37. Jahrgang.
Fulda, Donnerstag den 3, November 1910.
Erstes Blatt
M 252.
Ausland.
Deutsches Reich.
karm."
Wir glauben, daß die große Mehrheit des Reichstags sich dieser Auffassung anschiießen wird. ->n der freisinnigen Presse find ja auch einige Gut. achten aufgetaucht, die das Tempelhoser Feld für die Stadt Berlin, die durch eigene Schuld den Erwerb versäumt hat, retten zu können glauben, indem sie die Notwendigkeit der Genehmigung des Verkau s durch den Reichstag, der natürlich zu dem Berkaus von Tempelhos Rein sagen soll, nachweisen 3? überzeugend find aber diese Gutachten
L Berlin, 3.Nov. 1910. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Reichskanzlers. — Der bekannte Senats - Präsident am Reichsgerichte, Exzellenz Dr. Justus OlsHausen, ist m den
v Neubildung des Kabinetts Briand.
• Paris, 2. Nov. 1910. Im heutigen Ministerrate wurde auf BriandS Vorschlag beschlossen, daß das gesamte Kabinett seineEntlassung geben solle.
• Paris, 2. Nov. 1910. Der Präsident der Republik FalltüreS empfing heute nachmittag »anachll 1 oen Präsidenten des Senats, dann den Präsidenten der Kammer. Unmittelbar darauf wurde Briand nach dem ElvsLe berufen und erhielt den Auftrag, die Bildung des Kabinetts zu übernehmen, den er unter der Voraussetzung annahm, daß seine Schritte Erfolg haben werden. Er begab sich darauf sofort nach der Kammer und nach dem Senat, wo er mit mehreren Personen Besprechungen hatte.
Erst eben ist dem Ministerium von der über« wältigenden Mehrheit der Kammer das Vertrauen ausgesprochen worden und fetzt tmmnt e§ ferne Entlassung! Es liegt hter eine schlau berechnete Machenschaft Briands vor. Sein Ministerium war schon uneinig und also reparaturbedürftlg, al« die Kammern eröffnet wurden. Er wollte aber damals nicht an die Flickarbeit gehen, sond^n eist I unter dem frischen Eindruck der vollzogenen .Staatsrettung* * eine parlamentarische Kraftprobe veranstalten, von der er eine Hebung fernes persönlichen Ansehens erhoffte. Diese Spekulation ist ihm gelungen, obschon er durch die Drohung mit ungesetzlichen Maßregeln seinen Gegnern neue Waffen tu bie Hand gegeben hatte. Seine bisherigen Ministerkollegen bewiesen eine gewisse Selbstaufopferung, indem sie durch ihr vorläufiges Verbleiben tm Ministerium , haS regelrechte Vertrauensvotum ermöglichten, während sie doch schon darüber klar sein mußten, . daß Herr Briand den Erfolg für sich ausbeuten . und alsbald die Mehrzahl der Kollegen an tote Luft
teinegroefl§.^ konservativen Vereins in
Elbing veröffentlicht die .Konservative Karre- spondenz" eine Auslassung, m der sie erklärt, daß ein Verein wie der Elbmger nicht das geringe Recht hätte, sich als zur konservativen
** Gerüchte vom Ausbruch ein« Revolution in Spanien wurden gestern von Paris und Loudon au- verbreitet, die allerdings schleunigst von Madrid aus dementiert wurden. Zugegeben wird nur, daß in der Hauptstadt vier höchst angesehene Mannes darunter ein Universttätsprofeffor verhaftet w°^ den sind Die «Störungen im Telegraphenverkehr, von denen ebenfalls berichtet worden war feien aus den herrschenden Sturm zurückzufuhren. Es sei in allen spanischen Provinzen vollkommen ruhig. Ganz ohne Grund wird die Alarmmeldung wohl Nicht gewesen sein, wenn es auch noch nicht zum Ausbruch größerer Unruhen gekommen sein mag. Die .Verkehrsstörung ist wahrscheinlicher in einer sehr scharfen Zensur als in dem Unwetter begründet. Zu verwundern Ware eine revolutionäre Wendung der Dinge in Spanien nicht, da man in Regierungskreisen alles tut, oie ein- -ig königstreuen Kreise durch die unglückliche Kuchen- Politik vor den Kopf zu stoßen, ohne durch dies Vo> gehen die liberalen und anarchistischen Kreise sur daS Königtum zu gewinnen. Außerdem agitieren weste militärische Kreise Spaniens sür einen neuen Marot- kofeldzug. Es gibt, wie ein englischer Korrespondent meldet, in Spanien nichts, was geeigneter wäre die Monarchie zu stürzen als ein neuer Riffeldzug. Zudem ist den spanischen Revolutionären durch den gelungenen Putsch in Portugal der Kamm in außerordent- sichern Maße geschwollen. Die anarchistische Propc> ganda wird schamlos offen und überall betrieben. ES sind also alle Bedingungen gegeben, wodurch emer Revolution Vorschub geleistet wird. .
* Zn Mazedonien kam es bet Sientha zu einem Zusammenstoß zwischen einer achtküpfigen Serbenbande und türkischen Truppen. Zwei Serben wurden erschossen, zwei verwundet und gefangen, : die übrigen entkamen. — Bei Avtat lr tm Wilajet : Kossowo wurden 148 Gewehre, 18 Bomben, 12 , Tynamitbüchsen, 7000 Patronen, 250 Revolver, sowie wichtige Schriftstücke der Revolutionspartet im Felde vergraben vorgesunden. Zahlreiche Bulgaren wurden verhaftet und den Krtegsgertchten überliefert. . , , .
* Eine neue Demütigung haben der per- fischen Regierung England und Rußland angetan. Die persische Regierung hat trotz ihrer anfänglichen Weigerung tm voraus die vierteljährliche Rate der Pension des früheren Schahs auszahlen muffen. Der englische und der russische Gesandte hatten in einer gemeinsamen Viole an die russische Regierung erklärt, es würden zwei Gesandtfchaftsdiener bet dem Mr- nister des Auswärtigen bleiben, btS die Zahlung der Pension erfolgt fit. Der Minister des Auswärtigen beklagt sich bittet darüber, daß trotz seiner am Samstag gegebenen Versicherung, daß das Geld ohne unnötigen Aufschub bezahlt werden würde, doch die in der ge- meinsamen Rote enthaltene Drohung ausgesührt und er einer öffentlichen Beleidigung ausgesetzt worden sei, da ihm die beiden Gesandtschafts, diener überallhin gefolgt und fogar bie letzte Nacht in seinem Privathause geblieben feien. Der Minister des Auswärtigen hat durch die persischen Vertreter in London und Petersburg energischen Einspruch dagegen erheben lassen.
Chinesisch-japanische Zwischenfälle haben an der Grenze Koreas statt gesunden. In T s uik» zudza umzingelte ein 50 Mann starkes chinesisches Polizeidetachement ein japanisches Reitau-
inbuftrldlen Betriebe mindestens 1 vom 1000 der äbrlich aufgewandten Lohnsumme als Beitrag, sowohl str das Jahr 1910 als auch für 1911 beisteuern. Man muß gestehen, daß der Hansabund nicht grade an übergroßer Bescheidenheit leidetz wenn er solche Anforderungen schon allein an bie Ädnstrtellen stelltz Nach den Ausweisen der Unfall»ersicherungsbemfsge- «nKr>nMirtften b-trua die in der deutschen Industrie gezahlte Lohnsumme für das Jahr 1909 über 9000 Mill. Nark Die von dem Hansabund verlangten Beitrage würden fich also für die Jahre 1910 und 1911 zusmw mm allein ans der Industrie auf 18 Millionen Mack belaufen. Dazu kämm dann die Beiträge der^Kauf lmte und Bankiers, die Beiträge der Handwerker und sonstigen Gewerbetreibendm, so daß dem Hanf«' Bunde, wmn es nach seinem Aufrufe geht und die Aw gehörigen aller von ihm angesprochenm Berufsstande auf das Ansinnen wirklich eingehen, rund etwa 40 Mill. Mark als Wahlfonds zufließen wurdm, oder für jeden Wahlkreis der Betrag von rund 100 000 Mark. Damit könnte der Bund wohl eine große Sutton beginnen, denn soviel Geld ist vielleicht noch nicht für Wahlen ausgegeben worden solange das Deutsche Reich besteht, selbst nicht verhältnismäßig in Memel- Heydekrug oder Oletzko-Lyck.
Aus dem Wahlkreise Marburg-Ktrchharm teilt die ,Frtf. Ztg/ mit: Bezüglich der Kandidatur des Herrn v. Ger lach sind jetzt die führenden Personen des Wahlkreises zu einer saft einmütigen Verstandi- auna gelangt, die den liberalen Volks ver ein demnächst beschäftigen und voraussichtlich auch deffm Zustimmung finden wird. Zu einer Zersplitterung der sinksliberalen Parteien dürste es also nicht kommen.
Rach einem Beschluß ber nat.onalliberalen Zentralleitung gehen tu Bielefeld - Wieden« ' Kück di-Nationalliberalen mit den Kvnservatwen ' gemeinsam vor, während in Halle-HerfordJne ! Konservativen die nationalliberalen Kandidaten ‘ ""^AHmossen^n Berlin wollen eine revisto- nistenreine Vertretung der Relchshauptstabt rm Reichstage. Viachdem bereits der Abg Wolfgang Heine den Lauspaß erhärten hat, ist fetzt anch der bisherige Kandidat im ersten Berliner 'Wahlkrerse^ — dem einzigen heute noch bürgerlich vertretenen , der Revisionist Dr. Arons abgesagt worden. AIS Kandidat ist der ultraradikale Borwärtsreoakteur Wilhelm Düwell einstimmig ausgestellt worden.
Ben können.
♦♦ Wahlvorbereitungen.
Der Hansabund verlangt in seinem Wahlaufruf von allen deutschen Raufleuten und Industriellen, daß sie einen möglichst großen Setraa. die
Briand hat natürlich mit der ihm eigenen 1 Gewandtheit feine Machtpolittk hübsch verbrämt Nach einem amtlichen CommumquS über dre letzte Sitzung des Minifterrates sagte dort Brmnd, es seien letzt neue Probleme ausgeworsen worden, die das Kabl- nett bei seiner Bildung noch nicht vMefunden ha^ Er wies ferner mtt wohlgespielt« „Sachsichkett aus die Angriffe und Verdächtigungen hm, die gegen ihn verfönlich gerichtet worden feten, fo daß trotz des Parlamentsbeschlusses sich die Frage aufdrange, ob er noch der geeignete Mann fet, um dre neuen Probleme zu lösen. Da soll nun der Präsident der Republik da» entscheidende Wort haben. Das ist natürlich nur Spiegelfechterei. Nach den letzten Befchlüffen der Kammer konnte Briand vormlssehen,. daß der gute Präsident Fälliges wohl oder übe den bisherigen Ministerpräsidenten mit der Neubildung des Kabinetts beauftragen werde .Diktator!" haben ferne Gegner auf der Linken dem Herrn Briand entgegengerufen. Er hat in der Tat nicht bloß die Neigung, sondern auch die Befähigung, sich eine überragende persönliche Machtstellung zu sichern. Tas sranzosls^che Volk scheint augenblicklich m feiner ruhebedurstigen Mehrheit eine Diktatur, die ihm die Ordnung und Sicherheit gewährleistet, mit Sympathie zu begrüßen. Die Volksstimmung ist aber in Frankreich noch unbeständiger und noch weniger berechenbar, als m anderen Ländern, und deshalb ist gar Nicht ans- geschlossen, daß die Stimmung tm Lande gegenüber dem vielgewandten Briand bald umschlägt. Die Stimmung im französischen Parlament ist keines- wegs zuverlässiger. Herr Briand muß nut feinem umgefialteten Parlament sich abermals dem Urteil der Kammer stellen, und zwar mit einem Programm jür gesetzliche Maßregeln gegen die Wiederkehr der soeben beschworenen Gefahren. Es ist eine sehr schwere Aufgabe, die er zu lösen unternommen : bat, und überaus zahlreich sind die Klippen, an i denen das neue Robinet Briand ebenso unerwartet scheitern kann, wie s. Z. das »große Ministelium des Diktators Gambetta. „ , , .
Es ist ein sehr interessanter Versuch, den der geschickte Briand macht, aber ob er aus die Dauer Erfolg bat, ist doch noch fehr ungewiß.
Bruch leidet. .
Insbesondere besteht auf Gmnd privater Aenß^ wngen hervorragender Mitglieder der Ersten Kammer die Gefahr daß durch das Verlangen nach einem er- w e iterte n Pluralwahlrecht die verfassungsmäßige Einigung zwischm beiden Hau^cii des verhindert wird. Bekanntlich ym oie Zweite^Kammer bereits unter dem Druck der Verhalt- niste und nur um etwas Positives zustande zu bringen Up sgesua auf das Pluralwahlrecht etne Nachgabe ge- Wt bie mit Recht seitens des Zentrumssührers Dr. 'Schmitt als ein Schönheitsfchler des GeftSes bczetch- tuet wurde; man beschloß auf das Drangen der chauernbündlerischen Abgeordneten deren Stimmen j !zur verfassungsmäßigen Zweidrittelmehrheit notwen- ( 'big waren, jedem Wähler, der das 50. L e b e n s i i af) r erreicht, eine zweite S t i m m e ^zurmi. men. Diese Konzeffion wurde bereits wid«willtg und nur unter dem Zwang der Verhältnisse seitens der Mehrheitsparteien gemacht, dabei aber zugleich mit aller Bestimmtheit erklärt daß eme Erweitemng des Pluralshstems nach belgischem. Muster in der Richtung von Bildung und Besitz niemals zu- gestanden werden kann und darf.
Gleichwohl wurden im Laufe der letzten Monate aus den Kreisen der Standesherren Stimmen laut, die eine Erweitemng des Pluralsystems als Voraus- setzuna für die Zustimmung zur Gesetzesvorlage ver- lcmgen. Sollten sich diese Bestrebungen zu besttmm- ten Beschlüssen verdichten und das Plenum der Ersten Kammer sich ihnen anschiießen, dann wäre allerdings das Schicksal der Reform besiegelt; denn an eine Mehrheit für solch reaktionäre Wunsche ist in der ! Zweiten Kammer nicht ö» denk en und man wurde eher auf unabsehbare Zeit das Odium des Fortbestandes des ebenso ungerechten -lls unzeitgemäßen indirekten Wahlrechts auf sich laden, bevor man mit der Ausdehnung des Pluralwahlrechts auf Bildung und Besitz eine wesentliche Verschlechtcmng mit in den Kans nimmt.
Bereits haben Freisinn und Sozialdemokratie versucht, die Gewährung zweier Stimmen an die athay- riaen Wähler als einen angeblichen Verrat der Volks- tedite hinzustellen und auszuschlachten, aber man hat im Lande diese maßlose Krttik als einen plumpen Trik zurückgewiesen, weil auch der dümmste Hinterwäldler denn doch einsieht, daß ein Privilegium, das mit der Erreichung eines bestimmten Lebensichres jedem Wähler ohne Ausnahme zutell wird eine Entrechtung ober Bevorzugung irgend eines Teiles des Volkes nicht in sich schließt. Diese Angriffe der prfsfteljeiiben Parteien gegen das Zentrum und die - ionalliberalen der Zweiten Kammer verfielen cuenfo dem Fluche der Lächerlichkeit. Mit der Zustimmung zum Pluralsystem in der milden Formder Berücksichtigung eines gewißen Lebensalters ist man aber an die äußerste Grenze Z-gangen; weitere Konzessionen in dieser Richtung sind ab so- lut ausgeschlossen - darüber mögen sich die Gesetzgeber der Ersten Kammer nur klar sein und darüber über wird wohl auch im Schoße der Regiemng kein Zweifel bestehen.
Aus dieser Sachlage erwächst aber auch der Ernst der gegenwärtigen Situation. Von dem Votum der Ersten Kammer hängt auf Jahrzehnte --------------- .
aus das Schicksal bei Reform ab, nament- Ruhestand getreten. Dem obersten deutschen Ge- lch nachdem der Großherzog wiederholt auf das ®e- Eshofe hat er 20 Jahre angehört. In der siimmteste erklärt hat daß, wenn nunmehr zum vierten NchlSyo^ ya £ M » berühm- Brrngung em« b^zugitcyen^^oriag^^ + 3ft bie Genehmigung des Reichstages zum Ver-
Regierung nich Hz . foldjer Aus gang kauf des Tempelhoser Feldes ersorderlich ? Die ,Nordv.
gar willkommen sein, - immerhin muß doch auch m den Kreisen dieser Herren sich allmählich bie ^rkennd. nis Bahn Brechen, daß die Emfuhmng des direk «ten Wahlrechts sich als eine unabweiS «bare politische Notw endtgkett «weist, die man nicht länger zurückdrangen kmin, ohne das politische und öffentliche Leben auf das Schwerste zu schädigen. Es würde die enttäuschten Volksmaflen in die Arme der Sozialdemokratie treiben, wenn man jaus purer Rechthaberei auf Forderungen bestehen «würde, denen die bürgerlichen Parteien unter keinen Umständen zustimmen können
| Ueber diesen Ernst der Situation und über die hohe Verantwortung der Er st en K am- 'mer im.gegenwärtigen entscheidenden Augenblick -möge man sich in jenen Kreisen nur klar sein. Besteht chie Erste Kammer in Wirklichkeit auf unerfüllbaren Forderungen, dann übernimmt sie auch die Verantwortung für alles Unheil, welches das Scheitern des Reformwerks im Gefolge haben wird Das hessische «Volk erwartet von ihrem politischen Verständnis, daß fie sich zu einer Politik der Einigung und der Ver- johnu n g bereit finden.
Partei zugehörig zu betrachten Dmem Verewe erwachse nunmehr die dringende Pflicht, die -öe- zeichnung konservativ endlich abzulegen und sch . offen und auch nach außen kenntlich. dorthin zu stellen, wohin er gehöre. Der Verein bekämpfe in gehässiger Weise die Konservativen. Er ver- öffentlichte unverzüglich den Schrlstwech!el mit der konservativen Zentralstelle m liberalen Blättern. Der Vorsitzende präsidiere politischen Versamm- lunaen, in denen der demagogischste Hetzredner der Liberalen, Herr Kipper den Haupivortrag halte und unwidersprochen die schärfjlen Angriffe aus die konservative Partei richte.
A öttlft' Hülfe! schreit die ,Voss. Ztg. und
W,"Äf.üm'Ä'
I ^nrr hpfStiaen fich erzählt das Blatt, vier Jesuiten ch einer der^Gräfin Stotderg gehörenden Erziehungs- anstatt. Damit es den staatlichen Organen nicht auffalle, wohnten zwei davsn in emem aiiveren c-xJufe Mit schreckensbleichem Mund erzählt das Blatt dann weiter, daß kürzlich auf holländischem Boden unweit der deutschen Grenze bei Emmerich ein neues Jesuitenkolleg emgeweiht worden sei und das sogar in Gegenwart des preußischen Landrats Grafen Spee, sowie des Bürgermeisters und Post- direktors von Emmerich. — Es genügt, diese feig
, Denunziation eines freisinnig sich nennenden Platte» . niedriger zu hängen. Betont se, aber daß es kein . Gesetz gibt, welches einzelnen Jesuiten den Ausem
I hnlt 9im Deutschen Reiche untersagt. Zesmten. Mederlaflungen gibt es in Preußen lelbstverstänRich „icht__ Die gegenseitige Behauptung der -Voss. Ztg-
ist eine Unwahrheit, mit deren Hilfe es eme Jesuiten- hetze ins Werk setzen möchte. .
9 ~* Der Ulk, eine Beilage zum Berliner Tage- ” K Äi'Ä Ä tt
ü »"ä
bem Balkon feines Hauses steht da der portugiesische Ministerpräsident" Braga und klopft einen Laufer- teüöid) au« aus dem dann Scharen von Monchm mit I Breitkrempigen Hüten, die wohl Jesuiten dachellen sollen, in Gestalt von Flöhen und anderem Ungeziefer herausspringen und vorüBergehenden Damen, dre Spc^ rien Oesterreich und Italien barstellen sollen, ms Haar fallen. Darunter steht: „Das ist wenigstens ein Großreinemachen, Bei dem etwas heraus,pn»^. Daß diese Verhöhnung und Beschimpsung katholischer Ordensleute in katholischen Kreisen eme helle En - rüftung hervormsen mußte, liegt auf der Hand. Wir machen selBstverstänblich nicht das gesamie Judentum dafür verantwortlich, daß jüdische V-dern die katholische Kirche, ihre Diener und ihre Einrichtungen in Wort und Bild Beschimpfen und verhöhnen, zumal wir wissen, daß diese jüdischen Frechhett-n von emem erheBlichen angesehenen Teil unserer indischen Mit Bürger Bedauert und entschieden verurteilt werden. Wir Haden erst jüngst zu unserer Genugtuung gesehen wie die Schmährede Nathans gegen den Papst und die katholische Kirche auch von einem Teil der deutschen Judenschast offene Mißbilligung, gefunden hat, und wir dürfen wohl erwarten, daß ßch auch« gegen die fortgesetzten Beschimpfungen der katholischen Kirche und ihrer Diener im Ulk Proteste geltend machen
' werden. Wir möchten aber einmal sehen, welcher ; Sturm der Entrüstung sich in jüdischen Kreisen er- « Beben würde, wenn der Ulk auch nur em einziges : Mal es wagen würde, in derselben Weise wie er es ' gegen die katholische Kirche zu tun sich erdreistet, das
Judentum und seine Neligionsdiener verachllich zu machen. Das „Berl. Tageblatt' hat bekanntlich zue^ den Ruf erhoben „Zuzug fernhalten! , damtt nicht I Ordensleute, die aus Portugal vertrieben smd in Deutschland ein Asyl finden können, dasselbe berliner Tageblatt, welches gegen den Zuzug mssi,cher ^uoen, die als Schnorrer, «Sozialisten und Anarchisten Deutschland hcimsuchen, nichts einzuwenden hat. Und nun kommt der Ulk und will die klltholi,chen Ordensleute als Ungeziefer verächtlich machen! Die Katholiken muffen sich auf das entschiedenste verbitten, daß ihre Religion und ihre Relizionsdiener, wozu auch die kathol. Ordensleute gehören, fort und fort von dem jüdischen Witzblatt „Ulk" mit Beichimpstmgen und Verhöhnungen bedacht werden. — Das „Bett.
Taaebl" unternimmt es nun, gegenüber den Angriffen der „Germ." sich und den „Ulk" zu verteidigen Das Blatt meint, daß der Katholizismus nicht mit dem Jesuitenorden gleichzustellen sei sodaß das Bild, das sich auf die Austreibung der Jesuiten bezog, nicht als eine Beleidigung des Katholizismus gelten könne.
Diese Ausrede zieht nicht. Denn bekanntlich Md famtliche Ordensleute von der repuvlikamschen Regierung aus Portugal ausgewiesen worden, und darauf muß sich also das skandalöse Blld des „Ulk beziehen. Ueberdies ist der Jesuitenorden von der katholischen Kirche anerkannt, und dre Jesuiten ms Un- gezieser hinstellen, heißt das katholische Empsmden auf bas Tichte verletzen.
* Aus Waldeck, 2. Nov. 1910. In den Stadien Arolsen, Corbach und Wlldungen wird ein Antrag an den seit einigen Tagen versammelten waldeckychen Landtag vorbereitet, worin um eine Reform d es Gemeinde Wahlrechts in dem Sinne ersucht wird, daß eine Rtindetzzahl der einzelnen Steuer- und Wahlklaffen-Angehörigm festgelegt wird. Durch diese Bestimmung soll vermieden werden, daß em=
: »eine hochbesteuerte Wahlberechtigte bei den ®entern- berats- unb andern Wahlen allein den Ausschlag ge-
Allg. Ztg/ veröffentlicht ein aussührliches Rechtsgutachten über diese Frage, in welchem dieselbe kategorisch verneint wird. Der Artikel schließt:
Der Reichstag kann bie Gemeinde Tempelhvf ihrer wohlerworbenen Rechte nicht entkleiden. Selbstverständlich hat die Reichsverwaltung die politische Ber- antworlung für den Berkaus des Tempelhoser Feldes, so rote geschehen, dem Reichstage gegenüber zu übernehmen. Für jetzt genügt aber der Nachweis, daß der rechtsgültige Tatbestand nicht wieder umgestoßen werden
Der heMsche Wahlrechtskamps.
j> Darmstadt, 2. Nov. 1910
Nädern die Zweite heffische Kammer bereits vor Monaten nach langwierigen Berhandlungen zu ein« Verständigung über die Reform des Wahlreih s 'di/ Neueinteilung der Wahlkreise gekommen ts^ steht ne Entscheidung über das Reformwerk m Sch ß d« Ersten Kammer nunmehr unmittelbar be ’CISor einiaen Tagen ist der Gesetzgebungsmisschuß der Ersten Kammer gemeinsam mit der Negierung z einer Beratung zusammengetreien diaheres ist ub diese V«handlungen bis letzt noch worden- nur soviel verlautet, man habe an einzelnen Sälen ber Vorlage einige Abänderungen be- schlossen. Man darf gespannt sein, in. welcher Mchtung sie sich bewegen und ob sie nicht so einschne^ bender unb grundsätzlicher Art find, daß damit das mühsam in der Zweiten Kammer zustanoe gekommene Gesetzeswerk vernichtet wird, und damit zum vierten Male die Reform des hefftschen Wahlrechts Schiff-
WZ CiiTXfiAf ssä UlvUvl
Verantto. Redakteurr M W «ark schütte» ,,
w°ch°nb°i.ag-: ..Illustrierte romtagrzeitung
rar v i ____ spattigepetitreileod«
eÄ JL A jA A A. As deren Raum 15 psg.
fW M Ws ReNamendrepetitzeile
H H S E psg-. bet wteder- Et] @ Sn W Polungen wird entspr.
1 M 1| H B, Bob<rtt
W V üotationrdruckund
Verlag der Zuldaer Ak- . tienbruderei in Zulda m-mirb-iiag«: „$ulbaet Gefchichtrblattrr »'• ’•