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JW 220.

' Montag den 26. September VHO.

37. Jahrgang.

* Waer W Leitung«

2. Blatt.

vrnck und Verlag der Zuldarr Actkendruckerti in Znlda.

Nationalliberalen/

,Auf dem wirtschaftlichen

i Willst

Willst du haben stets Erfolg Bei der Wäsche und zwar rascheri Musst du einzig und allein x Nur mit Sunlichtseife waschen!

unlicht Bi eite osj

des 7. landwirtschaftl. Bezirks - Vereins des Re. gierungs-Bezirkes Wiesbaden durch eine Bekannt­machung auf, in der es heißt: „Eine Vertil­gungs-Methode, die bei richtiger Ausführung einen vollen Erfolg hat, ist diejenige mit dem Mäuseiyphus-Bazillus. Dieser wird durch Weiß­brotstückchen, die mit einer durch Bazillen infi­zierten Lösung durchtränkt worden find, auf das Feld gebracht und ruft unter den Feldmäusen eine Seuche hervor, die sich rasch verbreitet und zu einem Massensterben der Mäuse führt. Da der Erfolg dieser Methode im wesentlichen ab­hängt von der Zubereitung der mit den Bazillen durchsetzten Lösung, so müssen die Vorschriften der Lieferanten der Bazillen - Kulturen zur Her­stellung der Lösung rc. peinlichst genau eingehal- ten werden. Am sichersten und einfachsten aber ist es, wenn eine sachverständige Person in einer Gemeinde die Herstellung der ganzen notwendigen Lösung und der Weißbrotstückchen übernimmt und diese fertig an die Landwirte abgibt. Der Preis eines Gläschens mit einer Mäusetyphus-Bazillen- Kultur für 1—2 Morgen ausreichend beträgt 50 Pfg. Ein Vergiften der Feldmäuse mit Strychnin-Hafer oder Strychnin-Weizen wirkt ebenfalls. Die Gift­körner dürfen jedoch nur in die Mauselöcher und nicht neben diese gelegt werden, weil freiliegende Körner auch von Feldhühnern, Fasanen und nütz­lichen Singvögeln gefressen werden und den Tod dieser Vögel herbeiführen. Zum Legen von vergif­teten Körnern sind deshalb Legeröhren zu empfehlen.

Handel und Industrie.

* Berlin, 24. Sept. 1910. Das Anziehen des Privatdiskonts aus den Satz des Reichsbankdiskonts sowie die im Verlauf der Börse bekannt gewordene Erhöhung der Sächsischen Bank in Dresden, wo­durch die Erhöhung des Reichsbankdis­konts nur eine Frage von Tagen ist, drückten heute auf die Stimmung der Börse. Erhebliche Rückgänge waren aber nicht zu verzeichnen. Eine Stütze fand sie in der Nachricht von der gestern in Newyork wider Erwarten erfolgten Heraufsetzung einiger amerikanischen Roheisenmarken. Später kam es am Elektrizitätsmarkt zu lebhaften Umsätzen. Tägl. Geld 3—31/» Proz., Ültimogeld 5*/< Proz.

Märkte.

+ Fulda, 24. Sept. 1910. Der heutige Schweine» markt war mit 250 Ferkeln betrieben.! Bezahlt wurden für Ferkel als Durchschnittspreis 14 Mk.

üblich ist, wird in Versammlungen irgend jemand mit der Führung der Kasse betraut. „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand", gewiß, aber wem eine Verbands-Ortsgruppe ein Amt gibt, dem gibt sie noch lange keine Kenntnis von Buchführung usw. Die Gefahr des Verbummelns ist da sehr groß. Wenn auch anscheinend beim Deutschen Holzarbeiter-Ver- bande die Erziehung zur Anerkennung von Mein und Dein ungewöhnlich mangelhaft ist, so besteht diese Ge­fahr doch mehr oder weniger bei allen Gewerkschaften, und darum werden alle gut tun, auf die Ausbil- dungderKassierer mehr als bisher ihr Augen- meck zu richten. Das totr.mt ihnen ja nicht bloß in der besseren Kassenführung zugute, sondern mich darin, daß diese gut unterrichteten Kassierer sich mehr mit Lust und Fachinteresse dem Kassengeschäfte widmen.

)( Dernburg auf der Suche nach einem Reichstags« Mandat. Durch die freisinnige ,Kieler Zeitung^ et* fährt man, daß Verhandlungen schweben mit dem Entziel, Dernburg den Wahlkreis Husum-Ton­dorn vorzubehalten.

Dieser Kreis, liest man da weiter, ist wohl der sicherste für die Fortschrittliche Volkspartei, und es würde Dernburg nicht schwer werden, das Mandat des jetzt aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Abg. Dr. Leonhart bei der nächsten Wahl zu erhalten. Von Hamburg aus ist allerdings der Rechtsanwalt Dr. Blunk in Aussicht genommen. Inzwischen ist aber die Angelegenheit aber dem Parteivorstand in Berlin unterbreitet worden, und in den nächsten Tagen ist eine endgültige Entscheidung über die Frage zu er­warten."

Man scheut sich also nicht, einen alten Partei­freund, der endlich auf em Mandat hofft, vor den Kopf zu flogen, wenn man auf diese Weise nur ein Mandat für Dernburg findet. Es ist klar, daß ein solches Vorgehen nur möglich ist, wenn man Dernburgs sichere Zusage hat.

-st Karlsruhe, 25. Sept. 1910. Die.Badische Nationalliberale Korrespondenz^ schreibt zum Feste der silbernen Hochzeit des großherzoglichen Paares: Diejenigen, die aus politischen Gründen in ihrer Presse die Wirklichkeit entstellten, um den Groß­herzog zu einer Abkehr von den bisher geübten Regierungsmaximen zu beeinflussen, sollten bedenken, daß diese Maximen allein verbürgten, daß die auf Treue beruhende Liebe zum Fürsten- hause jeden Verlockungen trotze und unwandelbar für alle Zeiten bleibe.

„Und wenn an einem Festtage ein freies Wort erlaubt ist, das ins politifche Gebiet hinüberlenkt, so möge es das fein: Das badische Volk vertraut auch seinen Fürsten, daß er keine Abkehr von der bisherigen Regierungsbahn zuläßt, da nur sie eine gedeihliche, friedliche Entwickelung unseres Heimatlandes ermöglicht."

Also nur die Grobpolitik verbürgt dem Großherzog die Treue und Liebe dec Nationallibe­ralen, d. h. nur die Verbindung mit den Sozialdemokraten, die erst jüngst wieder auf dem Magdeburger Parteitage erklärt haben, daß sie Todfeinde der Monarchie seien, und daß ihre Grobblockpolitik, in Vaden allmählich in den sozial­demokratischen Zukunflsliaat überleiten solle. Und das nennt dann die ,Badische Nationallib. Korr/ „eine gedeihliche, friedliche Entwickelung unseres Heimatlandes"!

Ausland.

* Kaiser Franz Joseph ist am Samstag nach Mariazell abgereift. Er besuchte dort die Wall­fahrtskirche und kehrte dann über Kerndorf nach Wien zurück.

* Die englischen Armeemanöver endeten am Frei­tag auf der Salisbury-Ebene mit einem erstattn- liehen Wirr war. Es fand eine Schlacht statt, an deren Schluß die beiden feindlichen Armeen so hoffnungs- und sinnlos ineinander gekeilt waren, daß bei einem wirklichen Kriege ganze Armeeteile vernichtet worden wären. Wie die Militärkorre­spondenten berichten, war die Konfusion himmel­schreiend. Ganze Brigaden und Bataillone wurden gemütlich stundenlang einem Feuer ausgesetzt, das sie bis auf den letzten Mann vernichtet haben würde. Sturmkolonnen nahmen das Schloß Chislebury Castle, obwohl sie tausend Meter hohe und steile Ab- hänge ungeschützt gegen ein verheerendes Feuer hinaufkletterten. Wie die Daily News berichtet, habe nur einer der vielen auswärtigen Militärs, die der Schlacht zuschauten, auf Englisch Worte gefunden. Er sagte: „Ihre Soldaten sind bewundernswert, aber Ihre Generale--!"

* In Persien ist bereits ein neuer Regent ge­wählt worden. Es ist Nafr el Mulk einer der hervorragendsten persischen Staatsmänner, der wiederholt Minister, auch Premier, gewesen ist und sich dabei der Sympathien aller Gesandtschaften er­freute. Der frühere Schah halte ihn 1907 als An- Hänger der Parlamentspartei zum Tode verurteilen lassen. Die englische Gesandtschaft befreite ihn aber und beförderte ihn nach Europa, wo er seit­dem lebt

Literarisches.

Ein Werbehest der „Allgemeinen Rundschau" ist soeben in der Riesenauflage von 100000 Exempla­ren erschienen. (Wochenschrift für Politik und Kultur, Herausgeber und Verleger Dr. Armin Kausen in München, vierteljährlich Mk. 2.40). Das Werbehest Nr. 39 kann von jedermann durch die Geschäftsstelle München, Galeriestraße 35a GH. gratis bezogen werden. Von besonderer Seite geht uns nachstehende Würdigung dieses Werbeheftes zu: Mit einem Worte: eine wahre „Rundschau", so „allgemein" und doch im einzelnen so gründlich, wie man es nur wünschen kann. Was immer die Gemüter in Deutschlands weiten Gauen in Span­nung hält und die Spalten der Presse füllt, daS pflegt die „Allgemeine Rundschau" in knapper, klarer Ueberstcht von höherer Warte auS in den großen Zusammenhang hineinzustellen, in dem die Einzel­erscheinungen erst in ihrer wahren Bedeutung sich zeigen. Man lese nur gleich die ersten Beiträge der prächtigen Nummer 39! Wie der Abg. Jäger da die jüngsten Kaiserreden behandelt und abwägt, das ersetzt geradezu die langwierige Lektüre vieler dar­über erschienenen Artikel; nebenbei bemerkt, die jämmerliche Taftik des Liberalismus bekommt dabei einmal wieder ihren verdienten Teil. Dem treff­lichen Nienkemper, den man immer wieder gerne lieft, gibt die Reichstagswahl m Frankfnrt-Lebus Veranlassung zu einem klaren Ueberblick über die tieferen Strömungen, die dem augenblicklichen Ver­hältnisse der politischen Parteien zu einander zu­grunde liegen. Des Herausgebers „Warnungs­signal" (Die neuheidnische „Moral" der sogenannten modernen Gesellschaft) ist ein weiteres Verdienst in der großen Reihe, die er auf diesem Gebiete sich schon erworben hat. Und so könnte man die Ar­tikel einzeln durchgehen: Pros. SägrnüllerS be­herzigenswerten Vorschlag für die Katholikentage und P. Kösters weitausschauenden Aufsatz über China, auch den Büchertisch und die Kunst- rund schau nicht zu vergessen. Und zwischendurch die kleineren Beiträge, die zu besprechen der Raum hier nicht ausreicht, während ihre Bedeutung es wohl verdiente. Die Signatur des Ganzen: In politischen Fragen eine geschickte und schonungslose Aufdeckung der niedrigen Kampsesweise des „Heuch­ler Liberalismus" und seiner antichristlichen Ten­denzen ; in Kulturfragen eine westherzige, aber klare und entschiedene Stellungnahme auf dem festen Grunde der katholischen Weltanschauung.

X Ein bedenkliches Kapitel. Der Reichsoerband gegen die Sozialdemokratie hat kürzlich mitgeteilt, daß im sozialdemokratischen H ol za rbei t er-Ver­fand in dem Jahrzehnt 1898—1908 in nicht weni- ler als 735 Fällen Veruntreuungen von Verbandsgeldern vorgekommen seien. Nach öem neuesten Jahresbericht dieses selben Holzarbeiter- Verbandes sind in dem Geschäftsjahr 1908/(9 wie­derum 98 Unterschlagungen von Ver- öandsgeldern vorgekommen. Davon ist nur ein Test dem Gericht übergeben worden, während in früheren Jahren immer die Strafverfolgung herbeigeführt wurde. — Diese Unterschlagungen sind ein sehr be­denkliches Kapitel. Wie das bei den Gewerkschaften

„Es ist gar fein Zweifel, daß wir in sozialpoli­tischen Fragen, wenn unsere eigenen Anträge abgelehnt waren, oft mit dem Zentrum zusammen­stimmen mußten, weil es weiter ging, als die

... .... Gebiete haben wir

weniger scharfe Gegensätze mit dem Zentrum wie mit den Nationalliberalen ... Es gibt Fälle, wie in wirt­schaftlichen Fragen, wo wir nur mit dem Zen­trum einige kleine Fortschritte erzielen können."

Zu dem gleichen Punkte sagte der Delegierte Lehmann aus Wiesbaden:

Sozialdemokratischer Parteitag.

C. Magdeburg, 24. Sept. 1910.

®ie Diskussion über das Genossenschafts­wesen, die am Samstag fortgesetzt wurde, war sehr «'^""hl trat in ihr der Zwiespalt der Auf- hervor. Von den einen wurden die Genossenschaften, speziell die Konsumvereine, als ein

geeignetes Mittel zur Entwicklung gepriesen, von der anderen Seite aus demselben Grunde skeptisch beurteilt. Schließlich wurde eine Resolution des Parteivorstandes angenommen, der die Unterstützung der Konsumvereine wünscht, um sie allmählig in die Gewerkschaften und in die politische Partei einzugliedern. — Es folgst das letzte Referat: die Reichsversicherung, erstattet von Abg Molkenbuhr. Vernünftigerweise machte er die Sache kurz, denn die umfangreiche Materie würde vor Toresschluß des Parteitages doch keine aufmerk­samen Hörer gefunden haben. Obwohl das Thema der Reichsversicherung die Arbeiter sicher sehr angeht, herrschst während der Ausführungen Molkenbuhrs im Saale eine Unruhe, als ob über irgend eine gleich­gültige Sache referiert würde. Daß die Reichstags- kommisston Verbesserungen vorgenommen, verkannte der Redner nicht, er glaubte aber, konstatieren zu sollen, daß es der sozialdemokratischen Fraktion schwerer als früher geworden sei, in der Kommission Forderungen durchzudrücken. Eine Diskussion fand nicht statt, es hatte sich niemand zu Wort gemeldet.

Nun begann man die Reste der Tagesordnung aufzuarbeiten. Zunächst wurden Anträge beraten. Zur Annahme gelangten u. a. Anträge, welche die Förderung der Bibliotheken fordern, die Ablösung des Trinkzwanges bei den Wirten bezwecken und den Alkoholisrnus bekämpfen. Die Wahl des Orte§_ für den nächsten Parteitag wurde dem Vorstände über­lassen und zwar mit der Begründung, daß wahrschein- lich im nächsten Jahre ohnehin die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages sich als not­wendig erweisen würde. Der Vorstand wurde unver­ändert wiedergewähll; ein paar Revisionisten erhielten vereinzelte, zweifellos ironisch gemeinte Stimmen. In einer Schlußrede kam auch der Vorsitzende Dietz noch einmal auf den Bruderzwist zurück, indem er das Wort zitierte: „Die geballte Faust dem Gegner, dem Ge­nossen, auch dem Strauchelnden, die Bruderhand". Die Partei fei ein Hans mit vielen Wohnungen, aber die Hausordnung müßten alle ohne Unterschied respektieren. Bon einem Zusammenschluß mit den Liberalen kann keine Rede sein. Unterstützung kann ihnen dort zuteil werden, wo sie in der Stichwahl der Reaktion gegen­über zu schwach sind. Mit dem üblichen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie und unter Dem Gesang der Marseillaise ging der Parteitag auseinander.

Bei Erörterung der Alkoholfrage hatte am Donners­tag ein Delegierter behauptet, in Aachen hätte ein Wirt einem katholischen Jünglingsverein sechs Liter Schnaps zur Verlosung gegeben, und der Verein habe die betreffenden Lose in Häusern und Fabriken zum Preise von 10 Pfg. pro Los abgesetzt. Infolge eines Artikels der „Rhein. Ztg." sei die Verlosung scheinbar zurückgezogen worden; der Schnaps sei nunmehr unter den Mitgliedern eines katholischen Vereins von St. Peter verlost worden. — Wie hierzu aus Aachen mit­geteilt wird, verhält sich die Sache wesentlich anders. Die Gesellige Vereinigung der Sandkaulstraße in Aachen, die größtenteils aus ergrauten Familienvätern besteht und, wie ihr Name besagt, gesellige Zwecke ver­folgt, hatte von ihrem Wirt einige Liter Schnaps ge­schenkt erhalten, die sie alsdann unter sich verteilten. Diese Vereinigung hat mit der Religion und auch mit einem katholischen Jünglingsverein nichts zu schaffen. Die „Rhein. Ztg." hat denn auch ihre anfängliche Nottz berichtigen müssen.

Der Kaiser und der Parteitag. Heber die Verhandlungen des sozialdemokratischen Parteitages hat sich der Kaiser fortlaufenden Bericht erstatten kaffen. Das Ministerium erhielt täglich mehrmals einen Aus­zug aus den Verhandlungen und gab ihn unverzüglich an den Kaiser telegraphisch weiter.

Aus dem Nachbargebiete.

[] Lauterbach, 24. Sept. 1910. Am Donnerstag voriger Woche öffneten sich die Pforten der Lauter« bacher Ausstellung. Es war eine kleine, be­scheidene doch würdige Feier. Die Ausstellung selber bietet einen ausgezeichneten Blick über die Kunst und das Handwerk van drei Jahrhunderten. Das Plakat lügt nicht. Der Reichtum der hier aus Bürgerhäusern des Städtchens und aus den einzelnen Dörfern der Umgegend von Lauterbach zusammen- getragen worden ist, überrascht jeden. Auch ein Kenner der Kultur in den Dörfern und in den Städten des Vogelsbergs steht erstaunt vor all' den Schränken, den Laden, den Tischen, den Stühlen, kurz dem großen und kleinen Kram und dem Haus­rat, der in Lauterbach selber und in der Umgegend von den alten Meistern geschaffen worden ist. Die Ausstellung gewinnt noch ein besonderes Interesse durch das geschickte Arrangement. Der Besucher schaut in ein Rokokozimmer hinein, ein Empire­zimmer öffnet sich vor ihm, und die Heimlichkeit und Gemütlichkeit eines Biedermeierzimmers steht vor ihm. Das alles ist von einer solchen Lebendig- leit und wirkt so eindringlich, daß jeder sich sofort in die vergangene Zeitepoche hineinversetzt fühlt. Dabei tritt ihm beständig die Originalität der Steiftet aus Dorf und Stadt vors Auge; Stücke an Möbeln, an Waffen, an leinenen Tüchern und gedruckten Tischtüchern ic. die von großem Geschmack und von einer alten künstlerischen Technik zeugen, sind ansgestellt und treten einem fast bei jedem Schritt entgegen. Die Ausstellung verdient von jedem Vogelsberger besucht zu werden, hier lernt er sein engeres Vaterland und sein heimatliches Ge­birge so recht kennen.

Herbstein, 25. Sept. 1910. Am Mitt- woch den2l. September sand dahier Gemeinde­rat s-Wahl statt. Jos. Anton Wiegand und Jos. Anton Zimmermann wurden wieder- und Emmeran Thein neugewählt. Die Wahlbeteili­gung war recht gering.

** Wiesbaden, 23. Sept. 1910. Zur Ver­tilgung der Feldmäuse fordert der Vorstand

Deutsches Reich.

X Zur Reform der Werftverwaltung. In Kiel hat kürzlich auf Veranlassung des Reicksschatzamles eine Reichstagssonderkommission die Buchführung and das Kontrollwesen auf der Kieler Werst studiert. Man erfährt darüber:

Von den verschiedenen Ressortdirektoren sind den Mi gliedern der Kommission — den Abgg. Nacken und Erzberger vom Zentrum und Dr. Weber von der nationalliberalen Partei — Vorträge über die Buchungs­und Verrechnungsart der Werst gehalten worden, wo­bei sich u. a. herausgestellt hat, daß die genaue Revision in Potsdam es mit sich bringt, daß "vn der Werst allein (ohne die Jntendanturbelege) alljährlich rund B4000 Kilogramm Prüfungsmaterial nach dort gehen! Dieser Prüfungszentrale zuliebe werden in den Reichs­betrieben über 15 Millionen Konten geführt, die allein zum Teil recht übersiüssigen Revistonszwecken dienen, nichts einbringen oder ersparen, aber an Buchung, Kontrolle und Aufsicht ein ganzes Beamtenheer be­schäftigen.

24 000 Kilogramm Prüfungsakten! und 15 Mil lionen Konten! Wie kann da eine zuverlässige Kontrolle möglich sein! Der Bureaukratismus scheint da wahre Orgien zu feiern! Aber an Ab­hilfe ist auch nicht zu denken. Denn wo soll man die Hunderte von Beamten lassen, die dort diese 24000 Kilogramm überflüssiger Akten zusammen- geschrieben haben?! Es ist wirklich bei uns alles möglich!

* Vorarbeit für die polnische Propaganda in Ma­suren. Die Schul« und Ansiedelungsfrage spielen In Masuren eine große Rolle. Die Art ihrer Be- Handlung leistet der polnischen Propaganda will­kommenen Vorschub. Wie dem ,Dziennik Poznanskft -emeldet wird, ist in Masuren folgender Fall vor­gekommen :

Ein Bauer wollte bauen. Seine Besitzung liegt außerhalb des Dorfes. Er bat um die Bauer laub- tt i s. Der Amtsvorsteher ließ ihn kommen und fragte: 1. zu welcher Religion er sich bekenne; 2. wie viel Kinder er habe und ob sie zuhause polnisch sprächen; 3. ob die Kinder die katholische ober die evangelische Schule besuchen (der Bauer ist Katholik, aber ein Masur; er schickt seine Kinder in die evangelische Schule, weil die katholische Schule vier Kilometer ent­fernt ist und sehr schwer zu erreichen ist); 4. von welcher Gesinnung er sei, ob er sich als Preuße be­trachte; 5. wem er sein erstes Bauerngut verkauft habe, einem Deutschen oder einem Polen; 6. ob er nach Ausführung des Baues sein Grundstück sofort wieder verkaufen wolle und an roen‘4 Zum Schluß vurde er vor die Alternative gestellt: Er darf bauen, '-der er müsse das Vorkaufsrecht dem Deutschen Hilfs- assenverein einräumen.

Es handelt sich hier um ein kleines, aber charakteristisches Vorkommnis. Die Kunde davon wird bald die Runde durch die masurischen Dörfer machen. Die Masuren werden sich die Frage vor­legen: „Sind wir denn keine Preußen, daß gegen uns ein solcher Argwohn gehegt wird?" Hier ist die Stelle, wo die Agitation einsetzen wird, die die Masuren nach und nach ins polnische Fahrwasser hinüberleiten kann.

** Sozialdemokratische Geständnisse über das Zen- irum. Einige Aussprüche vom Magdeburger Partei­tage, soweit das Zentrum in Betracht kommt, möchten wir hervorheben. Wir geben sie nach dem Berichte des ,Vorwärts' in den Nummern 221 und 222: Bebel:

„Ihr in Baden, die ihr euch heute so brüderlich mit den Nalionalliberalen verbrüdert habt, ihr hättet heute noch nicht das allgemeine Wahlrecht, wenn euch nicht das Zentrum dazu verhalfen hätte, natürlich einzig und allein in seinem Interesse. Da mußten denn natürlich auch die Liberalen diese Forderung aufstellen, und so kämet ihr dazu, ohne daß ihr euch sonderlich die Hände verrenkt habt."

Den Bayern sagte Bebel ungefähr dasselbe mit folgenden Worten:

„Euch Bayern ist doch das allgemeine, gleiche Wahlrecht wie die gebratenen Tauben in den Mund geflogen. Das Zentrum hat es durchgesetzt." Endlich sei noch folgender Ausspruch Bebels verzeichnet: