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üotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tlen-ruSerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

37. Jahrgang.

Fulda, Dienstag den 22. November 1910

Erstes Blatt

Xa 267.

* Der Reichstag

ihrer Konfession zu vertreten. Ebenso ist auch der I Verkauf. Die schweren Wetter, die die nordischen Lehrerschaft, die in der Schuldeputation eben- Gewässer heimgesucht haben, haben den Süden ver- . «« ...... .n....—i— i—* x;« <SmH*i>inn I schont. — Der Kronprinz soll sich nach der Ruck»

kehr von seiner Weltreise im August oder Juni nach London begeben, um dort den Kaiser beiden Krönungsfeierlichkeiten zu vertreten. — Das Groß­herzogspaar von Mecklenburg-Schwerin ist am Sonntag nach Hegyes Holum in Ungarn abgereist. — Der Ausschuß des Bundesrates für die auswärtigen Angelegenheiten war am Montag zusammengetretm, um den Bericht des Reichskanzlers über die auswärtige Lage entgegen» zunehmen. Abends sand beim Reichskanzler ein Diner für die bundesstaatlichen Minister statt. — Die in der Presse aufgetretene Nachricht, die Reichs- regierunq beabsichtige den Gesetzentwurf über die Versicherung der Privatbeamten in der nächsten Tagung des Reichstags aus wirtschaftlichen Rücksichten nicht vorzulegen, sondern für das nächste Jahr zurückzustellen, entbehrt jeder Begründung.

Schule zu gewinnen.

Den Schulkomnnssionen liegt die S ch u l p f l e g e ob; sie haben Einrichtungen in dieser Beziehung nach Möglichkeit zu fördern, also Ferienkolonien, Suppenlüchen, Elternabende und dergl; außerdem sind sie bei der Lehrerwahl zu hören. Dr. Kaufmann sagt deshalb mit Recht:

„Jeder Freimd der Volksschule kann nur wünschen, daß im Sinne des Gesetzes die Sorge und Pflege der Schulangelegenheiteu nicht in einem Kollegium, der Schuldeputation, konzentriert wird, daß vielmehr durch die Schulkommiisionen auch weitere Kreise, besonders aber die Geistlichkeit und Lehrerschaft, an den Ge­schicken der Volksschule Anteil nehmen. Die zunehmende Tendenz, den kirchlichen Einfluß auf die Volksschule mehr und mehr zurückzudrängen, macht doppelte Wachsamkeit notwendig."

dir Stimmen btt bekam pten bürgerlichen Par­teien nötig hat.

** Der Evangelische Bund und die Par­teien. Der,Deutschen Tageszlg.'wird aus Barmen berichtet, daß in einer Versammlung des Evan- gelischen Bundes zu Ronsdorf der Vorsitzende der dortigen Ortsgruppe Pfarrer Jsenbürger (?) gesagt habe, der Referent habe zwar erklärt, der Evangelische Bund treibe keine Politik; daS sei auch richtig, aber er möchte doch die Anwesenden besonders warnen vor den Christlichsozialen und \ vor dem Bunde der Landwirte. — Die .Deutsche । Tageszig." gibt diese Mitteilung .zunächst mit Vorbehalt" wieder. Für dire.t unglaubwürdig können wir dagegen sie nicht halten, denn es ist I uns genügend bekannt, daß der Evangelische I Bund seine volle Sympathie immer nur den i liberalen Parteien zugewendet hat.

