Zeitung
uldaerM
37. Jahrgang
Fulda, Samstag den 15. Oktober 1910
Erstes Blatt
M 237.
fin war von außerordenüicher Liebenswürdigkeit und
me et* spÄtigrPeiitzeileodet deren Sam» 15 pfg. SeNamendiepetitzeilr Pfg., bei wieder« gelungen wird enlspr. Rabatt gewährt.
Lotationrdruckund Verlag der Luldaer 2U« tie ^ru^rei in Lulda Zernfprecher Rr.y.
— Unverfroren. Witwe: „Hier haben Sie eitv paar Stiefei von meinem seligen Manne! — Bettler; .Danke! (sie musternd) Na, da war's aber hohe Zeit, daß er gestorben ift'
— Der gute Neffe. Erster Student: „Nun, ist Dir der Abschied von Deinem alten Erbonkel schwer gefallen?* — Zwester Student: „Ja, ich hab' ihn unter Tränen Zum letzten Male anaeyumpt."
Grstvetnr »glich mit Snrnahme der $o.m= »ud Mertage viertel- Mrlichervernarpre« oh«k «ringerwhn nnd veftellaeldi»Mdai»- wie auswärts 1.56 litt.
Perantw. «edattemz tet» Schsttter
= Der Ausstand der frarrzüBcheri Eidenbahner.
Am Donnerstag ließ der Ausstand der französischen Eisenbahner das Schlimmste befürchten, als noch andere Berufszweige die Sache der Eisenbahner zu der ihrigen machten und in den Ausstand traten. Doch schon die Pariser Nachrichten vom Freitag ließen vermuten, daß der Höhepunkt der Krisis überschritten war. Die Streikleitung macht infolgedcffen die größten Anstrengungen, die anfängliche Begeisterung nickt vollständig verrauchen zu lassen. Sie hat einen neuen Ausruf veröffentlicht, bemft zahlreiche Versammlungen ein, um die Leute in Atem zu hatten. Aber untrügliche Anzeichen lassen erwarten, daß wohl zu B* ginn der nächsten Woche die Ordnung im ganzen he» gestellt sein wird, wenn nicht erneut andere Beruf* kategorien in den Streik eingreisen. Ob diese Besserung der Lage der Energie der französischen Regierung zu danken ist, oder ob die Schwierigkeiten
Monatrbellage: „Kildaer Eeschlchttblätter"
j.KdtahS«. Wochenheime«:„Illustrierte Sonntagszeitimg"
Herrenhaufe, auf dessen Treppe e8 von der Baronin und der wieder versöhnten Miß Bayley auf das herzlichste begrüßt wurde.
Als man am Nachmittag beim Kaffee auf der Veranda saß, kam der Kutscher, der zugleich Diener war, eilig herein und meldete, daß soeben eine vierspännige Equipage auf den Hof fahre.
„Eine vierspännige Equipage?" fragte Fritz erstaunt. „Ja — ich glaube, es ist Seine Exzellenz Graf Hennersdorf . . ."
Fritz eilte hinaus.
Wahrhaftig — da hielt auch schon das Schimmel- Viergespann Seiner Exzellenz vor dem Hause und der Lakai Haff dem Grafen und der Gräfin au8 dem Wagen.
„Exzellenz, welche Ueberraschung. . ."
Graf Hennersdorf streckte Fritz lächelnd die Hand entgegen.
„Wtt hörten, daß Sie mit Ihrer Frau Gemahlin zurückgekommen seien, lieber Herr Bom", sagte er zuvorkommend,, „und da wollten wir es uns doch nicht nesgnen lassen, als die Ersten Sie in der Heimat W begrüßen."
Fritz fand vor dankbarer Ueberraschung kaum Worte. Wenn Graf und Gräfin Hennersdorf ihn der Ehre einer ersten Besuches für wert hielten, dann war ihre gesellschaftliche Position gesichert.
„Führen Sie mich zu der lieben Erika, Herr Born", sprach Ihre Exzellenz. „Ich habe den Mut und die Charakterstücke Ihrer jetzigen Frau Gemahlin sehr bewundert. Ich bin begierig, sie in die Arme zu schließen."
Fritz küßte ihr die Hand.
„Erika wird sehr erfreut fein, Exzellenz die Hand küssen zu dürfen", entgegnete er und reichte der Gräfin den Arm, sie in das Haus zu führen.
Es war ein behaglich-freundlicher Nachmittag, dm man an diesem Tage in Neuhof verlebte. Die Grä-
Die Baronin war sehr stolz über die Auszeichnung, welche ihrer Tochter und ihrem Schwiegersöhne zutell wurde, und Erikas liebliches Gesichtchen erglühte in verlegener Freude und Genugtuung über die Ehrung ihres Heben Fritz
Die Nachricht von dem Besuch des gräflichen Paares machte sehr rasch die Runde bei allen Familien der Nachbarschaft, und dm nächsten Sonrttag hiett eine Reihe von Equipagen vor dem einfachen Herren- hause von Neuhof.
Die Herren schütteltm Fritz die Hand und erklärten, sie freuten sich ungemein, Herrn Born begrüßen zu dürfen, und die Damm umarmten Erika und meinten, man müsse einen regen Verkehr unterhalten, und luden Erika ein, dem Nähkränzchen beizutreten, in dem man für die Kinder armer Familien Hemden und warme Kleider für Weihnachten nähen wollte.
Als die Besucher sich entfernt hatten, warf sich Erika lachend in die Arme ihres Mannes und meinte: „Wir wollen vergessen, was sie früher über uns gedacht und gesagt habm, Fritz, und gute Freundschaft nrit ihnen halten. Die Welt sst nun einmal so."
„Ja", entgegnete et, „die Wett ist nicht immer so, wie wir sie uns wohl wünschten. Mer ich habe ja eine Welt, wie ich sie mir nicht besser wünschen kann — das bist Du und unser Heim."
„DaS ist auch mir die liebste Melt, Schatz", sagte Erika ernsthaft. „Und in ihr wollm wir leben und glücklich sein."
„So fei es, Erika. — Der Kampf ist vorüber und die Sonne des Friedens möge stets über dieser unserer Welt leuchten. , /
noch sagen, daß ich ein entsetzlicher Esel gewesen bin."
„Schon gut —' lachte Fritz. „Wir wollen nicht mehr daran denkm."
Er stieg ein und der Schaffner schloß die Tür.
Mllitärisch grüfjenb, der brave Major an der Spitze, standen die Offiziere da und riefen der jungen Frau Vorn ein fröhliches „Auf Wiedersehen!" zu, als sich der Zug in Bewegung setzte.
„Das war nett von dm Herren", sagte Erika, Ihre» Platz an der Seite Fritzens wieder einnehmend.
„Es war ein schöner erster Gruß in der Heimat", entgegnete Fritz bewegt, „den ich dem guten alten Major verdanke."
„Jetzt bin ich neugierig, ob sie un8 In Neuhof auch so hübsch empfangen", meinte Erika.
Ihre Erwartung wurde nicht getäuscht. Neuhof war festlich geschmückt, alle Guts angehörigen ftanben unter Anführung des Verwalters auf dem Hofe, junge Mädchen überreichten Erika Blmnm und alle begrüßten das junge Paar mit freudigem Hurra.
Auch der alte Jnspcktor Grupr war erschlenm und begrüßte das junge Paar am Hoftor. Mtt Träum in den Augm küßte er Erika die Hand.
„Wenn wir alten Leute auf Sie gehört hätten, gnädige gant', sprach er mit bewegter Stimme, „dann wäre alles gut gewesen und wir hätten uns manchm Stummer erspart.
„Ich hoffe, es wird noch alles gut werden, lieber Herr Grupe", entgegnete Erika freundlich tröstend. „Wie geht es Ihrer Heben Frau und was macht Tina?" «
„Meine Frau sitzt allein zu Haus und läßt herzlich grüßm. Tina ist bei Verwandtm in Mecklen- bürg."
„Wenn Sie schreiben, grüßm Sie sie von mtt."
Grupe danke, et konnte nicht weitersprechen, die Erinnerung an die Schmach, welche die Torheit seiner romantisch veranlagtm Tochter über ihn gebracht,
Der Paket- und Wertbriefverkehr verzeichnet einen Gesamtumsatz von 9821 Millionen Mark; Postwertzeichen rourben insgesamt 4419 Millionen nn Betrage von 413 Millionen Mark verkauft, llnb e» st e l l b a r blieben von 5453 Millionen Postsendungen 2 Millionen, von denen ein großer Teil aus Postkarten mit mangelhafter Adressierung entfällt.
* Ein protestantisches Urteil Über die Jesuiten. Der verstorbene Herzog von Brauschweig war em entschiedener Anhänger des Legitimttätsprmzipes, d. h. des Grundsatzes der strengen Gesetzlichkeit — weshalb er alle Revolutionäre verabscheute. Aus diesem Grunde war der Herzog, obwohl Protestant, ein großer Freund der Jesuiten. Als sich die ersten Vorboten des Sturmes der Freimaurer gegen den Jesuitenorden in Deutschland bemerkbar machten, erklärte der Herzog vor einer kleineren Gesellschaft, welche er mit einer Einladung beehrt hatte, er würde, wenn er Herrscher über ein größeres katho- Usches Land wäre, sich um keinen Preis die Jesuiten nehmen lassen; denn alles, was er über dieselben gelesen, beweise ihm, daß die Jesuiten ein Vollmer! gegen alle Revolutione < und die festeste Stütze der Turone feien. Daher fingen auch alle Revolutionäre ihr Werk mit der Vertreibung der Jesuiten an. — Den neuesten Beweis liefern die Revo utionäre m Portugal.
)( Dernburg verzichtet auf parlamentarische Lorbeeren. Die .Köln. Zig/ meldet aus Schang- Hai, daß der frühere Staatssekretär Dernburg entschieden erklärt habe, er beabsichtige nicht, sich aktiv an der deutschen Politik zu beteiligen. — Diese Erklärung kommt einige Tage zu spät, um einen guten Eindruck zu machen. Sie hätte kommen müssen, bevor das Wahlkreiskomitee in „Husum-Tonderu", wo man Dernburg für den zurücktretenden Abgeordneten Leonhart aufzustellen gedachte, einen anderen Kandidaten ausgestellt hatte. Das ist inzwischen geschehen, so- daß der Freisinn eigentlich kein Mandat mehr zu vergeben hat. Die Führer des Freiunns wollen nämlich auf ihre meistens in der Stichwahl erworbenen Mandate erst recht nicht verzichten, und andere Mandate hat der Freisinn ja nicht mehr.
--- Lauterbach, 14. Oft. 1910. Im Reichstagswahlkreise Alsfelv - Lauterbach - Schotten, welcher gegenwärtig durch den Antisemiten Bindeivald vertreten wird, haben die Nationalliberalen den Landwirt Ha der körn aus Windhausen als Kandidaten ausgestellt. Sie hoffen, durch Auf- stellung dieses bündlerischen Nationalliberalen in dem ganz ländlichen Wahlkreise einen besonders guten Griff getan zu haben und den Bezirk, welcher ihnen 1907 in der Stichwahl verloren ging, wieder zurück zu erobern. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß sie durch Aufstellung eines Mitgliedes des Bundes der Landwirte die Freifinnigen vor den Kopf gestoßen haben. Bei den Blockwahlen fielen auf den vom Zentrum unterstützten Abg. Bindewald (Antisemit) 6455, auf den bisherigen natioualllbe- ralen Abg. Dr. Wallau 6200, auf den Freisinnigen 1310, und auf den Sozialdemokraten 1194 Stimmen. In der Stichwahl siegte dann Bindewald mit 8868 Stimmen über Dr. Wallau, welcher 7886 Stimmen erhielt. Der Wahlkreis, in dem das Zentrum über etwa 500 Stimmen verfügt, die den Ausschlag geben können, war schon wiederholt nationaüiberal vertreten, nämlich von 1874—1881, von 1884—1890 und von 1903—1907. Von 1871—1874 vertrat den Wahlkreis der Reichsparteiler Erbgraf zu Solms-Laubach, von 1881—1884 der Abg. Lüders von der Liberalen Vereinigung, von 1890—1893 der kürzlich verstorbene Antisemit Zimmermann, von 1893—1903 und von 1907 bis jetzt der Antisemit Bindewald.
Ausland.
** Die belgische» Sozialdemokraten und der deutsche Kaiser. Bei der bevorstehenden Ankunft des Kaisers in Brüssel sollten — so hatten es die zielbewußten Hetzer innerhalb der belgischen Sozialdemokrate beschlossen — deutschfeindliche Kundgebungen veranstaltet werden; doch scheinen mUtlerroeile die besonnenen Elemente Oberwasser erlangt zu haben. Der,Vofl. Ztg/ wird nämlich aus Brüssel gemeldet:
„In der Angelegenheit der Machenschaften gegen den Besuch des deutschen Kaisers bläst der sozialistische ,PeupIe' jetzt zum Rückzug. Er erklärt, daß es nte= manben eingefallen sei, die sozialdemokratischen Genossen aufzufordern, Demonstrationen wahrend des Kaiferbesuches zu veranstalten. Es würde sich lediglich darum handeln, in einer Äerstrmmlnng am Vorabend der Ankunft des Kaisers die Solidarität mit den reut- scheu Genossen zu erklären, die gegen die „selbstherrlichen Gelüste" des Kaisers zu kämpfen hätten."
* Die Unruhe in Spanien, die trotz aller Regierungsmaßnahmen den Norden und Osten des Landes durchbebt und ähnliche Vorgänge wie in Portugal befürchten läßt, erkennt man am besten aus den zahlreichen Versicherungsgeschäften. Dtt Versicherungen werden geradezu mtt Abschlüssen gegen Raub, Braud, Revolutionsschäden und Lebensversicherung bei Bürgeckriegen bestürmt. Im vergangenen Jahre hatten sie sich geweigert, auf Grund einer Klausel der Policen Entschädigungen zu zahlen. Jetzt sind die Fabrikanten, Gutsbesitzer, Kausleule und Siebte an die Versicherungsgesellschaften b er angetreten und haben um Ausstellung neuer Policen ersucht. Daraufhin haben diese „Aufstandsversicherungs-Policen" ausgegcben. Die Prämie für eine derartige Versicherung ist bedeutend höher als für andere. Doch eben daß sie gezahlt wttd, zeigt, wieviele einen neuen Ausstand fürchten und sich ihm gegenüber schützen wollen.
* Eine griechische Bande versuchte bei Disk ata die Grenze zu überschreiten. Bon einer türkischen Grenzwache wurden zwei Soloalen schwer verwundet. Einer herbeieilenden Patroui le gelang es, vier Griechen sestzunehmen, die übrigen flibtne en. Eine Gendarmen-Patrouille wurde bei Stefani* koei von einer griechischen Bande üben allen und Gendarm schwer verwundet. Die Gendarmen schlugen jedoch die Bande mit einem Verlust von zwei Toten in die Flucht.
* Kroupriuz Alexander von Serbien ist erkrankt. Die Aerzle haben Sympwme von Typhus festgestellt. Ein Wiener Spezialarzt ist nach Belgrad berufen worden.
* Ein großer Fiimnzkrach ist in China ringe- treten. 13 Pekinger Banken haben Bankerott gemacht. Man erwartet, daß ihnen die Regierung 15 Millionen Mack vorstrecken wird. Eine Anzahl fremder und einheimischer Schutzleute ist zur Ausrechterhaltung der Ordnung nöttg. ______
Erblassers über den Nachlaß mit Strafe bedroht, die der Erbe zahlen muß! Unerhört, den Erben für d» falschen Angaben des Herrn Schwiegervaters oder einen fernen Erbtante haftbar zu machen!"
Mit denselben Argumenten haben, bemerkt die ,Kreuzztg/ früher die Liberalen selbst stets die Besteuerung des Gatten- und Kindererbes bekämpft; erst als sich dies« Steuer als parteipolitisch wertvoll erwies, änderten sich die liberalen Grundsätze.
♦ Entrüstungsmache. Wie die sozialdemo- kratischen Drahtzieher für die Enttüstung des Volkes über die Vorgänge in Moabit sorgen, zeigt folgendes von der ,Vofs. Ztg/ veröffentlichte Rundschreiben:
Zirkular betreffend die Vorgänge in Moabit. Der von uns heute in der Presse veröffentlichte Ausruf ist euch bekannt. Wir nehmen darauf Bezug und fordern euch dringend aus, eme wirksame Aktton gegen die Hetze der Reaktion emzu- leiten. Die Sachlage gebietet, daß diese Aktion von Partei und Gewerkschaften gemeinsam geführt wird. Es werden sich deshalb zunächst die Örtlichen Partei- und Gewerkschaften über das Vorgehen verständigen müssen. UeberaQ, wo die Möglichkeit gegeben ist, muffen öffentliche Versammlungen ftatlfinden, die sich mit den Moabiter Vorgängen beschästtgen. Es muß alles geschehen, um diese Versammlungen zu Massenkundgebungen zu gestalten. Es empfiehlt sich deshalb, vor Stattfinden der Versammlungen das beigefüqte Flugblatt zu verbreiten. Finanzschwache Orte können es unentgeltlich vom Parteivorstand, W. Psannkuch, Berlin SW, Lmdenstraße 69, beziehen. Material für die Redner bringt die heute ,um Versand gekommene Nummer der Parteikorrespondenz. Eine Rejolution für bte Versammlungen haben rott nicht beigefügt. Es wird in diesem Falle wirksamer sein, wenn von einer einheitlichen Resolution abgesehen wird. Genossen! Unterschätzt nicht den Ernst der Situation! Tut alles, um die Aktion recht wuchtig zu gestalten. Der Parteivorstand. Die Generalkommisston der Gewetkschafteu.
Also die „Entrüstung" wird von Partetwegen „organisiert" und das dazu erforderliche Material für Redner wird geliefert, auf Wunsch natürlich auch die Reden selbst. Sonst ist es Regel, daß für sozialdemokratische Entrüstungs- und Protestversammlungen auch eine gleichlautende Resolution geliefert wird. Damit es „natürlicher" aussieht, sollen aber dicsmal die Versammlungs-Macher sich selbst um eine Resolution bemühen. Nach- dem man aber die Mache kennt, wird sich wohl so leicht niemand durch die Entrüstungs-Versammlungen und Resolutionen imponieren lassen.
8. Die Verficherilngsordnnngs-Kommijßon hat das Werk m dieser Woche in erheblicher Weise vor- roärtS gebracht. Am Freitag rourbe der Abschnitt über die Zusatzversicherung für die Handwerker Mw. und sonstige nicht mehr versicherungspflichtige Per- sonen durch Annahme erledigt. Ende nächster Woche dürfte die Kommission mit der ersten Lesung der Rrichsverficherungsordnung fertig werden. Es soll bann nach einer Pause von etwa zehn Tagen die zweite Lesung beginnen.
ch. ReichspostverwattlMg. Dem kürzlich erschienenen amtlichen Bericht zufolge waren Ende 1909 im Reichspostgebiet 34626 Pottanstalten und 34589 Telegraphenanstalten (darunter 133 in den Schutzgebieten) vorhanden. Aus je 12,9 Quadratkilometer und 1506 Einwohner entfiel ein Postamt, auf 15,1 Quadratkilometer eine Telegraphenanstatt und auf 15,3 Quadratkilometer und 1780 Einwohner eine Fernsprechanstalt. Die Gesamtzahl des Personals stieg auf 292 782 (darunter 19 363 weibliche Beamte). Zur Postbeförderung wurden täglich 16121 Eisenbahnzüge benutzt. Die Zahl der Poftreisenden ist gegen 1908 wieder um etwa 60000 zurückgegangen, beträgt aber immer noch 1137 640 Personen. Die Gesamtzahl der mit der Post beförderten Sendungen ist auf 8449 Millionen gestiegen. Darunter waren 2735 Millionen franlierte und 47 Millionen unfrankierte Briefe sowie 1583 Millionen Postkarten.
Deutsches Reich.
* Berlin, 14. Ott. 1910. Der Kaiser »ahm am Freitag an der Parforcejagd in Döberitz teil. Er wird die R eis e n a ch Br ü sse l am 24. Oktober an- treten. Man erwartet ihn in Brüssel am 25. nachm. — Die Hundertjahrfeier der Kriegsakademie wurde Freitag abend durch ein kameradschaftliches Zusammenfein in den Räumen der Akademie eingeleitet. Eine Reihe von Aufführungen, dargestellt und versaßt von Offizieren der Akademie, »late ernstes und heiteres aus der Geschichte der Akademie. — Der fortschrittliche Abg. Dr. Heinz Potthoff, der Vertreter von Waldeck-Pyrmont wird nach dem ,B. 2V bei den nächsten Reichstags- wählen nicht kandidieren. — Prälat Dr. Schaffer (Ratibors, welcher 1871—1873 und 1876—1879 dem Abgeordnetenhause angehörte nnd einer der Gründer der Zentrumsfrattion dieser Kammer ist, tritt am 26 Oktober d. I in sein 80. Lebensjahr.
* Di« bevorstehende Kaiferznfammenknnft in Potsdam wird von der russischen offiziösen,Rossij<L als Ausdruck der sreundsckastlichen Bande, die von alten Zeiten her Rußland mit Deutschland ver- knüpfen, begrüßt.
= Der zweite Vizepräsident des Reichstags wird von den Nationalliberalen nicht gestellt werden. Dieses Amt wurde vom Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg bekleidet, bis er, wie erinnerlich, während des Streites um die Enzyklika es ostentativ niederlegte. Die nationalliberale Partei will jetzt, wie chre Blätter versichern, ihre ablehnende Stellung nicht ändern, sie lehnt nach wie vor eine Vertretung im Präsidium ab. Es geht auch so. Erklärlich ist es ja, daß die Nationalliberalen heute den Vize- präsidenlenposten nicht mögen, wiewohl es ihnen inzwischen schon leid getan hat, daß sie ihn im vorigen Jahre so stolz ablehnten. Nachdem sie sich neuestens wieder in Zorn gegen den „schwarz- blauen Block" geredet haben, würden sie sich etwas lächerlich ausnehmen, wenn sie einen Vizepräsidenten stellen wollten.
4- „Kaiser WUHelm-Gefellfchaft zur Förderung der Wissenschaft". Die vom Kaiser angekündigte Gründung einer Gesellschaft zur Errichtung von Instituten für freie Forschung wird erfolgen, sobald die Erwägungen darüber abgeschlossen sind, in welcher Weise ihre Leitung zusammengesetzt fein soll. Die Gesellschaft wird nach der .Deutsch. Tagesztg/ den Titel „Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft" erhalten. Ihr Tätigkeitsgebiet soll "zunächst zwar nur Preußen fein, später aber das ganze Reich. An eine Zentralisation der von ihr zu begründenden Jnstttute in Berlin wird nicht gedacht.
4- Eine Stimme aus Handelskreisen gegen die Slachlatzstener. Daß man auch in Handels kreisen, roenn man nicht gerade liberale Parteipolitik treibt, nach wie vor der Reichsnachlaßsteuer keineswegs sympathisch gegenübersteht, dafür ist ein neuer Beweis gegeben in dem .Deutschen Exportfirmen- Adreßbuch', herausgegeben von der „Deutschen Exportbank". In diesem Buche steht als Einleitung ein Artikel über das Wirtschaftsjahr 1909, der folgende Sätze enthält:
Statt dessen wurde die Nachlaßsteuer vor- aefck'l'a'aen, die unseres Ermessens — von den Konservativen sehr berechtigterweise schroff abgelehnt wurde Wir vermerken dies gern an dieser Stelle, benn wir haben nicht ost Gelegenheit, den Konserva- tirien in wirtschaftlichen Dingen unsere Anerkennung lu »otkren. Aber es ist vollständig berechtigt, einer Steuer entgegenzutreten, die in die innerften Familienverhültnisse hinemgrefft und ivdi-kieten, subalternen Geistern nur allzu reichlich Ge- eaenbeit gibt, ihre Rasen in Sachen zu stecken, welche die Außenwelt und den Fiskus absolut nichts angehen. Und obelwrein werden auch noch falsche Angaben des
Um Ehre und Recht.
44] Roman von O. Elster.
(Schluß.)
Was mögen denn die Herren hier zu tun haben?" fragte Fritz. „Wahrscheinlich erwarten fie einen Vorgesetzten."
<5r beugte sich aus dem Fenster., Da kam Major von Waldau mtt den anderen Offizieren auf ihn zu.
Fritz sprang eilig aus dem Coupö.
Gestatten Sie, Herr Dom" sprach der Major, baß wir Sie und Ihre Frau Gemahlin bei Ihr« Rückkehr in die Heimat im Namen des Offizierskorps meines Bezirks begrüßen. - - e
„Herr Major — diese Ueberraschung ...
Es sollte auch eine Ueberraschung fein, liebet Sern"* fuhr der Major lächelnd fort. »Zugleich roEe'ick Ihnen die Mitteilung machen, daß auf meine Veranlaffung Ihre Mahl zum Offizier ftattge= Sen W - keine einzige Stimme war dagegen und U,, E-n-nmm« MM Offizier « rd m dA-n T-g°n «folgen. Ich gratuliere, Herr ^eutnant Lorn.
Er reichte Fritz die Pand, die dieser tiefbewegt druckte. ,r.
Unb nun stellen Sir uns Ihrer Frau GemaPm " u £)Ct Adjutant überreichte Erika namens des Offisierkorps ein prachtvolles Blumenbukett, das ftenbia überrascht entgegennahm. Dann plauderte sie munter mit den Herren, welche sie für den fommenben Sonntag nach Neuhof einlud.
Illle waren entzückt von der schönen jungen Frau Born und versprachen zu erscheinen.
Nls der Schaffner zum Einsteigen mahnte und Fritz 'chon auf dem Tritt feines Coupes stand, fühlte fich am Rockschoß sestgehalten. Er wandte sich um unb sah in das veckegene Gesicht Leugners.
Adieu, Leugner — auf Wiedersehen'. .'
^3luf Wiedersehen, Vorn — und ich^wollte Jhn«i
erfiitfte feine Worte. fin war von außerordenüicher Liebenswürdigkeit unb
_ Schweigend begleitete er das junge Paar zum Seine Exzellenz der Herr Graf war jovialer Laune.