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Leitung

fuldaer

wie folgt:

Hafer

)

(- 2 )

Reklamen- und AnzergenteU.

vernichten trachtet.

Danzig' Berlin Frankfurt

155

173

160

166

Paares, als sie eben begannen zur Gewohnheit zu wer­den, plötzlich unterbrochen. Clifford Hall erhielt den Besuch einer, besonders in weiblichen Augen, höchst be­achtenswerten Persönlichkeit: der schönen Julia Clif- fctb, die überdies eine reiche Erbin, Großnichte und Mündel des Obersten war. Sie war sehr groß und anmutig, hatte bunteigraue Augen, sein gezeichnete Brauen, bie über der schön geformten, nicht zu großen Ablernase — ein Fehler, der'dieser Art Nasen eigen ist — beinahe zusammen stießen. Ihr großer, aus­drucksvoller Mund zeigte zwei Reihen wunderschöner Zähne, und seine Oberlippe war mit einem leichten schwarzen Flaum, kaum breiter als ein Haar, geziert. Eine dunkle, reine, von warmen Blutwellen durch- glühte Gesichtsfarbe vollendete die edle Schönheit des jungen ISjähngen Mädchens.

Oberst Clifford hatte sie mit warmer Zuneigung und altmodischer Galanterie ausgenommen. Da er aber bald nach ihrer Ankunft durch einen heftigen Gichtanfall lahm gelegt wurde, ernannte er seinen Sohn zu ihrem Begleiter zu Fuß und zu Pferde.

Miß Clifford, die an beständige Huldigungen ge­wöhnt war, fand es selbstverständlich, daß sie Walter Tag für Tag in Anspruch nahm Da sie die Be­wegung liebte, mußte er sie morgens auf einem Spa­ziergange, nachmittags auf einem Spazierritt beglei­ten. Anfangs seufzte er darüber, weil es ihn von Mary trennte, aber nach und nach fand er eine gewisse Entschädigung dafür. Julia Clifford war eine ebenso kühne als geschickte Reiterin und dabei durchaus vor­nehm.

Als et sie zum ersten Mal begleiten sollte, fragte er, welcher Art Pferd sie zu reiten wünschte.

„Mir ist jedes recht, vorausgesetzt, daß es weder träge noch bösartig ist."

»Ein frommes ober feuriges Tier?"

»Ein feuriges, toeim ich bitten darf."

.Wollen Sie mir die Ehre erzeigen, mich zu be­gleiten, um selbst Ihre Wahl zu treffen."

(Fortsetzung folgt.)

sagte ihm bas mit errotenbem Gesicht unb niederge­schlagenen Augen, machte aber keinen Versuch, ihm zu entfliehen. Selbstverständlich war jedes Zusammen­treffen ein zufälliges; daß sie darauf rechnete, kann je­doch nicht geleugnet werden.

Sie sprachen bann von allem möglichen, nur nicht über das, was ihre Herzen erfüllte; ihr Ton und ihre Blicke füllten aber auch diese Lücke aus.

Eines Tages, als sie ihren kleinen Araber ritt, traf er wieder mit ihr zusammen. Der Groom zog sich in einige Entfernung zurück, und nachdem sie eine Weile stumm neben einander hingeritten waren, rief Walter plötzlich aus:

„Wie schön Sie zu Pferde sitzen!"

„Ich," fragte Mary; „ich habe ja nie im Leben Reitstunbe gehabt."

„Darum eben, eine Dame braucht man nur sich selbst zu überladen, bann wird sie alles weit anmutiger zu machen wissen als jeher Mann. Laßt sich aber irgend ein Zierbengel einfallen, sie unterrichten zu wollen, so verliert sie ihre Geschicklichkeit, um es ihm gleichzutun. Ich wollte. Sie könnten bie Damen im Hyde-Park, die das Reiten gelernt haben, einmal mit sich selbst vergleichen."

„Das würde mich Bescheidenheit lehren."

„Im Gegenteil, es würde Sie eitel machen, ti.enn Ne "das überhaupt werden könnten."

Es scheint, als ob Sie mir diesen guten Dienst zu leisten wünschten. Aber bitte, was haben bie armen Reiterinnen getan, Ihren Unwillen zu erregen?

„Das will ich Ihnen sagen: erstlich machen sie ihre Schultern so steif als möglich; bann fassen sie bte Zügel als ob sie ein Kutschpferd zu lenken hatten, und ziehen sie an bie Brust, was eben so häßlich als wider­sinnig ist. Dabei ziehm sie die beiden Zügel stark an, sodaß sie das Maul des armen Tieres mit Stange und Arense zugleich zersägen. Da nun aber, wie Sie wis­sen, die Trense sanft, die Stange dagegen kräftig ein­wirkt ist es doch widersinnig, beide zugleich in Tätip kett zu setzen. Dies Verfahren erinnert mich immer an den Menschen, der zweierlei Löcher in den unteren

größerem Umsange. <— ..... . ,

daß bei drei Pestfällen unter Menschen die Ansteckung durch den Atem erfolgt sei. Der Ausbruch sei dem vor acht ober zehn Jahren in Wien durch bie An­lockung eines Mebiziners beim Experimentieren ver­anlaßten sehr ähnlich. Man muffe sofort in ganz Englanb Vorkehrungsmaßregeln treffen.

*Ucber den Brand der ErdgaSquelle bei Neuen­gamme wirb berichtet: Die Gewalt der Feuer- ’tröme unb bas Getöse sinb so stark, baß man sich in gemessener Enffernung halten muß, keiner ber Um- tehenben ein Wort vom anbern verstehen kann unb halb ein lahmendes, schmerzhaftes Gefühl in ben Ohren entsteht Die anwesenben Beamten ber Was­serkunst ber Feuerwehr, ber Bergedorfer Behörden halfen sich dadurch, baß sie ihre Anorbnungen aus Notizzettel schieben. Selbst in Bergeborf ist das Brmisen wahrnehmbar. Die Feuerquelle liegt auf einem Felde. Weithin sind die Feuergarben zu sehen, obgleich sie seitwärts aus dem Rohr heröorbrechen. Einer ber Gasströme verbrennt direkt an der Spitze des Rohres in einer nicht sehr mächtigen Flamme, die beiden anderen Ströme erzeugen zuerst einen schwa­chen sichtbaren bläulichen Wirbel und leuchten erst in einer Entsernung von mehreren Metern, wenn sich der Kohlenwasserstoff mit bem Sauerstoff vermischt hat, als rote Flammen. Die Luft und der Boden rings­um vibrieren von ber Hitze unb unter bem Druck der herausgepreßten Gase, der auf 60 bis 80 Atmosvhären Stärke geschätzt wird. Selbst beherzte Personen wagen nur mit Zagen, bie Lanbstraße neben ber Feuerquelle zu beschreiten. Der Boben zittert hier unter den Fü­ßen unb eine Glutwelle schlägt bem Vorübergehenben entgegen, trotzdem bie beiden großen Flammenbünbel nicht in der Richtung ber Landstraße, sondern neben ihr über bie Felder streichen. Es ist, als ob bte Hölle ihren Schlund geöffnet hätte und bie Menschheit zu

Teil seiner Tür schnitt: ein großes für bie alte Katze unb ein kleines für ihre Jungen. Das schlimmste ist aber, daß diese Damen ihre Geckigkeit so unge­schminkt zeigen." _

„Geckigkeit? Was meinen Sie damit? Sie woll­ten wohl Keckheit sagen?"

„Durchaus nicht! Ich meine, daß sie weibliche Gecken sind. Sie sehen aus, als ob sie platzen wollten vor Ziererei und bem ethebenben Bewußtsein, zu Pferbe zu sitzen, unb zeigen bamit, baß sie erst ganz kürzlich in einer Lonboner Reitschule mit bem edlen Tiere bekannt geworben sinb. Sie bagegen, Kusine Mary, halten Ihre Zügel leicht in ber linken Hand, lassen bie Stange, bie selten gebraucht wird, vollstän­dig los unb ziehen auch bie Trense nur soweit an, daß sie dem Tiere eben fühlbar wird. Dabei sehen Sie sich rechts und links nach Jedem um, mit dem Sie eben sprechen, und wollen niemand bemerklich machen, daß Sie auf einem Pferde sitzen. Das beweist eben, daß Sie eine wirkliche Dame sind und daß Ihnen das Pferd ebenso vertraut ist wie ber Grund unb Boben, auf dem Sie gehen."

Das feinfühlige junge Mädchen errötete bei diesen Lobsprüchen, sagte bann aber:

.Wie verbienstvoll von mir! Uebrigens, Vetter Walter, habe ich gehört, baß Schmeichelei Gift ist, unb da ich nicht Lust habe, mich vergiften zu taffen, so

." Sie endigte ihren Satz durch die Tat. Mit einem herausfordernden Blick auf Walter brachte sie durch eine Bewegung ihres Körpers den Araber in Gcüopp, zwang ben jungen Mann, ihr eine Viertel­stunde lang in diesem Tempo zu folgen, und als sie ihr Roß endlich zügelte, sah sie mit ihren glühenden Wan­gen und strahlenden Augen so schön aus, daß Walter in sprachloser Bewunderung ben Blick nicht von ihr abwenden konnte.

Wäre Hope zu Hause gewesen, so würbe Mary beffer beauffichtigt fein; Bartley war, so lange sie die Mahlzeiten pünktlich einhielt, vollkommen befriedigt.

Dennoch wurden diese zufälligen Begegnungen, diese bealückenden Spaziergänge und Ritte des jungen

> 257.

Mittwoch den 9. November 1910.

37. Jahrgang.

Weizen Roggen

193 ( — 5 ) 143 ( — V») 197‘/4( 4-2*/.) 148 ( + 1«) 197*M - ) 1531/2( — ) 224 ( - 2 ) 168 ( — 2 )

Hohenlohe afeNFIocken geben delikate Suppen, Frühstück für Alt u. Jung.

Bewährte Kindemahrung,

MßIWMvbs

braucht nicht auszm allen, meine Herren, wenn Sie sich angewöh­nen, W y b e r t - T a b le t l e n bei sich zu führen und bei belegter Stimme oder rauhem Hals davon zu nehmen. .Es gibt lein besseres Mittel, um die Stimme sofort llar und irisch zu machen." Dies ist der Inhalt zahlloser Zeugnisse über die in ihrer Wirkung unerreichten Wyb ert-Tabletten, die in allen Apo- rhelen 1 Mark pro Schachtel kosten.

Niederlagen in Fulda: tznzel-ApotSeke, Kos. ÄpoiheSe und ^öwen-KpotöeKe. ___

Vermischtes.

* Ein kostspieliges Vergnügen ist es heutzutage noch, ein modernes Lustschiff zu mieten. Der Verein für Motorluftschiffahrt in der Nord mack muß für ben achttägigen Aufenthalt des „P. 6" in Kiel unb in ber Provinz 21 000 Mk. an Miete an die Eig­nerin, bie Luftverkehrs-Gesellschaft in Eharlottenburg, zahlen. Dazu kommen noch runb 3000 Mk. für Be­triebsstoffe, Gas, Benzin, Oel, sowie bie Kosten für bie Hilfsniannschaften. Erfordert bie Wetterlage eine Zurückbesörberung des Luftschiffs mit der Bahn, so trägt der Verein die Frachtkosten und läßt ben Ballon neu füllen. Somit stellen sich bie Ausgaben auf an­nähernd 30 000 Mk. _

** Ein Perlenhalsband im Werte^von 40 000 Mk. war vor vier Wochen von einer Schauspielerin in Berlin bei einem Automobilunfall verloren worden Jetzt fft es durch Zufall gelungen, bie Finderin, die zur Hehlerin würbe, zu ermitteln. Die meisten Perlen sinb toieber herbeigeschafft.

Ein gefährlicher Geheimnis.

20] Roman in zwei Bänden von Charles Read e.

Mit großer Wärme würbe Hope von Walter be- willkommt. Der junge Mann interessierte sich leb- hast für bie lanbwirtschastlichen Theorien desselben unb suchte ihn häufig auf, um von ihm zu lernen.» Seine Lernbegierig würbe überbies sehr daburch angefeuert, baß sie ihm Gelegenheit gab, mit bet reizenben Mary Bottley zusammen zu treffen unb zu plaudern; er war dann bemüht, sich nicht wärmer zu zeigen, als es ber Verkehr mit dem 16jährigen Mädchen erlaubte, und sagte sich immer wieder, daß sie noch ein Kind fei.

Kaum hatte Hope bie Uebernahme der Farm be­endigt als ihn Battley nach Belgien schickte, ben Be­trieb bet Kohlenminen kennen zu lernen.

7.

Treuer Liebe Wege.

5öope hatte Mary Bartley sein scharfes Opernglas zurückgelassen, unb als Walter eines Tages zu ihr kam währenb sie bie Gegenb mit bemselben betrachtete ließ sie auch ibn durchsehen. Er bewunderte seine Scharfe, unb bas junge Mädchen sagte ihm, daß bies Glas ihr herein)! das Leben gerettet habe.

„Wie war das möglich?" fragte er. Mary erjjafjlte, daß Hope dadurch auf die Entfernung einer Viertel­stunde gesehen, wie sie dem Ertttnken nahe war, unb daß er auf ungesatteltem Pferde herbei geeilt, um sie zu retten. , r,

„Gott segne ihn!" rief Walter, „er ist unser bester Freund Aber bitte, leihen Sie mir dies vortreffliche Mas." ,, .,

„Wozu?" fragte Math. „In Flusse wage ich mich nicht mehr, bin überhaupt nicht mehr so tapfer tote ehemals." , . T „

„Einerlei! Ich bitte Sie doch, es mir zu lechen.

„Seht gern, wenn Ihnen daran gelegen ist.

Es war merkwürdig, wie oft Mary

wenn sie ausging ober ausritt, mit Walter Clifford zusammenttaf. Er wat dann jedesmal ebenso ver­wundert als erfreut; sie wunderte sich noch mehr und

** Eine Fahrt von London nach Paris wollte ber Luftschiffet Wilkows mit dem Luftschiff „City of Kat diff" ausführen, mußte aber unterwegs in C o r- behem (Dep. Pas be Calais) landen. Et hat das Luftschiff jetzt entleert, da er wegen des herrschenden Sttitmes die Fahrt nach Paris nicht fortsetzen tarnt.

* Der englische Rattenkrieg wird sich aller Vor­aussicht nach auch auf London ausdehnen. A-te Behörden haben bereits mit ber Vernichtung der Rat­ten begonnen. Der hervorragende Arzt und Vize­präsident der Rohal-Jnstttutton, Sir James Crichton Browne, erklärte, ein Krieg gegen die Ratten sei in ganz England geboten. Sie in einem Distrikt zu ver-

München

Wettmarklpreise: Weizen: Berlin Dez. 20150 (4- 8 75), Mai 201.50 (-st 0.75), Budapest April 182.8a (4- 3.10), Paris Na». 221.25 (-st 2.50 , Liverpool Dez. 155.70 (— 1.30), Chicago Dez. 137.95 (—2.15). Roggen: Berlin Dez. 150.25 ,-st 0.75), Mai 157.00 l-st 1.25). Haler: Berlin Dez. 148.50 ,-st 2.75), Mai 156.25 (4 3.00) Mk. ver 1000 Kilogramm.

war sichtlich zurückhaltender, da der schlechte Zustand der Straßen die Zusuhttätigkeit beeinflussend mit einem frühzeitigen Schluß bet Schiffahrt gerechnet wird. Die amerikanischen Börsen ließen sich bte Gelegenheit, ihre in letzter Zeit stark reduzierten Preise zu erhöhen, nicht entgehen, dazu kam, daß ber Welt- expott infolge starker Verminberung ber russischen Ausfuhr von 381000 To. in der .Berichtswoche auf 312 000 To. herabgesunkcn ist, unb auch die schwim­menden Weizenmengen haben in den letzten 8 Tagen bedeutend abgenommen. In Deutschland hält sich das Angebot für die vorgeschrittene Jahreszeit immer nocy ganz England geboten Sie in einem Difttikt zu ver-1 ^^^ldenen A^ift auch schleppen-

nichtcn, sei ganz nutzlos, da sie bann sofort über bie * Mehlaeschüst bie Aufnahmefähigkeit der Mühlen benachbarten Distrikte schwärmten. Cs se'kem Grund » > I natürlich jede Voraussetzung

zur Panik, doch wenn das Getier verseucht wurde so "Ettacyiig i Während die

drohe eine ernste Gef a h r des P estausbruchs Li^nMe e in der Provinz infolgedessen nach ab- in ganz England. Man hielte gch vor emer großen £onnte SJtoggen feinen Preisstand ziem-

