Einzelbild herunterladen
 

? Zeitung

uldaer

37. Jahrqang

Fulda, Donnerstag oen 17. November 1010

Erstes Blatt

lenge

Anzct-««: vte ttth spMge Petitzeile oder deren Bau« 15 pfg. Reklamen diepetitzeilt pfg., bei wieder- yo!««gen wird entspr.

Rabatt gewährt.

Rotatiansdruckund Verlag der Fuldaer Ak- lieudruckerei in Knlda gernsprecher Ur. 9.

tri W mit

rluttttchme der $rj*= nab Feiertage Sirrtel- lAfflichttVerugrPret, «hne Sringerlotza «ab »chetseidinFuldUf»- »ie amwärt; L50 St.

vrrantt». Keöoheitti «ttf

über Mang el an Furcht, sondern eher über ein Uebermaß an Furcht vor Deutschland auf der englischen Sette zu Nagen gehabt. Je weniger die Engländer wegen der „Jnvasionsgefahr“ sich aufregen, Um ghm^Nben wir in Deutschland wirkliche Spione, aus England abzuutteNen, die in Borkum abgefaßt sind. Die alldeutschen Eiferer haben sich schon aufgeregt wegen der Nachricht, daß die englische Regierung beantragt habe, ihren Ver­treter bei den bevorstehenden Verhandlungen in Leip­zig zuzulaffen. Auf diese Weise, sagt man, könnte die englische Regierung das ausspionierte Material über unsere Küstenbefestigung und die sonstigen Marme- verhältniffe, das in den Papieren der Spione be­schlagnahmt toorben ist, sich zu Gemüte führen. In diesem Warnungsruf kommt .mch etwas von dem „Spionenfieber“ zum Vorschein, das wir den Fran- zosen und Engländern oft zum Vorwurf gemacht ha­ben. Wtt setzen voraus, daß unsere Regierung schon dafür sorgen wird, daß bei dem Prozeß Dinge, die noch wirklich geheim find und geheim bleiben müssen, nicht zur Kenntnis von amtlichen oder geheimen Ge­hilfen einer fremden Regierung gelangen. Innerhalb dieses Rahmens aber braucht man der internationalen Höflichkeit keine angstvollen Schranken zu ziehen. Wie wett die OeffenÜichkeit zuläflig sein wird bei jenen Verhandlungen, kann nur derjenige beurteilen, der das beschlagnahmte Material kennt und zugleich deffen Wert für die Sicherheit Deutschlands zu würdigen ver­mag. Im allgemeinen ist es gewiß gut, wenn das Publikum sich vor der Ueberschätzung des einen oder andern .Erfolges" eines Spions hütet. Erstens ist längst nicht alles mehr geheim, was als solches gilt, und zweitens gibt es eine Menge von kleinen Geheim­nissen, wie z. B. die Lage dieses oder jenes Küsten­werks die zwar nach Möglichkeit gewahrt werden sol­len, aber im Falle ihrer „Enthüllung" doch nur mit sehr geringem Gewicht in die Wagschale der Kraftprobe fallen würden. Immer ruhig Blut, — wenn auch mal der eine oder andere von den unver­meidlichen Spähern abgefaßt wird! -

In England ist augenblicklich eine gewisse Beruhigung in der Stimmung gegen Deutsch­land eingetreten. Hoffen wir, daß die Abnahme der Fiebertemperatur andauert und nicht etwa bei dem be­vorstehenden innerpolitischen Kampf im Ver­einigten Königreich der deutschfeindliche Chauvinis­mus von der einen oder anderen Partei wieder als Hilfsmittel zum Stimmenfang verwendet wird. In Deutschland wollen wir auch weiterhin auf solche Ab- leitimgen innerer Schwierigkeiten auf die auswärtig« Politik gern verzichten._______________________________

♦ Bom neuen Wahlkamps in England. In den polstischen Kreisen ist die Spannung aufs höchste gestiegen. Dem .Daily Chronicle' wird von auto- rativer Seite mitgeteilt, daß die Regierung die sofortige Auflösung des Parlamentes und sogleich darauf vorzunchmende Neuwahlen beschloss.n hat. Die Auflö,ung soll noch im Lause dieser Woche stattfinden. Die Wiedereröffnung des Parlaments am Dienstag hatte deshalb nur die L edeutung einer Formalität. Ernste Angelegen­heiten wurden nicht verhandelt. Das Unterhaus vertagte sich auf Wunsch der Regierung bis Freitag. Es gehen Gerüchte von einer Kabi­ne t t s k r i s i s. Aus Aeußerungen Asquith' und Winston Churchills geht hervor, daß die Re- gierung gewillt ist, die Krisis zu beschleunigen und zu einem endgültigen Abschluß zu bringen. Falls am Montag, den 28. November, der König das Wahldekret unterzeichnet und am 29. die Wahl­ausschreibung erfolgt, können bereits Freitag, den 2. Dezember, in einigen grö et n Städten die LLahlen stattfinden. Am Tage darauf, dem 3. De- zewber, würde dann in über 100 Wahlkreisen schon die Entscheidung fallen. Vor seiner Auflösung wird sich das Unterhaus noch mit zwei wichtigen Anträgen zu befaffen haben, die beide von radikal-liberaler Seile ausgehen. Die Verhandlungen der Veto- Konferenz sollen trotz des gegenteiligen Beschlusses ihrer acht Mitglieder veröffentlicht werden, und die im letzten Monat ausgestellten Wahllisten sollen bereits für Dezember, nicht erst für Januar d e behördliche Genehmigung erhalten»

♦ Die Wahlen i« Griechenland. Nach dein bis- herigen Verlauf der Wahlkampagne erscheint es als sicher, daß Ven iselos und seine Anhänger bei den nächsten Wahlen einen vollen Erfolg haben werden.

♦♦ Die türkische Thronrche, mit deren Verlesung am 14. Rov. die Parlamentssession eröffnet wurde, spricht die Befriedigung des Sultans darüber aus, daß die Verfaffung immer tiefer in der öffentlichen Meinung Wurzel faffe Die auswärtige Politik, die darin bestehe, den Frieden ehrlich imd würdig zu wahren und die Rechte der anderen nicht anzutasteu, sowie die legitimen Rechte ber Türkei zu wahren, werde mit größter Sorgfalt verfolgt werden.

♦ Die Lage in Persien. Nach in Kon?iannnopel eingelaufenen Meldungen ist die Lage an der türkisch-persischen Grenze gefahrdrohend. Di« Angriffe persischer Stämme auf die türkischen Truppen mehren sich in bedrohlicher Weise. Der türkische Konsul in Urmia soll sich in Lebensgefahr befinden. Die Revolutionäre haben sich mit den gemeinsten Verbrechern verbündet. Das Elend und der Geldmangel sind aufs höchste gestiegen.

♦ Der Einfluß der Reger 'n Serbamerita wächst. Präsident Taft hat den Reger William Lewis zum ersten Assistenten des Generalstaatsanwaltes der Vereinigten Staaten ernannt. Es ist das erste­mal in der Geschichte der Bereinigten Staaten, daß ein Neger eine so hohe Würde erlangt.

X Leutnant Helm «ud die Engländer.

Der vielgenannte »deutsch« Spion", der am Schüt- zm-bande einer englischen Dckila sich in Portsmouth festhalirn ließ und zum Zeitvertreib Festungswerke a. D., die auf käuflichen Anstchtspostkartm vortrefflich ab. gebildet sind, nach der Natur skizzierte, ist mm endlich aus der Hast entlassen worden. Es war beim besten Willen nicht möglich, den grünen Jüngling mit dem flamwenden Herzen und dem rastlosen Bleistist al» Spion abznurteflen; man ließ ilm lausen, nachdem er fein „Bedauern" ausgesprochen hatte, durch Abzeich­nen der allbekannten ruinvihasten Wälle die „Gesetze des gafifteundlichen Landes" verletzt zu haben, und obendrein geschworen hatte, solche Dummheiten nicht wieder zu machen.

Wenn nun Leutnant Helm heimkchrt, wird chn die Militärbehörde noch beim Ohr neunten. Einige alldeutsche Blätter ziehen nun heftig gegen oen Turteltäuberich von Portsmouth zu Felde und verlangen ein drakonisches Erempel, weil Leutnant Heim durch sein unreifes Auftreten in ®nglanb bie deutsche Armee und das ganze Vaterland schrecklich blamiert habe. Wir haben gewiß nichts dagegen, wenn die Vorgesetzten und die Kameraden des jmigen Mannes wegen der Verstöße gegen die Sittlichkeit, den Anstand und die elementarste Lebensklugheit eine gehörige Ahndung eintreten lassen. Aber wir möchten doch warnen vor Öen Uebertreibmigen, als ob^ber bummelnde Jüngling die politischen Jntereffen Deutschlands heillos geschädigt hab«. Wenn die Eng­länder und andere Ausländer über dieses Prachtexem­plar eines deutschen Spions lachen, so hat diese Heitertest auch eine gereifte erleichternde und erlösende Kraft. Alle bisherigen Ableugnungen der vielbe- schrieenen deutschen Spionage haben gewiß nicht so aufklarend gewirkt, wie diese erste rich­terliche Aufklärung eines sensationellen „Falles". Der einfachste Menschenverstand sagt den Engländern: Wenn die Späher, mit denen nach An­gabe unserer Hetzpresse Deutschland uns übersäet, nicht gefährlicher sind, als dieser Helm, der sogar ak­tiver Offizier fft, so können wir ruhig schlafenl — Im letzten Grunde wird der Fall Häm beruhi­gend wirken. Dabei mag freilich der Respckt vor den deutschen Leutnants wohl etwas Schaden leiden. Aber das ist uister den obwaltenden Verhältnissen nicht so schlimm; denn wir haben neuerdings nicht

besuch.

* 10. ungarischer Katholikentag. Am Montag nachmittag fand eine Frstverfammlung des katho- _ . - - .VI «Ma« V. - O F.1 1 4. IPQJ

wocheEage: „Illustrierte Zonntagrzeitmig"

21us Kirche unö Schule.

♦ Rom, 15. Nov. 1910. Die gestrige Abschieds­audienz des Herm Kardinals Fischer fand nach der „Köln. Vztg.“ im Studierzimmer des Pap­kes statt und dauerte über eine Stunde. Beim Ab­schied umarmte der Papst Kardinal Fischer liebevollst, drückte mit beiden Händen seine Rechte und wünschte ihm und seinen Begleitern glückliche Fahrt. Darauf fand der Abschiedsbesuch des Herrn Kardinals Fischer bei dem Herm Kardinalstaatssekretär statt.

♦ Rom, 15. Nov. 1910. Der Papst empfing heute m Audienz den Abgeordneten Dr. Spahn, sowie Dr.Pieper, der Generaldirektor des Volks­vereins.

♦* Nicht gegen, sondern mit Italien Bei der An­nahme des Budgets des Ministeriums des Aeußetn und des gemeinsamen Finanzministeriums durch die Ungarische Delegation hielt Sektionsches Esterhazy «in« bemerkenswerte Rede Wer die Empfindlich­keit womit in Italien die Rüstungen Oesterreich-Ungarns verfolgt wurden. Er sagte, eS sei zu bedauern, daß das, was al» Berteidi- gung des GeblM der Monarchie an der Grenz« vor­genommen würde, in Italien oft als ein gegen Ita­lien gerichteter Schritt htngestellt werde. Um wievick klüger wäre e8 und dem mit Italien bestehenden Bündnis entsprechender, wenn sowohl tn Oesterreich- Ungarn wie in Italien die zur Kräftigung de» Land- heereS und ber Marine beiderseits fortgesetzte Arbeit von dem Gesichtspunkt beurteilt Würde, wie gut es wäre, wenn beide Mächte stark wärm auf dem mittelländischen Meere, so daß, wenn ttgend ein Drit­ter eS wagen sollte, dort einzudringen, sie ihn mtt Mutigem Haupte zurückschlagen könnten.

* Die französische Marine-Lommrs ft en der Kammer hat mit alle« gegen zwei Stimmen daS Flotten.Programm der Regierung angenom­men. Danach wird die Schlachtflotte au» 28 Panzer­schiffen bestehen.

monatsbäiage: „$ulbaer GrschichtrblAt«"

Ausland.

♦ Beim Kaiser Franz Joseph fand gestern in der Wiener Hofburg Tafel statt, an der der König von Sachsen mit Gefolge unddieHof- gesellschast teilnahm. Der König war kurz nach 7 Uhr ein getroffen und wurde bald danach im Augarten-Palais vom Kaiser von Oesterreich be- sucht Im Laufe des Vormittags machte der König dem Kaiser in der Hofburg einen Gegen-

Deutscher Reich.

♦* Berlin, 16. Rov. 1910. Das Kgl. Staats- Ministerium trat am Dienstag zu einer Sitzung zusammm. — Die „Köln. Ztg." erklärt, anscheinend offiziös, daß dem Kaiser der Gedanke, das Ge­schenk einer neuen Jacht anzunehmen, abso­lut fernliege . Weder eine amtliche noch eine höfische Stelle habe mi tdem Gedanken einzelner Danziger Herren etwas zu tun gehabt.

♦ Ei« Bund für Höflichkeit ist in Berlin ge­gründet worden. Man will, wie der „Tag" mitteilt, die Höflichkeit, die „®entilegyt', zum Allgemeinprin­zip, zum ehernen Gebot «heben, dem sich all« Schich­ten' ber Bevölkerung gleichmäßig unterzuordnen haben. „Sei höflich", heißt die Parole des neuen Bundes — „auch gegen den Unhöflichen!" Dieser Bund ist allerdings nicht deutsches Etgengrwächs, seine Wiege steht im klaffifcheu Lande der „Gentilezza", in Ita­lien, wo die Liga „Pro gentilezza“ Taufende von Anhängern zählt. Doch eine rührig« deuffch«, in Rom lebende Dame, Fräulein Eäctlie Meyer, hat ein Reis dief« Liga nach Deuffchland gebracht und hofft, daß es nun Mch hi« üppig sprossen wird. D« Bund v«- teöt zunächst Abzeichen mit der Aufschrift „Pro gen­tilezza“ an seine Mitglieder. Freilich w«den g«ade

*• Eine bedeutsame Kaiserrede.

Die Rede, die der Kaiser an der Klosterpforte in Beuron nach der Begrüßung durch den Erzadt Ildefons Schober hielt, hat folgenden Wortlaut:

Verehrter H«r Erzabt! Ich spreche Ihnen meinen herzlichen Dank aus für di« freundlichen Worte, mit den«i Sie mich empfange» haben, und freue mich über tte Gelegenheit, bet Kongregation einmal «inen Besuch nach« und Ihn«« mein aufrichtiges Wohlwollen aus­sprechen zu können. Von Anfang meiner Regierung an war es mir eine besondere Freude, die Benediktiner in ihren Bestrebungen zu unterstützen, da ich beobachtet habe, daß sie überall, reo sie gereirtt, nicht nur dte Religion aufrecht zu erhalten und zu stärken beftrebt waren, sondern auch als Kulturträger auf dem Gebiete des Kirchengesangs, von Kunst und Wissenschaft uud in anderem sich hervorgetan haben — eine nicht zu unterschätzende Arbeit! Was ich von Ihnen erwarte, ist, daß Sie in den Bahnen Ihrer Vorfahren Weiterarbeiten, und mich unter­stützen in meinen Bestrebungen, dem Volke die Religion zu erhalten. Dies ist umso wtch- tig«, als das 2 0. Jahrhundert Gedanken aus- gelöst hat.derenBekämpfung nur mit Hilf« der Religio« und mit Unterstützung des Himmels siegreich durchgeführt werden kann. Das ist meine feste Ueberzeugung. Die Krone, die ich trage, kann hier nur dann einen Erfolg verbürgen, wenn sie sich gründet auf das Wort und die Persönlichkeit des Herrn. Als Sym­bol dafür habe ich das Kreuz in diese Kirche gestrftet, um damtt, rote ich es in meinem Handschreiben gesagt, zu beweisen, daß die Regierungen der christl. Fürste« nur im Sinne des Herrn geführt werde« können, und daß sie helfe« sollen, den religiösen Sinn, der den Germanen an- geboren ist, zu stärken und die Ehrfurcht vor Altar und Thron zu vermehren. Beide gehören zu­sammen und dürfen nicht getrennt roetben. Darum fördere ich von ganzem Herzen die Bestrebungen! die Sie verfolgen. Wie bisher werde ich Ihnen auch 'n Zukunft meine Huld und meinen Schutz bewahren i

Die Rede tut einen Umblick auf die ßeitftiömunflen im 20. Jahrhundert. Was fie ausspricht, ist ein Gedanke, der den Kaiser zur Zeit offenbar, sehr be- schästigt. Es war die Königsberg« Red«, m welch« er sagte, daß « sich von Lagesmeinungen nicht be­einflussen lafte. Hier fordert er Bekämpfung von Tagesmeimmgen, von Gedanken, die das zwcmztgste Jahrhundert ausgelöst hat. Welches dte Gedanken sind, bte bekämpft werden sollen, fagt der Kaiser nicht ausdrücklich. Es liegt jedoch auf ber Hand, daß « damit daraus Hinweisen wollt«, wie m letzt« Zeit da und dort die glommt der Revolution hoch em­por geschlagen Hots, es liegt auch nahe, an gewisse Er- scheimmgen des Geisteslebens zu denken, an die Um­wertung all« Begriffe, an den schrankenlosen Sub­jektivismus, an die Leugnung alles Göttlichen und Uebernatürlichert. Der Schluß der Rede ist das denk­bar stärkste Bekenntnis zu dem Gmndsatz, daß Staat und Kirche zufammenatbeiten sollen und eine Tren­nung ber beiden vom liebel wäre. Sich« wird diese Kvndgcbtmg des Kais«s wieder zu vielen Kommen­taren Anlaß geben. Mensche«, die glauben an der Spitze des wahren Fortschritts zu stehe«, wird sie nicht gefallen, und sellsst Anlaß zu Spott und Hohn geben. Wer ab« gläubig denkt, der ist dem Kais« dankbar für sckn gläubiges chrfftüches Bekenntnis.

diefe d« Abzeichen wenig« bedürfen als die Richt- anhäng« des Bundes. — Warum wir diese neue Ber- einSgrünbung besonders erwähnen? Weil ste zeigt, wie man heute sucht und strebt nach Mich« Bertie-, fung, wie man ab« in merkwürdig« Verkennung d« tiefsten Grundlage all« Kultur im Aeußerliche« stecken bleibt. Mtt b« „Gentilezza“ wird man wed« tn

Lokales.

Fulda, den 17. November 1910.

(*) Mietskntschäbigmtgslartf für Lehrer. Der Provinzialrat der Provinz Heffen-Naffau hat in seiner Sitzung vom 12. November, wie eine Sonder- auSgabe des Amtsblattes der Kgl. Regierung zu Kaffel mitteilt, den Mietsentschädigungstarif gemäß §§ 17 und 18 be» Volksschullehrer-Besoldungs­gesetzes festgesetzt und in den Kreisen Fulda, Hün­feld, Gersfeld, Schlüchtern, Kirchhain, Fritzlar und Wolfhchzen die Orte Salzschlirf, Gersfeld, Sal- münft«, Soden und Rinteln in di« Klaffe E 1 des Tarif», die Orte Somborn, Wächtersbach, Hünfeld, Kirchhain, Steinau in die Klaffe E 2, die Orte Wabern, Flieden, Großenlüder, Hora», Künzell, Neuenberg, Neuhof, Petersberg, Burghaun, Eiter­feld, Neustadt (M.-W.B.), Elm, Sterbfritz, Raum- bürg, Volkmarsen, Wolfhagen und Zierenberg in die Klaffe E 3 eingereiht. Die Stadt Fulda gehört bekanntlich zur Klaffe D. Der Jahresbetrag der Mietentfchädiguug ist in den Ortsklassen D, E 1, E 2, E 3 und E 4 für Leiter von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klaffen 580 , 520, 440, 340, 260 Mk, für Lehrer 500, 450, 375, 300, 220 Mark, für Lehrerinnen 360, 320, 265, 210, 160 Mk.

