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M 224.

Freitag den 50. September MO.

37. Zahrgang.

»fuldaer W Leitung *

2. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldaer Aettendrucker«; in gulda.

2

❖ Eine Neuauflage -es Ferrer- Rummels

ist auf dem letzten internationalen Freidenker- K 0 ngreß in Brüssel für den 3. Sonntag int Ok­tober beschlossen worden.

Zur Vorbereitung des Rummels sind die Fer- renften eifrig an der Arbeit, die öffentliche Meinung irre zu führen und auszupeitschen. Das soll versucht werden unter dem Ruf nach einer Revffion des Pro- zesies. Einen Vorstoß nach dieser Seite bedeutet die in dem genügend bekannten und berüchtigten Neuen Frankfurter Verlag soeben erschienene Broschüre „Die Affäre Ferrer, der Justizmord auf Grund der von der spanischen Regierung veröffentlichten Men dargestellt von Jean-Jacques Kaspar, Rechtsanwalt in Paris/

Dieser Rechtsanwalt scheint zu den Advokatm zu gehören, die jede Sache annehmen, mag sie noch so unreell sein, und die es bann darauf ablegen, durch möglichst dreiste Behmiptungen die Mitglieder des Gerichtshofes zu verblüffen.

Dieser Advokat wagt es, die Unschuld jmes Anar­chisten und Erzrevolutionärs seinen Lesern aufreden zu wollen auf Gmnd der Briefe, die der Monsieur selbst aus seiner Untersuchungshaft an seinen Freund, den Anarchistenhäupüing Malato geschrieben hat. Was jener traurige Geselle in diesen Briefen sagt, das soll man als lautere Wahrheit annehmen! Solche Kniffe sollte man unterlassen!

i Dieser Advokat wagt es weiter, gegen die katho- Usche Kirche zu Hetzen, als ob sie an dem Prozeßver­fahren {gegen einen des Hochverrats Angeklagten schuld wäre. Wenn das wahr sein soll, bann müßte der Herr Rechtsanwalt zweierlei nachweisen: einmal, daß die katholische Kirche jenes Gesetz gemacht habe, nach welchem Ferrer prozessiert wurde — daß das nicht der Fall ist, gibt er selbst zu — und zweitens, daß die Kirche die Mitglieder des Gerichts ernannt und instruiert habe Das kann er nicht sagen und macht auch keinen Versuch dazu.

Wenn wir von dem Kaspar'schen Machwerk Notiz nehmen, so geschieht es, weil es die Katze offen aus dem Sack läßt und verrät, was das ei gen tliche Ziel der infamen Hetze ist. Man höre:

„Wie die am Hauptmann Dreyfus verübte klerikale Felonie für Rom den Verlust Frankreichs nach sich zog, so hat bei brutale Justizmord, der an Franzisko Ferrer begangen worden ist, wenn nicht alle Anzeichen trügen, für die Kirche den Verlust von Spanien zur Folge. Wahrscheinlich ist mit dem Verluste Spaniens der Untergang der römisch-katholischen Kirche überhaupt besiegelt. Soviel ist schon heute gewiß .... das Kriegsgericht, welches zur Erschießung Ferrers in den Festungsgräben von Montjuich führte, hat wahrscheinlich dem Papsttum überhaupt das Todesurteil gesprochen. ES erscheint ganz undenk­bar, daß das Papsttum in seiner heute schon so ge­schwächten Positron den Verlust Kmnkreichs und Spaniens überstehen kann, zumal Belgien ohnehin be­reits ausgegeben ist. (1?) Oesterreich und Bayern allein können bei allem guten Willen den Vatikan nicht mehr aufrecht erhalten und voraussichtlich wird unsere Generation das immerhin großartige Schauspiel nun noch erleben, daß der „Antichrist" siegt, d. h., daß die römisch-katholische Kirche zusammenbricht. Am 20. September dieses Jahres sind gerade 40 Jahre vergangen, seitdem der König von Italien, durch die Porta pia in Rom emtädtnb, der weltlichen Herrschaft des PapsteS ein Ende machte. Wenn 50 Jahre nach dem Einzug, am 20. September 1920 — was durchaus nicht so unwahrscheinlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheine« mag — kein Papsttum mehr in Rom existiert, bGpn hat die Ermordung Ferrers einen großen Anteil an der Wandlung, die alle freien Geister auf hem Erdball ersehnen." (6. 4.)

