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Zeitung

fuldaer

der deutsche Dampfer „Kap Bianco*, der mit einer großen Lelefunkenstatton ausgerüstet ist, in den Hafen von Lissabon ein. Dieser Dampfer wurde dann als Xckegraphenstation benützt. ES gelang der Telefunkenstation sofort, mit der bet Marseille gelegenen Funkenstation ,©t. Marie de la Mer in Verbindung zu treten. Von dort auS wurde die Nach­richt per Draht nach den einzelnen Ländern weiterge­geben. Die Entfemung zwischen der Telefunkmsta- üon „Kap Blanco" und „St. Marie de la Mer* be­trägt "ca. 1200 Kilometer. Der Weg geht über das gebirgige Spanien hinweg. Auf diesem Wege sind fast alle zuerst in der Presse erschienenen Telegramme ins Ausland gelangt. Es handelt sich hier um eine groß­artige technische Leistung des Telefunkensystems.

* Eine Luftfahrordnung für Paris hat der Poli- zeipräfekt im Interesse der öffentlichen Sicherheit ausarbeiten lasten. Die Landung von Luftfahrzeugen in Paris und den Ortschaften des Seine-Departements ist verboten. Die Luftfahrzeuge müssen über Paris und das Gebiet des Seine-Departements in einer sol­chen Höhe fliegen, daß sie tijre Landungen außerhalb der Ortschaften bewerkstelligen können.

* Ein Millionär starb im Armenhaus in Triest Es war ein Albanese. Bei der Durchsuchung seiner Habseligkeiten fand man Wertpapiere und Bankdepots von über einer Million Kronen. Der Verstorbene hatte das Vermögen in Aegypten vor der Besetzung durch die Engländer erworben.

* Elf Personen ermordet wurden in Minko- wizy bei Kiew. Zwei aus 11 Personen bestehende Bauernfamilien wurden Werfällen, auf bestialische Weise ermordet und beraubt. Die Täter sind noch nicht ermittelt.

allzu arg Wer „Rom* geschimpft worden ist, sodaß ein Dämpfer unbedingt nötig war.

vermischtes.

* Ein schweres Automobilunglück ereignete sich bei Sch neide mühl. Das Automobil rannte in

den Keller schädlich, wie man überhaupt vor allem darauf zu achten hat, daß es trocken in den Keller kommt. Die Wrrrzelgemüse müssen in reinen Sand eingeschlagen werden. Grünkohl und Schwarzwur­zeln lassen sich an Ort und Stelle im Boden überwin- tem. Alle abgeräumten Gemüsebeete sind möglichst tief umzugraben, damit der Frost ordentlich eindrin­gen kann. Auf den Spargelbeeten sind die gelb ge- wordenm Stauden handbreit über der Erde abzu­schneiden und dann zu entfernen. Spargelbeete sind hierauf von Unkraut zu reinigen und mit gutem Dün­ger hoch zu belegen.

Im Blumengarten werden Georginen, Gla­diolen und Canna aus der Erde genommen und abge- ttocknet. Dann kommen sie in einen frostfreien Raum. Rosen werden gegen Ende des Monats zur Erde gebracht und die Krone mit Erde bedeckt. Leere Beete »erben mit Hyazinthen, Tulpen und Krokus be­pflanzt, läßt sie leicht einfrieren und bedeckt sie dann mit einer Laubschicht, die man durch eine Schicht von Tannenreisig vor dem Sturm schützt.

Bei Kindern zeigt sich das Schlucken zwar das ganze Jahr über, besonders häufig aber in der Uebergangszett vom Sommer zum Winter. Die Kin­der sagen dann, es denke jemand an sie. Solch' Schlucken hat zwar gesundheitlich meist nichts zu be­deuten und ist im allgemeinen unschädlich, — es rührt von einem Krampf des Zwerchfellmuskels her, — aber da es lästtg ist, sind hier ein paar Mittel ange­geben, die schnell das Schlucken beseitigen. Man nehme einen halben Teelöffel Streuzucker, der mit Essig angefeuchtet ist. Ein anderes Mittel besteht darin, daß man sich beide Gehörgänge mit den Fin­gern zustopft und ans einem Glase Wasser, das ein anderer bann an ben Mund des mit Schlucken behaf­teten vorhalten muß, trinkt.

