er|<W täglich M flusnalymt »er S».m- ,j,d Feiertage viertel» jährlicher vezngrpreir ohne »rtngrrwhn und vesteLgelb in Fuldas», wie auswärts 1.50 IHL
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37. Jahrqanc;
Fulda, Freitaff den 25. November 1910
Erstes Blatt.
Deutscher Reich.
K Mit dem Verkam der Fleisch
der JnduLrnMe."
Die Fleischnot könne nicht gelöst werden durch Abschaffung der landwirtschaftlichen Schutzzölle und durch Einlassung des argentinischen Fleisches, sondern durch Steigerung unserer Produktion. Diese Steigerung sei möglich. Ohne die agrarischen Schutzzölle könne unsere Landwirtschaft unter dem heutigen Stand gegen den extensiven Betrieb in Amerika ic. nicht konkurrenzfähig bleiben.
Dr. Schulz fügt hinzu: er stehe mit seiner Meinung in der sozialdemokratischen Partei nicht allein, sondern befinde sich in Einklang mit den Wissenschaft- liehen Vertretern der Sozialdemokratie. Freilich nicht mit den parlamentarischen Vertretern derselben, die sich von parlamentarischen Rücksichten in dieser Frage leiten ließen. Das soll heißen: von den agitatorischen Interessen. Das Gesctret i über Fleischnot soll das Volk unzufriedener, die | Mitläuserschaft der roten Fahne größer machen.
Wir hoffen, daß der Verlauf der Debatte die Hoffnungen der Hetzer etwas herabgedrückt hat. Die Wähler müffen doch schließlich nachdenklich werden, wenn sie die guten Gründe der Regierung und der positiven Parteien hören.
einmal den L a n d w i r t s ch a f t r m i n i st e r auf den Plan.
W. Ter Arbeitsplan des Reichstags ist für die nächsten Tage dahin geregelt worden, daß die Interpellationen bett. Fleischteuerung und Kaiserrede in dieser Woche erledigt werden. Am Montag erfolgt die 1. Beratung des Schiffahrtsabgabengesetzes. Es folgt die 1. Beratung des Kurpfuschergesetzes. Dann kommt die 2. Beratung des Arbeitskammergesetzes und die 2. Beratung der Stratprozeßreform. Zwischendurch erfolgt die Besprechung der Interpellation bett, die Rebschäden.
C. Zur Interpellation bete, die Kaiserreden ist in der Presse mitgeteilt worden, daß sich die bürgerlichen Parteien auf kurze Erklärungen beschränken würden und speziell, daß Bassermann namens derselben eine kurze Erklärung abgeben werde. Diese Nachricht ist unzuireffend. Dem , Zentrum ist von einer solchen Vereinbarung nichts ! bekannt.
i * Die Universität Münster. Die im Landtage geäußerten Wünsche hinsichtlich der Universität Münster dürften in Erfüllung gehen. Es werden der „Post* zufolge im nächsten Haushalt Mittel angefordert für eine Erweiterung der Baulichkeiten als auch die Ausgestaltung der philosophischen Fakultät.
