Zeitung
Tuldaer
o cm
— Wie viele Arten von Pflanzen kennt
Kompositen mit 14 324 Äncn; die Palmen zählen 1085, die Gräser 3545, die Orchideen 7521 Arten.
man dem
Hefte Ordnung ernstlich bedroht, zu zügeln.
Herr v. Bethmann Hollweg hat dem Drängen seiner liberalen Freunde endlich nachgegeben und wenigstens einen Test seines Programms bekanntgegeben. Bereits die Stellungnahme gegen das demagogische Treiben des Hansabundes bedeutete eine Offenbarung des Programms des Reichskanzlers. Noch deutlicher sprach sich die ,.Nordd. Ällg. Zig." in ihrer letzten Wochorundschau aus. Sie gab die Grundzüge des Reichshaushaltsetats für 1911 bekannt und konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß ein durchaus befriedigender Abschluß erreicht ist und sie führ*' mit
worden?
Damit die Antwort an diesem Tage des unmittelbaren Wiedersehens gut aussalle, ist es geraten, schon in der Zwischenzeit mit den Eltern in steter geistiger Fühlung zu bleiben. Sprich dich in allen wichtigen Stunden des Lebens mit deinen Eltern aus! Auch die Toten geben Antwort, wenn man sie nur richtig be- ftagt und das Herz anftut für den Hauch, der herüber- wehe aus der anderen Welt.
Dankbarkeit ist eine lohnende Tugend. Wer den Eltern dankbar ist, empfängt neue Wohltaten von ihnen SB e t e für die Seelen der verstorbenen Eltem, und das Gebet wird nicht bloß ihnen nützen, solidem auch dir zum Segen gereichen, da es Frieden in deine Seele zieht und deine Kräfte erfrischt zu weiterem Ringen und Streben.
und in Mühsal groß gezogen worden ist von den opferwilligen Eltem. Der moderne Mensch hat sogenannte Fortschritte gemacht, die ihn leider manchmal ans die t i e r i s ch e „Kultur" zurückbringen: und wenn das Junge groß geworden ist, kennt es die Alten nicht mehr.
Die Mongolen treiben einen großen Ahnenkultus. Da sie Heiden sind, so entartet bk Verehrung der Vorfahren in Götzendienst vor den Ahnen- bildcm. Aber der Grundgedanke ist gut und schon. Auch diese Heiden glauben, daß die Seelen der Vorfahren fortleben und daß eine geistige Fühlung bestehen bleibt. Die sie im Leben verehrt haben, wollen sie auch nach der körperlichen Auflösung in Liebe und Ehre halten. Die Verehrung der Vorfahren ist dort eine reiche Quelle sittlichen und sozialen Segens. Der kräftige Familiensinn ist geradezu die Grundlage der Zucht und Ordnung geworden. Bei _ uns zu Lande muffen wir mit Trauer und Angst feststellen, daß immer mehr das Bewußtsein der Blutsgemeinschaft schwindet, der Familiensinn verlöscht, ja der Bestand der Familie gefährdet wird. Mit dem Glauben werden auch die edlen natürlichen Gefühle untergraben.. Eigennutz und Eigensinn zerreißen die heiligste und heilsamste aller Gemeinschaften; es kommt zur Zersplitterung, die den Vereinzelten angeblich frei, in Wirklichkeit haltlos und unglücklich macht.
Die schlechten Zeiten zu beffern, das geht über unsere Kraft. Aber uns selbst können und sollen wir bessern und dazu gehört auch, daß wir den rechten Familiensinn uns wahren. Wir wollen stets unfern Eltem gute Kinder sein und hoffen, daß unsere Nachkommenschaft auch uns Ehre und Freude macht.
Wenn die Jahre des strengen Gehorsams vorüber sind so hört damit die Verantworllichkeit nicht auf. Die'Familie, der wir enffprossen sind, hat ein Recht darauf daß wir uns als ihre würdigen Sprößlinge bewähren Wenn der Nachwuchs flügge geworden ist, so darf er nicht einfach den Mund abwischcn und von dannen gehen, wie aus einem aufgekündigten Quartier Nein, die Familienbande lassen sich nicht zer- schneidm. Denn die Jungen, die selbständig werden wollen nehmen etwas mit was sie mit ewiger Ver-
Sporn zur Tüchtigkeit.
