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Kotationrdruckund Verlag der Fuldaer At- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

M 233.

Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 11. Oktober 1910.

37. Jahrgang.

t

Deutsches Reich

Stimmen

Lehramtes überwiesen worden.

4095 = 48,2%

9295 = 49,2%

2316 = 23 %

1909: 5883 6423

8857

3447

9444

1910:

4397

9928

7754

1907:

13815

9701

14613

4437

14606

Lokales.

Fulda, den 11. Oktober 1910.

Parteitages statt. Diese waren nicht öffentlich. Gestern nachmittag fand eine öffentliche Sitzung tatt. Lehrer Krebedünkel. Cuxhaven sprach hier Iber „Die staatsbürgerliche Erziehung unseres Volkes." Profeffor Henkel-Göttingen behandelte das Thema „Schutzzoll und Freihandü." Das Schlußwort sprach der Abg. Lattmann. Abends and im Stadtparke ein zahlreich besuchter Fami. ien'Abend statt.

Aus Kirche und Schule.

** Sm bischöflichen Priesterseminar nimmt morgen daS Wintersemester 1910/11 seinen Anfang mit den Exerzitien, die morgen vormittag beginnen und am nächsten Montag vormittags durch eine feierliche Andacht in der Bonifatius- gruft geschloffen werden, worauf am Dienstag die Vorlesungen wieder ausgenommen werden. Die Zahl der Studierenden für daS Winter, semester beträgt 102. Es ist das erste Mal seit

zug D 88, der Bebra 5.58 verläßt, von Elm aus einen Schnell- oder Eilzug-Anschluß bis Frankfurt a. M. zu geben, gegebenenfalls durch Umwandlung des Personen­zuges 218 in einen solchen, und als Gegenzvg etwa den Personenzug 233 ab Frankfurt a. M. 8“ Uhr abends als Schnell- oder Eilzug einzurichien, der den Münchener Schnellzug D 87, ab Elm 10'° Uhr erreicht und die Passagiere nach den größeren Stationen Fulda, Hünfeld, Hersfeld und Bebra befördert. Sollte diese Anordnung auf Schwierigkeiten stoßen, so möge die Königliche Eisenbahndircktion Frankfurt a. M em neues Schnellzugspaar morgens und abends von Bebra nach Frankfurt a. M. einlegen, dessen Fahrplan der Eisenbahndirektion überlassen bleibt

mit großer Mehrheit gewählt.

" * Das Ende Fiulands. Finland blldete seit seiner Abtrennung von Schweden im Jahre 1809 einen sub­ständigen Staat unter Rußlands Oberhoheit. Jeder russische Zar schwor bei seinem Regierungsantritt, die Verfassung, Religion und Privilegien des Landes un­angetastet zu lassen. Finland hatte einen eigenen Se­nat und Landtag und einen eigenen Staatssekretär in Petersburg. Das wurde seit den 80er Jahren des vorigen Jahchnnderts auf einmal anders; von da an wurde den Ftnländern ein Recht nach dem anderen entzogen, mochten ste auch noch sc- sehr dagegen prote­stieren Im vorigen Jahre nahm man ihnen noch ihr eigenes Militär Seitdem ist ein heftiger Kampf zwischen dem finischen Landtag und den russischm Machthabern ensstanden. Finland wehrte sich mit aller Macht dagegen ,daß man ihnen ihre verbrieften Rechte einfach nahm; doch der Protest war fruchüoS. Vor einigen Tagen hat die russische Regierung den f i n i- sch e n L a n d t a g a u f g e l ö st. Es find zwar Neu­wahlen ausgeschrieben, doch glaubt man, daß er nicht wieder einberusen wird. Damit ist das Schicksal die­ses hochentwickelten Kulturstaates besiegelt, er ist zur russischm Provinz herabgewürdigt.

* Der russische Minister-Präsident Stolypin begibt sich noch in dieser Woche zum Vortrage beim Zaren nach Deutschland.

* Zn Venezuela scheint wieder eine Revolution bevorzustehen. Die Gefangenen des San Carlos- Gefängnisses in Maracaibo haben gemeutert und mehrere Beamte geiiket. Unter den Getöteten befin­det sich der Bruder des Präfidenten Gomez. Die meisten Gefangenen, die zu den angesehensten An- Hangern der Partei des früheren Präfidenten Castro gehören, find entkommen.

Q Eine öffentliche TextilarbeUernerjammlung, die von den Sozialdemokraten eindernfen war, fand gestern abend im Restaurant „Zur Hopfenblüte' statt. Zu dieser Versammlung hatten sich auch, so schreibt man uns, etwa 150 christlich organisierte Arbeiter eingefunden, die gleich bei der Eröffnung verlangten, daß ihnen ein Rednerlistenkontrolleur zugestanden würde. Von dem Antragsteller Herrn Sekretär Müller wurde bemerkt, daß die Sozial­demokraten in christlichen Arbeiter-Versammlungen nicht nur uneingeschränkte Redefteiheft, sondern auch in den allermeisten Fällen Bureauwabl verlanaten.

N. Die soziale Ferienvereinigung Fulda folgte einer Einladung zu einer Besichtigung des Oblatenklosters in Hünfeld. Eine statt- Ische Zahl, gegen 30 Akademiker aus dem Fuldaer Lande, hatten sich dazu eingefunden. Zunächst besichtigte man das Kloster selbst. Allgemeine Bewunderung erregte die praktische und der Reu-

Aurland.

** Der neue deutsche Staatssekretär im auswärtigen «mt, v. Kiderlen-Wächter, hat in der vorigen Woche die rumänische Residenz- stadt Sinaia verlassen und ist in Oesterreichs Hauptstadt Wien eingetroffen. Dort hatte er am Montag eine längere Audienz beim Kaiser Franz Joseph.

* Die Lage in Katalomen flößt einiger- maßen der spanischen Regierung immer ernstere Besorgnisse ein. Anarchistische Elemente strengen sich an, um den Generalstreik herauf- zubeschwörea. In Sabadel wurde in einigen Fabriken die Arbeit wieder aufgenommen, aber die Gärung unter den Arbeitern ist heftig. Der bevorstehende Jahrestag der Erfchießung Ferrers, die Abhaltung des Freidenkerkongreffes m Barce­lona und der Zuzug vieler verdächtiger Ausländer, das alles trägt zur Unruhe bei.

* Die griechische Nationalversammlung ist wieder zusammengetreten, nachdem sie in den mehrwöchigen Zwangsserien Gelegenheit zur aus­giebigsten Beruhigung hatte. Bei der Präsidenten- wähl wurde der parteilose Athener Rechtsanwalt Eßlin, ein Gegner der Umwandlung der rem- dierenden in eine konstituierende Versammlung,

Friedberg-Büdingen 8492

Kannstatt-Ludwigsbg. 18 787

Frankfurt a. O.-Lebus 10070

7932 = 57,4% 3278 = 33,8°/.

6756 = 39,3%

992 = 22,3 %

5162 = 35,2 %

MeÄen-Achim Stade-Bremervörde Landau-Neustadt < Koburg iEtollberg-Schneeberg

volkswirtschaftliches und Soziales.

— Die Beendigung des Werftarbefterausstandes begegnet Schwierigkeiten. Gestern früh sollte die Arbeft wieder ausgenommen werden. Aber diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Vor allem scheinen die Führer, so sehr sie sich auch um die Durchsetzung ihrer Beschlüsse und um die Wiederherstellung des von ihnen wohl zweifellos ehrlich gewollten Friedens bemühen, bie Arbeiterschaft nicht genügend in der Hand zu Hadar:

Schon «Hamburg vollzieht sich die Einstellung der Werftarbeitern nicht so glatt, rote erwartet wurde, da die Werften vorläufig nur einen gewissen Prozent­satz sofort und den Retz nach und nach einstellen wollen. Der größte Teil der Arbeiter ist von den Werften in die Stadt zurnckgekehrt, man hofft fedoch in beiden Lagern, daß die Echmieri^eiten bald geregelt fein werden. JnKrel hatten die Werstarbester beschlossen, die Arbeit gestern früh nicht wieder aufzunehmeu; die einzelne» Gewerkschaften stimmen gesondert darüber, ob sie die Zugeständnisse der Werste» für genügend erachten Busen. Auch auf den Bremer Werften ist die Arbeit noch nicht wieder anfgenommen worden. Ebenso wurde tu einer Versammlung der Werftarbeiter i» «egefarf beschlossen, die Arbeit dei n Bremer Vulkan vorläufig noch nicht wieder auszunehmen. Dagegen nahmen « Bremerhaven die Arbeiter in allen Schiffswerften gestern ftüh die Arbeit wieder auf. Die Zahl der Arbeiter ist allerdings noch nicht so groß rote vor der Aussperrung, da inzwischen viele nach aus­wärts adgereist find. In Stettin sind die Werft­arbeiter tmM »ieder vollzählig eingestellt. Die Ein- stellung erfolgt nach Maßgabe der Betriebsverhältuisse.

Gelegenheit, eine schöne Dienstwohnung zu beziehen. Da von den vier Lehrerstellen neben zwei Lehrer­innenstellen dann immer noch zwei Leyrerstellen auftragsweise verwaltet werden, dürfte demnächst noch eine dieser Lehrerstellen zur endgiltiger Be­setzung ausgeschrieben werden.-

und Holzarbeiter Laux. Am Abend vor den Konferenzverhandlungen sand eine von der Fuldaer Ortsgruppe anberaumte und sehr gut besuchte Versammlung statt, in der zunächst der General­versammlungsdelegierte Elm einen ausführlichen Bericht erstattete über die Verhandlungen der Ver­bandsgeneralversammlung in Aacken. Danach ver­breitete sich Bezirkslester Müller aus Bamberg in einem überaus klaren und leichtverständlichen Vor­trage über das Thema: „Sturmzeichen drohen­der sozialer Gefahren und Kampfe.' Er beschäftigte sich eingehend mit den beachtenswerten Vorgängen, die sich zur Zeft wieder auf wirtschaft­lichem und sozialem Gebiete abspielen werden. Eine Anzahl Arbeiter meldeten in der Versammlung ihren Beitritt zum christlichen Textilarbeilerverbande an. Dem in der Konferenz durch den Bezirksleiter erstatteten Geschäftsberichte entnehmen wir, daß in der Berichtszeil (Anfang Juli 1908 bis Ende Juni 1910) im Bezirk Fulda die Mitgliederzahl von 697 auf 1156 gestiegen ist. Vier Ortsgruppen wurden neugegründet. Die Einnahmen des Bezirks haben sich in dm letztm 2 Jahren vervierfacht. Trotz deS ungünstigm Geschäftsganges konnten doch noch 11 Bewegungen (Angriffs- und Abwehrbewegungen) geführt werben, wovon 7 mit teilweisem und 4 mit vollem Erfolge für die Arbeiter endeten. Durch die । Lohnbewegungen wurde für 1920 Beteiligte ein jährliche- Mehrverdienst von annähernd 59000 M. erzielt. Einzelne Teile deS gebrudt vorliegenden ! Geschäftsberichtes wurden von dem Referenten noch I omch mündliche Darlegungen ergänzt und es wur- i Den besonders von ihm die vielen indirekten Erfolge j Der gewerkschaftlichen Arbeit hervorgehoben. Nach- Dem durch den Bezirksvorfitzenden Müller wie auch urch Herrn Abg. Schiffer die wichtigsten auf der | letzten Verbandsgeneralversammlung gefaßten Be­schlüsse und Resolutionen den Delegierten erklärt worden, besprach ersterer in sehr eingehender Weise die agitatorischen Aufgaben der nächsten Zeit. An Der belehrenden Aussprache, die sich an diesen Vor­trag anschloß, beteiligten sich recht zahlreich die Delegierten und Gäste. Rach einem kurzen aber begeisternden Schlußworte Zentralvorsitzenden Herrn Abg. Schiffer, fand die imposant verlaufene Tagung ihren Abschluß.

der Wiedereröffnung des Priesterseminars, daß das Wintersemester die Zahl 100 überschritten wird. Die Studierenden gehören zur Hälfte der Diözese Fulda an, die anderen verteilen sich auf die Diözesen Limburg, Osnabrück und Hildesheim.

♦ AnS Anlatz der Schmähungen Nathans, des römischen Bürgermeisters, hatten die Herren Kardi- näle von Breslau und Köln, zugleich im Namen der deutschen Bischöfe, die alljährlich in Fulda zusammenkommen, ein Telegramm an den hl. Vater gerichtet. Auf dassew-ift folgente Ant- wort an Herrn Kardinal Fischer erga»i'.-n: .

Der hl. Vater hat die Kundgebung treuer An- Bescheid auf eine Eingabe der Handelskammer, hänglichkeit, die Ew. Eminenz zugleich mit Eminenz Die'Durchführung der Züge der Strecke'Gemünden- Kopp, auch im Namen der übrigen deutschen Bischöfe, Elm bis und von gulou nach Fertigstellung des die in Fulda zusammenzukommen pflegen, ihm über- ! Tunnels durch den Distelrasen märe zwar sehr mittelt haben, huldreich ausgenommen und erwidert erwünscht, sie läßt sich aber bei den meisten Zügen dieselben gerne mit Spendung des Apostolischen Segens, wegen der Anschlüsse in Gemünden und wegen ihrer i*i §omborn 10 Ott. 1910. Nachdem die durch festen Lage auf der eingleisigen Strecke Gemünden— . ' <uhr»ra (Snnelbert Beck erlediale erste Elm voraussichtlich nicht ermöglichen. Dleiemgen Zuge,

den Tod des Lehrers Engelb^t Beck ertevtgte erste eine Weiterführung bis und von Fulda in

Lehrerstelle dem Lehrer Karl Schneider ah Frage kommen könnte, würden bei der jetzigen Lage

1. November ds. Js. ab übertragen worden ist, tst ^es Fahrplanes zwischen Flieden und Fulda zeitlich an hiesiger Volksschule eine Lehrerstelle zu bestehenden Zügen der Hauptlinie zusammenfallen, besetzen. Einem verheirateten Lehrer bietet sich sodaß auch von ihrer Durchführung abgesehen werden Gelegenheit, eine schöne Dienstwohnung zu beziehen, muß. Es muß somit wohl damit gerechnet werden, Da von den vier Lehrerstellen neben zwei Lehrer- daß die Züge der Strecke Gemünden—Elm nach Fertig- stellung des Tunnels tot F l i e d e n endigen und beginnen.

△’ Dem pädagogischen Seminar am hiesigen Kgl. Gymnasium sind mit dem heutigen Beginn des Schulunterrichts sechs Kandidaten des höheren

= BonisatiuEammelverein. Im Hmbftck auf das bevorstehende 25jährige Jubiläum des Boni- fatius-Sammelvereins, das am 23. und 24. Oktober durch Festgottesdienst und Versammlungen in Pader­born begangen werden soll, war der Vorstand der l -t entsprechende Einrichtung des gesamten Diözesanhauptstelle Fulda am Fret ag abend zu- Hie Klosterkirche dürfte wohl in ihrem

’vTÄkM Uetz sichnichtermö^lichen. I Sül und ihrer Ausführung das fchönste roma- Jedenfalls wird aber die Diözese des hl. Bonifatius nische Bauwerk des gangen Hessenlandes fein, durch 'ein Vorstandsmitglied vertreten sein. Da sich Auch die Oekonomiegebäude wurden einer Be- leider keine Gönner zur Stiftung einer Jubiläums- sichtigung unterzogen. Zuletzt versammelte man gäbe gefunden haben, sah sich der Vorstand genötigt, sich im Museum des Klosters, um an her Hand um nicht mit leeren Händen zu kommen, im Namen I Oer boit gesammelten ethnographischen und geo- bet Diözese eine Jubiläumsgabe von 100 i cark zu graphischen Schätze einen Begriff zu bekommen bewilligen. Einige Unterstützungsgesuche wurden DQn bct eigentlichen Missionstätigkeit in fernem erledigt, der Rechenschaftsbericht der Dwzemn- .. . < feiner kulturellen und Volkswirtschaft-

Hauptstelle für 1909/10 lag gedruckt vor; es wurde ^°ude und seiner tuitureuen uno votiswtrifcyas berichtet, daß derselbe an sämtliche Geistliche der lichen Bedeutung.

Diözese zur Versendung gekommen sei und allen x Der Zeutralverbaud christlicher Textilarbeiter Interessenten durch die Fuldaer Aeliendruckerei gerne Deutschlands, Bezirk Fulda, hielt am letzten Sonntag zugesandt würde. Bei Prüfung des Rechenschafts, in der Harmonie seine diesjährige ordentliche Be- berichtes konnte der Vorstand nicht umhin, wiederum zirkskonferenz ab, an der etwa 40 Vertrauens- sem Bedauern auszusprechen darüber, daß eine große Personen der hessischen Ortsgruppen teilnahmen. Anzahl von Pfarreien der Sammelfache untätig Als Vertreter des Hauptvorstandes war der Zentral­gegenüber stehen, andererseits war eS dem Vorstand Vorsitzende des Verbandes und Vorsitzender deS ein Bedürfnis, die Tätigkeit mancher Pfarreien, die Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften unter Führung der Herren Pfarrer, Lehrer und Deutschlands, Reichstagsabg. Schiff er-Düsseldorf Fräulein Lehrerinnen geradezu glänzende Resultate erschienen. Ferner nahmen an den Verhandlungen auf dem Sammelfelde erziellen, lobend anzuerkennen, teil die beiden Vorsitzenden des christlichen Gewerk- Durch ein Versehen ist es in diesem Jahre leider schaftskartells Fulda, die Herren Sekretär Stahl unterblieben, den Bericht durch die Presse zu ver-1 “---

öffentlichen; im nächsten Jahre soll diese Gepflogen­heit aber wieder ausgenommen werden. Die Ein­nahmen stellen sich im Berichtsjahre aus folgenden 1 Posten zusammen: Barbeträge aus der Stadt Fulda 298.73 Mk., aus der übrigen Diözese 264,14 Mk.

Erlös aus Sammelgegenständen: Alle Bilder 25 Mk., alte Münzen 1,93 Mk., Bücher und Zeitschriften 5 30 Mk, Rabattmarken 62,91 Mk., Zigarrenab- schnitte 99 Mk, Marken 9,50 Mk., Korke 66,04 Mk , Wachsabfälle 14 Mk., Staniol, Kapselmetall, Biet, Messing 247,37 Mk., Papiere 25 Mk., Gold- und Silbersachen 6,80 Mt. Summa der Einnahmen 1298,54 Mk. Den Einnahmen stehen folgende Aus- gaben gegenüber: Reparaturen an Sammelkästen 21,10 Mk., Porti, Frachten und Agitationskosten 6340 Mk., gewährte Unterstützung für die Kom- munifantenanftalt in Hünfeld 800 Mk., gewährte Unterstützung für Beschulung von Dtasporattndern in Frankenberg 60 Mk., Neustadt a. Orla 100 Mk, Wehlheiden 84 Mk., Ilmenau 50 Mk., Apolda 50 Mk., Jena 50 Mk, Melsungen 50 Mk, Weimar 50 Mk., Schmalkalden 50 Mk, Homberg (Bezirk Kassel) 50 Mk zusammen 694 Mk. Summa der Ausgaben 1578,50 Mk. Dem Vorstände bleibt em Kassenbestand von 560,32 Mk. zur Verfügung, auch von diesem Kassenbestand ist schon ein größerer Be- trag für Zwecke des Vereins verausgabt. Zu diesem Rechenschaftsbericht schreibt der Vorstand: -Indem wir den Rechenschaftsbericht für 1909/10 der Oeffent- lichtest übergeben, danken wir allen Sammlerinnen und Sammlern, die lieben Kinder nicht ausgenom­men, recht herzlich für die uns auch im abgelaufenen Jahr geschenkte Unterstützung. Wenn auch die Ern- nähme des vorigen Jahres nicht ganz erreicht wurde, so war es für den unterzeichneten Vorstand doch eine besondere Freude, zu sehen, daß der Sammel- eifer nicht nachgelassen, sondern sich tm Einzelnen sogar vermehrt hat, denn die Gaben find aus mehr Gemeinden als sonst zusawmengefioffeu. Was er- reicht werden kann, dafür sind so manche Gemeinden, die ganz erhebliche Beiträge aufbringen, vorbildlich. Möge die edle Sammelei, besonders im Jubessahr des Vereins, weiter wachsen, blühen und hundert- fällig« Früchte zeitigen he Dienste des Herrn und mm Besten der Diasporakinder."

(*) Die Mitteilungen der HaudÄAmumer zu tzauau Rr. 3, die dieser Tage erschienen sind, enthallen zu der Frage eines neuen Abendschnellzuges Frankfurt- Bebra und der Frage der Endstation der Gemünden- Eimer Bahn, Über deren Erledigzmg wir unsere Leser bereits vor längerer Zeft unterrichtet haben, folgende attenmäßige Angaben:

Zu dem Projekt der Einführung eines neuen AbendschnelkzugeS von Frankfurt nach Bebra nebst Gegenzvg ist zu berichten, daß am 3L Mai der Bezirkseisendahnrat Frankfurt a. M. ein­stimmig beschlossen hat, die Königliche Sisenbahndirektion Frankfurt a. M. zu ersuchen, dem Münchener Schnell-

kungen des gegenwärtigen Börsengesetzes durch neue Reformen abzuschwächen, wenn ste auch überzeugt ist. daß das beste Börsengesetz niemand chindern kann, sein Geld an der Börse zu verlieren. Und die Regierung wird sich solchen populären Forde­rungen auch dann nicht entziehen können.'

> <? München, 10. Ott. 1910. In den letzten Tagen war die schauerliche Kunde in liberalen und sozialdemokratischen Zeitungen zu lesen, daß die Firma „Kathreiners Malzkaffee- febrilen" wegen der Belastung durch die neue bayerische Steuerreform nach Berlin aus- !rvandern wolle. Nun ist ja richtig, daß die »Herren Attionäre künftig etwas stärker zu den Steuern herangezogen worden wären; denn bis- der wurden in Bayern die Gewinne der Gesell- sckastm m. b. H. nicht der Kapitalrentensteuer Werfen; in Zukunft ändert sich das Di- Firma wird' in Preußen fast ebensoviel Steuer ^hlen müssen. Die Auswanderung nach Berl n wird um deswillen erfolgen, weil die Fabrik m Bauer» überhaupt keinen Malzkaffee fabrrziert, sondern ihre Tätigkeit schon längst wegen be» Transportes der billigen Futtergerste an die Wasserstraßen Preußens verlegt Hal- Und wo sie ihre Fabriken hat, wird sie auch ihre Ge­schäftsräume haben wollen. Bayerisch Blätter schreiben: Aus dem Wegzug der Fabrik spricht wenig Anhänglichkeit und wenig Dankbarkeit gegen Bayern. Sie hat mit dem Namen des Pfarrers Kneipp eine Reklame getrieben, die diesem sehr unangenehm war, sie hat in Bayern Millionen verdient und läßt sich auch bte bay» rischen KommerzienratStitel gut gefallen. Aber einige Mark Steuer mehr zahlen, das läßt der Patriotismus nicht zu.

* Kassel, 10. Okt. 1910. Der deutsch- soziale Parteitag wurde am vergangenen Samstag dahier durch einen Begrüßungs-Abend eröffnet. Gestern früh fanden unter dem Vorsitze des ReichStagS-Abg. Liebermann von Sonnenberg, im Stadtparke die offiziellen Beratungen des

** Berlin, 10. Okt. 1910. Das Kaiser- paar hat am Montag morgen Cadinen verlassen und ist nach Berlin abgereist. — Der Reichs­kanzler ist am Montag wieder in Berlin von seinem Gute Hohenfinow in der Mark eingetroffen. — Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich, der au8 Anlaß der Vorprüfung der Rennstrecke für das nächstjährige Prinz-Heinrich-Rennen in England war, hat am Montag die Heimreise flach Deutschland angetreten. — Der unter libe- 'ralem Einflüsse stehende Bund deutscher Frauen-Vereine beschloß auf seiner soeben beendeten Heidelberger Jahrestagung u. a. noch, ckrästiger für die Zulassung der Frau an den Ar- beiten der Gemeinde - Verwaltungen einzutreten.

)( Nationalliberale Mißerfolge. Ein Blatt hat ifuh das Vergnügen gemacht, nachzurechnen, rote groß der Verlust der Nationalliberalen fdei den feit den letzten Wahlen vollzogenen Ersatz­wahlen zum Reichstage war. Da ergibt sich folgender niederschmetterndes Ergebnis:

Nationalliberale

Verlust:

Man sieht, eS steht den Rationalliberalen gut, den Mund recht voll zu nehmen. Ein glänzender j,Erfolg" der Hetze gegen die Reichsfinanzreform I

)( Sie wollen ihn nicht! Staatssekretär Dernburg sollte bekanntlich mit aller Macht von der Leitung der fortschrittl. Volkspartei znm 'Parlamentarier gemacht werden, und zwar zum freisinnigen, obgleich er schon vor seiner Staats­sekretärszeit aus der damaligen freisinnigen Ver­einigung ausgeschieden war, weil ihm die Partei -ju sozial" war. Man hatte für ihn den Wahl­kreis Husum, einem der sichersten Sitze des Freisinns, in Aussicht genommen. Damit ist nun aber nichts geworden. DaS Wahlkreis-Komitee hat am Sonntag für den wegen Krankheit zurück- trrienden Dr. Leonhart - Kiel den Rechtsanwalt

Blank-Hamburg aufgestellt. Jetzt muß Wiemer anderswo auf die Suche gehen, wenn .. »einen Freund Dernburg ins Parlament haben will. Viele zuverlässige Wahltteise hat der Frei- sinn nun aber nicht, und man kann Dernburg fdoch nicht zumuten, für den Freisinn irgendwelche .unerreichbaren Wahlkreise zu erobern,

+ Eine Reform des Börsengefetzes hält die ,Krenzztg/ in absehbarer Zeit für nötig:

„Wir haben das Börsengesetz nie als eine Block« Angelegenheit behandelt und waren zu den von '.ter Regierung gewünschten Konzessionen nur deshalb bereit, weil die Erfahrung aller Staaten gelehrt Hal, daß die Börsengesetzgebung natürlichen Schwankmigen 'unterliegt. Aus diesen Erfahrungen heraus hat sich bte Konservative Partei mit lächelnden Fatalismus m die Freigabe der Wertpapierspekulation gefügt. Nicht für ft mm er. Der Tag dämmert schon herauf, an dem die Wähler nach neuen Schutzmaßregeln gegen das (»erlieren im Börsenspiele rufen werden, obwohl, was roir gern zugeben, die größten und solidesten Banken 'tot sicherer Erwartung einer solchen .Reaktion' ihr Publikum Mt weißem Maßhalten zu erziehen bemüht find. In absehbarer Zeit wird sich die konservative Partei vor der Notwendigkeit sehen, die üblen Wtr-