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Zeitung

4. Blatt.

«Ndaer

mck nehme -LwSHLch wieder die natürliche Stri

wir» Ne «rvea. »euye O"*«*

tat Gewicht ix» »6t>a» P» heben, den Mutlauf hi» reichend beschlamt^n, um die Füße warm zu ma-, ch«. Der die« der Störung weg« (z. B. tm Büro) nicht «u-übm kann, »Lge tm Sitz« zuerst mitde« einen Fuß, dann mtt dem andern, je ungefähr 80nmt, nl«nde Bewegungen vornehmen: die Fußspitze wird möglichst vollständig gehoben und gesackt (gestreckt und gebeugt); die Bewegung geschieht einzig und allem i« Knöchelgelenk. Namentlich werden die Zehen mtt gestreckt und gebeugt. Oder: man rollt jeden «“6 30 so mal um seine Axe. Dabei wird bei straff gestrecktem Bein die erhobene Fußspitze besonder« nach außen Lästig gerollt, indem die Fußspitze einen Kreis beschreibt. Alle diese Bewegungskuren find überall leicht ausführbar und sehr wirksam.

Bet langem Sitzen werden die Füße namentlich dann kalt, wen« man die Knie übereinander schlag, wodurch die Adern in der Kniekehle zusammengepreßt tottbaunb der Blutkreislauf stockt. Dies ist also zu

vermelden. ,,

Wer nachts an kalten Füßen leidet, die ein sehr unangenehmes Schlafhindernis bilden, möge abends ein Fußbad nach oben angegebener Art anwenden. Kann er das nicht, so muß er seine Zuflucht zur Wärmeflasche nehmen, welche schon eine Viertelstunde vorher ins Bett an das Fußende gelegt wird. Den­selben Dienst tun mit heißem Wasser gefüllte fest ver­korkte steinerne Kruken, über die ein Strümps gezogen wird, damit ste nicht an den Füßen brennen Sehr günstig Wicken auch umwickelte Mauersteine, die man in der Ofenröhre erwärmt hat. Diese saugen näm­lich infolge ihrer Porösität, eine halbe Stunde vorher in» Bett gelegt, Feuchtigkeit in demselben auf, was in einem ungeheizten Schlafzimmer wahrend der nassen kalten Jahreszeit von großem Vortest yt.

Die» find die einfachsten und erfolgreichsten Mit­tel zur sofortigen Erwärmung kalter Füße. Möge sich jeder das ihm am meisten zusagende auswählen, aber auch noch durch fleißiges Gehen, energische wegung und hygienische Lebensweise fich dieses höchst lästigen Leidens möglichst bald von der Wiedeckehr gänzlich befreien.

japaner angeboren sein.

Ist dem so, so darf man sich auch nicht wundern, daß die japanische Körperkonstitution der g e i st i g e n Arbeit, wenn fie — wie dies ja in den japanischen Hoch- und Fachschulen der Fall ist — in europäischen Maßen zugetellt wird, nicht gewachsen sein soll. Das angestrengte Lernen in ungewohnter (fitzender, früher hockender) Stellung wirkt auf die Bildungsfähigkeit junger Leute der besseren Stände in sichtlich schäd­licher Weise, indem es nicht nur Nervosität, sondern mich Neigung zur Tuberkulose und Hysterie erzeugt.

Da eS demnach wohl schon möglich ist, daß nach dem raschen Aufschwung der letzten Jahrzehnte, bei den ersten größeren Widerwärtigkeiten, die Japan heimsuchen dürften, eine tiefe Erschlaffung fol­gen kann, wie solche dem auf der Oberfläche beweg­lichen, aber im Grunde genommen wohl schlaffen Naturell des Japaners entspricht, so ist verschiedent­lich von maßgebenden Persönlichkeiten im Sonnen­ausgangreiche die Frage aufgeworfen worden, ob man nicht den Versuch machen sollte, durch fremde Blutübertragung, also durch Heiraten mit Ausländern, die allgemeine Konstitution der japa­nischen Raffe zu heben. Es ist dies eine für die Zu­kunft Japan« ungemein wichtige Frage, denn fie steht mit einer franken Einwanderung in engster Verbin- duug, und gegen eine solche sträuben sich bekannter- weise die Söhme des Mikadoreiches. Trotzdem geht man wohl kaum fehl, wenn die Anficht ausgesprochen wird, daß die Japaner die Ruttur weißer Völker ohne ftemde Wutvermischung — für die Dauer wenigsten» — nicht aufzunehmcn imstande sein werden.

Die Tatsache, daß die Japaner in staunenswecka Weise feit 1870 sprungweise vorwärts strebten, die Raschheit, Leichtigkeit und vieffach auch Gründlich­keit womit ste hiabei verfuhren, war natürlich dazu angetan, der Nation die Hochschätzung des Auslandes »i erwerben. Sie hat auch gezeigt, daß fie imstande ist, einen .zivilisierten" Krieg zu führen. Dank da Geschicklichkeit ihrer SiaatSmänna und Generale hat fie die nationale Ehre und Kraft rein rmd unange­tastet bewahrt.

Und doch muß man fich fragen: Besteht nicht trotz alledem ein gewiss« Gefühl, das fich mehr em­pfinden al» ausdrücken läßt daß noch irgend etwas

Einfache ErwLrmuugsmittel für kalte Füße.

Von Dr. Max Winter.

Da schädliche Einfluß kalta Füße auf den Ge- ündheitszustand des ganzen Körpers ist sehr groß, well dadurch die Temperatur des gesamtm Vlutkreis-

** Mehr Heimatkunde!

Immer noch zettgemäß sind nachstehende Bemer- kungm über die Pflege da Heimatkunde, die wir den „Deusschen Gaum', Zeitschrift für Heimatforschung, Kaufbeuren 1910, 7. Lieferung, S. 221 s., entnehmen:

.Ich bin in Danzig auf dem Gymnasium gewesen, aba niemals habe ich im Unterricht etwas von der bedmtenden mittelalterlichen Geschichte und den Kunstwaken diesa Stadt gehört; ich bin in Allenstem auf dem Gymnasium gewesen, aba niemals wurden wir Schüler auf die dortige prächtige Stadtkirche und bischöfliche Burg aus dem 14. Jahrhundert hmgewie- sen; ich bin in Hohenstein auf dem Gymnasium ge­wesen, aba kein Lehrer machte uns daraus aufmeck- sam, daß es sich in dm Mauem da alten Ordens- bürg befinde, und daß wir Altpreußm dem deutschm Ritterorden so unendlich viel zu verdanken haben, daß dessm Geschichte so ruhmvoll und harlich sei, wie nur irgend eine. Das war alles nichts. Aber da geringstgigste griechische und römische Ctuarl wurde uns jeden Vormittag auf» Frühstücksbrot geschmiert. Ja, es ist mir bei einer Fahrt an Marienburg vorbei passiert, daß eina da Mttreisenden dm Kops durchs Fenster steckte und beim Anblick da Burg fragte: „WaS ist denn das für'n oller Kasten?" Jch^ fuhr nicht vierter, sondan zweita Klasse, und der Frage- stella war ein Gutsbesitzer aus Litauen, oet mit dem Einjährigenzeugnis das Gymnasium zu Insterburg verlaffm hatte

In Rom, Athm und bei den Lappen Da späh'n wir jedm Winkel aus. Dieweil mir wie die Wilden tappen Umher im eigmm Vaterhaus;

Ist das nicht eine Schmach und Schande Dem gangen deutschen Vaterlande?

Japan und seine Zukunft.

Von B. N.

Im Nachstehenden geben wir einer Zuschrift von kundiger Seite Raum, die besonders deshalb inte­ressant ist, weil sie von der land­läufigen Ansicht sich um ein Erheb­liches entfernt.

M 265.

Samstag den 19. November 1910.

37. Jahrgang.

Allerlei.

-- Am Provinztheata. Direktton: „Meine Her- rat, wie Sie wissen, soll in dem neuen Stück ein ge­bratene« Huhn verzehck werden. Der Wick „Zum gol- dmen Löwen" hat sich nun bereit erklärt, ein solches jedm Abend gratts zu liefern, unter da Bedingung, daß in dm Text folgendes eingeschoben wird: .Sie MM«, haben zu fragen: „Woher holtest du baS köst­liche Gericht, Knappe?' toorauf Sie, Knipke, anttow ten: .Aus dem goldmm Löwen'. edler Ritter'l" .J

Im üllgemeinm sind Gelddiebstähle selten in da­maliger Zeit, da eben damals das Geld noch ein ungleich seltener Artikel war als heute. Die „Arbeit' eines Kaunas war deshalb eine ungleich schwerere und mühseligere als heute, wo dem Dieb außerdem noch die Hilfsmittel einer hochentwickelten Technik zur Verfügung stehen. Man muhte fich eben damals mit Gegenständen begnügen, die Geldes wert hatten; besonders beliebt waren große kupferne Kessel, Glo­cken, Kleidungsstücke nsw.

So führten oie Stäuber F. A. Thomas, I. Adam Fran' >md Druckers-Peter einen Glockenüiebstahl in der bei Rodenkirchen gelegenen Markus-Kapelle auS. Das dort geraubte Glöckchen wog 50 Pfund und hatte die Gemeinde im Jahre 1775 60 Gulden gekostet; sie brachten die Beute weit weg ins Feld, wo sie ckn Feuer munachten, über dem sie die Glocke heiß mach­ten Darauf zerschlugen sie sie mit einer Pflugschar und verlausten das Pfund des Metalls an einen Ju­den zu 18—19 Kreuzer.

Aul dem .Wirrberg', Amt Grünberg versucht« die Räuber (Haarbacher-Hannes, H. Keller aus Rup­pertsburg) eine Glocke zu stehlen, konntm derselben aber nicht habhaft werben; so stahlen sie die Orgel- pfeifm aus der Kirche und verkauften sie an einen Spengler; die Reparatur der Orgel kostete 98 Grllden 48 Kreuzer.

In der St. Georgen-Kapelle (Ockstadt) bei Fried­berg wurde im Jahre 1809 durch Peter Görzel (auS Ziegenhain), Hessen-Heinrich, Schoden-Heinrich, Ka­spar Huihmann und Geislipsen-Michel eine Glocke von 170 Pfund Gewicht gestohlen und nach Münzm- berg verkauft. — Joh. Ad. Frank beging in der Nacht vom 10. bis 11. Juni 1809 mit noch 3 anderen Räu­bern einen Kirchenraub zu Neustadt, bei dem fie ein weißes Altartuch, einen Heinen Weihwasserkessel er­beuteten und eine Reliquie aus einem geweihten Altar­stein hcmusschlugen (Weck 12 Gulden 30 Kreuzer).

Ein anderer Kirchenraub wurde von G Räubern in >et Kapelle auf dem Maria-Ehrenberg im Fuldischm begangen. Die Räuber stahlen außer einigen Gewän- dem eine Glocke (1 Ztr. schwer), die 100 Gulden ta- fsiert wurde, einen Teil des Glockenmetalls erhielt Per Jude Victor zu Schlüchtern, de« anderen ein Kan-

DaS hat Kack Simrock gesagt. Franzosen und Engländer leiden unter dieser albernen Schwärmerei nicht. Sie haben eine viel stärker entwickelte Liebe zu ihrer Heimat und bleiben deshalb Franzosen und Engländer auch im Auslande, während der Deutsche bekanullich seine Nationalität wechselt wie das Hemd.

Daran ist unsere Schule schuld, unsere ttaffische Schulmeisterei. Den Lehrern selbst will ich keine Vorwürfe machen; sie möchten eft gerne anders, haben sich aber nach dem vorgeschriebenen Unterrichtsplan zu richten, und der verlangt, daß die Pcknumer die römischen Agrargesetze herunterbabbeln, aber ob man weiß, wie eine deutsche Stadt ober ein Dorf entstanden ift und was dort für Gewohnheiten und Gesetze herrschen, das ist ihm gleichgültig. Das werden dann die gelehrten Brillenmenjchen, die als Theologen, Aerzte und Amtsrichter mtt dem Volk ver­kehren und dessen Berater sein sollen! So dick und hoch war aber die Mauer noch nie, wie die, d i e heute die akademisch Ge­bildeten vom Volke trennt. Keine Spur von gemeinsamen Interessen. Da fühlt fich denn der Bauer und der Knecht als ungebildet, und er läuft in die Großstädte, um auch etwas vorn .Herrentum" zu erschnappen Gerade der Volksschullehrer müßte instand gefegt werden, den Mangel an Heimatliebe besettigen zu Reifen, falbem er den Mangel an Ver­ständnis für heimisches Volkstum und die Gleichgül- tigtett für alles, was mit der ländlichen Heimat zu- sammenhängt, bekämpft.

Alles dies und noch mehr schrieb der Archivar Dr. Brüning in der »Deutschen Reichspost" (Sonn- tagsbcklage 25. 7. 08)' „Es wird jetzt schon besser, es Wirb jetzt schon besser, heißt es 1910', fügt der Herausgeber der „Deutsch. Gaue', Kmatus Frank, an. „Da wollen wir abwacken. Unsere Hoffnung auf die Wirkungen neuer Ordnungen und Verord­nungen ist klein. Man nimmt die Sache wohl zu wenig tief* ________

Vogelsberger Räuberbanden vor 100 Jahren.

Von H. Weber-Storo.

I.

Nach der Tradition ist Graubünden das llassischc Land der Räuberbanden. Wie man jedoch bleiern Land, das die Uebeckieferung so nahe mit dem Gau­nertum in Verbindung bringt, heute nichts mehr von seiner einstigen zweifelhaften Berühmtheit amnnkt, so gibt es in unserem deutschen Vaterlande noch Gegen den genug, die sich nichts mehr davon merken lassm daß sie einst Hauptaufenthalts- and Tummelplätze von Räuberbanden gewesen sind, so der Vogelsberg, gewiß eine harmlose und durch Re Gutmütigkeit sei­ner Bewohner bekannte Gegend! Es fehlen hi« so gang chic Symptome einer von Räubern Webten Landschaft: lang und einförmig ziehen die Hohm- rücken dahin, zwischen sich nur ganz flache ienb die so ganz des Wildromantischen ermangeln, L Höhlen, keine Schluchten, Einschnitte, Berg­wände und Felseichänge, die zum Versteck emmden und was ist in der Vorstellung des Volkes ein Räuber ohne Höhle, Singen sie doch so gern von ihm:

In des Waldes tiefen Gründen, in der Höhle ganz veckteckt Schläft der Räuber allerkiihnster, bis ihn seine Lina weckt, ober lassen ihn im Liedchen spre-

ftM» Sckbfi ein Hinweis dar«! daß da» «anze 1 8etat und Treiben tu Japan kmrer rnch- und mehr europäische gärtanganntmnd, MetHda im» unzweifelhaften Anzeichen btfür, n eilen Eigentümlichkeiten mehr «ta tische» Volk europäisch ist, und bafe fich völkenm, stetig, wenn auch unbewußt, von Lag $u Tag bet Europäisierung sehr schnell näh eck — alle diese Annähenmgspunkte halt« den Fronden bet das ferne Land besucht, doch nicht ba»on ab, bon Ja­pan und den Japanern gewissermaßen vcm eben Ve­oh zu urteilen. Der Grund hierfür dürste in erst« Linie barin liegen, daß ber Fremde sich W V» Gefühl» entäußern tarn, die moderne japanische «m- tur fd nichts anderes, als ein „Wiederaufwärmen fremder Fortschritte. Die Aufnahme von europäischen Ideen habe kein anderes Ergebnis ge- zeitigt, als eine ganz dünne Firnisschicht von Zivüi- ation. Japan sei und werde auf viele Jahrzehrck jinaus nur eine plumpe und im besten Falle unglerch- werttge Kopie de, Westen, bleiben. DtS falb schwerwiegende und keineswegs leicht adzuwet- enbe Uckeile, bie auf die Minderwertigkeit der japa­nischen Kultur Hinweisen.

Man hat seit einiger Zett viel von einer „g el b en Gefahr' soweit der Wettbewerb auf dem Gebiete der Industrie in Frage kommt, gesprochen und geschrieben. Solche Kassandrarufe find zum wenigsten stark verfrüht. Der japanische Arbeit« rmd Handwerk« im allgemeinen ist schlecht genährt, oder richtiger gesagt, unternährt. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Reis. Das niedrige Niveau ber Lebenshaltung, die lange Arbeitszett, die minimalen Löhne verhindern daher einm ernsten Wettbewerb Japans auf dem Weltmarkt, sofern Qua­litätswaren in Bettacht kommen. ®er gedruckte japa- ' nische Arbeit« ob« Hanbwerk« wird noch lange ; brauchen, ehe er bie Tüchtigkeit beS deutschen, eng- ‘ lischen oder amerikanischen erreicht hat. Dies« av- bettet täglich nur eine bestimmte Stundenzahl, trotz­dem stellt er qualitativ wie quantitativ bedeutend ves- s«es und mehr her als sein gelb« Kollege Es smd denn auch nur grobe Massenartikel, die Japan besonders stack auf den Welttnackt wüst Ackikck beten Vertrieb an unb für sich nicht am loh- nendsten ist. Dies bedeutet ab« nicht nur eine wird sckastliche, sondern auch eine finanzielle Schwache des Mikadoteiches. Japan hat übrigens icht seinen Nachahmungen fr e md er F ab r r k ate vev- HAtnismäßig wenig dauernde Erfolge «zlüt, wohl aus dem Grunde, weil es nicht versteht, sich alle Errungenschaften europäischer Technik zu eigen zu machen. Die Zahl d« mißglückten V«suche in dies« Richtung ist dah« auch Legion.

