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uldaer I

37. Jahrqang.

Fulda, Montag den 14. November 1910.

Erstes Blatt

M 261.

IM »« am S°°».°- M-mm-nttUM- ütaw muß

ausschuß des Ostmarkenvereins die richtigen Wege inbireft auf bie Katholiken Nürnbergs bre finden werde, um der allgemeinen Beunruhigung g. Ib m benRoheiten fanatischer Retigionssembe über die bisherige Nichtanwendung des Ent. Qb äl m energisch zurückgewiesen werben, eianunasgesetzes Ausdruck zu geben. Aus den ^nn die Kathotiken angegriffen werben, so ist es »u-|-hrMg-n d,« V°rlr°,<»d-n du^ °°»> dm ch> gut,« R-ch> ßch !» w-dreu ""b ”Tj0.

X Generalmajor Keim

zu leisten.

Ausland.

»«irtse«: vtr d» fpaMgepetitzeileoder deren Raum 15 Pfg. Reklamendrepetitzeil« Pfg., bet wieder- yolnngen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Rotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak tiendruckerei in Zulda Zernfprecher Ur. 9.

wiedergegeben werden, .Nürnb. Volksztg." gegenüber der frechen Provo- Der Redner Nation bei dem Arbeitersangersestzug und sonstigen

wochenbei.age: .Muftrierte SomüagszeUmig"

totales.

Fulda, den 14 November 1910.

„Berl. Reuest. Nachr.

sind einige Sätze bemerkenswert, meinte:

„Es handelt sich nicht um einen Auskauf des Pol­nischen Besitzes. Wir fmb zufrieden, wenn das bis vor kurzem bestehende Besitzwechselverhaltms zwischen Deutschen und Polen aufrecht erhalten bleibt. 4set schiebungen zum Nachteil der Deutschen aber sollten durch die Enteignung ausgeglichen werden.

Es scheint uns, als ob die Herren vom Ost. markenverein in ihren Ansprüchen bescheidener geworden seien; nach unserer Erinnerung gingen ihre Wünsche früher erheblich weiter. Herr v. Raschdau meinte weiter:

„Heute steht das Ansiedelungsgesetz vor der Gefahr der Blutleere. Diese Gefahr fit viel dringlicher, als

Werk^.^in"de?dÄrigen Weise sortgesützrt werden, so muß zur Enteignung geschritten werden.

Das ist in nackten Worten das Eingeständnis des völligen Fiaskos der bisherigen Ansiedelungspolitik. Ein normal denken, der Mensch müßte doch nun zu der Ueberlegung kommen, ob eine Politik, die so hervorragende Mißerfolge aufweist, nicht tn ihrem Grunoe verfehlt sein müsse und ob es wirklich zweck- mäßig sei, den bis jetzt verschleuderten Hunderten von 'Millionen weitere Millionen in das un­erschöpfliche Loch nachzuwerfen. Unsere Hakatisten kommen leider nicht zu dieser nächstliegenden

volkswirtschaftliches und Soziales.

= Das gewaltige Steigen der Kaffeepreise hält ununterbrochen an. Die Beuchte aus Süd­amerika lauten für die neue Ernte wenig günstig. Obwohl diese Berichte mit großer Vorsicht auf. zunehmen sind, bewirkten sie in den letz,en Tagen doch ein weiteres scharfes Anziehen der Preise. Natürlich sieht sich der Handel ebenfalls genötigt, die Kaffeepreise entsprechend zu erhöhen, für me Hausfrau gewiß nicht angenehm. Q*ve Kaufleute begründen ihren Kunden gegenüber die Preissteigung mit den „neuen Steuern . Mit den Steuern hat diese Preiserhöhung aber nichts zu tun.

Aus lttrche und Schule.

w Kleinlüder, 13. Nov. 1910. Heute am Ernte­dankfest vollzog unfer hochw. Herr Kaplan Kemper die Einweihung unserer neuen Kirche, Broreision begab sich die Gemeinde von der Not- lapelle auf dem Schulhofe vor das Portal der neuen Kirche, rind nachdem das Aeuxere derselben eingeweiht war, erfolgte unter dem Gesänge: „Gott, wir preisen Deine Güte" der Einzug rn unser neues Gotteshaus. Jetzt erhielt auch das Innere der Kirche die vorgeschriebene Weihe. Der Fest- predigt lag das Wort der heiligen Schrift zu Grunde: „Wie furchtbar ist dieser Ort; hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels." Darauf war bas Hochamt, und den Schluß dieser schönen Feier bildete der ambro- sianische Lobgesang. - Leider ist unser Gotteshaus noch nicht fertiggestellt. Es fehlt ihm noch gänzlich der innere Schmuck; auch notwendige Arbeiten am Bau selbst sind noch nicht vollendet. Jedoch mußte die Einweihung bereits jetzt erfolgen, weil die Not- lapelle nicht genügenden Schutz vor der Ungunst der Witterung bietet. Wiederum fei an alle wohl­tätigen und hilfsbereiten Leser dieser Zeitung die herzliche Bitte um gütige Unterstützung für unseren Kirchenbau gerichtet; auch die kleinste Gabe hilft uns unsere bedeutende Schuldenlast tilgen.

* Herbstein, 12. Nov. 1910. Uebertragen wurde , dem Schulamtsaspncanten Johann Fr/eß aus , Weinheim, Kreis Alzey, und dem Schulamtsaspi- i rarsten Franz Lotz aus Seligenstadt, Kreis Offen- bach, je eine Lehrerstelle an der hiesigen Gemeinde« schule. ______________ ______.

Deutsches Reich.

r Berlin, 13. Nov. 1910. Im Reichsanzeiger wirb bie kaiserliche Verordnung betreffend die aus- ickliesiliche Berechtigung des Landesfiskus der Schutz-1 gebiete Afrikas und der Südsee zur Aufsuchung und Gewinnung von Mineralien im Meeresboden ver- öffentlicht. — Am Samstag traten die Leutchen Unterhändler an den deutsch-schwedischen H a n d e l s v e r t r a g s v e r h a n d l u n g e n d i e am 15 tz. Mts. in Stockholm beginnen, ihre Reise dort hin an. Man darf als sicher annehmen, daß dre Verhandlungen vor Weihnachten nicht zu Ende geführt werden. „

_i_ Neber Anwendung des Enteignungs­gesetzes sprach der Gesandte z. D. v. Raschdau ■in der Berliner Ortsgruppe des Ostmarkenverems. Ed forderte eine Anwendung des Gesetzes inner­halb maßvoller Grenzen. Die Versammlung iwrack in einer Entschließung die Erwar'ung aus.

«Meint tllglich mit M^nahme der $o.nt: UiidZeiertage.vieÄel- flhrlicherVewgspicis jjne NringerwhnMd Vestetltzeld in Zulda so­wie auswärts 1 50 Ml.

Verantw. Redakteur?

Lark SdfiUte;

für »ie Anzeigen: I.parzeller rn Fulda.

icbroer zu sagen. Man kann nur feststellen, daß in neuester Frik der Widerwille gegen die Sozial- LÄL S m« «-»-«

Arbeit etwas Boden gewinnt. Auch die ««emw niste des ehemaligen ^ockwahlmachers können trotz aller Mängel dieser Entwicklung fördern Helsen.

Gelegenheiten einen groben Klotz aus einen groben Keil setzte, so wird das — abgesehen vielleicht vom Stadtmagistrat Nürnberg und der SoM demokratre — so ziemlich jeder verstehen. Wenn schließlich der Stadtmagistrat sich rühmt, daß „von ftheriu Nürn­berg der religiöse Friede in musterhafter Weise gewahrt" worden sei, so muß man barüb« wirklich lacken Es sei zur Beleuchtung dieses kühnen die Nürnberger Katholiken m Sachen der Fronleich­namsprozession behandelt hat. Den s ® i1Q .. kratiscben Sängern hat man einen großen Umzug erlaubt — zum Dank dafür haben diese dann die religiösen Gefühle der Katholiken aufs empörendste verletzt: den Nürnberger Katholiken üegenuber hat der Stadtmagistrat m Sachen der Fronleich namsprozestion eine Kleinlichkeit und ^S)erzigkeit gezeigt, die fast beispiellos dasteht. Das ist die ^Wahrung" des konfessionellen Friedens m Nürnberg.

^ München, 13. Nov. 1910. Der geschafts« leitende Ausschuß des Zentralkomitees der Zen^ trumspartei in Bayern hat für den 3^, ü.^und 5. Januar 1911 einen Parteitag nach München

zu beraten. , . m

* Mexikanisches Gesindel zerstörte nach m New- York eingelaufenen Depeschen das °«»rtka«rfche Konsulat in Cindad. Der Konsul Porsino Diaz in Nordmexiko emfloh unverletzt In Guadfaaiara wo ebenfalls Unruhen ausgebrochen sind befinden ich zahlreiche amerikanische Minenarbeiterman befürchtet, die Ausbreitung der Erregung ans weitere Bergwerksstädte. Die strenge Telegrammzensur der Stadt Mexiko verhindert genauere Rachrichten.

• Der Fremdenhaß in Ehina hat wieder einmal zu blutigen Zusammenstößen und ernsten Bedrohungen der Missionare und der übrigen Ausländer gesührt. Nach einer Meldung aus Lien-Tschou-Fu sind mehrere Dörjer der Umgegend von aufrührerischen Bandelt überfallen und geplündert worden.

* Marburg, 13. Nov. 1910. Nach der .Freis. Qfa, bestätigt es sich nicht, daß der hiesige Liberale

♦ Deutschland und England. Der englische Krieasmimster Haldane hielt in Warrington eine Rede, in der er erklärte, daß die Beziehungen Eng­lands zu Deutschland selten dcffer gewesen {eien als augenblicklich. Es duise zwischen beiden großen Nationen keine Nebenbuhlersckmft bestehen. Deshalb habe England nicht mehr Berechtigung, Deutschland roegen des Ausbaues Flotte zu kritisiereu, als Deutschland, England Vorwürfe zu machen, wenn dieses seine Land- und Seerüstungen einer Revision unterziehe. .

* Ein offenes entschiedenes Wort der portngiefi.chen Bischöse verlangt ein unabhängiges Blatt m Opotto, ,A. Palavrcft angesichts der kirchenfemdllchen 1 B’ nahmen der provisorischen Regierung:

„Die Verwirrung ist groß", so heißt es in dem giuiruf, „die UnenlschiedenheU herrscht fast m allen Geislern. Aian ve-jagk bie religidien Genossenschaften man verweltlicht den Unterricht; man fuhrt die Ehe scheidung ein und demnächst auch die Trennung. Un alle Wett schweigt dazu! Das darf nicht sein. Denn Schweigen kann als Furcht oder sogar Zustimmung gedeutet werden. Die Katholiken wollen erst dann Vorgehen, wenn sie eine sichere Richtlinie haben. Ader welches ist die richtige Formel, der sichereiSBm» »«*• manb kann es uns besser sagen, als unsere Bischöse, und wir warten ängstlich aus ihr be^e’ei'j g J Möge es sich bald vernehmen lassen, denn die tage | dringend." _ ..

Fast alle Mitgliedes des portugiesischen Epis­kopats, soweit sie in Europa residieren, falb beim Patriarchen in Lissabon versammelt um^uber die Beziehungen zwischen Krrche und «taa

Ueberlegung^^, SJ{ov 1910, Der zweiten Kammer ging eine dringliche Anfrage der Bauern- bünblei Korell und Genossen über bie verschieben- artige Anwendung des Reichsvieh s euch e n - « e s e tz e s zu. Während in Hessen das Gesetz scharfe Anwendung findet, unterbleiben so wird betont m Preußen fast alle Maßnahmen, bie auf eine Abwehr bet Seuchengefahr hinzielen. So würben m ben i preußischen Grenzorten auch beiVorhandensem bcr Seuche in benachbarten Gemeinden Viehmarkte ab- gehalten, während dies in jenen F°^n "i Hesfen verboten ist. Rach dem genannten Reichsgesetz hat der Reichskanzler die Besiignis, für Herstellung und Erhaltung der Einheit der Abivehrmaßregeln zu sorgen und die Behörden der beteiligten Bundes­staaten unmittelbar mit Weisung zu versehen. Die Interpellanten verlangen von der hesiischen Regierung, daß sie in die,em S nne auf die Reichsregierung emwirke. - Im Anschluß an die von der Zen. trumssraktion verlangten staatlichen Maßnahmen zur Milderung der Notlage des Winzer- stau des hat der hessische Gauverband den koholismus eine Eingabe an die Zweite Kammer gerichtet, in welcher ersucht wird, die zu bewilligenden Unterstützungen mit zu dem Zweck zu verwenden, in geeigneten Fällen bie Weinbaukultur m Obst, bautultut umänbern zu helfen. — Ans ben Kreisen der Bauernbündler ging dem Landtag ein Antrag zu, die Regierung solle im Bundesrat dahin wirken, daß die Hebungen der Mannschaften des b eurlaubten.

. stgndes wesentliche Einschränkungen erfahren und , bie dadurch erzielten Ersparnisse den hülssbebürstigen , Kriegsveteranen als Ehrensolb überwiesen .werben. . — Der Zweiten Kammer ging bet Bericht des ; Sonderausschusses über die neue Land gerneinb e- ordnung zu. Danach enthält der Entwurf, wie er aus dem Schoße der Kommission hervorgegauaen ist, wesentliche Verbesserungen insbesondere aus dem Gebiet der Selbstverwaltung der Gemeinden. Das Plenum der Zweiten Kammer, welches am 29 ds Mts. zu einer längeren Tagung zusammen.ritt, wird sich auch mit dieser Materie beschäftigen; ebenso wird die Stäbteordnung noch m dieser Session zur Verabschiedung gelangen.

= Nürnberg, 12. Nov. 1910. In der letzten Sitzung des Magistrats wurde verhandelt über die jüngsteErklärung der katholischen Geist­lichkeit Nürnbergs, in der behauptet war, bei einem Teile des Publikums mache sich »eine derartige Gehässigkeit gegen alles Relig'öse gellend, daß keine katholische Kirche mehr eingeweiht werden kann, lohne baß sie in der unflätigsten Weise bejubelt wirb, daß Kirchen mutwillig beschädigt, »Kirchen- fenster massenweise eingeworfen werden und Geist, liche auf Wegen und Straßen ohne Anlaß fast tag- lich Insulten und Verhöhnungen seitens Erwachsener, besonders beim Vorübergehen an Arbeitsstätten, ausgesetzt sind, ja mitunter selbst Stern würfen unb schwersten tätlichen Bebrohungen'. Dieser Erklärung

I gegenüber glaubte der Magistrat seststelleu zu können, daß bie Gerichte sich lediglich ,u befassen gehabt

I hatten mit vier Fällen, in denen Geistliche württich I beleidigt und zwei Fällen in denen Kirchen besudelt bezw. Fenster eingeworsen wurden. Die Verspottung der katholischen Religion bei dem sozialdemokratischen Fen zu qe, bie den nächsten Anlaß zu der Erklärung aeaeben hatte, fei gerichitich nicht erwiesen worden, ftm übrigen trage gerade die scharfe Sprache der Nürnd. Volksztg.' dazu bei, daß erregbare Personen -u unüberlegten Handlungen hmgerisien würden. Jöi - her sei der konfessionelle Friede in musterhafter Weise in Nürnberg gewahrt worden.

Diele Erllärung des Magistrats hebt natürlich die Erklärung der katholischen Geistlichkeit Nürmbergs „irlJ auf Wenn die Täter nicht erwi cht werden Ln„°. ,°1it doch nich, «-!-«>. d°,nich,- ».Tnmmen ift Wenn andere wegen Beleidigung der Geistlichen sreigesprochen werden,^so anbert^as "°d Eck.» «.Ipoiut wird.

sehen der Stadt Nürnberg nach außen hm wahren will, so wäre es besser gewesen, die Verwahrung gegen eine solche Verhetzung emzulegen. Im

)) Landwirtschaftlicher Kreisverein. In der am Samstag in bet „Orangerie" abgehaltenen, zlemlich autbesuchten Versammlung bes Lanbwlrtschaftlichen Kreisvereins hielt nach Erlebigung einiger geschaft- lieben Angelegenheiten Herr Kreistierarzt W eber einen Vortrag über bie wichtigsten Tierseuchen, vor allem über bie Maul- unb Klauenseuche. Der Redner behanbelte bie drei Fragen: Was ist die Maul- und Klauenseuche, wie erfolgt die Ansteckung unb wie bekämpfen wir bie Seuche? Die wichtigste Eintrittspforte für ben Krankheitserreger ist der Verbauungsapparat dadurch, daß sich die Tiere be­lecken. Die Ansteckung kann auch durch Zwischen- träger (Milch, Dünger, Weiden, Vrehmarkte, ge- meinschaftliche Tränten ufro.) erfolgen. Ein wirk- ames Jmpsversahren gegen bie bie Landwirtschaft schwer schädigende Maul- unb Klauenseuche gibt es nicht, auch ist vor den ost in den Rettungen an« gepriesenen Schutzmitteln zu warnen. Mit Erfolg wird die Maut- und Klauenseuche nur durch veterinärpolizeiliche Maßnahmen und durch Selbst­hilfe des Tlerbesitzers bekämpft. Wer nicht un- bedingt ein Tier erwerben muß, sollte es vermeiden, in Zeiten, wo die Seuche herrscht, ein Rind ober Schwein zu Taufen ober nur auS Stallungen, bte als seuchenfrei bekannt falb. Bei Anstellung von Schweizern oder anberen Saisonarbeitern ist Vor­sicht geboten. Rebner verbreitete sich sodann über die tierische Tuberkulose, deren Krankheitserschei. nungen, Ansteckungsgefahr und Mittel zu deren Bekämpfung. Er nannte verschiedene BekämpfungS- methoden, als vorteilhafteste diejenigen nach Bang, Dftertag und v. Behring, die von Zuchtgenossenschaften und Herdbuchgenossenschasien schon mft Erfolg an« gewandt worden sind. Da vorbeugen indefsen besser als heilen ist, halte man besonders auf Licht und Luft im Stalle, die Luft muß möglichst trocken fein. Der Stall ist mindestens einmal sahrlich zu weifen. Junge Tiere stelle man nicht neben alte Kühe. Gegenüberstellen der Tiere an gemeinsamen Fultertischen ist nicht zu empfehlen. Wenn es die wirtschaftlichen Verhältniffe unb das Wetter statlen, sind auch die Kühe täglich eine jeitlang m3 Freie zu lassen, auch im Winter. Dian halte mit Strenge darauf, daß die Alilch aus einem irgend­wie veränderten Euter niemals in die ©treu, fon« bern in ein Gesäß gemolken unb bann vernichtet wird. Herr Dr. Lemgen, der ein Tuberkulosen- und Finnenpräparat in der Versammlung zirkulieren ließ, ergänzte die Ausführungen des Vorredners über die Tuberkulose und sprach dann eingehend über bie Finnenkrankheit. Er leitete seinen Vor- trag mit interessanten Bemerkungen über bte ^ben< tität der tierischen und menschlichen Tuberkuloft ein unb teilte un Anschluß daran seine Erfahmingen über die im Fuldaer Schlachthof feftgefteflten Tuber- kulose-Fälle mit. Der dritte Teil ber Darlegungen des Herrn Schlachthofbirektors behanbelte die Finnen und den jog. Hundewurm mit besonderer Berück,ichtl- auna der dadurch verursachien Schädigungen der schlichen Gesundheit. Der Vorsitzende bes Kreis. Vereins, Herr Winterschulbirektor Schoppmann bankte namens bet Versammlung für bte instruktiven Referate, bte einen lebhaften, sehr anregenben Meinungsaustausch hervorriesen. Der Borsitzende schloß bie Versammlung mit einem etrtbi.ingl $en Appell zum Eintritt tn ben ^Landwirt,chastlichen Kreisoerein. Für ben kommenben Winter fmb acht Sitzungen mit Vorträgen in Aussicht genommen Am 3. Dezember wirb Herr Lanblagsabgeordiieler Amtsgerichtsrat Rhiel über das Erbrecht sprechen.

