Einzelbild herunterladen
 

Zeitung

fuldaer

die Reichsfinanzreform verteidigte, mit den Rufen „Quatsch" / „Blödsinn", „Mumpitz *

orqan des Trier-Berliner Eisenbahnerverbandes dn

U n f O) u I Ul Verantwortlich ist ein spanischer Elek­triker Jose Cavaldo gewesen, der spater auf Befehl des spanischen Gouverneurs der Insel Kuba, Blanco, er-

Vnrck und Verlag der Zuldaer ActiendruSeret in Selbe.

schossen wurde.

** Der Moskauer Appellhof sprach am Donnerstag das Urteil gegen 31 Personen, welche wegen Zugehörigkeit zur revolutionären Partei angeklagt waten. Drei wurden zu Zwangsarbeit, zehn zur Verschickung, die Mehr­zahl der übrigen Angeklagten zu Festungshaft

Aus dem Nachbargebiete.

„P" Magdlos, 18. Nov. 1910. Die Ge­meindevertretung hat mit allen gegen 3 L>timmen drn seitherigen Vizebürgermeister zum Bürger­meister gewählt.

U‘ Schweben, 17. Nov. 1910. In der gestrigen Monats-Versammlung des hiesigen Arbeit er- 5 t. Jofephsvereins gedachte der Schriftführer in kurzen Worten des verstorbenen Vereinsprases, des Herrn Pfarrers Müller-Flieden. Es wurde beschlossen, ein Seelenamt für den Dahingeschiedenen hasten zu lassen. Ferner wurde einer Anregung des letzten Delegiertentagcs zu Fulda, in den Ver­einen für angebrachte Unterhaltung, besonders der jüngeren Mitglieder, Sorge zu tragen, Folge ge- geben. Auch wurden sieben neue Mitglieder rn den Verein ausgenommen. _ r

* Aus der Rhön, 18. Nov. 1910. Der Web­stuhl mit dem früher für etwa 2000 Familien das Brot in das Haus geschafft wurde, ist bis aus etliche raritätenmäßige Exemplare verschwunden; das schnurrende und rasselnde Landgewerbe der Handw^ brr ist von der städtischen Textilbranche so ziemlich aufgesaugt worden. Der Flachsbau ist zurückge-

M 2i>a.

Samstag &en \9. November 1<HO-

37. Zahrgang.

seinen Aerger nicht an Angehörigen oder guten Freun, den ausgelassen hat.

Namentlich sollen Eheleute sich hüten, bte schlechte Laune sich gegenseistg kosten zu lassen. Am allerwemg- sten dürfen die Kinder unter den Launen der Eltern leiden. Es ist ja ost genug gesagt worden, daß der Jähzorn in der Kinderstube ebensowenig am Platze ift, als in der Porrellankammer. Doch nicht bloß der auf- stammende Zorn ist auszuschalten, sondern ebenso di« schleichende Verdrießlichkeit. Wenn Vater oder Mut­ter fühlen, daß sie nervös werden, so sollen sie lieber in der Erziehungsarbeit eine volle Pause eintretm lassen Wenn die Kinder mal eine Weile sich fest st überlassen werden, so ist das nicht so schlimm, als wenn durch Heftigkeit und Ungerechtigkeit das Vertrauen er, schüttert, die Widerspenstigkeit eingeleitet wird.

Zu den Vorbeugungsmittelu gegen du schlechte Laune und deren Zubehör gehört einerseits di- Gesundheitspflege und andererseits das gute Gewissen. Der gesunde Körper läßt sich von den Nerven nicht unterkriegen; zu der Gesund­heitspflege rechne ich aber nicht die Quacksalberei oder sonstige Künstelei, sondern einfach einen vernünftigen soliden Lebenswandel. Und was das gute Gewissen angeht, so werden alle Leute, die sich selbst zu be­obachten vermögen, die Wahrheit bestätigen, daß die Mißstimmung um so bitterer und um so dauerhafter ist, je mehr Grund man zu Selbstanklagen hat. Wer sich chrlich sagen kann: „Ich habe baß meinige getan nach bestem Wissen und Können, der kann auch in un­angenehmen Lagen den Kopf hoch halten und im Gott­vertrauen sagen: Auf Regen und Sturm wird jchon wieder Sonnenschein und Ruhe folgen!