=!= Meisterprüfung. Am Montag fand unt« dem Vorsitz des Herm Elektrotechnikers B. Trabert in Fulda und bei Anwesenheit des Herrn Vorsitzenden der Handwerkskammer, Zimmermmn, die Meisterprü­fung von 2 Schreinern und 2 Installateuren statt. Sämlliche Prüflinge bestanden, barunt« Herr Pius Schweyz« aus OpperS, Kreis Fulda. Die übrigen, in Hersfeld ansässigen Prüflinge, haben teilweise noch nicht daS nötige Mt« von 24 Jahren, weshalb eS sich empfichlt, künftig sich nicht früh« zu melden.

v Jubiläumsfeier. Im großen Saale des bischöflich«! Konvikt- fand gestern nachmittag die Feier de» 25jährigen DienstjubiläumS des Herrn KonviktSdkektorS Mgr. Dr. Lechleitner statt. Da der Jubilar ausdrücklich gewünscht hatte, daß die Feier möglichst einfach gehalten und auf den Raum de» Konvikt- beschränkt würde, mußte von einer Einladung der vielen auswärtigen Konviktorifien vdgrfehen werden, und konnten von dm Auswärtigen

tischen Volksbundes statt. Der Zudraug derart stark, daß die betben Sitzungssäle bi« M< . ber Zuhörer nicht zu fasten vermochten unb eine ziveit« Versammlung veranstaltet würbe. Im Haupt- faale sprach ber Präsident des katholischen Volks- bunbe», Abg. v. Rakovszky, über bie Ziele be» Voiksbundes. Nicht nur bas geister Wohl des Volkes, sondern, beherzigend den Mahnruf der Zeit, sei neben elfterem auch bie Verbesserung des materiellen Wichtes des Volkes anzustreben. Der Volksbunb könne angesichts ber Schwierigkeitm, bie seiner Tätigkeit sich entgegenstellten, mit ben Erfolgen seiner zweijährigen Wirksarnkett gufrieben fern: mit seiner zirka Million betragenden Mttgliedrrzahl könne unb wolle er auf seinem ^bisherigen Wege auf christ-katholischer Grunblage weiter sortschretten. Bischof Fifcher-Colbrie sprach über die Antl- alkoholbestrebungeu des katholischen Botts- bunbeS. Weitere Reden betrafen die Lage der Klein- bauern, da» Vorbringen der Freimaurer. Eine mächtige Demonstration beS Katholizismus bildete bis abenbS abgehaltene, überaus zahlreich besuchte, glanzvoll »erlaufene Generalversammlung ber Marianischen Kongregationen.

unfngen nur den Kampf bi8 auf§ Messer erwarten sStürmifcher Beifall.) ,

Hierauf hielt der Adg. Held einen vorzug- lichen, instruktiven Rückblick über die letzt« Land- tag-feffion unter großem Beisatt der Versammlung.

» Danzig, 15. Rov. 1910. Auf dem hier abgehal­tenen Delegiertentage d« katholischen §(rbeiter»aeine des Danzig« Bezirks««bandes wurde von den an­wesenden 70 Delegi«ten einstimmig beschlossen, vor­behaltlich ber Zustimmung des Könitz« und des Reis- « Bezirks sosort offiziell einen Ostdeutschen Verband der kathol. Arbeitervereine zu gründen. D« Zweck des neuen Verbandes ist d« Zusammenschluß all« derjenigen katholischen Arbei- terv«eine des Ostens, die nicht dem Berliner Verbände mgehören Zum Danziger B^irk ge­hören 25 Vereine mit rund 7000 Mitgliedern. Der Konitzer Bezicksverband und der Reiss« Bezick um­ässen ungefähr dieselbe Zahl, so daß der Ostdeutsche V«band rund 15 000 Mitglieder zählen dürste. Gene­ralpräses des Verbandes ist bis auf weit«es d« jedesmalige Diözesanpräses der katholischen Arbeiter- «ereine der Diözese Kulm, zurzeit Geu«alvikar Schac- mer (Pelpin). Verbandsorgan ist die Ostdeutsche Ar­beiterzeitung, die in Neisse erscheint.

♦* Wahlvorbereitungen.

* Marburg, 16. Nov. 1910. Eine konservative Vertreter» ersammlung des Wahlkreises Mar- burg-Kirchhain-Frankeiiberg stellte Henn Regierungs- Assessor Dr. Brebt als Kandidaten für bie näch'te Reichstagswabl auf. Herr Dr. Bredt will sich im Falle seiner Wahl der freikonservativen Partei an- schließen. _

* Eisenach, 16. Nov. 1910. Umfangreiche Der- Handlungen zwischen den liberalen Parteivorständen Thüringens haben zu der bereits angekündigten Verständigung über bie Verteilung bei in Frage kommend-« Wahlkreise geführt. Es soll vnhület werden, baß in ben Wahlkreisen, bie von ber Sozialdemokratie arg bedroht sind, zwei liberale Kandidaten sich gegenüberstehen. Rur in Koburg und Jena sind die Einigungsversuche erfolglos ge­blieben. In Eisenach, Erfurt, Gera, Gotha, Rudol­stadt und Sondershausen werben nationalliberale Kanbidaten unb in Altenburg, Greiz, Meiningen, Norbhausen, Sonneberg unb Weimar freisinnige Kandidaten aufgestellt. Als freisinniger Kandidat für Weimar ist, wie gemeldet, der frühere Reichs- tagsabg. Schulinfpektor Weiß aus Nürnberg aus- erfehen, ber in Weimar bereits einmal kandidierte. Im Eisenacher Wahlkreis stellen auch bie Deutsch- Sozialen wieber einen Kandidaten auf, unb zwar haben sie den weimarischen Landtagsabg. Kaiser aus Merkers bazu ausersehen.

* Bingen, 14. Nov. 1910. Die Fortschrittliche Volkspartei stellte Pfarrer Korelt einstimmig wie­der als Reichstagskandidaten auf.

wette Kreise dringen, noch eine innere V«edelung «r- zicken. Nur eine EWk, welche in bet Religion wurzelt, kann eine ganze Gesellschaft erneuern.

♦ Donaueschingen, 16. Nov. 1910. Der Kaiser hörte ben Vortrag beS Chefs des Marinekabinet». Eingetroffen find ber General be» 14. Armeekorps Frhr. v. Homingen und al» Gast des Fürsten von Fürstenberg der Erz ab t von Beuron.

cT München, 15. Nov. 1910. Gestern fand eine imposante Zenkumsversammlung in München statt, die von 600 Personen besucht war, darunter eine ganze Reihe Abgeordneten. Viel« Hunderte mußten umkehre«, weil fie keinen Einlaß mehr fanden. Die erste Rede hielt Abg. Dr. Heim, der «ine ausgezeichnete Darlegung der Haupt- gestchtspunkte der bayerischen Steuerreform gab. Am Schluffe seiner Rede veranstaltete Dr. Heim eine wichtige Kundgebung gegen deuBerkhrS- minister v. Frauendorfer, well.dieser den sozial- demokratischen Eisenbahnverband bester behan­delte als den christlichen Verband.

Wenn wir auch keinen Dank verlangen, so fordern «ir doch wenigsten», daß auch keine Grundsätze von der Staatsregierung verletzt roerbeit unb ber oberste Grundsatz ist Gerechtigkeit. Es darf nicht zweier- lei Maß gemessen werden, ob nun der MannwWetden fitzt ober in München in bet Zentralwerkstätte unb Zimmermann heißt! Wenn bet Minister glanbtz die Sache beruh«, dann irrt et sich! Ich gehör« nicht zu den Scharfmachern; ich sage: Wenn etwas nicht ge- stattet ist, dann muß e» bestraft werd« gletchmäßyg bei Rot, Blau und Schwarz! Und wenn einmal Mtlde eine Rolle spielt, dann muß st« spielen für Rot, Bla« unb Schwarz! Und ein StaatSminister, der zweierlei Maß Hatz der kann von ein« Partei wie der