Museum. Der Kammer musikabend des Niifteums erfreut sich bei den Musikfreunden immer besonderer Beliebtheit. Ist es doch ein hier so se"en gebotener (Senuft Auf die gute Besetzung wirb gerade vei Lesern'Abend seitens der Niuseumsleitung> großer Wert aeleat. Das Bassermannsiche Trto, oe- stehend aus berPianistinFrauProsessor ^lorenceBaffer- ütann dem Violinisten Herrn Kammervwtuoseti Hans Lange unb dem C-llovftluosen Herrn Lchufter sämtlich aus Frankfurt, bestätigte den guten Ruf, der ihm vorausgegangen war, auf» Beste. 4ba

1 die drei Künstler uns boten, waren durchweg> vor- zügliche Leistungen. Sie zeigten sich, famttich^eits technisch durchgebildete unb feinewpfinbenbe Ver-

ettung

monaisbdiaac: „Sulbact GefchichMAter"

-st zwar kein großer Mann, aber er ift ber Wahl, lad et des Fürsten Bülow gewesen. Darum hat S ein gewisses Interesse, was er über bte geöm« märtige Wahlbewegung Jagt. Um so mehr, wenn dieser Matador des Blockgedankens, dem bisher die Ausschaltung des Zentrums der schönste Sport gewesen, unter dem Zwange ber Tatsachen dem Zentrum seine Reverenz machen muß- Dieser alt* Kntrumshasser schreibt nämlich wörtlich im,Tag.

.Das wirksamste Mittel, dem ewigen Reichsgezänle ein Ende zu machen, wäre ohne Zweifel darin zu e bl'cken, wenn das Zentrum ohne Wenn unb Aber als zuverlässiger Bundesgenosse tn die schlachtlmie der bürgerlichen Parteien einrückte." .

Also derselbe Seim, der es bisher für seine Lebensaufgabe hielt, dem Zentrum bte Zttr vor der Nase zuzuschlagen, hat fetzt Sehnsucht nach unserem ^N^türlich wickelt er dieses notgedrungene Zu­geständnis ein in die alten Anklagen wegen angeb. kicher Liebäugelei mit »Polen, SBelfen unb Französ- lingen", wegen des Konfessionellen Charakters bes Zentrums ufw. Wir brauchen auf bte abgeftanbe nen Rebensarten gar nicht einzugehen, sondern nur die Tatsache festzustellen, baB sogar H"r Keim erkannt hat, es gehe nicht ohne das Zentrum.

Dieses Bekenntnis ist in dem Schlußgebanken seines Artikels noch einmal enthalten. Dort führt er nämlich ans, die Parteien könnten aus sich heraus das „Sammeln" nicht wirksam besorgen, darum 1 müsse die Regierung noch vor den Wahlen , für bie Wahlen eine Plattform (Wahlprogramm) aufstellen, bie es ermöglicht, wenigstens nach einer ' Front hin geschlossen ben Wahlkampf burchzusühren. iBesagte Plattform foll nach dem Vorschläge Keims. die Regierung aufstellen, „im Zusammenarbeiten mit ben Führern ber bürgerlichen Parteien, auch b 6 D?e° allen Trojaner sagten: „Ich fürchte bie Tauaer, auch wenn sie Geschenke bringen . Wir sind gegenüber dem Keim'schen Vorschläge keineswegs finaftlid), sondern glauben ihm ohne weiteres die Versicherung geben zu können: Wenn Herr von Bethmami^Hollweg die Führer Plattform-Besprechung emladen sollte, io wurde das i Zentrum seine Teilnahme an dem Versuch nicht ' versagen — wenn es auch mit geringen Hoffnungen ÄTU Ijeranginge. Soweit 7 t.mntinen und bte Freikonservaliven 11 srnnen würde» pe aller Wahricheinl'chke» nach ' LV redliche!»

stockt die prophetische Zunge! Wurden dte^lve ilQ|en denen Herr ^eim bet den letzten Wahlen bie Vormacht zu beschaffen gestrebt haft auf eme Wahlverständigung der bargerltchen Parteien gegen ftie Umfturzparjei emgehen könnenund wolle . Di- Tortickrittspartet würde stcherum ftw I M,l>m»d »erhalle», wtil f.t pd| "-'s

'tnna zu bekämpfen. Und die nationalliber ale Panet^ müßte bei diesem Experiment Rem

sagen ober — ihre eigene Spaltung h"beiftihrei. kL rechter Flügel mit ben nordwestbeutschen Realpolitikern würde gern mittun; aberbethnle Flügel mit den kampflustigen ^tmgliberalen roäre nicht einmal für eine Verständigung mH der -stechtm, Igcfd roeige denn mit dem Zentrum, zu Haden. Sollte Herr Baffermann zur Konferenz gehen, so würde er es höchstens zu dem Zwecke tun, um eine „glan­zend»" Rede über den Treubruch der Konservativen 'und des Reichskanzlers, über bie notroenbtge «Sühne iffir die Finanzresonn und die Berufung voll, «tümlicher'si d. h. liberaler, Minister zu halten.

I Tie Wahlv erständitzung der bürgerlichen Parteien kann nur auf demselben Boden erwachsen, wie die vielbesprochene Arbeitsgemeinsch f -

Rechte und Zentrum Haden sich taiigst dereit rrklärt zur positiven <ölitarbeit an ben Schäften des Reiches im Verein mit bcr über den Parteien stehenden Regierung. Die Liberalen aber wollen .dieser" Regierung, bie eine Finanzreform ohne Erlaubnis des Liberalismus angenommen hat, nicht 'entgegenkommen, sondern wollen in der Opposition ' verbleiben, dis Herr v. Bethmann Hollweg ihre Partei ergriffen oder einem liberalisierenden Rach- ffolger Platz gemacht hat. Herr v. Bethmann kennt naiurlich feine Bassermänncr; et wird einen Platt. form-Vnsuch, wie ihn Herr Keim anregt, gewiß nickt eher in Angriff nehmen, als bis der psycholo- aiscke Moment gekommen ist, ber ein Uebergewicht ber Arbeitswilligen über die selbstsüchtigen Demon-

berufen.

Wahlvorbereitungen.

E^Eisknach, 12. Nov. 1910. In Weimar I wird wirb bei ben nächsten Reichstagswahlln Schul­inspektor Weiß für bie 9ortf^^rittW kandidieren. In Eisenach will die Voltspartei den nationalliberalen Kand baten uulerstutzen.

* Mainz 12 Nov. 1910. Auf bie Anfrage ber Tortfckrittlich en Volkspartei Heffens über wählen hat sich der Au-fch. ß ber National- liberalen Partei zu Verhandlungen bereit er­klärt, aber ausdrücklich betont bie Hauptaufgabe sei, baß die bürgerlichen Parteien sich utchli zer fleischten, um nicht ber Sozialbemokratte Vorschub