Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Leitung

* fuläaer

Rekinmeu- mtb Anzeigenteil.

vorzüglichste Erbssuppe, 2 bis 3 Teller 10 Pfg.

Hohenlohe

Erbswurst

Der Zeit voraneilend, wollen wir hier gleich mit­teilen daß Monkton angeklagt wurde und sich gar nicht'zu verteidigen suchte. Hope's Eingrisf zu er­wähnen, wagte er nicht, denn sicherlich hatte ihn dieser belauscht, wahrend er den Diebstahl sowohl wie die zweite Schändlichkeit ins Werk gesetzt D-mwch wurde die falsche Anklage ebenso gut bekannt als der Dieb­stahl, und da dem Verbrecher eine frühere Gefängnis­strafe zur Last fiel, verurteilte ihn das Gericht zu 14jährigem Zuchthaus.

So Ivar denn Bartleh's gefährliches Geheimnis schon an dem Tage, da es ins Leben trat, in höchster Gefahr, wurde jedoch denselben Tag vor Entdeckung gerettet und hinter Schloß und Riegel bewahrt.

Bartley übergab Hope die Leitung seiner Geschäfte und verschwand für mehrere Monate. Dann tauchte er in Sussex wieder auf mit einem kleinen Mädchen, das durch einen unbekannten Wunderdoktor vermittelst der Tracheotomie von der Diphtheritis geteilt war. Eine Narbe der Kleinen gab den Beweis dafür, und der zärtliche Vater pflegte triumphiermd darauf auf- merkfam zu machen, während er das Verfahren der wiÄichen Aerzte verspottete.

Inzwischen hatte der Polizeibeamte auch in einer der Ueberrockstaschen Banknoten gefunden.

„Großer Gott!" rief Monkton abermals, „wie können sie da hineingekommen sein?"

„Das werden Sie wohl am besten wissen", gab der Polizeibeamte zur Antwort, während Bartley die Bansiroten durchsah und fand, daß es die von ihm

besten sein, wenn Sie den Herrn nicht molesiieren, bis ich 'n Wort mit ihm geredet habe."

Der brave Haushostueister, der in den ersten sieben Jahren seiner Amtsführung ein sehr guter und in den folaenden sieben ein sehr schlechter Diener gewesen war und sich — hätte der Oberst sich dergleichen gefallen lassen — zum vollständigen Tyrannen ausgebildet ha- 6en würde, erschien am folgenden Morgen vor seinem Gebieter mit halb ehrerbietiger, halb herausfordernder und dabei sehr Mrrischer Miene.

„Da ist ein junger Herr gekommen", sagte er, „der mit Ihnen sprechen möchte, Sir, wenn Sie's erlauben wollten."

„Wer ist es denn?" fragte der Oberst, obwohl ihm das Benehmen des alten John tonen Zweifel dar­über ließ.

„Können Sie's nicht erraten?"

„Wamm sollt ich das? Deine Aufgabe ist es, mir die Besuche zu melden."

„O, melden will ich ihn schon, wenn ich nur erst weiß, daß er freundlich ausgenommen wird."

„Wieso? Kann er davon nicht überzeugt sein, ein so guter, pflichttreuer Sohn!"

„Ein Willkommen hat er denn doch wohl verdient, Sir — 's ist der verlorene Sohn, der wieder nach Haus zurückkchtt."

„Daß der ein Willkommen verdient hätte, steht nir­gends geschrieben."

„Darauf komntt's nicht an — er ist ihm doch zu­teil geworden, und die Moral ist das Gesetz für Män­ner unseres Alters, wenn sie nicht mehr in der Armee dienen."

„Du hättest bester getan, ihn seine Sache selbst führen zu lasten, John Und wenn er dabei in dem Ton spricht, den Du Dir erlaubst, so wird er sehr bald ans dem Hause gewiesen sein, wie es auch Dir, John Baker, eines schönen Tages passieren dürfte."

„Das wird keinem von uns beiden paffieren", antwortete Mr .Baker, aber in so ehrerbietig warmem Ton, daß seine Worte dadurch alle Schärfe verloren; dann ließ er den Kopf hängen und fügte hinzu: „Ar­mer junger Herr — fürchtet sich, dem eigenen Vater gegenüberzutreten!' (Forts, folgt.)

* Kirchhain, 26. Ott. 1910. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurden die Kosten für Heizung des Unterrichtszimmers im neuen Lokal der Lehrschmiede bewilligt und ein Betrag bis zur Höhe von 200 Mark zum Ankauf von Gifthafer, der zur Vertilgung der Mäuse an den städtischen Wegen verwendet werden soll, genehmigt. Das Gehalt der Kinder­ehrerin wurde vom 1. Oktober ds. Js. ab um ährllch 120 Mark erhöht. Zur Deckung der Abfindungssumme an die Nutzungsberechticften ür Ablösung der Woldgerechtsame soll ein Ka- ,ital von 38700 Mark bei der hiesigen Spar- affe erborgt werden und der jedem Berechtigten zustehende Betrag von 110 Mark mit Zinsen eit 1. Nov. 1909, wenn möglich, bis I.Dez. d. I., ausgezahlt werden. Diejenigen Berechtigten, die noch Eichenholz zu beanspruchen haben, er­halten hierfür noch eine besondere Entschädigung von 5 Mark. m .

* Ilmenau, 27. Oktober 1910. Nach einem Gemeinderatsbeschluß sollen G e m e i n d er a t s - Mitglieder bei der Vergebung städtischer Ar­beiten nicht berücksichtigt werden.

* Gerstungen, 25. Ott. 1910. Der fahrige Sohn des Landwirts Schmeck führte eine Kuh vom Felde nach Hause. In der Poststraße wurde das Der durch eine geringe Ursache scheu, warf das Kmd, welches die Leine um die eine Hand ge­schlungen hatte, mehrmals auf die Erde und zwar so unglücklich, daß nach einiger Zelt der Tod Cmt* ** Marienberg (Westerwald), 27. Ott. 1910. Die Staatsanwaltschaft zu Limburg hat aus Veranlassung der Eisenbahnbehörde für die Er­mittelung des Täters, der am Samstag abend aus den Personenzug der Strecke Fehl— Ritzhausen—Marienberg—Langenbach geschossen hat, eine Belohnung von 3u0 Mk. ausgesetzt.

• Vom Eichsselde, 25. Okt. 1910. Ein mäch­tiges Feuer, von zwei 7jährigen Knaben ange­legt, älcherte drei Strohdiemen in der Feldflur Woll­brandshausen ein. Der Gemeindevorsteher, der mit seinen Leuten herbeieilte, um das Feuer zu dämpfen, itufl erhebliche Brandwunden davon.

Ein alter Diener.

Walter Clistord kehrte nach Haus zurück, völlig geheilt von dem Wunsch, die Gcheimniffe des Handels kennen zu lernen, und voll Verlangen, den Vater zu versöhnen; er sagte sich aber, daß er dazu nur auf Umwegen und mit großer Vorsicht gelangen würde.

So schlick er sich denn, als es bereits dunkel war, in Clifford Hall ein und begann seine Operationen damtt, daß er sich zu dem Haushofmeister begab. Hier befand er sich in Sicherheit und wußte das nur zu wohl. Ein Haushofmeister von gutem, altem Schrot und Kom pflegt häufig dem Sohn des Hauses gegen­über in unvernünftigerer Weise väterlich zu sein, als der Vater selbst. Auch der heimkehrende Walter ver­dankte dem würdigen Dimer ein gutes Abendessen, ein gutes Bett und den guten Rat: „'s wird am

Aus dem Nachbargebiete.

* Alsfeld, 27. Okt. 1910. Der Stadtvorstand genehmigte in seiner letzten Sitzung die Vorlage der Baukommission über die Errichtung einer Markt- halle. Die Halle soll in den Erdgeschoßräumen des sogen. Hochzeitshauses, eines alten, öffentlichen Geländes mit großen Räumlichkeiten errichtet wer­den. Dian hofft, auf diese Weise einen regelrechten Wohenrnartt zu Stande zu bringen.

* Stadtlengsfeld, 26. Oft. 1910. In dem zur hiesigen Porzellanfabrik gehörigen Portier­hause brach in vorvergangener Nacht Feuer aus. Das Gebäude wurde zum Teil eingeäschert, zum Teil durch Waffer start beschädigt. Man vermutet Brandstiftung.

Xs 248.

Kreltog »en 28. »lieber WO.

57. 2ahr,ang.

flössen.

„Nein, nein!" rief Monkton in tödlicher Angst. „Es ist ein Irrtum! Irgend ein Spitzbube hat mir den Streich gespielt, um mich zu Grunde zu richten."

„Das mögen Sie andere weismachen, die glaubens vielleicht", sagte der Polizeibeamte. „Kommen Sie, mein Schätzchen! ich wußte ja beim ersten Blick, wel­cher von den beiden der rechte Vogel war. 's ist auch nicht sein erster Versuch, liebe Leute, darauf gebe ich mein Wort. Wir werden schon in irgend einem Ge- fängnis Album sein Photo finden, wenn die Zeit der Affisen gekommen ist."

„Fort mit ihm!" rief Bartley in Heller Wut.

Während der überführte Schuft von dem Polizei­beamten fortgeführt wurde, fiel fein Auge auf Hope, der mit über der Brust gebeugten Armen dastand und, die Brauen zufammenziehend, mit dem tiefen Unwil­len des Gerechten und dem stolzen Bewußtsein des Sieges auf ihn wiedersah.

„Aha!" rief er aus, „Sie find es gewesen."

„Schuft!" bornierte ihm Hope entgegen, „zwei­facher Missetäter! falscher Anfläger und Dieb zu­gleich — diesmal sind Sie in die eigene Falle ge- raten."

So gewaltig war der Eindruck dieser Worte, daß der Dieb sich zusammenkrümmend hinausschlich und selbst die Zurückbleibenden ein Schauder durchbebte. Hope teilte jedoch niemand als Walter Clifford mit, daß er Monkton's Tun im Vorzimmer gesehen und zu Richte gemacht hatte, worauf ihm der arme Junge um den Hals fiel und ihm die Hände küßte.

yx NESTLE

W Altbewährte Nähr und ' fürKinder und Kranke

Literarisches.

Revolution überall! Das sand auch Sven H edin, als er den asiatischen Boden auf russischem Gebiet betrat, um auf dem Tausende von Kilo­metern langen Weg durch Persien, Seiüan, Belutschistan, Indien und Kaschmir seinem Ziel, dem geheimnisvollen Priesterstaate Tibet, zuzustreben. Mit einer Revolution nach echt russischem Muster beginnt die soeben ausgegebene erste Lieferung von Hedins wieder bei Brockhaus erscheinendem neuem Werk „Zu Land nach Indien durch Per- sien, Selstan und Belutschistan". Auf­regend genug sind die Erlebnisse, die der berühmte Forscher schon zu Anfang der Reise hatte. Alles schien toll geworden zu sein, niemand war seines Lebens sicher. Da die Eifenbahnbrücken von den Terroristen gesprengt worden waren, flüchtete Hedtn zu den friedlichen Türken. Allerdings mit Schwierig leiten, aber ein grimmiger Kapitän konnte durch seltene Briefmarken gewonnen werden. Der Inhalt her ersten Lieferung ist so spannend, und die reich­lich beigegebenen Illustrationen, unter denen das bunte Bild einer köstlichen Paimenoase hervorragt, sind so anziehend, daß in „Zu Land nach Indien" (2 Bände 20 Mack) ein ebensolches literarisches Kunstwerk zu ermatten ist, wie es „Transhimalaja" war.

eingetragenen waren.

„Sie Schurke!" schrie er Monkton an, „dies be­weist mir auch, woher Ihr Gold und Ihr übriges Dec ganze Inhalt meines

lolgendes Erlebnis aus seiner eignem Praxis zum besten: „Die von mir vertretene Stadt Ellenburg tu in zwanzig Minuten von Leipzig aus zu erreichen. Die Leipziger Bebörde will einem Dienstmann, der zu­fällig in Eilenburg geboren ist, eln Ehrenzelchen ver- leihen. Um zu erfahren, ob gegen diesen Mana etwas vorliegt, wendet sich die Stadt Leipzlg in unserer Z des Telephons zunächst an die ihr übergeordnete Amts- h auptmannsch ast, diese an das sachflsche Mini­sterium des Innern, dieses an das Mmulerium des Aeuß ern, dieses an die sächsisch e Ge sandt- schaftin Berlin, diese an den deutschen Staats­sekretär des Äeußern, dieser an den prenbrschen Minister des Innern, dieser an den Ober- Präsidenten, dieser an den R egie r nngsp rasr- den ten, dieser an den königlichen Land r at m Delitzsch, dieser endlich an die P o li zei verw a ltun g in Eilenburg. (Große Heiterkeit.) Als wir daraus pflichtqetreu meldeten, daß wir den zur Dekorlerung vorgeschlagenen Herrn nicht kennen, geht die Sache genau ebenso auf demselben Wege zurück nach dem zwanzig Minuten von Eilenburg entfernten Leipzig. Schallende Heiterkeit.) — Ein klassisches Verspiel dafür, wie modern der deutsche Bundesstaat tm Zeitalter des Verkehrs arbeitet."

Die Schilderung ist, wie der Bericht zeigt, von der Versammlung mit großer und gebührender Hefter- feit aufgenommen worden. Sie hat aber doch auch ihre sehr emste Seite. Zeigt sie doch wteder einmal zum Erschrecken, für welche Nichtigkeiten bei uns em ungeheurer amtlicher Apparat in Szene gesetzt und Zeit und Geld verschwendet wird, wahrend es fnr recht dringliche, wirklich im Volksinteresse liegende Aufgaben dann leider vielfach an beiden mangelt.

Papiergeld stammen. ....

Geldschranks ist in die Taschen dieses Schuftes ge-

2. Blatt.

vntck mtb Verlag der Mdaer Arttendruckerel in zuida.

Em gefährlicher Geheimnis.

11] Roman in zwei Bänden von Charles R ead e „Durchsuchen — mich?" schrie Monkton auf. „Mr.

Bartley, könnten Sie wirklich einem alten, treuen Diener solche Beschimpfung zufügen lassen!"

Wenn Sie unschuldig ffind, warum sträuben Sie ich "benn?" rief Walter Clifford boshaft, ehe Mr. tzarttey antworten konnte, und diese Bemerkung machte o viel Eindruck auf Letzteren, daß er sich dadurch be- timmen ließ.

Freilich — die Gerechttgkeit gegen Mr Bolton verlangt es geradezu", sagte er. „Kommen Sie, Montton, lassen Sie es geschehen; es ist ja nut eine Formalität."

Dabei gab er dem Polizeibeamten ein Zeichen; bet Mann trat auf Monkton zu und erleichterte seine Westentaschen um 85 Sovereigns.

„Da haben wir's!" rief Walter Clifford. „Da haben wir's!"

„Mein Eigentum — beim Derby-Rennen gewon- ,en", gab Monkton gleichmütig zur Antwort; „es ist |Ogar nur ein Teil meines Gewinns, wie ich zu mel­ier Freude sagen kann. Das Uebrige werden Sie in Vanknoten finden."

Der Polizeibeamte fand dieselben.

Barüey verglich sie mit seinen Eintragungen. Das f)erbY-Rennen hatte ihn stutzig gemacht; er begann em Kommis, der im Geheimen an dergleichen teil’ pahm, zu mißtrauen. Aber er blieb gerecht, obwohl fr nicht mehr gläubig war.

„Ich muß bezeugm", sagte er, „daß sich unter die­sen Banknoten keine der von mir eingetragenen be-

vetschüttet. Bisher konnten nur zwei als Leichen geborgen werden. Die Rettungsmannschaften graben eifrig weiter, doch ist wenig Aussicht vorhanden, einen der übrigen noch lebend anuttreffen.

* Ter in der Straße von Korea gestrandete bri­tische Kreuzer „Bedford" ist bei der Insel Quel- j art ein vollkommenes Wrack geworden, -oei der Katastrophe vor etwa zwei Monaten verloren 19 Heizer das Leben, angeblich, weil ein Offizier den Kessel- raum abschließen ließ, um dem Eindringen des Was­sers Einhalt zu tun, das sonst wohl noch viel mehr Opfer gefordert haben würde. Es war um 5 Uhr morgens, als das Schiff plötzlich auf einer mächtigen Woge in die Höhe stieg. Als es wieder zuruckftek, gab es einen fürchterlichen Krach, als habe das eiserne Ungetüm fein Rückgrat auf den Felsen gebrochen. An Deck war alles durcheinander, und die Leute schrien einander an und lärmten. Der Kapitän hatte sich ruhig eine Zigarette angezündet und gebot seinen Leu­ten: „Ruhe! Hier befehle nur ich!" Und nun blie­ben die Matrosen auf dem Posten und verrichteten chre Arbeit, als wäre die „Bedford" auf spiegelglatter set unter Dampf. Dann tarnen die anderen Schiffe des Geschwaders herbei und nahmen die Mannschaft der „Bedford" über, da keine Aussicht auf ihre Rettung zu ein schien. , .

— Kuriert. Arzt: „Klagt Ihr Mann viel über Durst?' — Frau: „Zuerst ja, aber da habe ich ihm jedesmal ein Glas Waffer angeboten; jetzt sagt er nichts mehr." ,

* Der wegen Spionage verhaftete frühere Polizei- kommifsar v. Go Id am mer ist in Metz aus der Hast entlassen worben und hat das Land verlassen Der Spionage-Verdacht scheint sich demnach nrcht bestätigt zu haben. „ .

** Die Berufung der Gräfin Tarnowska^und des Advokaten Prilukow gegen das Urteil des Schwurge­richts in Venedig ist vom Kassationsgerlchtshos m Rom abgewiesen worden. Raumow, der ferne Strafe bereits verbüßt hat, hat keine Berufung ein­gelegt. _ . .

* Wegen fortgesetzter Gehormmöverwergernng und des Beharrens im Ungehorsam in zahllosen Fallen hatte sich vor dem Oberkriegsgericht des 3. Armeekorps der Festungsgefangene Naumann zu verantworten. Naumann ist A d v c n 1t st und als solcher ist er m dem Glauben, er dürfe am Samstag nicht das ge­ringste arbeiten. Diesem Prinzip blieb er auch treu, als er vor etwa drei Jahren zum Militär kam. All­wöchentlich vom Freitag abend mit Eintritt der Dun­kelheit bis zum Samstag abend weigerte sich Nau­mann, sonst ein pflichteifriger Soldat, einen Befehl auszufvhren. Wegen Gehorsamsverweigerung gab es zuerst strengen Arrest, dann Gefängnisstrafen, die im­mer empfindlicher wurden, doch Naumann ließ sich da­durch keineswegs von seiner Ueberzengung abbringen. Er verweigerte auch im Spandauer Festungsoefängnis strikte am Samstag den Gehorsam. So häuften sich die Strafen an. Schließlich hatte er 5 Jahre und 6 Monate Gefängnis abzusttzen. Er legte nun gegen seine Bestrafungen Berufung beim Oberkriegsgericht tin. In der Verhandlung suchte er nachzuweisen, daß er im rechten Glauben gehandelt habe. Er könne ein­fach nicht anders. Auf die Frage des Verhandlungs- leiters, ob er auch tm Kriege den Gehorsam verwei­gern Werde, erklärte der Angeklagte: „Nein. Der Krieg mache eine Ausnahme, weil der Staat beschützt werden müsse." Von zwei als Sachverständigen hin- zugezogenen Aerzten erklärte ein Oberarzt, es handle sich um keine Geisteskrankheit, sondern um eine religiöse Ueberwertigkeit. Dagegen glaubte der zweite Sach­verständige, daß in der ungewöhnlichen Hartnäckigkeit des N. zweifellos eine Anormalität liege. Das Ge­richt konnte auf Grund der beiden auseinandergehen­den Gutachten kein Urteil fällen und beschloß, über den Zustand des Angeklagten ein Obergutachten vom Senat der Kaiser-Wilhelm-Akademie einzusordem.

* Ein interessanter Hausverkauf hat am Montag in München stattgefunden. Der Maler Franz Na­ger hat das Gebäude der alten Schackgalerie an der Brienner Straße vom deutschen Kaiser für den Preis von 380 000 Mark erworben.

* Durch einen Erdrutsch wurden in St. Poelten beim Bau der eleltrilcben Bahn sech s Arbeiter

Nun aber durchsuchte der Polizeibeamte MonktonS lleberrock und zog ein Bund Schlüssel daraus hervor.

„Wie können sie da hineingekommen fein!' rief Monkton erstaunt; eine unvorsichtige Bemerkung, dir variley sogleich auffiel. Er bemächtigte sich bet kchlüffel und begann zu probieren. Einer berfelben Mete den Geldschrank, ein anderer die Kaste.

= Staatlicher und städtischer Bureankratismns.

Die Klagen über Langsamkeit und Umständlichkeit der behördlichen Entscheide richten sich dabei gewöhn­lich gegen die staatlichen Verwaltungsbehörden und die Prozeßgerichte. Daß aber auch unsere städtischen Behörden dieser bürokratischen Erbsünde hier und da verfällt, darf vom gerechten Beurteiler nicht übersehen werden. Darum seien zwei Fälle ebenso typischer Wie ergötzlicher Art hier festgehalten. Den einen entneh­men wir der Deutschen Tageszeitung. Sie schreibt:

Ein Berliner Muttimillionär, nach dem eine Straße der Reichshauplstadt benannt ist, machte eines Tages dem Berliner Magistrat den Vorschlag, eine Million Mark zum Zwecke des Baues einer kleinen Arbeiter­straße hermgeben, in welcher durch die Anlage eines gemeinsamen Gartenhoses für eine ganze Häuserreihe ’ weit bessere Bedingungen von Licht und Lust für die Mieter geschafft werden sollten, a>s dies sonst in Berlin möglich ist. Irgendein Risiko für die Stadt war bei dem Geldangebote ausgeschlossen, vielmehr bedeutete der Plan für sie auf jeden Fall einen posi­tiven Gewinn, lieber dieses Projekt mußte der hoch­herzige Stifter vier volle Jadre lang mit dem verehrlichen Magistrate unterhandeln, ohne zu einem Ziele zu gelangen; auch sechs Broschüren, die unent­geltlich an alle in Betracht kommenden Persönlichkeiten und Behörden mit eingehenden Schilderungen des Planes versandt wurden, konnten den Gelchästsgang der Stadt Berlin nicht beeinflussen. Eines Tages ist der Millionär über diesen Geschäftsgang hinweg- gestorben und mußte den Plan, an dessen Genehmi­gung er alle Kraft der vier letzten Lebensjahre gesetzt halte, mit ins Grab nehmen.

Und nicht minder wird man sich über folgende, dem Berliner Lokalanzeiger entnommene Mitteilung belustigen:

Auf dem Reichsverband deuischer Städte gab Bürgermeister Dr. Belian-Eilenburg, um den heutigen Geschäftsgang bei manchen Behörden zu kennzeichnen.

99S!sa!^a9eBa9aBweBsss

Brüsseler Weltausstellung. Aus der Ausstellung erwecken auch die Maschinen der Gasmotoren-Fabrtk Deutz allseitiges Interesse. Die Jury erkannte die Güte der Deutzer Fabrikate an durch Berleihung des Grand Prix.

Katholischer Frauentag.

p. Düsseldorf, 27. Oktober 1910.

Am Mittwoch vormittag fand die 6. Versammlung statt die geschlossenen Charakter hatte und sich mu Inneren Angelegenheiten des Bundes befaßte. Em Antrag Breslau bett. Gliederung des Frauenbundes in Diöresanverbände, ein Antrag Gnauck-Kuhne bett. Anträge zur Aenderung der gegenwärtigen Organi- fation be§ katholischen Frauenbundes und der Antrag der Gräfin Preysina (Sronrointel) wurden unter leb­haftem Beifall zurückgezogen. Beschlossen wurde, den Mechtsschutzstellen für Frauen dringend zu empfehlen imd eine Kommission zu ernennen, welche das ein­schlägige Material sammelt, um den 3rpetgoeretnen hei Neugründungen alle erforderlichen Auskünfte erteilen ,u können. Weiter wurde allen Zwetgveremen empfohlen, es als eine dringende Pflicht zu erachten, den Bestrebungen zur Förderung der schulentlassenen weiblichen Jugend erhöhte Bedeutung zu schenken, und sie nach vorherigen Benehmen mit den Vorständen hezw Präsides der übrigen verwandten Zw«ken dienenden Vereinen oder Kongregationen, wo notig, in Jugendvereinigungen zusammenzuschließen, bereits bestehende Vereinigungen aber nach Kräften zu fördern. Weitere Beschlüsse betreffen die Gründung eines Fach­verbandes für katholische Hausbeamtinnen, die ^Förderung der hauswirtschaftlichen Ausbildung der Mädchen, die Unterstützung der katholischen Missionen, die Vermehrung der Anzahl der Handarbeitsstunden in den Volksschulen. .

In der öffentlichen Versammlung am Abend sprach Domkapitular Dr. Müller (Trier) über: „Die wachsende Bedeutung der Frau innerhalb der Familie". Am Dienstag abend hatte Frl. Hedwig Dransfeld über: „Wichtige Aufgaben der katholischen Frauen in der Gegenwart" gesprochen.

Am Donnerstag vormittag erstattete Frau Lau­rentius (Düsseldorf! em Referat über den Kamps oeaen den Alkoholmissbrauch. Die Versammlung sprach darauf ihre lebhafte Enttüstimg über einen tendenziösen Bericht aus. den der ,Düss. Generalanz/ über die Theateraufführung am Montag gebracht hat. Als Nächster Tagungsort (für 1912) wird Straßburg tm Elsaß gewählt. Nach den üblichen Dankesworken und einem Schlußwort des Prälaten Lausberg, schloß die Versammlung um die Mittagstunde.

volkmrlschasMches und Sozialer.

* Ein Buchhändler-Trust scheint in Deutschland in der Bildung begriffen zu fein. Zwölf der be- deutendsten deutschen Kommijsionsbuchhandlungen gingen eine Interessengemeinschaft ein, die sechs bis sieben Zehntel des gesamten Umsatzes im deutschen Buchhandel umfaßt. Der Eintritt weiterer buch­händlerischer Firmen steht bevor.

** Die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in Deutschland, die seit einiger Zeit befürchtet wurde, ist eingelrelen. Unsere Viehbestände sind daher gegenwärtig einmal durch die Verbreitung vom Tuchker-Markt (West­preußen) her und zweitens durch Einschleppung vom Ausland als verseucht anzusehen. Gegen­wärtig sind im Deutschen Reich 504 Gemeinden von der Maut- und Klauenseuche mit 1133 Ge­höften befallen. Die größte Zahl fällt auf den Regierungsbezirk Bromberg mit 130 Gemeinden; es folgen Posen mit 104, Allenstein 60, Köslin 47, Marienwerder mit 49 Gemeinden. Außer­halb Preußens sind auch in Sachsen, Baden, Braunschweig, Anhalt, Sachsen-Meiningen und ganz vereinzelte Fälle auch in Bayern zu ver­zeichnen. _________