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37. Jahrgang.

Fulda, Montag den 10. Oktober 1910.

Erstes Blatt

232.

Ausland.

ziehen.'

(Fortsetzung folgt.)

r»irt-e«: Vir ei» fpaltige Petitzeile oder bereu Raum 15 Psg. SeNamendiePetitzest«

psg., bei Wiebcr* ho!«ngrn wirb entspr. Rabatt gewährt.

Bototionsbrudunb Verlag berZulbaer Ak-

Barr Schütter

jSÄ W»ch°nb°i-°S-!,Illustrierte Soimtagrzeitung«

in der ersten Hälfte'ves Monats November Kaiser Wilhelm in Potsdam zu besuchen.

* Der Zusammentritt des Landtags ist Berliner Blättermelvungen zufolge erst für dre zweite Woche des Januar nächsten Jahres vorgesehen. Eine Herbsttagung ift nicht beab-

Erscheint täglich mit Ausnahme btt Se;m» U„dZeiertagt.Viertel- lährlicherverugspreir vhne Sringerlohn und vestellgelb in znlba so­wie cmswärtr 1-5V UU.

Verantw. Rebaktemr

„Run denn — ich gehe — aber die Folg:» kommen auf Ihr Haupt!" ..... , .

Damit stürzte er fort. Fritz steckte bte Uhr wieder in die Tasche und atmete tief auf. »Jetzt kennm wir den Fälscher," sprach er zu sich. „Schade, daß Doktor Fischer diese Szene nicht miterlebt hat . . . Doch nun wieder an die Arbeit . . ." Und er wandte sich seinen

aber er muß von ihr leben; er muß tanzen, wenn sem Auftraggeber pfeift Nicht den armen Teufel, sonder« diesen Auftraggeber und seinesgleichen machen wir dafür verantwortlich, wenn die Presse k o r r u m p r e r < wird, wenn das Publikum immer mehr verroht, wen» die Tragik großer weltgeschichtlicher Ereignisse herab- gewürdigt wird durch Zosentratsch und schmutzig« Hintertreppengeschichten! Von dieser Verantwortung kommen sie nicht frei, so sehr sie auch entrüstet sie von sich ablehnen mögen! Sie bleibt an chnen haften!

Leuten wieder zu.

Spät am Nachmittag kam Stanislmis »ach Schloß Hambach zurück und wollte sich aus sein Zimmer m dem Jnspektorhause schleichen. Ziellos und Planlos hatte er sich seit seinem Fortgang von Neuhof umher- oeirieben; verzweifelte Entschlüsse hatte er gefaßt, tm Walde wollte er sich erhängen; als er an einem Teich vorüberkam, wollte er sich hineinstürzen-, aber feige wie er war, bebte er vor der Ausführung zuruck und entfloh, um sich endlich zum Tode erschöpft unb er­mattet in das Gras einer Wiese zu werfen, wo er in finsterem Brüten liegen blieb.

Aber ein Entschluß mußte gefaßt werden, und so schlich er sich schließlich nach Hambach zuruck nut hem die Dunkelheit der Nacht zur Flucht zu benu­tzen- mit Geld war et ja Dank der Großmut der Ba­ronin genügend versehen, sodaß er einige Seit fmgen= frei leben konnte. In der Nacht pafllerte em Schnell­zug die Station Hambach, mit dem er morgen früh tn Hamburg fein konnte. Dort würde man ja weiter ,ehen. ° Als er die Treppe zu feinem Zimmer h,naufgehen wollte, öffnete sich die Tür zu der Jnspektorwohnung und Fräulein Tina schlüpfte heraus mch dem blaffen Gesicht den Ausdruck großer AengsÜlchkeit

Ack Stanislaus — da bist du endlich , flüsterte sie ' Man sucht dich schon überall, deine Mutter war bereits einige Male hier, um nach dir SU fragen _ sie war furchtbar aufgeregt — mein Gott, Stanis­laus, was ist denn geschehen."

