Einzelbild herunterladen
 

Maer WZettmg

»««nie. »-»-«-»-

Msnakbellage: „Zuldaer GeschlchtrblAter"

«rschelat tägttch mit gasäo^me »er Sotnt« gxö Feiertage. Viertel» jährlicher Verngsprekr ohne Bringet lohn uuD PepeLgekdinzuldas»» nrte au$roäm 1.50 Ult

LV.tl. W«|l*U(

jfi’ts« toodieatolage:„3aufttierte Zonntagzzeitung""

Xnjelgen: vie et» spaMgepetitzeileode» deren Ban* 15 pfg. BenatnenbiepetltieiU Pf8^ bei wieder» holmgea wird entspr.

Rabatt gewährt.

Botationrdritckund Verlag der Knldaer Ak» ßeibraderei in Fulda Fernsprecher Hl 9.

249. Erstes Blatt.

Fulda, SamsLap

0 Sand in die Angen.

In einer am Donnerstag stattgefundenen Versamm­lung des Bezirkswahlvereins All-Berlin spmchen die freisinnigen Abgeordneten Dr. Wiemer, Kaempf und Taffel über die gegenwärtige politische Lage, deren Ausführungen ein Zeichen sind für das krampfhafte Bemühen der Freisinnigen, die Ursachen der zurzeit im Volke herrschenden Mißstimmung und Verbitterung auf andere abzuwälzen, und die zugleich beweisen, was die liberalen Wähler sich von chren Führern bieten las. fen dürfen. Herr Dr. Wiemer meint, zum schwarz­blauen Block gehöre als politische Komplement^rfarbe Rot, dem konservativ-klerikalen Regiment folge bte rote Flut. Heber die Richtigkeit dieser Prophezeiung wol­len wir nicht streiten; wohl aber müssen wir dm Grün­den, die Herr Dr. Wiemer hierfür angibt, entschieden widersprechen. Er sagte:

»Was drängte bei den Wahlen von 1907 die Sozialdemokratie zurück, was verscheuchte chre Mit­läufer? Doch nichts anderes als die Ankündigung einer mehr liberalen 81era. Erst als in aller Form der konservatw-klenkale Block aufgerichtet wurde, erst seit dem Sommer 1909 hat die rote Flut gewaltig eingesetzt.*

Bis jetzt war immer die Ansicht vorherrschend, daß der Rückgang der sozialdemokratischen Mandate im Jahre 1907 auf die Ausgabe einer nationalen Wahl­parole zurückzuführen sei. Daß aber die Zahl der so- zialdemokratischm Mitläufer zu gleicher Zeit zurück- gegangm sei, das glaubt doch wohl Herr Dr. Wiemer selber nicht; er wird ebensogut wie jeder andere wis- fen, daß die Zahl der sozialdemokratischen Stimmm gerade bei diesen Wahlen bedeutend zugenommen hat, und wenn er hier das Gegenteil behauptet, wenn er meint, Mi Ankündigung einer mehr liberalen Aeta hätte das Zurückdrängm der Sozialdemokratie veran­laßt, so ist das nichts weiter als Sand in die Augen der Zuhörer. Ebmso verhält es sich mit bet Behaup­tung, daß das Anwachsen der roten Flut auf die Er­richtung des konservativ-klerikalen Blocks — den es übrigens gar nicht gibt — zurückzufuhren sei. Es ist richtig, daß infolge der neuen Steuerlasten eine all- I eme i n e Mißstimmung im Volke Platz ge­griffen hat; diese Erscheinung ist aber stets eingetre- tat, und es wird auch in Zukunft so fein, wenn je- manb in Interesse anderer, fei es auch des Staates, einen Griff in feinen Geldbeutel tun muß. Daß aber die Mißstimmung eine solche Höhe erreicht hat, daß dadurch sogar eine Steigerung der sozialdemokra­tischen Flut hervorgerufen wurde, hat einzig und allein seinen Grund in der Verhetzung durch die Liberalen. Daher hat der Abg. Wiemer auch gar keine Nrsache, die demokratische Vereinigung zu beschuldigen, daß sie die Geschäfte der Sozialdemo­kratie besorge. Wenn der Redner weiter bei der Bs- sprechung der Erbschastssteuervorlage darauf Hinweisen gu müssen glaubte, daß .die Leistung des eigenen Portemonnaies mit der so oft betonten nationalen Ge­sinnung im seltsamem Widerspruch stehe, so trifft die­ser Vorwurf nicht die Rechtsparteien, welche die Erb­schaftssteuer abgelehnt haben, sondern gerade die Frei­finnigen, die jede Steuer, die da» mobile Kapit al, Großbanken und Börse treffen sollte, mit aller Schärfe zurückwieS. Auch dem früherm Staatssekretär Dern- burg stattete Dr. Wiemer den Dank deS Freisinns ab, ba er gezeigt habe, daß der Kaufmann ein sehr guter Staatsmann sein könne. Nun wir wissen ja, aus ver­schiedenen Erörterungen der letzten Zeit, in welch un­verantwortlicher Weife Herr Den,bürg Millionen, die dem Staate zukamen, an Privatgesellschaften ver­schenkt hat; er mag somit nach Ansicht der Freisinni­gen vielleicht ein Kaufmann sein, nie und nimmer aber ein sehr guter Staatsmann.

Der nächste Redner, Abg. Kaempf, sprach sich 6^6rn die Schutzzollpolitik aus, aber auch er trug Den Tännchen nicht Rechnung, wenn er meinte, auf die Dauer könnte das deutsche Volk die Last, die ihm zu Gunsten einzelner Produzenten aufgebürdet worden sei, nicht ertragen. Wir meinen, die höhere Lebens- Haltung die sich in weiten Schichten der Bevölkerung und besonders in bet arbeitenden Klasse mehr und mehr zeige, fei ein Beweis, daß die Lasten nicht übermäßig groß fein können. Der dritte im Bunde bet Abg. Cassel, wandte sich gegen die .geistige Reak- tton' der Regierung und wies besonders aus die Stel­lung der Regierung zur Simultanschule hin Es ift ja bekannt, daß die Freisinnigen von einer Konfes­sionsschule nichts wissen wollen, und daß die Si^ multan sch ule den umstürzlerischen Ideen der Sozialdemokratie nur die Wege ebnet Wer daher diese Folgen einer religionslosen Schule seinen hörern verschweigt und im Gegenteil die SBertreter bet konfessionellen Schule als Reaktionäre bezeichnet, der streut auch seinerzeits bem Volke Sand in die Augen.

Deutsches Reich.

" Berlin, 28. Okt. 1910. TaS Raifetpaar und die Prinzessin Viktoria Luise trafen heute abend 7 Uhr auf bet Station Wildpark ein unv begaben sich >"s Stcü.- PalaiS. — Beim Abschied auf der fceuWn Gesandtschaft in Brüssel zog der Kaiser m Gegenwart des Generalkommissars der belgischen Regierung, des Herzog« »on Ursel, nochmals den Reichskommlsar Geheimrat Albert ins Gespräch und nnterhiett sich besonders über dir Frage der Wett» aus'tellimgen uno ob eine Weltausstellung

.rtschland möglich sei. Der Kaiser gab nochmals temer Befriedigung darüber Ausdruck, daß oie dcutche Abteilung bei der Eröffnung fertig ge­wesen fet und sprach feine Anerkennung aus über das, was tn ihr geleistet worden fei.

U Einberufung des Landtages. Eine Ber» Ukwt Koireipondenz schreibt, man nehme in unter» nchreten Kreisen als sicher an, daß der preußische Landtag zum 10. o^er 11. Januar 1911 einbe­rufen werden solle. Das ist sehr wahrscheinlich: ein bindender Beschluß ist aber über die Einbe- Nlfung bis jetzt noch nicht gefaßt.

-|- Finanzminister Dr. Lentze und der Ber- faflungS-Entwurf für Elsaß-Lothringen. Ratio- nalliberale Blätter haben mitgeteilt, daß der Finanzminister Dr. Lentze im Staatsministerium gegen den Entwurf einer Verfassung für Elsaß- Lothringen Einspruch erhoben habe. Der Finanz» Minister erklärt jetzt, daß diese M itteilung irrtüm­lich sei, er habe bis jetzt an den Beratungen des Staatsministeriums, die den Verfasiungs - Ent­wurf berührten, überhaupt nicht teilgenom- men und daher auch keine Gelegenheit gehabt, etwaige Bedenken geltend zu machen. Anlaß zu solchen Bedenken liege auch für den preußlschen Finanzminister nicht vor.

ns. Bescheidenheit ist eine Zier. Bei der Land- tagssttchwahl in Letpzig hatte der nationalliberale Kandidat über den Sozialdemokraten mit einer Mehrheit gesiegt, die die Gesamtzahl der im ersten Wahlgange abgegebenen bürgerlichen Stimmen noch um rund 500 übertrifft. Dagegen vermochte der Sozialdemokrat in der Stichwahl nur rund 50 Stimmen mehr aufgubringen, als er im ersten Wahl­gange erhalten hatte. Zu diesem Ergebnis schreibt die,Dresd. Volksztg":

„Unter den obwaltenden Umständen, b. h. bei der völligen Aussichtslosigkeit ber Stichwahl, muß es scheu als ein Erfolg bezeichnet uneben, daß noch etwa 35 dis 40 Wähler mehr durch uns auf die Beine gebracht worden find."

Diese Bescheidenheit des sozialdemokratischen Blattes würden wir als eine erfreuliche Neu­erscheinung bezeichnen können, wenn sie nicht ein Produkt ber Not wäre. Ganz anberS urteilt über das Stichwahlergebnis die revisionistische Mann­heimer ,Volksstimme". In ihr heißt es:

„Durch dieses Sttchwadlrefullnt wird die Nieder­lage, die die sozialdemokratische Partei in der Haupt­mahl schon erlitt, nicht gemildert, sondern verschärft" Das ist wenigstens ein ehrliches Bekenntnis.

Q Der vielgenannte Monsignore Pardini, dessen Besuch in Köln vor einiger Zeit Der liberalen Presse „sensationellen" Stoff geliefert hat, nimmt jetzt im ,Storno le b’ Italia" zu folgender Erklärung bas Wort:

„Wenn ein Teil den deutschen Katholiken trotz ber formellen Gegenerklärung des ,Osfetvatvre Romano" an dem Wahne sesthalten will, vie Kardinäle Fischer unb Stopp seien einander feindlich gesinnt, der Vatikan flehe aus Kopps Seite und Fischer komme nach Rom, um die Befehle des Papstes eatgegenzunehmen, — wenn die deutschen Katholiken an diefeni Unsinn festhalten, so kann ber Vatikan nichts dafür. Das Gerücht ist durch meine Reife nach Köln entstanden. »nsangs habe tch über die Torheit gelacht, dann ab», mich ge- ätgett und dem Kardinal Fische» geschrieben, es sei aus dem Stegreife erfunden, daß ich in Köln eine geheime Mission erfüllt und eine geheime Unter­suchung gegen den Kardinal eingeleitet hätte. Ich würde dem Kardinal für die Veröffentlichung dieser Ertkärtmg dankbar lein."

Leider ist nicht zu erwarten, daß die liberale Presse nun schweigen wird.

)( Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Deutschland behandelte am Freitag der Kon- greß des Verbandes der Arbeitsnach­weise. Pros. Stieda-Leipzig stellte fest, daß eine Million ausländischer Arbeiter i» Deutsch­land beschäftigt werden, und verlangt staatliche Maßnahmen, um der ungemessenen Einwande­rung der Ausländer entgegenzulreton. Als wichtiges Mittel empfiehlt er emo mög­lichst vollkommene Organisation de» öffent- lichen Arbeitsnachweises. Das Referat des Dr. Keßler, der sich gegen die einseitigen Arbeitsnachweise der Unlernehmerverbände und Arbeiterorganisationen ausspr«b, klang schließ­lich in eine Forderung staatlichen Eingreifens aus, weil auf anderen Wegen der pa-ritäfische Arbeitsnachweis nicht zu erreichen sein werte.

+ Kein Bündnis der Kouseivativeu mit bet F«i> schrittlicht» Bolkspartei In Der freisinnigen Ztg." war mitgeteilt worden, daß die Konservativen im Reichslagswahlkreise Frankfurt a. O.-Ledus fick mit der Fortschrittlichen Volkspartei wegen gemeinsamen Vorgehens bei der Ersatzwahl in Verbindung gesetzt hätten. Dazu schreibt der Vorsitzende des konser­vativen Wahlvereins der .Deutsche« Tagesztg.", daß die konservative Parteileitung nie daran gedacht habe und nie daran denken werde, sich mit der Fortschrittlichen Bolkspartei zu einem gemein­samen Vorgehen gegen die NaktonaLiberalen zu» scuumenguschließen. Ein solches Bündnis oder ein derartiges gemeinsames Vorgehen sei für jeden Ver­nünftigen undenkbar und einfach ausgeschlossen.

-•~ Die Reichsversicherungsordmmgskommisfion setzte am Freitag chre Beratungen bis § 1653 fort. Danach |tnb Ansprüche aus der Unsallv erfiche- rung vom Rekurs ausgeschlossen, wenn es sich um Krankenbehandlung, um vorübergehend gewährte Kente, Heilanstaltspflege, Angehörigentente, Sterbe­geld, Kapitalabfindung, Kosten des Verfahrens um Feststellung bet Entschädigung nach Äenberung bet Verhältnisse hanbckt. Von konservativer Seite wurde zu letzterem Satze beantragt, den Rekurs auch auszuschließen, wenn es sich lediglich um den Grad der Erwerbsfähigkeit handelt. 3Rini#eritfbirdbr Cas­par verwies daraus, baß 1903 56 Proz. ber Bescheide, 1909 63 Proz. aller beim Reichsverstcherungsamt an­hängigen Sachen auf den Grad der Erwerbsfähigkeit, Abminderung ber Renten Bezug baba». Abgeordnete der FortschrtttSpartei, des Zentrums, wie bet Sozial­demokraten äußerten Bedenken gegen den Antrag. Direktor Caspar teilte auf Anfrage hin mit, baß bie Wirkung bes Antrages ber Konservativen eme Herab- etzung bet Rechtssachen um 35 Proz. wäre. Rach längerer Debatte würben bie konservativen Anträge zu Ziffer 7 abgelehnt, die Ziffer 7 selbst gegen 11 Stim­men gestrichen und der so geänderte § 1653 mit großer Mehrheit angenommen. 8 1658 schreibt vor, daß ber Rckurs unb bie Revision schriftlich einzulegen flnb; bie RevistonSgründe sollen angegeben werden. Bon den Nonservattven unb Nationalliberalen würbe dazu

len 29. Oktober 1910.

37. Jahrgang.

beantragt: Neue Tatsachen unb Beweismittel können im Rekutsvetfahten nur berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verschulden der Beteiligten im voraufgegan­genen Vetsghren nicht geltend gemacht werden konnten. Von Zentrumsseite wurde darauf hingewiesen, daß int Zivilverfahren eine derartige Bestimmung sich nicht finde. Sie hier einzufügen sei schon aus bem Grunde abzuweisen, als sie meist recht unerfahrene Versicherte berühren. Der Anttag wurde mit 15 Stimmen der Konservativen, der Rationaliberalen und der Fort­schrittspartei angenommen; der so geänderte § 1658 wurde angenommen.

4- Die Justizkommission nahm am Freitag die §§ 124—136 der Strasprozeßordnung un­verändert an. Im 9. Abschnitt — Verteidi­gung — (§§ 137—150) wurde § 139 wieder nach der Regierungsvorlage hei gestellt, § 140 erhielt die folgende Faffung:

Schon devot die Sache bei Gericht anhängig ist und auch in anderen als Den im § 139 bezeichneten Sachen kann dem Befchuldigien ein Verteidiger gestellt werden. Gin Berleidiger soll bestellt werden, wenn die Berteibigung des Beschuldigten nach Lage des Falls dadurch bei anders er'chwerk erscheint, daß er sich nicht auf freiem Fuße befinoel Ein Verteidiger soll ins­besondere dann bestellt werden, wenn der Beschuldigte infolge körperlicher ober geistiger Gebrechen, ins­besondere weil er taub oder stumm ist, nicht befähigt erscheint, sich selbst zu verteidigen.

In § 141 wurden die Worte in Absatz 1 „der im Bezirk des Gerichts wohnt", gestrichen. Werter wurde bestimmt, daß „die Bestellung eines nicht am Sitze des Gerichts wohnenden Verteidigers nur mit dessen Zustimmung erfolgen kann". Zn § 143 wurde hinzugesügt: „Die Bestellung (eines Verteidigers) kann von der Staatsanwalischast nicht angefochten werden".

— Nürnberg, 28. Okt. 1910. Die kathol. Geistlichkeit Nürnbergs erläßt im Anschluß an die Gerichtsverhandlung gegen drei Sozial­demokraten, die in der Pfingstwoche in kirchlichen Gewändern in einem sozialdemokratischen Fest- zuqe marschiert waren (vergl. Nr. 243), eine Er­klärung, worin sie protestiert gegen die ge­hässige Art und Weise, in der Rechtsanwalt Dr. Erlanger im Gerichtssaal gegen „die Geistlich­keit" loszog, sowie gegen seine von großer Un­kenntnis und starken Vorurteilen zeugenden grund­lose« Verdächtigungen katholischer Bestrebungen, wie auch gegen die au- Anlaß des fraglichen Prozesses keilens des „Fränk. $«««-* getriebene, niedrige Hetze, die mit groben Unwahr heilen und grundlosen Verdächtigungen der allergehässig- sten Art arbeitete. Zum Schluß heißt eS:

Wir eit! ar en das bei bem bekannten Pfiugstfest- zuge vorgekommene Tragen gotkeSdienftlicher Gewänder an sich schon, ohne daß es weilerer Ber» höhnungen oder religionsfeindlicher Kundgebungen be­dürfte, sür eine fchwere Kränkung deS katholischen religiösen Gefühles, zumal in Anbetracht der er­schwerenden Umstände, und weil der Zug sich bewegte in Nürnberg, wo bei einem Teil des Publikums eine derartige Gehälstgkeit gegen alles Religköse sich geltend macht, daß keine katholische Kirche mehr ein« geweiht werden kann, ohne daß sie in der un­flätigsten Weise bei «beit wird, daß Kirchen mutwillig beschädigt, Kirchenfenster massenweise eingeworfen werden und Geistlich« auf Wegen und Straßen ohne Anlaß fast täglich Insulten unb Berhöhnungen seitens Erwachsener, be­sonders beim Vorübergehr« an Arbeitsstätten, aus­gesetzt sind, ja mitunter selbst Steinwürfen und schwersten lätlichen Beorohungen.

Die Erklärung wirst auf die Zustände in Nürnberg ein interessantes Licht. Das find die Früchte der „erzieherischen" Tätigkeit der Sozial­demokratie, die sich als Herrin Nürnbergs fühlt!

Ausland.

** Für die durch Luegers Tod erledigten Mandate fanden bie Ers atzwah len statt. Bei der Landtagswahl in der Leopoldstadt erziel!« kein Kandidat die absolute Majorität, und ist Stichwahl zwischen dem christlichsoziaien Kandidaten, dem Kellner Preyer mit 10832 Stimmen, und dem Sozialdemokraten Schumeier mit 8471 Stimmen erforderlich. Bei der ReichSratSwahl in Hietzing wurde Bürger­meister Ne um ay er (christlichsozial) gewählt.

r 3« den deutsch-tschechische« Ausgleichs,ethaud- langen ist am Freitag eine Stockung eingehreten. Die tschechisch-radikalen Landtags- und Reichsrats« abgeordneten haben noch weftergehende Garantien und Zugeständnisse gefordert. Statthaller Gras Coubenhove, sowie mehrere tschechische Landesaus- schußmitglieder griffen vermittelnd ein.

« Der spanische Ministesprafibent Canalejas er­klärte im Senat bei der Besprechung des Kloster- sperrgesetzes, er werde zurücktreten, wenn der Gesetz­entwurf nicht angenommen werde.

* Das englische Königspaar ist am Freitag vormittag zum Besuch deS Königs Manuel und der Königin-Mutter Amelia nach Wood- norlen abgereist.

* Die russische Reichsbmna hat am Freitag ihre Sitzungen wieder ausgenommen.

* Tie Pforte stellt in Abrede, an der persischen Grenze größere Truppenmassen anzusammeln.

* * Der serbische Landtag (Sobianje) ist durch den König feierlich eröffnet worden.

* Wer tauft ungebrauchte Kriegsschiffe 1 Im Kriegshafe« von Rochefort wurden zwei sranzösftche Panzerkreuzer an den Meistbietenden versteigert. Eine Stettiner Firma erstand die beiden Schiffe für 292 348 und 196144 Francs. Beide Schiffe haben Maschinen von rund 3000 Pferdekrästen; sie find ganz neu und sozusagen ungebraucht. Das größere, das 15 Millionen gekostet hat, nrar nur 3 Monate

im Dienst, da man erkannte, daß es sür den Hoch­seedienst vollkommen unbrauchbar fei.

\ Die jungägyptische Agitation des führenden ägyptischen Nationalisten-Blalles „El Lewa" Hai die britische Verwallung in eine schwierige Situation gebracht. Wegen verschiedener auf« tühreri'cher Artikel erhielt daS Blatt bisher zwei Verwarnungen. Eine dritte Verwarnung würde die Unterdrückung des Blattes zur Folge haben. Trotzdem veröffentlichte das Blatt wieder zwei heftige Artikel gegen Großbn.onnien unv forderte die Regierung trotzig zum Vorgehen heraus. Gleichzeitig hat das Blatt durch den gemischten Gerichtshof die Aufforderung an den Premier­minister geschickt, die Verwarnung innerhalb drei Tagen zurückzuziehen, widrigenfalls es eine in acht Zeitungen bekannt zu machende Entschuldi­gung nebst Schadenersatz verlangen werde. Die Regierung hat nun die schwierige Wahl, das nationalistische Organ entweder gänzlich zu unter­drücken oder sich eine Demütigung gefallen zu lassen, die verhängnisvolle Folgen haben könnte. Die gesamte Eingeborenenbevölkerung erwartet die Entscheidung der Regierung mit unterdrückter Erregung. Die Ankündigung, daß Feld mar­sch all Kitchener am 5. November London verläßt, um eine ausgedehnte Reise durch Aegypten und den Sudan anzutreten, gibt jedenfalls zu denken.

I Die persische Regierung hat den Russen eine harte und bittere Ruß zum Knacken gegeben. Die Russen Haden seinerzeit eme Automobillune zwischen Julfa unb Täbris eingerichtet, ohne für die auf dieser Strecke eingesührten Waren Zölle zu zahlen. Ein energischer Protest der Pcrfer blieb damals erfolglos. Jetzt hat die persische Regierung in Petersburg wissen lassen, sie werde diese Ein­richtung als bestehenden Zustand anerkennen unter der Bedingung, baß Rußland seine Truppen aus Persien gurückgieht. — Wenn Rußland nicht offen seine gewalttätigen Pläne verraten will, dann wirb es daraus eingehen müssen, und dann hat es allen Einfluß, den ihm sein Militär in Per­sien verschafft hat, wieder eingebüßt.

* In Kleinasien scheint die Ruhe wieder her gestellt zu sein. Die Drusen haben sich bis auf eine geringe Zahl, die sich in den Bergen versteckt hallen, unterworfen und sind entwaffnet worden. Sami Pascha ließ bereits Aimlbeamte zur Einrichtung von Steuerlisten und Katastrie­rung der Grundstücke aus Damaskus nach Hauran kommen.

volkswirtschaftliches und Soziales.

XX Der Weinhändler ■ Verband für den Regierungsbezirk Trier beschloß in seiner kürzlich stattgehabten Hauptversammlung den Mindest« Verkaufspreis im Handel mit Privaten auf 1 Mark per Liter oder per Flasche mit GlaS sestzufttze«.

[]®ie Wehrkraft in Stabt mtb Land. Die neuesten statistischen Mitteilungen über bas letzte Rekrutte- mngsgeschäft geben wiederum einen Beweis für bte bedenkliche gesundheitliche Einwirkung ber Jndustrie- arbeit wie überhaupt be8 Wohnens in großen Stäbten. Es geht baraus nämlich hervor, baß von ben etwa 218500 im Jahre 1909 ausgehobenen Mannschaften rund 138 700 auf bem Lande unb nur gegen 80 000 in ber Stadt geboren waren. Ms „Land" werden da­bei auch die kleineren Ortschaften bis zu 2000 Ein­wohnern angesehen, alles darüber ist „Stadt". Da heute in ben Städten fast doppelt soviel Menschen wohnen als auf bem Lande, ist dieser Ausfall ein Be­weis für ein erschreckliches Sinken der Volks­gesundheit in ben Stäbten.

Aus Kirche und Schule.

Tu Fnlda, 29. Okt. 1910. Am Allerheiligen- feste (1. November) dem Vortage von Allerseelen, wurde bis vor einigen Jahren auf dem alten städtilchen Frie Hose im Freien vor der alten Kapelle eine Allerseelen - Predigt gehallen. Aus guten Gründen wurde die Predigt mit darauf folgender Andacht in die Stadlpfarrkirche verlegt. Der Andrang der Gläubigen zu diesem Gottes­dienste war in den letzten Jahren so stark, daß ein beängstigendes Gedränge in der Kirche ent­stand. Aus Anregung des Vincenz-Vereins Hal sich nun die kirchliche Behörde entfchlossen, am Abend deS Allerheiligenlages auch im Dome eine Allerseelen»Predig! zu halten. Bei der Andacht wird der Alumnen-Chor mehrstim- mtge Lieder singen.

❖ Fulda, 28. Oktober 1910. Ter Verein kalhol. deutscher Lehrerinnen tritt am Mittwoch den 2. November nachmittags Vi-L Uhr im Kloster der Englischen Fräuleins zu einer Konferenz zusammen. Außer den zur Verhand­lung stehenden fachtechnischen Gegenständen steht auch ein Vortrag eines Fuldaer Professors auf der Tagesordnung: „Papst Pius X." Ein ge­mütliches Kaffeekränzchen wird dem geschäftlichen Teil sich anschließen.

Lokaler.

Fulda, den 29 Oktober 1910.

& Eine Probe-Alarm iernng im städtischen Schul­gebäude wurde heute vormittag */»10 Uhr in Gegen­wart des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni und des Feuerwehr-Kommandos vorgenommen. Es wurde