Einzelbild herunterladen
 

Settun

uldaerM

37. Jahrgang

Fulda, Freitag den 4. November 1910.

Erstes Blatt

j\S 253.

Präsidium

der

♦ Das Krouprinzenpaar auf der Reise.

traf

L«jrl-e«: Vie et» fpaltigepetitzeil« oder deren Raum 15 Pfg. Retlamendiepetitzeile

Pfg., btt wieder- yolungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

üotationrdruckund Verlag der Luldarr Ak- tttn-rnSerti in Zulda zrrnsprecher Nr. 9.

sich und

Briand

Es setzt

regelung der Steuerverhältnisse in Preußen sind I Beschlüffe noch nicht gefaßt.

* Die Peufionsverfichermig der Privataugestrllten. Im Reichsamt des Innern beginnen, rote der .Tag' mitteiU, heute die kommissarischen Beratungen mtt den Vertretern der Reichsämter und der preußischen Ministerien über die Pensionsversicherung der Privatangestellten. Da an diesen Beratungen sämt­liche preußische Restarts beteiligt sind, wtrd die spätere Beschtußfastung des Staatsmintstenums über die Vorlage wesentlich erleichtert. Unter diesen Umständen rechnet man damit, daß die Vorlage noch im Laufe dieses Monats an den Bundesrat und, wenn irgend möglich, auch noch vor den Wethnacht»« ferien an den Reichstag gelangen wtrd. Man tarnt mit einiger Sicherheit aus die Verabschtedung der Vorlage in der bevorstehenden Reichstagstagung

Oberndorf, Kehl in Veitsteinbach, Muer in Stein­bach, Anton Mohr in Hattenhof, Crost in Schlehen- hausen, Sack in Birstein, Ewald in Weidenau, Michels in Alsberg; die Schulamtsbewerberinnen: Therese Martin in Bachrain, Elisabeth Trabert in Hattenhof, Karolme Klug in Großkrotzenburg. ' Endgültig angestellt- Lehrer Faupel tn Un-: gedanken, Kr. Fritzlar. Versetzt: dte Lehrer Gold- dach von Friesenhausen nach Marbach, unter gletch- zeitiger endgültiger Anstellung, Wiechec von Bett- steindach nach Gotthards, H. Schick von Hattenhof nach Friesenhauscn, Klüber von Birstem nach Reuen­berg, Schade von Schletzenhausen nach Großenlüder, Schlütz von Weidenau nach Magdlos.

* Fritzlar, 3. Nov. 1910. Laut Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen ist nunmehr auch die private höhere Mädchenschule der Ursulinen zu Fritzlar als höhere Schule tm Sinne des Erlasses vom August 1908 anerkannt i worden; die sechste anerkannte Mädchenschule kathol Ordensniederlassungen in Hesten-Naffau.

«Meint täglich mit <«etto6nte bet Sm» „d Feiertage. Viertel- LhrlicherVeMgrprdr ^>ne »ringerlshu unb KtfieLgelb in Fuldas»« Mir amwärtr fSOfllL

Ausland.

* Das nette Kabinett

Tatsachen.

Wir könnten ja schr wohl in schlüffigen Worten 'den Nachweis führen, daß die Eintracht bet uns besser bestellt ist, als bei allen anderen Parteien, und daß im Gegensatz dazu die Eintracht bet den Rattonalliberalen schlechter bestellt ist, als bei allen anderen Parteien. Aber wtr brauchen uns gar nickst dte Mühe der Ueberredung zu geben, denn wir find der sicheren Ueberzeugung, daß unsere Gefinnungsgenostett sowohl dw Fähigkeit, als auch den Willen haben, durch ihr emtrachttges und zielbewußteS Vorgehen den tatsächlichen Beivets zu liefern, daß der unüberwtndltche Turm noch in alter Festigkett besteht.

Tadei sind wir uns wohl bewußt, daß unsere Partei zu einem besonders hohen Grad von Eintracht und Geschlostenhett verpflichtet tst. E» g e h ö r t s i ch s o, daß wir iu dieser Beztchung allen anderen Organisationen »über' find. Wir haben nicht bloß eine bessere Grundlage der Emtracht, sondern auch einen größeren Bedarf an Geschloßen- heit und treuem Zusammenwirken aller strafte. Den« keine andere Partei ist derartig um- geben von Gegnern und Neidern, rote dte Zentrums­partei, die seit ihrem Bestehen so zu sagen von allen Seiten bekämpft wird. Unb ferne andere Kon fessiou hat einen so vielseitigen heftigen und rähen Ansturm auszuhalten, als der Katholizismus.

Wenn wir uns dieser alten Bedrohungen und der neuen Schwieriglesten bewußt find, so tst unsere Eintracht eigentlich eine Selbstverstand. Lid) feit Mit Recht sagte der Herr Kardwal-Erz- bischof von Köln, daß wir geradezu den Verstand verloren haben müßten, wenn wir jetzt den Gegnern den Gefallen täten, uns zu entzweien.

mon-t-b-NM- „Fuldaer Geschichtsblätter"

Lokales.

Fulda, den 4. November 1910.

ü Für die Katholiken Fuldas und der Um­gegend wird am Sonntag, den 13. d. M., eins allgemeine Versammlung im großen Stodtsaale abgehalten, auf die w.r schon heute aufmerksam machen wollen. Sie wird Aufklärung schaffen über die religiösen Gefahren der Zett, die namentlich durch die Freidenkerbewegung ge- steigert sind, ro*:’-v die Stellung des Papsttums erörtern und d.. lebe und Verehrung dec Katho- liken gegenüber dem hl. Vater Ausdruck geben. Dabei wird sich auch Gelegenheit geben, die in letzter Zett gegen die katholische Kirche und ihr Oberhaupt erhobenen Beschimpfungen und Schmähungen gebührend zu würdigen.

(*) Ter Zar hat letzte Nacht gegen 3Al Uhr auf der Fahrt nach Potsdam in einem Sonder- zuge die hiesige Station passiert.

* Manöver-Flurschadenabschätzung. Nach einer von amtlicher Seite stammenden Mitteilung waren bei der diesjährigen Manöverflurschadenabschätzung nicht, we- r iger als 34 Gemeinden des Kreises Fulda beteiligt, sodaß die Abschätzungskommission unter der Leitung des Herrn Landrates Springomm und seiner Stell­vertreter, der Herren Landesökonomierat Wagener und Regiemngsaffessor von Seifen, volle drei Wochen hin­durch angestrengt zu arbeiten hatte. Das Abschätzungs- geschäst wickelte sich durchweg glatt ab, wozu das Ent­gegenkommen der militärischen Mitglieder, der Herren Major von Westernhagen-Dacmstadt und Intendantur- rat Hartung-Frankfurt a. M., sowie der Pflichteifer der Sachvefltändigen, der Herren Gutsbesitzer Hom­burg, Bürgermeister Michel-Lütterz, Rentner Neuber- Fulda und Rentner Wißler-Fulda, viel beitrug. In den 34 Gemeinden wurden insgesamt rund 15 000 Mark an Flurschadenentschädigungen zuerkannt; in den allermeisten Fällen konnte eine Einigung erzielt werde. Zum Protokollführer war Herr Regierungs­und Zivilsupernumerar Emmich vom hiesigen Land­ratsamte ernannt worden.

F. In der Angelegenheit der Erhebung der Kanal­beiträge hat der Provinzialrat, wie schon gemeldet wurde, die Beschwerde einer Anzahl von Haus­besitzern gegen den ihren Einspruch ablehnenden Beschluß des Bezirksausschuffes zurückgewiesen. Der Beschluß mit der Begründung liegt tm Stadtschloß seit gestern auf. — Die Kosten der Stattalt. fation waren von den städtischen Körper­schaften am 8./9. März 1909 auf 1,516,843 Mk. festgesetzt worden, wovon die Hausbesitzer ein Viertel gleich 391500 Mk. zu tragen haben, deren Vertei­lung nach dem gemeinen Wert erfolgen soll. Dem­nächst wurde der Plan der Veranstaltung nebst Kostennachweis sowie der Anliegerverteilungsplan 4 Wochen öffentlich ausgelegt. Die Einsprüche, die in der Folgezeit von Hausbesitzern erhoben wurden, richteten sich gegen die Ueberschreitung der

wärts' berichtet, die Arbeiterschaft des Kreises auf, am Samstag den 5. November, allenthalben Massen- kundgebungen »gegen den blutigen Despoten Ruß­lands zu veranstalten." __________________

-eranü» Hebafieun wS

««rrchAtter

sSSRSL nwnbtuast: Illustrierte SonntagsMng"

Am Donnerstag vormittag um 11 Uhr das Kronprinzenpaar auf dem Hauptbahnhof in Genua ein und bestieg sofort die bereitgehaltenen Automobile. Auf der Fahrt durch die Straßen wurde es überall von der Bevölkerung respektvoll begrüßt. Am Dampfer-Anlegeplatz war die gesamte deutsche Kolonie versammelt, die die Eintreffenden mit Hurrarufen empfing. Um 12 Uhr 35 lichtete der „Prinz Ludwig- die Anker. Eine große Menschen­menge jubelte den Abreifenden zu, die von Bord die Grüße freundlich dankend erwiderten, dis das

Aus Kirche und Schule.

* Fulda, 4. Nov. 1910. Das ,Amtl. Schulblatt, für den Reg.-Bez. Kaffel veröffentlicht u. a. folgende Persou a l-Nachrichten. Ernannt: zu Orts- schulinspektoren: die Pfarrer Bergmann. m Ober- bimbach, Bargon in Großauheim und Schuler m Eiterfeld; zu Hauptlehrern: dte Lehrer Brotz in Neuhof, Ramb in Horas, Both in Flieden. Dte im /Amtlichen Schulblatt' Nr. 10 unter Ernannt" aufgenommene Nachricht, daß Lehrer Hack in Peters­berg zum Hauptlehrer ernannt sei, ist nicht zu­treffend. Beauftragt: mit der Verwaltung von Schulstellen die Schulamtsbewerber: Claus tn

ist bereits gebildet worden, folgendermaßen zusammen: .

Inneres sowie Kultusmtmstertm Briand; Justiz. Girard; Aeußeres: Pichon; Krieg: General Brun; Marine: Admiral Bouö de Lapayrsre; öffentlicher Unterricht und Künste: Faure; Finanzen- Klotz; Handel: Dupuy; Ackerbau: Raynaud; Kolonien: Morel; Arbeit und soziale Fürsorge: Lafferre und öffentliche Arbeiten: Puech. Es find also sieben neue Minister auf der Liste Das Ausscheiden Millerands ist darauf zurückzusuhren, daß er sich mit Briand nicht über die Regelung der Koaltltons- verhältniffe der Staatsangestellten einigen konnte Briands neues Programm sieht die Aufhebung des I Streikrechts für diese Angestellten vor Unter den neuen Ministern hat Lafferre einen hervorstechen­den Charakter. Er ist Großmeister der Freimaurer­logen Frankreichs und steht extrem links.

* Bei der Wiener Stichwahl tm zweiten Ge­meindebezirk ist an Stelle des verstorbenen Bürger­meisters Lueger der Sozialdemokrat Lrchuhmeier in den Landtag gewählt worden. .

* Das Gerücht über den Ausbruch einer Revolution in Spanien scheint von den Ferre- risten ausgegangen zu sein, die dadurch Einen Druck bei ihrer Kasernenpropaganda aus dte Soldaten ausüben wollten. Dies scheint ihnen aber nicht sonderlich gelungen zu sein. So wurde in Bajadoz an der portugiesischen Grenze der Bürgermeister, der einen Unteroffizier der dorti­gen Garnison für die revolutionäre Propaganda gewinnen wollte, von dem Un'erosfizter verhaftet imd ins Gefängnis gebracht. Die Garnison be- schenkte den iönigstreuen Soldaten zur Anerken­nung mit einer kostbaren goldenen Uhr. — In Madrid fanden Protestversammlunzen gegen die jüngst erfolgten Verhaftungen von hervor- ragenden Anarchisten statt. In Barcelona kam es zu nächtlichen Ruhestörungen; von Sa­badell, wo seit mehreren Tagen Generalstreik herrscht, werden Schlägereien gemeldet. Be- unruhigt ist man in offiziellen Reifen wegen des Streikes in Saraoossa. Dir Arbeiter haben dort beschlossen, sich" an die Spitze der Bewegung für einen Generalstreik zu stellen und die Zu­stimmung der Eisenbahnarbeiter erhalten.

*, Die Verhaftung und Freilassung des früheren , vortugiesischeu Diktators Franko, hat viel Staub auf« , gewirbelt. Die Regierung hält es daher für ange» , messen, sich möglichst aus der Affäre zu ziehen, um 1 nicht die Feindschaft der Freunde Francos gegen ' sich auf die Spitze zu treiben. Sie erklärt, daß die 1 Verhaftung Francos keinen politischen Hintergrund 1 gehabt habe. Seine Verhaltung fei auf die Klage eines Privatmannes zurückzutühren, der tut Jahre 1908 angeblich aus Veranlassung Francos ms Ge- sängnis geworfen fei und nunmehr vom ihm zw stehenden Rechte Gebrauch gemacht habe, wonach jeder Portugiese, der sich durch ein Verbrechen auch durch ein politisches, geschädigt glaubt, das Recht hat, den Schuldigen persönlich vor Gericht zu be. langen. Dem Verfahren liegt die Beschuldigung zu Grunde, daß Franco während feiner Diktatur feine Amtsgewalt mißb raucht habe und als Ministerpräsident 70 Dekrete in Kraft gesetzt habe, in denen die Vorschriften über die gesetzgeberische Gewalt abgeändert worden sind.

» Bei erneuten Kämpfen zwischen Drusen und türkische» Truppen auf der Hochebene von El Ledzah, südlich vvn Damaskus, haben die Drusen etwa 100

yr Worauf die Gegner spekulieren.

Die .Nationalliberalen Blätter^ brin­gen Betrachtungen über „inneren SBteerftttit und häusliche Auseinandersetzungen'. Aha, da rann man jetzt endlich näheres erfahren über den Zrote- 'malt in der nationaUiberalen Partei, der tn Kassel o sorgsam verhüllt werden sollte und von den Jungen' in Köln halb entschleiert wurde? Weit gefehlt! Die »Nationalliberalen Blätter kehren nicht vor der eigenen Tür, die es so dringend nötig hätten, sondern befassen sich lang und breit Mit den inneren Angelegenheiten des 3®n^.xu2?J-

Das ,8 Uhr-Abendblatt', rote sich sitzt die Ber liner .Naticmalztg.' nennt, gibt dte „interefjanten Betrachtungen' der besagten „ Jlathb. Blatterschon am Vorabend des Erscheinens wieder und versichert, würde da die „grundsätzliche Bedeutung der gegenwärtigen Auseinandersetzungen tm deutschen Klerikalismus' beleuchtet. In dem mitgetellten Artikel finden wir aber nichts von „grundsätzlichem Verständnis, sondern nur eine minderwertige Re­porterarbeit. Die jüngsten Veröffentlichungen werden da mit gehässigem Eifer und geringer Korrektheit „ausgeschlachtet', um dm Anschein zu erwecken, daß es anderswo mit der Eintracht auch nicht besser bestellt fei, als im eigenen national- liberalen Hause. Was un§_ an dem tendenziösen Bericht am meisten interessiert, ist dte Schluß-

Deutsches Reich.