Da keimte ein neuer schändlicher Plan in feinem listigen Geiste auf. Er trat dicht an Tina heran und legte ihr die Hand auf die Schulter.

Tina — Mädchen —" sprach er mit dusterer (Stimme und eine feierliche Miene zeigend, ,bu hast mir gesagt, daß du mich liebst . . ."

„Ja, Stanislaus, von ganzem Herzen!"

; Aus der ftauzöfischen Nordbahu streiken bte Werkstättenarbeiter. Es ist zunächst unmöglich, die Tragweite des Ausstandes zu übersehen. Zugver- pätungen sind fast gar nicht zu verzeichnen. Der Gesellschaft wurden 40 Geniesoldaten zur Verfügung gestellt, die anstelle der streikenden Ersenbahnardetter das Verladen der Kohlen ufro. besorgen. Die Polizei traf Maßnahmen, um Ausschreitungen der Aus. ,tan*'uebeTbie Kundgebungen der spanischen Katho­liken sprach in der Kammer am Saustag Munsterpraft- deut Canalejas. Die imposanten Kundgebungen müssen ihm die Laune gründlich verdorben haben, denn er schimpste mächtig. Das Vorgehen der Katholiken, so sagte er, müsse man als Aufreizung zum Bürgerkrieg bezeichnen. Dre Haltung der Katholiken sei aufrührerisch, und ungesetz.»dj. S)« Nachgiebigkeit der öffentlichen Gewalten rn Spanten gegenüber der Kirche hätte zu einet Mssaugung des Staates durch die Kirche geführt. Der Kierikafts. mus habe die bürgerlichen Freiheiten und d,e Ge wiffensfreiheit zerstört. Die Regierung beabsichtige keineswegs die Beziehungen zu Rom abzubrechen, sie wolle diese vielmehr enger gestalten. Außer Cadenas Gesetzantrag werde die Regierung binnen kurzem eine Gesetzesvorlage embrmgen zur Regelung der rechtlichen Lage der religiösen Genossenschaften. Die Tagesordnung, welche der Regierung das Ver trauen ausspricht, wurde mit den Stimmen der Liberalen angenommen, bte anderen Parteien ent hielten sich der Abstimmung.

* Russische Spione machen sogar auöjj Schweden unsicher. In der Umgebung der Hauptstadt Stockholm sind tn der letzten Zett mehrfach russische Spione verhaftet worden, bte damit beschäftigt waren, die Befestigungs.Anlagen zu photographieren oder kartographisch auszuneh- men. Auch bei den letzten großen Manövern sind einige russische Spione festgenommen worden, die in Verkleidung an den Manövern tetlnahmen und dabei versucht hatten, aus dem Hauptlager Movl- lisierungs-Pläne zu entwenden.

* In Honduras herrscht Anarchie. Die Washingtoner Regierung hat infolgedessen das Kanonenboot „Princeton" nach Anapala geschickt : zum Schutze der ausländischen Interessen. (Bergt.,

anderen P».... ...... „------------- . •

zuwühlen. Lieber soll man sich hüben und drüben i aus den Vorgängen die Lehre ziehen, daß schließlich dock ein Ausgleich aus der mittleren Linie gesucht werden muß, und daß also alle verständigen I und gutwilligen Arbeitgeber und Arbeiter von vorn-1 herein auf eine gewisse Nachgiebigkeit sich vorbereitet halten müssen. Auch bei dem Frühjahrskamps tm Baugewerbe mußte man trotz aller vorherge-1 gangenen großen Kraftworte sich schließlich auf bte mittlere Linie begeben. . - I

