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täglich mit zsarnahme der §s.m- Feiertage. Viertel- kshrttcheeverugrprelr ohne Sringerlohn und SestiSgeld in Fulda so­wie auswärts i.S0M.

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Kotationsdrnckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

37. Jahrgang

Fulda, Montag den 7. November 1910

jV5 255.

।

Es trifft sich gerade recht für die Vorbereitungen der Wahlkampagne, daß die Sozialdemokratie ihr re. volutionäres Antlitz enthüllt. Die Re­gierung und die staatstreuen Parteien haben die ernste Pflicht, das Volk über die wahren Absichten und Ziele der Sozialdemokratie aufzuklären, und wir haben die Hoffnung, daß die große Mehrheit unseres Volkes sich von den roten Verführern mit Entrüstung abwenden wird. Wir sind keine Freunde der Scharfmacher und ihrer Pläne, aber die sozialdemokratische Presse dar sich nicht einmal wundern, wenn mancher Mann heute den Ratschlägen der Scharfmacher sich zuwendet, der bisher nichts davon wissen wollte.

Der beste Gehülfe des Scharsinachertums ist he Sozialdemokratie selbst.

Deutsches Reich.

— Der Zarenbesuch in Potsdam.

Am Samstag fuhren der Zar und Kaiser Wilhelm im Kaiserlichen Sonderzug nach Oranienburg zur Jagd auf Damwild. Zu Ehren des Staatssekretärs «asa- now fand am selben Tage ein Frühstück beim Staats­sekretär v. Kiderlen-Waechter statt.

Am späten Nachmittag begab sich der Zar im Automobil nach dem Mausoleum, um an den Sarko- phagm des Kaisers und der Kaiserin Friedrich Kränze niederzulegen. Um 8 Uhr fand in der Jaspisgalerie des Neuen Palais eine Tafel statt, an der auch der Reichskanzler und Gemahlin teilnahmen. Dann fand eine Lichtbildervorführung im Theatersaal des Neuen Palais statt.

Der Zar reiste abends 11 Uhr wieder zurück, er traf Sonntag vormittag 10 Uhr auf der Station Egelsbach bei Darmstadt ein und begab sich nach Schloß Wolfsgarten.

Die Nordd. Allg. Ztg.' schreibt:

Die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren hat, wie vorherzusehen war, einen sehr herzlichen und freundschaftlichen Charakter in allen Einzelheiten getragen. Sie hat Gelegenheit geboten zu wiederholten Besprechungen zwischen den Souveränen und den deutschen und ruffifchen Staatsmännern und zu einem beide Teile befriedigenden Gedanken­austausch über politische Dinge. Zwischen zwei so großen Reichen wie Deutschland und Rußland mit so mannigfachen und weüverzweigtrn Interessen kann es naturgemäß zu Zeiten in einzelnen Punkten Meinungsverschiedenheiten geben. Solche abweichenden

Am nächsten Morgen erschien Walter pünkflich auf die Minute in einem offenen, von zwei kräftigen Pfer­den gezogenen Wagen, fand jedoch Mr. Bartley allein. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben war Mary, als sie Walter kommen sah, in chr Schlafzimmer hinauf geeilt, sich noch einmal, ehe sie dem Gast entgegen trat, im Spiegel zu besehen, ihr Haar zu glätten, eine Schleife zurechtzulegen. Wie das bei Frauen gewöhnlich ist, unterschätzte auch sie die Macht der Schönheit und legte Nichtigkeiten einen Wert bei. Bartley benutzte die Gelegenheit, um zu dem jungen Clifford zu sagen:

„Sie haben von mir Entschuldigung zu fordern, ernste Entschuldigung; können Sie mir vergeben?"

Walter wechselte die Farbe. Selbst diese demütige Erwähnung des ihm angetanen Schimpfes war ihm unerträglich; er biß sich auf die Lippen und er- widerte:

„Niemand kann mehr tun, als versichern ,daß ihm etwas leid ist. Ich werde zu wrgesien suchen."

