Donnerstag den 13. Oktober 1910.
«Maser U Zeitung *
2. Blatt.
DnS tmb Verlag der Zuldaer Actiendruckerrl hi 8#lba.
37. Jahrgang.
Aus -em Nachbargebiele
-- Die Bestie auf dem Thrones
und
Reklamen- und Anzeigenteil
» DaS Bebel-Interview. August Bebel erklärt jetzt im ,Vorw/,daß indem sog. Interview deS.Neuen Wiener Journals' kein wahres Wort enthalten Jet. Er habe eine Unterhaltung, wie fie dort wieder, gegeben wird, mitniemandem gehabt. So fällt also auch die lahme Ausrede in sich zusammen, daß der betreffende Korrespondent jene Aeußerungen, die Bebel im Kreise mehrerer Personen gemacht haben soll, unerkannt mit angehört habe. — .Der saubere Bursche hat alles erlogen*, fügt der.Vorwärts
rismus in der Freiheitsmaske. —
Die Ferrer-Freunde in Spanien jubeln über das Gelingen der portugiesischen Revolution und verhehlen auch nicht die Hoffnung, daß Spanien ebenso an die Reihe komme, eine Hoffnung, der die Politik des Liebäugelns mit dem Umsturz, die Zugeständniffe des Ministerpräsidenten Canalejas an die Feinde von Thron und Altar, reiche Nahrung gibt. — In Italien jubeln die Genossen eines Nathan und sehen den Augenblick näher, da sie mit dem Vatikan auch den Quirinal stürzen können. — In Frankreich haben die Machthaber ihren portugiesischen Freunden von vornherein Hilfe und Förderung zugefichert. — Und in Deutschland? Der Liberalismus jubelt. Man höre die .Freisinnige Zeitung" (Nr. 237):
„Einen wesentlichen Teil dieses Programms, die Vertreibung der blulsaugerischen Orden, hat übrigens der provisorische Präsident bereits mit an erkennens- werter Energie in Angriff genommen. Der Papst wird wohl die Hände ringen und über die „verhexte lateinische Rasse" jammern. Aber Zeit war es, daß diese Mönchsplage beseitigt wurde, die wie ein Alp auf dem kleinen Portugal lastete. Das Volk war längst dieser von der monarchischen Regierung geschützten Otdenswirtschaft überdrüssig, und wenn nicht die republikanischen Führer zur Besonnenheit gemahnt hätten, wäre es leicht in Liffabon zu einem Maffacre von Ordensgeistlichen gekommen. Einige Opfer fielen aber doch."
Wenn es nach dem Wunsche dieser Zeitung, die den Namen Eugen Richters an ihrer Stirne schändet, ginge, dann hätten Hekatomben von Mönchen und Nonnen geschlachtet werden müssen. Mönchs sind ja keine Börsenfürsten, und Nonnen keine Lebedamen. Würdig mit der liberalen Presse wetteifert die sozialdemokratische. Die .Frankfurter Volksstimme* kann sich vor Freude nicht lassen, daß Portugal die „schwarze Saat*, die „Gesellschaft mit unermeßlicher Raubgier und schrankenlosem Herrschaftsgelüst*, die „Schmarotzer mit der Tonsur* aus dem Lande hinausfegt. „Raus mit ihnen!' schreit sie fanatisch und mit satanischem Gelächter begleitet sie die „Rattenjagd', d. i. die Verfolgung der flüchtenden Jesuiten.
Wir deutschen Katholiken werden gut tun, uns die diabolische Freude zu merken, welche gewisse Leute der Menschheitsbestie auf dem Throne in Lissabon ent« gegenbringen.
treten sind.
* Braubach, 12. Oft. 1910. Die hter eingerichtete Schülerherberge wurde im Sommer von ztrka 1000 Studenten frequentiert.
* Weilburg, 12. Ott. 1910. Die vom Gewerbeverein ins Leben gerufene Mädchen-Fort- bildung.sschule ist nun mit 22 Schülerinnen eröffnet worden.
* Friedberg, 12. Ott. 1910. Bei der letzten Stadt- ratssitzuna wurde als Direktor der hiesigen Gewerbeakademie der Baumeister Dr. Krüner aus Stuttgart gewählt.
* Mühlhausen (Thür.), 12. Oki. 1910. Hier ist eine Beamten-Baugenossen schäft gegründet worden zum Bau von gesunden und zweckmäßig eingerichteten Wohnhäusern; auch sollen Häuser an- gekaust und zu billigen Preisen an minder bemittelte Mitglieder vermietet werden. Die Haftsumme für die Genossen bettägt 250 Mark.
* Mainz, 10. Oft. 1910. Die werbenden Betriebe der Stadt haben im letzten Rechnungsjahr erhebliche Ueberschüsse ergeben; so die Wasserwerke 186 000 Mk., die Gaswerke 368 000 Mk., das Elekttizitätswerk 352 000 Mk., die Straßenbahn 15 000 Mk. — Das N aturhistorische Museum das bisher in den Räumen des ftüheren kur- urstlichen Schlosses untergebracht und sehr beengt war, hat jetzt in der ehemaligen, viele Jahre als Magazin der Militärbäckerei benutzten Kirche des Klaraklosters, die von der Stadt im gotischen Stile ousgebaut wurde, neue und reich ausgestattete Säle erhalten, in denen die Sammlungen zur besten Geltung kommen.
* Schmalkalden, 11. Okt. 1910. Die Frau des Fabrikarbeiters Hauer hier ließ ihr ^jähriges Kind in der Obhut der älteren Geschwister zu Hause, während sie auf das Feld ging. In der Abwesenheit der Kinder legte sich die Hauskatze auf das G e- icht des schlafenden Kindes, sodaß es erstickte.
* Pyrmont, 12. Okt. 1910. Hier und in Oesdorf ist feit heute der 8 Uhr-Ladenschluß eingeführt worden.
vermischtes.
* Schlafwagen dritter Klaffe in Schweden. Die schwedischen Staatsbahnen haben auf den Linien, die der Verbindung mit Deutschland dienen, Schlafwagen dritter Klaffe eingestellt. In diesem sind je drei Betten übereinander angeordnet. Der Fahrpreis beträgt 2,50 Kronen, nicht ganz 3 Mk. mehr als bei der gewöhnlichen Fahrt dritter Klasse.
* Ei« entsetzliches Familiendrama hat sich in Tempelhof am Teltowkanal abgespielt. Die Ehefra eines Berliner Fleischermeisters hat aus Gram über eheliche Zerwürfnisse Selbstmord begangen und ihre drei im Alter von 15, 12 und 5 Jahren stehenden Töchtern mit in den Tod genommen. Vermutlich hat die Mutter zuerst die beiden jüngsten Kinder in den Teltowkanal hineingeworfen und ist dann mit ihrer ältesten 15jährigen Tochter nachgesprungm. Alle vier haben den Tod in den Wellen gefunden.
* Einen Mordversuch verübte ein Stallschweizer in Haßlinghausen bei Hagen auf seine Dienstherrin, indem er mit einem Revolver in der Küche auf die Frau einen Schuß abgab. Die Frau wurde leicht verletzt. Der Mordbube richtete sodann die Waffe auf ein Dienstmädchen, das durch einen Schu in den Unterleib erheblich verletzt wurde. Ein weiterer Schuß, den er auf ein anderes Mädchen abgab, verfehlte sein Ziel. Ter Täter ergriff die Flucht, verfolgt von Zivilpersonen und inzwischen herbeige- ellten Polizeibeamten. Ms er sich in die Enge ge- trieben sah, gab er abermals mehrere Revolver ab, durch die ein Kriegsveteran tödlich verletzt wurde. Darauf wurde der Verbrecher von Polizeibeamten umzingelt, und seine Festnahme konnte erst erfolgen, nachdem er, durch Revolverschüsse an Kopf und Bein verletzt, kampstlnfähig gemacht worden war.
* Der Einsturz der Görlitzer Mufikhalle hatte am Dienstag ein Nachspiel vor dem Reichsgericht in
Leipzig. DaS Reichsgericht hob auf die Revision des Angeklagten das Urteil des Landgerichts Görlitz nnm 1 Mär» d I. auf, durch das der Zlvll- ingenieür Paul Martiny wegen Zuwiderhandlung gegen die allgemein anerkannten Regeln der Bau kunst, fahrlässiger Tötung in 5 Fallen und Körperverletzung in b Fällen zu drei Monaten Gefängnis veruttMt wurde! Bei dem Einsturz des Daches waren damals fünf Arbeiter gelotet und drei ver- letzt worden.
