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JV5 256.

Skestag d«» 8. November 1910.

57. Jahrgang.

* Tuldaer W Leitung •

2. Blatt.

Druck und Verlag -er Zuldaer Aetiendruckerel in Zulda.

* Nach dem Genuß trichinösen Fleisches sind um

ter den deutschen Glasarbeitern einer Brauerei in Toluca (Mexiko) viele erkranktmehrere sind be­reits gestorben.

* Das Opfer einer unsinnigen Wette wurde in B r a l i tz bei Freienwalde ein 13iähriger Junge. Drei Knaben hatten gewettet, wer von ihnen in der kürze­sten Zeit einen elektrischen Gittermast erklettern könnte. Hierbei geriet der Sohn des Arbeiters Bahard in die

Krankenhaus erlag.

♦ Aus Thüringen, 3. Nov. 1910. Eine aben­teuerliche Geschichte, die in den letzten Tagen die Runde durch die Presse machte, wird jetzt auf­geklärt. Durch ein Thüringer Blatt wurde zuerst eine Nachricht verbreitet, wonach zwei im Kriege 1870/71 Vermißte plötzlich zurückgekehrt seien; sie seien damals

in Kriegsgefangenschaft geraten und nicht ausgeliefert, sondern in Algier in Bergwerken beschäftigt worden. Jetzt erst sei es ihnen gelungen, zu entfliehen. Der eine sollte aus Allmenhausen, der andere aus einem Dorfe des Helmetales stammen. Auf Grund genauer Informationen wird nun mitgeteilt, daß allerdings aus Allmenhausen ein gewisser Scherzberg als „ver­mißt bezeichnet wurde und nicht zurückgekehrt ist, er hatte sich kurz vor dem Kriege verheiratet und war nach Kirchheiligen verzogen. Ebenso fehlt noch ein gewiffer Grimm aus Bothenheiligen, der ebenfalls als „vermißt" bezeichnet wurde. Von seiner Rückkehr ist aber nirgends etwas bekannt. Jedenfalls haben sich ein paar Landstreicher, die mit diesen Verhältnissen vertraut sind, als die Zurückgekehrten ausgegeben, um auf diese Weise die Mildtätigkeit gutgläubiger Men­schen auszunutzen. — Der gemeinschaftliche oberste Verwaltungsgerichtshof für Thüringen, dessen Errichtung seit zehn Jahren von Sachsen-Wei- mar, Sachsen-Koburg-Gotha, Sachsen-Altenburg, Reuß j. L. und den beiden Schwarzburgischen Fürstentümern angestrebt wird, dürfte, nach einer Meldung des „Ko- burger Tagebl." in absehbarer Zeit zustande kommen. Die zwischen den in Frage kommenden Regierungen

I schwebenden Verhandlungen sind soweit gediehen, daß den Landtagen eine entsprechende Vorlage zugehen kann. Nach dem zurzeit vorliegenden Staalsvertrags-

I entwurf ist die Errichtung eines gemeinschaftlichen Oberverwaltungsgerichts mit dem Sitz in Jena be­absichtigt.

* Jena, 5. Nov. 1910. Redakteur Pfeuffer von der sozialdemokratischen Volkszeitung wurde oom Landgericht Weimar wegen Beleidigung zu zwei Mo­naten Gefängnis verurteilt. Ec hatte in zwei Artikeln dem Pfarrer Ackermmm in Jena Parteilichkeit und Unduldsamkeit vorgewvrfen. Kürzlich erhielt Pfeuffer I von derselben Strafkammer einen Monat Gefängnis, I tu eit er von deni Oberlandesgerichtspräsidenten Börn- I gen in Jena behauptet hatte, er habe gelegentlich des I Einzuges des Großherzogspaares eine „Bhzantiner- Irede" gehalten.

* Mainz, 6. Nov. 1910. Eine hiesige Firma hatte I seit einigen Jahren eine Forderung an einen hiesigen Schornsteinsegermeister, ohne daß sie zu ihrem Geld kam. Vor einiger Zeit wurde die Stadt in Kehrbezirke eingeteilt und das Geschäft darf nicht mehr auf den Namen der Frau oder des Sohnes geführt I werden. Darauf baute der Gläubiger seinen Plan.

Er verschaffte sich die Namen der Hausbesitzer im Kehr- bezirk seines Schuldners und dieser Tage bekamen sage

mit 10 009 Volt geladenen Leitungsdrähte, wodurch Kurzschluß entstand. Der Knabe war sofort in Flam­men gehüllt und erlist tödliche Brandwunden. Nach­dem der Ueberlandzentrale Heegermühle Mitteilung

s Anzeigen «

sind in der Md. m sicherem Erfolg.

gemacht worden war und diese den tSrom ausgeschal­tet haste, konnte die Leiche aus den Drähten entfernt werden.

* Seltene Ehrlichkeit zeigte ein,durch Paplitz (Prov. Sachsen) reisender Müllergeselle. Er kam zu einem Mühlenbesitzer, um wegen Arbeit anzuftagen. Da solche nicht vorlag, schenkte ihm der Besitzer als Er- ätz für fein zerrissenes Jakett ein bisher von ihm elbst getragenes. Als der Geselle dmm in Ziesar die Kleidung wechseln wollte, fand er in einer Tasche vier Hundertmarkscheine. Er legte sie in ein Kuvert und schickte das Geld dem Müller zurück.

* Die Entführung eines junge» Mädchens macht in München viel von sich reden. Die anfängliche Meldung, daß es sich um die techzehnjährige Gräsin Fugger-Glott handelt, bestätigt sich nicht. Es ist dieTocktcr eines reichen, feit kurz nach München zugezogenen Berliner Rentiers. Hebet die Ent­führung selbst wird erzählt: Vor dem Hause fuhr abends in einem Privatautomobil ein junger Mann vor, ließ die Sachen des Mädchens herunterholen und bestellte es dann zu einer Unterredung, die an­geblich ' Unterrichtstragen betraf. Seitdem ist das junge Mädchen verschwunden, und es ist noch nicht tlargestellt, ob es sich um eine Liebes- oder eine Erpressungsaffäre handelt. Der Entführer, der Sohn eines verstorbenen Generalarztes, hat sich erst vor kurzem als Komponist bewährt. Bei der Ent- lühruug haben zwei Brüder mitaeholfen, die in der Tenniswelt einen internationalen Namen haben, das Paar, das von einer Reihe von Detellws verfolgt wird, ist über Innsbruck und- Piris aus dem Wege nach London.

* War Cook am Nordpool? Nachdem man sich allgemach daran gewöhnt haste, in dem Rordpolfahrer Cook einen gigantischen Schwindler zu erblicken, der mit seiner abenteuerlichen Erzählung von der Errei­chung des Pols die ganze Welt gefoppt hat, scheint sich nun abermals allen Ernstes die Frage zu erheben: War Cook am Nordpol? Die beiden Eskimos, die nack Cooks Aussagen ihn bis zum Nordpol be­gleiteten, sind von dem Grönlandforscher Knud Ras­mussen ausgeforscht und befragt worden. Dieser sprach sich über das Ergebnis seines Verhörs sehr vorsichtig aus. Die Eskimos seien allerdings sehr unwissend, doch hätten sie eine große Orientierungsgabe. Jeden­falls hätten sie Cooks Mitteilung, der ihnen eines Tages sagte, sie befänden sich auf dem Nordpol, dem „Nabel der Welt", begriffen und sehr bewundert. Sie begreifen nicht, warum ihnen Cook dies erzählt habe. Bei Kap York traf Rasmussen auch die Eskimos Pear Hs Diese erklärten, daß Peary den Nordpol ebensowenig erreicht habe als Cook. Nunmehr rüstet Knud Rasmussen mit dänischer Staatsunterstützung eine für sechs Jahre berechnete Expedition aus, au- der er, begleitet von den Eskimos Cooks sowohl als Pearys, den Nordpol zu erreichen suchen wird.

Aus -em Nachbargebiete.

* Ostheim (Rhön), 7. Nov. 1910. Die graul des Defraudanten Winzer ist auf telegraphische I Anordnung des Oberlandesgerichts Jena aus bet | Hast entla ssen mürben.

* Fuchsstadt b. Hammelburg, 7. Nov. 1910. Eine I Gans, welche schon 10 Jahre alt ist, legte im Früh­jahr 36 Stück Eier, unb im Monat Oktober hat sie toieber 15 Stück gelegt. Gewiß eine Seltenheit.

* Offenbach. 4. Nov. 1910. Der Ertrag des am Samstag den 12. November stattfindenden i Verkaufstages der Großherzogin soll dazu dienen, solchen unterstützungsbedürftigen Lungenleidenden, für die von Seiten der Kranken- fassen, Wohltätigkeitsvereine, Berficherungsan- statten uiw. zur Zeit nicht gesorgt ist, die Möglich­keit zu geben, hauptsächlich in den Wintermonaten Aufnahme in Heilstätten oder Krankenhäusern zu finden. ,

* Gießen, 7. Nov. 1910. Seit einigen Wochen ist am Seltersweg ein Automaten-Re st au-I iant eingerichtet, dem die Behörde nur gestatten will, bis abends 9 Uhr offen zu halten. Mit der Minute erscheint Abend für Abend in dem gefüllten Lokal ein Schutzmann mit dem Ersuchen, zuzumachen. Der In­haber erklärt er könne die Leute nickst hinausiversen und kehrt sich nicht an die Polizei Man will es auf eine gerichtliche Entscheidung ankommen lassen, ob die Polizei berechtigt ist, den Gewerbebetrieb vor der allgemeinen Polizeistunde zu hindern. Interessant ist/ daß die Gastwirte in Gießen allen Lieferanten, welche dem Automaten Bier, Likör oder sonstige Wa­ren liefern, den Boykott angesagt haben. Es wird daher nur auSmärtigeS Bier verabreicht.

* Witzenhansen, 4. Nov. 1910. Nach dem ,Witzenh. Krsbl/ soll eine Aktiengesellschaft beab-1 sichtigen, den Bilstein zur Ausnutzung des Ba-! sattes zu pachten. Die Forstverwastung soll je­doch nicht gewillt sein, solchem Ansinnen nachzu­geben. Sie würde sich dadurch auch den Dao! der ganzen Umgegend erwerben.

V Kassel, 7. Nov. 1910. Nächsten Freitag den 11 November, abends 8% Uhr, findet im großen Stadtparksaal eine öffentliche Versammlung der neun bereinigten Handlungsgehilfenver­eine statt zur Agitation für die Sicherstellung der völligen Sonntagsruhe in Kontoren und offenen Ver-

Märkle.

• Frankfurter Getreidemarrtbericht vom 7. Noveinb' Am heiit'gen Wochenmarkt war das Angebot in Land­ware nicht groß jedoch waren auch keine Refleklanlen vorhanden. " Mühlen in diesiger Gegend wollten nicht mehr als 10,25 Mk. frei geben, Roggen lag auch nicht besser. Fremde Weizen waren wenig beachtet. Hafer seit und unverändert. Mais matt. Mehl infolge starkem Absatz und schlechte Kleiepreife fast unverändert. Futter- artiket ruhig. Es notieren je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Metterauer 19.60—19 75 Mk, auj dem Lande abgeholt 19.00 00.00 Mk., kurhessischer 19 50—19.75 Mk. norddeutscher 00.00 - 00 00 Mk., russischer Nteolasest 2150 —12.00 M., Soxonsln 21.25—2175 M., Ulfa 21.25-22.00 Mk, «zima 21.26-2175 Mk., La Plata 21.50 - 22.00 Mk., rumän. 21.25— 21.75 Mark, Walla Wallo 0000-60.00 M. — Roggen, hiesiger, 15.00 bis 15.10 Mk., auf dem Lande abgehvlt 14.00 —11.25 Mark, Piäfler 00.00—60.00 M. — iMetfte hief. 16.50 bi« 17.25 Mark., Pfälzer 16 75—17.50 Mk, fränkische 17.00—17.75 Mk., Riedgerste 16.50—17.25 Mk., ungarische 22.00 - 23.( 0 M-, russische Futtergerste 12/25—1'2.50 M. — Hafer, neuer, l ies. n. Wetterauer 15.75—16.25 Mk., kurhess. 15.5 t- 16 50 Mk.. bayer. 15.25—1625 Mk., La Plata 00.00 - 09.00 Mark, russischer 14.25—14 75 Mark. — Mais (Mixcd) 00 00 - 00.00 Mark, Donau­mais 14.00—14.20 Mark, La Plata 14.00—14.25 Mark, Odessa 14.25—1 (.50 M„ russischer 11.25—14.75 Mart. _ Biles per 100 Kilo netto, effektiv loro hier. — Mehl: stetig. — Cs notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.00-31 50 Mk., südd. Nr 0 31 00 - 31.50 Mk., hiesiges Nr. 1 29.00 29.50M.,

kaufsstellen. , ., . , . - .

* Heringen, 7. Nov. 1910. Auf dem Kaliberg- und schreibe 31 Hausbesitzer des Nordens eine gertchr- toerte „Wilhelmshall" bei Heringen stürzte infolge liche Zustellung, wonach der Kehrlohn nicht mehr an eines Fehltrittes ein Arbeiter in einen mit kochender den Schornsteinfegern'.eister, sondern an einen hiesigen Sauge gestillten Behälter. Am Mtzen Körper mit Rechtsanwalt zu zahlen ist. So kommt der Giäbiger schweren Brandwunden bedeckt, wurde er zu seinem Geld und der Schuldner bat außerdem die bewußtlos fortgetragen. Sein Zustand ist sehr ernst. I etwa 120 Mark betragenden Kosten der Massenzustel-

* Münden, 6. Nov. 1910. Am 2. Novem- lung zu bezahlen

6er fand die Hubertus-Jagd der Forstakademiker * Niederlahnstein. 7. Nov 1910 Bei der im im Gahrenberger Revier statt. Zur Strecke ge- Distrikt „Lag" abgehaltenen Treibjagd wurden bracht wurden 12 Wildschweine, 3 Füchse!^ Hctset, zur Strecke gebracht.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preise oom 7. Nov. Austrieb: 1-38 Rinder, 4W Ochsen, darunter 00 österreich., 31 Bullen, 1011 Färsen u. Kühe, 349 Kälber, 514 Schafe, 1824 Schweine, keine Ziegen. Preise ür 1 Zentner: Rinder: ä. Ochsen: ». vollsieischige, ansgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt (Lebendgewicht) 50—54 Mark, (Schlachtgewicht) 91—93 M., b. junge fleischige nicht ansgemättele und ältere ausgemäftete (Lebendgew.-45—50 M., (Schlachig.) 81—90 M„ c. mäßig aenährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 41-43 M., (Schlachtgew ) 75—79 Mark, d gering genährte jeden Alkers (Lebendgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00-00 M. B. Bullen: a. vollflejschige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 46—49 Mark, (Schlachtgew.) 76—81 M., t>. vollsieischige jüngere (Lebendgewicht) 44—45 Mark, (Schlachtgew.) 73—75 Mark, c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere Lebendgewicht) 41—45 Mark, (Schlachtgew. 74—81«., d. gering genährteKebendgew.) 39-45 Mk., (Schlachtgew.) 72-81 M. C. Färsen und Kühe: a. vollsieischige, ausgeinästete^ Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 41 —45 Mark, (Schachigew.) 74-81 M , b. vollsieischige, ausgemästete Kühe höchstett Schlachtwertes bis zu Jahren (Ldgew.) 39—45 Mk, (Schlachtgew.) 72-81 M„ «. ältere aus- getnäftete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Lebendgew.) 32 —40 M., (Schlachtg.) 62—77 Mark, d. mäßig genährte Kühe und Färsen Lebendgew.) 22-29 Mk., (Schlachtgew.) 41-53 Mk., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 00 M-, (Schlachtgew.) 00—00 M. D. Gering genährtes Jungvieh lFresser) (Lebendgew.) 00—00 M,'SchlachtgO (00- 00 Mk. Kälber: a. Doppelender femfte IHaft (Lebendgew., 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00—00 JUit, b. femfte Mast- (Vollmilchtnast) und beste Saugkälber Lebendgew.) 58-60 Mk., (Schlachtgew ) 96-140 M. n. mittlere Mast- und ante Saugkälber (Lebendgew.) 54—57 Mk., (Schlachtgew.) 92—97 Mk., d. geringe Saugkälber (Lebendgew. i 50 -53 Mk., (Schlachtgew.) 85--90 Mk. Schafe: a. Mastlämmer und lungere Map Hammel (Lebendgew.) 36—37 Mk., (Schlachtgew.) 74—78 M-, b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht) 27- 29 Mk., (Schlachtgewicht) 65-08 Mark, c. mäßig genährte Hammel ^und Schafe (Merz-Schafe) (Lebendgewicht) 00 Mk., (L-chlachtgw.) 00 - 00 Mk., d. Marschfchase oder Mederungsschafe (Lebendgew.) 00-CO Mk.. (Schlachtgew.) 00—00 Da., Schweine: a. Fettschweine über 3 Zentner Gebend- gewicht (Lebendgew.) 00-00 M., (Schlachtgew. 00-00 Mark, b. vollflejschige Schweine über 2*ji Ztr. Lebend­gewicht (Lbdg.) 56 - 57.50 Mk., (Schlachtgew.) 70- 73 Mark, c. vollflejschige Schweine übet 2 Ztr. Lebend- gcnncht (Leber-dgew.) 56.00—-57.50 M., (Schlachtgew.) 7U,00 - 73,00 M., d. vollfleifchige Schweine bis ju 2 Ztr, Lebendgewicht (Lebendgew.) 56.00—57.50 jjI., (Schlachtgew.) 70,00 - 74,00 M., e. fleischige Schweine iLebdgew.) 54.50- 57.00 Mk., (Schlachtgew.) 70— .3 Mark, 1. Sauen (Lebendgew.) 00.00 Mk., (Schlachtgw.) 00 Mark. — Das Rindergeschält verlief gedrückt und hinterläßt Ueberftanb. In Kälber war flauer, in Schafen ruhiger Handel. Der Echweinemarkt ^ver.ies mäßig rege und wird nahezu geräumt. — Des Buß­tages wegen wird der auf Donnerstag 17. d,. Mts. fallende Kteinvichmarkt aus Freitag 18. verlegt.

süddeutsches Nr. 1 29.00 -29.50 M., hiesiges Nr. 3 26.00 - 26.50 M., süddeutsches Nr. 3 26.00—26.50 M., hiesiges Nr. 4 22.00—2 .'.50 M., süddeutsches Nr. 4 22.00—22.50 M. — Roggenmehl, hiesiges,Nr. 0 23.53 bis 23.75 M., do. Nr. 01 22.50—22 75 M., do. Nr. 1 21.50—21.75 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futterartikel: ruhig.— Weizen schalen 8.25 bis 8.50 M., Weizenkleie 7.75—8.25 M., Noggenkleie 9.00—9.25 M., Weizen-Futtermehl 1250—12.75 M, Biertreber, getrocknet, 12.75—13.00 M., Malzkeime 12.50-12.75 'M., Rapskuchen 12.25—12.75 M., Palm-, kuchen 12.00—12.25 M. Alles per 100 Kilo netto effek- lw loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

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und 3 Hasen.

* Wiesbaden, 4. Nov. 1910. Gestern fand unter Dcrmif(Me$.

Vorsitz des Rektors W. Breitenstein eine gut be-1 '

suchte Versammlung statt, welche von der aus Ver- * Bei Gelezenheit des Besuches des Kauers m iretern einer großen Zahl hiesiger Vereine zur Be- Brüssel erhielt der Rektor her bärtigen deutschen Mij- käm pfung der Schund - und Schmu tz - sion, der hochw. P. Leyendecker, O. M. T. den roten l i t e r a t u r einberufen worden war, um weitere Adlerorden vierter Klasse und der Präses des deut- Krei'e für ihre Bestrebungen zu intere fieren. Ober- scheu Gesellenbereins, ber hochw. P. Staffen, 0. M. I., lebrer Dr. Weimer referierte über die genannte der Kronenorben vierter Klasse.

Literatur und das Kinematogrophenunwesen, sowie * Eine Revolution im Pclchnndel kann eiiilreten, über die Bekämpfung derselben. Im Anschlüsse batan wenn eine seltsame Pariser Meldung sich als wahr wurden die Ansichten über die Bekämpfung der I erweist. Schwarze Tierhaare, wie die von Kaninchen Uebelstände, bezw. die hierzu geeignetsten Maßnahmen unb Katzen, sollen sich in weiße umw'andeln, wenn die ausgetausckt. Es sollen drei Ausschüsse gebildet Tiere längere Zeit gewissen Kältegraden ausgesetzt weroen, je einer zur Bekämpfung der Schund- und werden. Einstweilen schütteln lvir den Kopf.

Schmutzliteratur und der Mißstände bei vielen - m •— "* r R **

Kinematographen. — In einer Mansarde der Dotz- heirnerstraße entstand heute rin Feuer, bei dem sich die etwa 50 Jahre alte Witwe Hardt schwere Brandwunden zuzog, Venen die Bedauernswerte bald nach ihrer Verbringung in das städtische

£$ Die neuesten Attraktionen in der Neichshanptstadt.

Eine gute alte Berliner Scherzfrage lautet: »Aber sagen Sie mal, werter Herr, warum iO tritt hier in allen Kaffeelokalen unb Restaurants Musik?* — wor­auf bei anbere Berliner mit seiner nie versagenden, entsetzlichen Schlagfertigkeit antwortet: «Damit man bie Provinzler nicht essen hört!" Gut! stecken wir fromm unb bescheiden wie wir sind, den kleinen bos­haften Scherz ein. Warum aber sollte nicht auch ge­legentlich das Kräfteverhältnis jener beiden konkur­rierenden Verrichtungen ein umgekehrtes fein können? nämlich so daß man vor dem lauten Essen ber Ber- liner bie Musik nicht hörte. Dieser meckwürbige Fall ist ncuerbings wirflich praktisch geworben, unb zwar im .Clou".

Was ist „ber Clou"?

In Berlin wird öffenttich sehr viel musiziert, wohl mehr als in irgend einer anderen Stadt der Welt. Unb zwar scheidet sich die öffentliche Musikpflege in Berlin wie in den meisten europäischen Ländern streng in zwei Klassen, in die eigentlichen Konzerte, die in Konzertsälen von Künstlern, die einen Namen ha­ben ober erwerben wollen, vor einem andächtigen, auf langen bicht aufeinanber gerückten Stuhl reihen in brangvoll fürchterlicher Enge zusammengezwängteu Publikum ausgeführt werben unb hohe ästhetische An­sprüche erheben, unb in bie von ben richtigen unb pro­fessionellen Musikverständigen verachtete Unterhal­tungsmusik der Cafes und Restaurants. Dieser für unser heutiges Musikleben einigermaßen verhäng­nisvolle Riß tritt in Berlin umso schärfer hervor, als beide Klassen, bie Kunstmusik wie auch bie Unterhal­tungsmusik in ihrer extremen Ausgestaltung in einer Ueberfülle vertreten sind, welche bie Leere in bet Mitte dazwischen umso klaffender wirken läßt, und zweitens, weil es bisher so gut wie gar keine Mittel­glieder gab, keine Kouzeriunternehnmngen, in denen bas Publikum weder einzig auf ben möglichst schnell hinteteinanber abgehaspelten Ohrenschmaus angewie­sen ist, noch auch bie Musik lediglich als lärmende Zugabe zur Unterhaltung, zum Essen, zum Trinken,

zum Lesen und zum Langtveilen gelten soll. Diesem Mangel abzuhelfen, das ist bie Mission der neuesten Berliner Attraktion, des.Konzerthaufes „Clou".

Wer abends durch die Mauerstraße geht, ben stil­len Nebenfluß^ des „Leipziger'stromes, wird urplötz­lich durch eiNL'leuchtende Lichtarchitektonik geblendet. Zwei in unzähligen Lichtern flimmernde Feuersäulen find in einiger Höhe durch ebensolche Ou erb allen ver­bunden, unb zwischen ben einzelnen Querbalken, also sozusagen aus ben einzelnen Stockwerken bes Lichtge- bäubes heraus leuchtet in Flammenschrift bas Wort „Clou". Von oben aber, sozusagen von der obersten, unsichtbaren Spitze des Feuerpalastes aus regnrts unaufhörlich in buntem Blumengeranke herunter, bis der elektrische Birnenregen im obersten Stockwerke des Feuerhauses sich zu dem mit feurigen Settern hinge­worfenen Worte „Clou" verdichtet, als eine Mene Te- kel für alle Düsterheit unb Fremdlosigkett. Durch ein enges Spalier sich beugenber gaKonicrter Diener biu- durchschreitend kommt man durch verschiedene, von katzbuckelnden Dienern offen gehaltene Türen zur Kasse, wo man zu seiner wohlwenden Ernüchterung eine Mark zu bezahlen hat. Rach Abgabe ber Gar­derobe tritt man in den „Clou" ein. Ein riesiger Saal, ein Hauptschiff mit drei Seitenschiffen zu jeder Sette, mit entsprechender unabsehbarer Länge, mit wunderbar lieblicher unb anheimelnder Licht- und Farbenwirkung. Wer sollte da ahnen, daß er sich in einer ehemaligen Markthalle befindet? Erst bei nähe­rem Zusehen merkt man, daß die ganze Einrichtung eigentlich nichts weniger als kostbar ist, daß die eiser­nen Säulen nur deshalb nicht dürftig aussehen, well sie so stilgerecht und geschmackvoll angesirichm find, daß der einzige Schmuck der Wände die gemalten Rankenornamente sind. Aber der feine, diskrete Ge­schmack des Malers und Dekorateurs hat hier eben mit erstaunlich einfachen Mitteln aus einer nüchternen Markthalle einen Zauber- und Feenpalast geschaffen. Auch für diese Halle bewährt sich daS alte Wort: Kleider machen Leute. Und die Musik? Sie fft auf einer Empore in der AfiS des einen Saalendes unter­gebracht. Gern wollen wir den etwa 60 wackeren Mu­sikern des Skalaorchesters ans Mailand.unter.ihrem

spiele von andern Kientopps in manchen Dmgen. Erstens sind die Preise bebeuknb höher, sie find so hoch, baß auch ein anständiger Mensch Angehen kann. Zweitens sind die Bilder etwas besser. Es find auch geringe Ansätze vorhanden, bie begleitende 2W einigermaßen mit den Vorgängen auf der Lichtflache übereinzustimmm. Etwa zunächst so, baß die Be­wegungen eines bargestellten Komikers rytnusch mit der Alustk Zusammengehen. Anberswo soll man tä in dieser Uebereinftimmung schon weiter gebracht ha­ben, unb es wird zweifellos nicht lange dauern, bis mit dem Kinernatograph ein Phonograph parallel geht, von einer Kraft bewegt, sodaß man einheitliche Szenen ja ganze Opern unb Schauspiele auf kme- matogröphische Weise darstellt. Dann wäre aller­dings dec Name „Theater der armen Leute gered)t= fertigt. Was aber am meisten zur Popularisierung der Ächtspiele beigetragen hat, ist zweifellos das In­teresse des Kronprinzen. Es ist bekannt, daß der Kronprinz für diese reproduzierenden Techniken em großes Interesse hat. So hat er sich ja auch von der königlichen Oper zu seiner Behausung Leitungen unb Anlagen legen lassen, vermittelst bereu er mit sei­ner Gemahlin in seinem Zimmer sitzend die Ausfüh­rungen im kgl. Opernhause mit anhören kann. Ein Aufnahmeapparat steht in der Nähe ber Bühne unb vermittelt alle akustischen Vorgänge im Theater in den phonographifchen Apparat, ber am häuslichen Herde alles übermittelte wiederertönen läßt. e>o bat ber Kronprinz auch für bie Errungenschaften der optischen Technik große Vockiebe. Er hat nicht nur einem Un­ternehmer gestattet, Aufnahmen von ihm auf dem. Truppenübungsplätze zu machen, sondern er ist auch persönlich am Rollrndorffplatz erschienen und hat fich die Lichtspiele angesehen. Bei all feiner demokrati­schen Gesinnung und seiner Staatsverachtung aber hat der Berliner, besonders der westliche, eine große Schwäche für den Kronprinzen unb bie Kronprinzes­sin, sodaß er dahin gcht, wo ber Kronprinz unb bie Kronprinzessin gewesen sind. Wo aber ber westliche Berliner hingeht, ba gehen alle Berliner hin, unb wo alle Berliner hingehen, da gehen auch, die Frem- ben hin.

temperamentvollen Maestro Egisto Tango zugestehen, daß sie ihrerseits es an nichts fehlen lassen, um allen musikalischen Anforderungen zu genügen. Sie spie­len italienische unb deutsche Ouvertüren, Sachen von Berlioz unb von Grieg, ungarische Tänze von Brahms usw. usw., alles ausgezeichnet und vollendet. Nur in einem Punkte haperts: man hört nichts davon, — oder, um nicht zu übertreiben, man hört nur die fff Stellen der Musik. Also die Mängel der neuesten Berliner Clous sind: der Saal fft zu groß, die Akustik schlecht, bie Berliner essen, trinken und erzWen zu laut, der Eintrittspreis ist etwas zu orts­üblich und endlich der Name riecht nach dem ivahren Jakob.

Neben dem Clou haben wir seit einiger Zeit aber noch eine andere Attraktion, die noch mehr von fich reden macht, nämlich die „L i ch t s p i e l e" im Mo- zartsaal, dem ehemaligen Saale der Schönheitsabende Dlga Desmonds. Die „Kientopps" erfreuen sich ja Überall eines Wachstums, das an die berühmten aus der Erde wachfenden Pilze erinnert. In Berlin wer­den wir wohl ungefähr an die "200 Kientopps haben unb es vergeht kaum eine Woche, wo fich nicht irgend­wo im Weich bilde Großberlms ein neuer auftut. Der Name Theater der kleinen Leute" für die Kinemato­graphen ist fteilich ettoas schief; dem: das Publikum ber Kientopps setzt sich meist nicht aus ehemaligen Theaterbesuchcm zusammen, sonbern in den Kientopp geht wer ftüher in Varietes und sonstige Tingel­tangel ging. Eine ganze Reihe kleinerer Tingel- Tangel unb wie die Brutstätten des Lasters sich sonst nennen mögen, hat denn auch schon ihre Pforten schließen müssen, andere sind in Kinematographen mn- gewandelt worden, well sie dabei bessere Geschäfte machen So ist von einem Berliner Kinematographen bekannt geworben, daß er allsonntäglich mtt einer Reineinnahme von 4000 Mark rechnet, werktäglich mit ber Hälfte^ Man denke: Reineinnahme!

Ueber allen Berliner Kinematographen hoch er­haben thront der Kientopp am Nollcndorffplatz, Lichtspiele" genannt. Diese Lichtspiele muß jeder Berliner, wenn er nicht vor Scham erröten will^ ge­sehen haben. AllerdinLs^unterfchelden jich.die LM-.