugibt. I" M
denNrichskanzler veranlassen will, auf gründ einer Ber-1.. - - - -• ■ —
stöndgung der deutschen Bundesstaaten einen wrrk- fanen Kamps gegen die Rebenschädlmge durchzusüg-