Das Auge der Eltem tut auch großen Kindern gut. Und das Äuge der Eltern wacht auch dann noch über den Sprößlingen, wenn die Körper schon im
Samstag den 5. November 1910.
37. Jahrgang.
Pflichtung an die Stammsamilie teilet: ihren ausgewachsenen Körper und die Erziehung verdanken sie dem Elternhause, Das ist eine Mitgift von höchstem Werte, für die sie ihr ganzes Leben lang dankbar fein müssen.
Es liegt auch in ihrem eigenen Vorteil, wenn ie im lebendigen Stammesbewußtsein verbleiben. Nicht umsonst steht beim v i e r t e n G c b o t: „. . . damit es dir wohlgche und du lange lebest auf Erden." Es gibt gefährliche Augenblicke int jungen Menschenleben, wo der Gedanke an die Eltern und das Vaterhaus wie ein rettender Schutzengel wirkt. „Tu das nicht, du müßtest dich ja schämen vor Vater und Mutter . . . Mach deiner Familie keine Schande
Haft aus tmd bleib fleißig und strebsam, damit du ein würdiges Glied deiner Familie wirst!" — Das stete Gedenken an den tüchtigen Vater und die fromme Mutter ist eine Schutzwehr in Versuchungen und ein
nicht geschehen konnte, so ist das liberale Interesse rasch verflogen. Wie wir im allgemeinen uns mit dem mitgeteilten Programm des Reichskanzlers durchaus einverstanden erklären können, so wenig können es die Liberalen. Sie dürfen das Werk der Neichsfinanz- reform nicht anerkennen, und sie wollen von dem gemeinsamen Kampf gegen die Sozialdemokratie nichts wissen.
Tas hat sich in diesen Tagen wieder deutlich gezeigt bei der Erörterung des Falles Arnsperger. Arnsperger, Oberamtmann in Karlsruhe, wurde von der badischm Regierung versetzt, weil er in einer nationalliberalen Versammlung für den Großblock ein= getreten war. Ob übrigens diese Stellungnahme der badischm Regierung eine definitive Absage an die sozialistenfreundlichen Tendenzen des Herrn v. Bod- man bedeuten soll, ist noch nicht über allem Zweifel
erhaben man wird weiteres abwarten müssen. Diel ge amte' liberale Presse hat die badische Regierung wegen der Versetzung des Oberamtmanns Arnsperger die nicht einmal eine Strafversetzung war, angegriffen; darunter auch dieselbe nationalliberale Presse, welche an der Maßregelung von Beamten, die für Zentrumskandidaten gestimmt haben, nicht den geringsten An-1 stoß nimmt Gleichzeitig bietet der Fall Arnsperger der liberalen Presse Anlaß, der Sammlungsparole gegen die Sozialdemokratie eine deutliche Absage zu erteilen Bezeichnend ist vor allem die Aeußerung der i Straßburger Post": In Süddeutschland müsse man den Nationalliberalen freie Hand lassen zur Nieder- ringung des alten bösen Feindes, des Zentrums, das im Süden mehr als in Norddeutschland die schwerste Gefahr für geistige Freiheit und kulturelle Entwicklung bildet Mit dem Zentrum könne es in Süddeutschland für die Liberalen keine bürgerliche Gemeinbürgschaft
I geben, ebensowenig in Baden, als in Württemberg, Bayern und Elsaß-Lothringm. Dazu kommt, daß der Revisionismus sich in Baden umgänglicher^ erwiesen
I habe als die norddeutsche Sozialdemokratie. Das muff e I bei aller grundsätzlichen Gegnerschaft zu anderen faktischen Konsequenzen führen.
Zar Nikolaus benutzt die letzten Tage seines Aufenthaltes in Deutschland, um Kaiser Wilhelm in . ?
Potsdam einen Besuch abzustatten Gleichzeitig wird j Phrasen^ auch der zukünftige russische Minister des Aeußeum, Sasonow, Gelegenheit zu Besprechungen mit dm lei-
Große Geschlechter haben ihr Stammschloß, und viele ländliche Familim haben ihr Erbgut. Aber die neuen Verhältnisse bringen es mit sich, daß für Millionen der Begriff „Vaterhaus" sich nur an eine zeitweilige Mietswohnung in einem Zinshause knüpfen kann. Da bleibt vom „alten und befestigten Grundbesitz" nichts weiter übrig, als die Grabstätte der Vorfahren. Ein kleines, aber wertvolles Familien- gut! Man soll es hegen und pflegen. Man soll auch nach Möglichkeit die eigenen Kinder hinführen und ihnen von den Großeltem erzählen. Die Elten? können sich selbst nicht loben, aber das Lob der Großeltem lönnen sie fingen und sagen vor den Enkeln, um in ihnen den Familiensinn und das Ehrgefühl des Stammes zu ivecken.