Als Heilmittel gegen Verstimmung mochte ich einerseits einen ausgiebigen Schlaf, andererseits eine frische flotte Arbeit empfehlen. Tie Neuzeit wird vielfach dadurch nervös, daß sie nicht mehr richtig ausschläft Eine ordentliche Bettruhe kann bei schlech­ter Laune Wunder wirken. Und dann heißt es, die Gedanken ablenken von dem ärgerlichen Gegen­stand; dazu dient die Arbeit. Durch fleißiges Schaf­fen wird auch das Selbstüewutztsein wieder gehoben, die Lebensfreude neu geweckt.

Wozu haben wir denn die Vemu.nst und die Wil° lenskraft, wenn wir nicht einmal Herr n b e r u n s s e l b st bleiben können? Herr über uns selbst in der überschäumenden guten Laune und auch in der ffsig- i sauren schlechten Laune?

Unpolitische 3eitläuse

(N.) Berlin, 17. November 1910.

(Nachdruck verboten.)

Der November gefällt mir nicht. Noch weniger, nls alle anderen elf Monate. Im Dezember und Ja- nuar ist das Wetter fteilich rauher, aber doch schöner. Der scharfe Frost ist nicht so unangenehm, wie das Frösteln rn Nebel und Matsch. Der Dezember wird durch das Nikolaus- und Weihnachtsfest aufgefrischt; da wird es am warmen Familienofen gemüttich. Jni Januar ist der Körper trainiert für das Winterwetter und die Seele hat bereits Frühlingsahnungen. Sebald die Tagesdauer wieder zunimmt, und irwnn auch nur ura emen Hahne» schritt, so hebt sich die Lebenslust. Im November aber wird sie gedrückt durch die Verkürzung der Tage die Vernebelung der Sonne, die andauernde Durchnässung von Lust und Erde. Ich beobachte die Wäschestücke die in den angrenzenden Hofgarten unter den triefenden Bäumen im hoffnungslosen Nebel da- hängen, mid wenn ich ein Stimmungsdichter wäre, jo würde ich meine Seele mit einem an geklammerten nas­sen Handtuch vergleichen.

Stimmung? Davon wird jetzt jo Mel gesstro- chen ebenso wie von den Nerven. In mein« Ju­gendzeit sprach man von solchen Dmgen gar nicht. Es gab freilich auch damals schon Nerven und Leute, die nervös waren; es gab auch Wellenbewegungen im Gemüte sodaß die Stimmung bald gehoben, bald ge­drückt war. Aber zur Erklärung solcher Erscheinungen brauchte man keinen medizinischen oder poetischen Aus­druck, sondern sprach einfach von Launen, gme oder schlechte. In der einfachen Bezeichnung steckte em tiefer Sinn; denn für seine Laune sollte der Mensch verantwortlich gemacht werden. Der moderne Mensch schiebt die Schuld an seiner Mißstimmung aus die Nerven oder auf das Wetter oder auf die Politik od auf sonstige Einwirkungen von außen, deren armes Opfer er sein will. Uns aber lehrte man damals in der rückständigen Zeit: Ach was, wenn's Dir auch schief geht, so darfst Du doch nicht launisch reden! DaS ir­dische Leben hat nun einmal seine Bitternisse, seine Enttäuschungen, seine dunkle Stunden; da muß der Äensch sich zusammen nehmen und zeigen, daß er sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen läßt ^mmer ruhig Blut! Tu »aß Du kannst und laß den lieben Gott für das übrige sorgen!

Duckmäuser. Gibt die Frau sich Mühe, ihn zu begu- 1 tigen, so verlangt er seine Ruhe, und geht sie ruhig ihres' Weges, so ‘ärgert er sich über die Gefühllosigkeit. Solchen Leuten ist nichts recht zu machen.

Die Mißstimmung gleicht einer Lawine. Läßt man st- sich ungestört entwickeln, so wächst die kleine Ver­drießlichkeit zu einem großen Jammer an und kann wertvolle Schätze an Vertrauen und Liebe zerstören.

Was ist dagegen zu tun? Man muß, wenn die Verdrossenheit an die Herzenstür pocht, seine Vernunft zusammennehmen und sich sagen: Wenn mir unbe­haglich zu Mute ist, so will ich wenigstens mich hüten, auch noch andere Leute zu g uälen. Indem ich die Umgebung ärgere, wird mein Aerger ja doch nicht gebessert, sondern vielmehr noch verschlimmert. Also verkneife ich lieber den Verdruß in mir selbst und (affe es die andern nicht fühlen!