„Das ist alles, was ich erwarten darf, gab Bart­ley fleinlaut zur Antwort. „Aber, wenn Sie wüßten, mit welcher Geschicklichkeit, welcher Schlauheit, welcher Fülle scheinbarer Beweise mich dieser schuftige Monk- ton hinter's Licht zu führen wußte."

„Das kann ich mir denken", fiel Walter ein.

„Und erlauben Sie mir noch eine Bemerkung, ehe wir dies unglückselige Thenm für immer fallen laffen. Hätten Sie mir die Ehre erwiesen, als Walter Cliff ford zu mir zu kommen, so hätte ich mir, allen schein­baren Beweisen zum Trotz, gesagt: Der Schein trügt, aber niemals kann ein Clifford unredlich sein.

Diese Äugen Worte besiegten den jungen Mann. Er errötete und nahm den Lobspruch auf seine Familie mit einer leichten, hochmütigen Verbeugung hin; aber gleichzeitig regte sich sein Gerechtigkeitsgefühl.

„Sie haben Recht", sagte er, „ich muß mich be­streben, die Sache von beiden (selten zu betrachten. Wer unter falscher Flagge segelt, darf sich nicht bekla­gen, wenn man ihn für einen Seeräuber hält. Laffen wir den Gegenstand für immer fallen. Ich bin WÄ- ter Clifford und stehe Ihnen zu Diensten.

* Berlin, 6. Nov. 1910. Auf den durch die Pensionierung des Gesandten v. Pilgrim frei gewordenen Posten des kaiserlichen Minister- residenten in Celtinje ist der Ministerresident tn Havanna, v. Eckart, berufen und zum Nach- folger des letzteren in Havanna der Vortragende Rat im Auswärtigen Amt, Pauli, ernannt morden. — Der Kronprinz und die Kron- Prinzessin von Schweden sind am Sonntag in Berlin eingetroffen und begaben sich nach Potsdam zum Kaiserpaar.

-ü Für die letzte Tagungs - Periode des Reichstages ist folgender Arbeitsplan vorgesehen: Nach dem Wiederzusammentritte am 22. d. M. w rden die ersten 14 Tage einer Reihe kleine­rer Gesetzesvorlagen und Interpella­tionen gewidmet bleiben. Am 28. November soll der Etat mib der neuen Militär-Vorlage in die Hände der Abgeordneten gelangen. Am 8. De­zember wird die erste Lesung des Etats beginnen und bis zum 15. Dezember beendet sein. Der Reichstag ceht dann in die Weihnachts- Ferien. Die Wiederaufnahme der Arbeiten er­folgt am 10. Januar. Spätestens am 5. April, dem Donnerstag vor Palmsonntag, setzt die Osterpause ein, dir von einem dritten Sitzungs- 'Abschnitt, am 25. April beginnend und voraus­sichtlich vor Pfingsten abschließend, gefolgt sein wird.

(*) Unterliegt der Verkauf des Tempelhofer Feldes der Genehmigung des Reichstages? Diese Frage ist von der ,Rordd. Allg. Ztg.' in einer längeren juristischen Betrachtung verneint worden. Den ent­gegengesetzten Standpunkt vertritt der bekannte Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Lab and in der ju­ristischen Wochenschrift'. Die ,Nordd. Allg. Zig/ tritt seinen Ausführungen entgegen und lehnt ferne Beweisführung als „auf einem Außerachtlaffen entscheidender Momente" und „ans tatsächlichen Irrtümern" beruhend ab. Von Interesse ift die Schlußbemerkung des offiziösen Artikels:

„Bei der Entscheidung einer zweifelhaften Rechts­frage- wird man schließlich ebensowenig rote an der ständigen Hebung der maßgebenden Organe an der einheitlichen und ununterbrochenen Praxis der Gerichte vorübergehen können. Ein Beispiel aus neuester Zett: Von dem Tempelhofer Feld ist ein Teil bekanntlich an die Stadtgemeinde Berlin verkauft, ohne daß der Reichstag bisher seine Zustimmung dazu erklärt hat. Die Stadtgemeinde Berlin kann aber wohl nicht die Laband'sche Rechtsauffassung teilen; denn sonst hätte sie ja die Auflassung dieses Grundstückes nicht ver­langen und nicht entgegennehmen dürfen, der Vertrag würde ja noch der Rechtsroirlsamkeit entbehren. Jeden­falls ist der Grundbuchrichter dieser Rechtsauffassung nicht gefolgt. Das Grundstück Viktoriapark ist am 31. Mai 1910 an Berlin ausgelassen und Berlin als Eigentümerin in das Grundbuch eingetragen worden. Was Berlin recht, dürfte Tempelhof billig fern."