** Berlin, 3. Nov. 1910. Der Kaiser nahm Donnerstag vormittag den Vorttag des Kriegsmini- sterS General v. H e e r i n g e n entgegen. - DerPro- vinzialschulrat Dr. Klatt wurde yim Geh. Regie­rungsrat und Vortragendm Rat im Kultusministerium ein<Tt$fl8 25jährige Jubiläum als Laudtagsabge-rd- nete begehen am 5. November die Zentrumsabg. Kommerzienrat Cahensly-Liniburg a. d. Lghn Graf v Strachwttz-Bertelsdorf (Schief.) und Dr. O st r o p - Osterfeld (Wests.). Diese dret yubilare wurden am 5. November 1885 gewählt, und zwar Aba. Cahensly für den Wahlbezirk Lnnbrng, Abg. Graf v. Strachwitz für den Wahlbezirk Groß- Strehlitz-Lublmitz und Abg. Dr. Oltrop für den Wahlbezirk Borkm-Recklinghausen, für welche Be- zicke die Herrm stets wiedergewählt wurden Abg. Cahensly war für seinen Wahlkreis m den Jahren 1898—1903 auch Mitglied des Reichstags. Er ist mit 72 Jahren der älteste dieser Zentrums- jubilare; dann folgt Abg. Ostrop mit bald Jah"n, während Abg. Graf v. Strachwitz erst 56 Jahre

**Ter Landtag soll, wie aus Abgeordneten- freifen milgeleill wird, auf den 10. Januar 191 einberufen werden. Es roerben ihm zunäch t vorgelegt der Etat, die ostpreußische Wegeordnung, die rheinische Landgemeindeordnung, der Ent- rourf über die Reinigung öffentlicher Wege und ‘einige kleinere Entwürfe, lieber die Einbringung des Wassergesetzes^und des Gesetzes zur Neu-

* Eine Festfeier des Borromäusvereins fand aus Anlaß des 300 jährigen Gedenktages der Heiligsprechung seines Patrons, des hl. Karl Borromäus am 3. November in Bonn statt. Der Festtag wurde eingeleitet durch ein feierliches Pontifikalamt, das der Kardinal-Erzbischof Fischer aus Köln zelebrierte. Daran schloß sich eme außerordentlich stark besuchte Festver­sammlung im kathol. Bürgerverelnshause. Nach einer Begrüßungsansprache des Vereins- vorsitzenden, Universitätsprofeffors Dr. Felten- Bonn, in 6er dieser die Mitgliederzahl auf 202244 gegen 83144 im Jahre 1900 angab, hielt Kardinal Fischer eine kurze Ansprache, tn der er seine Sympathien sür den Verein hervorhob und der hervorragenden, um den Verein uer-; dienten Männer gedachte. Die eigentliche Fest­rede, ein Meisterwerk sein stilisierter Redekunst,- hielt Herr Pfarrer Dr. Fr. Kaufmann-Aachen über den hl. Karl Borromäus. Er stellt den Heiligen hin als Vorbild für den heutigen Katho-; Uten, rühmt besonders sein Wirken um die Btl- düng des Volkes, die sich auch ber Borromäus^ mein zur Ausgabe gemacht habe, lieber bie Zutunst ber katholischen Volksbüchereien ver- breitete sich Generalsekretär Herz. Rach einem Schlußwort Professors Fellen schloß bie Ver­sammlung. Nach einem Festmahl fanb am Nachmittag eine ordentliche Mitglieder­versammlung des Vereins statt, in dec Se.retär Braun das Referat erstattete, das er ausklingen ließ in einen warmen Appell an alle, mitzuarbeiten an der Verbreitung guten Lese­stoffes zum besten des katholischen Volkes, zum Heil für Kirche und Staat.

