Einzelbild herunterladen
 

3"

37. Jahrgang

Fulda, Samstag den 8. Oktober 1910

Erstes Blatt

231.

volkswirtschaftlicher und Soziales.

W

L»jrl-e«r vtt et» spaltige Petitzeile ober bereit Baum 15 pfg. Reklamen drepetitzeile Pfg., bet wieder- yolungen wird entfpr.

Rabatt gewährt.

Botationsbruckunb Verlag der Fuldaer Ak- tienbruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

trf^ehti täglich mit A

»mnahme bet ZoM- ▲

andLeiertage-Viertel- J D /W

jährlicher vezuqspreir 1| K M MM W flW

ohneVringerlohnund KH 1 fi BO U M

vestellgelbinzuldass- ■ 8 K U WM 8 M

tote misroärts 1.50 Bit W U M, WM.

Verantw. Redakteur; W

«art Schütte;

»wSusÄ. wochenb-i-age:.^lluftttetteSonntagzzeitung"

(*) Ein Scharfschießen unseres Feldartillerie- RegimentS wird am Mittwoch, den 12. Oktober von 11 Uhr vormittags ab im Gelände zwischen den Orten, Horas, Gläserzell, Kämmerzell, Lüder­münd Lütterz, Mengels-Mühle, Unterbimbach, Maberzell, HoraS stattfinden. Die Batterie­stellungen befinden fich an den von Horas nach der Ostecke des Haubentals führenden Feldwege Eine Stunde vor Beginn des Schießens werden die durch dieses Gelände führenden Wege durch Posten abgesperrt und zwar die Straßen Horas-Gläserzell, Unterbimbach. Lüder- münd, Lütterz-Unterbimbach sowie sämt- liche Verbindungswege innerhalb des oben- bezeichneten Umkreises. Der Aufenthalt in dem abgesperrten Gelände ist mit Lebensgefahr ver­bunden. Blindgegangene Geschosse, auch solche die etwa später gefunden werden sollten, dürfen wegen der damit verbundenen Lebens, gesahr nicht berührt werden. Ihre Fundorte

find vielmehr nach Kenntlichmachung durch eine Strohwiepe oder andere Zeichen umgehend auf dem Geschäftszimmer des Regiments, Zimmer 19 im Stabsgebäude anzumelden. Der Finder erhält für ein blindgegangenes Geschoß mit Zünder 1 Mark, für einen einzelnen scharfen Zünder oder ein Geschoß ohne Zünder 50 Pfennig. An dem- selben Tage nachmittags unmittelbar nach dem Schießen wird sich eine Kommission, bestehend aus zwei Offizieren des Regiments, im Schieß­gelände aushalten, um etwaige Flurentschädigungs­ansprüche der betreffenden Grundstücksbesitzer entgegen zu nehmen. Es wird gebeten, die Ge­meindemitglieder hiervon in Kenntnis zu setzen und anzuweisen, am genannten Tage etwaige Ansprüche unverzüglich bei der erwähnten Kam- Mission anzumelden, da spätere Forderungen große Weiterungen nach sich ziehen.

na Jagd. In der Zeit vom 1. bis 30. Sept, wurden vom kgl. Landratsamte hier 78 Jagd­scheine ausgestellt. Davon waren 44 Jahres­jagdscheine und 34 unentgeltliche Jahresjagd­scheine (an Forstpersonens. An Jäger aus der Stadt Fulda wurden 14 Jagdscheine erteilt.

-er. Von der Straße. Zwischen zwei sich kreuzende Fuhrwerke geriet gestern abend in der engen Karlstraße ein Lackiererlehrling mit seinem Handkarren. Beim Ausweichen nach dem südlichen Bürgersteig kam er aber mit dem Karren dem Schaufenster des Buchbindermeisters Fleischmann zu nahe, das zertrümmert wurde. Den Lehrling trifft kein Verschulden, da er nicht anders ausweichen konnte, wenn er nicht überfahren werden wollte. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

N. Die soziale Ferienvereinigung Fulda veranstaltet Monlag den 10. Oktober 1910, nachmittags 3 Uhr, eine Besichtigung des Oblatenklosters in Hünfeld. Es schließt sich ein Vortrag über Misstonswesen an. Es wird dadurch den jungen Akademikern Gelegenheit geboten, einen Einblick zu gewinnen in eine Tätigkeit, die zu den höchsten Aufgaben der zivilisierten Mensch­heit gehört, der Ausbreitung des wahren Gottes- qlaubens und der christlichen Kultur. Ein zahlreiches Erscheinen würde der beste Dank für das freundliche Entgegenkommen der hochw. Herren Patres fein.

