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37. Jahrgang
Fulda, Montag den 24 Oktober 1910
Erstes Blatt
M 244.
Früchte.
hat/
weiterem Umfange begründet.
Der Versuch der ftanzöfischen Regierung, die Türkei bei dieser Gelegenheit in eine Schuldknechtschaft zu bringen, darf wohl als g esch e itert betrachtet werden, — trotz der kräftigen Unterstützung, die vor einigen Wochen die englische Regierung dieser hochpolitischen Halsabschneiderei zuteil werden ließ. Allzu scharf macht schartig. Vielleicht gilt das auch für die Begleitaktion des befteundeten England. Denn es scheint, als ob die türkischen Staatsmänner schließlich vollends stutzig geworden sind durch das jüngste schneidige Vorgehen der englischen Regierung in P e r f i e n. Das war eine nur höchst dürftig verhüllte Drohung mit der Besetz ungvonSüv- p ersten durch englische Beamte und Truppen, wo-
Es hat bekanntlich in Konstantinopel in den letzten Wochen eine Art Ministerkrisis gegeben, die auf Gegensätze zwischen dem Kriegsminifier und dem Finanzminister zurüekgeführt wurden. Die nähere Aufklärung fehlt noch. Neuerdings taucht die Meldung auf, daß gerade der Kriegsminister gegen die französischen Anleihebedingungen ge» wesen sei, und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil er bei militärischen Bestellungen freie Hand Haden und nicht an die französischen Erzeugnisse gebunden sein wolle. Das wäre ein Standpunkt, der sowohl dem Fachverstande, als dem politischen Weitblick des Kriegsminifters Ehre wachen würde. Die Türkei hat ja auch den Ankauf der zwei deutschen Kriegsschiffe schon gegen den Wunsch der englisch-französischen Politiker vollzogen und ist mit dem Geschäft recht zufrieden.
Wenn nun durch die deutschen Banken dem Geldbedürfnis der Pforte abgeholfen wird, so ist daS natürlich sehr vorteilhaft für das politische Ansehen Deutschlands und Oesterreichs sowie auch für die deutsche Industrie. Der kleine Sparer m
je* Das Geld in der Politik.
Das kaudinische Joch kann man auch aus Gold machen. Die f r a n z ö s i s ch e Regierung versuchte es mit diesem Rezept. Die Türkei wurde mit emer sehr eindringlichen Handbewegung eingeladen, unter ein glänzendes Joch im Materialwerte von 150 Mil- ' Honen Frank ihren Nacken zu beugen und für dieses I Gold nicht bloß einen Schuldschein nebst Zinszahlung, fonderit auch die finanzielle Selbstverwaltung, die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit und nebenbei auch noch politische Rechte in Bezug auf Algier und Tunis hinzugeben. Die tückischen Minister haben lange verhandelt und beraten. Schließlich haben sie erklärt, daß ihrem Staate das Erstgeburtsrecht doch mehr weck I sei, als ein Linsengericht, auch wenn es den Umfang I von 150 Millionen habe.
wegs mündelsicher sind; aber die deutschen Großbanken haben ja auch andere Geldquellen fm- und ausländische) hinter sich, als die Spargroschen
« Red)
W. Paris, 23. Okt. 1910. Eine offiziöse Note
„Gebildeten"
alles, was recht ist, auch den rechten Mut zu be- fitzen.
»Dann sind wir beide gemachte Leute", sagte Back- ley. Aber er sprach diese zuversichtlichen Worte dtrrch- aus nicht in zuversichtlicher Weise; im Gegenteil, seine Stimme zitterte und der Angstschweiß trat ihm auf die Stirn.
Seine Aufregung schien auf Hope uberzngehen; m leisem, bewegten Ton fragte er:
,Es handelt sich also um etwas sehr Wichtiges, Mr "Bartley? . . . Was ist es, Sir?-
Mr. Bartley blickte unruhig um sich her. Dann trat er dicht an Hove heran.
.Selbst die Wände dürfen nicht hören, was ich Ihnen zu sagen habe", antwockcke er, und in leisem Flüsterton fügte er hinzu: .Meine Tochter darf nicht ster- ben."
Hope war fichllich verwirck.
--Ihre Tochter muß an deren Stelle treten," schloß Bartley.
Kurz vorher, ehr diese Worte gesprochen wurden, hatten zwei aufmerksame Ohren zu lauschen begonnen. Monkton hatte, da Oberst Clifford in lautem, schneidendem Ton zu sprechen pflegte, alles gehört, was er mit Bartley verhandelt; da die Sache aber nur den Letzteren betraf, hatte sich Monkton begnügt, mit schadenfrohem Lächeln an den Vertust zu denken, der aller Wahrscheinlichkeit nach feinem Prinzipal bevorstand; denn daß Mary Bartley in Todesgefahr schwebte, war ihm befannt. Dies alles überlegend, war er ausge. gangen, sich ein Butterbrot zum Frühstück zu verschiss. fen, als er aber mit leisen Schritten zurückkehrte — nkf seine Bewegungen waren lautlos wie die einer Satze — fand er Bartley und Hope in so ernstem Gespräch, daß seine Neugier erwachte.
Es gelang etwas seltsam GehermmSvolleS m Back- ley's Stimme. Monkton stellte sich dicht an die kleine Glastür, die er vorsichtig einen Zoll vreit geöffnet Halle, und lauschte angestrengt
Aber er konnte nicht das Germgste verstehen, bis Hope auf Bartley s Vorschlag Antwort gab Sein väterlicher Unwille kam so laut zum Ausbruch, daß jedes Wort mühelos zu hören war.
mich, so will ich dagegen alles für Sie und die Kleine tun Weisen Sie meinen Vorschlag zurück, so sind Sie damtt Ihr eigener und Ihres Kindes Mörder so gut wie der meinige."
Hope war wankend geworden.
„Bin ich wirllich selbstsüchtig?" fragte er. »Sicher nickst!" lautete die beruhigende Antwort. »Kein Vater ist es — geben Sie diesem nur Zeit zum Nachdenken." Hope faltete wie in Todesangst die Hände und drückte sie an die Stirn. „Ist es selbstsüchtig, ihr im Licht zu stehen?" murmelte et. „Aber mich von ihr trennen . . ich kann es nicht, kann es nicht!"
„Gewiß nickt ... wer verlangt denn das?" sagte Bartley. „Sie wird Ihnen nie aus den Augen kommen; aber anstatt sie kränkeln, dahinschwinden und sterben zu scheu, werden Sie sie von jeder Art von Bequemlichkeit umgeben finden, gepflegt und bedient wie eine Prinzessin, und werden Zeuge sein, wie sie täglich gesunder, reicher und glücklicher wird."
„Gesunder, reicher, glücklicher!" wiederholte der arme Skier.
„Gesunder, reicher, glücklicher!" wiederholte auch Bartley, und diese Worte machten tiefen Eindruck auf den zaudernden Hove. Er begann Bedingungen zu stellen, die sämtlich angenommen wurden.
„Wenn Sie jemals aufhören, die Kleine gut zu behandeln, ist unser Vertrag gebrochen und ich nehme wieder in Besitz, was mir gehört."
„Zugestanden. Aber wie kommen Sie dazu, etwas so Unnatürliches vorauszusetzcu? Von Männern pflegen Kinder nicht mißhandelt zu werden; das tun nur Frauen, die sie bild lieben, bald tot machen ober schlecht behandeln. Für mich wird Ihre Kleine — Gort segne sie! — eine Wohltäterin, und es ist nur zu fünften, daß ich sie lieber haben werde, als ich eigenll ich darf, da sie Ihnen angehöck. Aber mein Haus würde zur Unglucksstätte ohne sie — und so ist ein Nebermaß von Liebe sicherlich das Einzige, was Sie mit jemals tiortoerfen können. Hier meine Hand darauf."
Hope liefe sich überrumpeln; er ergriff dis ihm gebotene Hand, hatte sich damit gewissermaßen gebunden und konnte nun nicht mehr zurück. (Forts, folgt )
Der nationalliberale Abg. Fuhrmann hat I nach einem Zeitungsbericht auf einem Parteitag m I Lübeck am vorigen Sonntag mitgeteilt, Fürst Bis-1 marck habe s. Z. einer studentischen Abordnung I erklärt: Er (Bismarck) habe dem deutschen Volke I das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht gegeben unter zwei Voraussetzungen, nämlich erstens, daß die Gebildeten aller Stände drei Magnetnadel im öffentlichen und politischen Leben zu sein hätten, und zweitens, daß die Masse auf I die Worte der Gebftveten hören würde.
Abg. Fuhrmann fügte zu diesem Bericht hinzu: Beide Voraussetzungen für das Reichstagswahlrecht | seien nicht erfüllt. Daraus folgere aber nicht, daß das Reichstagswahlrecht abzuschaffen sei, sondern daß die Gebildeten aus Interesselosigkeit ihre Pflichten gegen das Vaterland nicht erfüllt
• „Ich nach von meinem Kinde trennen!" rief er aus" „Nicht um alle Reichtümer der Welt! — Wie? — Sie nennen sich Vater und wollen mich dazu ver- [eiten, mein eigen Fleisch und Blut zu verkaufen? Nein, lieber in Elend leben, lieber betteln gehen, als das! Mein Liebling! mtteinander wollen wir Glück, Wohlstand ober Armut hinnehmen, wollen miteinander leben ober sterben!"
Er nahm seinen Hui, um zu gehen; aber Bartley fand bas rechte Wort, ihn zurückzuhalten. _ Ohne sich weiter zu bewegen, kreuzte er die Arme über bet Brust und sagte ruhig:
Ihre Liebe für das Kind ist also nichts als Selbstsucht."
„Selbstsucht!" rief Hope; „kann man muh selbstsüchtig nennen, wenn ich zu jeder Stunde des Tages bereit bin, für mein Kind zu sterben!"
Aber der Vorwurf hatte ihn doch etwas erschüttert, und Bartley, bet mit bet Ruhe eines Felsens da- stand, wiederholte seinen Angriff.
„Wenn nicht felbMchstg, so ist ihre Siebe blind", sagte er; dann trat et ihm zwei Schritte näher und fuhr eindringlich fort:
„Wer wird am meisten darunter leiden, wenn Sie Ihrem Kinde im Licht stehen? . . . die Kleine selbst . . . ste kann sogar daran sterben." Hope stöhnte. „Wer aber wirb den größten Gewinn davon haben, wenn Sie Lug sind und die rechte Liebe . . . nicht die eifersüchtige Zärtlichkeit eines Liebhabers, sondern die Ämeigung eines Vaters beweisen? Ihre Tochter, <bcnn sie wird der Armut und Entbehrung entrissen, wird nach Gefallen in srtscket Seeluft ober auf blumigen Wiesen atmen; ihre Gesundhett, ihr Wohlbefinden wird meine größte Sorge fein; sie wird die Lucke in meinem Hause und in meinem Herzen ausfüllen, und wenn ich sterbe, wird sie meine Erbin fein'
„Aber mir geht sie verloren!" seufzte der arme Vater.
„Durchaus nicht!" erwiderte Bartley. „Sie sollen meine rechte Hand sein, sollen immer bei uns bleiben, können sie sehen, mit ihr sprechen, ihre Liebe gewinnen, alles, was Sie wollen — nur nicht sagen, daß Sie ihr Vater find. Tun Sie dies Eine für
der kleinen Leute.
Wenn wir WeUpolitik treiben, so muffen rott auch auf finanziellem Gebiete mit den Westmächten, die sich bisher als Weltbankiers fühlten, in Wettbewerb treten können. Erfreulicher Weise ist das bei der ung arisch en Anleihe schon voll- tänbig gelungen. Für die Erlösung Ungarns aus der ranzöstsierender Richtung, die Festigung der habsburgischen Monarchie und die Erhaltung der deutsch- österreichischen Solidarftät war es von ungeheuerem Wirte, daß die ungarische Anleihe in Deutschland glatt angebracht wurde und die Hilfe aus dem Westen als unnötig erwiesen wurde. Wenn Deutschland nun auch die Türkei versorgt, so ist dabei freilich ein finanzielles Risiko, das die Fachmänner auf ihre breiten Schultern nehmen mögen, aber zugleich ein großer politischer Vorteil.
Tu Geld in deinen Beutel, wenn du Welt- politik treiben willst! Leider spielt das Geld auch in der inneren Politik eine große, allzu- große Rolle, wie der jüngste krampfhafte Geld- lammlungsversuch des Hansabundes zeigt. Daraus 'folgt auch für die anderen Parteien die Notwendigkeit ausreichender Wahlfonds.
* Paris, 22. Okt. 1910. Hier eingetroffene Nachrichten lassen erkennen, daß der türkische Ministerrat oas im Prinzip zwischen der türkischen Botfchast und der französischen Regierung mit Bezug auf bte türkische Anleihe geschlossene Abkommen bisher nicht ratifizieren zu sollen geglaubt hat. (»Bisher nicht ratifizieren zu sollen geglaubt hat" ist eine feine diplomatische Umschreibung für „abgelehnt
Deutsches Reich.
|] Der Hanfabund auf dem Kriegspsade.
Wegen seines hetzerischen Wahlfondsaufrufes hat die ,Rordd. Allg. Ztg/ das Präsidium des Hansabundes bekannilich kräftig bei den Ohren genommen und es über die Unmöglichkeit einer derartigen Agitation belehrt.
Es ist begreiflich, daß der Präsident des Hansa- bnndeS, Geheimrat Rießer, das Bedürfnis empfand, sich zu „erklären". Er ging hm und gewährte dem Vertreter der liberaler}, Münchener Reuest. Rachr.' eine Unterredung, m der er den Hanfabund zu verteidigen suchte. Dies Interview ist nun auch in dem offiziellen Publikationsorgan oes Hansabundes veröffentlicht worden und hat formt eine offizielle Abstempelung erfahren.
Die Art, wie Geheimrat Rießer mit der Regre- rung umspringt, ist bezeichnend für die hochtrabende Art dieser Sorte von Politikern.
Er wundert sich darüber, daß der Hanfabund ge» kabelt werde, während die ,Nvrdv. Ogern. Ztg/ als offiziöses Negierung Morgan niemals einen Tadel gegen weit schärfere Wendungen des Bundes der Landwirte gehabt habe. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ hätte einmal bte Frage untersuchen sollen, weshalb der Hanfabund bte deutsche wirtschaftliche Gesetzgebung w m Grund und Boden verdamme. (Darüber sollte lieber Herr Rrefier
und der Hanfabund einmal nachdenken!) Weiter lieft man von der Entrüstung des Herrn Rießer über Gesetze, die dem deutschen Volke angeblich .diktiert" worden seien durch die „agrar-demagogische Richtung". Dabei erinnert er an die Kanalpolitik der Regierung, an das Branntweinsteuergesetz und an einige sozialpolitische Gesetze, die gewissen Unternehmern ebensowenig passen, wie die ganze Sozialpolitik überhaupt. Insbesondere schmerzt es ihn, daß in Preußen nicht eine Wahlkreiseinteilung zustande gekommen ist, die dem Liberalismus den von ihm ebenso gewünschten rote verruchten politischen Einfluß sichert. Auch der Groll über die Ablehnung der Erbschaftssteuer zittert noch nach. Der Schluß ans all' dem soll dahin lauten, daß die „utopistrschen Ziele der Sozialdemokratie" nur dann erfolgreich zu bekämpfen seien, wenn mit der „agrar-demagogischen Richtung" gebrochen werde. In diesem Sinne möge die Regierung den „bürgerlichen Kreisen" „Vertrauen und neuen Mut" einflößen.
Diese Gebankengänge sind efeenforoenig groß- zügig, rote neu. Sie bauen sich auf auf liberalen Phrasen. Des Liberalismus und sein getreuer Sckrildknappe, der Hanfabund, möchten die ausschlaggebende Stellung, die ste der „agrar-demago- gischen" Richtung andichteu, dem Liberalismus und der großindustriellen Diktatur erobern. Daß auf diese Weise die Sozialdemokratie erfolgreich bekämpft werden solle, hört sich kurios an. In ihrer nettesten Wochenrundfchau führt die ,Rordd. Allgem. Ztg/ den temperamentvollen Vorsitzenden des Hansabu- des wie folgt ab:
„Es liegt angesichts der tiefen Mißstimmung, die in unserem Volke bereits vorhanden tst, ein gemeinsames Interesse der staatserhaltenden Elemente vor, mäßigend und warnend einzuwirken. In diesem Sinne bei jedem gegebenen Anlaß unsere Summe zu erheben, betrachten auch roir als unsere Pflickt Dieter Pflicht würden mir uns auch nicht gegenüber agitatorischen Ausschreitungen des Bundes der Lan6- wirte entziehen. Wir müssen dabei aber seststeUen, daß amtliche Angriffe auf Gesetzgebung und Verwal- tung, wie sie vom Hansabnnde ausgegangen und, von agrarischer Seite gegenwärtig nicht zu oei zeichnen sind. Sine Parteinahme zu Gunsten der Landwirtschaft gegen die Interessen der anderen Erroerbsstände war in m seren Aeußerungen so wenig enthalten, wie sie der Regierung fcrnliegt, die ihre Aufgabe nicht darin sieht, Land gegen Stadt, einen Er werb stand gegen den anderen auszuspielen, sondern den auseinandergerissenen Gruppen unseres Erwerbslebens die Gemeinfamkeit der nationalen und wirtschaftlichen Interessen zum Bewußtsein zu bringen und die anklagend und atroehrenb einander gegenüberstehenden Parteien endlich wieder zu fruchtbarer Arbeit zusammenzusühren... Herr Geheimrat Rießer zählt eine Reihe von Maßnahmen der Gesetzgebung und Verwaltung auf, die der Regierung von der „agrardemagogischen Richtung" diktiert worden seien. Ist unsere Fabrik- und ®e< roerbegefefegebung wirklich ein Produkt der Agrardemogagie? Bisher gingen die Klagen nach einer ganz anderen Richtung. Daß das Branntweinsteuergesetz landwirtschaftliche Interessen berücksichtigt, ist gewiß richtig. Eine Regierung, die bei dieser Materie nicht den Interessen der Landwirtschaft Rechnung trüge, wäre mit Recht den schwersten Vorwürfen ausgesetzt. Inwiefern aber das Gesetz den Kaufmann entrechten soll, ist völlig nnerfindlich. Auch die Kanalpolitik der Regierung kann den Vorwurf nicht rechtfertigen, daß sie unter agrardemagogischem Einflüsse steht. In den Sümpfen um den Ausbau des Kanalsystems haben doch die Interessen der Industrie gewiß Nicht an letzter Stelle gestanden, und das Kompromiß ist schließlich unter Zustimmung der Industrie und ihrer p ar lauten» ■ torischen Vertretung zustande gekommen. Vollends künstlich erscheint uns die Heranziehung der preußischen Wahlkreiseinteilung, mit der doch für die an- geblich durch unsere Wirtschaftspolitik verursachten Schädigungen von Handel und Industrie absolut nichts bewiesen werden kann.
Zum Schluß heißt es:
t Hiernach müssen wir den Versuch, die Sprache des Wahlzirkulars des Hansabundes zu entschul- i bigen oder zu rechtfertig en, als mißglückt : bezeichnen. Unsere Wirtschaftspolitik, die eine Grund- ! Jage des wirtschaftlichen Aufschwunges Deutschlands > in Landwirtschaft und Gewerbe geworden ist, : beruht aus der gemeinsamen politischen Ar-
Ein gefährlicher Geheimmr.
f] Roman in zwei Bänden von Charles Reade
„Bleiben Sie", sagte er; lassen Sie mir Zett zum lUtbedegtn." Ein verwegener Gedanke war plötzlich Hn ihm aufgestiegen und er wünschte denselben in Erwägung zu ziehen. In stummer Erregung ging er im Zimmer auf und nieder, und sein Angesicht glich । einem Buch, in dem seltsame Dinge zu lesen sind. Endlich hatte er feinen Entschluß gefaßt, wagte aber fttichl' die Sache ohne Weiteres zur Sprache zu btin- >en und begann mit einigen Umschweifen.
■ '„Bleiben Sie", sagte er; .den ganzen Umfang ! meines Unglückes kennen sie noch mcht Ich brn ehrgeizig - wie Sie. Ich glaube an die Macht der Wissenschaft, der Kenntnisse — »re ste. Ware mein Kind am Leben geblieben, hätte ich Lte mrmern Matgeber erkoren. Sie waren meme rechte !worden ... Sie warm der Mann, den ich brauchte.
Hope schlug die Hände zusammen. „Mein gewöhnlicher Mißgeschick!" sagte er; ich komme immer leinen Tag zu spät."
i „Aber meine, Kindes Tod", fuhr Bartteh fort, „beraubt mich de, notwendigen Kapitals zu meinen Unternehmungen; somit kann ich weder Ihnen helfen ffroch mir selbst."
Hope seufzte tief; Bartley zauderte, aber nach «inem Augenblick des Schweigens fügte er schüchtern hinzu:
^Es wäre denn . . ." dann verstummte er wie- der.
„Es wäre denn . . . was?" fiel Hope ungestüm «in." „Es ist doch nicht anzunehmen, daß ich mich schwierig zeigen werde, wenn meines Kindes Leben auf dem Spiele steht."
„Es wäre denn, wollte ich sagen, daß Sie sich wirklich als der überlegene Mann erweisen, der Sie tzu seinen scheinen . . das heißt, ebenso klug als mutig."
„Muttg!" wiederholte Hope In Gedanken; er fühlte sich verwirrt, erwiderte aber, daß er hoffe, für
—’ I. . „ =, I TL , , . t Die Bildnna" für sich allein bildet keinen Wall Deutschland braucht natürlich sein Geld nicht in
L Das Aelchstagswahlrecht Uttv d»e j " revolutionäre Gefahr. Die wirk- türkischen Werten anzulegen, da. diese noch krtnes- 'saniste Garantie und der stärkste Schutzdamm ist —» "W d,e deutlcken Groß-
der christliche Glaube. Wo noch Christentum herrscht, da bringt das Reichstagswahlrecht gute
hätten. „ t .
Wir kennen viele Parteigenossen des Abg. Fuhrmann, die das Reichstagswahlrecht, namentlich die Gleichheit aller Wähler, ganz gern abschaffen würden, wenn ste nur dazu imstande wären. Man darf nicht vergessen, daß gerade die nationalliberale Partei in Preußen dem gleichen Landtagswahl- recht so entschieden widerstrebt, daß sie sogar den plutokratischen Charakter des alten Zensuswahlrechts noch zu verschärfen suchte durch Beseitigung der Drittelung in den llrwahlbezirken.
Richtig ist freilich, waS der Abg. Fuhrmann als Aeußerung des Fürsten Bismarck berichtet: daß nämlich der große Einfluß, den das gleiche Stimm-1 recht der breiten Masse des Voltes einräumt, begleitet fein soll von einer heilsamen Einwirkung der höher gebildeten Kreise auf die weniger gebildeten. Das Reichstagswahlrecht enthältgirren gewaltigen K et e n 0lUm cuyii|u,<c «jwmiuv w. Paris, zo. *ju. ——
MVolkserzrehu ng. Dieremgen Personen oder Me Aufteilung Persiens unter die beiden bcfagt: ®a die Türkei die von der französischen Stände, bte sich den Verns zu tonangebenden Rollen Schutzmächte" Rußland und England in vollen Gang ^gierung zum Schutze der Interessen Frankreichs tm öffentlichen Leben zutrauen, dürfen sich angesichts ^men würde. Me persische Regierung sagt, sie gestellten Bedingungen abg e lehnt hat, ließ des gleichen L>ttmmrechts nicht ab schließen :m die verlangte Ruhe und Ordnung nicht anders ^Mister Pichon gestern abend den französischen Bewußffein ihrer sozialen, wirtschaftlichen oder m-1 Herstellen, als wenn ihr das nötige Geld ge- Botschafter Bompord telegraphisch verständigen, daß lelleltuellen llederlegenheit, sondern ste müssen Die englische Negierung aber verauickt 6te Verhandlungen abgebrochen sind. —
sich mit den breiten Schrch en in fteter g(rireif',fTCge mit den Machtforderungen und Mehrere mit der Regierung in Verbindung stehende Fühlung halten, um dre gewichtigen Drohungen gröbsten Kalibers. Wahrscheinlich haben Blätter fügen hinzu, der türkische Fmanzmimster Stimmen der Massen für bte gute «ache nun die Türk» gesagt: Was heute Persien Pas- Djavid Bey solle die Absicht haben, sich an Finanziers -u gewinnen. Ifiert, kann uns morgen beschert werden, und wenn es Mitteleuropas zu wenden. Diese Möglichkeit
Leider ist nun auch die »atere -Bejaiwta»« 1 b}e Nufirilung Persiens gehen sollte, so muß die werde von der französischen Regierung ohne lebe Fuhrmanns, daß die Gebildeten d'e erwähnte Pflich. ^4^- Türkei dort auf dem Posten fein, um ihr Bitterkeit ins Auge gefaßt.
gegen daS Vaterland nicht erfüllt hatteny m ^llweise bestrittenes) Grenzland und ihre sonstigen --
weiterem Umfange begründet. Ob diese Pflicht- knteTeffen zu wahren Wie soll aber die Türkei in Versäumnis gerade aus Jnteressenlofigkeit herzu- Krisis bestehen können, wenn das
^iien ift, m1ssen wir freilich.^hrngestelll'em'assew I Rußland verbündete Frankreich
auliV Barter I durch seine Kommissare in der türkischen Verwaltung K^OiUulVu* Ä' «II»»« V----HMVN j„
fluß auf die Massen in besonders hohem ®rabe I ^ften zu verhindern .
4erloten bat Die nationalliberale Partei hat,! Es hat bekanntlich in Konstantinopel m den !wie ein Spottvogel gesagt hat. viel ehrgeizige Ossi-1 letzten Wochen eine Art Ministerkr i s i s gegeben, ziere, aber verzrocifelt wenig Soldaten. Ix’“ ~”f ro"' *’
Noch schlimmer ist aber die andere Tatsache, daß I ein beträchtlicher Teil der liberalen „Gebildeten" I nicht bloß die Pflicht der Erziehung zum guten I versäumt hat, sondern gemdezu der BolkSver-I Führung schuldig geworden ist.
DaS ist die große Schuld der offenen und ver-1 steckien Großblockpolitik, der mittelbaren oder! unmittelbaren Begünstigung der Sozraldemo-! tratie, jener Wahl- oder gar Arbeitsgemeinschaft I mit der Umsturzpartei, die nicht bloß der Ichteren höherer Ansehen und mehr Machtmittel verschafft, sondern ihr auch fortwährend neue Mitläufer aus I den bisher liberalen Reihen zuführt. Unter diesen I Umständen kann man nicht mehr sagen, daß die 1 Macht der Sozialdemokratie auf der Umbildung der I Wahlen beruhe. Rem, die Umsturzpartei wird von 1 gebildeten Leuten, die teils mit einem, teils wU | beiden Füßen im liberalen Lager stehen, auf das I wirksamste gefördert. *