Das Lob? Ja, es brauchen keineswegs Helden oder Heilige gewesen zu sein, wenn es nur brave, ehrliche, fleißige und tüchtige Christenmenschen gewesen sind, so kann man sie dm Nachkömmlingen vorführen zur Freude und Erbauung. Es ist sehr viel gewonnen, wenn sie in dem festen Entschlüsse aufwachsen: Wir wollen auch brave, ehrliche, fleißige und tüchtige
land.
Sollen wir noch an die gleiche Wirkung des Kulturkampfes der siebziger Jahre erinnern?
Imponderabilien ja sind es gewesen, die dieses Aufleben des Katholizismus bewirft haben, aber Imponderabilien, Unbegreiflichkeiten bloß für jenen oberflächlichen Betrachter der Dinge, der meint, von dem religiösen Leben ganz absehen zu können. An diesem Fehler stankt auch die Bestachtung der heutigen Kirchenfeinde. Weil sie dafür kein Verständnis haben, so meinen sie, der katholischen Kirche den Totenschein aus- stellen zu können und sehen gar nicht, daß ihre Uhr falsch vorgeht. Noch immer hat der Ansturm ihrer Feinde auf die Kirche weckend, belebend, zur vollen Kraftentfaltung anrufend gewirkt. Und so wird auch der spätere Geschichtsschreiber des 20. Jahrhunderts, mmn er einmal buchen wird die ivilden Ausbrüche modernen Kirchenhasses, und wenn er einst feinen Lesern erzählen wird von jenen größenwahnsinnigen Weissagungen moderner Kirchenhasser, von dem „Sturz und Untergang Roms und der katholischen Kirche wie des Papsttums" — auch dieser zukünftige Geschichtsschreiber ivird angesichts der unüberwindlichen Sieges- traft der Kirche, die er schauen wird, von diesen Kir- chcnstürmern unserer Tage das Wort anroenben:, „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will mid stets das Gute schafft." Aiich sie werden den Triumph der Kirche ittuftrieren durch ihre Niederlage.
Und gedenket auch ihrer im nächsten Monat, wenn ihr mit den eurigen die gemütliche Familienfeier begeht, bei der die gegenseitige Beschenkung das Symbol der gegenseitigen Beglückung sein soll.
Der Familiensinn, der unserer Zeit so bitter not tut, möge gehegt und gepflegt werden sowohl unter dem Zypressenbaum der Totenfeier, als unter Christbaum an warmem Herde!
heute? Rach dem kürzlich ersch eneneii, von Botaniker I. C. Th. Uphof verfaßten Werke „Die Pflanzengattuiigen" sind bis jetzt 133032 Arten von Btülenpflanzeii bekannt. Farnkräuter feunt man 4521 Arten. Die größte Pflanzen familie ist bieder
2. Blatt.
vlistk und Verlag der Zuldaer Aetlendruckerei in zulda.
wochen-Rundschau.
[:] Fulda, 4. November 1910.
Das Kronprinzenpaar hat feine Reife nach Ostasien angetreten und wird nun mehrere Mo-1 nate fern von der Heimat weilen. Möge dem hohen Paare auf seiner Fahrt ein günstiger Stern schweben und Gottes Schutz es behüten.
Im Jnlande mehren sich die Stimmen, welche I einem strengeren Vorgehen gegen die soMdemokratt- schen Hetzereien und Aufwiegelungen das Wort reden Allerdings fehlt es nicht an Anlässen, die geeignet find die Erbitterung in allen bürgerlichen Kreisen zu I schüren und auch die Sorge der Staatsleitung mit er-1 neittem Eifer auf die Entwickelung der Dinge zu lenken Nach den Streikausschreitungen in Moabit ist es in einem nördlichen Stadtteile Berlins, im W e d- d i n g, zu Skandalen gekommen, die zwar durch die polizeiliche Gewalt im Keime erstickt werden konnten, die aber doch auch zeigen, mit welcher Brutalität die organisierte Sozialdemokratie von ihren Machtmitteln Gebrauch macht. Wir haben gesehen, daß wegen der Enttossung eines faulen und unbotmäßigen Gesellen das Geschäft eines Metzgermeisters boykottiert wurde, und daß wehrlose Frauen und Kinder, die trotzdem dort fauften, auf offener Straße durch geprügelt wurden. Derlei Ausschreitungen, sowie die Angriffe auf Arbeitswillige müssen der Regierung freilich nahcle- gen, endlich. Taten zu zeigen und gegen den radikalen Terrorismus der Sozialdemostatie energisch vorzugehen. Schon ruft man nach Ausnahmegesetzen. Doch wäre es traurig, wenn die bestehende Gesetzgebung der ©taaißregiening nfcht Handhaben genug böte, um den liebermut der radikalen Aufwiegler, der die staat-
Jch kann mir nicht verheb«''', daß eine neue Epoche des Papsttums eing^eten 'st.
Und heute? Die protestantische preußische Kirchen- zeitung schrieb vor drei Jahren zu den Worten
zu; jedoch hoffen wir, daß sie dazu beitragen wird,. das gute friedliche Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland zu befestigen.
Dem parlamentarischen Regierungssystem wird I vielfach nachgerühmt, daß es für die Bildung des verantwortlichen Ministeriums einen sehr einfachen und sicheren Weg vorschreibe: das Ministerium i ff der geschäftsftihrende Ausschuß der parlamentarischen Mehrheit, es bleibt im Amte, so lange es das Ber- ] trauen der Mehrheit hat, und wenn ihm dieses Ver- tr au en entzogen wird, so hat das Staacsoberhaup . neue Männer, die ihm dem neuen Willen der Mehr- i hcii zu entsprechen scheinen, mit der Führung der Geschäfte zu beauftragen. In der buntscheckigen Wirklichkeit geht es aber nicht immer glatt nach dieser Schablone. So hat am Mittwoch das französische Ministerium, dem fachen eine überwältigende Mehrheit der Kammer ihr Verstauen ausgesprochen hatte, feine Entlassung eingereicht, und dieselbe ist vom Präsidenten der Republik „angenommen" worden. Allerdings Hai der Präsident den bisherigen Vorsitzenden dieses abstetenden Ministe- I riumS mit der Neubildung beauftragt, nämlich den | vielgewandten Herrn Briand. Aber das Bertrau-
bis jetzt noch nicht an gekündigt Sogar die liberale i Presse, der man eine Antipathie gegen die neuen Machthaber in Portugal nicht vorwerfen kann, findet es befremdlich, daß die vorläufige Regienmg die Regelung des Staatsreckts und dre Ausarbeitung de? Gesetze nicht der verfassungsgebenden Versammlung überläßt von der sie erst ihre Anerkennung und Berechtigung 'erhalten muß Mit der Emberufting der gesetzgebenden Versammlung aber haben die Herren in Portugal es gar nicht eilig, und sie können sich dem Vorivurf nicht entziehen, daß ihr Regime nichts anderes ist als die rücksichtsloseste Diktatur, die Diktatur, welche sie dem letzten Minister des ermordeten Königs Carlos, dem jetzt wegen seiner angeblich gesetzwidrigen Regierung verhafteten xsoao I Franco, zum größten Verbrechen angerechnet haben.
Unpolitische Zeitläufe.
(N.) Berlin, 3. November 1910.
(Nachdruck verboten.)
Leben deine Eltern noch? Ja? Dann freue dich wie ein Kind und tue ihnen alles Liebe und Gute, was dir nur möglich ist. Denn daß du lebst und wirkst, verdankest du ihnen nächst Gott.
Sind deine Eltern schon gestorben? O, dann gedenke ihrer in Liebe und allezeit, besonders aber im Allerseelenmonat. Sie haben dir den Platz auf Erden bereitet; sorge dafür, daß sie dir auch einen Matz im Himmel bereiten.
Allerseelen und das vierte Gebot - bangen die zusammen? Freilich. „Du sollst Vater und Mutt« ehren." Es steht nicht da: bis zu ihrem Tode. Auch der Heimgegangenen Eltern gebührt noch die kmottche Verehrung, und wenn wir jetzt den heilsamen Wam beigang zum Friedhof machen, fo soll das Grab des Vaters, der Mutter das erste und lEe Ziel sem.