♦ Die nichtsnutzige Dennuziation der ,Vosstschen Zeitung' betreffs angeblicher Jesuitennieder- laffungen in Breslau wird in der ,Schloß Volls- ztg/, soweit Breslau in Frage kommt, wie folgt abgefertigt: _________________________

In diesem Augenblick trat Mary Bartley, strah. lend in Jugend und Schönheit, in das Zimmer, das sie gleichsam zu erleuchten schien. Sie reichte dem Vetter die Hand, und Walters Augen verrieten fein? Bewunderung. , m ,

Rach kurzer Begrüßung erhob er Mach in den Wagen; der Vater folgte ihr, und Walter war im Begriff fortzufahren, als das junge Mädchen aus­rief'

„Ach, ich habe meinen Rock -ergeffen für dm Fall" daß ich reiten soll!

Der Rock wurde herbeigeholt und die Pferde, die bereits unruhig wurden, stürmten baoon.^ Ein kleine, Groom ritt hinterdrein, und als sie die Farm erreich­ten, fanden sie einen Reitknecht, der zwei Reitpferde ge­bracht hatte; eines derselben, ein zierlicher sanfter Araberwallach, trug einen Damensattel. Sie durchrit­ten die ganze Farm und nahmen alle dazu gehörigen Baulichkeiten in Augenschein, die sich Dank der Ober­aussicht Walters in vortrefflichem Zustand befanden, Bartley fragte nach dem Umfang der Ländereien uni der Höhe des Pachtzinses. Walter gab ihm die veo langte Auskunft, und Bartley erklärte sich mit ollen einverstanden, wünschte jedoch zu wissen, was den je­tzigen Pächter zum Abziehen veranlaßt haben mochte

„Es wäre wohl am besten. Sie fragten ihn selbst danach', meinte Walter. „Es wäre mir lieb, wem! Sie von beiden Seiten unterrichtet würden."

DaS sieht Ihnen ähnlich", antwortete Baitley Aber wo drückt ihn denn der Schuh Ihrer Meinung nach?"

„Nun wenn er nüchtern ist, so klagt er, daß ei sein Geld zusetzen müsse; ist er aber betrunken, so er zählt er seinen Zechbrüdern, daß er sich 7000 Pfund erspart hat. Einige feiner Wiesen bedürfen einer sorg­fältigeren Bewässerung; ich habe ihm dazu die nötige» Drainröhren zu liefern versprochen und verlange nur daß er sie legen läßt. Meiner Ansicht nach ist er ei» Gewohnheitsmensch und da et bis jetzt einen Übet- mäßigen Gewinn aus der Pachtung gezogen hat, kan» er sich nicht entschließen, mit dem, was recht und billiß ist, zufiiedeu zu sein."

(Fortsetzung folgt.)

„Nun, mir gegenüber können Sie das nicht", ant- mortete der Oberst. „Ich kenne den Tag Ihrer Ge­burt. Aber nun kommen Sie einmal her und geben Sie Ihrem alten bärbeißigen Onkel einen Kuß."

„Herzlich gern!" tief Mary, lief auf den Oberst zu, schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn. „O Papa!" sagte sie bann, „nun habe ich plötzlich einen Onkel bekommen, noch dazu einen Helden, ich, die ich so für Helden schwärme, obwohl dies der erste ist, den ich nicht im Buche finde."

„Liebe Mary, nicht so ungestüm!" mahnte Bart­ley. „Bitte, verzeihen Sie ihr, Herr Oberst. Und nun, Kind, gib Deinem Vetter die Hand, denn wir müssen uns empfehlen."

Mary gehorchte, war dabei aber nichts weniger als ungestüm. Sie senke die langen Wimpern, streckte schüchtern die Hand aus und sagte:

„Adieu, Vetter Walter."

Er faßte ihre Hand, und als er sie einen Augen­blick festhielt, wurde Mary dunkelrot.

„Sie kommen also mit nach der Farm?" fragte er. „Können Sie reiten? und haben Sie Ihr Reitfleid mitgebracht?"

„Nein, Vetter, aber das schadet nichts; ich werde irgend einen langen Rock anziehen "

" „Einen langen Rock! Aber fteilich, es ist ganz einerlei, was Sie tragen."

Mary war so unerfahren, daß sie die wahre Bedeu­tung dieser Worte im Augenblick nicht verstand. Aber aus halbem Wege nach dem Wirtshause inmitten eines Gesprächs mit Mr. Bartley bedeckten sich ihre Wangen plötzlich mit glühender Röte Ein junger Mann hatte sie bewundert und das auch ausgesprochen. Wahr­scheinlich lag das den jungen Männem in der Art, fie mochten von Natur kecker sein als junge Mädchen übrigens war das im Gmnde nicht unangenehm.

Die flüchtige Begegnung wurde ein Ereignis in Marys jungem Leben. Walter hatte feine Augen mit Entzücken auf ihr ruhen lassen, hatte ihre Hand fest- gehalten und ihr ins Gesicht gesagt, daß er fie be­wunderte. Sie war halb überrascht, halb erregt und hörte plötzlich auf, ein Kind zu sein.

Wenn diese heruntergekommene Freisinnspresse noch ein Gefühl hätte für das, was bloßstellt und lächerlich macht, müßte sie sicd in Grund und Boden hinein fchämen. Die schlesischen Katholiken aber, die dem Freisinn in der Provinz bei den Wahlen fo oft zu Mandaten verhalfen ha­ben, mögen sich die niederträchtige Hand ungswciso, die reisinnige Blätter in der hier in Frage tommendeu Angelegenheit zu üben sich nicht scheuten, nur gut merken, damit sie um die richtige Antwort nicht verlegen sind, wenn bei künftigen Wahlen wieder der Versuch gemacht werden sollte, ihre Unterstützung ür freisinnige Kandidaten in Anspruch zu nehmen. Die viel edle ,Vossische Ztg/ hatte auch Beamte denunziert, daß sie der Einweihung eines neuen Jefuitenkollegs an der preußisch-holländischen Grenze — natürlich auf holländischem Gebiet, denn das gebrechliche Deutsche Reich erträgt solche An- flalten nicht! — beigewohnt hätten. Aus bieje Denunziation antwortet treffend die in Emmerich erfdieinenbe .Niederrheinische Zeitung':

„Wenn einige Herren einer von gebildeten Leuten zu denen fie vielleicht in irgend welcher Form Be- ziehungen haben, an fie ergangenen Einladung privatim Folge leisten, fo ist das lediglich ihre eigene Sache und es hat sich niemand darüber zu moequieren, auch wenn diese Herren zufällig das Amt eines Bürger­meisters oder gar eines Landrats bekleiden. Es mutet einen sonderbar an, wenn Kreise, die portugieIr­schen Revolutionären und fP»"1! ?.e" Anarchisten Sympathi- bekunden, HöftichkAts- oder auch Sympathiebesuche Deutscher bei deutschen Jesuiten als etwas Staatsgefährliches denunzieren. Daß aber die ,Bofsifche Ztg.' solchen Expektorationen Raum gibt, läßt erkennen, wie sie die „Duldung , die sie angeblich auf ihre Fahne geschrieben hat, verstanden wissen will." , , _

4- Die Sozialdemokratie und der Zaren- besuch. Die von der Sozialdemokratie in Berlin veranstalteten Kundgebungen gegen den Saren- besuch sind ruhig verlaufen und waren an sich völlig bedeutungslos. Es sanden Versommlun- gen in Charlotteuhof bei Potsdam und in Span­dau statt. In Charlotteuhof sprach der Zehn- Gebote-Hoffmann, der sich nach dem Urteil des „B. T." „verhängnisvoll milde" ausdrückle, viel» leicht mit Rücksicht auf die überwachende Poltzer. In Spandau sollte Rosa Luxemburg die Hörer erfreuen: „leider" konnte sie einer Erkältung wegen den Vortrag nicht halten. Was die Vor- sammlungen unterlassen haben, glaubte der „Vor­wärts" nachholen zu sollen, der in. einem Leitartikel den Zaren als „Schnorrer und Ver- schwörer" auf das gemeinste im echtesten Rowdy- Stil beschimpft. Hier eine Probe des Artikels:

Nun hat sich der Würger des russischen Volkes, der allzu lange schon, auf deutschem Boden jene Sicher­heit genießt, die dem Verhaßten das eigene »er« geroaltigte Land versagt, als Gast Wilhelms II. nach Potsdam gewagt. Wäre nicht die lebende Mauer von Milttär und Polizei zwischen diesem Gottesgnaden­menschen und den Völkern errichtet, deren Gebiet sein Besuch schändet, der Zar könnte, wo immer er weilt, sich nicht vor den Zeichen der Erbitterung und Verachtung schützen, die überall gegen den Besieger seines Volkes gehegt werden. — So groß d,e Bewun-

Lin gefährliche; Geheimnis.

18] Roman in zwei Banden von Charles Read e.

„O, ich tue das sehr, seit Papa und Mr. Hope Farmer geworden sind. Und dann gibt es auf un­serem Hose fo viele reizende kleine Geschöpfe: kleine Kälber/ Lämmer, kleine F-.rkel — Ferkel find wie Püppchen, die sehr Leinen meine ich — und dann gibts beinahe immer irgend ein Füllen, das mir aus der Hand frißt. Einen Pachthof nicht gern haben sollen, ^^uMo will ich Ihnen und Ihrem Papa den unserigen zeigen", sagte Walter mit großer Wärme; bann fragte er Mr. Bartley, wo er ihn aufsuchen, sollte, und als dieser zur Antwort gab, daß sie m der „Schwarzbraunen Kuh" abgestiegen wären, warf der junge Mann mit einem leisen „Oh!" einen Blick auf Marv, die ihn sogleich verstand.

Wir befinden uns dort ganz behaglich , gab fie lachend zur Antwort. „Man hat uns die Wohn­stube eingeräumt, da hängen Getreideproben an den Wänden und die lustigsten Bilder, die man sich denken kann, und die Wirtin beginnt auch schon, mich zu ver­ziehen." v , Ä. .

„Niemand kann Dich verziehen, liebes Kmd! sagte Bartley.

Das mußt Du freilich am Besten wissen, Papa. Versucht hast Du es nun schon so viele Jahr-."

„Viele Jahre sicher nicht, Miß Bartley , fiel Oberst Clifford freundlich ein; dann schüttelte er den Kops und sagte: „Aber was fällt mir beim ein, die lunge Dame Miß zu neimen, bie ja meine rechte Nichte ist. Uebrigens kann fie nicht halb so alt fein, wie sie aus­sieht. Ich weiß ja genau, wann sie geboren ift toie sind eine Leine Betrügerin, liebes Kmd Barttey wechselte die Farbe bei dieser zufälligen Anklage, bie ihn wie ein Pfeil schuß traf; dann aber (ugte bet Oberst erklärend hinzu: „Sie konnten für eine zwan­zigjährige junge Dame gelten und sind doch höchstens — lassen Sie mich auSrechnen."

Acb bin 15 Jahre und 4 Monate alt, sagte „Aber ich führe alle Menschen fürchterlich an.

4- Die Moabiter Unruhen vor Gericht.

Der am nächsten Mittwoch beginnende Prozeß roenen bet Moabiter Unruhen wird ganz ungeheure Di­mensionen annehmen und die Strafkammer voraus­sichtlich etwa drei Wochen hindurch beschäftigen.

Die sozialdemokratische Presse tvütet darüber, daß die Anklagebehörde die Ausschreitungen als die Früchte fortgesetzter sozialdemokratischer Verhetzung darstelle. Nun, bie Verhandlungen werden ja wohl näheres darüber ergeben. Die sozial­demokratische Presse hat sich von Anfang an mit dem „Nachweis" abgemüht, daß nur Janhagel, Dirnen, Zu­hälter u-> ähnliche Elemente an den Ausschreitungen schuld seien. Wit fragen verwundert, wesh-ttb bann bet „Vorwärts" sich so sehr zu dem Anwalt bi es er Elemente macht. Was kann chm, dem Organ der zu­kunftsstaatlichen „Kulturträger", denn baran liegen, wenn die Polizei den Ausschreitungen des uanhagels entgegentritt? Er zieht doch sonst eine so scharfe Grenze zwischen dem verbrecherischen Mob und der gesitteten Arbeiterschaft? Nein, nicht stärker kann die Mitschuld der Sozialdemokratie an der Moabiter Re­volte bezeugt werden als durch ihre Verteidigungs­aktion Wer aufschreit, wenn geschlagen wird, der ist

getroffen. ,

Die Polizei ist gegen die Aufruhrer mit Entschie­denheit vorgegangen. Man darf erwarten, daß das Gericht ebenso entschieden gegen die Rechtsbre­cher vorgehen wird. Die Sozialdemokratie hat das geringste Recht, sich darüber zu beflogen. Die Sozial­demokratie, die in ihren eigenen Kreisen die roheste Gewaltpolitik treibt, die der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung den Kampf bis zur Vernichtung angesagt hat, die nach dem Geständnis ihrer -Führer sich nur noch nicht stark genug fühlt, um die Revolu­tion durchzuführen, sie kann dem Staate keinen Vor­wurf daraus machen, daß dieser sich gegen den An­sturm der Revolution und des Umsturzes mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zur Wehr setzte. Und er hat dazu nicht nur das Recht, sondern auch bie Pflicht. Wer sich des Rechts zum Umsturz rühmt, der darf nicht klagen, wenn die ganze Strenge des Gesetzes gegen ihn angewandt wird.

Es ist sehr anerkennenswert von der Sozialdemo­kratie, daß sie gerade jetzt ihre wahre Natur so offen zeigt und aus ihren revolutionären Bestre­bungen kein Hehl macht. Die Stroßenunruhen in Moabit und auf dem Wedding erhalten erst ihre rich­tige Beleuchtung durch die Offenbarungen,, welche so- zialdemoflatische Führer und Presse über die Umsturz- ffele der Partei machen. Zahllos sind die Bekennt­nisse zur Republik und die Verherrli­chung der Revolution, welche die sozialdemv- lratischen Blätter aus Anlaß der Revolution in Por- tUgal kundgegeben haben. Die in Erfurt erscheinende „Tribüne"" fordert die systematische Erziehung des Proletariates zum republikanischen Bekenntnis und verlangt:

„D e fonnenklare Agitation für die Rep u- .bitt für die „republiqne sans phrase“ muß neu be« UeVi werden. In federn Arbeiter und zweimal in jedem parlamentarischen Vertreter des Proletariats muß das .epublikanische Bewußtsein und der repudlika- ffsche Trotz ständig fo wach fein, daß er alle monarchi­schen Kundgebungen, roo und wann fie austauchen, mit tüt)lcni Lächeln die Stirn bietet. Die Sozialdemokratie barf ihre Idee von der Staatssorm der Zukunft nicht wie ein illegitimes Kind errötend hinter ihren Röcken verbergen. Sie ist republikanisch vom Sckeitel bis zur Sohle und roas sie ist, das wage sie zu scheinen."

Der Parteipapst Kautzky erflärt in der „Neuen Zeil" - Die Begriffe Sozialdemokrat und Republi­kaner bleiben identisch." Der Revisionistenführer Dr. Frank rühmt: „Die Tat ist revolutionär, nicht das Wort'. Der internationale Sozialistenkon­greß in Kopenhagen forderte offen zum Landes­verrat im Falle eines Krieges auf. Das sozial­demokratische Offen arger Abendblatt bezeichnete den

Nun werden Sie mit Recht fragen: Wie kommt es denn, daß eine Handvoll Schweinezüchter und Schnapsbrenner ein intelligentes und hochent­wickeltes Jnduflrievolk von 63 Millionen ungescheut bis aufs Hemd ausplündern und mit Sporen und Peitsche regieren kann? Das kommt daher, verehrte Anwesende, daß wir in Deutschland niemals eine richtige bürgerliche Revolution gehabt haben. (Sehr richtig! und Beifall.) Denn Ausgabe der bürgerlichen Klasse war es, mit den feudalen Raubrittern des bürgerlichen Mittelalters auszuräumen. Die bürget, lidie Klasse Frankreichs hat das mit den französischen Junkern gründlich besorgt, die vor 1789 die Massen genau so brandschatzten, wie unsere ostelbischen Junker. Sie trugen der französischen Bourgeoisie den Kops zu hoch, und da hieß es ganz einfach: Kopf ab! Das Bürgertum nahm selbst die Zügel der Herrschaft in die Hand. In Deutschland aber hatten wir 1848 nur eine Revolution im Schlafrock und Pantoffeln. (Heiterkeit und Zustimmung.) Hier schloß die Bourgeoisie sofort mit den Junkern wieder ein Kompromiß aus Angst vor der sozialen Revolution, und bald war das Junker­tum, das viel konsequenter, zäher und frecher ist, ms e die Bourgeosie, wieder obenauf und setzte der bür­gerlichen Klaffe den Absatz in den Nacken. Die bürger­liche Klaffe Frankreichs hat auch mit dem Gottes- gnadentilm reinen Tisch gemacht. Auch das trug ihr den Kopf zu hoch und auch da hieß es: Kopf ab.

„D von der.Vojsischen' und nach ihr von der ,B SL ,tg.‘ denunzierten „Jesuitenniederlaffung in Brev. .a" besteht, sage und schreibe aus einem g an- jen Pater — dem hochro. k. Tauer, einem Reißer, ehemaligen Pfarrer der deutschen Gemeinde in Paris «Rue Lasayetle) und später der deutschen Kolonisten auf Jamaica. Der hochw. Herr, bereits 76'/, Jahre alt, gedenkt seinen Lebensabend unter feinen Lands­leuten zuzubringen, nachdem er für die Deutschen im Anstande solange gearbeitet hat. Daß er in dem be­nachbarten, für Diözesanpriester bestimmten Priesterheim täglich die hl. Messe liest, bringt niemanden irgend welchen Schaden; und in Familien herumzuhetzen, dazu hat er keine Lust und verbieten ihm feine „kontrakten Beine". Vielleicht besucht ihn die verehrte Redaktion einmal, er ist ein sehr freundlicher und jovialer Herr!

Auffassungen haben aber keine beherrschende Bedeutung in den deutsch-russischen Beziehungen. Das Wesent­liche in dem Verhältnis der beiden großen Nachbar- reiche ist vielmehr darin zu erblicken, daß Schwierig­keiten und Mißverständnisse, die etwa austauchen, durch unmittelbare persönliche Fühlung und durch Aussprache zwischen den Herrschern und ihren Ministern sich aus­gleichen lassen. Unter diesem Gesichtspunkte wird auch die diesmalige Begegnung des deutschen Kaisers und des. Kaisers Nikolaus zu würdigen fein, ohne daß sie m das politische System Europas Neuerungen einführte, die von vornherein weder von deutscher noch von russischer Seite beabsichtigt waren. Wohl aber durste sch die Nachwirkung der jüngsten Monarchenbegegnung im Sinne einer Förderung der allgemeinen Friedenspolitik geltend machen.

Fahneneid als Zwirnsfaden, über den ein „innerlich frei gewordener Mensch" nicht mehr tolpern kann. — Der sozialdemokratische Reichstags­kandidat Wendel führte in einer Rede in Frankfurt a. M. am 1. September aus: