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Zul-aer W Zeitung

s. pÄkr § §Ma. wochendeilage: „^DuftticrtC §0NNtag§ZeitUNg"

Monatsbeilage: „zuldaer Geschichtrblatter"

Afch«M»rttch«» Kmnahmr der ZOM- Niid Feiertage, viertel­jährlicher Vezngrprek ohne Sringerlohn und Bestellgeld in Fulda fo- »ieauEärtrlLvAt.

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Sotatiosrdruckuud Verlag der Fuldaer Ak> tieudruckrrei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 251. Erstes Blatt.

Fulda, Mittwoch den 2. November 1910.

37. Jahrgang.

Eine solche Entwicklung wollen wir in unserem __.ö _

Volke nicht haben, wir wollen nicht, daß die Sozial' Durchführung des Flottengesetzes und durch vermehrte drmokratre die Riacht über die Straße gewinnt. Indienststellung von Schiffen größeren Typs ihre Die Polizei hat das Recht und die Psticht, Ruhe Erklärung. Ms eine neue Stellung wird der Po- und Ordnung aufrecht zu erhalten und die ö ff ent» sten eines Marincattachös bei der deutschen Botschaft liche Sicherheit zu schützen, und angesichts der „Vor» jn ggten im Etat enthalten sein. Die Ausgabenstei- übungen der Revolution", wie wir sie in den letzten gerung findet ferner ihre Erllärung durch die weitere Wochen erlebt haben, hat die Polizei die doppelte Beschaffung von Unterseebooten und durch vemle.hrte Pflicht, allen Ausschreitungen mit stärkster Energie Forderungen für das Artillerie-, Torpedo- und Mi- entgcgenzutreten. nentoefen." Wesentliche Einschränkungen haben sich

Grenzen halten. Die Steigerung der sorllaufenden Ausgaben um 10 Millionen findet in der Vermeh- ntng der Offiziere und Mannschaften aus Anlaß der

zu können. Reichstagsabg. Brühne verspricht sich von den ländlichen Kreisen sehr viel. Jn einem Kompromiß mit anderen Parteien kann er sich nicht verstehen, lieber die Beschlüsse des Partei­tages in Magdeburg referierte „Genosse" Rudolph. Leider teilt die Franks. „Volksstimme" nichts aus dem Referat mit, wir erfahren also nicht, was er z. B. über die Abschlachtung der Revisionisten erzählte.

ans ihre unruhigen Elemente einwirken. Mit bloßem Wortgeklingel läßt sich die erregte öffentliche Meinung nicht abspeisen.

Hat man denn die Erfahrungen mit der berühmten Pankower konservativen Vereinigung bereits ver- geffen? Jedenfalls scheint uns die konservative Partei eine noch echeblich größere Festigkeit und Stärke zu besitzen, als der dem ,Berl. Tageblatt' nahestehende Linksliberalismus und die chr noch näherstehende Politikastergruppe der demokratischen Vereinigung. Tas,Berl. Tagebl.' sollte sich doch wirklich nicht so oft lächerlich machen!

X Euteignmig. Dieser Tage ist wieder offiziös erklärt worden, daß die Regierung nicht daran denke, das Enteignungsgesetz jetzt zur Anwendung zur bringen. Die Hakatisten lasten aber nicht nach, die Regierung zu drängen. Dem Staatsministerium ist jetzt der fertig ausgearbeitete Antrag der Anfiedelnngs- kommission auf Enteignung von siebzehn polnischen Gütern zugegangen. — Die,Berl. N. N.' wollen wissen, daß der Präsident der An- siedelungskommission, sowie ein anderer, an der Polen» frage berufsmäßig besonders interestierter hoher Beamter chren Abschied einreichen würden, wenn jetzt nicht mit der Enteignung ernst gemacht wird. — Die Enteignungsluftigen gehen asto jetzt mit schwerem Geschütz vor.

* Jen«, 1. Rov. 1910. Bei der heutigen Land- tagsstichwahl wurde Rechtsanwalt Lotze (Jena) mit 685 Stimmen gewM, Amtsgerichtsrat Schmid (Jena) erhielt 514 Stimmen.

* Vorbereitungen zu den Neichstagswahleu.

Der Welfe Götz v. Olenhusen, Hospitant der Zentrumsfraktion, hat nach dem .Hannov. Sour.' die Uebernahme eines neuen Mandats adge» lehnt. Abg. Götz von Olenhusen vertritt feit 1884 den Wahlkreis Göttingen-Münden, der mit einer einzigen Legislaturperiode, von 1887—1890, stets welfijch gewählt hat. Bei der letzten Wahl wurde Abg. Götz v. Olenhusen in der Stichwahl gegen die Nationalliberalen mit 11553 äegen '10805 Stimmen gewählt, nachdem im ersten Wahl­gang 9297 nationalliberale, 7177 welfisch-agrarifche und 8249 sozialdemokratische Stimmen abgegeben waren. Die Meldung Berliner Blätter, für den Reichstagswahlkreis Göttingen-Münden sei Geheim­rat Ri eß er, der Präsident des Hansabundes, als nationalliberaler Kandidat in Aussicht genommen und die Fortschrittliche Volkspartei werde die Kandidatur unterstützen, wird von dem ,Göttinger Tageblatt' dementiert.

Die vor Wochenfrist plötzlich abgebrochenen Ver­handlungen zwischen den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei in der Provinz Hannover sind am Montag wieder aufgenommen worden. Auch im Rheinland fin­den demnächst zwischen der Fortschrittlichen Volks» partei und den Nationalliberalen Verhandlungen zwecks Einigung über die rheinischen Wahlkreise statt. In Württemberg wurde zwischen den beiden Parteien bereits eine Verständigung über ein Wahlbündnis in allen Hauptpunkten erzielt.

Die Vertraueusmännerversammlung der Fort» schritttichen Volkspartei für den Wahlkreis Wies­baden» Rheingau, der jetzt sozialdemokratisch vertreten ist, hat den früheren Weingutsbesitzer und jetzigen Rentner Albert Sturm in Wiesbaden als Kandidaten ausgestellt. Da diese Aufstellung ohne Einigungsversuche mit den Nationalliberalen zustande gekommen ist und dadurch der Wahlkreis nur noch sicherer der Sozialdemokratie ausgeliefert wird, hat der Vorstand des Bezirksvereins Wiesbaden des Hansabundes, diesem feine Mißbilligung ausge» sprachen.

* * Ein sozialdemokratischer Parteitag für Heffen-Naffau

Deutsches Reich.

Die Krouprinzenreift.

W. Berlin, 2. Mv. 1910. (Tel.) Das Kron» prinzenpaar ist heute vormittag 8 Uhr nach Genua abgereist, um von dort die Reise »ach Ostasieu anzutreten.

Am Montag abend fand beim Kaiserpaar im Neuen Palais zu Potsdam ein Abschiedsdiner statt, woran sämtliche in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen teilnahmen.

Morgen gehen der Kronprinz und die Kron« Prinzessin in Genua an Bord des Dampfers „Prinz Ludwig'', am 30. November soll Colombo auf Ceylon erreicht werden. Hier halten sie sich drei Wochen als Graf und Gräfin Ravensburg auf. Die Kronprinzessin reift dann zurück, während der Kronprinz aus dem Kreuzer „Gneisenau* am 21. Dezember nach Bombay reift, um von dort aus zwei Monate Indien zu besuchen. Die Reise geht von Kalkutta über Singapore nach Bangkok, wo 5—6 Tage für den Besuch des Königreichs Siam in Aussicht genommen sind, dann anfangs März nach Batavia und von dort nach 14Tagen nach Hongkong und den großen Häfen an der chinesischen Küste Kanton, Schanghai und Kiau- tschou, für deren jeden ebenfalls ein mehrtägiger Aufenthalt vorgesehen ist. Für Peking sind Mitte April zehn Tage angeseht und für Japan Ende des Monats 14 Tage. Mitte Mai erfolgt die Rückkehr über Sibirien.

? Berlin, 2. November 1910. Ter Kaiser nahm am Dienstag die Vorträge des Chefs des Allarinekabinetls, Admirals von Müller, und des Stellvertreters des Chefs des Militärkabinells, Generalmajors von Oertzen, entgegen. Wie ver­lautet, trifft der deutsche Kaiser Ende nächster Woche in D on aueschi n gcn zu einem mehrtägigen Besuch des Fürsten zu Fürstenberg ein. Am Dienstag begab sich der Kaiser zur Parforcejagd nach Töberitz. — Kultusminister v. Trott zu Solz ist von Dienstreisen wieder nach Berlin zurückgekehrt. — Landwirtschaftsminister Dr. Frhr. v. Schor- lemer ist mit Urlaub nach der Rheinprovniz ab- gereist.

* Vom neuen Etat. Der ordentliche Etat wird nach offiziöser Mitteilung in Einnahme und Ausgabe mit rund 2700 Millionen abschließen. Bei der Post werden die Ueberfchüffe 71'/- Millionen Mark, bei bet Eisenbahnverwaltung rund 183u Millionen Mark betragen. Das sind gegen das laufende Jahr rund 18'/» und 21'» Millionen Mark mehr. Tie Schuldentilgungsquote wird von 3t'/» Millionen Mark auf rund 90 Millionen Mark anwachsen und der Anleihebedarf selbst 100 Millionen Mark nicht übersteigen, also gegen das lausende Jahr um mehr als 70 Millionen Mark zurückbleiben.

** Der Marineetat 1911 wird, wie eine offiziöse Korrespondenz mitteilt, eine Erhöhung von rund 20 Millionen Mark aufweisen, sich aber dabei in dem durch das Flottengesetz gezogenen

Ztadtveror-seten-versammltmg.

△ Fulda, 2. November 1910.

An der borgeftrigen Sitzung der Stadtverordneten­versammlung nahmen 16 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch die Herren Oberbür­germeister Dr. Antoni und Magistratsrnttglled Müller Vertreten. An der Sitzung nahmen auch die Herrn Gaswecksdirektor Mewes und Stadtpro- bator Wohlgemulh teil. Den Vorsitz führte der Stadwerordnetenvorsteher Herr Justizrat Gegen- b aur.

1. Feststellung der Waisenhausrechnung für 1909. Im Waisenhaus wurden im Jahre 1909 insgesamt 30 244 Verpflegungstage gezählt, gegen das Vorjahr weniger 362 Tage. Pro Kopf und Tag sind bh Ver­pflegungskosten auf 0,60 Mk. festgelegt. Es ergibt sich also eine Ausgabe von 18146,40 Mk. Die Ein­nahmen betrugen aus Kapitalzinsen und sonstigem 14208,54 Mk. Mit 3920,86 Mk. wurden die Gene- ralarmenkasie belastet, sodaß noch 17,00 Mk. auf 3 ech- nung des Jahres 1910 vorzutragen sind.

2. Feststellung der Sparkaffen-Rechmmg für 1399. Der Berichterstatter, Herr Singer, gibt einen aus­führlichen Bericht über den Stand der Sparkasse iw Jahre 1909. Im Berichtsjahre wurden 1298 Spar- kafsenbücher neu ausgegeben, zurückgezogen 1238, also ist eine Steigerung um 60 Bücher zu verzeichnen. Es befinden sich im Umlauf 2288 Bücher über 1—60 Mk., 1518 über 60—150 Mk., 1517 über 150-300 Mk., 1831 über 300-600 Mk., 3588 über 600—3000 Mk., 599 über 3000—10000 M. und 23 über mehr als 10 000; insgesamt 11314 Bücher. Der Zuwachs des Einlagebestandes durch dauernde Einlagen betrug 1236 265,62 Mk., durch Zinsen 276 790,82 Mk., zu- sammen also 1513056,44 Mk. gegen 1412476,92 Mk. im Vorja^e. Zurückgezogen wurde 1413 898,14 Mk., bleibt ein wirklicher Zuwachs von 99 158,30 Mk ge­gen einen Abgang von 295 254,84 Mk. im Jahre 1908. Der Bestand an Einlagen am Schluß des Jahres 1908 betrug 9 009 574,16 Mk, Ende 1909 9108 732,46 Mack. Der Ausleihebestand in Hypotheken betrug Ende 1908 6 163 528,94 Mk.; neu ausgeliehen wur­den 98446,91 Mk., zurückgezahlt wurden 184 574,05 Mack; es bleiben also Hypothckenausstäude von 6 077 401,82 Mk. Die Summe der Ausstände über­haupt betrug 9 262 581,32 Mk., ein Weniger gegen 1908 von 122 922,03 Mk. Der Bestand des Reserve­fonds war Ende 1908 904 800,61 Mk., an Restzin­sen find der Stadt zusammen 26 977,90 Mk. zuge­führt worden. Dem Reservefonds wurden 1909 zu­geführt 42 898,49 Mk. Sonach beträgt der Reserve­fonds jetzt 947 699,10 Mk. Die Gesamteinnahmen der Betriebsverwaltung betrugen 4 300158,49 Mk., die Ausgaben 4223485,24 Mk. ES ergab sich also ein Kaffenbestand von 76 673,25 Mk. Der Reinge­winn des Lahres 1909 beträgt 27 744, 89 Mk. Der

tagte am Sonnlag in Hanau. Der Bericht deS Agitationskomiiees, den „(Senoffe* Rudolph- Frankfurt a. M. erstattete, teilt mit, daß die Milgliederzahl sich von 15650 auf 20025 gehoben hat, darunter befinden sich über 2000 Genossinnen. Zwar fei dieser Fortschritt erfreu- iich, die noch zirka 50 000 Gewerkschaftsmitglieder in dem Agitationsgebiet böten aber noch ein be» währtes Tätigtet sseld für Mitgliederwerbung. Die Mitgliederzahl beträgt in Höchst-Homburg» Usingen 2932, W esbaden-Biebrich 1408, Mon­tabaur »St. Goarshausen 233, Diez-Limburg- Weilburg 229, Dillenburg-Herborn 59, Frankfurt a. M. 6919, Hanau-Gelnhausen 7502, Fulda- Schlüchtern 75 (in den Jahren seit 1906: 42, 22,29, 31), Wetzlar-Altenkirchen 291, Marburg- Kirchhain 151, Siegen-Wittgenstein 226. Aus Fulda fabuliert der Bericht, dort versuche man alle Versammlungsbesucher bloßzustellen. Jnsbe» sondere seien es geistliche Einflüffe, die einen „unheimlichen Druck" ausüben. Man hofft das Lokal, trotz der großen Opfer, daS es kostet, zu behaupten, mindestens bis zu den nächsten Reichs, tagswahlen. Die Lokalpreffe habe sogar die Aufnahme eines Inserates abgelehnt, in dem der Wirt ein Dienstmädchen suchte. (Die Sache wird sich wohl etwas anders verhalten. Die Red.) Einen so starken Druck übe das Zentrum aus, daß beispielsweise die Juden ihre abweichende politische Ansicht nicht zu bekunden wagten, (llnd solchen Unsinn glauben natürlich die .Genoffen" auch!) Heber die nächsten Reichstagswahlen referierte .Genosse* Hültmann-Frankfurt. Er führte aus, daß die gesamten Parteien gegen frühere Jahre die Vorarbeiten in bedeutend größerem Umfange machen. Jn der Agitation dürfe von der Sozialdemokratie die Kraft nicht allein auf die sichergestelltenWahlkreise gelegt, sondern auch die ländlichen Kreise müssen zurückerobert werden. Reichstagsabg. Hoch-Hanau meinte, daß man nach Zusammentritt des gegenwärtigenReichstages wahr- s cheinlich baldigst mit einerAufl ö sung zu rechnen hätte. Es sei deshalb nur zu empfehlen, schon frühzeitig auf dem Damm zu sein, um den Kampf ausnehmen

Ausland.

* Die deutsch-tschechischen Verhandlungen wurden am Samstag inoffiziell fortgesetzt, nachdem sie am Freitag abgebrochen worden waren. Man erblickt darin ein günstiges Symptom.

*♦ Die Differenz« über die ungarische Bank find in einer Konferenz der Finanzminifter beider Länder beseitigt worden, sodaß damit die ungarische Kabi­nettskrise vermieden wird.

** Die portugiesische Regierung geht in ihren „Re- fonn''bejtrebimgen rasch vorwärts Das Amtsblatt veröffentlicht ein Gesetz über bk Gewährung der Preßfreiheit. Ein anderes Gesetz wird die Ver- welüichung eds Zivilstandsregisters vorschreiben, die Schaffung von Smmltankirchhöfen und die Zulassung der fatultatiöen Feuerbestattung. — Die provisorische Regierung veröffentlicht weiter eineVerfügung, wonach der katholischen Weltgeistlichkeit untersagt wird, sich „direkt oder indirekt" mit Politik zu befassen. Die «Strafe für den Verstoß gegen die Verfügung ist die fofartige Verweisung aus dem Lande. Auf diese Weife wird der Weltklerus seiner Bürgerrechte beraubt und jeder kirchliche Hinweis auf kirchenfeindliche Gesetze unmöglich gemacht. Das ist so der Klerus nach dem Herzen der Liberalen, wie ihn dieses Dekret vorfchreibt. (Unsere deutschen Liberalen | werden vor Reid bersten, wenn sie von dieser Ser» ügung der revolutionären Regierung hören!) — Ent­schieden die „fortschrittlichste" Ehegesetzgebung veckündigt die provisorische Regierung in Lissabon auf dem Wege des Dekretes. Sie ermöglicht nicht nur die bisher in Portugal nicht eingeführte Ehescheidung, sondern stellt sie ohne weitere gerichtliche Schritte ein- 'ach den Eheleuten anheim. Wenn ste sich nicht mehr vertragen, können sie das eheliche Zusammenleben je- derzett durch die einfache Erklärung, ste würden sich trennen, einstellen. Ehegatten, die sich getrennt haben, können nach zwei Jahren eine neue Ehe eingehen.

* Der Boykott gegen Griechenland ist, wie bet Führer der Ausladen und Bootsleute mitteilte, auf­gehoben. Die Maßnahme wird auf einen Beschluß des jungtürkischen Komitees zurückgeführt.

* Zn Südperfien ist es zu einer englischen Truppenlandung gekommen. Als Vorwand dazu diente ein angedrohter Ueberfall von rebellischen Stämmen auf den Hafen Bufchir. Der britische Kreuzer .Fox" landete in der Hafenstadt Singt) im Persischen Golf zum Schutze britischer Staats­angehörigen und anderer Europäer 100 Mann. Die persische Regierung hat sofort gegen die eng­lische Truppenlandung protestiert. Od dieser Protest etwas nützen werde, steht auf einem anderen Blatt.

hin . . . Wie es auch sonst kommen möge, die kon- servattve Pattei wird den inneren Kämpfen, die als Ueberfpannung des reaktionären Prinzips unvermeidlich folgen muffen, nicht gewachsen fein.'-

Qu diesen Prophezeiungen kommt das liberale Blatt weil der Elbinger konservative Verein es ab­lehnte in der Wahlagitation für einen Kandidaten (Herr'v. Oldenburg) tätig zu sein, der dem Bunde der Landwirte angehöre. Man möchte manchmal Mitleid haben mit dem rosenroten Optimismus, der von den Herren des ,Berl. Tagebl.' zur Schau getragen wird! Weil die Elbmger Koufervatwen eine kleine F«nde inszenieren, soll die konservative Partei foroeü. sein, sich in Wohlgefallen aufzulösen?

0 Moabiter Schule.

Die Norddeutsche Allgern. Zeitung' schrieb am Sonntag:

„Die bedauerlichen Vorgänge, die in Moabit und anderwärts zulage getreten find, sprechen deutlich genug von den Fortschritten der revolutionären Maffenver-1 hetzung, deren Uebermut durch die Paralysierung der I sich in Zwietracht verzehrenden staatserhaltenden Kräfte I nur erhöht werden kann. Mögen die bürgerlichen Parteien die Lehren dieser Vorgänge beherzigen!"

Zu der gleichen Zeit, da das offiziöse Blatt title Mahnung aussprach, erlebte die Reichshaupt- ftabt in dem Stadtteil Wedding neue ernste Straßenunruhen, die mit der Moabiter Revolte eine verzweifelte Aehnlichkeit haben. Die Veranlas­sung ist bekannt: Weil ein Arbeiter den 4. Mon­tag hintereinander nicht nur »blau' machte, sondern dafür noch bezahlt werden wollte, deshalb legten ; feine sämtlichen organisierten Arbeitskollegen die Arbeit nieder, boykottierten das Geschäft des Ar­beitgebers und führten den Boykott mit roher Ge­walt durch, indem sie die Personen, die in dem Fleischerladen cinkaufen wollten, gewaltsam an dem Eintritt hinderten. Und als die Polzei hiergegen einschritt, sammelte sich alsbald eine tausendköpfige Masse an, die ihrer Sympathie mit den arbeits­unlustigen Genoffen durch Steinwürfe und Revolver« schüffe gegen die Polizeimannschasten Ausdruck gab.

Daß die Unruhen in verhältnismäßig kurzer Zeit unterdrückt werden konnten, ist zweifellos in der Hauptsache dem raschen und energischen Ein­greifen der Polizei zu verdanken. -Man kann ein rücksichtsloses Einschreiten gegen den sozialistisch verseuchten Mob nur wünschen. Der ruhige Bürger verlangt Schutz gegen die Ausschrei­tungen des Pöbels und will, daß Ordnung auf den Straßen herrsche. Soll dem Bürger durch den Janhagel verwehrt werden dürfen, in einem be­stimmten Laden zu kaufen, bloß weil ein versoffener .Geselle von seinem Meister vor die Tür gesetzt worden ist?

Natürlich steht die sozialdemokratische Prcffe wieder auf der Seite des Janhagels und zetert über die „Ausschreitungen" der Pottzei. Daß ein Unschuldiger bei einem Krawall auch mal einen Hieb abbekommt, läßt sich gar nicht vermeiden. Richtig ist auch, daß das Einschreiten der Polizei manche Elemente erst recht zu Gewalttäligkeiten reizt. Tas Erscheinen der bewaffneten Macht wirkt eben auf gewisse Elemente wie das rote Tuch auf den Stier, und diese Elemente strömen stets in Massen zusammen, wo die Polizei sich zum Ein­schreiten genötigt sieht, und begehen unter dem Schutze der Blassen bann erst recht Ausschreitungen. Daß die Zahl dieser Elemente in Berlin besonders groß ist, daran trägt zu einem guten Teile die syste­matische Aufhetzung der Massen durch die sozialdemokratische Presse die Schuld. Aber wäre vielleicht der Zustand besser, wenn die Polizei untätig zu|ähe? Der Terrorismus der Ge» «offen gegen alle die, welche einen von ihnen inszenierten Streik ober Boykott nicht milmachen wollen, schreckt heute bereits vor den ärgsten Aus- schreitungen nicht zurück. Wie würde es damit erst werden, wenn die Pottzei die Ausschreitungen ruhig geschehen ließe 'i Es würde bald kein Mensch mehr feines Lebens sicher sein, wenn er nicht dem Macht- gcbot der Genossen parierte.

Ter.Vorwärts' scheint die politische Gefahr, I bei den fortdauernden Ausgaben durch die Herabsetz- bie für seine Sachen in der fielen Wiederkehr solcher ung der Tafel- und Messegelder erzielen lassen Ruhestörungen liegt, allmählich zu erkennen. Er ♦ Die Vorbereitungen für den Potsdamer bemüht sich, die Sache als eine hinterlistige Zareubesttch, der am Samstag dieser Woche Machenschaft der „Scharfmacher' hinzu- stattfindet, sind in vollem Gange. Der russische stellen. In den Straßen des Wedding mürbe y;jni|ter Aeusieren, Sasonow, der am Moniag abend eme Extraausgabe des .Vorwärts' Dienstag auf der Reise zum Zaren nach Darm- angeblicheverbrecherffchePläned/sScharfmochetturns stadt Berlin passierte, holte ^?>alsl!llktär''des die Parole ausgegeben wird, kein Arbeiter betet- mit dem Kanzler und dem Staatssekretär des lige sich aus Neugierde an einer Ansammlung. Auswärtigen Amtes, v. Kidenen-Wachler.

Diese Mahnung gehl hervor aus dem richtigen * Hr. Dr. E. H. Dietzsch. Inhaber des Ver- Gesühl, daß die vernünftigen Wähler durch solche lages Herrmann Wallher (Berlin), veröffentlicht Er cchrungen der Sammlungs- und Ordnungsparole in Nr. 252 des Börsenblattes für den deutschen zugesährt fverdem ^e an die sozialdemokratische Buchhandel folgende Erklärung:

Gefolgschaft gerichtete Abmachung w.rd aber m der ^ad)bem meine letzte Erklärung in Nr. 246 der vorliegenden Halbheit wod .Germania" in verschiedentlicher Auslegung durch die

haben. Tenn die sozraioemolcattsche Preise ver» I gesamte deutsche Presse gegangen ist, sehe ich mich teidial nach wie vor nicht den Boykott gegen das nunmehr gezwungen, auch die rein materielle Son» . ”.fte Geschäft, und aus diesem gewalttätigen sequenz aus dieser meiner Erklärung zu ziehen, indem ainhnnnfel des Streiks ist naturgemäß der Straßen- 'ch die im Mqi 1910 anonym erschienene Schrift: Anhängsels En. labiler Fall Kol«, er«, innere Gefahr für den Katholizismus,

krawatt i)-1” 3 - - dL Anaritte auf die Ge- ® anbei zurückziehe. Die noch vorhandenen

entiprangen die Unruhen &em Rngrifle aus w» Exemplare werden fortan durch den Buchhandel nicht ivanne der bcsirerkten Kohlenfirma und deren ardeits- met)X ausgeliefert.

willigen Leute- In ^m Fall von Weddmg ent- ©Weber eine angebliche „Krise in der ksnsrrva- spraiigen sie den Versuchen durch Belästigungen I flDra gartet" redet das ,Berl. Tagebl.' einen ganzen und ’Oßar Mißhandlungen die Kauflustigen von I g^latitte! zusammen und behauptet kühn:

dem Laden des bestreuten Fletschermetsters sein-1 „ZM der konservativen Partei geht es bergab, zuhallcn. $~enn derartige fauftrechtllche „@r> gje t.at die Kraftprobe des vorigen Jahres uichr be- aänzungcn' des Strelkrechts fortgesetzt angewendet ftanben. An der abgelchnten Erbschaftssteuer und der werden sollen, so kommen rott aus den Konflikten Branntwein-Liebesgabe siecht sie allmählich da- über'-aupt nicht mehr heraus, und dann wird sich *-; - aBi* 15 "* tn"R *“”™------ *—

;mit Naturnotwendigkeit dieselbe Frage in den Vor­dergrund drängen, die Herr Briand jetzt in Frank­reich aufgeworfen hat und lösen will: ob und welche gesetzgeberische Maßnahmen zur Abwehr der Gefahren ans der Koalitionsfreiheit notwendig sind um sowohl die öffentliche Ordnung als auch die 'beteiligten Judividien vor Vergewaltigung zu schützen? Gerade die aufrichtigen Freunde der Frei­heit bedauern die drohenden Folgen des Mißbrauchs bctfclben«

Wollen die Sozialdemokraten verhüten, daß die 'sog reaktionären Parteien aus den Ruhestörungen Vorteil ziehen, so müssen sie noch ganz anders