Die neueren Lohnkämpfe zeigen übereinstimmend den Rüg in's Große, eine allgemeine Aus­einandersetzung und einen zentralen Fr-edens- schlutz. Der Streit auf den Werften griff aus die gesamte Metallindustrie über. Alv die Arbeitgeber der letzteren Branche eine allgemeine Aussperrung von 60 Prozent ihrer Arbeiter an­drohten, sah das wie eine verhängnisvolle Ver­schärfung der Gegensätze aus. In Wirklichkeit trug dieses Vorgehen zur Beschleunigung des Friedens entscheidend bei. Damit wollen wir kemesweg empfehlen, auch in anderen Fallen kleinerer Lohn- kämpfe mechanisch das äußerste Mittel emes all­gemeinen Sympathiestreiks oder eine allgemeine Sympathieaussperrung anzuwenden; was diesmal gut ging, kann ein anderes Mal furchtbar schiechl verlausen. Wir wollen nur tatsächlich stststellen, daß im vorliegenden Falle durch die ernste Gefah einer Aussperrung von einer halben Million beiter und der daraus sich ergebenden Stillegung zahlloser Werke bei den streitenden Teilen der volle Ernst der Lage klar gemacht

Man sah ein, daß doch die drohende Schädigung beider Teile in keinem vernünftigen Ver- hältnis stehen würde zu dem Streitobjekt von ein paar Pfennig Stundenlohn für die Werst-

mCn gjtein Gott, Stanislaus, ich tue alles, was du willst . . ." entgegnete bas arme Mädchen S'tternb.

Nun gut, dann erwarte mich heute abend elf Uhr an der Hinteren Pforte eures Gartens. Nimm mit, was bu für eine Reise von mehreren Wochen notig hast — vor allem Geld ..." .

„£) Gott, was willst du tun, Stanislaus -!

*S8ift bu bereit, mit mir zu entfliehen?"

'Ich miiß"entfliehen - das Rätsel meines Lebens will es so . . . liebst bu mich so tote ich dich liebe, bann kommst bu mit mir — nur so können wir ein­ander angehören." . .

.Wirst du mich auch zu deiner »rau machen.

.Frage nicht, Mädchen, sondern handle! Hast bu mich lieb, so vertraue mir — bist du nicht stark genug in deiner Liebe, so bleibe hier . . . Dann gehe ich allein hinaus in die weite Welt — unb glücklich unb allem.

„Nein, nein, Stanislaus — bas sollst bu nicht. Ich "folge dir, wohin du willst."

Er umarmte und küßte sie.

.So bist bu mein mutiges, stackes Mädchen. Unb nun lebe wohl, vergiß nicht, heute abend 11 Uhr unb nimm so viel Geld mit, als bu hast."

Ich habe ein Spackaffenbuch über zweitausend Mack —"

.Sehr gut — bringe es mit . . .

In diesem Augenblick ging unten bte Haustür.

„Man kommt", Pufferte Tina. „Leb' wohl — auf Wiedersehen ..."

Damit schlüpfte sie in die elterliche Wohnung zu­rück, gerade als der Diener aus dem Schlosse auf dem ersten Treppenabsatz erschien. ,

Stanislaus wollte in sein Zimmer gehen, ooch der Diener hickt ihn zurück. '

„Um Entschuldigung, Herr von Prokowsky, sagte er. .Frau Baronin läßt Sie ersuchen, sofort zu ihr zu kommen."

„Ich habe jetzt keine Zeit ich muß inich um-

„Jch? — Me kommen Sie darauf... ich muß mir das "ernstlich verbitten . . ."

„Herrl" . t

Fritz konnte sich nicht mehr bemetstern, mit blitzen­den Augen und dwhend aufgehobener Hand trat er auf Stanislaus zu, der zitternd zurücktaumelte.

.Ich muß bitten — keine Gewalttätigkeit.. . tief er in seiner Angst. ,

Fritz ließ die Hand sinken, em verächtliches Lächeln umspielte seine Lippen.

„Verlassen Sie augenblicklich Den Hof, jagte er kalt unb sich zur Ruhe zwingenb.

.Ich wollte Sie nochmals bitten, Herr Bom, mir bie Möglichkeit zu geben, jenes Papier, das nur durch einen Irrtum in Ihre Hände gekommen sein kann, em- zulöfen. Vielleicht tarnt ich das bei Prem Anwalt tun, darf ich mir seinen Namen ausbitten?"