Wer klug und gerecht ist, wird auch leicht erkennen, daß es in der Regel die blanke Ungerechtigkeit ist, wenn man die Schuld an der Mißstimmung der Um­gebung aufhalsen will. Tas Unbehagen kommt oft aus einer körperlichen Schwäche, und dafür können doch die anderen Leute nicht. Ebenso oft rührt es auS Irrtümern und Versehen her, die man selbst ge­macht hat und deshalb auch von Rechtswegen selbst auszuttagen hat. Und hat dieser ober jener dir den Verdruß auf den Hals gebracht, so wirst du bei deinem Zanken und Wüten schwerlich gerade diesen Schuldi­gen treffen, sondern meistens deine Angehörigen oder deme gewöhnliche Umgebung, die an diesem Verbre­chen gegen deme Gemütsruhe nicht beteiligt sind. Also erfordert schon die Gerechtigkeit, daß du deine schlechten Launen nicht an denen ausläßt, die dir ge- rade in die Quere kommen Und die Klugheit gebietet dasselbe; denn durch eine solche Launenhaf- tiakeit legst du keine Ehre ein. sondem leidest Schaden an Achtung, Vertrauen und Zuneigung.

Ja, man kann doch nicht durch einen einfachen Willmsentschluß die schlechte Laune wieder in eine gute nmwandeln? Freilich nicht, aber man kann sich in der schlechten Laune zur Ruhe zwingen, man kann die Zunge und die sonstigen Gliedmaßen im Zaume halten, daß sie feine Torheiten ober Ungerechtigkeiten begehe,». Es kommt j« nur darauf an, Zeit zu gewin- nne. Mit bet Zeit legt sich die Mißstimmung, man be­trachtet bann Die Tinge wieder mit Fassung unb ■ Gleichmut, und bann ist man herzlich froh, wenn man

Abg. Delius wie folgt:

Das neue Kartell, dessen Vorsitzender der Der- bandsvorsitzende des Eisenbahnhandwerker- u -arb-tter. verbandes (Sitz Berlin, früher Trier) ist, steht unab­hängig da, wenngleich bte ganze Richtung nicht nach rechts, sondern nach links gebt."

Abg Delius hätte als Beweis für diese Entwicke- ö e. r. • k ‘ll wirr mm-

Kandidaten wird bte gelegentliche Remunerterung während des Ausbildungsdienstes ganz mifhoren. Auf das Nachdrücklichste muß darauf hingewiesen werden, daß der Philologenberuf für das langbau eaibe Studium und dm Ausbildungsdienst erbe 3 licke pekuniäre Mittel erfordert. Angehende Studierende des höherm Lehramtes müssen bannt rechnen, daß auch n a ch E r r e t ch u n g der Anstel- lungssähigkeit die pekuniären Aufwendungen nicht aUf3mn®egenM zu allen anderen Berufen mit akade­mischer Vorbildung findet die Vereidigung der Phtto- logen erst nach Beendigung ihres zweflahrtgen prak­tischen Ausbildungsdienstes statt. Und doch standen die Kandidaten des höheren Lehramtes beim Begum des praktischen Ausbildungsdienstes warnend der 13 Beobachtungsjahre schon in dmr reffen After von 25,9, 26,1, 26,3, 26,2, 26,3, 26,4, 26 5, 26,4, 26A 265 25 9 26,2. Es ist ein offenes Geheim- nis 'daß'den Kandidaten des höherm Lehramtes aus der' Nichtvereidigung des öfteren unnötige drsziplmare Schwierigkeiten entstehen.

verherrlicht wurde, und daß ineiner.Versammlung.des Kartells in Straßburg bet sozialdemokratische Abg. Bohle in bet Diskussion ungehindert eine Agiüttion-- rede halten durfte Alles in allem: Berliner

Staaftarbeiterkartell führt politisch die L>taat-mbeiter nach links" und besorgt nach der rem gewerkfchaft-

| lichen Seite hin die schnelle und sichere Radikaftnerung der Staatsarbeiter. Alle Freunde der chriftli^natio- naten Arbeiterbewegung dürften aus diesen Darleg- ungm für ihre Stellungnahme in Zukunft die richtigen Schlüsse ziehen.

Hus KW und Schule.

> Wnrzbmg, 18. «°° 1910. ?>« d-- des Sttaßburger Professors Dr. Faulhaber der der Würzburger Diözese entstammt und von 1899 vis 1903 dem Lehrkörper der Universität Wurzburg ang^ hörte zum Bischof von Speyer schreibt das „Fränks Volksblatt": Mit herzlicher Freude wird wohl der gesamte Klerus unserer Diözese die,e.Nach­richt vernehmen und nicht minder herzlich der ^rozese Speyer zum neuen Oberbirten Mück wünschen. Wo so wissenschaftliche Tüchttgkeit und Tätigkeit, lautnster priesterlicher Charakter, stete ^uhlung; mtbet Ceet- sorgearbeit in den Rötm unserer Zeit, Adel der Ge­sinnung und der äußeren Erscheinung sich paaren da kann man die Wahl eine durchaus glückliche nennen Faulhaber war ein akademifcher Lehrer von Gottes Gnadm, mit einer besonderen Gabe, fcme £>orer zu usseln unb in die Tiefen des Wortes Grt es emzu- sühren. Bei all seiner strengen wissenschaftlichen Ar- ieit blieb er aber immerbar dem Leben unb der Ar­beit im Leben nahe. Auf der Kanzel im Sttaßburger Münster war er ein gerne und fleißig gehörter flre- uger. Unermüdlich folgte er den Rufen, die an ihn zu wissenschaftlichen Borttögen, Konferenzreben Exer- itien ergingen. Auch bei ben deutschen Katholiken- tagen glänzte sein Name wiederholt unter den Red- nem. Ein Hauptaugenmerk wandte er der Sache der katholischen Lehrerinnen und des katholischen Frauen­bundes zu. Wenn seine Freunde etwas an ihm zu tadeln hätten, so war es der Umstand, daß er feine Kräfte zu wenig schonte und daß er besonders seine Ferien regelmäßig fast ganz für die Ansprüche, die man ihm stellte, einsetzte.

Kartell angeschlossenen Verbände jetzt auch so ehrlich I Explosion auf der Maine" und damit den Untergang nnv laden in Zukunft nicht mehr Zentrumsabgeord- des Schiffes veranlaßt haben. Die spanifche daß auch der fteisinnige Abg. Delius in der „Saale- unschuldig. - zeitung" vom 12. d. M dem Berliner Staatsarbeiter- Kr*

kartell hohes Lob spendet. Er schreibt u. a.:

„Die Gründung des Kartells geschah zur rechten Kett. Auch die unter Aegide des Zentrums segelnden christlichen Arbeiterverbände batten versucht, unter den Staatsarbettern Einfluß zu gewinnen."

Also aus parteipolitischm Gründen wurde die Gründung des Berliner Staatsarbeiterkartells voll­zogen. Uebrigens sind die christtichen Gewerkschaften und die bieten angegliederten christlich-nationalen Staatsarbeiterverbände keine FUialen der Zentrilms- nartei, sondern sie meinen es zweifelsohne ehrlicher I mit ihrer politischen Neutralität als das unter lmks- liberaler Leitung stehende Berliner Staats arbeitenar= tell. lieber die „Richtung" des letzteren äußerte sich

**9e* Eine sonderbare politische Neutralität, so wird der „Köln. Volksztg." geschffeben, wird m dem neuge­gründeten Berliner Staatsarbeiterkar tell, welchem der Trier-Berliner Ei,enbahnerver- band, der Post- und Telegraphenarbeiterbund Berlin) und der Militärarbeiterverüand (Sitz Mün­chen) angehören, geübt In einer am vergangenen Sonntag in Elberfeld abgehaltenen Versammlung von Telegraphenarbeitern und Eisenbahnern eillarte bet Zweite Vorsitzende des Kartells, Vallenthm: -Wir! haben als Staatsarbeiter von den Konservativen und dem Zenttum nichts zu erwarten, deshalb stutzen w i r 8 auf Abgeordnete der national- liberalen undfreisinnigen art eien. Abgesehen davon, daß dieses Verhalten der politischen Neutralität die man von Staatsarbeiterorganffatlonen -u verlangen berechtigt ist, direkt widerspricht, bar, | wohl darauf hingewiesen werben, basi es in erster Lime Abgeordnete der Rechten im Reichstage waren, bte sich der Wünsche der Post- und Telegraphenarbeiter an- ecnommen haben. Im Landtage aber standen seit Jahr und Tag Zentrumsabgeordnete an erster Stelle, wenn es galt, die Interessen der Eisenbahnhandwerker und -Arbeiter zu betreten. Ebenso traten mich Kon­servative u. a. der Abg. Meyer (Tilsit) aufs wärmste für die Eisenbahner ein. Es schadet im übrigen nichts, wenn die schon längst bekannte Neigung des Berliner Stacksarbeiterkartells nach links von einem seiner Führer, der selbst Mitglied der Demokratischen Ver­einigung ist, offen zugegeben wird. Hoffentlich sind die Kartelleitung und die Leitungen der einzelnen dem

Ja, kann man denn seine Stimmung beherr­schen? Die Antwort daraus läßt sich in die Worte fassen, die dec alte Schulmeister fortwährend an seine Klasse richtete: Einige können's, andere lernen es nie! Wohl dem, dec es kann, und wehe dem, der es nicht ernstlich zu lernen versucht. Denn toer sich zum Spiel­ball seiner jeweiligen Mißstimmung macht, dec ist ein Quälgeist für sich selbst und für feine Umgebung.

Da ist z. B. eine fleißige Hausmutter, die es gut meint und ihre Angehörigen in der Regel recht sanft ober sogar zärtlich behandelt. Aber nun fällt sie ein­mal ein körperliches Unbehagen an, oder es hat sie ein Aerger betroffen, in den sie sich verbeißt. Sie wird verdrießlich, empfindlich, reizbar. Wenn die Kinder irgend eiste kindliche Dummheit machen, die sie sonst mit milder Nachsicht betrachtet hat, so ist das jetzt ein schrecklicher Frevel, eine heillose Pflichtvergessenheit, eine Bosheit, die einen zum Verzweifeln bringen kann. Es gibt Scheltworte von ungewohnter Schöffe oder gar Schläge, deren Berechtigung die Kinder nicht recht begreifen können. Und dann werden auch die altbe­kannten Schwächen des Mannes neu entbeeft unb unter das Vergrößerungsglas gesetzt. Der Mann ist schuld an den Unarten der Kinder, weil er nicht genugsam sich der Erziehung der Kinder widmet. Der Mann ist schuld an dem Aerger, den die Frau betroffen hat, weil er rechtzeitig und vorsorglich überall nach dem Rechten sieht. Der Mann hat keine Liebe und überhaupt kein Herz, weil er vergnügt nach Hause kommt, wahrend seine' Frau vor Kops- und Herzschmcrzrn stöhnt. In­dem die vefftimmie Frau das Verhalten der Angehöri­gen sich auf das Schwärzeste ausmalt, steigert sie ihre eigene Verdrießlichkeit bis auf den Siedepunkt und kommt sich schließlich ganz verlassen und verloren vor.!

Dem stark en Geschlecht" Saufen auch solche Schwachheiten unter. Der Mann hat einen Fehlschlag im Geschäft gehabt ober eine Kränkung vom Vorge­setzten ober Bekannten einzustecken gehabt. Tas wurmt chn und zur Steigerung des Unbehagens kommt noch das nagende Gefühl, daß er selbst an der ärgerlichen Geschichte nicht ganz unschuldig ist. Am Ende ist er gar so töricht gewesen, sich zum Tröste ein Gläschen mehr als sonst zu gönnen. Nun gärt es in feinem In­nern und die elektrische Spannung sucht einen Baum, in ben sie einschlsgen kann. Das Essen schmeckt ihm nicht unb darum erklärt er es für mangelhaft. Wenn die Kinder lustig sind, so schift er sie vorlaut, unb wenn sie den Kopf hängM lassen, so ereifert et sich Über die

Schulwesen 1916) fast ohne Echo verhallt:

Soll dieser nicht mehr zu vermeidende Uebeiflust (an anstellungsMigen Kandidaten) nicht wieder einen solchen unheilvollen Umfang annehmen wie m den achtziger und neunziger Jahren, dann muß die Zahl der Reiieprüüiuge, welche sich dem höheren Lehramie wid­men wollen, ganz erheblich gegen die letzten Jahre mrückgehkn. Wer nicht besondere Vorliebe und be- loudere Begabung zu diesem Studium zeigt, sollte von den Direltoren und Oberlehrern unbedingt aus- gefordert werden, sich einen anderen Beruf zu er« | wählen 1"