n» Herford, 24. Rov. 1910. Die Konservativer', die seit längerer Zeib einen Anspruch auf die Eroberung der Westprovinzen zu haben glauben, hielten hier einen Parteitag für Westfalen ad. In dieser Tagung mußte der Führer der Konservativen, Herr v. Heydebrand, fich auch über die Stellung der Konservativen zum Zentrum aussprechen. Rach den darüber vorliegenden Be- richten sagte er: „Insbesondere werde den Kon- seroakiven ihre Stellung zum Zentrum von den Evangelischen znm Vorwurf gemacht. Die Konservativen hätten allerdings mit dem Zentrum etne Gemeinschaft, die sich aber nur aus die christliche Weltanschauung beziehe, sonst gingen Evangelisch« und Katholiken ihren eigenen Weg. Es fei aber notwendig, in so schwerer Zeit die gemeinsamen Grundsätze überall zu betonen.* — Durch diese Auslassung wird wieder einmal bestätigt, was von Seiten des Zentrums stets betont worden ist, daß ein Abkommen irgendwelcher Art zwischen Konser- vativcu und dem Zentrum nicht besteht und daß ein Zulammeugehen der beiden Parteien, wie es in der ^letzten Zeit wiederholt vorgekommen ist, aus das nebeteinftimmen in wesentlichem Grundsätzen zurückzusühren ist. Tatsächlich haben ja auch die Beratungen sowohl in der Reichstagskommission für die Reichsverficherungsordnung als auch in der Kommission für die Beratung der Strafprozeß : ordnnng gezeigt, daß das Zentrum, sobald es fich I um nichtplinzipielle praktische Tagesfragen handelt, weit fortgefchrittener ist als die Konservativen, so- daß em Zusammengehen st h bei diesen Gelegenheiten immer wieder als unmöglich erwies.
* Radzionlau, 24. Rov. 1910. Der Ka iser ist i nm 6 Uhr hier eingetroffen und zum Schlosse ! R e u d e d des Fürsten Donnersmarck gefahren. Di- Orte, durch welche die Fahrt ihren Weg nahm, waren illuminiert Als Jäqdgaste sind u. a. noch anwesend: | Oberpräsident von Günter, Regierungspräsident von | Meister-Wiesbaden. Fürst Hatzfeld rmd Fürst Sich- uowsky.
be,,‘Vlba. 8ürB Radziwill (Pole) bittet die Zufuhr aus- ländücher Schweine zür die oberfchlesifchen Polen t«
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 24. November 1910.
Erster Punkt der Tagesordnung ist die
Wahl deS zweite« Bizepräfidente«.
Dieselbe erfolgt durch Zettelabgabe. Abgegeben wurden 311 Zettel. Hiervon waren 68 unbeschrieben. Es blieben somit 243 gültige Zeltet. Hiervon entfallen auf den Abg. Schultz (Reichspattei) 186 Stimmen, auf Singer (Soj.) 52 Stimmen. Zersplittert waren fünf Stimmen. Schultz ist somit gewählt. Er nimmt die Wahl dankend an. Daraus erfolgt die Fortsetzung der Besprechung der Interpellationen betr.
....... ........ . * tzff»«(Ruhr), 24. Roo. 1910. Emr Sitzung
„Genossen* augenscheinlich überaus peinlichen Rede I des Ausschusses der christlich-sozialen Partei beschloß das Jnlereffe des ganzen Hauses und rief auch noch 1 hier in den Wahlkreisen Hamm-Soest, Dortmund»
** Berlin, 24. Nov. 1910. Der Reichsetat 1911 wird dem Reichstag am nächsten Samstag zugehen. Die erste Beratung beginnt am 9. Dez. — Das Kronprinzenpaar ist am Mittwoch in Kandy auf Ceylon gewesen. Dort sah es bei strömendem Regen dem Bade der Elefanten tm Flusse zu, die 'bann ipäter an der „großen Pro- ze-sion* teilnahmen. Bet Gelegenheit dieser „großen Prozession* wurden dem Kronprinzenpaar verschte- dene indische Spezialitäten vorgesührt. Der Kronprinz bestieg bei bet Eeleienheit auch einen bet heiligen Elefanten unb machte auf ihm einen kurzen Ritt. — Die Hauptsteile oeustcher Arbeitgeberverbände hält am 17. Dezember m Berlin etne Verbandsversammlung ab, in Der man sich mit den großen Arbeiterbewegungen des lausenden Jahres, dann mit der Lohnstattstik unb bet vielumstttttenen Frage bet Strcikversichernng befassen wirb.
ä» Aus bem Reichstag. „Wahl bes Vizepräsidenten" besagte lakonisch der Eingang der gestrigen Tagesordnung. Welche Ströme von Tinte sind über diesen Ehrenposten innerhalb bet letzten 12 Monbe vergossen worden, seit die National- liberalen unb bet Freisinn, abgcspren-t von dem
JV5 270.
Der fortschrittliche Redner bekam sogar von bet rechte» Seite ein „Sehr richtig!* zu hören, als er schließlich die Hebung der deutschen DiehzuckN empfahl durch das Mittel der inneren Kolonisation, l bet Verstärkung des mittleren unb kleineren l Grundbesitzes. Tarin steckt wiederum ein wich- siqes Zuocstäubnis, nämlich die Erklärung, daß es sich her der Vietzsthutzfrage nicht um ein sog. hoch- agrarisches Jntercffe oder um „jnnkerl'chrn Eigennutz* handelt, sondern em bas allgemeine Jnteresst der Bauern und bet kleineren Ackervesitzer.
Roch entschiedener trat der n ativnalliberale Abg. Dr. Paafche den hetzertscl^n Angriffen auf unsere Wirtschaftspolitik entgegen. Wegen des An- sehens her deutschen Ration erhob er Widerspruch | dagegen, wenn die Sache so dargestellt tverde, c,ls ob unsere Wirtschaftspolitik zu einer Verelendung und Unterernährung des Vo kes inhre. Das deutsche > Volk befinde sich trotz der steigenden Preise in einer gesunden Fortentwicklung. In EuAland, dem - klastischen Laude des Ftechandcls, würden dieselben ; Klagen übet die Verteuerung der Lebenshaltung kaut. ' Beim Steigen der Preise spreche bet ganze Volk.- ; handel mit, die Konjunktur des Geldmarkts. Den t Vorwurf, als ob die deutfcke Landwirtschaft unfern Fleifchbckrorf nicht decken könne, weist der national» liberale Redner zurück.
Sehr schön. Plan kann mir bedauern, daß die nationalliberale Partei in den ©teuerfragen nicht ebeni» vernünftige und gemäxigtc Ansichten entwickelt hat. Wenn man bei der Steuerhetze dieselbe vot stchltae Abschätz rüg der volksw-.rtfchaftlrchen und sozialen Verhältnisse emgesmlteu hätte, so wurde der Sopaldemokralie mancher Triumph erspart und manche Hoffmmg abgetf nitten worben fein
Schließlich nt”§ itctt noch bte erfreuliche Tatsache seffstellen,daß auch in der © o ; r a l d e m o k r a 11 e fich verrmkrsti-e Ansichten zur Fle-'chprcissrage finden. Allerdings werden fie nicht tm Parlament krmd» gegeben. Bus einer Versammlung m München hat der soziakdemokratische Schriftsteller Dr. Schulz folgendes ansgesfihrt:
Erwägung zu ziehen.
Abg. Trimborn (Ztr.): Kollege Herold hat erklärt, daß das Zentrum an der bisherigen Echutzzollpotttck feftkälk. Als Bertreter der zweitgrößten Stadt (Zur-ft — nein, wir find in Köln Breslau »der — habe »ch noch auSdrricttrch zu etilättn, daß auch die ff ad 11 > che s Vertreter »A. Zentrums an dieter SchutzzollpoltUk, tue ich ms gemäßigte Schutz-grUpoliiik bezeichiien mochte-, unbebingt fefthalten. Noch nie hat das deutsche BoU einen ähnlichen «nsschwang erlebt rote fett brr Aera der SchutzzollpRittk. Eins sollte boch auch für bte Sozialdentokraten der Beachtung wert sein: die Rücksicht auf die Landarbeiter und das ländliche Proletariat. Sie reden immer eon näd i nchem Prolet ar tat! es gibt boch auch ein ländliches Proletariat. (Unruhe unb Zu- , rufe bei beu Soz.) In den „Sozialistischen Monats« . heflen* behandelt ein fraif^öfiicher Soztakist die Agtat- probleme des sranzöffichnt Sozialismus, und er stellt die Frage, roo denn Bet Interessengegensatz zwischen dem gesamten Fortkommen des ländlichen und bei üibiiftrivUen Proletariats ist. (Lachen der Soz.) Ja, warum stellen Sie sich nicht einmal eine so vernünftig« Sriwe? (Große Heiterkeit.) Ach, Sie können noch vtet vo»'den ftanzöstlchen Genoffen lernen. (Unruhe der Soz, lebh. Heiterkeit.) Sehen Sie, das sind Eiwägun» aen 'dte müssen Sie auch einmal anitellen, und zwar hier von der Dtibune aus, wenn S:e die Dinge objektiv beleuchten wollen. Sie werden mir dankbar fem, da' ich die ©atfee etwas nachaeholt habe. Heiter.-.-t.) Und das kann man noch weiter ausdehnen auf die In» t er es s en f o l i d ar itä t her ge amten ländlichen und industriellen Bevölkerung. Neu- Gedanken find das ja nicht, Calwer unb schon ähnliches ausgefpiocheu, unb auch in XL oit ner fSnmfungen fommm die Dinge schon R « Ich habe hier einen Bericht der,«otn.
nne Münchener Versammlung bes Hans»' bun des vom 21. November. Ich weiß »lterdmgs nicht, ob bte । er Bericht richtig M, aber die ,Kolm Bolksikg/ ist im allgemeinen ein »orstchttges unb lotides Blatt. (Große Heiterkeit.) In dieser Berfammlung hat hernach der Münchner Sozialdemokrat Dr. Schulz getagt: Buch ohne Zölle steigen bte Fleisch- »teile. (Hört, hört!) Das köimle auch Herr v. Gamp getagt haben. (Große Heiterkeit.! Wetter: ohne die SchutzröUe könnte die deutsche Landwirtschaft gegen« über der Konkurrenz des extensiven Betriebes Bmerttas nicht bestehen. (Hört, hört!) Die Aas Hebung der Zolle würde den Untergang des stachen Landes, daEnde des Deutlchen Reiches bedeuten. (Hört, hört.)^ Cr hat es allerdings gesagt auf einer Beriammknng de-- Han a- dmides. ES wird aber bte Zett kommen, wo eS auch auf Ihrem Parteitage gesagt wird. Die Erkennims wird auch in Ihren Rechen wetterg-hen. Dr. Scku.z fagi weiter: „Ich befinde wich im Einklang wtt w.i.tl.cheu wissenschaftlichen «ertreieru meiner — »«
sagen Sie NUN daznlf (Gioße Heiterkeit.) do« deu parlamentarifchen Vertretern. ( cfcal lende Heiierkett.) Ich verstehe fetzt, wani-n ^>e ang,t- ' sich waren, als ick den Namen Schutz nannte - -Bte
Fleisch- und Nahrungsmittetteuerung 1
Abg. Dr. Wirmer (Äp.): Die Konservativen, die 1 durch ihre Zollpolitik die Fleischnot veranlaßt haben, sollten doch wirklich mit dem geringschätzigen Ausdruck „Fleiichnotrummef etwas vorsichtiger fein, und ntd)t den Fleischern unb Metzgern unb ben Schlachifeausern alle Schuld an den hohen Preiien in die schuhe schieben. Eine ausreichende Ernährung aller Berufsstände ist nötig. Wir hatten, wie ich ausdiücktrch betone, c ne plötztiche und allgemeine Aushebung der Zölle, einteilig von Deutschland aus, sreillch nicht für möglich. In Frage kann nur kommen eine schrittweise und allmähliche Herabsetzung der Zölle, und zwar nicht nur der landwirtfchafttichen, sondern auch der tnBnlln« ell-n Zölle Eine Aenderuug unserer Wirtschaftspolitik ist aber notwendig, wenn es bester werden soll. Die Lösung der Frage ist vietmehr d>e, daß liniere Vtehproduklion mit Bem Fteifchbedarf nicht gleichen Schritt gehalten hat. Anstalt nun in dieser Not zu helfen, matt die Regierung bte Seuchengesahr an Bie Wand! Neben dem Ein« fuhrverbot und den hohen Zöllen haben die Agrarier bas Biehbefchaugrfrtz als drittes Bollwerk errichtet, um die Prelle hochzuhalten. Wir sordein bte Herabsetzung der Futteimlitelchlle. Der Träger der Vtehzuchi ist nicht der Großgrundhkfitz, sondern der kleine Bauer. Wir brauchen einen starken Bauernstand, (sehr richtig! rechts) Deshalb muß die innere Kolontfalion geföroert werden. Sie (nach rechts) rufen Sehr richtig! aber Ihr Führer Freiherr von Wangenheim hat tm Frühjahr die innere Kolonifat-on als ein gefährliches Experiment bezeichnet. Wir wollt« die einseitige Politik nicht, welche nur bem Großgrundbesitz nutzt. Wir tonn.n und werben erst vorwärts kommen, wenn bte Junkerpolitik in Bauernpoltttt geändert sein wirb. (Lachen rechts, lebhafter Beifall links.)