„Der Name nutzt Ihnen nichts — Doktor Fischer liefert Ihnen den Schein doch nicht aus."

„Herr Born — ich bitte — flehe Sie an — Herr Born, Sie befinden sich in einer peinlichen Lage, die Baronin hat einen schmählichen Verdacht auf Sie ge­worfen, eine Untersuchung ist gegen Sie eingeleitet, ich mache mich anheischig, die Baronin zu bewegen, jene Anklage zurückzunehmen. Ihnen eine volle Ehrener­klärung auszustellen, wenn Sie mir das Papier über­liefern . .

Fritz erhob die Hand unb wies nach dem Tor.

„Fort," sagte er schaff. ,®ntfemen Sie sich, ober ich lasse Sie durch meine Knechte hinausführen"

„Herr Born — haben Sie Miüeid ... ich will Ihnen alles sagen . .

Fort! Ich will von Ihnen nichts hören. Ich gebe” Ihnen drei Minuten Zeit, sich zu entfernen, dann gebrauche ich mein Hausrecht . . .

Er zog gelassen seine Taschenuhr.

„Httt Bom," flehte Stanislaus, „Horen Sie mich doch nur an . . .' . „

„Eine Minute ist verflossen ...

Herr Bom — mein Leben — meine Ehre liegt in Ihrer Hand .. .haben Sie Mitleid .,

„Zwei Minuten . - *

sickttigt.

C. Die Verficherungskommission erledigte am Samstag zunächst den Abschnitt .H-Erfahren- Die Sozialdemokraten beantragten, daß das Heil verfahren auch auf Antrag des Versicherten ein- geleitet werden solle. Ein Mitglied der F°rt chrttts- partei widersprach diesem Antrag, da er die Ver­sicherungsanstalten ungeheuer belasten würde. Em Zentrumsabgeordneter wollte, daß die Heildehand- gen und Untertan ungen oer einen uu« , tung jn möglichst weitgehender Weise gewahrt werde. Partei sitten- und fplitterrichterlich herum- Staatssekretär Delbrück legte dar, daß auch hier die - r-"---hruh,n 1 finanzielle Leistungsfähigkeit der Versicheningsan.

statten in Betracht gezogen werden muffe. H'nsi^ lich der Rentendeckung sei aber bereits 1 Milliarde Defizit berechnet worden. Ein Sozialdemokrat rotes demgegenüber auf den sortwäbrenden Vermögens­zuwachs der Versicherungsanstalten und auf die Jahreseinnahme von 85 Millionen Diack. Em Zentrumsabgeordneter wollte, daß auch Staat und Gemeinden mehr tun, inbezug auf vorbeugende Heilbehandlung. Den Versicherungsanstalten dürfe ist dieser Hinsicht nicht alles aufgeburbet werden. | Der Staatssekretär bat nochmals, es bet den Be­stimmungen der Vorlage und bei dem btsherlgtn Verfahren bewerben zu lassen. Hierauf wurden die gestellten Anträge abgelehnt.

y Sozialdemokratische Protestverfammlnngen. ®te Sozialdemokratie Großberlins hatte für gestern ! mittag 21 große Protestversammlungen emberufen, 13 in Berlin selbst, 8 in den Vororten. Es sollte protestiert werden gegen die Moabiter Vorgänge und, wie der ,Vorwärts' sich au-druckt, gegen die „nichtswürdigen Pläne eines Streik- und Zucht- Hausgesetzes, gegen die Haltung der Polizei bet Streiks" Trotz der verschiedenen Ausrufe tm ,-Bor» roärt§' und bet Flugblattoerteilung waren in allen I 21 Versammlungen höchstens 20000 Personen an­wesend Die Versammlungen, tn denen die Vor- kommniffe von Moabit von bekannten sozialdemo­kratischen Führern besprochen wurden, waren meist schon nad) 30 dis 45 Minuten beendet. Die Be­uchet entfernten sich bann ohne jede Demonstration, nachdem überall eine gleichlautende Resolution an»