Es liegt im Interesse der Sache, daß die Presse von allen auf diesem Gebiete etwa bestehenden Miß­ständen unverzüglich Kenntnis erhält und bann davon Mitteilung macht. Das Volksschulunter-! Haltungsgesetz hat bekanntlich durchaus nicht alle unsere Forderungen und Wünsche erfüllt, und was noch schlimmer ist, es bietet unseren Gegnern manche Handhabe, um es in seiner Ausführung noch un- günstiger zu gestallen. Unsere Ausgabe ist es, da­für zu sorgen, daß der richtige Grundsatz des Gesetzes bei der Anwendung des Gesetzes auch zur Geltung komme, daß jeder Ein­fluß, der auf die Schule nach dem Gesetz ermöglicht ist, auch wirklich ausgeübt werde. Dazu ist aber, wie Dr. Kaufmann mit Recht betont, und was immer wieder aufs neue erwähnt werden muß, vor allem notwendig, daß die gesetzlichen Bestimmungen und Möglichkeiten bekannt sind. Unwissenheit in diesen Dingen ist höchst verhängnisvoll. Gerade das Volksschulunterhaltungsgejetz bietet in seiner Anwendung solche Schwierigkeiten, daß ein gründ­liches Studium unerläßlich ist.

Wir wollen diese Gelegenheit benutzen, nm noch­mals auf die beiden vorzüglichen Schriften über das Volksschulunterhallungsgesetz hinzuweisen und sie dem angelegentlichen Studium aller Parteifreunde zu empfehlen: Den Kommentar zum Volksschul­unterhaltungsgesetz von Oberbürgermeister Dr. Antoni zu Fulda und die ausgezeichnet- gemeinverständliche Darstellung des Gesetzes von Oberlandesgerichtsrat Marx (Heft 3 der Flugschriften der rheinischen Zentrumspartei).

falls nur einen Vertreter hat, durch die Einrichtung der Schulkommissiou Gelegenheit gegeben, einen willkommenen Einstuß aus die Entwicklung der

* Der Brief des Abg. Müller-Fulda. Das Chem­nitzer Tageblatt' ist in der Lage, den Wortlaut des vielerörterten Brieses des Zentrumsabg. Müller- Fulva zu veröffentlichen. Danach lautete der Brief folgendermaßen:

Männer im Sturm des Lebens.

Im Anschluß daran dankte der Direktor der Marineschule und schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser. Hierauf wandte sich der Kaiser nochmals mit einet Ansprache an die Fähnriche, in der er sich gegen die Trinksitten aussprach, die die Rerven untergraben. Er forderte die Fähn­riche auf, den Alkoholgenuß zu meiden. Der Monarch bemerkte, daß der Krieg gesunde Nerven erfordere und der Alkoholgenuß deshalb vermieden werden müsse. Diejenige Nation werde im Kriegs- Handwerk an der Spitze marschieren, die den ge­ringsten Alkoholkonfum zu verzeichnen habe.

Nach einem Rundgang verließ der Kaiser um 12i/« Uhr die Schule und ging bei Holms wiederum an Bord der .Deutschland', wo em Frühstück statt- fand, während dessen die Reise nach Kiel ange. treten wurde.

# Karlsruhe, 20. Nov. 1910. Einer der ältesten Reichstagsabgeordneten, Geisllicher Rat Dr. L e n b e t in Sasbach (bei Achern), begeht heute feinen 80. Ge­burtstag. Von diesem Festtag des um fein Vaterland und dessen geistige und wirtschaftliche Interessen hochverdienten Mannes wurde bereits in der letzten Nummer unserer illustrierten Unterhaltungsbellage ge- bührend Notiz genommen. Dem Reichstag gehört VrAat Lender seit 1871 an, der Kreisverwaltung Baden-Baden seit 1865. lieber 17 Jahre Ivar er auch Mitglied der badischen Zweiten Kammer und war damals das Haupt der badischen Zentrumsftaktion und der gesstige Führer der badischen Katholiken. Be­sondere Verdienste hat sich Lender um die Gründung der Privatlehranstalt in Sasbach erworben, die er seit bald 40 Jahren leitet. Eine große Anzahl tüchtiger und hervorragender Beamter fft aus dieser Schule hervorgegangen. In Anbetracht feiner Verdienste hat ihm die Universität Freiburg schon vor 22 Jähren den Doktorhut verliehen. Der Großherzog von Baden Hai ihm ein überaus herzliches Handschreiben und einen der höchsten badischen Orden zugehen lassen. Eine Abordnung der elf badischen Kreisverwaltungrn, an der Spitze Oberbürgermeister Wilck' " Heidelberg, überbrachte ihm eine Glückwunschadc^e, die von amtlichen Kreisausschußmitgliedern des Großherzog, tums unterzeichnet war.