Man kann, alles in allem genommen, am Japaner eigenüich wenig« Uebles als Schwaches finden. Von Natur und Erziehung ist « ein etwas schlaffe^ ruhi- g«, körperlich und geistig mtttelbcgabter schwach- empfindender Mensch. Bei vorzüglichsten Gaben ine ihn befähigen, als Glied eines h«denackig zahlreichen, gleichartigen, verttäglichen, nicht schw« zu leitenden Volkes seine Stellung auszufüllen, hat d« Japan« seine Kraft den Anforderungen d« modernen Kultur gegenüb« erft noch zu «weisen, ebenso ob erim Kreise d« übrigen Völk« auch ohne sttenge Abschlie­ßung die Stellung zu behaupten imstande ist, die ihm nach der Volkszahl zukommt._______________________

dien-

,. ..erlebtes Stab, du dauerst meine Seele, Ich aber muß zurück in meine Höhle.

Bei dir kann ich nicht länger glücklich sein. Ich muß ja fort in’n tiefen Wald hinein."

T« Wald bildete eben auch das einzige Versteck des ruhelosen Gauners, dem die Polizei an keinem Orte Ruhe ließ. In den großen Wäldern hatte er mit seinen „Kameruschen" oder Kam«aden Zusammen- kunft, und hier wurden die Verbrechen, die in nächst« Zeit begangen werden sollten, geplant und beraten. Hier hatten fie auch ihre festen, der ganzen Sanbe bekannten Versammlungsplätze, wo sie sich ttasen und zeitweise aufhielten, besonders in gefährlichen Zetten. Hier konntm sie vor allem ein dem echten Gauner so anenibehrttches vollständig freies und ungebundenes Leben führen. Wie begeistert sangen sie in bem alten Koch.mer-Liede" (Kochemer-Gauner), das nach d« Angabe des berüchtigten Räubers Johannes Borge- ner ausgeschrieben worden ist:

In dem Jaar (— Wald) ist Lust und Freud, Lustig seyn wir Kochemer-Leut!'

Aber immer konnte es d« Räuber doch nicht im Walde aushalten; eine Heimat hatte er meistens nicht, da seine Eltern selbst schon meist zu den herumziehen- den, vagabundi«enden Leuten gehört hatten. Wo sollte er hin, wenn er einmal unversehens nichts mehr zu essen hatte? wo sich verbergen, wenn die Unbilden der Witterung ihn aus dem Walde hinausttiebmk Es war notwendig, daß er sich in dm Dörfern für einen Unterschlupf sorgte. In bem einen Dorfe war eg ein Gastwirt, tm anderen etn Butterfuhr«, hi« ein Jude dock ein einsam wohnender Bau«, der mit ben Räubern Brüderschaft trank unb sie beherbergte wmn tc in seine Nahe tarnen. Dm einen trieb bie Furcht, j»er andere gedachte an ihnen zu verdienen und ub«- liahm gleichzeitig bie Rolle eines Hehlers. Solche Räuberherbergen waren z. B. bei dem Butt «sichrer Joh. H. Heimbach in Storndorf, bei dem Inden Vic­tor zu Schlüchtern, b« zugleich auch „Scharfensviel«' (— Auskundschafter) und Hehler war, bei einem Ju­den in Usenborn, bei dem „Kochemer-Kaffer (— ver- ttauter Mann) Niklas Stock, Krämer zu Reinhards, in einem „Kocheiner-WickshaiS" zu Westwellenrod, bei einem Juden zu Eckardsborn, bei einem Bauern in Herchenhain, bei einem Juden zu Lichenrod, ber den sog. „5. ann-Görg", welcher damals einen Schimmel mit 2 Krämerkaften führte, häufig bcherb«gte und von seinem Gast selbst im Frühjahr 1809 schwer bestohlen wurde (Kleidungsstücke, Weißzeug üsw. im Werte von ca. 200 Gulden). Auch I. H. Heimbach-Storudorf wurde von seinen unheimlichen „undankbaren Gästen im Sommer 1810 um mehr als 70 Gulden bestohlen.

wnaiete en Steinau. — 8 Einbrüche ta f,we «chetawrd« auS der berüchtigte RLibn Fr. ld^Thonte, «d »war p Hosenfeta ta te gmkapelle $n Joß (Fulda) unb ju Stangenrod, Amt

«chlungenen Glockendiebstahl führten 4 Stäub« (80«. Anschuh ufto) und eine mtt ihnm h^ umziehende »eibsp«son zu Haarbach bei Grünb«g M 3»ta »acht vo« 29. auf ben 30. Dezember 1808 stiegen bie Diebe unter Anführung des sog. Haarbacher-HanneS in den Kirchturm unb ließen mfr tchz Stricken bie mtt einem starken Meißel losge- zwängte Glocke h«ab. Dann schleppt« ste dieselbe ungckähr 50 Schritte wett. Str war ihnen aber zu schw« und so mußten ste ste Hegen taffen. Um ob« nicht ganz le« auSzugeh-n, schlugm ste ben Ring und bie Ohren ab. Die Reparatur kostete 15 Gulden.

AuS diesen Einbrüchen ist zu «schm, daß e» dm Räubern in früh«« Zett nicht so leicht gemacht war Sachen, welche grvßm GeldeSweck hatten leicht unb ohne Mühe beiseite zu schaffen, sehnlich« Ack wie die Gtockendiebstähle warm die tag. Kesseldiebstahle. Dieselben find auß«ordenSich zahlreich; war doch w damalig« Zeit noch fast in jedem Dorfe de» Vogels- b«ges mindestens eine Schnapsbrmnerei und häufig auch eine »raunet. Die Diebe machten bei diesen Diebstählen gewöhnlich ein Loch neben die Ture unb riegelten biefdbe von innen auf. D<Ä kam so häufig vor daß bie Behörde ben Bewohnern empfahl, die Wände inwendig mit Brettern zu vnschalen, mn dm Einbrechern da» Handweck zu «schwnm.

Zurzeit, wo die ganze zivilifinte Welt mit stetig wachsender Aufmerksamkeit die Zukunft der europch ischen Kultursaat, die mit so groß« Hast in dm Schoß des japanischen Volkes gesät worden ist, bet* folgt, darf man wohl fragen, wie sich die Entwick­lung dies« hochinteressanten Natton weiter gestalten wirb. ES ist leicht begreiflich, daß heute ein bestimmt formulierte» und abgeschlossenes Urteil noch nicht ge­fällt W«dm kann und viele Faktoren muffen habet berücksichtigt werden.

Bei ein« Erörterung jener Frage spielt zwnfel- los die körperliche Beschaffenheit de» Japaners eine nicht zu unterschätzmde Rolle. Wenn wir unS auf die Zeugnisse mehrer« namhaft« A«zte stützen dürfen, fo ist die Männerwelt des Mckado- reiches ttotz b« merkwürdigen Neigung zu übermä­ßiger Entwicklung einig« Muskelpartien — d« Wa­ben bei ben Läufern unb d« Arme bei den Lastträgern — vorwiegend von zierlicher Ge- statt Zartheit b« Gelenke an Händen und Füßen sowie die damit zumeist ti«bunbene Kleinheit ber Gliedmaßen sind herrschende Typus; stacke und grobe Personen sind dagegen verhältnismäßig selien. So bleibt beispielsweise bei dm japanischm Soldaten die Brust in Umfang, Wölbung und Muskulatur, ttotz d« Entfaltung durch die körp«lichm Hebungen, fast ausnahmslos hinter den an unseren militärischen Ersatz geftefiten Anforderungen zurück. Das Mittel­maß für die aus «les en en Truppen (Körperhöhe 1,54, Brustumfang 76—80 Zentimeter) steht sogar bettächt- lich unter dem unseren. Eine bemeckmswecke Lei- stungsfähiAett zeigt der Körp« des Japan«s jedoch in allem, was Herz und Lungen in Anspruch nimmt. So werben u. a. Berge mit großer Leichtig­keit erfliegen. Stundenlanges Trabrennen hält jeder­mann in Japan für normal physiologisch und nicht im geringstm ein« besonderen Erklärung bedürftig. Die TätiAeiten, die nach europäischm Begriffen auf eine außerordentliche Zähigkeit ber ganzen Konstitution zurückzuführen find, stehm in einem schwer zu «klä­renden Gegmsatze zu gewissen Mängeln derselbm Konstttution, die jene Aerzte h«vorheben. Alle Lei­stungen d« körp«lichen Lebens ber Japaner soll nämlich ein Mangel an Energie kennzeichnen unb bie Schwächlichkeit soll dem Durchschnitts-