Schiff den Hafen verließ.

Für die Zett der Mittelmeerfahrt des Kron­prinzen ist von Berlin aus ein Sonderdienst für funkentelegraphische Uebermittelung von Preffenach- richten eingerichtet werden. Es werden täglich abends die wichtigsten Meldungen drahtlich nach der öster­reichischen Küstenstation Sebenico an der Adria und von dort aus drahtlos an den „Prinz Ludwig' ab- gesandt, der mit einer Telefunkenstation erheblicher Stärke und großer Reichroette ausgestattet ist.

Der Besuch des Zaren.

* * Darmstadt, 3. Nov. 1910 Der Zar reiste am 10 Uhr 15 Min. im Hofsonderzug von der Station Sangen nach Potsdam ab.

* Frankfurt, 3. Nov. 1910. Um 10 Uhr 35 Min. traf der Sonderzug in Frankfurt-Süd ein, wo Maschinemoechsel staltsand. Acht Minuten später ging die Fahrt weiter. Die ganze Strecke war wohl dreifach durch Polizei und Bahnpersonal besetzt,

* Berlin, 3. Nov. 1910. Der Besuch des Zaren in Potsdam wird vom Kaiser bestem Vernehmen nach alsbald in Heffen erwidert werden.

Die Esziäldemokrate» wollen anscheinend beim Zarenbesuch in Potsdam denselben öden Rummel ms Werk setzen, mit dem ihre belgischen Genossen sich beim Kaiserbesuch in Brüssel blamiert haben. Der Vorstand des sozialdemokratischen Kreiswahl- Vereins Potsdam-Spandau fordert, wie der ,Vor-

WahlfondS des tzaufabundes ist noch gar nicht gesammelt und bereits beginnt der Streit darüber, wie er verwendet werden soll. Der Ver­band sächsischer Industrieller erläßt ein Rundschrer- beit, in dem es heißt:

„Wir erstreben im Einvernehmen mit dem Hansa- frunb die Durchführung einer Wirtschaftspolitik, die mtt derselben Entschiedenheit die industriefemdllche Haltung der Sozialdemokratie wie eine Gesetzgebung un Sinne des Großaarariertums bekämpft.' Dann wird bemerkt, daß der Verband auf die Schaffung eines eigenen WablfondS verzichtet, sich aber an der Verwaltung des sächsischen tzansabundwahlfonds beteiligen wird, um die aus dem Königreiche Sachsen eingehenden Betrage tn erster Linie tm Lande zu verwenden.

DaS ,Berl. Tagebl.' ist darüber sehr unwirsch und spricht die Befürchtung aus:

„Man wird in Sachsen das Geld nutzlos gegen i die Sozialdemokraten verpulvern, das man tm ölten und in den sonst reaktionär vertretenen Gebielen zweck­mäßiger verwenden könnte. Eine großzügige Wahl- volitik wird der Hansabund nur im Falle einer zenlra- ttstifchen Disposition über seine Mittel treiben können.

Zentralistisch im Sinne des ,Berl. Tagebl/ be- deutet: Großblock für das ganze Reich. Es würde sich aber doch sicher etwas eigenartig au», nehmen, wenn die den Industriellen abgekuopften Gelder dazu verwandt werden sollen sozialdemokra- tffche Kandidaturen, d. h. Kandidaturen der am meisten mdustriefeindlichen Partei zu unterstützen.

)( Sozialdemokratische Zeitungen als SchnlUteratur. Der Gemeinderat in Jena hat zu Anfang dieses Jahres drei Sozialdemokraten in den Schulvorstand geschickt. Diese Herren haben nun den Antrag ge- 'teilt, daS sozialdemokratische Parteiorgan in 4 Exemplaren für die Schulliteratur zu halten. Der Antrag wurde angenommen. Wie mag den armen Schulkindern die Fütterung mit sozialdemokratischer Bildung bekommen! Allerdings in der Residenz des Geheimrats Haeckel ist man manches gewohnt und man wundert sich über gar nichts mehr.

8. Die diesjährige Generalversammlung der Deutschen Anti-DÜell-Liga findet am Sonn­tag den 13. November 1910 tm Oberen Museum tn Stuttgart statt. Um 3 Uhr ist bie ge- chloffene (Mitglieder-) Versammlung und um 4 Uhr bie öffentliche Versammlung. In dieser wirb Herr Prof. Dr. Karl Kindermann von der anbro. und techn. Hochschule in Hohenheim- Stuttgart einen Vortrag halten über bas Thema: Das Duell unb bie werdende Reife des deutschen Volkes. Der Zutritt zur Versammlung ist frei. Damen sind ebenfalls freundlichst eingeladen.

* Arolsen, 3. Nov. 1910. Der Landtag der Fürstentümer Waldeck unb Pyrmont ist wie- bet zusammengetreten. Unter den zahlreichen Vorlagen sind besonders zu erwähnen neben dem Etat ein Gesetzentwurf zur Abänderung ber Vor­christen über die Wohnungsgeldzufchüfle und Mietsentschädigungen und ein Gesetzentwurf bett, die Fürsorge für die Witwen und Waisen L:r Staatsbeamten und Lehrer.

'nag:

« innere Widerstreit wird in und an den »er. di.^.uen Organisationen sich voraussichtlich fort, setzxu. Heule ist ein abschließendes Urteil über seine Tragweite unmöglich.'

Ta sehen wir den Herzenswunsch unserer Gegner l Sie möchten gar zu gern, daß die P^e- mit aus unserer Seite fortgesetzt würde I Sie spekulieren aus die Zwietracht un Zentrum und unter den deutschen Katholiken. Und wenn auch die verständigeren Elemente rechts und linkssich wohl darüber klar sein werden, daß eme wirkliche Gefahr für den Bestand unserer politischen und sozialen Organffationen nicht besteht, so bauschen sie doch mit Vergnügen die klemen Zwischenfalle auf in der Berechnung, daß es ans die Zentrums­wähler verwirrend oder lähmend wirken tonne.

, Es liegt an uns, die Spekulation der Gegner zu vereiteln. Die „Nationaüiberalen Blatter müssen eingestehen, daß ein abschließendes Urteil über bie Tragweite der fraglichen Erörterungen ihnen „heute tumöglich' sei. Wir hoffen, daß ihnnt und den übrigen Feinden des Zentrums bald ein abschließendes Urteil ermöglicht wird, und zwar durch überzeugende

Mann verloren.

* Zu einer Prügelet kam es tn der s e r b i s ch e n Kammer zwischen den Abgg. Professor Agatono- witsch und Dragowitsch. Die anderen Abgeordneten hatten alle Mühe, der Schlägerei ein Ende zu machen.

* Zu Honduras ist infolge der Revolte des Generals Valadares das Kriegsrecht erklärt worden. Der Hafen von Amapala auf der Insel Tigre ist geschloffen unb über die Insel der Be- lagerungszustanb verhängt worden.

vottswirtschastliches und Soziales.

4- Zur Regelung des Submissiouswefens hat der Gewerbeverein für Naffau zu Wiesbaden in einer soeben fertiggestellten Denkschrift an die maßgeben­den Behörden folgende Forderungen für die Neu­regelung des Submissionswesens unb bie Behebung der dabei vorkommenden Mißstände aufgestellt: 1) Obligatorische und allgemeine Zuziehung von Handwerkersachverständigen bei Vorarbeiten, sowie bei Abnahme und Abrechnung. 2) Ausstellurig em- hettlicher Bedingungen, wie Preislisten, Kostenan­schläge rc. 3) Vergebung von Arbeiten an Hand- werlskorporationen. 4) Aufhebung des § 100 q der Gewerbeordnung, der den Zwangsmnungen das Recht der Preisfestsetzung vorenthalt.