Ausland.
** Auf einer Zusammenkunft der christlich-sozialen Abgeordnete« tn Linz erklärte der Landeshauptmann Msgr. Hauser in einer größeren Rede:
Die christlich-soziale Partei ist keine konfessionelle sondern eine politische Partei, aber fie ist tief von der Uederzeugung durchdrungen, daß das Beglückende und Rettende für die Gesellschaft die Religion isi Deswegen kann ich Eure Bischöfl. Gnaden versichern, daß» wo immer es sich um religiöse Fragen handelt, wir in Treue unsere Pflicht tun werden.
Unmittelbar nach der Rede Msgr. Hausers ergriff der Bischof von Linz Dr. Gilt mar das Wott und führte u. a. aus:
Ich freue mich, daß meine Priester so fest zu der christlich-sozialen Partei stehen, so treu zu ihr halten. Ich darf im Namen aller Bischöfe versichern, daß wir wissen, was die christlich-soziale Partei für die Kirche bedeutet. Ich glaube nicht, daß es irgend einen Bischof geben kann, der dieser Partei feindlich gegenüberstände. Der Serr Landeshauptmann Hauser hat davon ge- lorocken, die Gegner redeten der chriulich-sozialen ßatttt nach, daß sie „fertig sei". Ich glaube wirklich, haft fie fertig geworden ist, nämlich tn ihrer Vollendung und zwar gerade durch die Angriffe der Gegner. Man' bat gesagt, daß die christlich-soziale Partei auf. Saut fei auf einem einzigen Manne, und wenn er Fehlen werde, so werde der Zusammenbruch da sein. Dieser Irrtum ist widerlegt, denn ww haben Männer, welche zusammenhallen wie ein Mann.
Diese Worte des Kirchenfürsten verdienen die größte Beachtung. Es ist dies die erste direkte Anerkennung der Verdienste der Patte! um die Kirche Es ist aber auch di- Erllärung, daß der Episkopat Oesterreichs treu und fest zu der politischen christlich-sozialen Partei steht.
Die Macher der pottugiesischen Republik bekennen - sich samt und sonders als Anhänger d-s franzostschen i Philosophen August Comte (1798—1857). Oom bat den sogen. Positivismus begründet, der in d« Verwerfung jedes Uebernatüttichen gipfelt Rach ersten Ursachen und letzten Z'^en der Dinge zu fragen ist sinnlos; denn es gibt nichts Absolutts, Nichts Feststehendes, sondern nur Verhältnisse von Erscheinungen, und diese durch das Experiment zu erforschen, ist Aufgabe der „positiven Wissenschaft. Der Positivismus ist eine Equickung von Materialismus und Pantheismus. Damm machte Comte die Menschheit, das Menschtum zum „hochsttn Wesen und richtete diesem einen Kultus ein nach dem Mustf des kacholischen Gottesdienstes. Der P°sttivismusfft also der bewußte Atheismus, die V-rwitt- lichung des Wortes des Verführers Ml Paradiese. „Ihr werdet sein wie Gott!' , Q.„ ,
Der Präsident der neuen Regierung in Lissabon hat die neue Republik bezeichnet als das Ergebnis. philosophischer Ideen. Die Philosophie des Positivismus, der „Mensch als Gott' ist m'M auf den Thron gesetzt worden. Wie betätigt sich nun der im Gegensatz zum Christengotte auf den Thron gehobene Götze der Humanität?
Als blutgierige Bestie!
Die republikanische Regierung hat chre Tattgkeit I mit beispiellosen Brutalitäten gegen die Kirche und | deren Angehörigen eingeleitet. An Lissabon wurde den Priestern verboten, im Priesterkleide die Sttaße zu betteten, und wagt sich einer in seinem Ehrenkleide hinaus so wird er vom Pöbel überfallen und nu6= handelt - zahlreiche Ordensbrüder wurden auf offener Sttaße ermordet; alle Kongregationen wurdm für aufgelöst erklärt, und die Ordensmitglieder erhielten den Befehl, innerhalb 24 Stunden das Land zu verlassen; am 10. Oktober wurde Pombals hundett- fünfzigjähriges Dekret wieder in Kraft gesetzt und die Jesuiten Oertrieben; die Trennung von Staat und Kirche wird vorbereitet und die Atheistenschule nach Ferrers Muster angekündigt. Doch das geht den neuen Machthabern Portugals alles viel zu langsam, und so stürmt Infanterie Klöster und Kirchen, während die Attillerie ein Bombardement auf bie, Ordensniederlassung der Jesuiten eröffnet. Das ist die vom Präsidenten der republikanischen Regierung gelehrte Umsetzung philosophischer Ideen in die Tat, oder die prattische Betätigung der von ihm in poetischer Form verherrlichten „Religion' des Positivismus. Exzesse der niedersten Instinkte eines Barba-
* Seit dem 1. Oktober 1910 bestehen bei dem Fuldaer Postamte die nachstehend auf geführten Beförderungs-Gelegenheiten:
I. In der Richtung nach Frankfurt a. M.:
1 Schnellzug 4" Sonn. (Schluß im Postamte 3« Bonn.) für Briefe Postkarten, Drucksachen, Probesendungen in Briefform ' Kettungen eingeschriebene Briefe, Postanwei- dpgm, Postaufttäge, Nachnahmebriefe nach Gelnhausen, Annnn rtffenbacb Frankfurt und weiter, auch für Geld Briefe und kleine Wettpackete «ach Frankfurt und werter
2. Personenzug 421 Bonn. (Schluß 4 Bonn.) für Briefsendungen und gewöhnliche Päckereren für die time H”b 3."Peri°nenrug 8“ Borm. /Schluß8°B°rm.) für Sendungen jeder Art für die Stnie unb Anschlüsse
4. Schnellzug 11" Borm. (Schluß 10 Borm.) für $”*5. Schnellzug 2’ Nachm. (Schluß l80 Kadim.) für Briese re. wie bei 1 nach Frankfurt, Hanau, Offenbach, Gelnhausen Wächtersbach, Elm und Anschlüsse.
“;XeÄ 3" Nachm (Schluß 2b°N°chm.) für Sendungen jeder Art für die Linie und Nnschfiisse.
7 Schnellzug 5M Nachm. (Schluß 5 Nachm.) für Briefe « wie bei 1. nach Elm, Bayern, Gelnhausen, Hanau, Offenbach, Frankfntt und weiter.
8 Personenzug 6« Nachm. (Schluß 6 Nachm.) für Senbunistn rc. wie bri^. gt0 >
wöhnliche und eingeschriebene Briefe Elm, Hanau, Offenbach, Bayern, Frankfurt a. M. und weiter.
TT, In der Richtung nach Bebra:
kräftig hinzu.
♦ Die Kriegstrompele schmettert Generalmajor Keim im »Tag'; er will von einem freundlichen Zusammenarbeiten mit Frankreich nichts wlffen. Und warum? Um eine große Milttärvorlage
♦ Frankfurt a. M , 12. Okt. 1910. Bei dem heutigen Margueritentag, dessen Ertragnis dn Säuglings-Fürsorge zugute kommt, wurden lb O Damen mit Büchsen zum Emsammeln ausgestatttt, und über 600000 Marguerlten, sog-Blumen der Barmherzigkeit verkauft. DaS finanrielle Ergebms dürfte ein ausgezeichnetes sem. Zehn Bankbeamte werden innerhalb drei Tagen die Zahlarbeit vor genommen haben. — Oberlandesgerichlsprasident Dr. Hagen ist um feine Pensionierung per ersten Dezember eingekommen. — Der hiesig« Fremden- verkehr ist, wie auswärtigen Blattern von hier mitgeteilt wird, im Juli um 12000, 'ch August um 33 000 und im September um die gleiche Fahl zu rückgegangen. — Das Schöffengericht verurteilte einen Vgermeifter, der dem Hackfleisch Pr äs erv e - alz zu Konservierungszwecken zugesetzl hat, zu du Mark Geldstrafe.
* Frankfurt «. M., 10. Okt. 1910 Die Jubi- läums-Ausstellung des Bandes-Obst- und Gattenbau-Vereins in Verbindung nut der Landwirtschaftskammer für den Regiemngsbezirk Wiesbaden erstellt sich eines SMS außerordentlich stacken Zuspruches und hatte am Sonntag allein 38 MX) an der Kasse zahlende Besucher aufzuweisen. Dank einer sorgsamen Belehrung und Anspornung der Züchter durch den Verein und die Kammer sowie dl« Gemeinden und Genossenschaften ist hier Außerordenlliches zur Veredlung des Obst, und Gemüsebaues geschehen. Recht lehrreich, namentlich auch .fünfer« Schuljugend, sind die beiden sehr natürlich aufgebcmten V o g el ch u tz h e ck en des hiesigen städtischen Forsters I. Dürrfeld, in denen nicht nur alle dem Vogel- chutz dienlichen Einrichtungen sowohl für die Sommer- wie auch die Winterzeit vorgefuhrt sind, sondern auch ausgesuchte Exemplare aller Nutz- und Raubvögel ausgestopft in dem Gebüsch verteilt sind. Außerhalb des Hauptausstellungsraumes, der Msthalle, sind 'n au8 a arten von bekannten Gartenarchitekten ein- k-ücht-t ES sind «-«-» d-- Einheitlichkeit und b-s- fern Vergleichbarkeit dieselben Raumverhaltniffe vorgeschrieben, die etwa der Größe der Hausgatten entsprechen, die der Einzelhausbewohner aus dem Mittelstand in der Nähe der Stadt einzurichten pflegt (15 su 20 Quadratmeter). Neben diesen Fachaotellungen . der Ausstellung findet sich naturgemäß eine große industrielle Abteilung, in der alle für Gatten- und Obstbau benötigten Apparate und Maschinen ver-
VI. Nach Dipperz:
• Botenpost nach Dipperz ab Fulda 6'° Borm., an Sonntagen re. Dipperz-Langenbieber (Bahnhof) im Anschluß an den 1. Zug nach Tann.
Perfonenpost nach Dipperz Nachm., 4« vorn Bahnhof 4« Nachm. (Schluß 4» Nachm.) für Postsendungen jebet Art nach Dipperz, gewöhnliche Briefe und Packele ohne Nachnahme nach Böckels.
VII. Nach Giesel:
1. Botenpost 6“ Borm. (Schluß 61- Borm.) Sen- dunaen jeder Art nach Giesel. ___ -
2. Fahrende Landbriefträgerpost 3° Nachm.*) (schluh 25« Nachm.) Sendungen jeder Art nach Giesel.
VIII. Nach Petersberg.
1. Bolenpost 616 Borm. (Schluß 6° Borm.) Sem düngen jeder Art nach Petersberg. s
2. Botenpost 3" Nachm. (Schluß 2°° Nachm.) Sendungen jeder Art nach Petersberg. Q_
Die Schlußzeit gilt für gewöhnliche Briefe re. Für andere Sendungen tritt die Schlußzeit 15 Mrnuten iruhcr b«». bei dem vorhergegangeneu Schalterschlutz cm.
♦) Die Post fällt an Sonntagen aus.
ro“ **3. Perfonenzug 4» Nachm. (Schluß 3“ Nachm.) Briefiendungen nach Langenbieber Hosbieber^ Kttinsasen, Schwarzbach <Kr. H.), Eckwelsbach, Wustensachsen, Frankenheim (Rhöngeb), Hilders und Tann. An Sonn- ' ffiÄS’ÄTW« °» W-.) I«. Postfeudungen nach Tann, Geisa.
herauszupreffen. Er schreibt:
„Aus allem diesen folgert sich die politische Pflicht — von der militärischen ganz abgesehen — bei Erneuerung des Quinquenates unsere Heeresrüstung so zu v e r st ä r k e «, daß Frankreich nicht mehr daran denken kann, sich uns für militärisch ebenbürtig zu halten. So wie die Heeresverstärkung 1893 gewirkt hat. Sie ist der Hauptgrund gewesen für bte sellherige Erhaltung des Friedens und wenn wir eine kräftige, selbstbewußte auswärtige Politik treiben wollen, so ist eine anfehn- l,che Militärvorlage unerläßliche Vorbedingung. Wir stehen jetzt mllitärpolitisch wieder genau wie in de« Jahren 1887 und 1893. DaS heißt ms praktische über« I setzt, die auswärtige Politik verlangt, daß parlamentarische und finanzielle Erwägungen hinter denen der Staatsräson zurücktrelen.'
Eine „ansehnliche Milttärvorlage" wird nicht kommen, weil keine Gelder dafür zu haben sind unb kein Staatsmann die Verantwortung dafür übernehmen tarnt, daß das Volk schon tm Frieden so belastet wird, daß es den Ernstfall nicht mehr aushätt. Aber dieser Trompetenstoß sagt uns, welcher Marsch im kommenden Winter gespielt wer- den wird. Oder ist es gar eine Ouvertüre für eine Schwenkung der Regierung, die eine Art von Sepie- natswahlen wünscht? Aufgepaßt, Zentnimswahler. Wir müssen aus alles gefaßt fein. Die Wolken können sich leicht zum Gewitter ballen; eine Auf- lö ung des Reichstages ist nicht ausgeschlossen, so paradox der Plan beim ersten Anschauen aussieht.
♦ einen bemerkenswerten Bries übergibt die ,Schles. VoUszlg/ der Oeffentlichkeit, da ihr aus- drücklich die Ermächtigung dazu erteilt wird. Aus dem Schreiben spricht hoher sittlicher Ernst, der alle, denen der Frieden unter den Konfessionen am Herzen liegt, mit Hochachtung für den Schreiber, zugleich aber auch mit Freude über den in ihn enthaltenen Gedanken erfüllen wttd. Der Bne
Deutsches Reich.
* Ueber „Gattenkultur unb Sozialdemokratie' schreibt bie ,Deutsche Tagesztg/:
„Schon auf der Landeskonferenz der sächfischen Sozialdemokraten hat Genosse Sindermann lebhafte Klage darüber geführt, daß die Genossen, d,e sogenannte Schrebergärten gepachtet hätten und darin sich ve- tätigen, für die Partei meist verloren seien. Dieselbe Klage ist auf dem allgemeinen sozialdemokratischen Partestag in Magdeburg laut geworden. Dort memie man, es könne doch nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie sein, nebenbei noch Gartenkultur zu treiben. Derartige Mätzchen könne man nicht mitmachen. Wir haben schon früher gesagt, daß hier den bürgerlichen Parteien ein Fingerzeig gegeben wird, der beachtet werden muß. Die Gattenkultur ist gewiß em ganz kleines Mittel, um der Verbreitung sozialdemokratischer Irrlehren und der sozialistischen Versuchung des Volkes zu wehren, aber ein Mittel ist es doch. Die Arbeiter und kleinen Leute, die ein eigenes Häuschen, em Gärtchen und vielleicht gar ein Stückchen Feld haben, geben wohl auch sozialdemokratische Stimmzettel ab; aber fie verlieren den Geschmack an der sonstigen Betätigung für die Partei. Das hat die Sozialdemokratie längst erkannt; deshalb hat vor Jahren schon das Bremer Genossenschastsblatt die Losung ausgegeben, dre Genossen müßten losgemacht werden von dem eigenen Saufe, von dem Idyll des eigenen Heims, von der cholle. Dieser Losung haben wir damals die andere entgegengesetzt: Zurück zur Scholle! Und diese Losung muß immer wieder ins Land gerufen werden. Nur von der Scholle aus kann schließlich der sozial- bemottalische Unsinn und Unfug wirksam bekämpft werden-
1. Perfonenzug 5« Bonn. (Schluß 3« Borm.) für @roÄVnenw8«im. (Schluß 8» Borm.) wie bei! 6.
IW Borm (Schluß 9» Borm.) für ^gewöhnliche und eingeschriebene Briese nach Bebra un ro<U4.’ Schnellmg 12» Borm (Schluß 11-° Borm.) für Briefsendungen nach HerSfeld Bebra weites
5 Perfonenzug 2” Nachm. (Schluß l^Nachm.) wie bei I b.
6. Schnellzug 4‘8 Nachm. (Schluß4^Nachm.)wtebeiN3.
7. Perfonenzug 6‘» Nachm. (Schluß 6 Nachm.) "ie ? Schnellzug 10“ Nachm. (Schluß Nachm.) nach Hünfeld Hersfeld, Bebra und werter, auch Geldbrrefe und kleine Wertpackete nach Kassel, Eisenach und wetter.
III. In der Richtung nach Gießen:
1. Perfonenzug5' Borm.(SchlußS“Borm )Me bei I&
2. Perfonenzug 8“ Borm. (Schluß 8 Borm.) für Briefiendungen für die Linien und Anschlüsse.
3. Perfonenzug 2" Nachm. (Schluß l80 Nachm.) ®ie 4Ci Perfonenzug 6-° Nachm. (Schluß 6° Nachmittag) wie bei I 6.
IV. In der Richtung nach Gersfeld:
1. Perfonenzug 511 Borm. (Schluß 6° Borm.) für Sendungen jeder Art nach Eichenzell, Weyhers, Schmalnau Dalherda, Hettenhausen, Poppenhausen, Gersfeld und
»o.m. (Sch.ui U-
<Sch<»i 2»-«»«».>wl< bei IV 1. Au Sonn- und Feiertage« wegfallend.
4. Perfonenzug 7° Nachm. für Briefiendungen nach Gersfeld.
v. In der Richtung nach Tann (Rhöngeb.)
1. Perfonenzug 7" Borm.. (Schluß 6° Norm.) Postfen- düngen jeder Att nach Langenbreber, Schwarzbach (Kr. H.),. Hofbieber, Kleinfassen, Hilders, Tann, Geifa, Wüstensachfen,
* 2. Personenzug 11“ Borm. (Schluß ll“ Nachm.)
lautet:
Breslau, den 9. Oktober 1910. Hochverehrter Herr Redakteuri Ich habe gestern von der Protsstversamm- lung der Katholiken Berlins gegen die Rede des Bürgermeisters Nathan von Rom gelesen. Ich fuhtt mich veranlaßt. Ihnen mitzuteilen, daß ich, obwohl ich nicht Katholik, sondern gläubiger und Überzeugungs- treuer Jude bin, vollkommen mit diesem Protest einverstanden bin. Ich habe vor wenigen Tagen mit einem einflußreichen Mitglieds der Breslauer jüdischen Gemeinde über die Rede des Hrn. Nathan Rücksprache genommen, und wir stimmten darin überein, daß diese Rede in der Tat eine nicht zu entschuldigende Beschimpfung der katholischen Kirche und ihres Oberhauptes bedeutet. Ich besitze auch den Mut, Ihnen offen auszusprechen, daß ich persönlich die törichten und flegelhaften Anrempeleien, die sich gewisse freisinnige Blätter fast täglich gegen den Katholizismus erlauben, aus tiefster Seele mißbillige. Ich kann wahr- hertsgemäß versichern, daß all' das, was ich vom Katholizismus kennen zu lernen Gelegenheit hatte, diesem zur höchsten Ehre gereicht. Ich halte Gelegenheit, die hohe Bildung und Toleranz katholischer Geistlicher und Universttätsprofessoren zu bewundern; katholische Aerzte, i die ich konsultierte, sind mir allezeit, obwohl fie wußten, daß ich Jude bin, mit größter Hilfsbereitschaft und Menschenliebe entgegengefommen, und über die Großartigkeit katholischer Wohlfahrtseinrichtungen bedarf es erst keines Wortes. All' das ist um so bewunderungswürdiger, als diese allgemeine Menschenliebe auch Andersgläubige, selbst wenn fie den Katholizismus verunglimpfen, mit ungeschwächtem Eifer umfaßt: ein schlagender Beweis für die hohe Kulturstufe, die die katholische Religionsgemeinschaft erklommen hat. Ich I ermächtige Sie, von diesen meinen Zeilen, wann und wo es Ihnen paßt, und mit voller Nennung meines Namens Gebrauch zu machen. Ihr verehrungsvoll ergebener Dr. phil. Arthur Sachs, Universttätspro- feffor, Breslau V, Gartenstraße 15—17.
** Die mecklenburgische Verfassungsreform. Dem Mitte November in Malchin zu eröffnenden mecklen- burgischen Landtag geht die Regierungsvorlage über die Verfassungsänderung zum vierten Male zu. — Nur Beharrung führt zum Ziel!
„Bewährt seit Jahrzehnten
und als vortrefflich anerkannt von den Aerzien aller Herren Länder" — gewiß deutliche Beweise für die offenkundige Wirkung von Scotts Emulsion. Nach allen zehrenden Krankheiten, die mit einer Gewichtsabnahme und Abmagerung verbunden sind, gebraucht man Scotts Emulsion als überaus leicht verdauliches, wohlbekömmliches und die Eßlufl an- regmdes Krästigungsmiltel.
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