* Aachen, 21. Nov. 1910. Der langjährige frühere Reichstagsabgeordnete Dr. jur. Bock, päpst- li.fer Geheimer Kämmerer, feierte heute feinen 80. Geburtstag. Die Stadt Aachen ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. Dr. Bock war Mitglied der Zentrumsfraktion. In der Zeit des Kulturkampfes hat er der Kirche unschätzbare Dienste geleistet., Er stand wie bei dem jetzigen Papste so auch bei feinen Vorgängern Pins IX. und Leo XIII. im höchsten Ansehen. In seinem Hause nahm seinerzeit der Erzbischof Melchers nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis von seinem nach Aachen berufenen Dom­kapitel bewegten Abschied. In jener tieftraurigen Zeit war Dr. Bock des öfteren Dräger vertrauliche, Aufträge, sowohl der Zentrumsfraktion wie auch des preußischen Episkopats.

-- Oldenburg, 21. Nov. 1910. Die oldenburgische Regierung wünscht vom Landtage die Ermächtigung, geeignete Marschländereien des Staats- und Kron­gutes in einer Einzelgröße bis zu 12 Hektar zwecks Gründung kleiner Marschstellen gegen Grundrente auszugeben, um in der Lage zu fein, etwa an sie herantretenden Gesuchen rasch zu entsprechen. Ferner ist eine Vorlage ausgearbeitet, wonach in Zukunft die Mtglieder des Schulvorstandes dem Gemeindevorstande angehören dürfen, was bisher, da sie als @emeinbebeamteu angesehen wurden, nicht der Fall war.

♦♦ Wahlvorbereitungen.

Industriellen, t itt am 1. Dezember mit Vollen- dmig seines 80. Lebensjahres in den Ruhe­stand. — In den wohlverdienten, darf man hinzusügen, denn selten hat ein Mann mit solcher Energie, solchem Wissen und solcher Geschicklichkeit, die Sache einer Interessenten- gruppe geführt, wie Buek es im Auftrage der Scharfmacher der Großindustrie getan hat.

Ausland.

* Eine neue Leistung Nathans. Bon welcher Art der „Kulturmensch" ist. der zurzeit die Würde eines Bürgermeisters im „ewigen Rom" bekleidet, das lehrt der Brief, mit dem Nathan dem Bürgermeister von Montreal in Kanada auf den Protest geantwortet hat, den diese große Stadtgemeinde Nordamerikas ge­gen die Lästerung des Papstes und der katholischen Lchre durch Nathan beschlossen hat. Ter Brief Na­thans an den Bürgermeister von Montreal hat folgen­den Wortlaut:

Rom, 8. Nov. 1910. An den Herrn Bürgermeister von Montreal, Kanada. Dank der ausländ. Presse erhielt ich Nachricht von dem mir ausgesprochenen Tadel des Geiueinderats von Montreal, welchen Sie mir nicht mügetetlt haben. Ich beeile wich, der glorreichen Ver­sammlung meine Entschuldigung darzubringen, daß ich mir, bei meinem weiten Begriffe von Billigkeit gedacht haue, angesichts der Befehle unseres Hirten, wären Sie und Ihre Kollege» imstande gewesen, jeden diesbe;üg- lichen Beschluß aufzuschieben, bevor Sie den Text der Rede geprüft haben, die fie zu kennzeichnen sie sich ver­pflichten.

Wenn man die Sache nur vom Standpunkt der Notorietät »nfieht, so ist kein Zwessel, daß Eie, Herr Bürgermeister, besondere Verdienste besitzen, um das hohe Amt einzunehmeu, zu dem Sie berufen sind. Erste Amtsperson in Montreal, mittels Ihrer — meinet­halben — etwas willkürlichen Energie, ist Ihre liebe Stadt und Ihr noch mehr lieber Gemeinderat eine

* Vertin 21. Nov. 1910. Das Kronprinzen­pa a r ist auf der Insel Ceylon ein getroffen. Dort wird es sich bis zum 11. Dezember aushalten. Als­dann wird der Kronprinz Weiterreisen, während die Kronprinzessin nach Deutschland zurückfahrt. Die Reise nahm bisher einen glatten und angenehmen

v Zum Kamp? nm die Volksschule.

In der soeben erschienenen Novembernummer der „Kommunalpolitischen Blätter" macht Landtags- adg. Dr. Franz Kausmann-Aachen auf d« Tat fache aufmerksam, daß aa3 mehreren Städten Kla­gen über eine falsche Anwendung des preuß- scheu Voltsschulunterhaltungsgesetzes vom 28. Jult 1906 vorliegen.

Es handelt sich darum, daß dte schul- tommiffionen, deren Einrichtung in den Städten durch das Gesetz nicht erfordert, jedoch zugelassen ist und in gewissem Sinne erwünscht wird, in ein­zelnen Orten von dem ihnen gesetzlich übertragenen Aufgaben ausgeschlossen worden sind. Wir haben das größte Interesse daran, daß die Schul kommissionen in den Städten möglichst üb er al eingerichtet und zu einer ersprießlichen Tätigkeit herangezogen werden. Nachdem der Einfluß der Geistlichkeit auf die Schulsachen in den Städten durch das neue Schulunterhaltungsgefetz sehr be­schränkt worden ist — in der Schuldeputation hat nur ein Geistlicher Sitz —, find gerade die schul, kommiffionen die Stelle- wo auch den übrigen Geistlichen Gelegenheit gegeben ist, die Imeretien

hat heute seine Verhandlungen wieder aufgenommen. । ’ Ter Wiederbeginn der parlamentarischen Ar- ; beiten ist mit Freude zu begrüßen. In der halb- , jährigen Parlamentspaufe hat das Volk einen end- < losen Landregen von parieiiaktischen Erörterungen über sich ergeben lassen müssen. Worte, Worte und abermals Worte wurden in Ueberfluß produziert, und die höchste Fruchtbarkeit aus diesem Gebiete muß den liberalen Rednern und Zeitungen zu- erkannl werden. Aber nach dem ausgiebigen Wort­wechsel ist die politische Lage im Grunde genommen noch ebenso, wie sie vorher war. Man muß sich chou auf die Feinheit der Töne und Untertöne verstehen, um hier und da ein Anzeichen von Ver­söhnung und Sammlung zu entdecken. Eher noch läßt sich die Ansicht begründen, der auch die kon­servative ,Kceuzztg/ heute Ausdruck gibt: daß mäh- renb des letzten halben Jahres die Nationalliberalen sich immer weiter von rechts abgewandt hätten; docl > klärt sich dieser Eindruck vielleicht durch En' chung allzu lebhaster Wünsche. Jedenfalls ist ieine greifbare Besserung in den Be- "lehmigen des Liberalismus zu den anderen bürget« uchen Parteien eingetreten. Die,Kreuzztg/ erwartet auch von der persönlichen Berührung der Partei, führet im Reichstage keine Besserung und bemerkt, man ivetde es „namentlich den Konservativen nicht verdenken können, wenn sie denjenigen ihrer Paria« mentslollegen aus dem Wege gehen, die sich wäh­rend der letzten Monate in Schmähungen und Ver­dächtigungen der konservativen Partei und ihrer Führer besonders hervorgetan haben."

Um die Sache richtig zu beurteilen, muß man H gegenwärtig halten, daß sowohl vonseiten der ...gterung, als auch vonseiten bet Konser­vativen und des Zentrums sott und fort der Versöhnung und dem friedlichen Zu- sam men ar beit en das Wort geredet worden ist. Namentlich ist alles mögliche versucht worden, um der nationalliberalen Partei den Rückweg von der Verätaerungspolitik zur Arbeitsgemeinschaft zu erleichtern." An freundlichen Einladungen und gutem Zureden hat man es wahrlich nicht fehlen lassen. Ja, mau könnte die Frage aufwerfen, ob nicht des guten zu viel getan, ob nicht manchmal der Schein des Nachlaufens erweckt worden ist. Indem man sich so häufig und so eindringlich mit den Ergüssen von Herrn Bassermann und feinen Kollegen beschäftigte, hat man vielleicht in jenen Kreisen den Aberglauben genährt, daß es ohne den Liberalismus überhaupt nicht gehe, daß die Regierung und die Rechte auf die liberale Hüse unbedingt anac miesen seien und sich daher dessen Bedingungen (Berufung liberaler Persönlichkeiten in die Regierung, Abänderung der Finanzreform, liberatifiereudes ieai rungsproaramm -c.) unlerwersen mußten. Jedenfalls glauben Herr Bassermann und seine Anhänger noch heute, daß fie durch ihre Trutz» und Hchlaltik imstande seien, eine liberale 'Hera zu erzwingen. Wir haben schon früher das scharf kling.ude, aber zutreffende Wort vom liberalen Größenwahn gebrauchen müssen. Leiderist eine Besse umg in dieser Krankheit noch nicht zu verzeichnen.

Was ist nun zu tun ? Tas gute Zureden wird in Zukunst noch lueniger helfen, als bisher. V'.el- ■?id)t trifft der gesunde Menschenverstand jener Zeitnugslescr das richtige, die uns schon wiederholt gesagt haben: Schreibt doch nicht so ost und so lang unb breit über die nationalliberalen Redner und die sonstigen liberalen Taktiker! Bei dem -Dreschen dieses Strohes kommt ja doch nichts heraus. Wenn wir nur das beste tun in uns er en Wahlvorbereitungen, bann brauchen wir uns nicht um das Getue im Nachbarhause auszuhalten! Wollen die Bafsecmänner nicht mi'.tun, na, dann nicht! Es gehl auch ohne sie!

‘ <n der Tat, es geht auch ohne den anmaßen­den L^berakismus. Das möge zunächst der Re ich v- t a a tlaiftellen helfen, indem er ruhig und ziel­bewußt an die Arbeit geht, ohne den parteipoli- tifcheu Klopffechtern mehr als die nötige Berichtigung von Unwahrheiten zuteil werden zu laffeu. Und die Regierung möge bei ihrer Sammlungspolitil ieben Schein der schwäche oder des Nachlausens vermeiden und einfach sagen: Wer nicht an der nationalen Arbeit sich betemgeu will, schaltet sich fdbft aus; es muß und wird auch ohne sie gehen! Die Regierung darf keinen Zwessel darüber lassen, daß sie auck in dem Falle, wenn dr- nächsten Wahlen dank der Großblockoenrrung kerne positive Mehrheit ergeben sollten, noch Kraft uuo Hitfs- mittel genug hat, um den Fortgang der Reichs- 'ae schäfte zu sichern, nötigenfalls durch «men neuen Appell an dr- Wähler.

. Es geht auch ohne die Liberalen!

Die Bemühungen, ein Zusammengehen der Nationalliberalen und Fortschrittler bei den nächsten Reichstagswahlen herbeizuführen, wer­den eifrig fortgesetzt. In Württemberg haben dr« beiden smarteren das kürzlich schon angekündigte Ab» kommen endgültig abgeschlossen, wodurch in allen Wahlkreisen des Landes ihre gegenseitige Unter- stützuug gesichert werden soll. Die Nationalliberalen roixbeu in sieben und die Fortschrittlichen in zehn Wahlkreisen Sanbibaten ausstelleu. Gescheitert sind dir Verhandlungen zwischen ben beiden Parteien in Wiesbaden und Limburg, lieber den Fort­gang der Verhandlungen im Großherzogtum Hessen berichtet folgend« Meldimg:

* Darmstadt, 21. Nov. 1910. Ter Ausschuß der hessischen Rationalliberalen Partei erklärte sich auf die Anfrage der Fortschrittlichen V o l k s p a r t«i hin bereit, mit ihr über die nächsten Reichstagswahlen zu verhandeln, ohn« sich jedoch den von der Fortschrittlichen VoUspartei im voraus aufgestellten einseitigen Forderungen zu unterwerfen, zumal von dieser Seit« bereits Kandidaten in Aus­sicht genommen seien. Über die mit ben National­liberalen nicht verhcmbelt worben sei. Besonders sei bas in Oberhessen (Gießen unb Friebberg) der Fall, wo von eine« Vereinigung zwischen Fort­schritt und Sozialdemokratie die Rede sei.

■ * Aus dem Wahlkreis Homberg-Ziegmhaiu-Fritzlar.

Als Kandidat des deutschen Bauernbundes wurde dessen Generalsekretär Hefter mann nach dem „Deutschen Bauernbund" gegen Liebermann von Sonnenberg ausgestellt.

* Wiesbaden, 22. November 1910. Die national- liberalen Vertrauensmänner unseres Wahlkreises stellten Kommerzienrat Bartling als Reichstags- kandidaten auf.

Fulda, 7. Nov. 1910. An den Vorsitzenden des Konservativen Vereins, Herrn v. Nostiz-Wallwitz, Soh- land a. d. Spree. Ich lese, daß unser früherer Kollege, Herr Förster, im zweiten sächsischen Kreis« als Kan­didat ausgestellt und von der liberalen Presse deshalb angegriffen wird. Ich kann aus persön­licher Erfahrung nur sagen, daß diese Angriffe grundlos sind. Herr Förster war em sehr gerecht denkendes Milglied des Reichstages und hat bei den Beratungen des Zolltarifs in der Kommission durch seine Sachkenntnis und Fleiß dem Reiche und der deutschen Industrie sehr gute Dienste geleistet, jedenfalls bessere ais sein Nachfolger, der nur zer­stören konnte, was andere aufgebaut haben. Ais alter Kollege und Berufsgenosse des Herrn Förster glaube ich Ihnen diese Aufklärung schuldig zu sein.

Den Liberalen hatte die Verlesung dieses Briefes bekanntlich Veranlassung gegeben, lärmendes Geschrei zu erheben, jetzt fei die Zugehörigkeit der sächfifchen Konservativen zum „schwarzblauen Block" erwiesen; Abg. Müllcr-Fulba sei um eine Begutachtung der konservativen Sanbibatur in Löbau angegangen, habe sich als alter Freund der Konservatwen bezeichnet und in Beziehung auf den früheren tonfer« valiven Abgeordneten und jetzt wieder als Kandi­daten ausgestellten Fabrikanten „unser Abgeord­neter" gejagt. Aus dem Wortlaut des Briefs geht NUN aber hervor, daß der Vorsitzende des Konser­vativen Vereins sich nicht an Herrn Müller gewandt, sondern dieser aus eigenem Antriebe geschrieben hat. Herr Müller-Fulda 'hat nicht die Tätigkeit des

_ ... „ . , । früheren Abg. Förster mit der des jetzigen Abg.

ntlu). Dr. Weber verglichen, sondern mit der des sozial-

♦ Maun»r demokratischen Abg. Sindermann, der der unmittel»

Rnsere Zett braucht eisenhart- Mann.r. . ^re Nachfolger Försters war. Der harmlose Brief Tas große Interesse, welches unser Kaiser qk0 uon liberaler Seite völlig verdreht werden.

bet Entwicklung unserer deutschen Flotte entgegen- $et ^oigtl. Anzeigeri bemerkt:

bringt, kommt wieder einmal in einer Kabinettsoxdex ^us unreT früherer Kollege" ist ein »unser früherer und Ansprache deutlich zuru Ausdruck, bi« der $baeorbneter" gemacht worden. Aus „als alter Kolleg- Monarch am Montag bei bet Eröffnung der mt6a Berus-genosf- des Herrn Föriier" ein „als alter Siaxir.ctonle ui Mürwick an die Fähnriche znr Freund der Konservativen" und Berufsgenosse". Wir