Epidemie sicher, well es über 200 patzte her sei, daß unverändert behaupten, zumal sich neben mäßigem England von ber Pest hEigesucht wurde. Doch möge ^[anbg6cbar; ' gelegentlich auch Exportnachfrage man bebenfen, daß in Bombay vor dem letzten gro- - Verlüier Lieferung?geschälte wurden die ßen Ausbruch 184 yafjre lang Pestfall vorgekom- ^drückten Preise vielfach zu Deckungen benutzt, unb mm war. Die ^^e^ng der Ratten ,n Suffolk! fd ’im Tausch gegen Maiabgaben erfolg-

zweifellos durch eine Schiffsratte e.folgt. Unter dem gtufaelb für Mai allmählich verloren.

Getier verbreite sich die Verfluchungschon in “r $e't’e erfuhren beide Weizentermine die gleiche Bewer- E,n ernster Ausblick sei es auch, | ^mlich ?01V. Mk , was für Dezember eine Bes­serung von 3% Mk, für Mai von % Mk. bedeutet Roggen wurde mehrfach von ber Donau gekauft unb bie dagegen önrgenommenen Lieferungsabgaben drück­ten zeitweise auf bie Stimmung, bie sich aber im An­schluß an Weizen unb infolge knappen Angebots im Verlaufe befestigte, ber Schluß war %—1 % Mk. höher als vor 8 Tagen. Auf dem Hafermarkte wirkte das Beispiel Norddeutschlands befestigend, auch zeigte sich wieder mehr Kauflust für die spärlich offerierten feinen Qualitäten. Auch für Braugerste hat sich die Nachfrage gehoben; in Ermangelung feiner Quali­täten fand auch bie bisher vernachlässigte Mittelware mehr Beachtung. Für Futtergerste war Rußland in­folge geringerer Zufuhren fester. Mais beginnt bet billigen Preisen mehr Aufnahnte zu finben.

Es stellten sich die Preise sür inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-st) bezra. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefugt ist

Deutsches Reich.

♦♦ Ein treffendes Wort zur rechten Zeit hat Rechts­anwalt Rumps auf ber dieser Tage gegen Nathans Schmähungen abgehaltenen Protestversammlung ber Münchener Katholiken gesprochen. Er sühtte aus:

„Es ist vielleicht eine stolze Bezeichnung, die ich sür b'-e deutschen Katholiken reklamiere nach ihrem bis- heriaen einigen Auftreten und nach dessen Erfolgen für die Sache der Kirche; aber sie dürfte begründet und gerechtfertigt sein. Betrachten wir die Lage der Katholiken und der katholischen Kirche in den romanischen Länder», in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien. Ueberall ein geradezu verhängnis­volles Darniederliegen des katholischen Emflusses auf ben Gebieten, welche für die Leitung des Staatswesens von bestimmender Bedeutung sind Und warum. Wett unsere Glaubensbrüder dort unterlassen hatten, oder erst zu spät daran gegangen waren, ihrer Solidarität sich bewußt zu werden, sich zu einigen und starke Organisationen sich zu schaffen, um m dem offent- . lieben Leben auch ihre Meinung zur Geltung zu bringen. Wenn wir dagegen die Tätigkeit, die Leistungen und - Erfolge unserer Organisation betrachten, die wir tn | schwerer Zeit als starke, zuverlässige Schutzwaffen uns t geschmiedet haben, so meine ich, es ist für st ns kein MG rund gegeben, um zu lernen, kein Anlaß, k umzukehren und umzuändern und dadurch unsere Enng- F teil aufs Spiel zu setzen. Gewiß aber wollen wir das

Bestehende ausbauen und an seiner steten Bervoll- kommnung und Höhersührung weiter arbeiten. Die Worte, die Kardinal Fischer, rote nur raufen, im vollen Einklang mit seinem hohen Amtsgenossen un Osten Deutschlands, in den jüngsten Tagen bet der Kölner Protestversammlung über die Notwendigkeit bes Einigbleibens der deutschen Katholiken gesprochen hat und die so zündend gewirkt haben, sie sind uns hier im Süden Deutschlands ganz besonders aus der Seele und dem Herzen gesprochen. «Lebhafter Beifall.) Und io sage ich: Die deutschen Katholiken sind nach ihren Leistungen und Erfolgen heutzutage geradezu als die Kerntruppen der katholischen Kirche und des Papsttums anzusprechen, und zwar im gleichen Maße, als sie sich auch als treue, allezeit arbeite und opferbereite Söhne ihres Baterlandes suhlen und darin sich von niemand übertreffen lasten.'

Zu ben Mißhelligkeiten, bie im katholischen Lager Deutschlands in ben letzten Wochen sich zeigten unb durch bie Erklärungen ber Kardinale Kopp unb F^ scher sowie bes Abg. Rören beigelegt sind, soll sich auch'der päpstliche Nuntius Frühwirth geäußert haben. Vekannllich weilt ber Nuntius gegen­wärtig in Rom unb hat bort bem Vertreter ber „Deut­schen Tagesztg." eine Unterrebung gewährt, über bie dieser seinem Blatte berichtet:

Nuntius Fruhwirth erklärte, den Polemiken wu- seffionieller und politischer Natur unter allen deutschen Katholiken völlig s er n zusteh en. Die Broschüre „Köln, eine innere Gefahr des Katholizismus , habe er weder vor, noch nach der Veröffentlichung gelesen, geschtveige denn gebilligt. Seines Erachtens feien solche Polemiken eine Folge unklarer Austastung deut­scher öffe ftlicher Verhä tnisse und des katholischen Wesens. Katholiken könnten unbeschadet der Erhaltung und Pflege des eigenen Bekenntnisses unbedingte Tole­ranz gegenüber anderen Konfessionen üben und s ollen, ia m u s > e n in i t P r 0 t e st a n t e n aufpolitischem, sozialem und wirtschaftlickemFelbe zur Durchsetzung gemeinsamer christl.Ideale zusammenarbeiten. Er habe persön­lich wiederholt katholische Abgeordnete zu einem derart onentrorten praktischen Verhalten gemahnt Er erachte auch die reliaiösen kirchlichen Verhältnisse bei der ’ heutigen Or ganisationsroeise der christ­lichen deutschen A r b e i t e r nicht als beeinträchtigt. Unnötig ober vielmehr inopportun sei Die konfes­sionelle Definition des Zentrums.

Aus dem Nachbargebiete.

* Offenbach, 8. Nov. 1910. Auf bem Wilhelms- platz ist man jetzt damit beschäftigt, bie kürzlich be­lassenen Bauten für Markttvache usw. aufzufnh- ren Bei ben Ausgrabungen stieß man, ba rüber hier ein Friedhof war, auf viele Skelette

* Homburg, 7. Nov. 1910. Einen erheblichen Bettag ergab der Verkauf der biesjährigen Obst­ernte im Kreise Homberg. Der Gesamterlös betrug 10288 Mark, wovon 4105 Mark auf bie Stabt Hom­berg entfallen. Von ben Landgemeinden hatte Mühl­hausen mit 710 Mark bie höchste unb Ellingshausen mit — 50 Pfennig die niedrigste Einnahme auszu- toeifen. „

♦ Kassel, 8. Nov. 1910. Beim Nachfischen im Hirschgraben in der Aue wurden 2 7 Zander ge- ängen, die das respektable Gewicht von 110 Pfund ausweifen, weiterhin 20 Karpfen im Gewicht von 70 Pfund und mehrere Zentner Weißfische.

* Jestädt, 8. Nov. 1910. Von einem Eber geöiffen wurde der Verwalter des hiesigen Gu­tes. Die Verletzung war ziemlich schwer, sodaß ärzt­liche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

* Großalmerode, 7. Nov. 1910. In beängstigen­der Weise herrschen hier noch immer unter ben Kin­dern Masern und Scharlach. In einzelnen Schulklassen fehlen mehr als zwanzig Kinder.

* Schmalkalden, 8. Nov. 1910. Der elektrischen Ueberlandzentrale, welche von der Allge­meinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu Berlin zwischen Gotha und Eisenach errichtet werden soll, haben sich bereits 65 gothaische Otte mit über 40 000 Einwoh­nern angeschlossen. Auch der Kreis Schmalkalden soll der Ueberlandzentrale angegliebert werben.

* Vom Westerwald, 7. Nov. 1910. Kürzlich ist ber bem Fürsten zu Mied gehörige, über 500 Morgen große Seeweiher bei Dreifelden nach längerer Zeit wieder abgeftscht worden. Ungefähr 420 Z en t= ncr Karpfen sind dabei gefangen worden. Die Fische werden hauptsächlich nach Berlin versandt. — Die Landwirtschaftskammer sür Hessen-Nassau hat die Gemeinden veranlaßt, ausführlich darzulegen, auf wel­chen Umständen bie Abnahme ihres Rinb- v i e h b e st a n d e s beniht. Im Anfangs des Jahres 1908 waren 152 484, anfangs 1910 noch 129 946 Stück Rindvieh vorhanden. .

* Ms Waldeck, 7. Nov. 1910. In unserem Fürsten­tum scheint man entschlossen zn sein, die Steuer­schraube gehörig anzuziehen. Schon im laufenden Jahre mußten alle steuerpflichtigen Einkommen von 25 00 Mark und darüber selbst deklariert werden. Die Ergebnisse dieser Maßnahme sind außerordentlich gut gewesen, so daß man im nächsten Jahre die Deklarationspflicht bis auf Einkommen von 1500 Mark ausdehnen will. Ilm diese Arbeit amtlich zu überwachen, plant man, vom nächsten 1. April ab einen selbständigen ©teuerfetretär bei der Regierung anzu stellen.

» Von der Lahn. 8. Nov. 1910. Mit dem Aus­bau der S tr e cke O b e r n h 0 s-L au r e n bur g der Lahntalstraße soll nun bald begonnen werden. Durch den Bau wird nicht nur eine ber schönsten Partien des Lahntals erschlossen, sondern es wird auch die Wegstrecke Limburg-Koblenz bedeutend verbessert. Automobile und Wagen mußten bisher große Um­wege machen. _____________

2. vlatt.

Druck und Verlag der Sulbaer Aetlendruckerek in zulda.

Aus Kirche und Schule.

* Rom, 7. Nov. 1910. Der Kardinalvikar von Rom erläßt als Stellvertreter des Bischofs von Rom, also des Papstes selbst, Vorschriften über die K i n - d e r t 0 m m u n i 0 n. Er verweist zunächst darauf, daß das Dekret durchaus nicht von einer strikten Vorschrift für das 7. Lebensjahr spricht unb schreibt auch für bie Kinberkommunion ben privaten Charakter in ein­facher Form vor. Der Kardinalvikar gibt zu, daß in vielen Fällen bie Zulassung zur ersten hl. Kommunion über das 7. Lebensjahr hinaus verschoben werden müsse, ermahnt aber den Klerus, den Eltern begreiflich zu machen, daß die Anschauung, ein Kind müsse zum Empfang der hl. Kommunion mindestens zwölf Jahre alt sein, irrig sei und verschwinden müsse.

Literarisches.

Historisch-politische Blätter. Jahrgang 1910. 146. Bd. Neuntes Heft.

Inhalt: Erinnerungen an meine Marburger Studentenzeit. Von A. Trabert. — Massenbeherr- schung. Die An'gabe ber Gegenwart unb bte Schwierigkeit ber Zukunft. — Rückblick auf bie Münchener Ausstellung mohammedanischer Kunst. Von S. Görres. — Die Emigranten in Regensburg. Mach ben Orbinariatsalten.) Von I. R. — Portugal. — Kardinal Kopp unb bet Katholische Frauenbunb.

Kurier Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschafts- rats vom 1. bis 7. November 1910.

Nach schwachem Beginn nahm ber Weltmarkt im Laufe der Berichtswoche allmählich eine freundlichere Haltung an. Die Nachrichten aus Argentinien lauten günstig aber in Australien war bie Witterung nicht nach Wunsch unb man hat bie Erwartungen bezüglich der bärtigen Ernte etwas zurückgeschraubt. Rußlanb