Abg. Dr. Paasche (natL): Die Kleifchteuerung läßt fich nicht verkennen. Aber es geht doch zu weit, wenn man unsere Wirtschaftspolitik veranlworttimacht für eine Herabminderung der Volksgefundbeit, für eine -3er« elendungu.Nntereriiährung desBolkes. DieLebenshattting hat sich bei u rs bedeutend gehoben und das ist doch schließlich die Hauvtfache. (Sehr richtigt) Untere Zollpolitik für bie Teurung vrravtwortkich zu machen, geht Nicht an: tn England, wo der Freihandel herrscht, find die Fleischprttfe Hölzer als bei uns. Ueberhaupl sst von den kleinen vorgefchlagenen Mtlelchen mchts autes und bauernBes zu erwatlen. Tas et >yge wa- ae d'efien könnte, wäre meines Eiachtens eine Erman v nuna der Futtermittelzölle. An unserer W ixtschaf'L- p o litt? aber müss en wir und ebing t sefi-
0' jWg". Fchu^ v. Gamp (Reichsp.) erklärt die Fleischteuerung in den Großstädten aus den erhöhten Löhnen und Ladenmieien, den gesteigerten Ansprüchen des tonluutieteuBen Publikums und Ben hohen schtachlhof- gebühren. Eme Aushebung der Fnikermutelzölle wuthe in erster Linie den Großgrundbrsitzern zu gute kommen, nicht aber den Kleinbauern^ die ihre Futteimittel feldst ziehen. Vielleicht ließ« sich aber an die Einführung von NotstanSstarifen aus dem Osten nach dem Westen
Reichstazswahlvorbereitmtsie».
(-) Marburg, 24. Rov. 1910. Herr v. Gerlach findet nicht bie Unterstützung bet Fortschrittlichen Volkspartei im Wahlkreis Marburg. Bis in die letzten Tage hinein hatte er feine Hoffnung auf die Hilfe der Fottschrfttlichen Volkspartei gesetzt. Jetzt hat aber der auf dem Boden bet Fortschrittlichen Volkspattei stehende Liberale Volksverein in Marburg ihm eine deutliche Absage mit folgendem Befchluß erteilt:
Nachdem die Demokratische Bereinigung, abgeieben von unserem Wahlkreise, Kandidaturen ausgestellt hat, welch« einztz und allein gegen tne Fortschrittliche Bolkspartei gerichtet find, sehen rott angesichts unserer Zugehörigkeit zu dieser Partei uns außer S t a u d e, an der ebenfalls tm Namen der Demokratischen Bereinigung proklamierten und von uns früher in Aussicht genommenen Kandibatut des Herrn v Gerlach in unserem Wahlkreise f esizuhal ten. Wit verzichten bet den Berhältniffen unseres WahIkreifeS auf bie Auf stell utrg einer Sonderkandidatur, hallen es aber in anbeuachl der politischen Lage im Reich« für ausgeschlossen, daß einer unserer Pari eigenoffen ferne Stimme einem Kandidaten der Rechten zuführt.
Ein Verzicht auf eine eigene Kandidatur kommt wenigstens indirekt Herrn v. Gerlach zu gute.
* Noimburz, 21. Nov. 1910. Konservative unb Antisemiten Haven sich, der,Frkf. Ztg/ zufolge, tm Wahlkreise Hünseld-Hersfelb-Rotenburg i geemigt In bei gestrigen vom Reichstagsabgeordneten Werner abgehalienen Versammlung erklärte I bet an bei Spitze bet Konservativen bes Wahl« ! kreises stehende Justizrat Aulig, sich die Wieder« I ivahl des bisher von ben Konservativen bekämpften Abg. Werner angelegen sein zu lassen. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, daß die Vertrauens« männer btt Konservativen sich in gleichem Sinne schlüffig machen würben. Er bat Werner, im Sinne bet Bniowschen Blockpolitik tätig zu sein. I Er, Redner, siehe zwar in bewußtem Gegensatz zur offiziellen konservativen Partei« I leitung, doch wisse er, daß innerhalb derKonser« I valiven sich viele Freunde einer solchen Politik be- I fänden.
* W hrnhanftn, 22. Nov. 1910 Der Reichstags« obgtorbnefe für Wihenhausen«Efchweae.Schmal« kaiden, Herr Raab, wird bet bet nächsten Wahl nicht wieder kandibieten; einen neuen Kandidaten hat die deulsck-soztale Partei noch nicht aufgestellt. Für bie .fortschrittliche Vollspartei, die ben Wahlkreis vor Raab tune hatte, soll, rote schon gemeldet, ein Dr. Ohr ans München kandidieren.
sich von parlamentarischen Rücksichten in dieser Hinsicht leiten kaffen* (Hört, hört!) Was nun mit diesen b6ien Parkeigenoffen geschehen wird, müffen wir abwarten. (Heiterkeit.) Auf bie Bedeutung der Fteisch- fraae für die Großstädte eingehend, führt Redner alsdann ans, daß in der Hauptfleifcksorte für bie ärmere Bevölkerung, im Schweinefleisch, von einer Teuerung absolut feine Rebe sein kann. Die Preise für Rmd- unb Kalbfleisch ftnb allerdings gestiegen und der Grund dazu liegt in Folgendem: Unser Fkeisch- bebarf wird m der Hauptsache durch die innere Vith- produktwn gedeckt bis auf etwa einen Satz von 3 Proz. Diese 3 Pro,, sind bte Hauptquelle bet Preissteigerung. Unzulälfig bagegen ftnb bie Angriffe gegen unsere Landwirtschaft: es ist wichtig, baß bas hier auch von einem Vertreter einer Großstadt mit aller Deutlichkeit ausgesprochen wird. (Ledh. Beifall rechts u. im Zfr.) Auch über den Zwischenhandel wird zu laut gelingt. Vielleicht läßt der Herr Staatsfekretär über bei Zwischenhandel mal eine Enquette veranstalten. Für bte Arbeiter ist die Teuerung um so bebentlicffer, als bie Löhne gesunken ftnb. An unseren Zöllen aber kann wegen einer vorübergehenden Teuerung nicht gerüttelt werden. Wenig Abhilfe ist auch von einer Herabsetzung der Frachttarife zu erwarten. Bezüglich bet Oeffnung der Grenzen bin ich anderer Ansicht wie mein Kollege Herold. Ich halte die Berusunq auf sanitäre Gefahren gegenüber Holland für unberechtigt. Was haben Sie gegen das holländische Rind« oiet)? Es ist der Stolz der Holländer! Maler, Dichter und Künstler hat es schon begeistert. (Stürm. Hettk. Ich glaube «5 einfach nicht, daß dieses saubere, herrliche La >b noch feintet Rußland kommen soll. Für die Voltrgefundheit muß alles geschehen, was nötig ist. Wir müffen dem Volk gute Nahrung zu normalen Preisen schaffen, bei denen die Landwirtschaft bestehen kann und die auch die Arbeiterbevölkerung be-ahlen tarnt. (Lebh. Beimll.) Redner schlägt zum Schluß die Umroanblung der großen Moorflüchen in Wiesen
Genoffen fehlten, batten also einige Herren von den i Ralionalliberalen bezro. ben Freisinnigen ihre poli- i tische Liebe zu ben Umstürzlern praktisch betätigt.
Smaer mag gelacht Haden, wenn er sich im Geiste i ba oben aus bem kurulischen Sessel als Präftbetit ! vorstellte. Er als Hüter brr Ordnung, der bei ber
Iollodstruktivn jeglicher parlamentaritchen Orbnung Hohn iprach — er, ber geschworene Feind der Hof- Miiaetei. Und doch hatten auch diesmal wieder die Sozialdemokraten ben Anspruch auf das Vtzeprä- liöium echobeu. Ein Btlb für bie Götter, wenn man sich beispielsweise vorstellt, baß Singer als Vizcpräsibeut mittälen würbe, er habe tu Vertretung kdrs Piäsibenlen Er. Majestät zu seinem allethö festen
Geburtstage bie irmigsten Glückwünsche bes hohen Hauses über mitt elk. Oder er gebe dem Reichskanzler bas Wort zur Altttrrlimg einer allerdöchslen Bol- tchasr! Rach der WM des Vizepräsidenten Schultz, der ein sehr geachteter, kenntnisreicher und liebens- würdiger Parlamentarier anfangs der 50er ist, wurde dir Fleischinterpellatron weiter be» sprachen Richlers Epigone, ber qualifizierte Beziris- oerein-rebner Dr. Wie wer, ber an den grohen Führer bes Freisinns nur dadurch erinnert, bab er nichts mit ihm gemeinsa m hol, ließ feinen crlchütternben Boß nur so rollen, als ob es ihm ein leichtes wäre, bie Weit von ber Richtigkeit dessen zn überzeugen, was er vortrug; aber anscheinend hielt er bas unter der Wurde, denn et überzeugte niemand Ein ernsterer Redner ist Dr. P a a s che von den Rational-1 1 deialen. Bon Hans aus Pro'effor. hat er zahl- retd)e Reisen unternommen und feinen Blick auf dielen geweitet. Er ionmt info'gebcffen zu einer anderen Beurteilung .er Fleischsroge als Dr. Wremer und Evtmek und trat auf Grund derselben ber Aus- saffnng ber Regierung im wesentlichen bei. Wenig Ei.ftenli.ches bekamen die Agrarfeinde von dem nun- mehr folgenden Abg. v. Gamp zu hören. Er ist vor einigen Jahren, baroaiftest wordcv- aber die offene, ehrliche und derbe Sprache au? feiner bürgerlichen Zeit hat cr beibchakten und henke mit Erfolg gei;eu dir Schlagwerke und Uebctircibungen ber Linken angewandt. Fürst Radziwill von den Polen beschränkte sich, wie immer, auf eme kurze Bemerkiwa, unb dann erhielt in vörgerückter Stunbe b r Abg. Trimborn vom Zentrum da? Wart, um die gestrigen Ausfuhrnrrnen seine? Fraklionskc siegen , Herolb nach r er schieb en m Seiten hin roirtfam zu
ergänzen. Er feffette durch seine lebhafte, ben
hoben vor. ,
Landwirtschaftsminister Frfer. v. Schorlemer-Lieser: Herr Trimborn hat sehr poetttch und rnalerttch das holländische Rindvieh geschildert. Aber unser Bieh kann sich mü dem holländischen in jeder Werfe meffeu. -Sehr richtig! rechts.) Ich kann zurzeit etne Oe ff» nnng der hol ländischen Grenze Nichtm Ans- ftdit stellen, da Holland noch nicht a!s feu dien frei zu betrachten ist. Holland wäre auch gar nicht in ber Nage, io viel Bieh zu liefern, daß dabuich eine erheblich« Herabsetzung der Fleischpreiie erfolgen routbt Fch gebe zu, daß an dem Tage, an dem man die Grenzen nach Holland öffnet, ber Markt tn Köln einen erheblichen llederfluß auf weifen würde. Es ronrbe abei bann gehen wie in Mannheim, wo die Händler das Fleisch auskanfien und bte Preise wieder in die fsßhe ainaen. ^ür lokale Fleftchnot empflefeft er, daß , -- ,,