See richtete ’ glaubens ja gern, daß es den Gegnern der Konser-

n m- w.8*. m w

von Kiel kommend dort ein. Nach Bcgrützm g der rn Rücksicht darauf, das er in der Zolltarifkommisiwn

zum Empfang Erschienenen, unter denen sich auch lU(^Tenb -?cr Ferienzeit mit den damaligen Reichstags-

Staatssekretär v. Tirp'.tz befand, betrat der Kaiser Abgeordneten Förster und Münch-Ferber im Interesse die Marineschule. In der Turnhalle ging sodann des Zollschutzes der Induline (insbesondere zur Wah- bie Einweihunqsferer vor sich. Hierbei verlas der rung der Interessen der W.berei gegenüber denen-der Kaiier eine Kabinettsorder an die Fähn- Spinnerei) zufammenarbrntete, ,rch veranlagt gefuhtt, . für seinen früheren Kollegen bei beut Borntzendeu des

I,£9e- , ■. _ . . Konservativen Vereins zu Löbau, Herrn v. Noflitz, sich

Der Kaiser betonte, daß zum Seeosflzrer ein ganzer verwenden bas ist alles. Unb darum Zeter rnb Mann gehöre, tnu immer mit Freudigkeit den schweren m>ordw^ Der Heremsall der Liberalen ist bitterbös! Smm?mSS’Ä’SKÄ äTÄ M )( Der S,»rstn-ch»rg-»---l. S-mmIftir-I-r ein we.lgeheudes technisches Wissen aneignen. Düs er- H. A. B u«k vom Zentralverbanv« deutscher fordere vi l ernste Arbeit über den Büchern und diese' ~ ................*--- ——

Arbeit sei doppelt schwer nach dem Jahre der prak­tischen Ausbildung auf der Auslandsreise. Diese Arbeit bedeute aber nicht nur ein Ansammeln von Wissen, sondern auch ein Ausdruck von Pflichtgefühl und Energie und falle damit für die Bewertnnz der Persönlichkeit ins Gewicht. Dann heißt es weiter: Unsere Zeit braucht ganze sogar eisen­harte Männer. Deshalb kommt es aus die Per­sönlichkeit und den Charakter in erster Linie an. Ar­beiten Sie sich durch zn einer streng sittlichen, auf religiöser Grundlage b «ruhenden Lebensanschauung, zn einer der gegenseitigen Verantwortung ftch bewußten Kaineradschast, zn sitt­lichem Denken unb Handeln und umschiffen Sie so die Klippen, an denen leider so viele jruige Offiziere scheitern. Begeistern Sie sich an den großen Vorbildern der Geschichte, welche lehren, daß die geistigen Kräfte den Sieg verschaffen und nicht zuletzt Seelenstärke, die dem Gottesglanben entspiingt. Dann werden Sie Offizier- werden wie ich sie wünsche und rote das Vaterland sie braucht, stolze und wetterfeste

)( Ter Freisinn hat in diesen Togen in Berlin große Sitzungen abgehalten, um sich über bi« Stel­lungnahme bei ben kommenden Kämpfen auszu­sprechen. Dabei find die alten Gegensätze wieder einmal aufeiuandergeplatzt. Abg. Dr. Pachnick« empfahl in der Zmtralausschußfitzung einen scharfen Kampf gegen die Sozialdemokratie auch bei den Stichwahlen. Dagegen proklamierte Abg. Dr. Wiemer den Kampf gegen den „schwarz-blauen Block". Er meinte, baß auch die Trennungsliuie gegen die Sozialdemokratie zu ziehen fei, aber nicht im Sinne der Sammlungspolitik. In der Er­örterung wurden die Auffassungen Tr. Pachnickes scharf bekämpft. — Der Freisinn will also das politifche Geschäft einstweilen mit den Sozial­demokraten machen, — bis er bei den Wahlen