(*) Konzert von Arthur Schmittbetz. Wie wir bereits mitleuten, gibt der blinde Pianist Herr Arthur Schmittbetz aus Elberfeld, Mittwoch den 12. Oktober wiederum einen Klavierabend im Bürgeroerein. Herr Schmittbetz hat sich im vorigen Jahre durch sein vor­zügliches Spiel bei den hiesigen Musikfreunden sehr gut eingeführt. Er gedenkt auch in diesem Jahre wieder mit einem Programm aufzuwarten, welches an Reichhaltigkeit und Gediegenheit allen Anforderungen gerecht werden wird. Die .Frankfurter Zeitung" sowie auch die .Elberfelder Zeitung' loben die tiefgehende Empfindung und die überaus gewandte Technik des Spiels. Hoffentlich wird auch das diesjährige Konzert des Künstleis von einem recht zahlreichen Besuch be­günstigt sein.

h. Sport. Der erste Fuldaer Fußballklub „Bo­russia" feiert morgen abend in den Sälen des Park- hotels sein 6. Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr findet auf dem Sportplatz am Wallweg ein Fußball- Wettspiel zwischen dem L Schweinfurter Fußballverein „Biktoria" und einer kombinierten Mannschaft der „Borussia" statt. _________

mon-kbell-ge: „gulbact Geschichtrblätter"

Schule benehmen wollten und sollten. Darauf nahm Herr Dekan Bayer die kirchliche Weihe des Hauses vor und die Gemeinde sang, begleitet von der hiesigen Musikkapelle, ein freudiges „Großer Gott, wir loben dich". — Das neue Schwesternhaus ist ein stattlicher Bau, eigentlich ein Doppelbau, in welchem neben der Wohnung der Schwestem ein Saal für die Kleinfm- derschule und ein solcher für die Industrieschule sich befindet; außerdem enthält es eine Anzahl Kranken­zimmer, worin 15—20 Kranke von hier oder aus der Umgebung gegen mäßige Vergütung Aufnahme finden können.

O Elm, 8. Oft 1910. In der vergangenen Nacht um 2 Uhr entstand in den Sterbfritzer Chamotte- und Tonwerken auf bis jetzt unauf­geklärte Weise Feuer. Die Fabrik-Anlagen wur­den, ausschließlich eines Eisenbaues und der beiden Wohnhäuser, ein Raub der Flammen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

O Schlüchtern, 7. Ott. 1910. In Heubach stürzte ein Landwirt beim Ob st pflücken vom Baum herunter und starb infolge der erhaltenen schweren Verletzungen.

Q Hanau, 8. Oft 1910. (Tel.) Auf der Neben­bahnstrecke Grünberg-Gießen wurde der Wag en des Metzgermeisters Wagner vom Zuge erfaßt. Wagner wurde getötet.

Aus dem Nachbargebiete.

-er. Horas, 8. Okt. 1910, Im Garten des Herrn D. Gatterdam fand man beim Obstpflücken an einem Apfelbaum gutentwickelte Blüten, eine Seltenheit in dieser Jahreszeit.

□ Lauterbach, 7. Oft. 1910. Die Lauter- bad)er Ausstellung ist nur noch für furze Tage geöffnet. Am Dienstag, den 11. Oftoder, werden ihre Pforten geschloffen werden. So kurz die Tage dieser Veranstaltung waren, so schnell verbreitete sich der Ruf dieser eigenartig aufgebauten und glück- lrch gelungenen Ausstellung. Es wird uns von Kennern und von Autoritäten mitgeteilt, daß dies Heimatmuseum in den kurzen Tagen seines Bestehens eine Arbeit geschaffen hat, die vorbild­lich in ihrer Durchführung, von dauerndem Er­folg für die Zufunft sei. Zum ersten Mal habe sich klar und eindringlich ein Einblick in Kunst- und Handwerkerart eines Vogelsbergteiles geöffnet Bei der (Seiamtbeit der Besucher wurde der lebhafte Wunsch laut, daß diese Ausstellung dauernd als Museum in dem freundlichen Vogelsbergstädtchen Lauterbach erhalten bleiben möchte. Die Ver­tretung der Stadt wird sicher die Mittel zur Ver­fügung stellen.

„" Herbstein, 7. Okt. 1910. Der gestrige Tag war für Herbstein ein Freudentag. Bei herrlichstem Wet­ter, unter der Beteiligung der ganzen Gemeinde wurde das goldene Jubiläum der Schwestern- niederlassung in Herbstein gefeiert Um 8 Uhr fand feierlicher Gottesdienst statt, in welchem Herr Dekan Bayer aus Gießen die Feftpredigt hielt, die den idealen Benis der Schwestern zum Gegenstand hatte. Dann zog man in Prozession zum neuerbauten Schwesternhaus. Dort trug der Kirchengesangverein ein Lied vor und es folgte eine Ansprache unseres Herrn Pfarrers, der einen Rückblick warf auf die 50 Jahre und schilderte, was die Schwestern in der Volks­schule, wo sie bis 1898 tätig waren, in der Kleinkin- derschüle und in der Krankenpflege leisteten — und führte die Gründe an, die den katholischen Kirchen­vorstand bestimmten, ein neues Schwesternhaus zu bauen. Redner dantte allen für die Mithilfe zum Bau und betonte besonders, daß Herbsteins Bewohner mtt dem Bau ein Denkmal der Barmherzigkeit errich­tet hätten, das Herbstein ohne Zweifel Segen bringen müsse. Die Kosten des Baues sind größtenteils aus mllden Beiträgen bestritten worden. Ein Schulmäd­chen schilderte alsdann in poetischer Form die Freude der Bewohnerschaft über das Gelingen des Baues und Kinder aus der Kinderschule trugen in einem heiteren Wechselgespräch vor, wie sie sich nun in ihrer neuen

* Franksurt, 7. Oft. 1910. Der praktische Arzt Dr. Georg Berg wurde heute nach zehn­stündiger Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt Berg hatte an einem Pattenten innere Ausspülungen vorgenommen und dabei den Ansatz einer Spritze infolge Unauf­merksamkeit im Körperinnern zurückgelassen. Das Instrument trat erst nach sk Jahren zutage. — Heute mittag um 12 Uhr wurde die Landes-Obst« und Gartenbauausstellung in der Festhalle eröffnet. — Gestern nachmittag versuchte ein in der Ziehtenstraße wohnhafter Kaufmann seiner Geliebten, einer 20 jährigen Verkäuferin, die Pulsader zu durchschneiden, nachdem sich beide zuvor mitCh10 r 0 « form öl zu vergiften versucht hatten. Die von der Rettungswache angestellten Wiederbelebungs­versuche waren von Erfolg begleitet.

* Offenbach a. M., 7. Oktober 1910. Die Offenbacher Anarchisten, die ihrem Führer Imhof, der durch Selbstmord geendet hatte, daS letzte Geleit geben wollten, kamen zur Beerdigung zu spät. Als sie merkten, daß der Schwager des Imhof, Gastwirt Pfeifer, ihnen hierbei einen Streich gespielt" hatte, begaben sie sich in dessen Wirtschaft und bedrohten ihn, sodaß dieser poli­zeiliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte, die jedoch nicht in Aktion zu treten brauchte, denn die sechs Genossen waren inzwischen verschwunden. Die Polizei teilt mit, daß sie von sich aus nicht die frühere Beerdigung verfügt habe, sondern auf ausdrückliches Ersuchen von Imhofs Schwa­ger, des Gastwirts Pfeifer, der die Polizei daraus aufmerksam machte, daß bestimmt un­liebsame Vorkommnisse am Grabe zu erwarten feien, wenn die Leiche erst um Vil2 beerdigt werde. Pfeifer habe eS übernommen, Imhofs Frau, die übrigens wegen Krankheit nicht an der Beerdigung teilnehmen konnte, zu benachrichtigen. Die Beerdigung sand dann im Beisein des Schwagers und der ältesten Tochter des Ver­storbenen statt. An der Beerdigung selbst hatte die Polizei weiter gar kein Interesse und hielt sich auch völlig vom Friedhof fern. — Ein 24 jähriger Rangierer aus Gelnhausen geriet auf dem Bahnhof unter die Räder eines Wagens. Es wurde ihm ein Arm abgefahren, auch erhielt er sonstige schwere Verletzungen, sodaß er auf dem Wege zum Krankenhause starb.

o Offenbach, 8. Ott. 1910. (Telegr.) Hier veranstalten gestern abend aus Anlaß der Bei­legung des Konfliktes in der deutschen Metall­industrie 2000 Offenbacher Arbeiter einen Demonstrationsumzug durch die Haupt­straßen der Stadt. Später wurde in einer Ver­sammlung im Gewerkschaftshause im Hinblick auf die letzten Vorgänge der Ausbau der Organi­sation gefordert.

* Grünberg (Oderhessen), 6. Okt. 1910. Auf der Nebenbahn Lich-Grünberg wurde heute abend gleich nach 8 Uhr der Gastwirt Chi. Wagner, der mit einem Einspänner aus der Straße die Bahn kreuzte, überfahren. Das Gefährt ging in Trümmer, Wagner wurde schwer verletzt. Der Zug war ohne die vorgeschriebene Vorsichts­maßregeln von der Lokomotive rückwärts über die Straßenkreuzung gedrückt worden.

△ Marburg, 7. Okt. 1910. Die Strafkam­mer verurteilte heute den früheren langjährigen Bürgermeister Ruppert aus Weiershausen im hiesigen Kreise wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 8 Monaten Gesängnis und 350 Jk Geldstrafe. R. war lange Jahre Vor­stand der Spar- und DarlehnS - Kaffe für das Kirchspiel Oberweimar. Trotzdem er in sehr wohlhabenden Verhältniffen lebte und eine Kriegs­rente bezieht, hatte er mittels gefälschter Scheine größere Geldbeträge abgehoben. Der Schaden ist gedeckt. — Ein junger Gutsbesitzers - Sohn aus der Gegend von Ropperhausen, der in eine Ge­sindestube aus „Scherz* dicke Steine geworfen hatte, wurde zu 300 Jfc Geldstrafe verurteilt.

* Witzenhausm, 7.Okt. 1910. Viel Heiterkeit wurde am Morgen im Verhandlungssaal des hiesigen Amtsgerichts dadurch hervorgerufen, daß, als gerade gegen zwei Jagdpächter wegen Jagdvergehens verhandelt wurde, unter den Fenstern des Gerichts­gebäudes eine der bekannten Wanderkapellen das

gegeben und ihre Forderungen entschieden vertreten, statt die Baffermanniade geschehen zu lassen?

+ Die fortgeschrittenen Frauen gegen den Kaiser. Auf der General-Versammlung des „Bundes deutscher Frauen-Vereine" in Heidelberg forderte Fräul. Lischnewska zu einem Protest gegen die Königsberger Kaiserrede auf, die den Frauen zu Unrecht die Beteiligung am politischen Leben einschränken wolle. Trotzdem Fräul. Müller als Vertreterin des deutsch-evangelischen Frauenbundes dringend vor einem solchen Vorgehen warnte, wurde nach lebhafter Debatte beschlossen, der Vor­stand möge eine Protest - Resolution gegen die Königsberger Rede versassen. — Wenn eine von den „fortgeschrittenen* Damen behauptete, die deutschen Frauen protestierten gegen die Kaiser­rede, so beweist dies nur, daß sie nicht legitimiert ist, für die deutschen Frauen zu sprechen. Die wirklichen deutschen Frauen danken dem Kaiser sür seine Worte und lehnen eine Einmischung in die Politik, wie es Fräul. Lischnewska und ihre Freundinnen betreiben, als ungesund, unnatürlich und darum auch vor allem als unweiblich ab.

)( Prügelstrafe in den Kolonien. Nach einer Verordnung des Reichskanzlers über die Disziplinar- verhältnisse der Schwarzen in der Schutztruppe kom­men gegenüber diesen Schwarzen noch Prügel, und zwar 25—50 Stockhiebe zur Anwendung:

„Die Vollstreckung der Prügelstrafe erfolgt gemäß der Verfügung des Reichskanzlers vom 22, April 1896 unter Ausschluß der Oeffenttichkeit möglichst an einem den Blicken Unbefugter entzogenen Orte vor der Truppe in Gegenwart des Kompagnie- ober Abteilungsführers. Die Prügelstrafe wird mit der vorgeschriebenen Peitsche vollstreckt. Vor der Vollstreckung ist der zu Bestrafende auf seinen lörperlichen Zustand zu untersuchen, wenn angängig durch einen Sanitätsoffizier oder Unteroffizier, der auch der Strafvollstreckung betzuwohnen und die Pflicht Hal, gegen die Vollstreckung oder den weiteren Vollzug der Prügelstrafe Einspruch zu erheben, salls der Gesundheitszustand des Bestraften dies geboten er­scheinen läßt. Diese Verpflichtung geht auf ben bie Vollstreckung Leitenber über, salls feine Sauitälsperson zugegen ist."

X Die letzten Eingebormenunnthen in Deutsch- Südwestasrifa haben sür die aufrührerischen Koffern einen bösen Ausgang gehabt. Auf ihrer Seite sind 18 Leute getötet worden und anßerbem würben 10 Eingeborene verwundet. Auf deutscher Seite wurde niemand gelötet. — Die bei dem Umbau der alten „Eselsbahn" von Karibib nach Windhuf be­schäftigten Transvaalfaffern tonnten ruhig größeres Interesse bei der Reichsverwaltung finden. Was verschiedentlich über das Schicksal, das ihrer dort harrt, durchgesickert ist, läßt solche Unruhen nicht verwunderlich erscheinen.

d* München, 7. Oft. 1910. In einer Zentrums­versammlung erklärte der bisherige Reichslagsabg. Freiherr v. P f e t t e n, daß er bei der nächsten Reichs­tagswahl nicht mehr tandidieren werde. Für das. Mandat ist, wie man annimmt, der Landtagsabg. Held ausersehen.

Ausland.

* Eine Protestversammlung gegen Kaiser Wilhelm wird die sozialdemokratische Vereinigung von Brüssel und Umgebung am Vorabend der An­kunft des Kaisers in Brüssel veranstalten, um sich solidarisch mit den deutschen Genossen zu erklären, die einen „berechtigten Kampf gegen den Autokratis- mus des Kaisers" führten. Außerdem würbe be«

großen Tage von Kassel ist «-

Wirnchafls- unb Sozialpolitik uberauS durst g. Für den politischen Sinn ber Festgenoffni, unb baju noch vorwiegend Gebildeter, ist es jebenfalls bezeichnend, daß feit anderthalb Jahren „liberale Gedanken und Prinzipien", die Unfehlbarkeit der, Parteipäpste und Eelbstberäucherung genügen, um Stürme von Begeiste­rung zu entfesseln. Wir dachten dabei an das Wort eines alten Nationalliberalen aus der guten alten Zett, Dr. Hamachers: „Mit einem gut gewählten Schlagwort schlägt man viel Vernunft nie­der." Viele hunderttausend vernünftige Deutsche nrollen Schluß des Krafehls über Finanz- teform, ber praktisch ganz zwecklos ist unv nur zu Parteizwecken weiter geschürt wird. Sie hatten die Erledigung von Tages- unb Zukmists« fragen für wichtiger unb glauben, baß basür nicht bie Einigkeit einer Partei genügt, sonbern der Zufammen- kckluß aller bürgerlich en Par leien. Die großen tz-aae von Staffel haben in dieser Hinsicht schwer ent« läufst unb ein „Programm bet Programmlosigkeit", Lie treffenb gesagt worben ist, hinterlassen, das die traurige Zerfahrenheit im Deutschen Reich nur noch permehren muß.

Auf dem Parteitage waren aber doch auch 33er« des industriellen Westens. Warum haben Mse nicht dort gleich ihrer Enttäuschung Ausdruck

Deutsches Reich.

♦* Berlin, 7. Okt. 1910. Der Dortmunder Oberbürgermeister Schmieding, Mitglied des Herrenhauses und des preußischen Abgeordneten« Hauses, hervorragendes Mitglied der nationaüibe« raten Partei, ist am Freitag gestorben.

s. Die VerficherungSfommissiou des Reichstags lehnte gestern einen Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze ab und beriet dann den § 1243, der von der Witwenrente handelt. Anspruch daraus hat die dauernd invalide Witwe nach dem Tode ihres versicherten Mannes. Als invalide gilt dabei die Witwe, die nicht imstande ist, durch eine Tätig­keit, die ihren Kräften und Fähigkeiten entspricht, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Frauen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Von den Sozialdemokraten wurde beantragt, in diesem Paragraphen die Worte „bauernd invalide" zu streichen. Ein Zentrums­abgeordneter bedauerte, daß nach Sage der Dinge im wesentlichen über die Vorlage hinaus nicht ge­gangen werden könne. Gegenüber Angriffen auf die lex Trimborn sagte er, ohne diese säße jetzt die Kommission nicht zusammen, um über die Reform der Arbeiterversicherung zu beraten. Auf eine Aeußerung eines Konservativen erklärte Staats­sekretär Delbrück, daß die Verbündeten Regierungen sehr sorgfältig die Kostensrage geprüft hätten und sich deshalb auch gegen eine über die Vorlage hmausgehende Belastung zur Wehr setzten. Jedes Staats- und Gemeinwesen habe seine Ausgaben in Einklang zu bringen mit seiner Leistungsfähigkeit. Alle Wünsche zu befriedigen, auch die aus dem Ge­biete der Sozialpolitik, wäre einfach nicht möglich Die jetzige Vorlage bringe dem Reiche eine Mehr­ausgabe von 27 Millionen Mark, in der Gesamt­heit eine solche von 126 Millionen Mark. Kein Land ber Welt habe eine solche dis in die Einzel­heiten durchgeführte Arbeiter-Versicherung. Die Leistungen derselben hätten dis 1907 den Betrag von 8 Milliarden Mark überstiegen. Hierauf wurden die gestellten Anträge abgelehnt und der § 1243 unverändert angenommen. Vom Zentrum würbe ein § 1247 a beantragt, nach welchem den Wilwen unb Waisen rückwirkend vom 1. Januar 1910 ab die Rente gewährt werden soll. Direktor Caspar: Die bisher angesammelten Gelder finb zur Förderung einer Waisenversorgung bestimmt. Die Frage soll bis zum Einführungsgesetz zurückgestellt werten. Dem wurde entsprochen.

* „Bor Einigkeit sprachlos* war man auf dem Kasseler Delegiertentag, in der vorhergehenden Sitzung des Zentralvorstandes scheint man nicht so sprachlos gewesen zu fein. Die nationalliberale ,Dort. Ztg/ erzählt nämlich, daß in dieser Sitzung ein Vertrauensvotum für Baffermann bean­tragt war, daß aber die Westfalen erklärten, sich angesichts der der Parteileitung zur Last gelegten vielen Wahlmißerfolge sich bei diesem Anträge der Abstimmung enthalten zu muffen. Daraus wurde der Antrag zurückgezogen, was das Blatt als „Etage Resignation" rühmt. Da der politische Redatteur der ,Dort. Ztg/ aus dem Parteitage als Delegierter anwesend war, so wird die Richtigkeit seiner Atttteiluug wohl nicht angefochten werden können.

— Unsere Industrie über de» Kasseler Parteitag. Unter dieser Spitzmarke teilt die,Rhemlsch-Wests. ßtg/ eine Zuschrift „aus sehr geschätzten inbustriellen Kreisen" nut, die an den Ergebnissen des national« 1 schlossen, ein Manifest zu verbreiten, das über liberalen Parteitages vom großindustriellen, genauer diesen Kampf und seine Bedingungen Aufschluß gibt, vielleicht etwa vom Kirdorsschen Standpunkt scharfe ri <

Kritik übt:

Die Beranstattungen der Nattonalliberaken uber- bie&thungen ber PaUei^m^Kassellei bei? Höhepunkt I * Die Einigung in der Werft » Industrie, erreicht worben: „ber nalionalliderale Gebanke ist groß Die Vertreter der Wekst-Arbeiter haben, wie aus unb Baffermann ist l^drophett"^ Aber vergebens ^Hamburg berichtet wird, den gemeldeten Eini- rebfamkeit etwas Faßbares hnauszufifchen: Vom reich- zungs. Bedingungen zugestimmt unter dem Vor- aebecklen Tisch sür alle Berufsstänbe fiel für bie Groß- behalt, daß, um einen dauernden Frieden aus inbuslrie nur ein spärlicher Brocken, bie »ft gehörte den Werften zu gewährleisten, die weiteren Ver- Beschwichtigungsphrase, »führenbe Zemente m bie Handlungen örtlicher Dlfferenz-Punkte in örtlichen, KT« £ ab“ Ster ihr?Manbale freunblichst zur paritätisch zusammengesetzten Kommissionen drin- Verküouna stellen. Wirb vor allem Herr Baffermann gend geboten seien. Die Versammlungen der flinschönes Wort wahr hatten, sich bei ben „Inbuslrie-1 Werft - Arbeiter selbst, die die Beschlüsse ihrer lapiiäuen, deren Rat n gebraucht Rich IN! für Vertreter sanktionieren sollen, finden in Hamburg

S-----7-------

Reichsversicherungsnovelle, zu den Arbeitskammern rc. EOfölCS.

Suida, den 8. Ctiob.r 1910.

gx06en Tage von Kassel ist in Bezug auf.aktuelle Anlaß ferner Pensionierung am 1. Oktober »er« ...... " *■ ’ r liehen worden.