B;e Städte, wie Koburg und Charlottendtirg, Fkeifch I leuchtenden Gestirn des Bülowjchcn Bwck.-, ao> uer» aus Holland ober Dänemark kommen lassen unb even- (gaßte üffeteore im politischen Kosmos umhenrren tueti eigene Berkanssffellen ein echten. Anderes ließe un6 c§ unier ihrer Würde hallen, den Vizeprasi- fich nicht machen. 'Beifall rechtS, Zurufe lmls: Also 1 ftenjen stellen. Aber weder Konservative noch bleibt alles beim alten!) .. _ „ I ofntruni vermeßeir etne Tratte darüber, daß em
«bg. Werner (Refp.) erklärt sich gegen die O-ff- o nlrr n^^ Wiemer ihre Geselkfchast
E Röfi-eftons.fe fordert die Ansrechleihattung >m Präsidium verschmäht. Wenn nicht, na bann der Viehspe.re auch gegenüber Holland. Eine Fleisch-1 eben nicht! Hatten aber bte Herren baraus spetu- not gibt es in Deutschland überhaupt nicht. (Lachen s st-rt, baß durch ihre Se effion bte Medrheilsparleien (ml?) Der Redner venveiK auf die billigen Angebote in Lerleqenheit kommen würben, so haben fie fich Berliner WarenhSuker. - Die deutsche So.paldE«- ruündlich verspekuliert. Tie Reichspartei hat bte Italic feat in ben letzten Jahren zmeieinvieriel Mill, ä^kknalmt des Erbprinzen Hohenlohe burdt bie Maik anslärttffchen Revolutionären MgLwandl. d»e,r ^^ntation einer anderen Perjön'ichkeit aus ihren haue sie beffer zur Herab)etzuug uer von ^r so sehr mett «emactjt unb bit Mehrheitsparteien
E'd^Tntast ^rttetzung und°Kaiserrede-Jnterpellal-on. stellten zu brr Wahl ein berartiges Wäfelerkontmgcnt, A _ i— daß ber Kamps gewonnen war, bevor er begann.
311 Stimmen romben abgegeben, bavon waren unbeschrieben 68. Die letzteren entfallen auf bie vrersdebatte I nauonctlltberal-sreifinnige gekränkte Lederwnrst. Von
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Irakischen Agitatoren babm bei ket er bürgerl.dtrn c->ävulling Sinaer 52 T-a bte sozialbemolratische Vartei eine vol le ^^uen " Forffchrttt^ru- d-mn Frakuon ftibst nur 52 Mandate zählt unb mehrere Ak! «L,»"-- kr m»d:° bei «im' “™““ 1”'M «lf» ™* &*"'n °°" *"
An-fällen gegen bie Rkgirrnng unb bte Rechts- Parteien doch bas wichtige Geständnis machen:
„Eine plötzliche unb allgemein« Aushebung bet Fölle einzeilig »an Teulichkartb '.st nicht rnögttch; wir alle find einig darin, daß nut in Frage kommen kam, eine schrittweife unb allmähliche Herabsetzung der Zölle, und nicht nur der lanbivirtfchafilichei', fondern mich