lmrfes h«abgesetzt wirb.

Sehr anschaulich hat dies Professor Wmtermtz durch folgendes Exp«iment bewiesen: Er führte beim Gebrauch eines kalten Fußbades in das Ohr ein Thermometer ein, und dieses zeigte schon nach zehn Mnuten eine Erniedrigung der Temperatm um reich­lich einen halben Grad. Dr. Emmert besttich das Ohr eines Kaninchens, welches ständig in kaltem Waff« stand, mtt Krotonöl, das sonst stcks Entzün­dung des Ohres verhindert, weil die Eckaltung der Blutgefäße in den Füßen eine stacke Abkühlung des getarnten Blutes bewirkte. Dah« ist es gar kein Wund«, daß kalte Füße sehr häufig die dirette Ur­sache von vielen Katarrhen, rheumatischen Serben unb chronischen Erkältungskrankheiten, ja sogar von Ru- ckenmacksschwunb find (Prof. v. Leydai). Man muß also fteta daraus bedacht fein, eine Eckaltung dn Fuße zu v e r h i n d e r n und fich z. B. vor nassen Strümp- m buten. Ab« trotz all« Vorsichtsmaßregeln w«- )tn viele Personen saft beständig von diesem Selben heimgesucht. Welche Mittel können fie nun zur so­fortigen Erwärmung anwenben? -

Das erste unb beste ist, sofort die Strümpfe zu wechseln. Frellich gcht das nut, wenn man sich zu Hause befindet. Wa viel an kalten Füßen leidet, sollte im Wint« stets ein Paar frische warme Strümpfe vorrätig haben, um jedesmal sofort beim Heimkom­men unb vor dem Ausgehen wechseln zu können, auch wenn « augenblickich warme Füße bat „ Denn be­sonders die schweißige Feuchttgkett eines läng«e Zett getragenen Strumpfes erzeugt Kälte. Kann man keine warmen Strümpfe haben, so tun es zur Rot auch ttockme frische. Beamte unb Büroarbeit« mögen bab« ein Paar solch« morgens in b« Ueberzteh«- tasche mitnebmen unb während ihr« Dienststunden in einem Siebenraume gelegentlich anziehen

Dar erfolgreichste Mittel gegen kalte Füße sind heiße Fußbäd«. Man muß dazu neben der Wmme mtt warmem noch etn Gefäß mtt kaltem Wasser haben. Die AnfangStemperatur sei so warm, als man ste eben vertragen kann. Darauf schütte man ungefähr alle fünf Minuten heißeS Waff« nach, damit nicht nut bie Anfangstemperatur «halten bleibt, sondern bas wanne Bad allmählich ein heißes hxrbe. Dies ist für einen wlcksamen Erfolg durchaus notwendig. Während b« ganzen Badcdauet breitet man von ben Knieen bis üb« das Gefäß ein Tuch (Rock, Mantel). Zuletzt taucht man die Füße ganz kurze Zett in das Gefäß mtt kaltem Waff«, bann Wied« zurück in baS erste, und so »ter bi» fünf mal in rasch« Reihenfolge. Das' allein sichert einen wirtlich großartigen Erfolg!

Jed« weiß, daß Bewegung warm macht. Will man bchinunte Glied« beS Körpers erwärmen, so muß man diese tüchtig bewegen. Wer dah« beim stundenlangen Schreiben, Nähen usw. sttll sitzen muß und kalte Füße bekommen hat, stehe gelegentlich mal auf, «hebe sich auf die Zehenspitzen so hoch wie mög-