I 13 Beobacktunz-siahre haben gezeigt, daß der Durchschnitt der erstmals sestangestellten Oberlehrer mehr als das d o p P e l t e des verlangten dreijährigen Studiums von der Reifeprüfung bis zur 1 Lchramis- vffisung gebrauchte. Das auffallende Lchwmuen der auf die Erwerbung der Anstellungsfähiakeit folgenden Wartezeit lehrt, daß der Glaube an die dauernde Ifrüheste A n st e l l u n g unb die dauernde b a l- bige besoldete Beschäftigung der Philologen f a l sch ist. Unverkennbar fft das Fallen und steigen der Zahl des verfügbaren Nachwuchses an Seminarmit­gliedern, Probanden unb anstellungsfähigen Kandi­daten die Hauptursache des Fallens und Steigens der Wartezeit bis zur festen Anstellung. Bei der zu er= wallenden großen Zunahme der anstcllungSfahigen

Deutsches Reich.

•* Der ReichstagsprSsident Graf v. Schwerin- Löwitz soll in einer Rede m Anklam die National- liberalen schwer gekränkt haben, und darüber! führte nun die nationalliberale Presse bittere Be- chwerde. Graf v. Schwerin-Löwitz sprach

von Entartung des gesamten Liberalis- namentlich aber der nattonalltberalen Partei, ihre alten ftrenq nationalen Traditionen vergessen iäXÄiÄÄ»®' ■ffiÄ wsssr «Tw Lbe man sich nicht gescheut, aus Aerger darüber, daß die Finanzresvrm, reine Finanzgesetze ohne-Aundfatzlich KjSS&’SS«* Bestrebungen Vorschub zu leisten. Das fei nicht mehr

Die „Natlib. Korrefp." weist diese Anklagen als anbc gründ et zurück und erklärt die „Entgleisung^ des Redners für einen „Mißbrauch öes Vertrauens . Nun, die Nationalliberalen sind wirklich „,s ' sich über die Rede zu beschweren. Mögen ~y------------ .

«e sich doch einmal erinnern, was ihre eigenen I tung anführen können, daß in der letzten Veriamm- Revner alles gegen die Konservativen ge,agt haben. I [ung beg Kartells in Berlin em Diskujfionsrebner, ver Graf Schwerin Löwitz soll, scheint es, zum Schwei- Reichsfinanzreform verteidigte mit den Ruf „en verurteilt sein, iveil er Rffchstagsprasident ist „Quatsch", „Blödsinn", „Mumpitz - „Raus einfach Aber hat etwa Herr Paasche geschwiegen, so lange niebeiget)rünt wurde; serner daß j. 3. im ■3erb5m^ Ü Vizepräsident war? organ des Trier-Berliner Eifmbahnerv-ickmides d«

\ ( Das Reicksbeamtengesetr ist bekanntlich von der Monist enbund als em Kulturfaktor der-utuisi Regienmg^fertiggestfflt und wird dem Reichstage in unb dost in einer Veriammlung des

seiner nächsten Tagung zugehen. Diese Nachricht die wir vor Tagen unseren Lesern mitgeteilt haben, ist in ttnem Teile der Presse bezweiftlt worden. Demgegen­über erfährt die „Tägl. Rundschau" bestimmff dab die Vorlage, die vom gegenwärtigen Reichstag wiederholt gewünscht ist, auch in der näMen Tagung einge­bracht und verabschiedet wird. Der Enttvurf ist von allen Reichsressorts gemeinsam durchberaten und aus­gestellt und zwar unter Beteiligung der preußischen Reaierung In der Novelle handelt es sich nur um iic9 Einsührnng des Wiederaufnahmeverfahrens im Disziplinarverfahren für Reichsbeamte Diese Rege- kung soll im Sinne der Strasprozeßordnung effolgen, und da diese gerade gegenwärtig einer Neuregelung durch ein dem Reichstag vorliegenves besetz unter­liegff so müßte im Falle der Annahme dieses Gesetzes die Novelle zum Reichsbeamtengffetz auch die Ab­änderungen im Wiederaufnahmeverfahren berucksich-

verurteilt.