Mütter sind davor zu warum, Kindern, besonders Mädchen, bei denen ja das schöne Haar eine wichtige Rolle spielt, im Herbst und Winter zu oft die Kopf­haut zu waschen, da dies den Haarwuchs beeinträch­tigt. Auch stacke Schinnenbildungen geben zu häu­figem Waschen keinen Anlaß, da diese keineswegs auf Unsauberkeit ober Krankheit bet Kopfhaut schließen lassen. Besonders ist vor dem Waschen mit kaltem Wasser zu warnen. Vielmehr ist der Kopf mit Bay- rum zu waschen und dann mit lauem Seifen waffer zu behandeln.

Deutsches Reich.

* Feine Herren, diese Sozi! In einer Versamm­lung des Süddeutschen Eifenbahnerverhandes am letz- ten Sonntag in Muruau rief der Abg. Roßhaupter einem alten Eisenbahnarbeiter, der sich Zwischmrufe erlaubte, zu: „Wenn Sie Ihr Maul nicht halten, dann nchme ich Sie bei ben Ohren und werfe Sie hinaus!' Ein Mitglied des Bayerifchm Eismbahner- vetbandeS rief dem „gebildeten* Sozi-Abgeordneten zu: „Das ist eine Schande für einen Abgeordneten, Einem" mit dem Obrennehmen zu drohen!* Ein Mit­glied des Bayerischen Eifenbahnerverbandes wurde von einem roten Versammlungsteilnehmer „Christlicher Sauhund* beschimpft. Die Herrm „Genossen* zeigen dadurch, auf welch hoher Stufe von Kultur und Bil­dung sie stehen. Ganz wie in Magdeburg!

)( Mit der Fleischteuerung wird sich demnächst der deutsche Städtetag beschäftigen, nachdem von vie- lm Gemeindm der Wunsch laut gewordm war, daß eine gemeinsame Kundgebung für Erleichterungen in bet Fleischversorgung der Städte erfolgen möge, wurde zu hmte eine Vorstandssitzung des Deutschen Stadte- tages einberufen, in der die Vorfragen zur Verhand­lung der Fleischteuerung auf dem denmachsttgen Städtetage erledigt werdm sollten.

)( Was geht bei ben Polen vor? So muß man immer wieder fragen. Abg. Szurnan hat fein Mandat niedergelegt, und jetzt heißt es, Napieralski, der Führer der oberschlesischm Polen, werde nicht wieder kandidierm, und für ihn solle in Kattowitz der „Zen- tralvorsitzmde* der polnischm Berufsvereinigung in Bochum, der radikale Pole Susinski gewählt werden. Das würde ja auf der ganzen Linie ein Vordringen der Demokratie bedeuten.

* Aus Braunschweig ist auch einmal zur Abwech­selung etwas Löbliches zu berichten. Das braun­schweigische evangelische Konsistorium hat, wie die „Braunschw. N. Nacht.* melden, an die sämtlichen Schuldirektionen und geistlichen Schulinspektionen des Landes folgende Verfügung eriaffen: „In Anbetracht bet stacken Vermehrung bet katholischen Bevölkerung im Herzogtum und des damit verbundenen großen ZudrangeS schulpflichtiger katholischer Kinder zu den Gemeinbeschulen des Landes, wird im Interesse des konfessionellen Friedens seitens der Herzog!. StaatS- regietung großer Wert darauf gelegt, daß bei dem Unterricht in den Gemeindeschulen jede Verletz­ung der religiösen Gefühle bet katholischen Schulkinder vermieden werde. Sie wollen daher für ben Fall, daß katholische Kinber die Ihnen unter­stellte Schule bezw. Schulen besuchen sollten, die daran beschäftigten Lehrer und Lehrerinnm auf die Beobach­tung bet In dieser Beziehung gebotenen Vorsicht aus­drücklich Hinweisen, zugleich aber daneben bemerken, daß beim Unterrichte der Wahrheit des luchetischen Be­kenntnisses nichts dürfe vergeben werden.' — Evang. Bundesblättet bekommen es natürlich schon mit der Angst zu tun, die braunschweigische Regierung könne ben Katholiken zu weit entgegenkommen. Wit wissen nicht, was bie braunschweigische Regierung zu bet Verfügung veranlaßt hat, aber nach allem, was man bisher von ihrem „Wohlwollen" gegen die Ka­tholiken erfahren hat, muß sie schon recht triftige Gründe gehabt haben, sonst hätte sie den Katholi­ken diese Rücksichtnahme nicht angedechen lassen; mög­lich, daß aus Anlaß der Botromäus-Enzyklika in den evangelischen Schulen mit katholischen Schülern doch

M 230.

Freitag des 7. Oktober 1910.

57. Jahrgang.

einer Kurve gegen einen der dort ausgelegten Au» gleichsteine und schlug um. Der Besitzer 'md sein' Frau erlitten schwere Verletzungen. Es ift wenig Hoff­nung, sie am Leben zu erhalten. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert.

* Hochzeitsfahrten im Strassenbahnwagen bürgern sich neuerdings in G t o ß-B erlt n ein. Dori, wo die Kirchen in unmittelbarer Nähe einer Straßenbahn­haltestelle gelegen sind, ist das ohne Schwiengkeiten dutchzufühten. Nachdem der feierliche Aki in der Kirche vorüber ist, besteigt die gesamte Hochzeitsge- sellschast, voran das Brautpaar, den „bestellten Wa- gett, der in beschleunigtem Tempo die festlich geklerdeten Fahrgäste nach einem Festlokal führt.

; Im Zusammenhang mit der Affäre des Prinzen von Braganza ist in Berlin auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft in Wien der Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Albert Eder verhaftet worden. Di« Verhaftunq Eders hängt zusammen mtt den Wechselschiebereien und Betrügereien, wodurch einige internationale Gauner in den letzten Jahren dem Prinzen von Braganza Millionen abgetnöpft haben. Dr. Eder soll den Prinzen um drei Millionen Krone» übervorteilt haben. Zudem siA er ei Auf- steüung seiner Riesenrechnung sich gefäJdjter Belege bedient haben. - Dr. Eder ist ein in Wien sehr bekannter Mann. Ende der neunziger Jahre war er Beamter der Nordbahn. Später beendete er seine Studien und wurde Advokat. Er geriet jedoch auf Abwege und wurde von der Advokatenkammer vom Amte suspendiert. Nun etablierte er sich als Geld­vermittler größten Stils. So kam er auch unt dem Prinzen von Braganza in Verbindung, dessen Rame ihm die Gründung großer aber finanziell schlecht fundierter industrieller Unternehmungen gestattete, so der Tustanovitzer Petroleumgruben und emer Holzindustriegesellschaft im Kaukasus. Aus, diesen Geschäften entstanden für den Prinzen Verbindlich­keiten, die sich auf Millionen beziffern.

* Der Tapferkeit besseren Teil erwählt hat der sozialdemokratische Redakteur der „Volksmacht* tn Breslau, Albert, gegen den letzthin von der Straf- kammer wegen der Biewald-Geschichte 4 Monate Gefängnis verhängt worden waren. Einige Monate Gefängnis hatte et in einem früheren Prozeß er» hallen und eine Anzahl von Prozessen schwebte gegen ihn, so daß er feine Gesamtstrafe nach Jahren berechnen mußte. Bei einem Prozeß, der am Drens- tag wegen Beleidigung der Richter der Bonner Strafkammer anhängig gemacht worden war, war Albert nicht erschienen. Es stellt sich nun heraus, vaß er ins Ausland geflüchtet ist. Die Abreise hat er seinen Redaktionskollegen durch em Schreiben ■ begründet, in dem er erklärt, daß er auf die Dauer : den Prozeß-Strapazen nicht gewachsen sein werde, i Seine bisherigen Richter böten ihm keine Gewähr : einer unparteilichen Rechtsprechung, weshalb er vor : der Hand in einem Sanatorium wieder normale Verhältnisse abzuwarten gedenke. Er halte sich an i „geborgener Stelle* jederzeit übet seine Prozesse auf ; dem Laufenden und werde durch seine Verteidiget - weiterhin die Revision der gegen ihn ergangenen : Urteile betreiben lassen.

sich in die Ackerfurchen und bleiben dock, da die Farbe ihres natürlichen Kleides von der Erde nicht sonder­lich absticht, auch am sichersten. Indessen naht die Hirschbrunst Mitte Oktober ihrem Ende. Gelt- und Schmaltiere des Rot- und Dammwildes können ge­schossen werden von diesem Zeitpunkt an. Die Reh- 65tfe haben sich wieder erholt. Die Hasenjagd be­ginnt im vollen Umfange, daneben ist auch noch die Jagd auf Fasanen, Rebhühnern, Wildenten und Bekassinen im Gange. Die allgemeinen Treibjagden beginnen. Der Dachs ist feist und wird geschossen oder gegraben. Die Fangplätze für Füchse werden in Stand gesetzt. Auch hat der Zug der Raubvögel bereits begonnen, weshalb die Krähenhütten zu sre- quentieren sind.

Der Imker hat die Bienenstöcke vor kalter Zug­luft zu schützen, indem er vor den Fluglöchern kleine Brettchen oder Pappstöckchen als Blenden anbringt. Bei völlig eröffnetem Flugloch hat er für Warmyal- tung der ©täde zu sorgen Auch vor Mäusen und anderen schädlichen Tieren hat er seine Bienenhäuser zu schützen.

Im Obstgarten hat, wie schon eingangs er­wähnt, die Ernte des Obstes chren Abschluß jetzt zu finden. Die rauhe Rinde der Obstbäume muß abge­kratzt und der Stamm mit Kalkmilch bestrichen wer­den, dem etwas Ruß beizumengen ist. Gegen Mitte des Oktobers tritt der Frostschmetterling auf, gegen den man stch schützen muß, da die Weibchen desselben an den Fruchtknospen ihre Eier legen, aus denen sich im Frühling die schädlichen Spannerräupchen ent­wickeln. Jedes Weibchen kann 300 Eier legen, wes­halb die Gefahr keine geringe ist. Man schützt sich, indem man Anfang Oktober schon die Baumstämme mit einem Gürtel aus stackem Papier umgibt, der dick mtt Raupenleim bestrichen ist. Auch kann man statt des Raupenleims Teer nehmen, doch muß der Teeranstrich öfter erneuert werben. Bei Herbstpflan­zungen der Obstbäume muß man vor allem auf war­men und lockeren Boden halten.

Im Gemüsegarten erntet man die Kohl­arten erst nach Eintritt der ersten kalten Nächte, well die Herbstkühle dem Wachstum der meisten förderlich, dem der andern mindestens nicht schädlich ist. Auch ist der Tau, der bei früherer Ernte stch zwischen den Kohlblättern hält, beim Einbringen des Gemüses in

2. Blatt.

HM und Verlag der zuldaer Actiendruckerck in Znida.

richttg. ____

Aus dem Nachbargebiele.

» Wenigentaft, 6. Okt. 1910. Wie verlautet, soll in der Nähe unseres Ortes auf preußischem Gebiet eine Soda- und Ammoniaksoda-Fabrik er­richtet werden.

* Dreihausen, 4. Okt. 1910. Am Sonntag abend wurde in der Nahe unseres Ortes ein großer Stroh- Haufen durch Feuer vernichtet. Man vermutet bös­willige Brandstiftung.

* Hochheim, 6. Okt. 1910. Ein weißer Hase wurde in der hiesigen Gemarkung wiederholt gesehen. Vor etlichen Jahren wurde bei einer Treibjagd in Wicker ebenfalls ein weißer Feldhase geschossen.

* Gernrode (Thür ), 3. Okt. 1910. Ein in Gesell­schaft mehrerer Personen spazierender junger Mann wurde im Walde von einem Hirsch angesal- len, zu Boden geworfen und böse zugerichtet. Erst als ein dazukommender Soldat dem toütenben Tier mit seinem Seitengewehr zu Leibe ging, ließ dieses von seinem Opfer ab.

* Montabaur, 3. Okt. 1910. Der Kultusminister hat der Lehrerin Rosa M. Th B r i e l aus Anlaß ihres Uebertritts in den Ruhestand das Andachtsbuch „Nachfolge Christi von Thomas von Kempen mit Führichs Illustrationen" in Anerkennung ihrer langjährigen erfolgreichen Wirksamkeit geschenkt.

-- Schmalkalden, 4. Okt. 1910. Im benachbarten Ort: Mittelstille brannte die gefüllte Scheune des Landwirts Lieblang nieder. Die beiden 7- und 3- jädrigen Jungen des Landwirts hatten in der Scheune mit Zündhölzern gespielt und so den Brand vemrsacht.

* Worms, 5. Okt. 1910. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Höhens Ülzen ha­ben einen Vertrag vollzogen, wonach die Simultan­kirche dieses Ortes von den Evangelischen in Besitz genommen wird. Die Katholiken werden sich eine neue Kirche erbauen.

* Biebrich, 5. Okt. 1910. Mit einem Mühlstein am Halse sprang gestern ein Unbekannter in den Rhein. Seine Leiche konnte noch nicht gesunden werden.

* Caub, 6. Ott. 1910. An der Loreley wurde ein 2 a ä) 8 im Gewicht von 11 Pfund gefangen. Da das Pfund 3 Mack kostet, hat der Fisch einen Wert von 33 Mack.

volkwirtschaMches unb Soziales.

. Aus Nassau, 5. Ott. 1910. Die Vereinigung der Schreinermeister in Ems richtete Wi$ ai ine Emser Ztg' eine Mitteilung über das Ergebnis einer Submission, bei der Preisunterschiede von rund 35 Prozent zwischen dem Höchst- unb Mindestgebot zu verzeichnen waren. Die Schreiner-Vereinigung bemeckt dazu: „Angesichts solcher Ergebnisse muß man sich immer wieder die Frage üorlegen: zisas nutzen alle Vorträge und Belehrungen über Kalku­lation, wenn solche Angebote blindlings, ohne genaue Kostenberechnung abgegeben werben, und wann wird die Zeit kommen, wo mit dem System, daß der bil­ligste die Arbell erhält, gebrochen wird? Erst dann wird Besserung in das Submissions-Ver­fahren kommen. Wie viel EMenzen gehen durch dieses unglückselige Verfahren zu Grunde und wie viel Staatsvermögen geht dadurch ver­loren! Und weiter muß man sich die Frage stellen: Wann werden die Handwecker endlich so vernünftig werden bei den immer steigenden Löhnen und Lebens- bedürfn'issm sich eng zusammenzuschließen und gemein­schaftlich reelle Preisberechnungm aufzustellen, zum Nutzen des Bestellers und der Handwerkers? — Sehr

Die Revolution in Portugal.

Di- poriugiefische Kömgsfamilie stammt nach der j Mannessiite von dem deuischen Hause Sachs en - Koburg, mit der alten einheimischen Dhnastte Bra- ganz« sst es nur durch die 1853 9*or6ene SSnlgm Maria da Gloria verbunden. M a r t a b a & I o r i a wurde 1826, erst sechsjährig, Königm; rhr Vater Dom Peter L, Kaiser von Brasilien, setzte sie damals nach dem Tode seines Vetters, de, Königs Johm- nes VI auf den Thron, well er nicht zugleich die Herrschaft in Portugal und in den anlerikanlschen Be­sitzungen führen konnte. Maria da Gloria vermahlte sich später mit dem Prinzen 8 "d in and von Sachs en-K obu r g unb wurde dadurch zur Stammutter des Hauses Koburg-Braganza. Die Königin starb 1853, nachdem sie für ihren minderjäh­rigen Sohn Pedro V. noch mehrere Jahre die Herr­schaft geführt hatte. Dieser vermählte sich mtt der schönen Prinzessin Stephanie von Hohenzollem. Schon nach dreizehn Monaten glücklichster Ehe wurde ihm die Gattin entrissen, und nun hauste der Tod in erschreckender Weise in der Königsfamilie. I" sieben Wochen starb 1861 der König selbst, feine Bruder c>obann und Ferdinand, wie vielfach angenommen wurde, an Gift. Ein Bruder, Prinz Ludwig, der seine Schwester, die Jnfantm Antonia, die dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern vermählt worden war, nach Deutschland begleitet hatte, entging mit dieser dem Schicksal seiner Geschwister. Er bestieg als Lud­wig I. den Thron. Als Lebensaufgabe hatte er sich die wirtschaftliche Hebung des Landes gestellt und er­folgreich daran gearbeitet. Seine Pläne wurden oft gestört durch den Hader der Parteien. 1870 mußte es der König erleben, daß der 79jährige Feldmarschall und Kriegsminister Herzog von Saldanha mit sechs Bataillonen in den Palast drang und ihn zwang, das Ministerium zu entlassen. Wahrscheinlich wurde der Staatsstreich nur ausgeführt, um dem verschuldeten Saldanha die Staatskassen in die Hand zu bringen Ludwig I. regierte bis 1889 und sein Nachfolger wurde D o m C a r l o s I., der am 1. Februar 1908 zusammen mit seinem ältesten Sohn Dom Felipe einem Attentat zum Opfer fiel. Dom Carlos' zweiter Sohn, Ma­nuel, kam alsdann zur Regierung, der neben seinem Oheim, dem Herzog Miquel von Oporto, der ein­zige noch lebende Sproß des Hauses Koburg-Braganza ift. Als seine nächsten Anverwandten leben noch seine Mutter, die Königin-Mutter Amalie aus dem Hause Bourbon und seine Großmutter Maria Pia, eine Tochter Viktor Emanuels.

Portugals Heer und Flotte. Die Friedensbestände des portugiesischen Heeres zählen nur 36 000 Mann, die Kriegsstarke beläuft sich auf 260'300 Mann. Die Marine umfaßt einschließlich der kleinsten Torpedo­boote nur 12 Schiffe. Sie hat oft gemeutert und hielt auch jetzt zu den Republikanern. In den Kolonien hat Portugal insgesamt eine Truppenmacht von 401 Offi­zieren und rund 13 000 Mann stehen. Im Jahre 1907 kamen in Portugal insgesamt 16 900 Rekruten zur Einstellung. Das Bemerkenswerteste an der portugie­sischen Armee ist, daß zwei Drittel aller Offiziere aus den Reihen der Mannschaften hervorgehen. Nur ein Drittel der Offiziere entflammt höheren Schulen. Eine Wahl zum Offizier findet nicht statt. Daß in einem berartigen Heere die Disziplin nur locker ist und die Haltung der Mannschaften viel zu wünschen übrig läßt, ist klar. Von besonderer Achtling der Mann­schaften vor ihren Vorgesetzten ist nur wenig zu be­merken. Das Volk jubelt bei jeder Gelegenheit dem Militär zu, und dieses stellt sich in erregten Zetten stets auf die Sette der breiten Volksmassen. Häufig konnte man in den Straßen von Lissabon sehen, daß Passan­ten beim Vorüberfahren des Königs es nicht der Mühe für wert halten, die Mütze oder den Hut vom Kopf zu nehmen; niemals werden sie es aber versäumen, ehr­furchtsvoll eine Militärabteilung zu grüßen, die mit entfalteter Fahne vorüberzieht.

Die Revolution unb die Telefunken. Eine sehr interessante und wichtige Rolle hat das neue Tele- funkenshstem bei dem Ausbruch der Revolutton ge­spielt. Die Revolutionäre hatten vorsorglich alle tele­graphischen Verbindungen mit dem Auslande unter- brochm, damit die Nachrichten nicht zu frühzeitig nach außerhalb gelangen sollten. Am Dienstag abend lief

wird, ohne daß es warm ist, oftmals nur an den schlechten Oefen.

Wird mtt dem Heizen begonnen, so ist auch die Gefahr der Erkältungen um so größer, die der Oktober wieder in reichlicher Fülle bringt. Die Ge­fahr wird vermindert, wenn mit der äußerlichen Er­wärmung eine innerliche Hand in Hand geht. Die beste Erwärmung ist körperliche Bewegung. Je we­niger die Natur es gestattet, daß Alt und Jung sich im Freien bewegen, — so lang es irgend geht, soll man freilich fleißig tüchtige Spaziergänge machen, — muß an die Stelle dieser Bewegung das Turnen tre­ten, vor allem die Freiübung, die jeder zu Hause mit Frau und Kind vornehmen kann. Eine Viertelstunde morgens, mittags vor Tisch unb abends vor dem Schlafengehen ist für die Gesundheit vortrefflich unb jedermann bestens zu empfehlen. Aber auch hier ist vor Uebertreibung zu warnen.

Gleichwohl wird man sich nicht immer vor H ust e n und Halsbeschwerden hüten können, und daher sei hier ein gutes Hausmittel gegen solche Keinen Leiden mttgetdtt. Man koche in einem halben Liter Wasser eine gute Prise Salbeiblätter ab und tue etwa vier bis fünf Eßlöffel Essig hinein. Davon nehme man halbstündlich einen halben Teelöffel ein. Mehr als je aber muß man in dieser Jahreszeit darauf achten, nur durch die Nase zu atmen.

Die beginnende Zeit geselligen Lebens findet die Tafel des Hauses reich gedeckt, denn der Ok­tober bietet unS eine Fülle guter Genüsse. Vor allem steht die Gans im Mittelpunkt des kulinarischen Lebens. Hummern haben ihre beste Zett jetzt, unb bon Fischen find Aale, Forellen, Hechte, Karpfen be­sonders gut Dazu kommen an Seefischen Steinbutt, Schellfisch, Dorsch und Cabliau in Mengen.

Schlechter bestellt ist eS freilich mit den Gemüsen: Me jungen Gemüse werden knapp, dagegen sind die verschiedenen Kohlacken wohl für den Familientisch doch in großer Abwechselung vorhanden.

In mancherlei Beziehung ist die Jagd im Ok­tober wieder ergiebiger. Zum großen Aerger de» JägerS „halten' fteilich die Hühner nicht mehr, d. h. sie lassen ihn im Bewußtsein ihres Ungedecktseins nicht mehr an sich herankommen, so daß ein glücklicher Schuß immer schwerer wird. Huhn und Hase drücken

Praktische Ratschläge für Oktober.

Von Joh. Bartels.

(Nachdruck verboten.)

Der Oktober ist nach alter Erfahrung wetterkun­diger Landleute bie 28 c 11 e r p r o b e für ben Win­ter und Frühling. Zahlreiche Bauemsprüche weifen darauf hin. Warmer Oktober soll einen sehr kalten Winter bringen; früher Oktoberftost oder Schnee brmat dagegen gelinde Winterwittenmg. ®rbt es aber gar Gewitter im Oktober, so weissagen die Landleute daraus, daß der Winter sehr unbeständig fei und auch schon der März Gewitter bringen wurde. Ein besonderer „Lostag* ift der Sankt Gallus, der 16 Oftober. Von ihm heißt es, daß et den ersten Schnee bringe, weshalb man gut tue, nach diesem g-aae das Vieh nicht mehr aus dem stalle zu lassen. Rattirlich haben sich die Wettermächte längst von sol­chen festen Terminen emmrzipieri, aber deshalb bleibt doch die Wahrheit bestehen, daß, wenn der Oktob« nicht besonders fteundlich ist, es mcht gut sei, das Vieh auf die Weibe zu treiben.

Dieser Sankt Gallus ist denn auch in der Land­wirtschaft der Termin, ba alles geerntet fein mufj. „Am Sankt Gallen-Tag muß jeder Apfel in seinen Sack* ober auch: „Sankt Galles schafft Herrn alles! Indessen scheint es wohl geraten weniger auf den Termin, als auf das 28etter selbst ö" uchten und wenn es fein muß, schon früher das Obst vor Frost zu bewahren.

Ebenso aber soll man im Hause nicht warten, bis unfteundliche Witterung da ist, jich's gemütlich zu machen. Es ist eine alte Erfahrung, daß viele ja die meisten Hausftauen mit dem Heizen warten, bis sich alle erkältet haben. Das ist weder für dre Gesundheit zuträglich, noch für das ^mtierial rationell. Denn es ist gut, wenn man nicht erst Me Wohnungen ganz durchkälten laßt. Ueberhaupt s eS notwendig, vor dem Beginn der HeiZperiode ech die Oefen gehörig revidieren zu lassen ob sie: in Ord­nung sind. Auch wenn man gar keüw Schaden sieht, sind oftmals welche vorhanden. Und der kleinste Schaden am Ofen kostet eine Unmenge unnüttgn Feuerung den Winter über. Es liegt nicht immer hw .^«-stboten, wenn viel Feuerung verbraucht