Die sozialdemokratische P^fl« behauptet, emen Frieden zu solchen Bedingungen hatten bte Wersten | schon längst haben können, wenn sie nut sogleich ihren streikenden Arbeiter die 2 Pfg. nebst Zubehör angeboten hätte. Ob das zutrifft, ist doch nicht ganz zweifellos. Denn auch jetzt noch, in der kritischen Stunde, gab es in den entscheidenden Ar­beit erversammttmgen beträchtliche und stellenweise gefährlichen Widerstand gegen den Ausgleich. Aber es lohnt überhaupt nicht, in den vergangenen Handlungen und Unterlaffungen der einen oder der

genommen worden wat. |R„„ „-------ä

♦ Um die niedrige Sensationsgier eines sehr minder- genug unb übergenug von dem Wtiner Reporter: Dem wertigen Lesepublikums zu befriedigen, hatte, kaum, 1 Mann mag selbst vielleicht seine Arbeit peinlich stm.

Um Ehre und Recht.

39] Roman von O. Elster.

Das Gebell seines Hundes machte Fritz daraus aufmerksam, daß ein Fremder den Hof betreten hatte und mit Erstaunen erkannte er Stanislaus, der mit höflichem Gruß auf ihn zutrat.

Verzeihen Sie, Herr Born, wenn ich Sie einen Augenblick störe,ich komme in einer geschäftlichen An- ‘‘‘‘'"lAroübH nicht,' °»t«-M-t- lall, .»Ächn

Über Borns Gesicht.

„Allerdings," sagte er ,

„Run, ich komme, um ihn emzulosen . - -

"Sie? — Wie kommen oie dazu, die Wechsel Des ')ar°^ie Cgrau° Satonin hat mich damit beauftragt," """LLdLIch-'DMm-cht d-, Frau Wl*

'Eine Vollmacht? - Nein - ich glaubte, mein Wort sollte genügen." .

\ „Mir genügt Ihr Wort jedenfalls nicht. Uebrtgens < märe ich auch gar nicht in der Sage, Ihnen den Wech- < fei zu übergeben." . „

i „Weshalb nicht? — Ich habe das Geld bei nur . .

„Ich habe den Wechsel meinem Anwalt zur Prä- i fentation bei der Gutsverwaltung übergeben, da mir ! Zweifel an der Echtheit des Wechsels aufgestiegen sstnd."

' Das vor kurzem noch bunkelrote Gesicht Stauis- ' laus' warb bleich wie der Tod.

' „Herr Born — Sie wollen doch damit nicht fa- gen . . .*

( „Ich will damit sagen, Herr v. Prokowsky , entt- ' gegnete Fritz scharf, „daß der Wechsel gefälscht ist. Kennen Sie vielleicht den^ Fälscher?

daß die Meldung von dem Ausbruch der Revo- < lution in Portugal bekannt sewordenwardte . Neue Freie Pre'fe" in Wien, einen Mitarbeiter zu . der Geliebten des Königs Manuel, einer Pariser , Tingeltangelfängerin, die gegenwärtig m Wien aust tritt, geschickt, um von ihr „politische Auskuuft über Portugal und persönliche Auskunft über den König zu erhalten. Was der Mann da erschnüfielt hat, wurde in dem Wiener Blatt alsbald wort­getreu wiedererzählt, und die Mehrzahl der Sen­sationsblätter höheren und niederen Ranges hat sich beeilt, den Bericht auch fernen Lesern als I pikantes Gericht aufzutischen. Daß das ,Fuld. Kreis- blatt' die Geschichte auch mitmachte, versteht sich. Ein besonderer Mitarbeiter der ,Germ/ benutzt nun den Anlaß, um über die 'Reporterwanze gew-ffer Sensationsblätter einige ausgesucht derbe Wahr ^lte©tr6m?$hite§ fließen, die Kanonen donnern, ein

I Thron wankt, eine Krone stürzt einem Junglmg ’om Haupt, die Söhne eines ganzen Volkes rasen gegen«

I einander in wilder Leidenschaft — unb Herr Moritz Benedikt, der „größteMagus" der ^egaistmW,'m, der Herausgeber der Neuen Freien Presse schickt etaen feinet hingen Leute" zur MaUtesse des Königs, einer

I Brettldiva, die in Wien austritt. Um sich über Portugal I von ihr informieren" zu lassen. Hebel und wehe wild einem, wenn man das Blatt zur Hand nimmt und diesen Artikel lieft: ein Dust von schlechtem Patschuli

I und sehr kräftigem Knoblauch dringt aus den spalten I herauf und benimmt dem Leser den Atem, wenigstens dem kultivierteren Leser. Ich kann nur aber lebhaft

I denken, welche Sensation bet gar vielen diese Lektüre aemacht hat und rote die interviewte Dame von nun ' an mit ganz anderen Augen angestaunt werden wird speziell in Wien, wo man säst noch empfänglicher als in Berlin für derartige „Enthüllungen ist. Die Wanz fällt durch Blutsaugen lästig der "RE Freie -Report der mit gespitztem Bleistift vor seinem „Urner neyt, tut es durch die gröbsten indislreten Fragen. Charakte­ristisch für den Standpunkt des Blattes, das er vertritt, ist es jedenfalls, rote es ihn doch am meirtett interefiterte, ob die Dame bei der Affäre gut abge-

schnitten hat, ober nicht. „Wnnberhudsch >st c- ab daß sich Benedikts Tintenvasall über die politische Lage von der Beherrscherin des Brettls Auskunft er­teilen lassen will und mit finsterm Ernst m '«m Notiz­buch verm rtt : .Sie wollte sich darüber nicht guslaffen.

Ich gebe ihm einen guten Rat: vielleicht ist die ^ungser I d^ verschwieg nen Schönen weniger diskret, und wenn er einen Zehner springen läßt, Moritz bezahlt ja doch alles, wird sie ihren Mund öffnen und ihm ganz genau die Situation in Portugal erläutern und erleuchten, und läßt er noch einen werteren Zehner springen, Moritz bezahlt ja doch alles, so wird sie ihm, er braucht ihr nur vorher einen Wink mit dem Zaunpsiu, zu geben, mitteilen, daß ihre schöne Herrin vergeb ich den König aus den Netzen der bösen „Klerikalen habe befreien wollen, die an der Revolution ganz allein schuld seien — aber er habe nicht auf die warnende I Stimme hören wollen, und so fei er '"s Verderben gelaufen! Solches wird er sicherlich auf diese Weise I erfahren. Leider hat er sich diese Finesse entgehen I lassen, aber dafür einen ungemein effektvollen Altschluß, - einen Artikelschluß gesunden. Gerade als er gehen will, erhall die Sängerin die Nachricht, der König sei wahrscheinlich außer Cesahr; sie atmet stch"ich er­leichtert auf und ruft aus: „Das ist e'gen"'ch besser sür den jungen Mann; letzt wird er sich viel glücklicher sühlen, nicht mehr belästigt von Politiken Sorgen und geängstigt durch die Anschläge feiner Gegner. Das ist ! wirklich sehr fein gemacht; der „Neue Freie Presse -

Leser kann nun doppelt sroh der Republik zuzauchzen der junge Mann" ist ja gerettet, und es steht tn sicherer Aussicht, daß infolgeffen ein zweites intereffautes Interview in dem „Weltblatt" erscheinen wird Weiß

I man erst aenau, wo er ist, so wird ihn beim nachste Morgenlaffee eine Redakttonswanze nbersallen und

I nicht eher von ihm ablassen, bis wir alles wissen, was I man so von einem König, der soeben eine Krone ver­loren hat, wissen will: ob er klerikal ober liberal ge=