Durch die Freizügigkeit sind die Menschen durch- «tnander gequirlt worden. Viele wohnen weitab von her Sstlle wo ihre Vorfahren gestorben und begraben sind. Sie können nicht zum Grabe ihrer Eltern reisen. Der Körper braucht allerdings Zeit und Geld zum Reisen; aber der Geist ist beweglicher, als alle Lokomotiven und Luftschiffe. Wir versehen uns m Ge- banten an das entfernte Grab der Lieben, c3» tvir benutzen dieses Grab als Sprungbrett für den noch viel weiteren Gedankenflug in das Jenseits; unjerc Seele sucht und findet die väterliche und mütterliche Seele, um Gmß und Dank und Fürbitte auszu- tauschen.
Die Freizügigkeit zerreißt vielfach die äußeren - Bande. Der geistige Zusammenhang könnte ober dabei sehr wohl bestehen, — wenn nur nicht die ganze moderne Entwicklung dem Familiensinn so verhängnisvoll wäre. Die Parole heißt: das eigene ^;ch soll sich ausleben I Vor lauter Selbstsucht vergißt der Nachwuchs, daß er nicht vom Himmel gefallen ,st und auch nicht am eigenen Schopf sich selbst aus der Erde gezogen hat, sondern daß er in Schmerzen geboren
fach deutsch. Der Umschwung kam allerdings von etwas Unbegreiflichem, aber von etwas, mit bemge» wisse Leute überhaupt nicht mehr rechnen zu muffen und zu sollen glauben, er tarn von der E rff ar tun g des religiösen Lebens, die hinwiedermn ein nur allzuleicht begreiflicher Rückschlag war gegen dre Dürre und geistige Oede und Verarmung des inneren Menschen, welche die seichte Aufklärung, die von Eng- lc.nd nach Frankreich u. Deutschland heruberschlagende Freigeisterei gebracht hatte. Ungeheures Aussehen er- mjte9 bei diesem Geschlecht die Rückkehr des Grasen i Stolberg zur Kirche; man lese die Flegeleien eines Wieland gegen den Grafen und man hat eme Ahnung, welches Maß von Haß gegen bie Kirche bei jenen Leuten aufgefpeichert war. Auf der Suche nach Nahrung für den Innern Menschen sanden so manche der Romantiker den Weg zur Kirche. Das religiöse Leben wurde lebendig, nachdem man es allzulang vernachlässigt hatte. Es sei nur an einen taffer unb an den Kreis gebildeter Katholiken erinnert, der in
I Münster um die Fürstin Gaüitzin sich scharte.
Dann der erste preußische Kulturkampf, der sogenannte Kölner K i r ch e n st r ei t °ls die preußische Regierung den Kölner Erzbischof verhaftete und auf die Festung Minden transportierte, weil er tn der Mischehenfrage ihr nicht zu Willen war^nicht sein konnte. Diese Gewalttat, dieses brutale c-ichgeltend- machen des Staatskirchenturns, das stille, waffenlose Heldentum der Bischöse hat in den Herzen von unzähligen Katholiken das schlummernde kirchliche Empfinden geweckt und machtvoll beigetragen I zur Wiedererweckung des Katholizismus in Deutsch-
Recht aus: „Gelingt es, einen guten Etat auszu- stellen, der den Erfordernissen der strengsten Sparsamkeit enffpricht, aber zugleich allen Anforderungen, namentlich unserer Wehrkraft gerecht wird, so ist damit ein sehr wichtiges Programm durch die Tot verwirklicht." Daß dieses Programm verwirklicht werden konnte, ist der Reichsftnanzreform zu verdanken, und das offiziöse Blatt konnte auch an der Anerkennung nicht vorbeikommen: „Dies Resultat schließt zugleich , v—».—>.. ......- - ------
