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Brieftaften der Redaktion

I E. Die Kranken- und Sterbekasse „Germania" in Kasset hat sich aufgelöst. Der bisherige Vorstand ist rum Liquidator der Gesellschaft ernannt. Etwaige Zuschriften sind an den bisherigen Vorsitzenden h"’l‘,r Hasse, den Liquidator Max Eisenhardt m ! Wilhelmshöhe zu richten.

Literarisches.

Die Fastenkur von Dr. med. Edw. Dewey. 2. vec- befferte Auflage. Berlin. Verlag von Otto Salle, 1910. 8°. IV und 96 Seiten.

Etwas Neues und in der medizinischen Welt noch nicht sehr Verbreitetes bietet hier der ameri­kanische Dr. Edw. Hooker Dewey, gestützt auf ziem­lich zahlreiche Fälle eigener Praxis. Er behauptet im Gegensatz zu der größten Mehrzahl der Aerzte, daß man die Kranken niemals zum Essen nöligen soll, sondern sie solange mit gänzlichem Fasten hm- halten müffe, bis ein natürliches Hungergefühl sich einstelle; das sei dann ein Zeichen, daß die Natur selbst sich heile und sich neue Kräfte verschaffe. Den Gesunden empfiehlt er als sehr vorteilhaft ein tägliches Morgenfasten bei einer einfachen Tasse Kaffee; dadurch werde man viel leistungsfähiger und unbehinderter in jeglicher Arbeit. Wir lassen über diese Ansicht die Diskussion offen und können nur sagen: Probieren geht über Studieren! St-

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♦ Ohne die Klugheit eines Elesanten würde die ünast gemeldete Ueberschwemmungskatastrophe am Gan g?S, der bei Sorori zahlreiche indische Püger zum Opfer gefallen sind, weit größeres Unglück ange­richtet haben. Während Tausende von Pilgern m den Helligen Muten badeten, stieg plötzlich das Was­ser und 200 der Frommen ertönten. Der Elefant aber, der einem gewißen Jung Bahadur gehört, rettete mehr als tausend der Pilger aus dem Flusse. An seinem Geschirr wurden lange Seile befestigt immer wieder schwamm das wackere Tier in die Fluten hin­aus, und an den Seilen ließen sich die bebrangten Pilger aus Ufer ziehen.

* Ein neuer Bombenanschlag ist auf der Straße Uesküb-Zibertsche auf einen von Serbien kommen­den Güterzug verübt worden, wobei die Maschine leicht beschädigt wurde. Verletzt wurde niemand. In ge­ringer Entfernung von der Maschine wurde eine Tro­ckenbatterie gefunden. . „

* Unruhe« ernsterer Art ereigneten sich m Jer- sei-City bei New-Dork anläßlich des Streiks der Angestellten der Paketpostgesellschaften. Viele Per­sonen wurden verletzt, von diesen 18 schwer.

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Letzte Rachrichte«.

♦ Neustadt a. H., 28. Olt. 1910. Heute starb aus dem Haardter Schloß Dr. Ritter August v. Klemm, Reichsrat der Krone Bayerns, im Alter von 73 Jahren.

W. Budapest, 28. Okt. 1910. Der Erzbischot Varossy von Kalocsa ist heute abend gestorben.

W. London, 28. Oktober 1910. (Tel.) In Darlington hielt heute Staatssekretär Grey eine Rede, in der er sagte, die Haupt- erörterungen des gegenwärtigen Jahrhunderts würden sich wahrscheinlich nicht um Fragen der auswärtigen Politik, sondern um solche des

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sozialen Fortschritts drehen. Die große Mehrheit der Menschen wünsche den Frieden

W Paris, 29. Ott. 1910. Aus Cherbourg wird aemeldet- Es sei einem Unbefugten gelungen, sich in das Unterseeboot ..Mesftdor' emzuschtttchcn und das Innere desselben mit Magnesiumlicht zu photographieren. Im Marmemimstermm hat die er Vorfall große Aufregung hervorgeiusen

1. Paris, 28. Ott. 1910. (Tel.) Heute abend mürbe iur Erinnerung an die trr 1 cy re jung Ferrers eine zahlreich besuchte Versamm­lung abgehalten, der Soledad, Villasranea und me Anzahl Deputierter beiwohnten; die Ver,ammlung verlief äußefft stürmisch. Einige hiesige spanische Anarchisten unterbrachen Pelletan, als er das Wort ergriff, durch den Ruf: Nieder mit den Parlamen­tariern! durch Singen der Internationale und durch Pfeifen. Infolgedessen enfftand em heftiger Wort­wechsel zwischen Pelletan und seinen Widersachern. Als dem früheren Minister andererseits Beifall ge­zollt wurde, kam es zu einem lang andauern d en Tumult, der Pelletan am Sprechen verhinderte. Das Büro der Versammlung versuchte, die Tagesord­nung zur Abstimmung zu bringen, in der die spärli­che Regierung aufgefordert wird, „das Volk vom Joche der Kirche zu befreien" und Ferrer zu rehabili­tieren; aber die Anarchisten nahmen im Sturme die Tribüne. Bei dem sich nun entwickelnden Handge­menge wurde der Saal und die Bänke völlig de- moliert. Frauen wurden herumgestoßen und zu Boden geworfen Als die Anarchisten Herren der Räumlichkeiten waren, wollten sie die Versammlung vrtsetzen, sie wurden daran aber dadurch gehindert, daß die Verwaltung das elektrische Licht ausschalten ließ

W. Rom, 28. Oktober 1910. Der Papst empfing den Nuntius von Lissabon, Tonti.

IV[ Madrid, 28. Okt. 1910. Der Kongreß ,ur Bekämpfung des Mädchenhandels beschloß, den nächsten Kongreß im Jahre 1913 in London abzuhalten.

W Hodeidah, 28. Okt. 1910. Das italienische Frachtschiff Sambuc warf am 20. Oktober auf der Südrede von Djisan Anker und ließ, um eine Be­schädigung ausbeffern zu können, einen Teil der La­dung an Land schaffen. Die türkischen Zollbehörden glaubten jedoch, daß es sich um einen Schmuggel- Versuch handle, ließen die Waren wieder emladcn, belegten den Sambuc mit Beschlag und brachten ihn nach hodeidah. Der Mali erhielt Befehl, vorefft von jeder Vollftreckungsmaßregel abzusehen. Das italie­nische Kriegsschiff Aretusa ist in Hodeidah angekom­men. .. , , —

-r. Wettervoraussage

fiit Sonntag, den 30. Oktober 1910.

Mild, trocken, zeitweise trübe.

Temperatur. Höchst eUttgefteru mittag 12 Uhr:! 16° Celsius; niedrigste: 7 Celsius.

Barometerstand. Heute mittag 12 Uhr: i‘3o mm,i gestern: 739 mm.

Fuldaer

Men- ii. Ka-ierwarkv-Fadrik.

Handel und Industrie. >.

* Berlin, 28. Ott. 1910. Auf den festen Ver­laus NewyorkS und den glatten Verlauf des Ultimos konnten die Kurse bei Beginn der heutigen Börse durchweg höher einsetzen. Die fuhrenbe Rolle fiel Amerikanern, namentlich Canado am Morsian- markt Pönix und Rombachern zu. Ausgehend von Paketfahrtaktien, die von Hamburg aus auf das Gerücht von einer Erkrankung des Generaldirektors Ballin stark angeboten wurden, kam vorübergehend eine fühlbare Abschwächung zum Ausbruch, die saft aus allen Marktgebieten die an,anglichen Besserungen wieder verschwinden ließ. Die Ruckgange wurden aber bald wieder eingeholt und die dem Markt innewohnende feste Grundstimmung schaffte sich er- neut Geltung, als Montanwerte ihre steigende -ve- wegung wieder aufnahmen, wobei speziell Phömx neue Rekordkurse erreichte. Schwach lagen ru, fische Banken und Warschau-Wiener. Geld Über Ultimo 6V« Prozent. Prioatdiskont 43/s Prozent.

Märkte.

+ Fulda, 29. Oktober 1910. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 18 Lauser und 235 Ferkel auioetrieben Bezahlt wurden für Lauser je nach Ä Site 46-60 s°- ». 13 «■>»

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kia war vor einigen Tagen erzählt, ein Mädchen habe mif der Straße einen Tausendmarkschein gefunden, ihn tot falsch gehalten und einer Freundin gegeben die ihn in derselben Meinung verbrannte. Jetzt ist sest- ftellt daß das Wertpapier einem Traufen Herrn, der in einem Cafe ein wenig eingeschlummert war, gestoh- len ist.

♦ Ein grausiges Verbrechen wird ans B e r 11 n gemeldet. Gestern vormittag wurde am Schloß Belle- bue in der Nähe der Lutherbrücke ein Sack aus grober Leinwand aus der Spree gelandet, in dem sich eine Franenleiche befand. Es liegt anscheinend ein Mord vor und zwar banbelt es sich um ein etwa 20 ,5obre altes Mädchen, das anscheinend Arbeiterin oder Dienst­mädchen gewesen ist. Die ärzlliche Unteffuchung der Leiche hat ergeben, daß die Tote vor Eintritt der To­desstarre in den Sack hineingesteckt worden ist.

* Reiche Beute im Werte von 40 000 Mk. holten sich Einbrecher in der Nacht zum Donnerstag bei einem Juwelier in Berlin mit Hilfe eines in letzter Zeit mehrfach angewandten Tricks. In dem Hause stehen über dem Laden große Räume leer. Die Einbrecher gelangten in den erften Stock hinein, bohrten über den Räumen von Deike mit einem Zentrumsbohrer ein me­tergroßes Stück aus dem Parkettfußboden heraus und machten dann ein Loch in die Deckenbekleidung. Um Geräusch zu vermeiden, fingen sie Mörtelstücke in einem Regenschirm auf, den sie durch die Decke gesteckt und aufgespannt hatten. Durch die sehr enge Oefsnung ließen sie an einem Strick einen Menschen, der unge­wöhnlich schmal sein muß, in den Laden hinab. Dieser band dort die Ständer aus dem Schaufenster und von den Regalen an eine Schnur, an der die Einbrecher sie hochzogen, um erst oben die Waren, Brillanten, Ringe, Uhren, Ketten u. dgl., herabzunehmen und in Behälter zu packen. Ständer und Auszeichnungen, die sie von den Waren entfernten, lagen gestern mor­gen in dem Raume irn erften Stock umher. Auch ihr Handweickszeug, ganz neues, hatten die Einbrecher dott zurückgelassen. — Nachdem es am Donnerstag ge­lungen war, einen der Einbrecher zu ergreifen und ein Dciiel des gestohlenen Gutes aufzufinden, sind jetzt auch die anderen Komplizen feftgenommen worden. Mit ihnen wurde die gesamte Diebesbeute bis auf eine Uhr zur Stelle gebracht.

* Einen großen Tiertransport versandte am Don­nerstag Hagenbeck von Hamburg aus, und zwar 2000 Tiere, darunter Raubtiere, Dickhäuter, Affen, Wiederkäuer, Vögel, Repttlien, im Werte von 200 000 Mark in einem Sonderzug nach R 0 m für den von ihm dort angelegten Tierpark. Diese Reise soll sechs Tage bauern. Dieser Tiertransport dürfte der bisher größte durch Europa sein.

* Einen vierfachen Raubmord hat in Wo la bei Warschau ein Unbekannter, der von dem Bauer Urditzki über Nacht beherbergt worden war, verübt. Er hat den Bauer, seine Frau und zwei Kinder mit einer Axt ermordet und beraubt. Von dem Mörder fehlt jede Spur.

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