Da? ist eine köstliche Probe aus der Gedanken­werkstatt dieser Leute, bei denen der Wunsch des Ge­dankens Vater ist. Freilich auch eine bedenkliche Bloßstellung der Unwissenheit dieser Leutchen, sofern diese noch nicht einmal das aus der jetzt doch bald 2000jährigen Geschichte der Kirche gelernt haben, daß diese gar nicht an das Schicksal eines Volkes ge­bunden ist und daß die römisch-katholische Kirche eine Weltkirche ist, deren Grenzen nicht mit den Grenzen von Frankreich und Spanien oder Bayerns und Öster­reichs zusammenfallen. Mag in Rom die Revolution, der „Antichrist" — um mit dem Herrn selbst zu spre­chen — siegen und den Papst vertreiben, das Pap st° tum ist in seinem Bestand davon nicht abhängig. Wenn unser Manu etwas mehr Geo­graphiekenntnisse hätte, wüßte er, daß es außerhalb Italiens und Frankreichs auch noch Länder gäbe und

daß in diesen der Katholizismus einer recht lebens­kräftigen Zukunst entgegengeht.

Wenn die Herren den Zusommenbntch des Papst­tums und der Kirche erleben wollen, müssen sie schon die Lebensjahre des ewigen Juden für sich erwarten; und bann würden sie gar nicht sehen, was sie erhoffen, sondern das Gegenteil, nämlich daß die Kirche alle ihre Feinde hat ins Grab steigen sehen.

Deutsches Reich.

Der Streit um den Charakter den Zentrums wird schon wieder aufgewärmt uni) lib. Blätter sehen deshalb schon ben Zentrumsturm wackeln und dem Einsturz nahe. Und warum? Da ist in Bonn eine Broschüre heraus gekommen, die sich ihrer ganzen Ten- dmz nach gegen das Zentrum, so wie es jetzt besteht, richtet, und die dazu beitragen möchte, bas Zentrum in eine Partei umzuwandeln, die es niemals war und niemals werden wird, in eine konfessio­nelle! Dieses Elaborat soll das Dynamit sein, das den Zentrumsturm in die Lust sprengt. Das breite Behagen, mit dem die liberale Presse jetzt Ende Sep­tember diese schon in den ersten Tagen des Juni er­schienene Broschüre behandelt, wird langen Gesich­tern Platz machen, wenn wir feststellen, daß sie kaum irgendwo in Zentrumskreisen ernstlich Beachtung gefunden noch irgendwelchen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Das Zentmm wurde oon Windt- horst als eine politische Partei gegründet, in einer parteiamtlichen Erklärung vom 28. Nov. 1909 ist dieser Standpunkt feierlich wieder­holt und allgemein anerkannt worden. Damit sind alle derartigen Broschüren und ihre Schreiber vom Zentrumsstandpunkt aus erledigt. Auch Kirchenfür- sten wie der große Mainzer Bischof v. K e 11 e I e r in seiner Schrift „Die Zentrumsfraktion auf dem ersten deutschen Reichstage" haben das Zentrum gegen ben Vorwurf verteidigt, eine konfessionelle Par­tei zu sein. Zugleich hat er dort nachdrücklich den Wunsch ausgesprochen, es möchten sich recht viele Gläubige und rechtlich denkende Protestanten du Zentrumsfraktton anschließen. — Die Sorge der libe- ralen Presse um das Wohl des Katholizismus und des Zentrums, wie sie sich in der ausgiebigen Be­sprechung der Broschüre offenbart, berührt uns unge­mein wohltuend. Hoffentlich findet die liberale Presse, nachdem sie sich von ihren Zentrums-Sorgen erleichtert hat, erst recht die nötige Zeit, den Verhält- nissen der liberalen Parteien einige Aufmerksamkeit zu widmen. Denn wenn ber Zentrums türm schon wackelt, so muß ber unbefangene Beobachter der poli­tischen Lage logischer Weise für das liberale Lager schon das Ende der Welt konstatieren. Beweis: 13 liberale Hochburgen sind bereits innerhalb Jahresfrist vom Erdboden vertilgt worden.

* Die Ausspiouierung unserer Küsten. Infolge der jetzt aufgefundenen, die engt. Spione sehr belasten­den Briefschaften kann die Voruntersuchung noch nicht abgeschlossen werden. Nach der „Post" ist die Ausspiouierung ber nordischen deutschen Befestigun­gen schon seit Jahr und Tag im Gange, ohne daß das Treiben ber immer kecker auftretenden Ausländu ben Behörden aufgefallen wäre. Die Spione fegelten in einer Jacht am Tage unter eng­lischer Flagge und suchten unter dem Schutz der Nacht die Ausspiouierung ber wichtigsten Befestigungsan­lagen vorzunehmen, um bann ebenso rasch wieder zu verschwinden. Höheren Orts wird dem Gange der Untusuchung großes Interesse zugewendet. Das Kriegsministerium wird stets auf dem Laufenden ge­halten.

* Die Unfall- und Invalidenversicherung begeht chr 25jöhriges Jubiläum. Die Feiulichkei- ten werden heute durch einen Festakt im großen Sitzungssaale des Reichsversicherungsamtes eingelei­tet werden, der dem Andenken des verstorbenen Prä­sidenten des Reichsversicherungsamtes, Dr. Bödiker, dem Schöpfer der Unfall- und Invalidenversicherung, gewidmet ist.

Ausland.

* Der Katholizismus in Frankreich. Im Pariser „Temps" finden sich charakteristische Auslassungen zu einer Nachricht, ber Papst werde die Geistlichen an- weisen, kein religiöses Begräbnis mehr zu gewähren.

tocnn eine Person, die nicht die österliche Pflicht er­füllt hat, nicht in Gegenwart eines Geistlichen Rene und Leid auf dem Sterbebett über diese Unterlassung erweckt hat. Das Blatt schreibt, der Papst scheine nicht zu toiffcn, daß achtzig Prozent aller Katholiken Frankreichs, die sich religiös beerdigen lassen, Katho- liken nur durch die Taufe und das Begräbnis sind. Er werde der kacholischen Kirche in Frankreich große Verluste zufügen und viele mit der Kirche brechen laffen. Für jeden Katholiken erscheint das Vorgehen des Papstes aber nur ganz begreiflich. Das Krebs- übel, an dem auch die kacholische Kirche in Frank­reich krankt, ist die Oberflächlichkeit. Entweder gan­zer Katholik nach ben Vorschriften der Kirche ober gar keiner! Das sollte auch bem „Temps" unb jenen Leuten einleuchten, die sich jetzt so besorgt zeigen, baß bie katholische Kirche durch die geplante Verfügung bes Papstes Schaden leiden könne. Der Zustand, daß es auch „privilegierte Kcttholcken" gibt, bie sich Zeit ihres Lebens nicht um die Kirche kümmern, bann aber ein Begräbnis als Katholik haben wol­len, sollte gerabe in Frankreich ein Ende haben. Die schlimmen Verhältnisse in Frankreich find zu einem wesentlichen Teile auf das Tauf- und Begräbnis- Kathvlckenturn zurückzuführen. Das Diözesanolatt von Rennes schreibt mit Recht, der Papst wolle aus der katholischen Kirche alles entfernen, was nur bem Namm nach barin sei, ohne sich an Lehre und Dis­ziplin ber katholischen Kirche zu halten, Modernisten unb Nichtpraktizierende. Diese Leute seien bet Kirche nur schädlich, und mancher werde wieder auf ben rich­tigen Weg gebracht, toemt die Kirche bie ihr geeignet scheinenden disziplinären Mittel anwende.

* Ein 120 Miüionen-Vorschuß der Deutschen Bank. Der Türkei ist es bisher trotz aller Bemühun­gen und ber Reisen Hakki-Pcrschas nicht gelungen, ihre Anleihe in Paris ober anderswo unterzubringen. Jetzt kommt nun die überraschende Nachricht, daß bie Deutsche Bank sich bereit erklärt hat, bet Türkei Hilfe in ihrer Anleihenot zu bringen. Die Kölnische Zeitung meldet aus Konstantinopel: Die Deutsche Bank bot ben Türken einen Vorschuß von 120 Millio­nen auf bie Anleihe an, bie später, gleichgültig wo, aufgenommen werden kann. Dieser Vorschuß kommi bei ber bedingungslosen Form der Gewährung selbst einer Anleihe gleich.

? Der Borromäus-Verein in -er Diözese Fnlda.

Der Bottomäusverein bezweckt bekanntlich die Ver­breitung guter Bücher. Daß das eine der wichtigsten Sachen ist, die jedem Katholiken am Hetzen liegen muß, bedarf wohl keiner weiteren Begründung; nur dort, wo gute Bücher hingelangen, werden die schlech­ten ferngehalten oder vertrieben. Darum sollte in jeder Pfarrei der Borromäusvecein eingeführt und mit dessen Hilfe eine Volksbibliothek gegründet werden. Damit letzteres schneller geht, müßten vor allem die Vereine (Darlehnskassen, Männer-, Ar- beitei-, Gesellen-, Jugendvereine) mit einem Beitrag von 6 Mk., 3 Mk. ober 1,50 Mk. dem Bottomäusver- eine beitreten und ihre Vereins gaben bet Volks- bibliothek (Pfarrbibliothek) überlassen. Es steht auch nichts im Wege, daß sie mit dem doppelten ober brei- fachen Beittag sich anschließen, um bie Gründung ber Volksbibliothek zu- beschleunigen. Die Verbrei­tung einer gediegenen Literatur ist in Stadt und Land heutzutage notwendiger als je. Besonders eine um­fassende, planmäßig angelegte und durchgeführte vor­beugende Fürsorge für bie Jugend auf dem Land, mag sie in der Heimat bleiben ober in bie Stäbte abwandern, muß bem vorhandenen 2 e f e= bebürfnis gerecht werden. Das geschieht am besten durch eine mit Hilfe des Botromäusvereins ge­gründete Volksbibliothek.

Wie steht es denn nun mit bet Verbreitung bes Botromäusvereins in der Diözese Fulda? Ein kleiner Fortschritt ist wohl zu konstatieren. Im Jahre 1903 gab es 27 Ortsgruppen mit 928 Vereinsangehörigen; im Iahte 1908 waten es 36 Ortsgruppen mit 1223 Mitgliedern unb im Jahre 1909 ist die Zahl bet Ortsgruppen ober Hilfsvereine auf 42 mit 1864 Vereinsangehörigen gestiegen, wovon auf bie erste Klasse (6 Mk. Jahres­beitrag) 491, in die zweite (3 Mk. Jahresbeitrag) 737 unb in die dritte (1,50 Mk. Jahresbeitrag) 636 kom­men.

Die einzelnen Dekanate sind dabei folgendermaßeu beteiligt:

Namen der $erei«e

Anzahl der Bereins- angehörigen in den drei Klasse«

I II UI

1. Fulda.

1. Fulda, Dompfarrei . . . .

2. „ Stadtpfarrei . . . .

3. „ Prie'ier-Semiuar . .

2. Amömeburg.

4. Allendorf .......

5. Amöneburg ........

6. Kirchhain.........

7. Marburg ........

8. Neustadt (M.-W.-B.) . . .

9. Niederklein........

3. Cassel.

10. Cassel, St. Elisabeth. . . .

11. „ Hl. Familie ....

12. Cafsel-Ittttbenditmold . . .

13. Hersfeld..... . ..

14. Obernkirchen .......

15. Volkmarsen...... .

4. Etterfeld.

16. Rasdorf.........

5. Fritzlar.

17. Fritzlar....... . .

18. Naumburg (Hessen) ....

6. Geisa.

19. Geisa iS.-W.) .....

20. Eisenach ........

2L Jena - . .

7. Großeulsider.

22. Großenlüder ..... .

8. Hanau.

23. Bernbach.........

24. Bockenheim.....

25. Fechenheim .......

26. Gelnhausen .......

27. Hanau..........

28. Neuses........ .

29. Oberrodenbach

30. Somborn .....

9. Hilders.

31. Eckweisbach . . .

32. Simmershausen . . . ....

10. Hünfeld.

33. Hünfeld ...

11. Margretheuha««.

34. Büchenberg . . .. . . ... . .

35. Dietershausen.......

36. Künzell

12. Neuhof.

37. Flieden .

38. Neuhof..........

39. Niederkalbach

40. Rommerz . ......

41. Rückers .

13. Orb.

36

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6

6

2

7

19

2

11

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29

6

16

2

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13

6

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9 5

7

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3

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6

4

12

6

6

9

2

8

14

6

2

4

6

4

14. Salmünster.

2. Salmünster . .

15. Weyhers.

6

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1

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3

5

40

16

3

17

17

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12

9

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4

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8

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3

10

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28

8

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9

9

4

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1

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2

2

15

4

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2

1

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13

17

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2

1

24

27

45

6

4t

16

32

13

1

12

Aus dieser Statistik ergibt sich, daß von den ca. 150 Pfarreien bezw. Seelsorgsstellen der Diözese noch über 100 mit ber Einführung des Botromäusvereins im Rückstand sind.

Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam ge- macht ,daß im preußischen Etat 100 000 Mark zur Unterstützung von Volksbibliotheken vorgesehen sind. In bem vorn Zentralvorstand des Botromäusvereins. in diesem Monat herausgegebenen „Nachrichten für bie Vereine vom hl. Karl Borromäus" (Freie Folge Nr. 8) wird Seite VII nachgewiesen, daß man als ich et annehmen darf, daß nicht mehr als höchstens 6000 Mark staatliche Unterstützungen in Preußen den katholischen Volksbibliotheken gewährt wurden. Es entspricht diese Zahl in keiner Weise der katholischen. Bevölketungszahl nub ihren Steuerleistungen. Da­mit es besser werde, gibt bie Zentralstelle dem drin­genden Wunsche Ausdmck, daß jeder Vereinsleiter edes Jahr durch seinen zuständigen Bürgermeister

Um Ehre unb Recht.

31] Roman von O. Elster.

„Ich danke. — Herr Born, ich komme nicht als Gast zu Ihnen, sondern im Auftrage meiner Herrin, ber Frau Baronin Hambach-Waldstätten."

„Sehr angenehm."

„Mein Auftrag ist sehr ernst, Herr Vorn", fuhr Grupe weiter, „unb Ihr leichter Ton paßt nicht zu demselben."

„Mso bann ganz ernsthaft: was wünscht bie Frau Baronin von mir?"

„Die Frau Baronin hat zu ihrem größten Erstau­nen unb Schmerz durch einen Bries der Baronesse Erika erfahren, daß diese sich in Ihrem Hause be­findet. Ist das so?"

„Allerdings. Baronesse Erika hat sich m menten Schutz gestellt, da sie in Schloß Hambach vor Belei­digungen nicht sicher war."

Herr Born — Sie überfegen sich wohl nicht bie Tragweite Ihrer Worte. Der Aufenthalt einet jun­gen Dame im Hause eines unverheirateten Mannes schickt sich ganz und gar nicht unb schädigt den Ruf der Dame?"

Im allgemeinen haben Sie recht, Herr Jnspek- tor " Aber es gibt Verhältnisse im menschlichen Le­ben wo man sich über diese allgemein gültigen Ge­setzen hinwegzusetzen genötigt ist."

Wissen Sie, daß Sie sich mit dem Sttafgesetz in Konflikt bringen, Herr Born? Baronesse Erika ist noch minderjährig, wenn Sie dieselbe zurückhalten."

„Ich Halle sie nicht zurück, mein lieber Herr Grupe. Baronesse Erika ist fteiwillig hierhergekom­men, es steht ihr jederzeit frei, mein Haus zu verfas­sen. Uebet ihre Sicherheit können Sie aber beruhigt fein, Miß Bayleh ist bei ihr und wird sie nicht ver­lassen."

„Das ist noch ein Glück, obgleich — doch das steht auf einem andern Blatt. Ich muß Sie ersuchen, Kett Born, mich zu Baronesse Erika zu führen."

„Es tut mit leid, Ihren Wunsch nicht erfüöen zu können."

„Herr Born?!"

„Baronesse Erika hat mich beauflagt. Ihnen zu sagen, daß sie Sie nicht empfangen könne. Ueb- rigens haben sich die Damen schon zurückgezogen."

„Aber ich muß Erika sprechen! Herr Born, be­greifen Sie beim nicht, was auf bem Spiele steht? — Der Ruf, bie Ehre ber jungen Dame, ber Ruf, bie Ehre der ganzen Familie! Noch läßt sich die Sache verheimlichen, und ich hoffe. Sie toerben uns dabei behilflich fein."

Herr Grupe, bet Rus, bie Ehre ber hochfrei­herrlichen Familie steht auf dem Spiele? Glauben sie, daß mir mein Ruf, meine Ehre nicht ebenso virf wert ist?"

n^^Born . .", warf der Inspektor mit sicht- iRebe" de9Ct^ett ei"' "baoon jetzt nicht die

Worten, aus Ihrer Verlegenheit ent- fort' -daß Sie von dem Gerücht wissen das über mich im Umlauf ist, Sie miffen vielleicht auch daß es die Frau Baronin Hom- bach gewesen welche dieses Gerücht verbreitet hat, ja, daß diese Dame mich jetzt öffentlich zum Dttbe machen will - nun, Herr Grupe, meine Ehre gegen bie andere Ehre." b

„Um bes Himmels willen, Herr Born, Sie wollen doch damit nicht sagen, daß Sie die Ehre bet Fami­lie vernichten wollen, well ein Gerücht über Sie in Umlauf ist, welches Ihren Ruf schäbigen könnte?"

„Es fällt mir nicht ein, eine derartige Rache zu üben. Ich bin Erika zu bem größten Danke verpflich­tet unb würbe mein Leben für ihre Ehre lassen, wie sie in ihrem Opfermut für meine Ehre eingetreten ist. Was ich Ihnen sage, geschieht im Auftrage Erikas, verstehen Sie mich wohl. Nicht bin ich cs, ber zu Ihren spricht — der freie Wille ber Baronesse ist in keiner Weise beschränkt, sie kann gehen, wann und wohin sie will —, aber sie zieht es vor, hier zu blei­ben, bis ihre Mutter, die Frau Baronin, durch eine öffentliche Erklärung unb Abbitte meine Ehre wieder

hergestellt hat. Die Baronesse läßt Sie ersuchen, dies ihrer Mutter, bet Frau Baronin, mitzuteilen."

„Aber bas ist ja Wahnsinn!"

„Nein, Herr Inspektor, es ist der Mut der Wahr­heit, es ist die Ueberzeugung von meiner Ehrenhaf­tigkeit."

„Man wird sie zwingen, zurückzukehren!"

„Ich glaube kaum, daß die Frau Baronin zu Zwangsmaßregeln greifen wird. Aber um die Frau Baronin zu bemhigen, bitte ich Sie, ihr von mir zu sagen, daß ich ben Kampf um meine Ehre allein führen werbe; nie wirb ein Wort von bem groß­mütigen Schritte, den Erlla um meinetwillen getan hat, über meine Lippen kommen; unb ba sie durch­aus nicht nach Hambach zurückkehren will, so werde ich ihr ein Asyl in dem Hause meiner Eltern anbie­ten, wohin sie morgen mit Miß Bayley abreifen wird, wenn die Frau Baronin sich nicht eines anderen be­sinnt."

„Das wird niemals geschehen, Herr Born! Sie kennen ja auch den Charatter der Baronin. Ich bitte Sie, als Ihr alter Freund, treiben Sie bie Angelegen­heit nicht auf bie Spitze."

„Sie nennen sich meinen alten Freund — wo war denn diese Freundschaft, als man mich in bet elen­desten Weise verleumdete? Wo war sie, als man mich sogar eines Diebstahls zieh?"

„Aber man fand doch das Etui in Ihrem frühe­ren Zimmer."

„Kann es nicht ein anderer dorthin gelegt haben, Herr Grupe?"

Et sah den alten Mann fest an. Dieser zwinkerte verlegen mit den Augen, und bann brach er los:

„Der Henker soll mich holen, Herr Born, ich habe Sie stets für einen ehrlichen Menschen gehalten! Die bumme Geschichte damals im „Weißen Roß" lag ja auch ganz anders, als sie dieser Schleicher, der jetzt leider Gottes den Herrn auf Hambach spielt, dem seligen Baron erzähle. Wir haben das später er­fahren. Aber das Weibergeschwätz hat mich ganz dumm gemacht, zuerst die Baronin, bann meine Alte und meine Tochter, die dumme Gans, und schließlich

diese Frau Julie von Prokowsky — der Kuckuck hole sie alle!"

„Wir wollen nicht zu scharf mit ihnen in das Ge­richt gehen, lieber Herr Grupe", entgegnete Fritz lä­chelnd, „wenn sie nur ihren Irrtum einsehen, wie Sie es eben getan haben. Sagen Sie der Baronin, daß ich jederzeit zur Versöhnung berett bin, daß ich alles, was geschehen ist, vergessen werde, nur muß auch sie von ihrem verhängnisvollen Irrtum zutücktte-- ten unb offen unb frei bekennen, daß sie sich geirrt hat."

„Sagen will ich's ihr schon, Herr Born", erwiderte der Jnspettot und rieb mit verlegener Geb erde sein Kinn. „Aber ob's etwas nützen wird, das bezweifle ich. Der Herr Stanislaus unb die Frau Julie haben ba zu großen Einfluß. Ach, lieber Born, Sie wissen garnicht, was das jetzt für ein Leben auf Hambach ist! Ich alter Mann muß mich von diesem bummen Jungen schikanieren laffen, wenn das noch lange so fortgeht, bann tünbige ich meine Stellung auf. Da­bei verliert selbst ein Esel die Geduld!"

„Sie müssen in Hambach bleiben, Herr Grupe", sagte Fritz ernst, „um ber Baronin unb der ganzen Familie willen. Sie finb ja doch ber einzige, ber diesem jungen Menschen mit Erfolg entgegenarbeiten kann. Denken Sie daran, was geschehen würde, wenn Stanislaus Prokowsky ganz allein in Hambach herrschen würbe."

„Dann würbe ba bald ber Teufel los sein", knurrte ber alte Inspektor, „und alles drunter und drüber gehen."

„Also müssen Sie bleiben und dürfen Ihren Po­sten nicht berfaffen — wollen Sie mir bas versprechen. Herr Grupe?"

„Was haben Sie beim für ein Interesse?"

„Vielleicht hat Erika noch einmal einen guten Freund auf Schloß Hambach notig."

"A so - da haben Sie recht! Hier meine Hand, Herr Born, ich bleibe auf meinem Posten und der Frau_Bawnin werde ich auch meine Meinung sagen."

„®o ist's recht, lieber Herr Grupe. Sind wir nun wieder Freunde?"

„Ja — und für Immer!" (Forts, f.)