die bündigste Rechtfertigung der verbündeten Regie- msvotum der Kammer, das angeblich i |a' L' rungeit dafür ein, daß sie die Reichsfinanzreform un- soll, galt doch nicht »wscr^Emzelperwm geachtet mancher Mängel im einzelnen in der vom gesamten Ministerium. ^n ^Puttertenkanm. Reichstag beschlossenen Gestalt akzeptiert haben". Wir hatte es gelegentlich der Beratungen über den Eisendürfen hinzufügen: es schließt ebenfalls die bündigste bahneransstand stürmische Szenen gegeben. Daß der Rechtfertigung der Arbeit ein, dir die Parteien der Eisenbahnerausstand mit einem Fias.o cr^ • Finanzreformmehrheit geleistet haben. Das offiziöse s schäft geendet hat, und daß er den BM»ei- gelifferl Blatt erklärte weiter mit aller Deutlichkeit, daß der hat, daß die Staatsordnung doch nicht auf einen Reichskanzler in einer scharfen Bekämpfung der So- Wink der radikalen Drahizieher ohne wei.e^s •> zialdemokrcitte eine der Hauptaufgaben der Regierung nichtet werden kann, ist den soSEistlfchen„wnpum- und der Parteien sehe. Merkwürdigerweise ist es gen stark zu Kopf gestiegen und sie schäumen n jetzt im liberalen Blätterwalde über das Thema „Tas Wut gegen die «Regierung. Der Sozialisten sichrer Programm des Reichskanzlers" recht ruhig geworden. JEs überschüttete d.e ©taa.s.eitung ™t btn ,ei- Man hatte gewünscht, daß Herr v. Bethmann Hollweg denschaftlichsten Anklagen und als der Munfferpru- stch zu einem liberalen Programm bekennen würde; deni Briand die geehrten Herren mchd noch um Lnt- da dies nun nicht geschehen ist, auch verständigerweise I schuldigung bat, sondem einen festen und energffajen
haben. I
Der Geschichtsschreiber Dietrich Schäfer schreibt in seiner Weltgeschichte der Neuzeit (1907, II, o04f):
Ais eine 6er wunderbarsten Ersche > - I „nagen des 19. Jahrhunderts wird sich stets die, Er- -vccTuffa des KntbostMnns darstellen. In der Zeit der Hufflnrung hätte st- niemand Voraussagen mögen. 'Bis zum pävfttichen Stuhl hinaus hatten ne ^dee» des I 18. Jahrhundert? sich die Geister brennbar gemacht, i Zpeftell in Deutschland waren die Leiter der Kirche non ihnen ergriffen. In dem glanzenden Episkopat ocs allen Reiches tonnten unmittelbar vor dem Ende einer reichtfürstlichen Herrlichkeit Gedanken an eine Nationattirche austanchen. Die Saknlarilatto» schien vie M uhl der Kirche vollends zu brechen. Aber es ,ejate sich bald, daß man ihre Ledenslratt und ihren -eifligen Inhalt unterschätzt hatte. . . .. Sie bat bald durch innere Straft ersetzt, was tie au..erlich eu- i-butzt hatte, nirgends so wie in Deutschland. JS.e lonfer atme Strömung der Zeit sicherte der star.ncii Macht des Beharrens auch bei ben, evangelischen
I Regierungen Sympalhien >'nd Entgegenkommen.
Die Zeichnung ist bis auf einige kleine Striche naturgetreu, richtig vor allem nach der Seite, daß am Ende des 18. Jahrhunderts niemand, der nicht als gläubiger Katholik von der unvergänglichen LebenS- macht seiner Kirche überzeugt mar, an eine Fortdauer I dieser Kirche gedacht hat.
„Vernichtet die Infame!" — mit diesem feinem Hassesausbruch hatte Voltaire immer noch die Macht der Kirche anerkannt; denn gegen etwas Totes schleu- I dert man keinen solchen Rus. Em Menschenalter späterfand man diesen Haß komisch, da man, glaubte, daß das Kirchengebäude in nächster Zeit in sich selbst
._,—o„„o —, .... . . t .. 11 Zusammenstürze.
Ton anschlug, da fehlte nicht viel, und man wäre Wie g an z a n d e rs i st e 3 g ek o mm e n! Auch handgreiflich gegen ihn geworden. Die Kammer er-! b(I jnnn man sagen: Welch eine Wendung durch Got- teilte Briand ein glänzendes Vertrauensvotum, weil le§ Fügung! Um diese zu erkennen, nehmen wir die er mit Entschiedenheit betonte, daß die Staa sober-1 Kxschsflflv bes Protestanten Ranke über das Papst- hohcit von allen Machtmitteln, die ihr zu Gebote lum ,ur Hand und verfolgen sie in ihren verschiedenen ständen, Gebrauch machen müsse, um die revolutio- Ausgaben In der ersten Ausgabe im Jahre 1834 nären Elemente zu unterdrücken. Wenn Briand trotz-1 )Gitt b»r Verfasser sich entschuldigen, daß er sich über-- dem seine Demission einreichte, so liegt der Grund „^ch mit der Geschichte des Papsttums besaßt: darin, baff- die Minister über die taktische Dehond-1 j0 s, agi er, „ist es heuieznrage noch, das
luna der Fragen untereinander nicht einig sind. ans "bie Getchichie der paöstlichen ‘üenmlt wichtig
Die vorläufige Regierung in Portugal ist von machen kann? R'.cht mehr ihr betonteres Berhalknw einer wahren Wut des Gesetzemachens befallen. Es ,n uns, da; m fernen welentt chen Einfluß werter ans- sind anaekündigt ein Preßgesetz, ein Gesetz über die übt, noch auch Besorgnis n gendeiner Art; dre b«*™. Versmnnilimgsfteiheit, über die Freiheit des Aus- wr. wir etwas ftrrch.en konnten, sind vorüber. W.r standes, über die Ehescheidung, über die Trennung lut?,e!S aUmg«t sencherv
von Staat und Kirche. Das wichtigste Gesetz aber, | Als aber Ranke 10 ^agre fpa er dre sechste Auf- das vor allem notwendig wäre, ein Wahlgesetz, ist läge erscheinen ließ, gestand er em, geirrthaben.
Rmkes: .
„Und jetzt, ein Menschenalter später, wo wir d.e Entwicklung noch besser übersehen können, muffen wir sagen, das 19^Jahrhundert bedeutet e,nen Aus schwunq des Papsttums, zu dem man die Analogien (Ähnlichkeiten) nur in sehr weit zurückliegenden Jahrhunderten suchen muß."
Es wird bann auch die Frage nach den G t u n* b en für biefen so ganz unb gar nicht erwarteten Umschwung ber Dinge aufgeworsen un^ recht mangelhaft beantwortet. Ein gut Teil dazu hatten itach ben Freiheitskriegen bie nichtkatholischen Fürsten beige- i (ragen so Alerander I. von Rußland unb der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. Dann heißt es
-I* Kirche imd PaPsttAM im 19. Jahr- weiter: IMild)en Zeitumstände und die
hnudert. sreundliche H'Ise. die dem Papsttum entgegenkamen
Es gibt in unseren Tagen nicht wenig Leute die genügenmit- mit wahrer Wollust ben unmittelbar bevorstehenben da manch p .^^soolte Mächte, die tu der Untergang ber Kirche unb des Papsttums Ao[ogi“ öer Völker und auch der einzelnen ^olk^. prophezeien Schon sehen sie die Funbamente ber ™ Bildmigsgeschichle begnuitiet, hegen und d,e sich Kircbe weaaespült — vielleicht von bem Wasser ihrer nur sehr schwer Larstellen lassen.
iboraien2 — schon sehen sie die einzelnen Säulen des $.ag siwgt arg geheimnisvoll. Sagen wir es ern- Kirchengebäubes nieberbrechen und das ganze Ge-' - - -- - «-
Müde sich zum Sturze neigen. So reden Leute bie
---„—„ .. . .. , von der Welt- und Kirchengeschichte, bie ^ahrtauseude lenden PersönlichkeÄcn der beutschen auswärtigen n{ fennen c(s die paar Stunden ihres
Politik haben. Eine besondere politische Bedeutung I'flüchtigen Seins und in diesem selbst nicht wei- kommt der Monarchenzusammenkunst m Potsdam nicht J . die eigne Nasenspitze reicht.
— =• "Ib 1 Swtete. di. »Mi» di. ®«W. to
Vergangenheit kennen, führen eme ganj andere Sprache. Sie müssen, wenn sie cs auch manchmal nut Widerwillen tun, anerkennen, daß noch alle Weis- sagungm von dem Untergang der Kirche sich als verfehlt, als a r m s e li g e Täuschung erwiesen
Grabe rühm. Was ift'ber Tob? Ein Schlaf bis zur \ Chrfftenmenschen werden! -
Auferstehung. Wir werden unsere Eltern wieder sehen Gedenkt innig der Vorschren im Allerseelenmonat! im Jenseits und sie werben uns fragen: O bu mein Kind, bas ich mit Schmerzen und Mühen in bie irdische Welt eingeführt habe, was ist aus dir ge-