** Der „Cvwboykrieg" gegen Mexiko. Die Nach­richten von der mexikanifchen Grenze flößen in New- york Beimruhigiing ein. Zweitausend bewaffnete Cow­boys haben sich danach zusammengerottet, um einen et­waigen Angriff des merikanischen Mobs zuruckzuwel- sen 'der gegen die Stadt Rocksprings im Anmarsch fft. Bisher ist noch keine Meldung über Zusammenstöße eingetroffen, gleichwohl ist das Staatsdepartement aus den Ausbruch der Feiudseligkeitm zwischen dm erbit- I leiten Vollsmassen gefaßt. __

= Drohende Nebersüllnng im Phirologen-Berni»

fln diesem Thema, das wir bereits in Nr. 230 kurz erörtert haben, gehen uns noch die folgenden

Ausführungen zu:

Ueberrafchend für die Fernerstehenden kommt die Mitteilung, daß ttotz der durch den Etat für 1910 geschaffenen 11 neuen Semmaraiistalten, von denen 5 für den Herbst aufgespart worden sind, trt da,l wfft- lichen Provinzen Rheinland, Westfalen, Hessen-Nas­sau und Hannover eine größere Anzahl von Kandi-1 baten des höheren Lehramtes wegen Ueberfullung der Herbstseminarien iioch n i ch t z u m E in. t r i t t i ben zweijährigen praktischen Ausbildungsdient u- gelassen werden konnten. Der soeben erscheinende 17 Jahrgang von Kunze's Kalender für das höhere । Schulwesen zeigt, daß am 1. Mai 1910 auf 8 <14 Professoren und Oberlehrer an 72o Anstalten 1014 I Anwärter im ersten Ausbildungsiahre und 799 im ' Der Rücktritt des österreichischen Kricgsminffte^ OÄehre^an 541 ?nst°llttu 144

v. Schönaich steht bevor. Die Frage de- Emgegen- Idmsiiarmitglieder (Kandidaten im 1. Ausbildungs­kommens gegen die Ungarn mbezng auf die Zwcn unb (39 Vrobanden (im 2. Ausbildungsiahre). sprachigkeit der Armeeverordnungen ist w em aknt e ^h )^ ^.^Emliche Wachsen, der Anziehungskraft Stadium getreten, v. Schönaich, der auf cinnn n Phsiyloaenberufes auf die Abituienten findet seine Vieser Angelegenheit für die Magyaren: gnuft am -Aung^darin, daß von den 53993 Studierenden

Standpuntt steht, fall abgesagt werden. Dieser 1 Sommersemesters 1910 an ben deutschen Naiver-

Kriegsminister v. Schönaich zu hatten. ES 'n der ernste Wille des Erzherzog-Thronfolger-, daß da deutsche Armee, und Siommanboipradje für da- ge- famte Heer der Monarchie erhallen oleibe.

** Die Sprachenausgleichsverhanvlnngen zwnchm Deutschen und Tschechen sind im böhmischen ~mi - tage zwar noch nicht endgiltig gescheiteff, aber ieden- I falls dem Scheitern so nahe, daß man sie, wie am Donnerstag in später Abendsttmbe vereinbart wurde, zunächst abbrechen und erst nach einer Pause fortfetzen will. Graf Clam-Mertinitz hat dem Obefftlandmar- schall mitgetellt, daß die national-politische Kommis­sion keinen Gmnd mehr habe, weiter zu tagen Am Mittwoch wurde noch bis in die späten Nachtstunden hinein konferiert und am Donnerstag srüh wieder von I neuem begonnen. Es erwies sich jedoch alle Muhe als v e r g e b l i ch, da die Radikalen auf beiden Sei­ten namentlich aber auf tschechischer Seite, in ihrer | Unnachgiebigkeit verharrten.

** Für seinen Krieg gegen Spanien im ^ahre 1898 hatte Amerika keinen triftigen Grund. Das ist jetzt erst klipp und klar festgestellt, nachdem die Unter­suchungen über die Ursachen des Unterganges des amerikanischen Kriegsschisses „M a i n e ab­geschlossen sind. Bekanntlich sollte nach der Angabe amerikanischer Blätter die spanische Regierung die