I sinnt ist; ob er in London ferne Anzuge arbeiten laßt, ob er mit Francos Diktatur einverstanden war; welche Sraroattentarbe er bevorzugt; ob 'hm König Eduard wirklich Unterstützung versprochen hatte und ob er I schon Abonnent der „Neuen Freren Presse ist. Doch

1 ' l *«__________- —Snm 06111

----' ” ZT TT | arbeitet Durch die Ausdehnung des Kampfes I Der Friede ans den Werften. routbe ferner erreicht, daß die Entscheidung von den

■'’w-ich«»---I-sw»ft “i*.ÄS”.’S und auch die Lissaboner Revo.ution war f . , I < t vrt großen Vorteil, daß die persönlichen! Entwickelung bei uns »ulande die Beilegung . Stimmungen die örttichen Reminiszenzen und die großen Lohnstreites, der sich aus dem Streck ^tmmungen oie vr a^ @in 6eIn=n weniger der Werftarbeiter zu einer allgemeinen Krisis m der klernUche P st die großen Gesichtspunkte

Metallindustrie auszuwach en drohte. h"ff-r zur Geltung gelangen lassen.

L miiu---" Rk-M-M»! -m» BmpM.» Beilegung 8«

indem die Arbeitgeber einen Teil der stretttgen Ar- langen konnte.

beiterforderungen bewilligten und die Arbeiterschaft I

'auf den anderen Tell verzichtete. E- S'bt Hnß' DtUlscheS Reich,

knorne auf beiden Seiten, die Mit dem Verlaus ’ ' ‘

I« „mittleren Linie" nicht zufrieden sind Aus ♦ Berlin, 9. Oft. 1910. .Das Kaiser paar Seite der Arbeitnehmer behaupten einige, daß ihnen oerlebt mit seiner Tochter emige Herbsttag nur ein Drittel des Geforderten bewilligt worden H |einem Besitz zu Sabinen an der Ostsee, wo auch sei Auf der anderen Seite behaupten die „Scharf- öa8 kaiserliche Mojalikawerk sich ^stndetz das in macher", daß die Lohnerhöhung um 2 Pfg. pro I regeI Blüte steht. Der Wionarch bchchtigte das ganze Stunde in Verbindung mit der Verkürzung der Etablissement, auch hörte er den VortragdesChs Arbeitszeit um wöchentlich eine Stunde em über-1 be3 ZivUkabinetts. — Von maßgebender Seite wird mäßiges Entgegenkommen, ja sogar eine verhäng- ^tätigt, daß der 3ar Nikolaus beabstchttg , nisvolle Kapitulation vor den Gewerkschaften be< 11„ p^tet# n»s Monats November Kaiser

deute. Durch alle tendenziösen Uebertreibun gen wird sich die übergroße Riehrheit des Volkes m der Freude über die Verhütung der unheilschweren „Kraftprobe" im gesamten Metallgewerbe nicht

Letzte Nachr.) __

volkwirlschastliches und Soziales.

+ Zum FriedenSfchluh in der Werstindustrie. Am Samstag trat eine von über 6000 Perfonen be- suchte Versammlung der Streikenden und Ausge- sperrten in Hamburg zusammen, um den end- gihigen Beschluß über die von den beiderseitigen Kommifsionen getroffenen Abmachungen betreffend die Wiederaufnahme der Arbeit zu fassen. ES machte sich eine sehr energische Opposition gegen die Wiederaufnahme geltend. Dre Führer gaben sich die größte Blühe, die Versammlung sür dre An- nähme der Befchlüffe umzustimmen. Es sch'-n an- fangs, als kämpften sie aus einem verlorenen Postern Beiderfestig wurden erregte Reden gehalten, und schließlich war die Opposition so energisch, daß nach dreistündiger Verhandlung e,ne Abstimmung durch Zettel beschloffen wurde. Die Absiimmungergab

„Willst du es beweisen, so ist die Stunde gekom-

5uldaer W Zeitung

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